Special Greater Zurich Area

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1 7. Mai 2015 Definitionssache Eine Region, die in 60 Minuten und weniger vom Flughafen Zürich aus erreichbar ist. Seite Special Greater Zurich Area Greater Zurich Area: Die Kantone Glarus, Graubünden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Zug und Zürich machen weltweites Standortmarketing unter einem gemeinsamen Dach. Im Vorgarten Zürichs Standortmarketing Die Ansiedlung von ausländischen Unternehmen ist anspruchsvoll. Dennoch glauben die sechs kleinen Mitgliedskantone der Greater Zurich Area an ihre Attraktivität. Fotos: Fotolia «Firmen kommen gerne hierher» Zürichs Regierungsrat Ernst Stocker über seine Mission als Präsident des Stiftungsrats der Greater Zurich Area. Seite 42 Messbarer Return on Investment Experten beurteilen die Wertschöpfung der ausländischen Ansiedlungen in der Region als nachhaltig. Seite 43 Wirkungsvoller Zweckverband Die Standortförderer der sechs kleinen Kantone über die Beweggründe, gemeinsame Sache mit den Zürchern zu machen. Seite 44 Wirtschaftsraum im Überblick Eckwerte zu den sieben Mitgliedskantonen der Greater Zurich Area mit Firmen und 2,3 Millionen Einwohnern. Seite 46 Winterthurs grösster Coup Die Hintergründe zum Ansiedlungsprozess des deutsch-japanischen Weltmarktführers für Werkzeugmaschinen. Seite 47 verantwortlich für diesen special: Norman C. Bandi Foto-portfolio Die Bilder zeigen Schweizer Zentralen oder europäische Hauptsitze von ausländischen Unternehmen, die sich in den sieben Mitgliedskantonen der sogenannten Greater Zurich Area angesiedelt haben. Norman C. Bandi Geografisch betrachtet macht die Greater Zurich Area eigentlich keinen Sinn. Dass sich zum Hauptkanton Zürich noch die Nachbarkantone Schaffhausen, Zug und Schwyz gesellen, mag einleuchten. Dass daneben die Anschlusskantone Glarus und Graubünden dazugehören, jedoch nicht die Nachbarkantone Aargau, Thurgau und St. Gallen, mag verwirren. Dass ganz ohne Anschluss der Kanton Solothurn mit von der Partie ist, mag überraschen. Im Vergleich dazu ist der Verein Metropolitanraum Zürich nachvollziehbarer, weil zu ihm alle Nachbarkantone gehören nur Luzern fällt etwas aus dem Rahmen. Trotzdem hat die Greater Zurich Area ihre Bestimmung, der sie seit mehr als 15 Jahren nachkommt: Als globale Ansprechpartnerin für das Standortmarketing ihres Wirtschaftsraums vermittelt sie zwischen ansiedlungswilligen multinationalen Unternehmen und lokalen Behörden. Zur Mitgliedschaft ihres Satellitenkantons sagt die Solothurner Wirtschaftsförderin Sarah Koch: «Durch den effizienten Mitteleinsatz profitieren wir direkt vom jahrelang etablierten, weltweiten Netzwerk zu Kunden und Multiplikatoren sowie von der bekannten Marke Zürich.» Ihr Schaffhauser Kollege Christoph Schärrer erklärt: «Dank der Greater Zurich Area sind wir in Regionen präsent, die wir eigenständig nicht bearbeiten können.» Primär seien dies Länder ausserhalb Europas. «Es ist sinnvoll, für diese Regionen die Kräfte zu bündeln und sich mit den übrigen Mitteln auf die nahen Märkte zu konzentrieren», so Urs Durrer, Vorsteher des Amts für Wirtschaft des Kantons Schwyz. Die sechs kleinen Mitgliedskantone sehen sich dabei nicht als Trittbrettfahrer. «Die Wirtschaftsräume innerhalb des Grossraums Zürich stärken sich gegenseitig, da die Bedürfnisse der ansiedlungswilligen Unternehmen umfassender abgedeckt werden», sagt Bernhard Neidhart, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zug. Sein Glarner Pendant Heinz Martinelli meint: «Eine Ansiedlung in Zürich kann auch uns zugutekommen, sei es in Form von Tagesausflüglern oder sogar Einwohnern.» Ausserdem profitierten von zusätzlichen Steuererträgen nicht nur die Standortkantone, sondern via die Neugestaltung des Finanzausgleichs und die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) alle. Laut Eugen Arpagaus, Leiter des Amts für Wirtschaft und Tourismus des Kantons Graubünden, ist es un bestritten, dass die beiden Grossstädte Zürich und Winterthur die treibenden Kräfte sind. «Insofern ist es eindeutig zu begrüssen, wenn wir unsere Standortvorteile ausländischen Unternehmen aufzeigen können zwar nicht im Schatten, aber im Vorgarten des Kantons Zürich.» Fotos: Daniele Lupini, Leistungsfotografie.ch Greater Zurich Area Impressum Der Special «Greater Zurich Area» ist eine redaktionelle Eigenbeilage der «Handelszeitung» und Bestandteil der aktuellen Ausgabe. Herausgeber: Redaktion und Verlag, «Handelszeitung», Axel Springer Schweiz, 8021 Zürich.

2 42 Greater Zurich Area Kanton Zürich: Google betreibt im Hürlimann-Areal sein grösstes Forschungs- und Entwicklungszentrum ausserhalb den USA. Kanton Zug: Das weltweit grösste Biotechnologie-Unternehmen Amgen hat seine Europazentrale seit 2006 in «Wirtschaftslokomotive dieses Landes spielen» Ernst Stocker Der Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Zürich und Stiftungsratspräsident der Greater Zurich Area über Sinn und Unsinn des internationalen Standortmarketings. Interview: Jean François Tanda Welche waren für Sie die erfreulicheren News: Das Ergebnis der Regierungsratswahlen Mitte April oder dass der Regierungsrat Ende April entschieden hat, die Stiftung Greater Zurich Area, die Sie präsidieren, ab 2016 weiterhin mit rund 2 Millionen Franken pro Jahr zu unterstützen? Ernst Stocker: Ich glaube, die Wahlen haben gezeigt, dass der Kanton Zürich weiterhin die Wirtschaftslokomotive dieses Landes spielen möchte. Wir konnten die bürgerlichen Kräfte stärken, und ich wünsche mir, dass dies auch die wirtschaftliche Funktion des Kantons stärkt. Wir haben einige Herausforderungen. Und diese müssen wir angehen. Bei den Wahlen hat das Volk entschieden. Beim Kredit für die Greater Zurich Area handelt es sich aber um einen Antrag der Regierung an den Kantonsrat. Das Parlament wird abschlies send darüber befinden. Welche Herausforderungen meinen Sie? Teilweise hat dies sicherlich mit der Euro Schwäche zu tun, wie ich das nenne. Diese bringt uns in eine spezielle Situation. Die Zürcher Unternehmen sind im Schnitt zu 50 Prozent vom Export abhängig. Sie stehen vor einer Riesenherausforderung, und ich ziehe vor allen Unternehmern den Hut, die in den letzten Jahren die Wechselkursschwankungen zwischen Franken und Euro von 1.50 auf 1.20 bewältigen konnten. Jetzt müssen sie wieder einen Effizienzgewinn von 10 bis 20 Prozent erwirtschaften. Das ist nicht einfach. Die Margen schrumpfen. Ja. Und wir wissen noch nicht, was dies für die Steuereinnahmen oder für die Arbeitsplätze bedeutet. Das werden wir erst später erfahren. Wir hoffen, es hinterlässt nicht zu tiefe Spuren. Einige Entlassungen wurden bereits angekündigt, ebenso Kurzarbeit. Bisher hält sich alles in Grenzen. Die Firmenansiedlungen waren in den letzten Jahren rückläufig. Ebenso die Anzahl neu geschaffener Arbeitsplätze. Für mich sind die Gründe vielschichtig. Europa leidet an einer Wachstumsschwäche. Man muss aber auch festhalten, dass die Post in Asien abgeht. Obwohl wir nicht in der EU sind, gehören wir zu Europa, sind mittendrin. Darum müssen wir uns besonders anstrengen. Das wollen wir mit allen Mitteln tun. Wir haben zum Beispiel beste Aussichten, dass der Renminbi-Hub nach Zürich kommt. Dahinter stehen mehrjährige Bemühungen. Mir als Volkswirtschaftsdirektor geht es darum, Zürich mithilfe anderer Kantone attraktiv zu halten. Wir haben einiges zu verlieren: Wohlstand, Arbeitsplätze, Vollbeschäftigung. Ein Grund für das Zögern vieler Firmen ist die Masseneinwanderungsinitiative Ihrer Partei, der SVP. Sie ist sicherlich ein Thema. Aber ich bin überzeugt, dass wir wie es im Initiativtext steht die wirtschaftlichen Interessen berücksichtigen müssen. Der Bund wird dies machen. Ich bezweifle nicht, dass wir eine Lösung finden. Die Kantone setzen alles daran, dass hochspezialisierte Arbeitskräfte weiter in die Schweiz kommen können. Was trägt die Greater Zurich Area bei? Wir sind ein Zusammenschluss, um den Grossraum Zürich zu verkaufen und gezielt Firmen anzusprechen, die in unser Profil passen. Welche Branchen passen? Life Sciences, Kommunikation, Finanzsektor, Präzisionsgüterindustrie, Informations- und Kommunikationstechnologie, Cleantech, Medtech. Zürich ist für viele attraktiv. Google hat Ende 2014 gesagt, dass er hier in Zürich ausbaut. Für den Konzern ist Zürich nebst dem Silicon Valley und New York der drittwichtigste Standort. Das heisst doch, dass er trotz Masseneinwanderungsinitiative genügend Arbeitskräfte holen kann und vom Standort Schweiz nach wie vor überzeugt ist. Aber Apple hat sich gegen die Schweiz und für Dänemark entschieden. Der Stiftungsrat Name: Ernst Stocker Funktion: Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Zürich; Stiftungsratspräsident der Greater Zurich Area Alter: 60 Wohnort: Wädenswil Familie: Verheiratet, zwei Kinder Ausbildung: Dipl. Meisterlandwirt Wir dürfen nicht meinen, wir seien die einzigen Guten auf der Welt auch steuermässig. Man denkt immer, die Schweiz sei steuerlich so günstig. Eine US-Firma mit Sitz im Kanton Zürich hat kürzlich eine Firma in Holland übernommen. Die Manager sagten mir, eigentlich wäre es besser, man würde alles nach Holland verschieben. Dort sind die Steuern niedriger. Holland, Irland, London sie alle machen Firmen Superangebote. Wir wissen auch, dass grosse Firmen in Frankreich Sonderdeals abschliessen können. Wir sind steuerlich sicher noch dabei, aber Hauptgrund für Zürichs Stärke ist das Gesamtpaket: Steuern, Hochschulen, gute Bildung, Kulturangebot, Einkauf, Sicherheit, Lebensqualität und die guten Verkehrsverbindungen per Bahn, Auto oder Flugzeug. Zudem wird es mit der Frankenstärke, der Minder-Initiative und anderen Regulierungen immer komplizierter für Firmen. Ja, das ist so. Aber vieles, was ansteht, kommt aufgrund von Druck von aussen. Etwa der automatische Informationsaustausch. Oder die US-Bussen für Schweizer Firmen. Das ist auch Machtpolitik. Jetzt die Unternehmenssteuerreform III, was die Schweiz nicht attraktiver macht. Das ist wieder eine andere Ausgangslage. Die EU sagt, wir dürfen keine Sondersätze für Holdinggesellschaften erheben. Davon gibt es ja hier einige. Ja, und sie liefern dem Bund viel Steuergeld. Wir können den Vorwurf der EU einer Ungleichbehandlung nachvollziehen. Wenn wir nun die Steuern für Schweizer Unternehmen nach unten an die Holdingsteuern anpassen, könnte man uns diesen Vorwurf nicht mehr machen. Aber wie kompensieren wir die Steuerausfälle, die hauptsächlich in Basel, Genf, Zürich anfallen? Das wird noch viel zu reden geben. Es ist eine unsichere Komponente mehr. Warum soll ein Unternehmen in das Gebiet der Greater Zurich Area ziehen? Zum Beispiel ist das Leben hier sehr teuer. Die Firmen kommen gerne hierher. Der Kampf um die Talente ist gross, dennoch kriegt etwa die ETH immer noch absolute Spitzenleute. Hier stimmt das Umfeld, das ist ja unser Glück. Wichtig ist, dass die Schweiz ihr Licht nicht unter den Scheffel stellt. Das gilt auch für die Presse: Es gibt wahrscheinlich kein Land, in dem die Presse, auch die bürgerliche, alles so hinterfragt wie hier. Wenn aber irgendwo steht, dass London schlecht ist, dann verteidigt dort die Presse ihre Stadt. Ich glaube an die Schweiz. Aber wir müssen sie gut verkaufen und klar machen: Wir sind gut. Viele im Ausland bestätigen das. Auch unsere Behörden funktionieren. So schwierig und kompliziert die staatliche Bürokratie empfunden wird verglichen mit anderen Ländern stehen wir sehr gut da. Im Ausland werben diverse Organisationen für die Schweiz: Switzerland Global Enterprise, regionale Standortförderer, die kantonalen Ämter für Wirtschaft. Zu viele? Wir sind überzeugt, die Konstellation ist gut. Die Kantone haben verschiedene Vorstellungen darüber, was der Bund machen soll. Wichtig ist, dass es keine Doppelspurigkeiten gibt. Darum finden wir, dass «Das ist unsere Aufgabe: Otto Normalbürger zu erklären, was für Vorteile es ihm bringt, Firmen hier anzusiedeln.» Switzerland Global Enterprise hauptsächlich ein positives Grundrauschen sicherstellen und aufzeigen soll, wie gut die Schweiz trotz aller Kritik immer noch ist. Dann setzt eine Firma die Schweiz auf ihre Longlist. Unsere Organisationen können dann auf die Unternehmen zugehen, die in unsere Cluster-Strategie passen. Viele Kritiker stellen die Standortförderung grundsätzlich in Frage. Das ist so. Aber man muss sehen: In der heutigen Zeit buhlen verschiedenste Regionen aus Europa, aber auch aus dem Nahen Osten, um Firmen und schreiben die Unseren hier ganz gezielt an. Sie sagen, die Schweiz sei nicht mehr gut. Sie bieten günstigere Steuern ohne teures Frankenumfeld. Das ist ein Lockruf, dem man entgegentreten muss. Im Vergleich zu den Standortförderungen in diesen Ländern tun wir dies hier in Zürich sehr bescheiden teilweise übrigens auch mit Geldern aus der Wirtschaft. Wie sieht der Leistungsausweis der Greater Zurich Area konkret aus? 2009 bis 2013 haben wir 464 Unternehmen angesiedelt, die 4165 Arbeitsplätze geschaffen haben. Die Steuereinnahmen beliefen sich auf 150 Millionen Franken. 464 Firmen, das sind pro Jahr im Schnitt 93. Letztes Jahr waren es nur noch 65. Man sieht, dass es schwierig geworden ist. Die Nachfrage hat nachgelassen aus welchen Gründen auch immer. Darum ist es so wichtig, dass wir dranbleiben. Ich glaube aber, dass der Teich gross genug ist, damit die kleine Schweiz ein paar gute Fische fängt. Alle können wir nicht hierherholen. Es gibt gewisse Anzeichen, dass die Bevölkerung skeptisch ist. Als Beispiel seien Kulturlandinitiative oder Masseneinwanderungsinitiative erwähnt. Und das ist unsere Aufgabe: Otto Normalbürger zu erklären, was für Vorteile es ihm persönlich bringt, Firmen hier anzusiedeln. Und was sagen Sie Otto Normalbürger? Die Schweiz ist ein erfolgreiches, kleines Land. Und das soll weiterhin so sein. Deshalb müssen wir die wirtschaftlichen Beziehungen aufrechterhalten und das Erfolgsmodell Schweiz weiterführen. Aber man muss ein gewisses Mass halten. In der Greater Zurich Area sind nicht nur sieben Kantone und zwei Städte, sondern auch Unternehmen Mitglieder. Die Greater Zurich Area wurde schon als Private Public Partnership gegründet. In den letzten Jahren sind die Beiträge aus der Wirtschaft gestiegen. Ich finde das wichtig, etwa wegen des möglichen Erfahrungsaustauschs mit globalen Firmen. Nicht zu den Mitgliedern gehört Ringier. Dennoch kommt von dort der neue grosse Wurf: Digital Zurich Warum hatte die Idee nicht Ihre Greater Zurich Area? Der Raum Zürich hat sich in der digitalen Welt dank findigen Köpfen und der ETH stark verbessert. Wir sind ein Standort der globalen Game-Industrie! Ich finde Marc Walders Initiative gut, und wir unterstützen sie. Und wie soll die Initiative aussehen? Zürich soll gut positioniert werden für Digitalfirmen. Am Ende geht es auch immer darum, dass wir genügend Leute gut ausbilden und ihnen ein Umfeld bereitstellen, damit sie hier bleiben. Es ist eine Chance für unseren Raum. Ein anderes Grossprojekt ist der geplante Innovationspark auf dem Flugplatzareal Dübendorf. Wie wichtig ist er für den Kanton und die Greater Zurich Area? Ich sehe ihn als sehr wichtig an. Da wir teuer sind, müssen wir innovativ sein. Wir haben uns in Zürich auf den Grundgedanken geeinigt, dass wir vom Kanton her mitmachen wollen und eine wichtige Rolle spielen. Die Greater Zurich Area spielt nur eine Nebenrolle. Die Hauptrollen spielen Kanton, ETH und Wirtschaft.

3 handelszeitung Nr Mai der Innenstadt. Kanton Schwyz: Der in London kotierte Hedgefonds-Anbieter Man ist seit 1990 mit Man Investments in Pfäffikon SZ zu Hause. F0tos: Daniele Lupini, Leistungsfotografie.ch (2); ZVG (1) 1 Werbefranken wird zu 5 Steuerfranken Analyse Die Greater Zurich Area möchte den Tatbeweis liefern und hat ihre Leistung deshalb nachweisen lassen. Norman C. Bandi Standortförderung ist dem Zeitgeist entsprechend ähnlich wie «Der Bachelor», für Nostalgiker in etwa wie «Herzblatt». Während in den beiden TV-Formaten Singles um die Gunst eines Kandidaten oder einer Kandidatin werben, buhlen inund ausländische Destinationen um Niederlassungen oder Hauptsitze von Firmen aus anderen Ländern. Damit es zu solchen Castings kommt, sind im Vorfeld oft überregionale Organisationen im Hintergrund aktiv, betreiben internationales Standortmarketing und vermitteln Kontakte zu lokalen Behörden. Auf nationaler Ebene macht dies hierzulande offiziell Switzerland Global Enterprise, für einzelne Wirtschaftsräume beispielsweise die Greater Zurich Area mit dem Segen ihrer sieben Mitgliedskantone (siehe Kasten). Trotzdem steht Standortmarketing regelmässig im Kreuzfeuer der Kritik, da die damit beauftragten Non-Profit-Organisationen nicht gewinnorientiert arbeiten und keinen Leistungsnachweis erbringen müssen. Doch diesen Tatbeweis will die Greater Zurich Area nun liefern und hat dafür beim Beratungsunternehmen EY eine Analyse in Auftrag gegeben. Überlebensrate von 88 Prozent Erstmals wurden für eine Zeitspanne von fünf Jahren Wirkung und Nutzen untersucht, die mit den erfolgten Investitionen ins Standortmarketing generiert wurden. Das Ergebnis: Zwischen 2009 und 2013 siedelte die Greater Zurich Area total 464 ausländische Unternehmen in ihrem Wirtschaftsraum an. Von diesen Firmen sind Anfang des letzten Jahres 406 nach wie vor in der Region domiziliert. Das ergibt eine Überlebensrate von 88 Prozent. Insgesamt haben diese Unternehmen 4165 Arbeitsstellen geschaffen. Über vier Fünftel dieser Firmen haben in der Betrachtungsperiode zudem fünf oder mehr neue Jobs hervorgebracht. Im Vergleich zu sämtlichen Neugründungen von allen Unternehmen in der Metropolitanregion in der Vergleichsperiode schaffen damit die von der Greater Zurich Area unterstützten Firmen laut EY gut sechsmal so viele Arbeitsstellen pro Ansiedlung. Die Dienste der Greater Zurich Area haben ihrem Wirtschaftsraum zwischen 2009 und 2013 konservativ gerechnete Steuereinnahmen Einkommens- und Unternehmenssteuern von rund 150 Millionen Franken eingebracht. Das entspricht während eines Zeitraums von fünf Jahren Franken pro Ansiedlung. Diesen Steuereinnahmen stehen Gesamtinvestitionen ins Standortmarketing von rund 30 Millionen Franken in den sieben Mitgliedskantonen sowie den Städten Zürich und Winterthur gegenüber. Die Non- Profit-Organisation vermittelte damit in der Betrachtungsperiode für jeden von der öffentlichen Hand gesponserten Werbefranken 5 Franken an Steuereinnahmen für die Metropolitanregion. Fokus aktive Marktbearbeitung Balz Hösly, Präsident des Verwaltungsrates der Greater Zurich Area, erklärt: «Die Frage nach Nutzen und Wirkung können wir heute substanziell beantworten: Massgeschneidertes und fokussiertes Standortmarketing kann den wirtschaftlichen Strukturwandel positiv beeinflussen und stärkt das Innovationspotenzial des Wirtschaftsraums. Die Analyse von EY zeigt aber nicht nur den in Steuerfranken messbaren Nutzen einer aktiven Marktbearbeitung. Die Investitionen der öffentlichen Hand ins Standortmarketing leisten einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung unseres Standortes und zur Erhaltung unseres Wohlstands und der Lebensqualität.» Greater Zurich Area Sieben Kantone und zwei Städte Mission Die Non-Profit-Organisation Greater Zurich Area AG (GZA) ist die operative Standortmarketing-Organisation des Wirtschaftsraums Zürich. Dieser umfasst die Region, die in 60 Minuten und weniger vom internationalen Flughafen Zürich aus erreichbar ist. Als offizielle globale Ansprechpartnerin für Promotion und Marketing der Metropolitanregion Zürich vermittelt die GZA zwischen ansiedlungswilligen multinationalen Unternehmen und lokalen Ansprüchen und Interessen. Sie akquiriert Firmen aktiv im Ausland und unterstützt und betreut diese gemeinsam mit ihren kantonalen und städtischen Partnern, von der Standort evaluation über Beratungsgespräche bis zur Unternehmensgründung. Das Prinzip der Fokussierung, in klar definierten Regionen ganz bestimmte Unternehmen anzusprechen, zahlt sich aus. Ansiedlungen, die auf einen direkten Erstkontakt zu den Firmen (aktive Marktbearbeitung) zurückzuführen sind, nehmen überproportional zu. Anfragen von Unternehmen bei der Organisation (passive Marktbearbeitung) gehen zurück. EY erwartet denn auch, dass die aktive Marktbearbeitung in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird. Sonja Wollkopf Walt, Geschäftsführerin der Greater Zurich Area, sagt: «Der internationale Wettbewerb und das ausgesprochen deutliche Buhlen von Mitbewerbern um multinationale Firmen haben die Anforderungen an ein effektives Standortmarketing erhöht. Die nun mehrere Jahre umfassende Evaluation von EY zeigt den grossen Nutzen der Fokussierung. Dies bestärkt uns, weiter nach ganz bestimmten, für den Wirtschaftsraum vorteilhaften Unternehmensprofilen zu suchen. Wir wollen jene Ansiedlungen, die dem hier vorhandenen Netzwerk von Partnerfirmen, regionalen KMU und der Forschung neue, wertschöpfende Innovationsimpulse geben können.» Bei dieser Analyse geht nur vergessen, dass nach der Ansiedlung von ausländischen Unternehmen die Mission der Grea ter Zurich Area erfüllt ist. Für das Halten dieser Firmen und ihr Schaffen von neuen Jobs stehen deshalb die lokalen und kantonalen Behörden in der Pflicht. Träger Eigentümerin der Greater Zurich Area AG ist die Stiftung Greater Zurich Area Standortmarketing. Sie stellt die jährlichen Finanzmittel bereit, die von der GZA zur Umsetzung ihrer Ziele benötigt werden. Die Stiftung wurde 1998 als Public Private Partnership gegründet. Der Kreis der Mitglieder wurde seitdem laufend erweitert. Gönner Zur GZA gehören von der öffentlichen Hand die Kantone Glarus, Graubünden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Zug und Zürich sowie die Stadt Zürich und die Region Winterthur. Dazu kommen aktuell 19 Partner aus der Privatwirtschaft von A wie Amag über sechs der sieben möglichen Kantonalbanken bis Z wie Zurich.

4 44 Greater Zurich Area Im Konzert der Grossen Umfrage Sieben Kantone und zwei Städte orchestrieren die Ansiedlung von ausländischen Unternehmen gemeinsam als Greater Zurich Area. Ihr Taktangeber ist Zürich mit den Grossstädten Zürich und Winterthur. Doch die sechs kantonalen Standortförderer von Glarus, Graubünden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn und Zug erklären, warum sie nicht bloss die zweite Geige spielen. 6 Kenner, 6 Fragen Umfrage: Norman C. Bandi Die Greater Zurich Area 1. ist die internationale Ansprechpartnerin für Promotion und Marketing des Wirtschaftsraums Zürich. Weshalb ist Ihr Kanton Teil dieser Kooperation? Läuft Ihr Kanton bei dieser 2. Standortförderung von ausländischen Firmen nicht Gefahr, im Schatten des Kantons Zürich und seiner Grossstädte Zürich und Winterthur zu stehen? Welche Vorteile bietet Ihr 3. Kanton im Vergleich zu den anderen Regionen der Greater Zurich Area? Wo liegen Wettbewerbsnachteile Ihres Kantons 4. im Vergleich zu den anderen Regionen der Greater Zurich Area? Heinz Martinelli Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit, Kanton Glarus, Glarus Wir fühlen uns wirtschaftlich und 1. topografisch dem Wirtschaftsraum Zürich zugehörig. Brummt der Wirtschaftsmotor der Schweiz, dann spüren wir das ebenfalls. Es ist uns wichtig, dabei nicht einfach als Trittbrettfahrer mitzureisen, sondern gestaltend mitzuwirken. Eine Ansiedlung in Zürich kann 2. auch uns zugute kommen, sei es in Form von zusätzlichen Tagesausflüglern oder sogar Einwohnern. Ausserdem profitieren von zusätzlichen Steuererträgen ja nicht nur die Standortkantone, sondern via die Neugestaltung des Finanzausgleichs und die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen alle. Wir sind stolz auf unsere Industrielandschaft, eingebettet in eine impo- 3. sante Bergwelt. Das ergibt einen weltweit einmaligen Mix von Aus- und Einsichten. Zudem sind wir via die Autobahn A3 und den Halbstundentakt des öffentlichen Verkehrs einen Katzensprung von der Metropole Zürich entfernt, ohne dass wir deswegen unter dem Dichtestress leiden würden. Das Glarnerland ist kein Hochschulstandort. Junge Glarnerinnen und 4. Glarner, die studieren wollen, sind deshalb gezwungen, den Kanton zu verlassen. Viele kommen nach dem Abschluss ihres Studiums leider nicht zurück. Ausserdem bringt es der enge Talboden mit sich, dass grosse Areale und damit grosse Projekte einen schweren Stand bei uns haben. Eugen Arpagaus Leiter Amt für Wirtschaft und Tourismus, Kanton Graubünden, Chur Zum Ersten verschafft uns die Greater Zurich Area die Möglichkeit, zu- 1. sätzliche Promotionsplattformen zu nutzen, die Graubünden einen Mehrwert bringen. Zum Zweiten werden die Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch unter den Kantonen gefördert. Dies schätzen wir und erachten es für unsere Tätigkeit in der Standortentwicklung und Standortpromotion als sehr wichtig. Es ist unbestritten, dass die Agglomerationen respektive Grossstädte 2. wie Zürich die treibenden Kräfte sind. Insofern ist es eindeutig zu begrüssen, wenn wir unsere Standortvorteile ausländischen Unternehmen aufzeigen können zwar nicht im Schatten, aber im Vorgarten des Kantons Zürich. 3. Graubünden hat im Vergleich zu Agglomerationsregionen weniger Dichtestress und bietet eine hohe Lebensqualität in einer weitgehend intakten Umwelt mit all ihren Erholungsmöglichkeiten. Wir sind nur 1 Stunde von Zürich entfernt und an der wichtigen Nord-Süd- Achse gelegen. Die Infrastrukturkosten sind tiefer als in der Agglomeration. Die Steuern sind attraktiv. Als einziger Kanton sind wir Italienisch sprechend und haben auf dem italienischen Markt zumindest einen sprachlichen Vorteil. Siehe meine Antwort auf die dritte 4. Frage... Christoph Schärrer Delegierter für Wirtschaftsförderung, Kanton Schaffhausen, Schaffhausen Die Greater Zurich Area vermarktet 1. weltweit die Vorteile des gesamten Wirtschaftsraums Zürich, von dem Schaffhausen ein wichtiger Teil ist. Dank der Greater Zurich Area sind wir in Regionen präsent, die wir eigenständig nicht bearbeiten können. Nein. In Ansiedlungsgesprächen ist 2. es sehr wertvoll, wenn wir uns als Teil der bekannten Marke Greater Zurich Area präsentieren können. Zudem ist Schaffhausen ein sehr attraktiver Standort innerhalb des Grossraums Zürich, der ganz spezifische Vorteile bietet. Schaffhausen punktet mit der Flughafennähe, den guten Verbindungen 3. nach Zürich und ins nahe Ausland sowie mit der Grenzlage. Zudem bietet Schaffhausen attraktive steuerliche Bedingungen. Eine Besonderheit von Schaffhausen sind die kurzen Wege im Kontakt mit der Verwaltung, aber auch zwischen zu Hause und dem Arbeitsplatz. Und das alles verbunden mit viel Lebensqualität. Kein Kommentar. 4. Urs Durrer Vorsteher Amt für Wirtschaft, Kanton Schwyz, Schwyz Die Greater Zurich Area nimmt für 1. den Kanton Schwyz das Standortmarketing in Wirtschaftsräumen wie Asien und Amerika wahr, in denen wir nur mit sehr grossem Aufwand selber tätig sein könnten. Es ist sinnvoll, für diese Regionen die Kräfte zu bündeln und sich mit den übrigen Mitteln auf die nahen Märkte zu konzentrieren. Überhaupt nicht. Schwyz hat einiges 2. zu bieten. Sonst würden nicht rund 700 neue Firmen jährlich in unserem kleinen Kanton entstehen. Schwyz profitiert aber sehr stark vom Wirtschaftsmotor und Standort Zürich. Viele Firmen wählen zuerst die Grossregion. Wenn sich eine Firma dann genauer mit der Region befasst, ist sie auf einmal bereit, sich auch etwas ausserhalb der Stadt anzusiedeln. Zudem wählen viele Firmen die Stadt und die Mitarbeitenden wohnen etwas ausserhalb. Davon profitiert auch Schwyz. Der Kanton Schwyz ist steuerlich 3. sehr attraktiv, ist nahe an den Wirtschaftsräumen Zürich, Zug und Luzern und verfügt über eine grosse Zahl qualifizierter Arbeitskräfte sowie über Baulandreserven. Wenn eine Firma unbedingt das 4. urbane Klima sucht, dann muss sie sich für die Stadt Zürich entscheiden. Sarah Koch Leiterin Wirtschaftsförderung, Kanton Solothurn, Solothurn Kultur- und länderadäquate Auftritte 1. sowie die spezifische Bearbeitung einzelner Zielmärkte könnten vom Kanton Solothurn aus Ressourcengründen nur ungenügend in Eigenregie durchgeführt werden. Durch den effizienten Mitteleinsatz bei der Greater Zurich Area profitiert der Kanton direkt vom jahrelang etablierten, weltweiten Netzwerk zu Kunden und Multiplikatoren sowie von der weltbekannten Marke Zürich. Die Greater Zurich Area ist ein Wirtschaftsraum und die Mitgliedskanto- 2. ne und -städte nehmen diesen als solchen wahr. International, gar global betrachtet muss sich sogar Zürich vielleicht das eine oder andere Mal eingestehen, nicht wahrgenommen zu werden. Solothurn hat einen international 3. bemerkenswerten Cluster der Präzisionsmechanik und der Automatisierung. Dazu zählen nebst Firmen der Zuliefererindustrie Uhrenhersteller selbst und die Medizintechnologie mit der Ausprägung Orthopädie. Durch die Anbindung an die Hauptverkehrsachsen A1 und A2 haben sich viele Logistikbetriebe angesiedelt. Dies wiederum ist klares Indiz und Standortvorteil, dass im Kanton auf den wohl grössten Arbeitsmarkt der Schweiz in Pendeldistanz zugegriffen werden kann. Diese sind, wenn überhaupt vorhanden, eher in Branchenschwerpunk- 4. ten zu suchen, die schwächer ausgeprägt sind als an anderen Orten. Bernhard Neidhart Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit, Kanton Zug, Zug Der Kanton Zug ist erst seit Mitte dabei. Mit der gleichzeitigen Gründung der Metropolitan-Konferenz Zürich konnten wir mit den beteiligten Kantonen erstmals auf eine annähernd verbindliche Art Fragen der Standortentwicklung diskutieren. Damit schaffen wir zukünftig ein Produkt, das sich dank der Greater Zurich Area auf den wichtigsten internationalen Märkten wirkungsvoll präsentieren lässt. Nein, ganz im Gegenteil. Die Wirtschaftsräume innerhalb des Gross- 2. raums Zürich stärken sich gegenseitig, da die Bedürfnisse der ansiedlungswilligen Unternehmen umfassender abgedeckt werden. Zudem bereichert eine Ansiedlung im Kanton Zürich auch den Raum Zug und umgekehrt. Man betrachte nur schon die gegenseitig ähnlich grossen Pendlerströme. Der Kanton Zug hat eine lange und 3. erfolgreiche Geschichte als internationaler Wirtschaftsstandort. Seine dezidierte und verlässliche Wirtschaftspolitik, die nur auf die Förderung der allgemeinen Standortfaktoren und nicht auf einzelne Branchen fokussiert, hat eine grosse Vielfalt an Technologiefirmen, internationalen Handelsfirmen, Finanzdienstleistern, internationalen Headquarters, Life-Science-Unternehmen und anderen Betrieben hervorgebracht. Als kleinster Vollkanton der Schweiz 4. sind wir nicht erste Wahl für flächenintensive, wertschöpfungsschwächere Unternehmen.

5 handelszeitung Nr Mai Total hat die Greater Zurich 5. Area letztes Jahr mit ihren Partnern 65 ausländische Unternehmen angesiedelt, die zusammen 457 Stellen geschaffen haben. Wie viele davon in Ihrem Kanton? 6. War die letztjährige Ansiedlungsentwicklung für Ihren Kanton innerhalb der Greater Zurich Area stark, durchschnittlich oder schwach? Kanton Solothurn: Der amerikanische Medtech-Konzern Stryker hat seine Schweiz-Zentrale seit der Übernahme von Osteo in Selzach. Die Greater Zurich Area kommuniziert ihre Ansiedlungen nicht aufge 5. schlüsselt nach Kantonen. Das macht auch Sinn, da wie eingangs erwähnt eine Ansiedlung nicht nur im Standortkanton wirkt, sondern auch in einem grösseren Umkreis. Der Auftrag der Greater Zurich Aera 5. umfasst den ganzen Raum und nicht einzelne Kantone. Entsprechend wird der Erfolg der Greater Zurich Aera nicht nach Ansiedlungen in Teilräumen gemessen. Dies würde auch den positiven Auswirkungen einer Ansiedlung über die Kantonsgrenzen hinaus und zugunsten des ganzen funktionalen Grossraums nicht gerecht. Wir spüren einen Rückgang, sowohl 6. von Anfragen nach Industriebauland als auch von realisierten Ansiedlungen. Diese Tendenz deckt sich mit derjenigen der gesamten Schweiz. Derzeit gehen viele Sitzverlegungen an Konkurrenz standorte verloren. Die Gründe sind vielfältig. Was sich mit Gewissheit sagen lässt: Unsicherheit ist Gift für Investitionen. Mit der Masseneinwanderungsinitiative, der Unternehmenssteuerreform III und der Wechselkursentwicklung kommen derzeit viele Unsicherheitsfaktoren zusammen. Im Generellen spüren wir eine leicht 6. rückgängige Dynamik in der Ansiedlungsentwicklung respektive bei den Anfragen. Im Speziellen stellen wir jedoch fest, dass Unternehmen aus Italien weiterhin und teilweise zunehmend Interesse an unserem Standort bekunden. Kanton Schaffhausen: Der kanadische ÖV-Software-Entwickler Trapeze betreibt seinen Europa-Hauptsitz in Neuhausen am Rheinfall. anzeige F0tos: Daniele Lupini, Leistungsfotografie.ch Der Auftrag der Greater Zurich Aera 5. umfasst den ganzen Raum und nicht einzelne Kantone. Entsprechend wird der Erfolg der Greater Zurich Aera nicht nach spezifischen Ansiedlungen in einzelnen Kantonen gemessen. Während sich Schaffhausen in den 6. Vorjahren trotz schwierigem Umfeld im Vergleich zur Schweiz gut vermarkten konnte, zeigt sich der Rückgang der Ansiedlungen insgesamt nun auch in unserem Kanton. Eine Ansiedlung hat nie nur etwas 5. mit einem einzelnen Kanton zu tun. Wie schon erwähnt: Im einen Kanton ist die Firma, im anderen sind allenfalls die Mitarbeitenden und vor und nachgelagert profitiert ebenfalls die ganze Region von einer neuen Firma. Deshalb haben wir entschieden, dass wir die Ansiedlungen der Greater Zurich Area zusprechen und keine Kantonsstatistiken machen. Schliesslich profitiert auch die ganze Region von einer Ansiedlung. Es gibt immer wieder bessere und 6. schlechtere Jahre, was die Ansiedlungen betrifft. Mit dem vergangenen Jahr waren wir im Kanton Schwyz sehr zufrieden. Der Auftrag der Greater Zurich Area 5. umfasst den ganzen Raum und nicht einzelne Kantone. Entsprechend wird der Erfolg der Greater Zurich Area nicht nach Ansiedlungen in Teilräumen gemessen. Dies würde auch den positiven Auswirkungen einer Ansiedlung über die Kantonsgrenzen hinaus und zugunsten des ganzen funktionalen Grossraums nicht gerecht. Das Ansiedlungsgeschäft 2014 hat 6. sich verglichen mit den Vorjahren durchschnittlich entwickelt, allerdings mit einer absehbaren Tendenz der Verlangsamung. Dies ist sicherlich auf gewisse Unsicherheiten für die Investoren zurückzuführen, beispielsweise die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative oder die Unternehmenssteuerreform III. Der Auftrag der Greater Zurich Area 5. umfasst den ganzen Raum und nicht einzelne Kantone. Dementsprechend wird der Erfolg der Greater Zurich Area nicht nach Ansiedlungen in Teilräumen gemessen. Dies würde auch den positiven Auswirkungen einer Ansiedlung über die Kantonsgrenzen hinaus und zugunsten des ganzen funktionalen Grossraums nicht gerecht. Die Ansiedlungen im Kantons Zug 6. und in der Greater Zurich Area entsprechen dem nationalen Trend, der durch die jährliche Erhebung des Sekretariats der Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz aufgezeigt wird. Dieser Trend ist leicht abnehmend.

6 46 Greater Zurich Area handelszeitung Nr Mai 2015 Zahlen und Fakten zur Greater Zurich Area Kanton Schaffhausen (SH) Schaffhausen Fläche 298 km 2 Einwohner (2013) Bevölkerungsdichte 265 Einwohner pro km 2 Anteil am BIP der Schweiz (2012) 1,11% Anzahl Unternehmen (2012) 5687 Anzahl Beschäftigte (2012) Anteil Beschäftigte Dienstleistung 65% Anteil Beschäftigte Industriesektor 31% Arbeitslosenquote (März 2015) 3,5% Gewinnsteuerbelastung (2015) 14,78% Dienstleistung, Hightech, Logistik Link zur Standortförderung Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz 624,6 Mrd. Fr. (Total 2012) Greater Zurich Area 202,3 Mrd. Fr. (Anteil 32,39%) Kanton Solothurn (SO) Solothurn Fläche 791 km 2 Einwohner (2013) Bevölkerungsdichte 331 Einwohner pro km 2 Anteil am BIP der Schweiz (2012) 2,75% Anzahl Unternehmen (2012) Anzahl Beschäftigte (2012) Anteil Beschäftigte Dienstleistung 62,5% Anteil Beschäftigte Industriesektor 33,7% Arbeitslosenquote (März 2015) 2,6% Gewinnsteuerbelastung (2015) je nach Gemeinde Präzision, Medtech, Elektronik Link zur Standortförderung Schaffhausen Kanton Zürich (ZH) Zürich Fläche 1729 km 2 Einwohner (2013) Bevölkerungsdichte 824 Einwohner pro km 2 Anteil am BIP der Schweiz (2012) 21,74% Anzahl Unternehmen (2011) Anzahl Beschäftigte (2011) Anteil Beschäftigte Dienstleistung 81,3% Anteil Beschäftigte Industriesektor 17,7% Arbeitslosenquote (März 2015) 3,6% Gewinnsteuerbelastung (2015) je nach Gemeinde Finance, Life Sciences, ICT, Cleantech Link zur Standortförderung Solothurn Zug Winterthur Zürich Kanton Glarus (GL) Glarus Fläche 685 km 2 Einwohner (2013) Bevölkerungsdichte 58 Einwohner pro km 2 Anteil am BIP der Schweiz (2012) 0,42% Anzahl Unternehmen (2011) 3057 Anzahl Beschäftigte (2011) Anteil Beschäftigte Dienstleistung 51% Anteil Beschäftigte Industriesektor 42% Arbeitslosenquote (März 2015) 2,2% Gewinnsteuerbelastung (2014) 15,7% MEM, Nahrungsmittel, Bauwirtschaft Link zur Standortförderung Schwyz Glarus Chur Kanton Zug (ZG) Zug Fläche 239 km 2 Einwohner (2013) Bevölkerungsdichte 495 Einwohner pro km 2 Anteil am BIP der Schweiz (2012) 2,8% Anzahl Unternehmen (2012) Anzahl Beschäftigte (2012) Anteil Beschäftigte Dienstleistung 76,8% Anteil Beschäftigte Industriesektor 21,3% Arbeitslosenquote (März 2015) 2,3% Gewinnsteuerbelastung (2014) 14,57% Hightech, Finance, Handel, Pharma Link zur Standortförderung Kanton Schwyz (SZ) Schwyz Fläche 908 km 2 Einwohner (2013) Bevölkerungsdichte 167 Einwohner pro km 2 Anteil am BIP der Schweiz (2012) 1,4% Anzahl Unternehmen (2012) Anzahl Beschäftigte (2012) Anteil Beschäftigte Dienstleistung 67% Anteil Beschäftigte Industriesektor 27% Arbeitslosenquote (März 2015) 1,6% Gewinnsteuerbelastung (2014) 11,6% (Beispiel Wollerau) Finance, Life Sciences, MEM Link zur Standortförderung Quelle: Greater Zurich Area, Kantone, Bundesamt Für Statistik, Wikipedia Recherche: Norman C. Bandi Hinweis: Kein Anspruch auf Vollständigkeit Kanton Graubünden (GR) Chur Fläche 7105 km 2 Einwohner (2013) Bevölkerungsdichte 27 Einwohner pro km 2 Anteil am BIP der Schweiz (2012) 2,16 % Anzahl Unternehmen (2012) Anzahl Beschäftigte (2012) Anteil Beschäftigte Dienstleistung 71% Anteil Beschäftigte Industriesektor 24% Arbeitslosenquote (März 2015) 1,7% Gewinnsteuerbelastung (2015) 16,8% Life Sciences, Sensorik, Präzision Link zur Standortförderung

7 handelszeitung Nr Mai 2015 Greater Zurich Area 47 Kanton Graubünden: Die deutsche Antriebstechnik-Gruppe Wittenstein ist hierzulande in Grüsch angesiedelt. Kanton Glarus: Der belgische PET-Hersteller Resilux betreibt seit 2002 in Bilten einen Produktionsstandort. F0tos: Daniele Lupini, Leistungsfotografie.ch Deutsch-japanische «Sulzer» Winterthur Es ist der wichtigste Coup in der Geschichte der Standortförderung der zweitgrössten Stadt des Kantons Zürich: Die Ansiedlung des europäischen Hauptsitzes des Weltmarktführers für Werkzeugmaschinen DMG Mori. Die Hintergründe. GErard Moinat Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Winterthur und Japan begannen schon sehr früh hat Sulzer in Kobe als einer der ersten westlichen Industriebetriebe eine Niederlassung im Land der aufgehenden Sonne gegründet. Fast 100 Jahre später wird ein weiteres Kapitel in der Geschichte dieser Beziehungen aufgeschlagen: Im Juni 2013 wurde bekannt, dass der weltgrösste Werkzeugbauer DMG Mori Winterthur zum «Global Headquarter» des deutsch-japanischen Joint Venture DMG Mori Seiki Europe auserkoren hat. Die Eulachstadt ist damit neben Tokio der zweitwichtigste Standort des Milliardenkonzerns, der auf Fräs- und Drehtechnologie spezialisiert ist (siehe Kasten). Die Ansiedlung war der grösste Coup in der 20-jährigen Vergangenheit der Winterthurer Standortförderung. Doch wie ist ihr dieses Husarenstück gelungen? «Wir selbst kamen 2010 mit der japanischen Maschinenbaubranche zusammen, als wir Winterthur in Tokio präsentierten», erinnert sich deren Geschäftsführer Michael Domeisen. Früh war klar, dass die Schweiz zur europäischen Zentrale werden sollte. Aber für Winterthur sei damals noch nichts entschieden gewesen. Denn erst nach einer Evaluation im Kanton St. Gallen stellte sich heraus, dass ländliche Gegenden für den neuen weltweiten Hauptsitz nicht in Frage kommen würden, gerade aufgrund der benötigten Infrastruktur. «Wir unterstützten das Unternehmen dann vor allem auf der Suche nach einem geeigneten Standort», sagt Domeisen. Die Adresse an der Sulzerallee im Industriequartier Neuhegi entwickelte sich nach anspruchsvollen zweijährigen Verhandlungen mit der Grundeigentümerin und Generalunternehmerin Implenia schnell zum Favoriten. «Die Schweiz ist nach wie vor einer der besten Standorte weltweit.» Michael Domeisen Geschäftsführer Standortförderung, Region Winterthur, Winterthur ZH Keine Steuergeschenke Weitere Gründe für Winterthur seien das Renommee als Technologiestandort, das traditionelle Maschinenbaucluster, die Nähe zum Flughafen Zürich und eine überzeugende Kostenstruktur gewesen, so Domeisen. Hinzu kommt die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) plant nun gar ihren Sitz im Werk 1 des Sulzerareals. Trotz den 40 Millionen Franken, die DMG Mori investiert, hält Domeisen fest, dass «keine Steuergeschenke gewährt wurden». Für Silvio Lehmann, CEO von DMG Mori Seiki Europe, war bei der Standortwahl die Nähe zu lokaler Industrie der wichtigste Faktor. Ein weicher Faktor war weiter, dass die Sulzerallee sowohl in Deutschland als auch in Japan Erinnerungen an den Schweizer Maschinenbaukonzern wachrufe. Der Name Sulzer ist in der japanischen Maschinenbaubranche noch heute ein Begriff. Doch wohlklingende Namen und Standortvorteile alleine reichen nicht zum Sieg. Im Fall DMG Mori führte vor allem eine erfolgreiche Zusammenarbeit der Standortförderer zum Erfolg. Ein bedeutendes Fundament legte gemäss Domeisen die Promotionsarbeit der Greater Zurich Area mit der Positionierung des gesamten Wirtschaftsraums. Weiter stand die Standortförderung in engem Kontakt zum Swiss Business Hub Japan in Tokio, der im April 2011 erste Gespräche mit Firmenchef Masahiko Mori in Nagoya führte. Die Zusammenarbeit gestaltete sich laut Domeisen konstruktiv: Es habe sich gezeigt, dass das Aussennetz von grosser Bedeutung sei. Auf die Wichtigkeit professioneller Unterstützung vor Ort wiederum macht Roger Zbinden, Leiter des Swiss Business Hub Japan in Tokio, aufmerksam. Alle involvierten Parteien schafften es jedenfalls, eine Art Gastfreundschaft aufkommen zu lassen. «Die Schweiz liegt im Herzen Europas, hier hat man uns mit offenen Armen empfangen», resumierte Rüdiger Kapitza, Vorstandsvorsitzender von DMG Mori Seiki, bei der Eröffnung des neuen Hauptsitzes entsprechend. Ein 1000 Quadratmeter grosses Technologiezentrum ist das Herzstück des fast Quadratmeter grossen Areals an der Sulzerallee im Winterthurer Industriequartier Neuhegi. Hier sollen der Kundschaft in edlem Ambiente die Vorzüge der Präzisionsfräsen, Drehmaschinen und Ultrasonic-Lasern nähergebracht werden. Von Winterthur aus beliefert und unterhält das Unternehmen nun Maschinen von Kunden in Europa, Russland, Indien, Südafrika und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Diese stammen aus den Branchen Automobil-, Raumfahrt und Medizinaltechnik. 950 Mitarbeiter und 17 Ländereinheiten von Skandinavien bis ans Mittelmeer stehen unter der Führung Winterthurs. Auch ein öffentlicher Energiepark gehört zur Anlage in Neuhegi: Um das Unternehmen stehen 42 Solarpanels und zwei Windräder, die fast die Hälfte des firmeneigenen Strombedarfs decken. Die Energiekosteneinsparungen des energieeffezienten Gebäudes werden auf Franken prognostiziert. Die Mitarbeiterzahl könnte einst von 180 auf 250 aufgestockt werden. Platz ist noch genügend vorhanden. Pipeline für die Zukunft Überhaupt läuft es dem Standort Winterthur neben der DMG-Mori-Ansiedlung in letzter Zeit rund und 2014 haben sich elf ausländische Firmen in Winterthur niedergelassen. Dazu kamen einige Zuzüge schweizerischer Unternehmen. Rund 600 neue Stellen wurden dadurch geschaffen. Insgesamt wächst die Beschäftigtenzahl in Winterthur gemäss Domeisen sehr erfreulich, zuletzt auch stärker als etwa in der Stadt Zürich oder im Durchschnitt des Kantons Zürich. Was kommt als Nächstes? Besonders freut sich der Geschäftsführer der Standortförderung Winterthur auf das Projekt DMG Mori Ost trifft West in der Schweiz Europageschäft Die DMG Mori Seiki Europe AG ist ein 2009 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Gildemeister AG und der japanischen Mori Seiki Co. Ltd., um die Vertriebs- und Serviceaktivitäten der europäischen Gesellschaften von DMG Mori zu steuern. Mutterhäuser Der Namensteil Gildemeister geht auf die 1870 in Bielefeld gegründete Werkzeugmaschinenfabrik Gildemeister & Comp. respektive deren Gründer Friedrich Gildemeister zurück. Die DMG Mori Seiki Co. Ltd. ihrerseits wurde 1948 als Textilmaschinenhersteller in Yamato-Koriyama, westlich von Osaka, gegründet und hat ihren Hauptsitz in Nagoya. Letztere hat bereits einen Schweizer Produktionsstandort, und zwar in Le Locle NE. Integration Seit vier Jahren bündeln die beiden internationalen Werkzeugmaschinenhersteller ihre Aktivitäten in Zurich Innovation Center von Givaudan: Im ehemaligen Maggi-Areal in Kemptthal wird der neue globale Forschungshauptsitz des Weltmarktführers von Aromen und Duftstoffen entstehen. Ein Zentrum für 500 Forschende mit einem Investitionsvolumen von über 100 Millionen Franken. Weitere Projekte seien zwar in der Pipeline, jedoch machten sich die Frankenstärke und weitere Unsicherheiten bemerkbar. «Es waren schon Zahlreichere, die aus dem Ausland nach Winterthur schauten», sagt Domeisen. Trotzdem ist er überzeugt, dass «die Schweiz nach wie vor einer der besten Standorte in ganz Europa und weltweit ist». Nun seien alle gefordert, ihre Kommunikation nach aussen entsprechend zu gestalten. Europa. Seit 2013 besteht ein Cooperation Agreement und ein Joint Committee, das die Tätigkeiten der beiden Unternehmen mit gemeinsam 4000 Mitarbeitern koordiniert. Im selben Jahr kam es auch auf Markenebene zum Zusammenschluss: Aus der Gildemeister AG wurde die DMG Mori Seiki AG, aus der Mori Seiki Co. Ltd. wurde die DMG Mori Seiki Company Limited und die weltweite Vertriebsmarke DMG Mori wurde eingeführt. Kooperation Die Kooperation umfasst bereits den Vertrieb und alle technischen Dienstleistungen, zum Beispiel den Kundendienst, Trainingsmassnahmen sowie den technischen Support an über 140 Vertriebs- und Servicestandorten weltweit. Geplant sind nun weiter der Ausbau der Produktion sowie die verstärkte Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Entwicklung. DMG Mori macht einen Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Euro. anzeige

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