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1 ahn ärzte blatt Baden- Württemberg Informationen aus der Zahn-,Mund- und Kieferheilkunde LEITARTIKEL TITELTHEMA GESUNDHEITSKARTE FORTBILDUNG Digitaler Umbruch Neue Wege in eine papierlose Zukunft Digitales trojanisches Pferd? Ozon in der Kariestherapie

2 Editorial 3 Der Datenhighway erinnert zuweilen an einen Moloch einer alles verschlingenden Macht. Doch wer will das Rad zurückschrauben und wieder zu Papier und Bleistift zurückkehren? Die Wissens- und Informationsgesellschaft muss die digitalisierte Lebenswelt der Menschen demokratisch, sicher und effektiv für die Nutzer beherrschbar machen. Kurz: Die digitalisierte Welt muss dem einzelnen nutzen und keinem anonymen Moloch. Christoph Besters, Mitglied des Vorstandes der KZV Baden-Württemberg, betont in seinem Leitartikel Digitaler Umbruch, dass die KZV BW [ ] als Berufsorganisation gefordert [ist], diese Entwicklung nutzbar zu machen. Sie tut dies aufgeschlossen, aber mit Bedacht und unter ständiger Abwägung von Fragen des Nutzens und der Sicherheit. (Seite 7). Akzeptanz entfalten werden diese [Online-]Dienste jedoch nur, wenn der Praxisinhaber konkret etwas davon hat. Also Kostenvorteile, Zeitvorteile, Dienstleistungsvorteile, erläutert der Autor des Leitartikels. Neue Wege in eine papierlose Zukunft geht die KZV Baden-Württemberg. Ginge es nach der KZV BW gehörten Papierstapel bei der Abrechnung zahnärztlicher Leistungen bereits der Vergangenheit an (Seite 8ff). Und wie es um den Moloch elektronische Gesundheitskarte steht, erfahren Sie im Beitrag Digitales trojanisches Pferd? auf Seite 10 ff und im ZBW-Gespräch mit Andreas Bogk, Experte für Datensicherheit und Sprecher des Chaos Computer Club (Seite 14 f). Politik im Gespräch. Den Vorsitz der FDP-/DVP-Landtagsfraktion führt Dr. Hans-Ulrich Rülke. Sozialpolitischer Sprecher seiner Partei und versierter Gesundheitspolitiker ist Dr. Ulrich Noll weiterhin. Für die ZBW-Reihe Politik im Gespräch sprach der stv. Präsident und Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Bernhard Jäger, mit Dr. Ulrich Noll über die derzeitige und zukünftige Gesundheitspolitik, insbesondere im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl am 27. September (Seite 18). Ozon in der Kariestherapie. Die Kariestherapie bestand für Jahrhunderte in der chirurgischen Entfernung erweichter und infizierter Zahnsubstanz. Allerdings gab es schon lange Versuche, wie in der Medizin, infiziertes Gewebe nicht nur zu exzidieren, sondern durch antibakterielle Substanzen eine Heilung zu erzielen. Sicherlich sind Weichgewebe nicht mit Schmelz und Dentin zu vergleichen, dennoch gibt es klinische Studien, die selbst bei rein mechanischer Abdichtung kariösen Dentins über zehn Jahre eine sehr hohe Erfolgsquote aufweisen, schreibt Prof. Dr. Elmar Reich in seinem Fortbildungsbeitrag auf Seite 20 ff.» 3/2006 8/2009 ZBW

3 4 Inhalt Leitartikel Berufspolitik Dipl.-Volksw.C.Besters Zahnärzte online Digitaler Umbruch 7 Dr.Peter Riedel, Dr.Michael Betz, ZAKai Sallie Landesversammlung des Freien Verbandes in Karlsruhe Staatlicher Dirigismus versus Eigenverantwortung 16 Titelthema Selbstverwaltung aktiv: Digitale Abrechnung Neue Wege in eine papierlose Zukunft 8 Dr.Ulrich Noll, Dr.Bernhard Jäger Selbstverwaltung aktiv: ZBW-Gespräch mit Dr. Ulrich Noll Immer besser subsidiär 18 Fortbildung Albtraumprojekt Gesundheitskarte (egk) Digitales Trojanisches Pferd? 10 Wirkung und zahnmedizinischer Einsatz einer antibakteriellen Substanz Ozon in der Kariestherapie 20 Andreas Bogk, Chaos Computer Club, zu Datensicherheit und Datendiebstahl Nur eine Frage des Geldes 14 Neue Kursreihe ander Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe Maßgeschneiderte Hygienekonzepte 24 ZBW 8/2009

4 Inhalt 5 Regionen Diskussionsabend der FVDZ-Bezirksgruppe in Stuttgart Dialog mit CDU-Parlamentariern Dentimeeting der Dentimed GmbH Daniel Bahr zugastinstuttgart Zahnärztliche Gruppenprophylaxe der AG Zahngesundheit Tuttlingen Präventionsprojekt erhält Euro Ausbildungsmesse Starter 2009 Großes Engagement zeigtewirkung Sportweltspiele der Medizin Zahnarzt aus Ravensburg gewinnt Goldmedaille Kultur Robert Häusser im Reiss-Engelhorn-Museum DieBerliner Mauer Rubriken Editorial Nach Redaktionsschluss Recht Praxis Termine Namen und Nachrichten Mitteilungen Buchtipps Leserforum Personalia Impressum Zu guter Letzt Nach Redaktionsschluss weist eine Standardauswertung nach, dass der durchschnittliche Multiplikator bei privatzahnärztlichen Liquidationen nach Maßgabe der GOZ im Erhebungsjahr 2007 (Basis: erfasste Rechnungen) bei 2,49 (persönliche zahnärztliche Leistungen) und 1,90 (überwiegend medizinisch-technische zahnärztliche Leistungen) lag. Dabei wurden 69,5 Prozent der Leistungen exakt zum 2,3-fachen liquidiert. Der Analyse zufolge entfielen im Jahr ,33 Prozent des Privathonorarvolumens auf konservierende Leistungen (Abschnitt C der GOZ), gefolgt von einem Anteil in Höhe von 20,82 Prozent für Leistungen aus dem Abschnitt E-Parodontologie -, gefolgt von einem Anteil von 10,11 Prozent aus dem Abschnitt Ader GOZ -Allgemeine zahnärztliche Leistungen. In der prozentualen Rangfolge des Anteils des Honorarvolumens außerhalb der zahnärztlichen Leistungen erreichen prothetische Leistungen einen Anteil von 12,35 Prozent, gefolgt von funktionsanalytischer Therapie (Abschnitt J der GOZ) mit einem Anteil von 3,68 Prozent, gefolgt von implantologischen Leistungen (Abschnitt K der GOZ) mit einem Anteil von 2,42 Prozent, gefolgt von zahnchirurgischen Leistungen mit einem Anteil von 2,37 Prozent (Abschnitt D der GOZ). Die übrigen Anteile verteilen sich auf Aufbissbehelfe und Schienen sowie prophylaktische Leistungen. (Quelle: BZÄK, KZBV, IDZ)... bekommen zwei Drittel der Ärzte mehr Honorar als noch letztes Jahr. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte einen durchschnittlichen Honorarzuwachs von knapp acht Prozent gemeldet. Die Reaktion der Ärzte fiel dennoch zurückhaltend aus. Der Vorsitzende des Ärzteverbandes Hartmannbund, Kuno Winn, gestand zwar zu, dass zumindest große Teile der zusätzlichen Milliarden offensichtlich bei den Ärzten angekommen seien. Dennoch, betonte Winn, gebe es auch Verlierer. Ob zur Bundestagswahl neue Kampagnen gefahren werden, dazu gibt es derzeit keine klaren Aussagen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Jörg- Dietrich Hoppe, immerhin stellt fest: Das Wartezimmer darf kein Ort parteipolitischer Auseinandersetzungen sein! Diese Erkenntnis könnte durchaus bei politischen Gesprächen vor dem Hintergrund aktuell und konzeptionell missglückter Aktionen gereift sein.» 8/2009 ZBW

5 Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg Körperschaftdes Öffentlichen Rechts Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe Sophienstraße 41,D Karlsruhe,Telefon O721/ OO,Telefax O721/ September 2009 Zuverlässigkeit und klinische Anwendung von Kurzimplantaten Prof. Dr. Mauro Marincola,Sohren Kurs Nr. 4523, 350,00 9Punkte Ästhetik der Frontzahnversorgung Die hohe Schule Dr. Lorenzo Vanini, Rom Kurs Nr. 4513, 450,00 14 Punkte Der Kurs wird in italienischersprache gehalten und wird übersetzt. Implantatgetragene Restaurationen bei Patientenmit hohem ästhetischem Anspruch Dr. Peter Randelzhofer, Amsterdam Kurs Nr. 4515, 550,00 16 Punkte Oktober 2009 Gesucht: Praxismanagerin mit Stil und Klasse! Brigitte Kühn, Tutzing Kurs Nr. 4529, 180,00 Telefontraining: patientenbezogen und stressfrei in allen Situationen telefonieren! Brigitte Kühn, Tutzing Kurs Nr. 4530, 180,00 Implantation mit dem Implantationssimulator Dr. Stephan Ryssel, Crailsheim Kurs Nr. 6167, 900,00 18 Punkte Zahnfarbene Seitenzahnrestaurationen Prof. Dr. Bernd Klaiber,Würzburg Kurs 4516, 550,00 20 Punkte Implantate und Weichgewebe Prof. Dr. Rainer Drommer,Heidelberg Kurs Nr. 6163a,350,00 9Punkte Zahnärztliche Chirurgie Theorie und Praxis Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake, Göttingen Prof. Dr. Dr. Hannes Peter Schierle, Karlsruhe Kurs Nr. 4517, 520,00 16 Punkte November 2009 Misserfolge und Erfolg in der Kinderzahnheilkunde Dr. Curtis Goho, Schnaittenbach Kurs Nr. 4536, 410,00 14 Punkte Piezochirurgie Eine neue Methode in der oralen Chirurgie Prof. Dr. Knut A. Grötz, Wiesbaden Kurs Nr. 4539, 360,00 10 Punkte

6 Leitartikel 7 Erste Prognosen, die schon Anfang der neunziger Jahre die massenhafte Verbreitung und Nutzung von Online-Angeboten und -Diensten auswiesen, schienen illusorisch. Doch sie bestätigen sich jetzt: Aktuelle Zahlen belegen die stetig zunehmende Einbindung des Internets nun sogar deutlich in den Berufsalltag. Die Anwendungsmöglichkeiten steigen, ebenso die Nutzungszeiten. Die Digitalisierung ermöglicht die Ablösung tradierter Arbeitsweisen durch neue und effizientere. Dies gilt besonders auch für die Zahnärztinnen und Zahnärzte. Die KZV BW ist als Berufsorganisation gefordert, diese Entwicklung nutzbar zu machen. Sie tut dies aufgeschlossen, aber mit Bedacht und unter ständiger Abwägung von Fragen des Nutzens und der Sicherheit. Unser heutiger Internetauftritt war von Anfang an sowohl als internes Kommunikationsmedium für die Vertragszahnärztinnen und -zahnärzte in Baden-Württemberg, als auch als zahnärztliches Informationsangebot für die Öffentlichkeit gedacht. In dieser frühen Internetphase erkannte man schnell, dass man mit vergleichsweise einfachen Mitteln im Online-Bereich eine neue Plattform für Dipl.-Volksw. C. Besters die Interaktion von Berufsorganisation, Zahnarzt und Öffentlichkeit schaffen kann. Die Website wurde mit beiden Dimensionen geschaffen, die Zugriffszahlen stiegen von null auf annähernd zwei Millionen im Jahre Heute präsentiert sich als nicht mehr wegzudenkendes Instrumentarium für die Praxisinhaber in Baden-Württemberg. Zwei Beispiele. Zahnärzte online Als erste KZV haben wir den sog. Upload von Abrechnungsdateien bereits seit dem Jahre 2003 im Testbetrieb angeboten. Jetzt mit der überarbeiteten und neu gestalteten Website ist dieser Servicebereich mit der erforderlichen Sicherheitsarchitektur ausgestattet und erweitert im Angebot. Über 500 Praxen nutzen diesen Service bereits. Der Vorstand wiederum forciert sein Konzept der papierlosen Abrechnung, damit hier Angebot und Nutzen für die Praxis zukünftig in idealem Verhältnis zueinander stehen. Das Rundschreiben haben wir ebenfalls als erste KZV online angeboten, wobei der Nutzer nicht nur schneller an die Information kommt, sondern auch noch quartalsweise einen Bonus erhält, weil kein Papierausdruck mehr anfällt. Rund Praxen beziehen ihr Rundschreiben mittlerweile online. Digitaler Umbruch Ein weiteres großes Projekt, das sog. Dokumenten- Center, ist für den Onlineeinsatz entwickelt. Honorarabrechnungen, Kontoauszüge, HVM-Bescheide und vieles mehr können zukünftig vom Praxisinhaber online eingesehen werden. Mit der deutlichen Reduzierung des Postversands ergeben sich wiederum Vorteile für alle Beteiligten, weil weniger Kosten entstehen und zudem die Information jederzeit unmittelbar verfügbar ist. Aufgrund der Beschaffenheit der Daten und Dokumente wurden und werden Sicherheitsaspekte sehr ernst genommen. Dreistu g vollzieht sich der Zugang zu unserer Website: öffentlicher Bereich,geschlossener Zahnärztebereich, mit Zerti kat zusätzlich geschützter praxisindividuellerbereich(z.b.fürupload,dokumenten-center). Gleichwohlentbindet das die Praxen nicht, für ihre Internetnutzung ebenfalls die gängigen Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen. Das Praxisnetz of ine, ein separater Online-Computer, ausgestattet mit oftmals kostenlos erhältlichen Virenscannern und einer Firewall sind die empfohlenen Vorkehrungen. Auf einen Abschnitt, in dem viele Online-Dienste zusätzlich zu konventionellen Angeboten genutzt worden sind, folgt jetzt aufgrund ständiger technischer Weiterentwicklungen eine Phase, in der diese Dienste tradierte Abläufe und Arbeitsweisen vollständig ersetzen können. Fachleute sprechen hier vom digitalen Umbruch. Dieser ndet gerade auch im zahnärztlichen Bereich statt. Nutzen und Akzeptanz entfalten werden diese Dienste jedoch nur, wenn der Praxisinhaber konkret etwas davon hat. Also Kostenvorteile, Zeitvorteile, Dienstleistungsvorteile. Dies ist derzeit bei einem ebenfalls aktuellen Projekt wie der elektronischen Gesundheitskarte (egk) überhaupt nicht erkennbar,gilt jedoch für die maßgeschneiderten Angebote der KZV BW für die Vertragszahnärztinnen und -zahnärzte in Baden-Württemberg jetzt und zukünftig in vollem Umfang. Der Autor ist Mitglied des Vorstands der KZV Baden-Württemberg. 8/2009 ZBW

7 8 Titelthema Selbstverwaltung aktiv: Digitale Abrechnung Neue Wege in eine papierlose Zukunft Ginge es nach der KZV BW, gehörten Papierstapel bei der Abrechnung zahnärztlicher Leistungen schon der Vergangenheit an. Rein technisch wäre es durchaus möglich, sämtliche für die Honorarermittlung relevanten Daten elektronisch statt schriftlich zu erfassen wenn alle Beteiligten, auch die Krankenkassen, mitziehen würden. Mit der verbesserten Upload-Möglichkeit, die seit der Neugestaltung des Internetauftritts Anfang des Jahres zur Verfügung steht, geht die KZV BW einen weiteren Schritt in Richtung Online-Abrechnung. Zielsetzung ist nach wie vor die papierlose Abrechnung. Erste Schritte. Es ist genau zwölf Jahre her,da schlugen die Zahnärzte im Südwesten abrechnungstechnisch neue Wege ein. Einstieg in die Diskettenabrechnung mit Bravour gemeistert!, freute sich die KZV in einer Mitteilung an die Kollegen. Rund neun von zehn Zahnärzten liefern ihre Daten inzwischen per Diskette an! Dass die KZV den Einstieg beschleunigen wollte, hatte handfeste materielle Gründe: Um 620 Fälle zu bearbeiten, die ein Handabrechner einreicht, braucht ein Sachbearbeiter der KZV ca. 15 Stunden, erfuhr der Leser. Dieselben 620 Fälle, abgespeichert auf einer Diskette, verursachen in der KZV lediglich einen Zeitaufwand von 40 Minuten. Die Reduzierung des Erfassungsaufwands trug dazu bei, dass die Verwaltungskosten im Folgejahr drastisch gesenkt werden konnten. Inzwischen mutet selbst die Diskettenabrechnung wie ein Relikt aus grauer Vorzeit an. Computer haben standardmäßig oft kein Diskettenlaufwerk mehr, die Datenträger muss man in Computerläden Gute (?) alte Zeit. Bis Mitte der 90er Jahre mussten die vier baden-württembergischen KZVen bei der KCH-Abrechnung wahre Papierflutenbewältigen. Heute gehen dieseabrechnungsdaten fast ausschließlich digital bei den Bezirksdirektionen ein; es gibt nur noch einige wenige Handabrechner. Foto:Archiv regelrecht suchen, und die KZV macht sich Gedanken, ob die Disketten-Einlesemaschinen in den Bezirksdirektionen noch so lange durchhalten, bis sich alle Zahnärzte mit der neuen Technik angefreundet haben: dem Upload. Online-Start. Seitdem 1. Quartal 2009ist der erweiterte Upload das Hochladenvon Daten aus den Leistungsbereichen KCH, KFOund Prothetik über eine Internetseite auf die Rechner der KZV BW im Bereich aller vier Bezirksdirektionen möglich. Die hierfür notwendigen Programme und die Sicherheitstechnik wurden vom Softwarehaus der KZV BW, dem Zentrum für Informationstechnologie (ZIT), unter der Leitung von Diplom-Informatiker Axel Kübler von Grund auf neu entwickelt. Fast 500 Praxen rechneten ihre KCH-Leistungen im April auf diesem Weg ab; im Juli waren es 629 und damit gut 10 Prozent der Praxen in Baden-Württemberg. Darüber hinaus nutzten im 2. Quartal 65 KFO-Abrechner die Upload- Möglichkeit. Im ZE-Bereich waren es allein für den Monat Juni bereits 152 Praxen. Der Datentransfer übers Internet hat wie geplant auf Anhieb funktioniert, erläuterte der Projektleiter des ZIT, Diplom-Informatiker Hartmut Musielak. Eine kleine Hürde mussten die Zahnärztinnenund Zahnärzte allerdings nehmen: Das grundlegend verbesserte Sicherheitskonzept der Internetseite machte eine Neuanmeldung der Teilnehmer erforderlich. Wer also schon vorher angemeldet war,musste noch einmal die Prozedur für Neuankömmlinge durchlaufen: Um zum geschützten Bereich vorzudringen, der ausschließlich Zahnärzten vorbehalten ist, wird ein Passwort gebraucht, das beantragt werden muss. Es wird von der KZV auf dem Postweg zugestellt und kann dann vom Teilnehmer selbst zu jeder Zeit nach eigenen Wünschen geändert werden. ZBW 8/2009

8 Titelthema 9 Gut in der Zeit. Übers Internet geht s am schnellsten: Werden die Abrechnungsdaten vonden Praxen online übermittelt, können sie in derkzv sofortgesichtet und bearbeitet werden. Allerdings ist der nächste Schritt nicht unbedingt papierlos: Die Krankenkassen erwarten größtenteils nach wie vorschriftliche Unterlagen. Upload-berechtigt ist der Zahnarzt aber erst dann, wenn er zusätzlich ein sog. Zerti kat eine Art elektronischen Ausweis erhalten hat. Sicherheitsarchitektur. Wir haben drei Zugangsstufen, veranschaulichte Hartmut Musielak das Sicherheitskonzept der KZV-BW- Website (www.zahn-forum.de). Die erste Stufe ist der öffentliche Bereich. Jeder Besucher nicht nur der Zahnarzt kann aktuelle Informationen einsehen, den Notfalldienst ermitteln, im Zahnlexikon nachschlagen, die Zahnarzt-Suchmaschine nutzen, Fragen stellen und vieles mehr. Die zweite Stufe ist der geschützte Zahnarztbereich, so Musielak. Rund Zahnärzte haben schon ein Passwort und damit Zutritt zu diesem Bereich. Hier werden unter anderem Publikationen, Vordrucke, Praxistipps, Punktwerte und Rundschreiben vorgehalten, die allen Zahnärzten gemeinsam zur Verfügung stehen. Foto:Schildhauer Die dritte Stufe ist über das Zerti kat zusätzlich abgesichert. Hier kann sich jeder Praxisinhaber sozusagen in seinen eigenen geschützten Praxisbereich begeben, der den praxisindividuellen Daten vorbehalten ist. Nur in diesem Bereich kann der Zahnarzt oder die Zahnärztin zum Beispiel die Upload-Funktion nutzen und KCH-, KFO- und ZE-Abrechnungsdaten online übermitteln. Die Zukunftsfähigkeit des Konzeptes ist sichergestellt: Bei Einführung der elektronischen Gesundheitskarte erhält der Zahnarzt einen elektronischen Heilberufeausweis, auf dem sich ebenfalls ein Zerti kat be ndet. Der Zugang wird dann auch mit diesem Zerti kat möglich sein. Procedere. Das Zerti kat, das der Zahnarzt über ein Online-Formular auf der KZV-BW-Website beantragen kann, hat die Form einer Datei und wird ihm als -Anhang zugeschickt. Gleichzeitig erhält er auf dem Postweg ein Installationskennwort. Wird das Zerti kat mit Hilfe des Kennworts auf einem internetfähigen Computer der nicht der Computer mit der Praxissoftware sein muss installiert, ist der Zugang zum Bereich Meine Praxis möglich. Um Abrechnungsdaten zu übermitteln, müssen diese für die Übertragung natürlich greifbar sein. Wird also nicht der Praxiscomputer zum Upload benutzt, auf dem die Daten üblicherweise erstellt werden, müssen die Abrechnungsdateien zuvor, beispielsweise per USB-Stick, dem internetfähigen Computer verfügbar gemacht werden. Die erfolgreiche Übertragung wird mit einer ausdruckbaren Quittung bestätigt. Gut sortiert. Solange die Krankenkassen auf Papier bestehen, kommt die KZV nicht drumherum: Auch heute noch müssen etliche Unterlagen akribisch für jede Krankenkasse gesammelt und in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Foto:Schildhauer Sicherheit. Die Empfehlung, das Praxisnetz of ine und getrennt von einem online-fähigen Computer zu betreiben, ist nicht nur möglich, sondern wird von Sicherheitsexperten auch bestätigt. Bei jedem Einspielen von Datenträgern besteht die Gefahr, dass ungewollt Schadprogramme in das System eindringen. Selbst anscheinend harmlose Bild- undtextdokumente sollte man niemals von unsicheren Quellen beziehen. Der Einsatz eines regelmä 8/2009 ZBW

9 10 Titelthema ßig aktualisierten Virenscanners ist ein Muss. Der Upload selbst ist auch unter Datenschutzaspekten unbedenklich: Die Daten werden zuerst von der Praxissoftware, dann noch einmal zusätzlich durch das sog. HT- TPS-Übertragungsverfahren verschlüsselt; eine beidseitige Authenti zierung ndet statt. Die Internetnutzung als solche stellt allerdings stets ein potentielles Einfallstor für destruktive Schadprogramme dar. Einen Basisschutz bietet hier eine Firewall. Es versteht sich von selbst, dass Klebezettel mit Usernamen, PIN- Nummern und Passwörtern nicht zur Verzierung des Monitorrahmens gedacht sind. Beim Ausscheiden von Mitarbeiterinnen oder Zweifel an ihrer Vertrauenswürdigkeit kann die Vergabe neuer Kennwörter sinnvoll sein. Bei allen Bemühungen, die Praxis-EDV mit technischem Aufwand sicher zu gestalten, sollte man die simplen und naheliegenden Sicherheitsvorkehrungen am Arbeitsplatz nicht vergessen. Zukunft. Der Sicherheitsaspekt wird mit fortschreitender Nutzung digitaler Kommunikationstechnik immer wichtiger werden. Auch die KZV arbeitet bereits an weiteren Online-Angeboten: Der nächste Schritt wird ein Dokumenten-Center sein, kündigt Hartmut Musielak an, wo der Zahnarzt unter anderem Honorarabrechnungen, Kontoauszüge, HVM-Bescheide und Degressionsberechnungen im pdf-format einsehen kann. Denkbar ist, dass sich der Postversand irgendwann ganz erübrigt. Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird es dazu die erste Version geben. Das Ziel, die komplette Abrechnung von der Praxis über die KZV bis zur Krankenkasse durchgängig papierlos abzuwickeln, wie der Vorstand der KZV BW es gerne hätte, wird wohl noch etwas auf sich warten lassen. Noch bestehen die Krankenkassen auf echten Belegen, obwohl die Gesundheitsreform offenbar ein Umdenken in Gang gesetzt hat: Es kann sich für die Krankenkassen seit Einführung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs ( Morbi-RSA ) durchaus lohnen, möglichst schnell also auf elektronischem Weg an die Morbiditätsdaten ihrer Versicherten zu kommen. Dies wird den Schritt in eine papierlose Zukunft beschleunigen. Zunächst jedoch ist Einigkeit gefragt: Krankenkassen, KZBV und KZVen müssen sich abstimmen, um übergreifende Vereinbarungen zu schließen. Der Vorstand engagiert sich nachdrücklich in der zuständigen Arbeitsgruppe auf Bundesebene in diesem Sinn.» Albtraum-Projekt Elektronische Gesundheitskarte Digitales trojanisches Pferd? Das bislang größte IT-Projekt der Bundesregierung hat keine gute Presse. Der Albtraum Gesundheitskarte, wie die Zeit bereits zu Beginn der Testphase schrieb, begleitet uns schon seit Jahren. In Kreisen der Ärzte und Zahnärzte werden derzeit vor allem Probleme der Datensicherheit und die Missbrauchsmöglichkeiten der neuen Technologie diskutiert. Angesichts der schwierigen finanziellen Situation im Gesundheitswesen werden auch immer mehr Zweifel am Mehrwert der neuen Karte laut, zumal die Erprobung in der Praxis im Heilbronner Umland und in sechs weiteren Testregionen gezeigt hat, dass es gerade im technischen Bereich noch erheblichen Nachbesserungsbedarf gibt. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? Milliardengrab. Im Juni berichtete der Focus über den neuesten Schildbürgerstreich der Ulla Schmidt : ohne Passfoto kein Versicherungsschutz (siehe Kasten). Im Juli läutete die Heilbronner Stimme das Requiem für ein Zukunftsprojekt ein, nachdem die Kassenärzte inder einzigen badenwürttembergischentestregion ihren Ausstieg beschlossen hatten. Das ARD-Magazin Monitor und die AP-Nachrichtenagentur schlugen jetzt Alarm: Offenbar laufen die Kosten für die neue Informationstechnologie völlig aus dem Ruder. Statt der ursprünglich für die egk veranschlagten 1,4 Milliarden Euro rechnet selbst die Betreibergesellschaft Gematik im ungünstigsten Fall mit Kosten von 14,1 Milliarden Euro! Es sind aber nicht nur die dramatisch steigenden Ausgaben, die zur Katerstimmung beitragen. Im Praxistest der egk brechen immer Technik. Immer wieder neue Baustellen gibt es in technischer Hinsicht. Foto:CCV Celectronic ZBW 8/2009

10 Titelthema 11 Start. Zur Vorstellung des egk-versuchskamen 2006 der damalige Gematik-Geschäftsführer Harald Flex, die Sozialministerin Baden-Württembergs, Dr. Monika Stolz, MdL, und AOK-Chef Dr.Rolf Hoberg (v.l.) nach Heilbronn. wieder neue Baustellen auf: Die Software macht Probleme, Geräte sind nicht kompatibel, Hersteller werfen das Handtuch. Aber was das Schlimmste ist: Keiner scheint so recht zu wissen, woran er ist. Selbst die Tester fragen sich, was als nächstes kommt und womöglich, warum sie überhaupt testen. Denn die Karten und die Geräte, die ab 1. Oktober nach dem Willen der Bundesgesundheitsministerin ächendeckend eingesetzt werden sollen ( Basis-Rollout ), sind keineswegs identisch mit denjenigen, die vorher in den Testregionen erprobt wurden. Foto:Heilbronner Stimme Archiv/Sattar Praxiserfahrungen. Es geht chaotisch zu das räumt auch Dr. Hans-Hugo Schlemmer ein, Allgemeinmediziner aus Leingarten, der zur Gruppe der Testärzte in der Region Heilbronn gehört.die moderne Kommunikationstechnik sieht er im Prinzippositiv, sonsthätteich nicht am Test teilgenommen. Nachdem die baden-württembergischekvaber Anfang Juli bekundet hat, sie wolle nicht mehr länger der Steigbügelhalter für eine verkorkste Planung bei der Einführungder Gesundheitskarte sein und dem ganzen Projekt eine knallharte Absage erteilt hat, bis bestimmte Bedingungen erfüllt sind, ist für ihn und seine Kollegen nach der ersten Runde des Modellversuchs erst mal Schluss. Im Praxistest gab es auch für Schlemmer viele Kritikpunkte. So ist zum Beispiel bis heute unklar, wer die Kosten tragen muss, wenn Geräte wiederholt aus technischen Gründen ausgetauscht werden müssen. Die Probleme ngen aber schon damit an, dass die Patienten zu ihrer neuen Karte mit getrennter Post eine kassenspezi sche Nummer erhielten. Diese fünfstelligetransport-pin sollte bei der ersten Nutzung gegen eine sechsstellige individuelle PIN ausgetauscht werden. In der Praxis zeigte sich, dass die meisten Patienten ihren Nummernzettel irgendwann weggeworfen hatten und die Nummer nicht mehr wussten, als sie sie brauchten. Bevor also die neue, individuelle PIN eingegeben werden konnte, musste das Praxisteam erst auf Listen nach der Transport-PIN fahnden eine zeitraubende Angelegenheit, wenn man es 800 mal machen muss. Aber damit nicht genug. Selbst wenn die Leute ihre PIN geändert haben, berichtet der Arzt, beim nächsten Mal haben sie sich nicht mehr daran erinnert! Motivationsbremse. Probleme mit der PIN kosteten auch bei der Speicherung der Notfalldaten, KZV BW und KVBW gegen Basis-Rollout Test. Dr. Hans-Hugo Schlemmer gehörte zu dentestärzten in Heilbronn. Foto:Schildhauer Angesichts der ernüchternden Testergebnisse sprechen sich die baden-württembergischen Ärzte und Zahnärzte gleichermaßen dagegen aus,die egk wie geplant ab Oktober zum Einsatz zu bringen. Die KVBW fordert, den Basis- Rollout politisch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern, solange die technischen Probleme nicht vollständig ausgeräumt sind und die hundertprozentige Finanzierung der Geräte und des Installationsaufwandes in den Arztpraxen durch die Krankenkassen nicht verbindlich gesichertist. Die KZV BW fordert den Gesetzgeber und die Gematik auf, den Basis-Rollout solange auszusetzen, bis die geplanten Anwendungen im Konsens mit allen Beteiligten überarbeitet bzw. neu konzipiert worden sind. Die KZV BW unterstützt damit die KZBV in der Ablehnung der Einführung der egk in der bisher vorgestelltenform. 8/2009 ZBW

11 12 Titelthema Merkmale. Das Bundesgesundheitsministerium hat vorab die wichtigsten Merkmale der neuen Gesundheitskarte illustriert. einem neuen egk-feature, viel Zeit. Da sie sich nicht automatisch auf die neue Patientenkarte exportieren ließen, sondern Feld für Feld in die entsprechende Notfalldaten- Maske eingetippt werden mussten, war es besonders ärgerlich, wenn sich erst zum Schluss herausstellte, dass der Patient seine PIN nicht parat hatte oder wenn er sie falsch eingab. Dann war nämlich die ganze Arbeit umsonst und man musste beim nächsten Mal wieder von vorn anfangen. Eine Zwischenspeicherung ließ das System nicht zu. Schlemmer: Das hat unsere Motivation natürlich etwas gebremst! Das größte Manko dürfte aber darin bestehen, dass sich der BehandlernichtaufdieVollständigkeit des Notfalldatensatzes verlassen kann, was diesen im Grunde wertlos macht. Über die Abspeicherung von Notfalldaten, ihren Umfang und die Erlaubnis der Einsichtnahme durch verschiedene Ärzte entscheidet allein der Patient. Wie die Arzneimitteldokumentation und die Anlage einer Patientenakte unterliegen diese künftigen egk- Funktionen der Freiwilligkeit. Auch der Arzt musste darauf achten, sich bei der PIN-Eingabe für seinen Heilberufsausweis, der für den Betrieb des Kartenlesers der neuen Generation notwendig ist, nicht zu vertun. Ohne ihn konnte zum Beispiel auch kein signiertes Online-Rezept auf der Karte gespeichert werden eine zukünftige egk-anwendung, die ebenfalls erprobt wurde. Wenn Sie die Nummer mehrmals falsch eingegeben haben, konnten Sie den Ausweis wegschmeißen, erläutert Schlemmer. Denn Fehler verzieh die Karte nicht; sie ließen sich durch eine richtige Eingabe nicht wiedergutmachen. Für den Fall, dass das System, wodurch auch immer, lahmgelegt worden wäre, musste in der Praxis die gesamte Infrastruktur für das Ausdrucken von Rezepten bereitgehalten werden; einsparen ließ sich zunächst einmal gar nichts. Das Problem: Auf einen neuen Ausweis hätte man mindestens acht Wochen warten müssen das sind Details, über die sich die Politik nicht im Mindesten Gedanken gemacht hat. Who is who? Grundsätzlich ist der Versicherte verpflichtet, ein Foto für die egk beiseiner Krankenkasse abzugeben. Aber: Die Kasse verifiziert nicht, ob dieses Foto tatsächlich denversichertenzeigt. Das stellt den Zahnarzt in der Praxisvorein Problem: Die KZBV und der GKV-Spitzenverband haben eine Vereinbarung getroffen, Foto:Bundesministerium für Gesundheit Zeitverzug. Der Mediziner vermutet sowieso, dass es den Politikern weniger umdie Sache als um ihr Bild in der Öffentlichkeit geht. Der Rollout muss statt nden, damit sie sagen können: Wir wollten bis zur nächsten Wahl die elektronische Gesundheitskarte einführen, und das haben wir auch gemacht. Wasden Zeitplan für die Einführung der ehrgeizigen Technologie betrifft, dürfte es allerdings auf ein paar Monate kaum ankommen. Selbst wenn der Basis-Rollout wie vorgesehen in der Region Nordrhein am 1. Oktober startet, hinkt man der ursprünglichen Zeitplanung, die ja per Gesetz vorgegeben wurde, schon mehr als drei Jahre hinterher. Gegenwind kommt vor allem von den Ärzten und Zahnärzten, nicht nur in Baden-Württemberg, wo sich KV und KZV gleichermaßen gegen den Basis- Rollout ausgesprochen haben (siehe Kasten). Neben technischen Problemen und Finanzierungsfragen, die geklärt werden müssen, sehen die Mediziner auch im Hinblick auf den Datenschutz bei den künftigen egk-anwendungen nach wie vor erheblichen Diskussionsbedarf. Kommerzielle Anbieter haben ihre Datensaugrüssel schon in Stellung gebracht, um aus sensiblen Patientendaten Pro t zu generieren, zum Beispiel bei der Führung von Patientenakten, argwöhnt etwa die KZV Bayern. Die egk werde an Patienten und Ärzte hohe Anforderungen stellen, denn es besteht die Gefahr, dass sie das größte Trojanische Pferd aller Zeiten wird.» wonach die verbindliche Prüfung der Personalien Sache des Zahnarztes ist. Das ist aber effektiv gar nicht möglich, wenn er nicht sicher sein kann, dass die Karte tatsächlich den Versicherten zeigt. Die KZV BW vertritt die Ansicht, dass diese polizeiliche Überwachung keine Aufgabe des Zahnarztes sein kann. ZBW 8/2009

12 Titelthema 13 Die Komponenten Die elektronische Gesundheitskarte. Anders als die KVK, die nur Daten speichern kann, ist die egk eine Smartcard. Sie enthält also nicht nur einen elektronischen Speicherchip, sondern ist dank eines Mikroprozessors ein kleiner Computer, vergleichbar der Geldkarte oder der SIM-Karte im Mobiltelefon. Sie kann daher die zu speichernden Daten selbsttätig verschlüsseln, sich gegenüber einem anderen Partner vertrauenswürdig ausweisen ( Authentisierung )und die richtigeidentität des Gegenüberssicherstellen ( Authentifizierung ). Äußerlich unterscheidet sich die egk von der KVK vor allem dadurch, dass sie ein Foto des Versicherten trägt sowie die neue 10-stellige Krankenversichertennummer. Sie wird einmalig vergeben und bleibt dann für das ganze Leben gültig, auch bei Kassenwechsel. Die egk enthält die Möglichkeit des elektronischen Rezepts. Der Arzt kann also das Rezept auf der Karte speichern und elektronisch signieren. Der Apotheker liest es aus und kann die Daten direkt weiterverarbeiten. Neben verpflichtenden Daten bietet die egk die Möglichkeit, freiwillige Daten zu speichern. Dabei stellte sich der Gesetzgeber etwa Arztbriefe, Organspendeverfügungen, eine Liste der eingenommenen Arzneimittel, Angaben über eventuelle Arzneimittelunverträglichkeiten oder Notfalldaten vor. Der Heilberufsausweis. Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und sonstige Erbringer medizinischer Leistungen weisen sich durch einen speziellen elektronischen Heilberufsausweis aus, ebenfalls eine Smartcard. Der elektronische Arztausweis (Health Professional Card, HPC) bietet neben der Authentifizierung auch die elektronische Signatur: Esist damit möglich, elektronische Unterschriften zuleisten, etwa auf elektronischen Rezepten und Abrechnungen, und dabei die Integrität des zu unterzeichnetendokuments zuverlässig zu bewahren. Etwas eingeschränkte Rechte geben die Institutionenkarten (Secure Module Card, SMC), die andie Mitarbeiterder Praxis, Klinikoder Apotheke ausgegeben werden. Das Lesegerät. Während die herkömmlichen Kartenleser direkt am Computer hängen und von diesem bedient werden, sind die Kartenleser der neuen Generation Teil eines Netzwerks: Die Datenkommunikation läuft über Karte, Kartenleser, Konnektor und vondortzum PC. Für das Einlesen der Stammdaten ist keine Internetverbindung notwendig; esfunktioniert auch offline. Die Gesamtarchitektur ist jedoch für den künftigen Online-Betrieb übers Internet ausgelegt. Der Konnektor. Er ist mit dem Lesegerät verbunden und stellt seinerseits die Datenverbindung zum Computersystem der Praxis, Klinik oder Apotheke her. Der Konnektor kann aber noch viel mehr. Seine Hauptaufgabe besteht darin, den Online-Zugang zur Telematik-Infrastruktur zu ermöglichen also zu den Informationssystemen und Servern von Krankenkassen und Ärzte- bzw. Zahnärztekammern. Er verschlüsselt die Daten auf eine solche Weise, dass sie trotz der Übertragung durch ein ungesichertes öffentliches Netz für Außenstehende unlesbar sind. Zudem sorgt er für Authentifizierung eskann sich kein Dritter in den Datenverkehr einschalten und zum Beispiel dem Konnektor vorgaukeln, er sei der angefunkte Krankenkassenrechner. Und da jeder Konnektor registriert ist, weiß auch der Server, mit wem er es zu tun hat. Was steht im Gesetz? Die Einführung der egk ist gesetzlich vorgegeben. SGB V 291a besagt, dass die bisherige KVK weiterzuentwickeln und die herkömmliche Karte zum 1. Januar 2006 abzulösen ist. 291b verpflichtet die Spitzenverbände der Selbstverwaltung zur Gründung einer Betriebsorganisation, die Einführung, Pflege und Weiterentwicklung der egk voranzutreiben hat. Diese Organisation, die Gematik Gesellschaft für Telematikanwendungen der GesundheitskartembH, wurde im Januar 2005 ins Leben gerufen. Gesellschafter sind der GKV-Spitzenverband, der Verband der privaten Krankenversicherung und von Seiten der Leistungserbringer die KBV, die KZBV, die Bundesärzte- und Bundeszahnärztekammer, der Deutsche Apothekerverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft. ImGesetz ist auch festgelegt, welche Daten auf der Karte oder auf speziellen Servern verpflichtend oder freiwillig zu speichern sind, wer auf diese Daten zugreifen darf und wie die Daten geschützt werden müssen. 8/2009 ZBW

13 14 Titelthema Foto:Fotolia Andreas Bogk, Chaos Computer Club, zu Datensicherheit und Datendiebstahl Nur eine Frage des Geldes Die elektronische Gesundheitskarte (egk) soll nach dem Willen von Ulla Schmidt ein neues Zeitalter einläuten. Mehr Qualität, mehr Sicherheit und mehr Effizienz im Gesundheitswesen erhoffen sich die Befürworter. Teure Doppeluntersuchungen sollen am Ende des mehrstufigen Systemaufbaus zu einem Relikt der Vergangenheit werden, sobald Mediziner auf gesammelte Patientendaten zurückgreifen können. Fachleute befürchten, dass sich auch andere Interessenten Zugang zu diesem sensiblen Bereich verschaffen eine Sorge, die nach Ansicht von Andreas Bogk, Experte für Datensicherheit und Sprecher des Chaos Computer Clubs, sehr berechtigt ist, wie er im ZBW-Gespräch erläuterte. Das Thema Datensicherheit wird seit dem Start des egk-projekts heftig diskutiert. Ist die Karte nach Ihrer Einschätzung sicher? In den Telematik-Sicherheitsrichtlinien haben der Datenschutz und die Kontrolle des Patienten über seine eigenen Daten oberste Priorität,was schon mal eine deutliche Verbesserung gegenüber anderen Projekten ist. Auch die Tatsache, dass die Dokumentation öffentlich zugänglich ist, muss man positiv werten. Im Detailgibtesallerdings Probleme, und das hochgesteckte Ziel wird nicht erreicht. Wo ist der Schwachpunkt? Es findet eine zentrale Speicherung der Daten statt. Die Gematik argumentiert: Weil die Daten verschlüsselt sind und der Schlüssel sich ausschließlich auf der egk befindet, istdie Kartesicher.Wenn das tatsächlich so wäre, gäbe es kein Problem. Aber dann gäbe es auch keine Möglichkeit, die Daten wiederzubeschaffen, wenn die Karte mal verloren geht oder wenn man den Anbieter wechselt. Das heißt, wir haben zwangsläufig einen Konflikt: Entweder gibt es die Möglichkeit eines Datenverlustes oder es gibt eine Kopie des Schlüssels, die zentral bei einem Treuhänder vorgehalten wird. Und dann ist die Sicherheit natürlich nicht gewährleistet. Sie gehen davon aus, dass die technischen Möglichkeiten für einen Zugriff gegeben sind und man auch damit rechnen muss? ZBW 8/2009 Bei derit-sicherheit ist dasimmer eine Frage von Aufwand und Nut

14 Titelthema 15 zen. Wenn jemand viel Geld für diese Daten ausgeben möchte, dann bekommt er sie auch. Versicherungen zum Beispiel haben ein großes Interesse an Gesundheitsdaten. Nehmen wir mal an, jemand möchte von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln. Hätten die privaten Versicherer jetzt Zugriff auf die Gesundheitsdaten, würden sie anhand dieser Daten ihre Entscheidungen treffen. Dann würde eine Auslese stattfinden? Genau. Sie hätten dadurch einen enormen geldwerten Vorteil. Auch die gesetzlichen Krankenkassen haben natürlich ein Interesse, an diese Daten ranzukommen, aus ähnlichen Gründen. Ebenso die Pharmakonzerne, die für bestimmte Medikamente gezieltes Marketing machen wollen. Der Datensatz von jemandem, der eine teure Krankheit hat, kann bis Euro wert sein. Verfügen die gesetzlichen Krankenkassen nicht sowieso überdie Daten? Da müssen wir anfangen auseinanderzudividieren. Die Stammdatenverwaltung ist ein nahezu unstrittiger Bereich; die findet auch schon mit der alten Karte statt. Die Daten sind auf der egk etwas besser geschützt. Die Kritik ist natürlich, dass man ansonsten keinenmehrwerthat gegenüber dem alten System. Die Notfalldaten das ist eine freiwillige Anwendung. Der Patient kann entscheiden, ob alle Daten oder nur bestimmte in den Notfallsatz aufgenommen werden. Zusammen mit seinem Arzt kann er die Daten verändern. Beim dritten großen Bereich, der elektronischen Gesundheitsakte, kann der Patient entscheiden, welcher Arzt welchen Teil seiner Akte sieht. An diese Daten soll die Krankenkasse nicht rankommen. Das ist zumindest so entworfen, theoretisch. Und in der Praxis sehen Sie da ein Problem? Die Karten werden ja von Krankenkassen herausgegeben, und momentan ist es erlaubt, dass sie im Zuge der Herausgabe auch den Schlüssel für die Karte erzeugen. Natürlich kann ich mir nie sicher sein, ob die Kasse diesen Schlüssel ordentlich vernichtet oder nicht doch eine Kopie abspeichert. Dann würde nur noch ein Schritt fehlen, um sich Zugriffzuden Daten zu verschaffen, an denen die Kasse ja ein wirtschaftliches Interesse hat. Die Verschlüsselung ist ein zentraler Bestandteil der Sicherheit. Wenn die Kasse den Schlüssel selbst erzeugt, entsteht ein Ungleichgewicht. Wesentlich besser wäre der Ansatz, die Gesundheitsakte mit auf die Kartezuspeichern. Passt denn da so viel drauf? Auf die derzeitigen Karten nicht. Aber die verwendete Technologie wurde schon in den 70er Jahren erfunden das ist alles furchtbar alt. Heutzutage hat man USB-Sticks mit acht Gigabyte. Da würden eine Menge Akten draufpassen, auch hochauflösende Röntgenfotos. Man könnte theoretisch ein Sicherheitsmodulbauen das wäre dann nicht mehr die klassische Chipkarte, würde aber einen Großteil der Chipkarten-Technologie verwenden. Könnte man also die egk als ersten Schritt in Richtung komplexere Speichersysteme verstehen? Wenn diese Weiterentwicklung auch so gewollt ist. Es gibt viele Lobbyinteressen, die dem entgegenstehen.den Ärzten soll eine Online- Anwendung verkauft werden. Zum Beispiel gibt es die Connector-Box, mit der die Ärzte an der Telematik- Infrastruktur dranhängen. Das ist quasi eine Online-Anbindung ans zentrale Rechenzentrum. Dafür wird ein Großteil des Geldes ausgegeben. Wenn man jetzt anfängt, auf der Karte zu speichern, muss man sich die Frage stellen: Ist denn diese Telematik-Infrastruktur wirklich notwendig? Die Antwortist: Nein. Wenn ich meine Daten auf der Karte speichere und sie geht verloren, ist natürlichalles weg. Ja, aber der Punkt ist: Bei der zentralen Speicherung ist es genauso. Es sei denn, es gibt doch eine Kopie des Schlüssels, die zentral mitgespeichert wird, was auf Kostender Sicherheit geht. Bietet die dezentralespeicherung auf verschiedenen Servern mehr Sicherheit? Wenn der Arztdie Daten komplett abrufen kann, wird es jemand anderes doch auch können, oder? Das ist ein vorgeschobenes Argument, wenn man sagt: Die Daten sind gar nicht zentral gespeichert und deshalb sicher. Natürlich machen mehrere Server den Zugriff schwieriger, aber nur in begrenztem Maße. Wenn es zwei, drei oder vier Server sind, muss man halt zwei, drei oder vier Server hacken. Sie sagen das so, als müssteman mal eben ein paar Akten ausdem Regal holen... So ungefähr muss man sich das leider vorstellen. Es gibt professionelle Teams, die in Mafia-ähnlichen Strukturenarbeiten. Und Hacken als eine Art Sport betreiben? Nein; das mit dem Sport ist schon länger her. Einige Sportler gibt s noch, aber das eigentliche Problem mittlerweile sind Leute, die das kommerziell betreiben, die zum Beispiel für den Kreditkartenbetrug angeheuert werden. In dieses Spektrum gehörtauch der gezielte Einbruch in bestimmte Systeme, die spannend sind. Wenn beispielsweise jemand kommt, viel Geld auf den Tisch legt und sagt, besorgmir diese Daten. Dann ist es nicht utopisch anzunehmen,dassauchder unbefugte Zugriff auf Gesundheitsdaten irgendwann klappt? Nein. Es ist eher davon auszugehen, dass es jemand tun wird, wenn das wirtschaftliche Interesse da ist.» 8/2009 ZBW

15 16 Berufspolitik Landesversammlung des Freien Verbandes in Karlsruhe Staatlicher Dirigismus versus Eigenverantwortung Bei der Bundestagswahl am 27. September wird grundsätzlich entschieden, in welche Richtung unsere Gesellschaft weiterentwickelt wird: Staatlicher Dirigismus versus Eigenverantwortung des Bürgers. Zahlreiche Gäste, darunter die Vorsitzende der KZV Baden-Württemberg, Dr. Ute Maier, und der Präsident der Landeszahnärztekammer, Dr. Udo Lenke, folgten der Einladung des Landesvorstandes des FVDZ und beteiligten sich engagiert an den Diskussionen. Der Bundesvorsitzende des Freien Verbandes, Dr. Karl-Heinz Sundmacher, erläuterte einleitend die Grundpositionen des Freien Verbandes. Krisen im Gesundheitswesen würden vorwiegend durch politische Eingriffe verursacht, gleichzeitig greife der Staat immer tiefer ein, zuletzt indem er die körperschaftliche Selbstverwaltung mit Hilfe hauptamtlicher Vorstände zu staatsnahen Betrieben gemacht habe. Insofern fordert der Freie Verband eine Entpolitisierung und eine Entstaatlichung der Strukturen des Gesundheitswesens. Staatsein- uss trage nicht zur Verbesserung des Gemeinwohls bei, wie viele Politiker glaubhaft machen wollen. Sundmacher plädierte für einen einheitlichen Gesundheitsmarkt, für eine Aufhebung der Grenzen zwischen GKV und PKV in Form einer P icht zur Versicherung einer Grundversorgung, in der sowohl Solidarelementeals auch Eigenverantwortung zum tragen kommen können. Kritik am Gesundheitsfonds. Der Klinikarzt Dr.Bernhard Lasotta (CDU) kritisierte den Gesundheitsfonds und damit auch seine eigene Partei, die daran mitgearbeitet hat. Der Gesundheitsfonds sei sozialistisch, zentralistisch und von staatlicher Gleichmacherei geprägt. Aus Baden-Württemberg ießen jährlich 100 Millionen Euro in andere Bundesländer und stehen für die Versicherten unseres Landes nicht zur Verfügung. Er forderte stärkere Berücksichtigung regionaler Strukturen, die Stärkung des freiberuflichen Ärztestandes und eine höhere Eigenverantwortung der Bürger.Als Vorbild für die Ärzteschaft könne das Festzuschussmodell der Zahnärzte dienen, die damit eine Grundversorgung de niert haben. Es ist dem Patienten möglich, zu entscheiden, welche Versorgung er haben möchte. Jeder kann mit der Regelversorgung essen und trinken und über die Straße gehen, ohne sozial geächtet zu sein. Er wies darauf hin, dass das Konstrukt des Gesundheitsfonds nicht von einem Tag auf den anderen abgeschafft werden kann und wir auch nach der Bundestagswahl eine gewisse Zeit damit leben werden müssen. Bärbl Mielich (Grüne) sah den Gesundheitsfonds als Kompromiss zweier Parteien, die mit ihren Vorstellungen über die Gesundheitspolitik nicht übereinstimmen. CDU und SPD hätten dem Gesundheitsfonds nur zugestimmt, weil jede Partei inihm die Chance sieht, ihre Ziele Kopfpauschale (CDU) bzw. Bürgerversicherung (SPD) durchzusetzen. Die Grünen wollen eine solidarische Bürgerversicherung und sehen darin die Stärkung des Solidarprinzips. Mehr Geld im System, auch durch Einbeziehung anderer Einkunftsarten wie z. B. Kapitaleinkünfte, würde langfristig sogar zur Senkung der Beiträge führen. Mehr Eigenverantwortung. Dr. Ulrich Noll (FDP), selbst Mitglied im Freien Verband, sieht in Neues Konzept. Dr. Michael Betz stellte das Konzept des FVDZ zur Neustrukturierung des Gesundheitswesens vor. Entpolitisierung. Dr. Karl- Heinz Sundmacher forderte eine Entpolitisierung und eine Entstaatlichung der Strukturen des Gesundheitswesens. Kritik. Dr. Bernhard Lasotta (CDU) kritisierte den Gesundheitsfonds als sozialistisch, zentralistisch und von staatlicher Gleichmacherei geprägt. Entmündigung. Dr.Ulrich Noll (FDP) siehtinder aktuellen Gesundheitspolitik eine Verstaatlichung und Entmündigung der Versichertenund der Ärzte. ZBW 8/2009

16 Berufspolitik 17 der aktuellen Gesundheitspolitik eine Verstaatlichung und damit Entmündigung der Versicherten und der Ärzte. Noll setzt auf mehr Eigenverantwortung und sieht damit die Bürgerrechte gestärkt. Der Staat solle lediglich einen Rahmen vorgeben, nämlich die P icht zur Versicherung. Die Begriffe Versicherung und Solidarprinzip dürfen nicht verwechselt werden. Der Solidarausgleich zwischen Armen und Reichen müsse vom Steuerzahler geleistet werden. Auch habe die beitragsfreie Mitversicherung der Kinder nichts mit der Versicherung von Gesundheit zu tun, sondern sei ein gesellschaftlicher Solidarausgleich für Familien, der aus Steuermitteln bestritten werden müsse. Unsolidarisch sei es, den Menschen vorzumachen, dass alles bezahlt würde. Er stellte fest, dass Ärzte sich in Selbstausbeutung dem Patienten verp ichtet fühlen und Leistungen erbringen, obwohl sie ihnen nicht mehr nanziert werden. Johannes Stober (SPD) sieht wie Frau Mielich von den Grünen den Gesundheitsfonds als Kompromiss zweier Parteien, der jetzt in Richtung Bürgerversicherung weiterentwickelt werden müsse. Es sei solidarisch, wenn sich alle Bürger am Gesundheitsfonds nanziell beteiligen. Er kritisierte den Ab- uss von Versichertengeldern aus Baden-Württemberg und habe deshalb und nicht aus grundsätzlichen Überlegungen gegen den Gesundheitsfonds gestimmt. Auf der Ausgabenseite im Gesundheitswesen sei er durchaus bereit über eine De nition einer Grundversorgung zu diskutieren. Landesvorsitzender. Dr.Michael Betz spannte den Bogen von der Gesundheitspolitik zur Verbandspolitik. Er analysierte detailliert die Auswirkungen der aktuellen Gesundheitspolitik auf Patienten und Zahnärzte. Das Konzept des Freien Verbandes zur Neustrukturierung des Gesundheitswesens enthält folgende Kernpunkte: Schaffung eines direkten Arzt-Patienten- Verhältnisses mit umfassender Kostenerstattung, P icht zur Versicherung einer Basisversorgung Wahlen. Dr. Michael Betz (Mi.) wurde als Landesvorsitzender und Dr. Peter Riedel (li.) als stellvertretender Landesvorsitzender mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Als weiterer Stellvertreter und neu in den Vorstand wurde ZA Kai Sallie (re.) gewählt. für alle Bürger sowie Etablierung einer wissenschaftlich fundierten betriebswirtschaftlich suf zienten Honorarordnung. Wirwerden dort wo nötig die Finger in die Wunde legen, Gesprächsbereitschaft zeigen, mit zahnärztlichen Verbänden und Körperschaften zusammenarbeiten, unsere Ziele kommunizieren und Unterstützung im Alltagsgeschäft anbieten. Gegen PZR-Vertrag. Die Landesversammlung begrüßte einstimmig den Beschluss der Vertreterversammlung der KZV Baden- Württemberg den KZV-Vorstand aufzufordern, den mit der BKK Scheufelen geschlossenen Selektivvertrag über die professionelle Zahnreinigung, zum nächst möglichen Zeitpunkt zu kündigen. Solche Versorgungsverträge (Selektivverträge) mit einzelnen Kostenträgern erscheinen auf den ersten Wahlaufruf Die Landesversammlung des Freien Verbandes Baden-Württemberg ruft alle Kolleginnen und Kollegen dazu auf, bei der Bundestagswahl am 27. Sep von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und durchihre Stimmabgabe den Politikwechsel herbeizuführen. Jeder muss mit Blick auf seine eigene berufliche Zukunft die Parteiprogramme auf ihre Aussagen zu folgenden Kernpunkten überprüfen: Blick verlockend, führen jedoch zu Abhängigkeiten, die eine freie Berufsausübung verhindern. Es ist nicht nachvollziehbar, dass auf der einen Seite große Honorarrückzahlungen wegen Budgetüberschreitung anfallen, während andererseits Geld für außervertragliche Leistungen zur Verfügung gestellt wird. Die KZV eröffnet sich damit ein neues Geschäftsfeld zum Nachteil der Kolleginnen und Kollegen. Wahlen. Dr. Michael Betz, Karlsdorf-Neuthard, wurde als Landesvorsitzender und Dr. Peter Riedel, Waldkirch, als stellvertretender Landesvorsitzender mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Als weiterer Stellvertreter und neu in den Vorstand wurde ZA Kai Sallie, Salem, gewählt. Dr.PeterRiedel, stv.landesvorsitzender des FVDZ Baden-Württemberg Erhalt der freiberuflichen Selbstständigkeit als tragendes Elementdes ambulanten Gesundheitswesens Stärkung der Eigenverantwortung und des Selbstbestimmungsrechts der Patienten Schaffung einerunabhängigenselbstverwaltung Freiheitliche und leistungsgerechte Vergütungssysteme Öffnung derleistungssysteme Fotos: Dr. Riedel 8/2009 ZBW

17 18 Berufspolitik Selbstverwaltung aktiv: ZBW-Gespräch mit Dr. Ulrich Noll Immer besser subsidiär Den Vorsitz der FDP-/DVP-Landtagsfraktion hat er an Dr. Hans-Ulrich Rülke abgegeben. Sozialpolitischer Sprecher seiner Partei und versierter Gesundheitspolitiker ist Dr. Ulrich Noll weiterhin. Für die ZBW- Reihe Politik im Gespräch sprach der stv. Präsident und Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Bernhard Jäger, mit Dr. Ulrich Noll über die derzeitige und zukünftige Gesundheitspolitik, insbesondere im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl am 27. September. Sollte nach der Bundestagswahl eine christlich-liberale Koalition zustande kommen, sehen Sie dann Chancen, dieweichen in der Gesundheitspolitik neu zu stellen? An welchen Hebeln muss Ihrer Meinung nach eine neue Gesundheitspolitik ansetzen? Sollte eszueiner schwarz-gelben Koalition reichen und davon gehe ich aus werden wir sicherlich nicht mit einem Federstrich alles, was falsch gelaufen ist, umdrehen können. Fürmich wäre es das Wichtigste, erst einmal den Gesundheitsfonds wieder abzuschaffen. Dies ginge relativ schnell, weil die Strukturen beiden einzelnen Kassen und KVen noch vorhanden sind, auch wenn sie durch die jeweiligen Bundesgremien überformt worden sind. Als nächsten Schritt werden wir nicht darum herumkommen, einen Grundleistungsbereich zu definieren. Ich halte das Festzuschusssystem der Zahnärzteschaftfürein hervorragendes Modell, das auch in der Bevölkerung akzeptiert ist. Wir sollten versuchen auch in der Allgemeinmedizin vom Sachleistungsprinzip zur Kostenerstattung überzugehen. Für eine auf wissenschaftlicher Basis definierte, ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung wird ein Festkostenpreis definiert. Darüber hinaus kann der Versicherte weitere Behandlungs- und Therapieformen in Anspruch nehmen, indem er eine Zuzahlung leistet. Ich bin mir sicher,dass es gelingen wird, die Menschenzumotivieren für eben diesen Fall eine zusätzliche Versicherungabzuschließen. Den Versicherungen müssen wir die Freiheit geben, differenzierte Angebote, die das Grundpaket überschreiten, zu machen. Ein solches modulares Angebot muss sinnvoller Weise mit dem Kostenerstattungssystem verbunden werden. Der Stellenwert der Privaten Krankenversicherung wird seit der Amtszeit von Ulla Schmidt stetig geschwächt. Glauben Sie, dass die Private Krankenversicherung unter einer christlichliberalen Regierung wieder ihren ursprünglichen Stellenwert erhalten kann? Dassdie Schwächungderprivaten Krankenversicherungen von uns immer bekämpft worden ist, glaube ich, ist bekannt. Unabhängig davon, wie das Gesundheitswesen letztlich organisiert werden wird, ist jedoch erkennbar,dass Zusatzversicherungen inder Zukunft auf jeden Fall eine wesentlich höhere Bedeutung haben werden. Auch das FDP-Modell sieht vor, dass es im Grundleistungsbereich keinen großen Unterschied mehr zwischenderpkv undderderzeitigen GKV gibt. Die Auflösung der klassischen Unterscheidung PKV und GKV wird allerdings nicht dadurch erreicht, dass die PKV der GKV angeglichen, sondernumgekehrtdie GKV nach den Prinzipien der PKV strukturiert wird einschließlich der Pflicht zu Altersrückstellungen. Verträgt sich Ihrer Meinung nach eine Kopfpauschale mit dem Gedanken einer Solidargemeinschaft? Das Wort Kopfpauschale liebe ich überhaupt nicht, weil es zur Diskreditierung des ursprünglichen CDU-Konzeptes geführt hat. Stattdessen müssen wir von einem Prämiensystem reden. Für mich ist entscheidend, obesuns mit der CDU zusammen gelingt, Gesundheitspolitik. Für die ZBW-Reihe Politik im Ge fentlichkeitsarbeit der LZK Baden-Württemberg, Dr.Ber tige und zukünftige Gesundheitspolitik, insbesondere im das Versicherungsprinzip wieder einzuführen. Derzeit haben wir nämlich ein staatlich gelenktes Versicherungswesen, bei dem wir keine Versicherungsprämie, sondern eine Gesundheitssteuer bezahlen. Eine solche Steuer wird zwangsläufig, wie allesteuernvon ZBW 8/2009

18 Berufspolitik 19 staatlicher Seite, nach politischem Gutdünken verteilt. Dies kann nur geändert werden, wenn das Risiko der Solidargemeinschaft nach dem tatsächlichen Leistungsbedarf kalkuliert wird daraus folgt zwingend die erforderliche Prämienhöhe. Das bedeutet, dieprämie folgtdemleistungsgeschehenund nicht politischen Vorgaben. Die Prämie im Grundleistungsbereich stellt eine sinnvolle Organisation der Absicherung für alle, wenn sie so wollen, eine solidarische Absicherung dar. Der Kontrahierungszwang im Grundleistungsbereich stellt sicher, dass Jede und Jeder ohne individuellen Risikozuschlag versichert wird. spräch sprach der stv. Präsident und Referent für Öfnhard Jäger(re.), mit Dr.Ulrich Noll (li.) überdie derzei- Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl. Die Berliner Republik hat die Gesundheitspolitik und die Kompetenzen im Gesundheitswesen mehr und mehr zentralisiert. Wäre esineinem Europa der Regionen nicht sinnvoll, wenn die Regionalisierung im Gesundheitswesen wieder Priorität hätte? Foto:Mader Unabhängig davon, wie das Finanzierungsmodell nach derwahl aussehen wird, ist die Rückkehr zu regionalen Entscheidungsstrukturen und Befugnissen ein zentraler Punkt. Der Wettbewerb um die beste Lösung ist angesichts dieser Zentralisierung verloren gegangen. Früher haben unsere guten baden-württembergischen Lösungen meist Nachahmung in anderen Ländern gefunden. Dieser positive Wettbewerbs-Föderalismus muss wieder ermöglicht werden. In der letzten Zeit mehren sich die Stimmen, insbesondere in der SPD, die eine Abschaffung der Selbstverwaltung der Ärzte und Zahnärzte herbeireden. Wie sehen Sie die Zukunft der kassenärztlichenund zahnärztlichen Vereinigung sowie die Kammer als berufliche Selbstverwaltung? Wenn es die Kammer nicht gäbe, man müsste sie erfinden: Unsere Berufsangelegenheiten sind immer besser subsidiär bei den Kammern, also bei unseren eigenen, gewählten Gremien angesiedelt. Gäbe es diese Gremien nicht, würde auch das Berufsrecht ausschließlich von staatlicher Seitegeregelt werden. Davor würde esmir grauen! Deswegen glaube ich, dass die Kammern in Zukunft eher eine größere Rolle spielen werden. Wenn wir in einem freieren System Gebührenordnungen verhandeln müssen, wird essinnvoll sein, dass wir eine schlagkräftige Vertretung der Berufsinteressen haben. Was die kassenärztlichen und kassenzahnärztlichen Vereinigungen betrifft, warne ich bei derzeitigem Zustand davor, deren Abschaffung zu verlangen. Es ist unübersehbar, dass Berlin sie als lästige Vertreter der Ärzte- und Zahnärzteschaft am liebsten abschaffen möchte und keine Gelegenheit auslässt,sie in Misskredit zu bringen. In einem System, wie ich es Ihnen geschildert habe, das heißt mit Kostenerstattung, mehr Wahlfreiheit und direktem Zahlungsfluss zwischen Arzt und Patienten halte ich die bisherigen Strukturen der kassenärztlichen und kassenzahnärztlichen Vereinigungen in ihrer derzeitigen Form nicht mehr für zwingend notwendig. Es wird aber weiterhin Zusammenschlüsse von Ärzten und Zahnärzten geben müssen, damit der einzelne Kollege den Versicherungsunternehmen nicht schutzlos ausgeliefert ist. Diese Gefahr sehe ich im Moment, wenn eine Abschaffung der Körperschaften gefordert wird. Wie lassen sich die völlig unterschiedlichen SteuerkonzeptionenIhrerParteiund dieder Union vereinbaren? Sehen Sie hier keine Hürde für eine mögliche Koalition nach der Bundestagswahl? Die Steuerkonzepte von Union und FDP waren vor der letzten Wahl ziemlich ähnlich. Sie erinnern sich vielleicht an das Kirchhoff-Modell, das sehr radikal war. Wenn die CDU nicht jede ordnungspolitische Richtung verloren hat, müssten die Themen Steuervereinfachung und Steuerentlastung mit der CDU realisierbar sein. Wir wissen, selbstverständlich, dass man Steuerentlastungen nicht unabhängig von Konjunkturverläufen gestalten kann, aber das Signal muss kommen: Wir wollen eine deutliche Vereinfachung und mit der Vereinfachung auch eine Entlastung, vorallem im mittleren Einkommensbereich. Letzte Frage: Gibt es Ihrer Meinung nach eine Chance, dass ein Liberaler eines Tages Landesoder Bundesminister fürsoziales und Gesundheit wird? Es gab bereits einen liberalen Sozialminister auf Landesebene, dies warherr Kley in Sachsen-Anhalt. Auf Bundesebene sehe ich sogar eine realistische Chance, dass die FDP nach der Bundestagswahl den Gesundheitsminister stellen könnte. Wir danken Ihnen.» 8/2009 ZBW

19 20 Fortbildung Wirkung und zahnmedizinischer Einsatz einer antibakteriellen Substanz Ozon in der Kariestherapie Die Kariestherapie bestand für Jahrhunderte in der chirurgischen Entfernung erweichter und infizierter Zahnsubstanz. Allerdings gab es schon lange Versuche, wie in der Medizin, infiziertes Gewebe nicht nur zu exzidieren, sondern durch antibakterielle Substanzen eine Heilung zu erzielen. Sicherlich sind Weichgewebe nicht mit Schmelz und Dentin zu vergleichen, dennoch gibt es klinische Studien, die selbst bei rein mechanischer Abdichtung kariösen Dentins über zehn Jahre eine sehr hohe Erfolgsquote aufweisen. zahnärztlichen Einheiten können aber durch Ozon eliminiert werden. Aufgrund von dokumentierten Abhängigkeiten der Ozonanwendung von der Ozonkonzentration, der Einwirkdauer und des Transportmediums sind Unterschiede in der Wirkung der verschiedenen Ozongeräte zu erwarten. Antibakterielle Therapie. Da Karies durch Bakterienausgelöst wird, besteht das Ziel einer antibakteriellen Therapie in der Abtötung der Bakterien und weitestgehenden Erhaltung des Dentins. Es sind viele Versuche zu diesem Behandlungsprinzip unternommen worden, wobei allerdings die Ergebnisse mit Silbernitrat, Jod, Chlorhexidin oder Fluorid generell enttäuschten, weil die Karies nur selten unter Kontrolle zu bekommen war. Diese antibakteriellen Substanzen, bis auf Fluoride, sind wirksam, wenn die Bakterien gut zugänglich, z. B. auf der Zahnober äche, sind. Aber auch bei ausgereiften Bio lmen lässt deren Wirksamkeit nach. Noch unsicherer ist die Wirksamkeit von antibakteriellen Substanzen auf Bakterien im kariösen Dentin oder im Wurzelkanalsystem. Wirkung von Ozon. Ozon wird seit langer Zeit als antibakterielles Agens in der Industrie und der Was- seraufbereitung genutzt. Seit einigen Jahren wird es in der Zahnheilkunde auch für die Desinfektion von Bakterien in kariösen Wurzelläsionen oder Fissuren sowie in der Endodontie eingesetzt. Die Wirkung von Ozon auf Bakterien beruht auf der Oxidationswirkung auf die Bakterienwand, wodurch es zur Abtötung der kariogenen Mikroorganismen kommt, aber auch von pathogenen Bakterien im Wurzelkanalsystem. Unterschiede in der desin zierenden Wirkung der antibakteriellen Substanzen gegenüber Bio lmen sind meistens konzentrations- und zeitabhängig. Bei in vitro-studien zeigt sich auch eine deutliche Wirkungsabhängigkeit vom Bakterienstamm. Beim Ozon ist die Wirksamkeit auch von der Art des Applikationsmediums abhängig, gasförmig oder in Wasser gelöst. Außerdem ist die Wirkung von Ozon auf etablierte Bio lme deutlich schwächer als auf Bakterien in Lösung. Selbst Bakterien in den Wasserleitungen von In der Zahnmedizin. Nach dem Aufkommen von zahnmedizinisch einsetzbaren Geräten zur Ozonapplikation wurde über unterschiedliche klinische Anwendungen berichtet. Die z. T. sehr umstritteneaufnahme des Konzeptes widersprach vielen überkommenen Ansichten über die Therapie der Karies. In der Zwischenzeit gibt es interessante klinische und mikrobiologische Studien zur Ozonanwendung. Die ersten Daten wurden von der Therapie der Wurzelkaries berichtet. Nach Ozonanwendung kam es zu einer signi kanten Reduktion der sich in der Läsion be ndlichen Mikroorganismen. Darüber hinaus oxidiert Ozon auch im Speichel vorhandene Kohlenhydrate und Säuren, was möglicherweise einen zusätzlichen präventiven Effekt hat. Klinisch wurde die Anwendung von Ozon auf Schmelzkaries an Fissuren nach deren Reinigung mit unbehandelten Fissuren verglichen. Hier zeigte sich eine deutliche und signi kante anfängliche Verbesserung der Karies nach einmaliger Befund. Kariöse Fissur 37 okklusal. Entfernen. Die Reinigung der Fissur von Bakterien erfolgt. Fotos: Prof. Dr.Elmar Reich ZBW 11/2007 8/2009

20 Fortbildung 21 Messung. Fluoroeszenzmessung mittels DIAGNOdent (KaVo). Dosierung. DIAGNOdent Wert 43 entspricht einer Dentinläsion. Ozonanwendung. Nach mehrmonatiger Beobachtungszeit verringerten sich aber die Unterschiede zwischen Ozon und den unbehandelten Kontrollen wieder (Huth et al. 2005). Dies zeigt, dass die Entfernung des etablierten mikrobiologischen Bio lms bei den derzeit vorhandenen Geräten eine wichtige Bedingung ist. Außerdemverringerte sich der antibakterielle Effekt in den Fissuren nach einigen Monaten wieder. Dies stützt die Vermutung, dass die Mundhygiene der Probanden sich nicht dauerhaft verbesserte und diese Fissuren remineralisieren konnten. Es scheint zweifelhaft, ob die mehrmalige Ozonanwendung in Fissuren den gewünschten dauerhaften Effekt hat. Vielmehr scheint es notwendig, bei Patienten mit kariösen Fissuren regelmäßig das Kariesrisiko zu überprüfen. Wenn das Risiko durch präventive Maßnahmen des Patienten nicht deutlich verringert werden kann, sollte überlegt werden, ob eine Fissurenversiegelung nicht der sichere Weg ist, die Bakterien am Eindringen in die Fissur zu hindern. Auch bei der Therapie fortgeschrittener Dentinläsionen bei behandlungsunwilligen Kindern wurden deutliche Verbesserungen der Dentinhärte als einem klinischen Zeichen der mikrobiellen Invasion nach Ozonanwendung nachgewiesen, neben der generell sehr positiven Akzeptanz dieser Therapieform bei den Patienten. Die klinische Anwendung von Ozon war zuerst gegen kariesauslösende Bakterien gerichtet. Später kamen dann Anwendungen in der Endodontie sowie zur Behandlung von überemp ndlichen Zahnhälsen, Apthen und anderen oralen Schleimhautläsionen hinzu. In der Therapie der periapikalen Parodontitis sind mit den üblichen Desinfektionslösungen wie Natriumhypochlorid, Chlorhexidin und Wasserstoffsuperoxid gut Erfolge zu erzielen. Jedoch sinkt der Erfolg bei der Therapie persistierender oder wiederauftretender apikaler Parodontitiden auf 50 bis 70 Prozent. Anscheinend ist die desin zierende Wirkung der gebräuchlichen Spüllösungen nicht ausreichend, um dauerhaft die Bakterien und damit auch die Entzündung unter Kontrolle zu halten. Neueste Untersuchungen zeigen, dass Ozon sowohl gasförmig wie auch in wässriger Lösung, eine vergleichbare antibakterielle Wirkung hat wie Natriumhypochlorid und Chlorhexidin, aber Applikation. Ein Silikonaufsatz hilft beiderapplikationdesozons (Heal- Ozone/KaVo). deutlich effektiver ist als Wasserstoffsuperoxid. Aber auch hier wurde daraufhingewiesen,dass die klinische Wirksamkeit von Ozon und anderen Desinfektionsmitteln von der Dosis, der Einwirkungszeit und auch von der Bakterienart abhängig ist. In realiter ist im Wurzelkanal zu vermuten, dass sich auf Grund der Wurzelanatomie nicht immer die notwendigen Konzentrationen im gesamten Kanalsystem erzielen lassen. Klinisches Vorgehen. Die Wirkung des Ozons bei der Kariestherapie richtet sich gegen die verursachenden Bakterien. Der Einsatz des Ozons ist bei Glatt ächen und Röntgendiagnostik. In der Bissflügelaufnahme erkennbare interdentale und okklusale Karies /2007 8/2009 ZBW

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