BERATENDE INGENIEURE FACHMAGAZIN FÜR PLANEN UND BAUEN 7/ VBI IM DIALOG I KONSTRUKTIVER INGENIEURBAU I PRODUKTE UND PROJEKTE

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1 BERATENDE INGENIEURE FACHMAGAZIN FÜR PLANEN UND BAUEN 7/ VBI IM DIALOG I KONSTRUKTIVER INGENIEURBAU I PRODUKTE UND PROJEKTE

2 EDITORIAL In dieser Ausgabe Im Dialog... Ines Bronowski, Chefredakteurin heißt es im vorliegenden Heft ab Seite 16. Dort beginnt eine neue Rubrik, deren Hauptbeitrag VBI-Hauptgeschäftsführer Arno Metzler genau so verstanden wissen will als Einstieg in einen Dialog mit den Verbandsmitgliedern zu den aktuellen Deregulierungsbestrebungen europäischer Institutionen, die sich für planende und beratende Ingenieure in Deutschland wie eine Horrorliste lesen. Ob und wie sich der Berufsstand dagegen verwahren will, das ist der Punkt, den es zu verhandeln gilt. Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt, in den kommenden Wochen. Diese sind bis zum 22. September zugleich Wahlkampfwochen, also Zeiten hehrer Versprechen und Ankündigungen. Warum der VBI trotzdem und mit welchem Resultat die für den Bundestag kandidierenden Parteien anhand sogenannter Wahlsprüfsteine um Rede und Antwort bat, erfahren Sie ebenfalls in der Rubrik VBI im Dialog. Und weil der Dialog mit Auftraggebern, insbesondere denen in den kommunalen Rathäusern und Ämtern für viele Ingenieure laut aktueller VBI-Konjunkturumfrage ist die öffentliche Hand in Städten und Gemeinden für mehr als ein Drittel aller Mitgliedsbüros Hauptauftraggeber zum beruflichen Alltag gehört, fand im Juli erstmals ein entsprechender Erfahrungsaustausch statt. Der stand unter der zentralen Fragestellung Kommunale Flächen und Infrastruktur Was geht noch bei leeren Kassen? und erwies sich als äußerst lebhaft, konstruktiv und absolut fortsetzungswürdig, wie Sie auf Seite 20/21 lesen. Das gilt ebenso für das erste gemeinsame Seminar von VBI, Bundeswirtschaftsministerium und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBRD zu Strategie und Taktik bei der Akquise von entsprechenden Aufträgen, das Ende Juni stattfand. Näheres erfahren Sie ab Seite 10 in der Einstiegsrubrik Namen und Nachrichten. Mit dem ebenfalls dort platzierten Interview (S. 8/9) mit Professor Jäger über Aktivitäten und bisherige Erfol- ge der Praxisinitative Normung PiN wird zugleich das Hauptthema dieser Ausgabe eingeleitet. Das ist der Konstruktive Ingenieurbau mit Aufsätzen zu einem Maßstäbe setzenden Holztragwerk in Hamburg, einem neuen Stadiondach in Rio de Janeiro für die Fußball-WM nächstes Jahr in Brasilien, über die Neuerfindung einer preisgekrönten Shoppingmall und das neue Raumfahrtmedizinische Forschungszentrum der DLR in Köln. Außerdem lesen Sie was Ingenieur-Know-how mit Mae West verbindet und wie das Reißverschluss-Konzept den Wettbewerb um die Sanierung der Sparkasse Nürnberg maßgeblich mitentschied. Außerdem geht es in der Rubrik Konstruktiv um die neue Waschmühltalbrücke bei Kaiserslautern, die derzeit in gelungener Symbiose zur bestehenden gleichnamigen Brücke von 1937 entsteht. Dem Bauwerk zugrunde liegt der Siegerentwurf von LAP im ersten interdisziplinären Ingenieurwettbewerb, den das Land Rheinland-Pfalz 2006 durchgeführt hat. BI berichtete seinerzeit und zeigte den Entwurf auf dertitelseite in Heft 1-2/2007. Damit vermitteln die Hauptbeiträge einen breiten Einblick in das Leistungsspektrum der nach wie vor stärksten fachlichen Gruppierung im VBI. Korrespondierend dazu sei noch auf die derzeit im Deutschen Architektur Museum in Frankfurt am Main laufende Ausstellung über das VBI-Mitgliedsbüro Bollinger + Grohmann hingewiesen (S. 14), die noch bis Ende August gezeigt wird. Wenn Sie bis dahin in Frankfurt sind, lohnt sich ein Abstecher ins DAM unbedingt so jedenfalls der einhellige Tenor all derjenigen, die die Ausstellung bislang gesehen haben. BERATENDE INGENIEURE 7/

3 INHALT 3 EDITORIAL Im Dialog Ines Bronowski 6 NAMEN UND NACHRICHTEN 8 Engagement für PiN Interview zur Normung 10 EBRD stellt sich den Ingenieuren vor Veranstaltung in Berlin 14 Bollinger+Grohmann Ausstellung im DAM VBI IM DIALOG 16 Europa was geht mich das an? Arno Metzler 18 VBI-Wahlprüfsteine Zustimmung zu politischen Forderungen Jonas Hurlin 19 Ingenieure im Dialog mit der Politik Kommentar Arno Metzler 20 VBI-Symposium Was geht noch bei leeren Kassen? Tatjana Steidl KONSTRUKTIV 22 Das Wälderhaus in Hamburg Tragwerk aus Holz setzt Maßstäbe Henning Klattenhoff Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegt der aktuelle Unita-Brief bei. BERATENDE INGENIEURE FACHMAGAZIN FÜR PLANEN UND BAUEN 7/ VBI IM DIALOG I INGENIEURBAU I PRODUKTE UND PROJEKTE Zum Titelbild: Gebäudehülle für futuristische Forschung: das Kölner DLR-Forschungszentrum :envihab Foto: Hans Jürgen Krolkiewicz 27 Skulptur Mae West in München Bauen mit Kohlefasern Werner Sobek, Steffen Feirabend, Wolfgang Sundermann, Martin Synold 29 Stadion-Umbau in Rio de Janeiro Neues Dach über dem Maracanã-Stadion Knut Stockhusen, Thomas Moschner 32 Kaufhausumbau, Düsseldorf Eine preisgekrönte Mall erfindet sich neu Markus Krah 36 Forschungszentrum envihab, Köln Raumfahrtforschung in Modulen Hans Jürgen Krolkiewicz 41 Waschmühltalbrücke, Kaiserslautern Symbiose Baudenkmal und Neubau Wolfgang Eilzer, Richard Lutz, Volker Priebe, Volkhard Angelmaier, Rico Stockmann 50 Sanierung und Teilneubau Sparkasse Nürnberg Das Reißverschluss-Konzept Christian Brensing BERUF UND RECHT 55 ABC des Baurechts Akquisition Grudsätze und Grenzen zur Beauftragung Eva Reininghaus 56 Urteile Planprüfungspflicht des beauftragten Objektüberwachers Reinhard Voppel 57 PRODUKTE UND PROJEKTE Schallschutz für Schulen Wirksame Raumakustik mit Kantenabsorbern Helmut V. Fuchs 68 TIPPS UND TERMINE 72 IMPRESSUM BERATENDE INGENIEURE 7/

4 NAMEN UND NACHRICHTEN VBI-Bundeskongress 2013 Kann Deutschland noch Großprojekte? Kann Deutschland noch Großprojekte? heißt das Thema des diesjährigen VBI-Bundeskongresses am 17./18. Oktober in Hamburg.Nach der traditionellen Öffentlichen Vortragsveranstaltung am ersten Tag folgt eine Neuerung: Der Verbandstag am 18. Oktober wird zugunsten einer Exkursion zu interessanten Baustellen und Bauwerken Hamburgs auf den Vormittag beschränkt. Zur Begrüßung wird Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt sprechen. Danach stellt Dr. Klaus Richter von INROS Lackner anhand eines erfolgreich abgeschlossenen Großprojekts Praxiserfahrungen vor, während Prof. Dr. Hans-Jörg Hennecke, der ein Forschungsprojekt zum Thema Großprojekte betreut, wissenschaftliche Einsichten darlegen wird. Eine Podiumsdiskussion mit namhaften Gästen und VBI-Vorstand Dr. Heinrich Best, Mitglied der Großprojekte-Reformkomission beim BMVBS, vertieft die Diskussion. Am 18. Oktober findet vormittags die VBI-Mitgliederversammlung statt. Danach können die Teilnehmer wählen, ob sie die Internationale Bauausstellung IBA intersssiert, ein Hafenrundgang mit fachkundiger Ingenieurbegleitung oder eine Hafenrundfahrt mit der Hafen Port Authority. Veranstaltungsort ist das Hotel Empire Riverside in unmittelbarer Nähe zu den Sankt-Pauli- Landungsbrücken. Das Reservierungsformular für die VBI-Zimmerkontingente im Tagungshotel und im unweit davon gelegenen Hotel Hafen Hamburg lag bereits Ausgabe 3-4/2013 bei, beide können aber auch jederzeit von der VBI- Website (www.vbi.de/downloads) heruntergeladen werden. VBI-Präsident Cornelius mit den Unit-Geschäftsführern Oster (l.) und Mikosch (r.) VBI-Hochwasserschutzpreis UNIT spendet Preisgeld Als Beitrag zur Bewältigung der Folgen des verherrenden Junihochwassers vor allem im Osten und Süden des Landes spendete die Unit Versicherungsmakler GmbH, mit der den VBI eine langjährige Zusammenarbeit verbindet, Euro. Den entsprechenden Scheck überreichten die Unit-Geschäftsführer Dirk Oster und Bernd Mikosch am 3. Juli in Berlin an VBI-Präsident Dr. Volker Cornelius. Der VBI wird den Betrag als Preisgeld für einen Wettbewerb einsetzen, in dessen Rahmen von VBI-Mitgliedern entwickelte nachhaltige Hochwasserschutzkonzepte und -lösungen ausgezeichnet werden sollen. Unter Federführung des VBI-Wasserausschusses wird derzeit die Ausschreibung dafür erarbeitet. Die offizielle Auslobung findet in Hamburg auf dem VBI-Bundeskongress 2013 statt. Deutscher Brückenbaupreis 2014 Bewerberfrist endet am 14. September Noch werden sie gesucht: die aktuell besten Brückenbauingenieure Deutschlands. Die Teilnahmefrist für den Wettbewerb um den Deutschen Brückenbaupreis 2014, der im März gemeinsam vom VBI und der Bundesingenieurkammer ausgelobt wurde, endet am 14. September. Vorgeschlagen werden können Brücken, deren Fertigstellung, Umbau oder Instandsetzung zwischen dem 1. September 2010 und dem 1. September 2013 erfolgte. Der Preis wird im kommenden Jahr zum 5. Mal in den beiden Kategorien Straßen- und Eisenbahnbrücken sowie Fuß- und Radwegbrücken vergeben. Ausgezeichnet werden die Bauwerke sowie die Ingenieure, die an verantwortlicher Stelle wesentlichen Anteil am Entstehen der Brücke hatten. Neun Brückenbauexperten werden als Juroren die eingereichten Arbeiten bewerten und die Sieger küren. Die feierliche Preisverleihung findet dann am 10. März 2014 statt, im Rahmen des 24. Dresdner Brückenbausymposiums. Auslobungsunterlagen und alle weiteren Informationen: 6 BERATENDE INGENIEURE 7/8 2013

5 Großprojekte Zwischenbericht der Reformkommission Wie Dr. Heinrich Best, VBI-Bundesvorstand, berichtete, diskutierte die BMVBS-Reformkommission Bau von Großprojekten auf ihrer 2. Sitzung am 20. Juni vornehmlich Handlungsempfehlungen. Diese kamen aus den Arbeitsgruppen Optimierte Abläufe im Planungsprozess sowie Moderne modellgestützte Planungsmethoden. Im Einzelnen ging es um die Definition von Großprojekten, deren Bedarfsermittlung, eine verbindliche Risikoermittlung und -fortschreibung und die verbindliche externe Prüfung von Planung und Kosten. Des Weiteren umfassten die Handlungsempfehlungen das Thema Transparenz durch Berichte über Projektfortschritt, Kosten und Termine, die Veröffentlichung größerer Änderungen sowie die partnerschaftliche Projektorganisation durch gemeinsame Haftung. Es gab keine abschließenden Entscheidungen. Die Kommission, die das Bundesbauministerium eigens zur Prävention von Problemen bei Großbauprojekten eingesetzt hat, tagt erst wieder nach der Bundestagswahl im November. Energiewende EnEV lässt auf sich warten Das Inkrafttreten der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV) wird sich weiter verzögern. Der Bundesrat hat den novellierten EnEV-Entwurf in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause nicht beschlossen. Verärgert hat sich darüber die von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) initiierte Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) geäußert: Die Energiewende im Gebäudesektor benötigt dringend verlässliche Rahmenbedingungen. Das monatelange Tauziehen um die neue EnEV schafft unnötige Verunsicherung bei Verbrauchern und Unternehmen, sagte Stephan Kohler, geea-sprecher und dena-geschäftsführer. In einem offenen Brief an die Politik bilanziert der Zusammenschluss aus Unternehmen, Verbänden und Forschungseinrichtungen den aktuellen Stand der Energiewende im Gebäudesektor. Ohne die Erschließung der wirtschaftlichen Effizienzpotenziale in diesem Bereich könne die Energiewende nicht gelingen, heißt es in dem Schreiben an die Fachgremien von Bundestag, Bundesrat und Ministerien sowie in den Ländern. Angesichts des ehrgeizigen Ziels der Bundesregierung, den Primärenergieverbrauch in Gebäuden bis 2050 um 80 % zu senken, seien neue Impulse zur Erhöhung der Sanierungsquote erforderlich. Bundesstiftung Baukultur Neuer Präsident setzt Schwerpunkte Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur stellte Ende Mai die drei Schwerpunkte der künftigen Stiftungsarbeit vor: Wohnen und gemischte Quartiere, öffentlicher Raum und Infrastruktur sowie die Optimierung der Verfahrensqualität. Besondere Bedeutung will Nagel dem sogenannten Bericht der Baukultur als Instrument zur Sensibilisierung von Politik, Verwaltung und Fachöffentlichkeit für baukulturelle Themen beimessen, der 2014 erstmals unter seiner Leitung erscheinen soll. Außerdem gehe es darum, die öffentliche Wahrnehmung der Bundesstiftung weiter zu stärken, denkbar seien dafür Kooperationen mit öffentlich-rechtlichen Medien oder die Entwicklung sogenannter Schaufenster der Baukultur, z. B. in Berlin oder anderen von der Öffentlichkeit stark frequentierten Orten. Darüber hinaus ist Nagel die Stärkung des Netzwerkes ein wichtiges Anliegen. In diesem Zusammenhang zeigte er sich beeindruckt vom Kooperationspotenzial des Fördervereins Bundesstiftung Baukultur e. V. als geborenem Partner. In der Konsolidierungsphase der Bundesstiftung möchte ich Doppelarbeit vermeiden. Es geht mir darum, Synergien mit Partnern auszubauen, die bestehende Netzwerkarbeit fortzusetzen und weitere Kooperationen zu aktivieren. Der VBI hört das gern und hofft, dass künftig auch die Ingenieure wieder stärker in der Stiftung Gehör finden. HOAI 2013 Alles zur neuen Honorarordnung Die HOAI 2013 ist am 17. Juli nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft getreten. Gemeinsam mit anderen Verbänden und Kammern hat der VBI eine Broschüre mit der Textfassung der HOAI 2013 herausgegeben, die im August erscheinen, also in diesen Tagen bald erhältlich sein wird. Die Publikation enthält den vollständigen Text nebst amtlicher Begründung. Im Vorwort verweist VBI-Präsident Dr.-Ing. Volker Cornelius darauf, dass der Kern der Novellierung die baufachliche Überarbeitung der Leistungsbilder und die Aktualisierung der Honorarsätze in den Honorartafeln ist, kritisiert aber zugleich die Fortschreibung der Ausgliederung wichtiger Planungsleistungen in den unverbindlichen Teil. Außerdem verweist Cornelius auf die erreichten durchschnittlich 17 % Honorarplus, für die die Planer aber auch mehr leisten müssten. Die Broschüre ist beim VBI gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro (inkl. MwSt. und Versandkosten) erhältlich, bei Bestellung von 10 Exemplaren beträgt der Preis 45 Euro. Die mit der Novelle einhergehenden Neuerungen sind umfangreich und das Interesse an entsprechenden Weiterbildungsveranstaltungen erneut groß. Dementsprechend haben VBI und Unita erneut eine Serie von Seminaren aufgelegt, die am 30. Juli in Berlin mit VBI-Justiziarin Sabine von Berchem als Referentin eröffnet wurde. Alle weiteren Termine der VBI-Unita-HOAI- Halbtagsseminare (für VBI-Mitglieder 170 Euro) mit online-anmeldeformuar finden Sie auf der Unita-Website: 7

6 NAMEN UND NACHRICHTEN Im Interview Engagement für die Praxisinitiative Normung Für die Stärkung der Position aller praktisch tätigen Bauingenieure in den nationalen und europäischen Normungsgremien haben der VBI und die BVPI vor etwa zwei Jahren die Praxisinitiative Normung (PiN) ins Leben gerufen. PiN vertritt die Interessen der beratenden, planenden und prüfenden Ingenieure in der Initiative Praxisgerechte Regelwerke im Bauwesen (PRB). Gemeinsam haben die Initiativen das große Ziel, die neue Generation der europäischen Normen für die Tragwerksbemessung anwenderfreundlicher, verständlicher und damit praxistauglicher zu machen. Über erste Ergebnisse der Planeraktivtäten und das weitere Vorgehen sprach BI mit Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger, der sich als PiN- und PRB-Vertreter in besonderem Maße in nationalen wie internationalen Normengremien engagiert. Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger Professor Jäger, Sie wurden Mitte Juni zum neuen Obmann des Spiegelausschusses zum Eurocode 0 gewählt. Welche Ziele verfolgen Sie bei Ihrer neuen Aufgabe. Als Gesellschafter und Berater eines Ingenieurbüros für Tragwerksplanung und als Prüfingenieur habe ich natürlich ein großes Interesse an brauchbaren Normen, die zweifelsfrei und sicher anwendbar sind und eine effiziente Tragwerksplanung bzw. Prüfung erlauben. In der täglichen Arbeit im Büro und bei der Tätigkeit als Hochschullehrer habe ich immer mehr erfahren müssen, wie sehr sich die Berechnungs- und Bemessungsnormen sowohl national als auch europäisch von einem anwenderfreundlichen Handwerkszeug zu einem kaum noch überschaubaren und z. T. überladenen Regelwerk entwickelt haben. Dieser Tendenz müssen wir als Ingenieure Einhalt gebieten, wobei wir die Schuld daran nicht länger anderen zusprechen können. Wir selbst müssen als interessierter Kreis stärker Einfluss nehmen und uns aktiver vor allem in der Breite und mit mehr Nachdruck beteiligen. Fehlentwicklungen dürfen nicht mehr zugelassen und Zielstellung müssen besser artikuliert werden. Die Zeit des nationalen Normenschreibens ist am 1. Juli 2012 zu Ende gegangen. Das macht es nicht einfacher, unsere Interessen durchzusetzen. Ich möchte in der vor uns stehenden Phase der Aktualisierung, Überarbeitung und Weiterentwicklung der Eurocodes meine in der Vergangenheit auf nationaler und europäischer Ebene gesammelten Erfahrungen sowie meine internationalen Verbindungen nutzen, um im Sinne der deutschen Ingenieure Einfluss nehmen zu können. Worum geht es Ihnen konkret? Die EN 1990 stellt eine Grundlage für alle spezifischen Bemessungsnormen dar und hat damit zentrale Bedeutung. Sie ist derzeit aber überladen mit Informationen und Festlegungen, die zwar für die Bearbeiter der Normen der einzelnen Bauarten von Interesse sind, den Anwender jedoch belasten und es ihm erschweren, das für ihn Wesentliche zu finden. Hier möchte ich den Versuch unternehmen, eine klarere Struktur und ggf. eine andere Form als bisher zu finden. Des Weiteren macht uns die Vielzahl der Lastkombinationen in der Praxis zu schaffen, die bei der Dynamik des Planungsprozesses in der Mehrzahl der Fälle wenig Sinn gibt. Hier soll versucht werden, Vereinfachungen zu erreichen, die wieder für mehr Überschaubarkeit und schnelle Abarbeitung sorgen. Sicher ist bei besonderen Bauwerken, die nicht zum alltäglichen Spektrum der Ingenieurbüros für Tragwerksplanung gehören, diese Genauigkeit sinnvoll und notwendig. Hier gilt es das richtige Maß und die richtige Form zu finden. Und nicht zuletzt liegt mir am Herzen, wieder für Ordnung in der Terminologie zu sorgen, die sich im Wahn um Zertifizierung nach ISO 9001 immer mehr von den eigentlichen Inhalten unserer Tätigkeit und dem Möglichen und Machbaren entfernt hat. So wird in EN 1990 vom Management der Zuverlässigkeit gesprochen, so sollen Büros und Baufirmen klassifiziert werden. Dabei wird mit dem Begriff der Qualität die eigentliche Aufgabe der Gewährleistung der Standsicherheit verwässert oder der Glaube genährt, dass man menschliche Fehler gar bei der zu erlangenden Versagenswahrscheinlichkeit berücksichtigen kann. Hier gilt es, die über Jahre eingeübte Wortwahl wieder auf das Eigentliche zurück zu führen. Ein beachtenswerter Erfolg der Aktivitäten von PiN und PRB ist die Aufnahme der Kriterien Enhanced Ease of Use (verbesserte Anwenderfreundlichkeit) und Simplification (Vereinfachung) in sämtliche Teile des im Mai vom CEN/TC 250 verabschiedeten Arbeitsprogramms für die Novellierung aller neun Eurocodes. Wie können diese konkreten Programmpunkte umgesetzt werden? Es war keine leichte Aufgabe, das zu erreichen. Dazu war ein konzertiertes Vorgehen aller Beteiligten und Involvierten erforderlich. Die deutsche Seite hat sich für diese Zielstellung immer wieder stark gemacht und klärende Diskussionen angeregt, was unter den Begriffen zu verstehen ist. Nun geht es an die Umsetzung und darum, der Gefahr der Selbstzufriedenheit seitens der europäischen Normer, zu begegnen. Dazu wird es notwendig sein, eine horizontale Koordinierung zwischen den Bauarten und zudem einen Abgleich untereinander durchzusetzen. Hier ist sowohl der Koordinierungsausschuss 01 Mechanische Festigkeit und Standsicherheit des DIN gefragt als auch das Technical Committee 250 der europäischen Normungsorganisation CEN. Zuerst müssen klare Vorstellungen definiert werden, was wir darunter verstehen und wie wir die Ziele Ease of use und Simplification erreichen können. Abrechnung und Kontrolle haben dann nach konkreten Kriterien zu erfolgen, die ebenfalls noch auszuarbeiten sind. Wir befinden uns hier in engem Kontakt mit der Führung des TC 250 und hoffen 8 BERATENDE INGENIEURE 7/8 2013

7 NAMEN UND NACHRICHTEN so, die Voraussetzungen für die Umsetzung rechtzeitig schaffen zu können. Deutschland ist eines von 33 Mitgliedsländern im CEN. Wie schätzen Sie die Möglichkeiten der deutschen Vertreter in den europäischen Normungsgremien generell ein? Sicher sind wir in der Mehrzahl der Bauarten technisch stark und haben gute Positionen, die allgemein anerkannten Regeln für die Berechnung und Bemessung im Bauwesen europäisch festzuschreiben. Die Frage wird sein, ob wir uns durchsetzen können. Dazu ist es notwendig, dass wir unsere Standpunkte und unsere Praxis stärker in Europa bekannt machen und uns intensiver auch um die Kenntnis zum Vorgehen in den übrigen europäischen Ländern bemühen. In manchen Punkten tun wir aber auch gut daran, uns der einen oder anderen Praxis in Europa anzuschließen und uns zur Einigung zu bewegen. Normung gelingt nur im Konsens und um den müssen wir uns im Vorfeld der Normungssitzungen und in Begleitung der Arbeit der Projektteams intensiver bemühen. In der Vergangenheit haben wir im DIN den Begriff der Spiegelung oft zu wörtlich genommen und darauf gewartet, bis es etwas gab, was aus Europa kam und auf die nationale Ebene gespiegelt werden musste. Wir werden nur etwas erreichen, wenn wir den Prozess der Spiegelung zukünftig umkehren können, unseren Stand nach Europa senden und dabei auf eine gute Verteilung auf die interessierten Länder achten. Wie können sich die VBI-Mitglieder in den Novellierungsprozess der Eurocodes einbringen? Das kann auf vielfältige Weise erfolgen: durch aktive Mitarbeit in den deutschen Spiegelausschüssen und deren Arbeitskreisen, durch Mitwirkung auf europäischer Ebene, durch Beteiligung an Fachdiskussionen und durch wahrnehmbare Meinungsäußerungen zur Qualität der bisherigen Normen und künftig entstehenden Entwürfe für Änderungen und Ergänzungen. Und nicht zuletzt natürlich durch einen finanziellen Beitrag, der es den an vorderster Front Tätigen erlaubt, fundiert aufzutreten und sich auch entsprechend zu artikulieren. Kritik und sich zurückziehen, helfen nicht. Schließlich geht es um unser Handwerkszeug, dass wir täglich brauchen. Wer soll es sonst finanzieren, wenn nicht wir selbst? Ende dieses Jahres läuft die Parallelgeltung der Eurocodes mit den bisherigen DIN-Normen in allen Bundesländern aus. Viele Ingenieure halten so lang wie möglich an den vertrauten Normen fest. Welche Chancen und Vorteile bergen die Eurocodes für die deutschen Tragwerksplaner? Zusammen mit den Nationalen Anhängen stellen die Eurocodes den aktuellen Stand der Technik dar. Jeder Tragwerksplaner ist verpflichtet, diesen anzuwenden und nach diesem zu arbeiten. Technische Sicherheit und damit Rechtssicherheit sind wesentliche Aspekte der Anwendung. Eine Alternative dazu gibt es aus meiner Sicht nicht. Insofern war die angestrebte, aber dann über die Länder leider wieder aufgeweichte Stichtagsregelung sinnvoll und notwendig. Wirtschaftlich halten sich die Vorteile sicher in Grenzen, aber was den Austausch von Dienstleistungen in der Bauplanung in Europa anbetrifft, sind die Chancen enorm gestiegen. Das Gespräch führte Dr. Ines Prokop Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst Pumpwerk Alte Emscher in Duisburg Knapp 100 Jahre alt ist das Pumpwerk Alte Emscher in Duisburg-Beeck mittlerweile, doch mit seinem imposanten Kuppelbau gehört es bis heute zu den bedeutendsten Bauwerken der Region. Ende Mai wurde das Pumpwerk, das sich im Besitz der Emschergenossenschaft befindet, deshalb von der Bundesingenieurkammer als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ausgezeichnet. Der 41 m weitgespannte Kuppelbau ist damit das erste derart ausgezeichnete Bauwerk in Nordrhein-Westfalen. Der Vorschlag kam von der Ingenieurkammer-Bau NRW. Das 1914 fertig gestellte Pumpwerk wurde nach einem Entwurf des Architekten Alfred Fischer und des Bauingenieurs Ernst Mautner gebaut, einen wichtigen Anteil hatten bei der Umsetzung auch Mitarbeiter der einige Jahre zuvor gegründeten Emschergenossenschaft. Mit seinem impo- santen Kuppeldach zählte das Pumpwerk zu den herausragenden Gebäuden seiner Zeit. Es nimmt bereits die Sachlichkeit des Bauhaus-Stils der 1920er Jahre vorweg. Tafelenthüllung am Pumpwerk (v. l.): Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitz. Der Emschergenoss. BIngK-Präsident Kammeyer. NRW-Bauminister Michael Groschek, NRW-Kammerpräsident Dr. Bökamp Foto: Edda Mair BERATENDE INGENIEURE 7/

8 NAMEN UND NACHRICHTEN Internationale Aufträge EBRD stellt sich den Ingenieuren vor Vertreter der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBRD mit Sitz in London nutzten das erste gemeinsame Seminar mit dem VBI und dem BMWi am 20. Juni in Berlin, um mit Verve zu zeigen, wie Ingenieurbüros an Beratungsaufträge im Rahmen der EBRD-Vergabeaufträge kommen. Die Quintessenz lautete: Sprechen Sie mit uns und legen Sie Ihr Augenmerk auf die Interessensbekundung!. EBRD-Vergabeneulinge unter den rund 80 Teilnehmern gingen mit einer Fülle an Erstinformationen nach Hause, und wer schon einmal an einem EBRD-Verfahren beteiligt war, erfuhr wie sich seine Chancen auf den Zuschlag erhöhen lassen. Dies war auch dem Veranstaltungskonzept zu verdanken, das Vertreter zweier Ingenieurbüros eines mit wenig (ICON), ein weiteres mit viel EBRD- Erfahrung (Fichtner) zu Wort kommen ließ, um Vor- und Nachteile und die Ingenieur-Sicht der Dinge zu schildern. Die Begrüßung der Gäste übernahm Dr. Ursina Krumpholz vom gastgebenden Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), die betonte, wie sehr die EBRD die Zuverlässigkeit und Qualität der deutschen Consultants schätze. Für den VBI sagte Hauptgeschäftsführer Arno Metzler, dass in deutschen Planungsbüros nur knapp über 10 % der Aufträge aus dem Ausland kämen, in Frankreich oder Großbritannien seien es dagegen über 40 %. Er freue sich über die Triple-Win-Situation, die das Seminar für BMWi, VBI und EBRD biete, deren Geschichte der für Deutschland zuständige Direktor, Joachim Steffens, kurz umriss. Dabei hob er die Besonderheit seiner im Übrigen internationalen, nicht europäischen Bank hervor: Die EBRD sei die einzige Bank mit einem politischen Auftrag, denn sie wurde 1991 zur Förderung von Marktwirtschaft und Demokratie gegründet. Sie subventioniere nicht, son- dern vergebe Kredite, 2012 in Höhe von 9 Mrd. Euro bei einem Nettogewinn von 1 Mrd. Euro. 10,7 % der Beratungsaufträge seien bisher an deutsche Unternehmen gegangen, was Steffens für ausbaufähig hält. Bei langfristigen Vergaben kämen deutsche Büros insgesamt besser zum Zuge als bei kurzfristigen Direktvergaben. Seminarakteure (v. l.): M. Ehrenberg, Dr. Krumpholz, J. Steffens, A. Metzler und G. Lorisika. Martin Ehrenberg, Senior Advisor, Technical Cooperation der EBRD, bestritt fortan den Hauptteil des Seminars. Er schilderte mit seiner Kollegin Jenny Scheffel, Advisor, Technical Cooperation, detailliert die besonderen Ausschreibungsbedingungen. Sie verwiesen auf die Website und die für Consultants wichtigen Punkte dort. Unermüdlich betonte Ehrenberg, dass auch Newcomer Chancen bei der Bewerbung um Aufträge hätten, aber dass alles mit dem persönlichen Kontakt steht und fällt. Die Technical Cooperation sei auf Beratungsdienste zur Entwicklung von Projekten angewiesen und habe als internationale Institution eigene Bedingungen, die nicht zwingend mit der deutschen Vergabeordnung oder dem europäischen Vergaberecht übereinstimmten. Das Kerngeschäft mache die Projektfinanzierung aus, die sich zu 80 % auf den privaten Sektor, zu 20 % auf die öffentliche Hand verteile. Scheffel verwies auf Zusatzinformationen zu Vertragsvergaben und auf Shortlists, auf hilfreiche Richtlinien für Klienten sowie Beschaffungsgrundsätze. Auf Hinweise aus dem Auditorium, EBRD-Vergabeverfahren seien undurchsichtig, reagierte Ehrenberg mit entwaffnender Offenheit: Vieles sei verbesserungswürdig und nicht transparent genug, sowohl die Bank als auch die Kunden (Darlehensnehmer) evaluierten und kontrahierten, das Thema sei somit sehr komplex. Aber er gab zu, dass insbesondere Absagen besser begründet sein müssten, da Bewerbungen auch immer Geld kosteten. Allerdings unterstrich er immer wieder die Bedeutung der Interessenbekundung und riet dringend, in diese mehr Zeit und gutes Englisch zu investieren. Oft seien die Bekundungen von lausiger Qualität, was sich nachteilig auswirke. Auch sei für viele Ingenieurunternehmen ungewöhnlich, dass es kein Standardverfahren zur Interessenbekundung bei der EBRD gebe. Dazu gingen aber die Meinungen unter den Zuhörern auseinander: Manche wünschten sich Guidelines in Ermangelung eines standardisierten Verfahrens, andere lobten die Gestaltung des EBRD-Vergabeverfahrens mit Menschenverstand. Konkrete Erfahrungen mit der EBRD schilderten die eingangs erwähnten VBI-Mitglieder: Gerhard Lorisika, ICON-Institut Engineering GmbH, Köln, und Carsten Funk, Fichtner GmbH & Co.KG, Stuttgart. Lorisika übernahm den Part des EBRD-Neulings und stellte systematisch die Vorteile der EBRD-Vergabe den seiner Ansicht nach nachteiligen Aspekten des Verfahrens gegenüber. Funk brachte aus seinem reichen Erfahrungsschatz mit der EBRD zum Ausdruck, dass in seinem Hause vor allem der Realismus der Bank geschätzt werde und dass es keine zeitraubenden Administrationen gebe. Aber auch er verwies auf die Notwendigkeit exzellenter Englischkenntnisse. Bilaterale Gespräche einzelner Teilnehmer mit den EBRD-Vertretern Ehrenberg und Scheffel beschlossen das rundum gelungene EBRD-Einsteigerseminar. Eine Folgeveranstaltung ist geplant. Martina Gabriel 10 BERATENDE INGENIEURE 7/8 2013

9 NAMEN UND NACHRICHTEN Klinikum Greifswald Kanzlerin Merkel bei Einweihungsfeier Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Erwin Sellering wurde am 5. Juli in Greifswald der zentrale Neubau der Universitätsmedizin eingeweiht. Das in Regie des Geschäftsbereiches Greifswald des Betriebes für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL M-V) gebaute Diagnostikzentrum DZ 7 wurde von der HWP Planungsgesellschaft mbh mit Sitz in Stuttgart und Niederlassung in Greifswald geplant. Das für ca. 36,8 Mio. Euro errichtete Gebäude ist der neue Mittelpunkt der Universitätsmedizin in Greifswald. Mit dem Neubau bekommen die Ernst-Moritz-Arndt-Universität und die Universitätsmedizin Greifswald nun architektonisch ein Gesicht, freut sich Uwe Sander, Abteilungsleiter der Geschäftsbereiche Greifswald und Rostock des BBL M-V. Von der einladenden neuen Eingangshalle des Gesamtklinikums aus können nun alle Bereiche des Uni-Klinikums, Hörsäle und Operationszentrum erreicht werden. Aufgrund der Lage ist das DZ 7 auch das neue Drehkreuz für die verschiedensten Personenströme: Ärzte und Pflegepersonal, Patienten und Besucher, Stu- Kanzlerin Merkel bei der Eröffnungsfeier für den Diagnostikneubau des Unklinikums Greifswald. Foto: HWP, Simone Bühler dierende und Lehrkräfte passieren täglich den neuen Zentralbau. Die HWP Planungsgesellschaft war mit der Architekturplanung und der Projektsteuerung beauftragt. Außerdem waren HWP-Planer im Rahmen der Planungsgemeinschaft Technik an der Labor- und Gebäudetechnikplanung gemeinsam mit der Firma GTB beteiligt. Bereits seit 1992 unterstützt HWP die Entwicklung des Gesundheits- und Universitätsstandortes Greifswald lieferte der HWP-Geschäftsbereich Unternehmensberatung und Betriebsplanung z. B. eine Regional-, Betriebsund Standortanalyse, Strategie- und Ressourcenplanung. Es folgten die Erarbeitung von Finanzierungsmodellen sowie die betrieblichbauliche Entwicklungsplanung mit Realisierungskonzeption als Grundlage für die mehrstufige Standortentwicklung. Danach war HWP seit 1997 in beide Hauptbauabschnitte des Universitätsklinikums als Architektur- und Planungsunternehmen involviert. Weiterbildung Fachingenieur Brückenbau Die Bauhaus-Universität Weimar, die Bauhaus-Weiterbildungsakademie, die Bauhaus-Akademie Schloss Ettersburg sowie die Ingenieurkammer Thüringen bieten ab 15. November zum zweiten Mal das berufsbegleitende weiterbildende Studium Fachingenieur Brückenbau an. Es richtet sich an praktisch im Ingenieur- oder Brückenbau tätige Ingenieure und will über das Bauingenieurstudium hinausgehende Kenntnisse vermitteln. Planungsgrundlagen sind ebenso wie spezielle Ausführungsprobleme oder rechtliche Fragen bei der Abrechnung sowie Nachtragsmanagement Inhalt der Fortbildung. Nähere Informationen zu Kosten, Inhalten, Präsenzphasen etc. finden Sie unter: Teilübernahme ZWP kauft Green-Buildings-Sparte von Juwi Zum 1. Juni hat die ZWP Ingenieur-AG, Köln, den Bereich Green Buildings von der Juwi- Gruppe, Wörrstadt, übernommen. Die ZWP Ingenieur-AG ist eine der führenden Ingenieurgesellschaften für die Planung und Objektüberwachung von nachhaltigen Lösungen der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) in Deutschland mit aktuell mehr als 200 Mitarbeitern in acht deutschen Niederlassungen. ZWP wurde 1980 von Bernhard Zibell als Ein- zelfirma gegründet und firmierte seit 1983 unter Zibell Willner & Partner Ingenieurgesellschaft für Technische Gebäudeausrüstung mbh wurde die GmbH in die ZWP Ingenieur-AG umgewandelt. Durch die Übernahme der Green-Buildings-Sparte setzen wir konsequent unseren Ansatz einer energie- und kosteneffizienten Planung in Kombination mit dem Einsatz erneuerbarer Energie fort, sagt ZW-Vorstand Erhard Rüther. Die Juwi-Gruppe realisiert Solarstrom-, Windenergie- und Bioenergie-Anlagen sowie Wasserkraft- und Geothermie-Projekte. Das Juwi- Know-how im Bereich Green Buildings stammt aus 30 Jahren Projekterfahrung: zunächst als Ingenieurgesellschaft Strunk & Partner (ISP), nach der Übernahme durch die Juwi-Gruppe im Jahr 2010 als Juwi Green Buildings. Die 16 Mitarbeiter werden mit den laufenden Projekten übernommen. BERATENDE INGENIEURE 7/

10 NAMEN UND NACHRICHTEN Bautechnikgeschichte Fachleute gründen neue Gesellschaft DGNB-Präsidium Gründerväter treten ab Mit den Wahlen zum DGNB-Präsidium Mitte Juni hat sich die Gründergeneration verbschiedet. Die Professoren Manfred Hegger (DGNB- Präsident), Werner Sobek (DGNB-Vizepräsident), Bernhard Bürklin sowie Klaus Sedlbauer wie auch Roman Petrusek schieden aus dem Präsidium aus. Bei den Wahlen im Juni wurden zwölf Kandidaten darunter auch Dr. Peter Mösle von Drees & Sommer gewählt, die wiederum zur konstituierenden Sitzung aus ihrer Mitte einen neuen Präsidenten wählen werden. 50 Jahre IGIP Von Anfang an international Der Vorstand (v. l.): Ch. Rauhut, Prof. Tragbar, Prof. Lorenz, Dr. Prokop, Dr. Voormann Am 28. Juni haben rund 100 Baufachleute und Denkmalpfleger in Berlin die Gesellschaft für Bautechnikgeschichte aus der Taufe gehoben. Obwohl hierzulande die bautechnikgeschichtlichen Forschungsaktivitäten besonders vielfältig und intensiv sind, gab es anders als in Großbritannien, Italien, Frankreich oder Spanien im deutschen Sprachraum einen solchen Zusammenschluss bislang nicht. Ziel der neuen Gesellschaft ist die Förderung der Auseinandersetzung mit der Bautechnik- und Konstruktionsgeschichte in Lehre und Forschung ebenso wie in Baupraxis und Denkmalpflege. Über die Vereinszwecke im Einzelnen, die Gewichtung der Ziele wurde im Vorfeld der Berliner Veranstaltung lebhaft und konstruktiv diskutiert. Als wichtige Einzelziele wurden in der Satzung die Einbindung der deutschsprachigen Aktivitäten in den internationalen Kontext, Mitarbeit bei der Erhaltung und Dokumentation von Bauwerken und weiteren Zeugnissen der Bautechnikgeschichte sowie die Etablierung der Bautechnikgeschichte in den Curricula des Bauingenieurwesens verankert. Umrahmt wurde der Gründungsakt in der Peter-Behrens-Halle der TU Berlin durch Vorträge und Grußworte namhafter Ingenieure und Hochschulllehrer aus dem Inund Ausland. Die konstruktionsgeschichtlichen Führungen durch teils nur selten zu- gängliche Bereiche des Pergamon-Museums, der Alten Nationalgalerie und des Neuen Museums am Folgetag vermittelten eine gute Vorstellung davon, wie vielfältig und spannend das Themenspektrum in der neuen Gesellschaft sein wird: von den historischen Gründungen, den Mauerwerkskonstruktionen bis zu den eisernen Dachkonstruktionen. Die Teilnahme des Doyens der deutschen Bauingenieure Prof. Dr.-Ing. Jörg Schlaich und des Landeskonservators von Berlin Prof. Dr. Jörg Haspel machten deutlich, aus welch unterschiedlichen Fachbereichen die zukünftigen Mitglieder kommen werden. In der interdisziplinären Zusammenarbeit liegt zweifelsohne ein großes Potenzial. Die gewonnen Erkenntnisse werden vielfältig nutzbar sein, nicht nur für die wichtigen Aufgaben der Sanierung und Instandsetzung, sondern beispielsweise auch als Grundlage für die Konzeption neuer Tragwerke und Gebäude. In den ehrenamtlichen Vorstand der neuen Gesellschaft unter Vorsitz von Prof. Dr.-Ing. Werner Lorenz, BTU Cottbus, wurden außerdem Prof. Dr.-Ing. Klaus Tragbar, Uni Innsbruck, Dr.-Ing. Friedmar Voormann, Karlsruher Institut für Technologie, MSc. Christoph Rauhut und VBI-Mitarbeiterin Dr.-Ing. Ines Prokop gewählt. Weitere Informationen und die Einladung zur ersten Jahrestagung am 8./9. November 2013 an der RWTH Aachen: Vor 50 Jahren, im Jahr 1963, gründeten Hans- Erich Drexler und Manfred Schidlo die Ingenieurgesellschaft IGIP mit Sitz in Darmstadt kamen Gert Diener und Jochen Hechler als Mitgesellschafter hinzu. Die IGIP orientierte sich schnell Richtung Ausland, vor allem nach Afrika. Die Schwerpunkte des Consulting lagen in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasser, Abfall sowie in der Begleitung der Bevölkerung zur eigenständigen Verwaltung ihrer Infrastruktur. Fünf Jahrzehnte später zählen weltweit 600 Mitarbeiter, 20 Beteiligungen und Projektbüros in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa zur IGIP Gruppe. Heiko Scheiber ist seit nunmehr 20 Jahren Geschäftsführer des Unternehmens. Unter seiner Leitung hat IGIP sich auf vier Kontinenten etabliert. Um dieses Ziel zu erreichen, kaufte Scheiber die IGIP im Jahre 2003 im Rahmen eines Management Buy-Outs zurück gründete er zusammen mit dem französischen Planungsbüro Burgeap, die BIHSE (Burgeap IGIP Holding SE). Nachdem die Finanzierung der Gruppe auf diese Weise gestärkt war, hat er rechtzeitig die angestammten Fachbereiche Wasser und Abwasser um andere Fachbereiche wie Gesundheit (Credes in Frankreich), Abfall (ICP in Karlsruhe) und Erneuerbare Energien (Mavi in der Türkei) erweitert. Durch den kürzlichen Kauf des deutschen Ingenieurbüros GITEC konnte die IGIP-Gruppe ihre geografische Position, insbesondere in Asien und Lateinamerika stärken. 12 BERATENDE INGENIEURE 7/8 2013

11 NAMEN UND NACHRICHTEN Baurechtsprechung ARGE fordert mehr Baukammern Im Durchschnitt 44 Monate dauert ein Baurechtsstreit in Deutschland. Grund genug für die Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht (ARGE Baurecht) mehr Baukammern zu fordern. Denn Baustreitigkeiten sind in der Regel hochkomplexe Auseinandersetzungen über komplizierte baurechtliche, technische und baubetriebliche Streitpunkte, so Dr. Ulrich Böttger, Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der ARGE. Ein Einzelrichter verfüge selten über die nötigen Spezialkenntnisse. Häufig endeten die Verfahren deshalb im Vergleich. Die ARGE Baurecht fordert deshalb, an den Landgerichten Baukammern mit entsprechend ausund fortgebildeten Richtern zu etablieren. Verwaltungsberufsgenossenschaft Beitragserhöhung abgewendet Die drohende Beitragssteigerung für Ingenieurunternehmen in der Verwaltungsberufsgenossenschaft VBG ist abgewendet. Das ist vor allem dem Einsatz der Selbstverwaltung zu verdanken. VBI-Hauptgeschäftsführer RA Arno Metzler ist alternierender Vorsitzender der Vertreterversammlung für die Arbeitgeberseite. Die Beiträge zur Verwaltungsberufsgenossenschaft werden im Nachhinein erhoben. Für das laufende Beitragsjahr 2013 drohte eine Steigerung der Beiträge wegen einer Anhebung der Gefahrklasse. Diese errechnet sich aus den tatsächlich angefallenen Versicherungsfällen in den gemeinsam veranlagten Berufen. Wegen hoher Unfallzahlen bzw. Schadenshöhen im Sport, der gemeinsam mit den unfallarmen Ingenieurbüros veranlagt wird, sollten auch die Beiträge für VBI-Mitglieder steigen. Zur Berechnung: Die Beiträge richten sich nach den gemeldeten Arbeitsentgelten bzw. der gewählten Versicherungssumme bei einer freiwilligen Unternehmerversicherung. Weitere Berechnungselemente sind die angesprochene Gefahrklasse des Unternehmens und der Beitragsfuß. Unternehmer/innen können sich freiwillig bei der VBG versichern. Für Beschäftige besteht gesetzlicher Unfallversicherungsschutz. Energieberatung Dena führt Expertenliste Um die Qualität bei Energieberatungen, der Neubauberatung und energetischen Sanierungen im Bestand zu verbessern, haben das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesbauministerium vereinbart, entsprechende Experten in einer bundeseinheitlichen Liste zu führen. Die Liste wird von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) betreut. Vor dem Hintergrund des von der KfW forcierten Ausbaus der Qualitätssicherung für die Förderprogramme Energetisches Bauen und Sanieren müssen seit dem 1. Juni Experten, die eine geförderte Baubegleitung anbieten, höhere Qualifikationsanforderungen erfüllen. Für Sanierungsvorhaben sind ebenfalls seit Juni nur noch Fachleute als Berater zugelassen, die in der Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes (Expertenliste) eingetragen sind, wie die Dena informiert, die für die Pflege der Expertenliste verantwortlich ist. Voraussichtlich ab Februar 2014 gilt die Verbindlichkeit der zentralen Expertenliste auch für die KfW-Programme Energieeffizient Bauen und Sanieren. Bauherren mit entsprechender Förderung können dann nur noch Experten hinzuziehen, die in der Liste eingetragen sind. Die damit erreichte zentrale Bündelung der Energieberater, die bisher in verschiedenen Listen geführt wurden, ist aus VBI-Sicht ein großer Schritt in die richtige Richtung. Um die Listenführung hatten sich auch die Ingenieurkammern beworben, was beim VBI-Vorstand aus zwei Gründen auf Ablehnung gestoßen ist: Zum Einen wegen der Dezentralisierung, da die Listen auf Landesebene bei den Kammern der Bundesländer geführt werden sollten, und zum Anderen weil ein Eintrag an eine Kammermitgliedschaft geknüpft worden wäre. Weitere Informationen zu den neuen Anforderungen: KURZ GESAGT Müller-BBM und die SDI Gesellschaft für Medientechnologie mbh fusionieren zum 1. Juni und bündeln ihr Know-how in der Medien- und Kommunikationstechnik. Die SDI verschmilzt mit dem Ingenieur- und Beraterteam der Müller-BBM zu dem neu strukturierten Fachbereich Medien- und Kommunikationstechnik. Die Volltext-Bauschädendatenbank Schadis des Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB ermöglicht mit Hilfe intelligenter Suchfunktionen einen schnellen Zugriff auf einzelne Textstellen des gesamten Expertenwissens rund um Entstehung, Sanierung und Vermeidung von Schäden an Gebäuden. Die aktuelle Version enthält insgesamt mehr als 750 Fachbücher, Forschungsberichte und Zeitschriftenartikel von anerkannten Bausachverständigen und Bauforschern. Dabei verbindet Schadis die Vorteile von Fachbüchern mit denen einer Datenbank und kann online oder auf DVD genutzt werden, inzwischen auch mobil per Smartphone. Weitere Informationen: Unter stehen die aktuellen Veröffentlichungen des Deutschen Beton- und Bautechnik-Vereins (DBV) zum Herunterladen im PDF- Format bereit. Den Kern der Publikationen macht die Merkblattsammlung aus, die die Kategorien Bautechnik, Betontechnik, Bauausführung, Bauen im Bestand und Bauprodukte umfasst. Einzelne Gebäude, ganze Quartiere oder Regionen aus und in aller Welt, die Vorreiter des energieeffizienten Bauens sind, können sich bis um 30. September für den Passive House Award 2014 bewerben. Besonders wichtig sind der Jury die Konzepte zur Energieversorgung. Informationen unter: BERATENDE INGENIEURE 7/

12 NAMEN UND NACHRICHTEN Eröffnung im DAM: K. Bollinger, Ulrich Storck und M. Grohmann (v. l.) Foto: Burghard Wittekopf Blick in die Ausstellung Ausstellung Bollinger+Grohmann im DAM Bauingenieure sind für Museen nicht immer erste Wahl. Seit seiner Gründung vor dreißig Jahren hat das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main erst zwei Ausstellungen dem Schaffen von Bauingenieuren gewidmet. Diese denkwürdige Tatsache erwähnte der Direktor des DAM Peter Cachola-Schmal in seiner Eröffnungsrede für die Ausstellung mit dem leicht zweideutigen Titel Bollinger+ Grohmann, Hinter den Kulissen. Da sind wir wieder beim Thema: Vorne die Architekten im grellen Rampenlicht, hinter den Kulissen die Ingenieure Die im Dunkeln sieht man nicht, möchte man mit Brechts Dreigroschenoper sagen! Besucht man die am 15. Juni eröffnete Ausstellung, kommt jedoch ein anderer Eindruck auf. Zwar ist dies keine Leistungsschau mit schillernden Modellen und Hochglanzfotogra- fien, die vollendete Prachtgebäude zelebriert, sondern eine Ausstellung, die mit gebührendem Understatement gegenüber der Architektur ihre Botschaften auf gelben Schaltafeln vermittelt. Die DAM-Kuratoren Oliver Elser und Anke Wünschmann holten ganz unprätentiös die Baustelle ins Museum. Mit entsprechender Direkt- und Einfachheit werden im Hauptteil an Hand von drei Projekten, nämlich der Europäischen Zentralbank (Frankfurt/Main), dem Rolex Learning Center (Lausanne) und dem Sheikh Zayed Desert Learning Center (Vereinigte Arabische Emirate), exemplarisch die Denk- und Arbeitsschritte sowie Planungsweisen von Bollinger+Grohmann erläutert. Die da sind: Phantasieren, planen, konstruieren, berechnen, simulieren, modellieren und schließlich realisieren bzw. bauen. An Hand von schwarzen Fäden, die auf die Schaltafeln genagelt sind, wird der Besucher durch das Labyrinth der Tragwerkskonstruktionen geführt. Und immer endet er auf der Baustelle des jeweiligen Vorhabens, wo die Leitidee und die Struktur des bisher erläuterten immer noch klar zu erkennen ist. Das Wunder ist, dass der Faden nicht reißt und man sich nie unvermutet verliert. Wie das Ausstellungskonzept so setzen auch Bollinger+Grohmann in ihrer bisher dreißigjährigen Bürogeschichte immer wieder Akzente. Beherzt greifen sie Themen auf, die Architekten faszinieren oder aber Materialien und Vorgehensweisen, die den Stand der Technik widerspiegeln. In der Ausstellung werden keine fertigen Produkte gezeigt. Es sind Prozesse, die sich wandeln und mutieren. Man wird verleitet, die Ausstellung antizyklisch zu durchlaufen oder eben spontan Dinge aufzugreifen. Überall bestehen Möglichkeiten, Anregungen aufzunehmen und sich an diesem oder einem anderen Punkt in die Welt der Tragwerkslehre à la Bollinger+Grohmann zu begeben. Eine Lehre, die in individuellen Positionen und Interpretationen dargeboten werden und dabei vielleicht auch eine Form von Kunst darstellt. Bedenkt man, dass Klaus Bollinger und Manfred Grohmann schon früh in ihren Laufbahnen das Besondere in der Konstruktion suchten, ist dies nicht überraschend. Der Architekt Bernhard Franken und ABB Architekten reali- B+G-Projekt in Frankfurt: EZB-Neubau Foto: Enrico Santifaller

13 NAMEN UND NACHRICHTEN KURZ GESAGT Foto: Uwe Dettmar sierten mit ihnen weltweit den ersten gebauten Blob in Form des BMW Group Pavillons auf der IAA 1999; Coop Himmelb(l)au planen seit dem schräg aufragendem Kristall des UFA Kinozentrums in Dresden (1996) die meisten ihrer dekonstruktivistischen Visionen mit dem Frankfurter Ingenieurduo; auf eine völlig entgegengesetzte Art und Weise gelingt es Bollinger+Grohmann die scheinbar entmaterialisierten Welten der japanischen Architekten SANAA gebaute Realität werden zu lassen, und im Frankfurter Städelmuseum gelingt es ihnen, soviel Tageslicht in die unterirdischen Gartenhallen zu bringen, das dies natürlicher wirkt als in manch anderen oberirdischen Kunsträumen. Wie auch immer, das Team Bollinger+Grohmann inspiriert und revolutioniert. Kommen wir zurück auf die Tradition der Tragwerksplanung in Deutschland und ihren Stellenwert in der internationalen Architektur. Zweifelsohne haben sich Bollinger+Grohmann national wie international auf einen der vordersten Ränge hochgearbeitet. Auf eine der Wurzeln dieses Erfolgs verwies Klaus Bollinger während seiner Einführungsrede. Er zollte seinem Lehrer Stefan Polonyi, der unter den Gästen weilte, Hochachtung und dankte ihm für seine inspirierende Art und Weise, die Kunst der Tragwerksplanung zu praktizieren und zu vermitteln. Davon legt die Ausstellung im DAM beredtes Zeugnis ab. Noch bis zum 1. Setember kann sich jeder selbst ein Bild davon machen. Christian Brensing Wie bereits 2002 haben die Ingenieurkammer Sachsen und der Wiederaufbaustab Sachsen eine Zusammenarbeit bei der Aufnahme der Hochwasserschäden im Freistaat vereinbart. Hauptkoordinator für die Ingenieurkammer ist Vorstandsmitglied Peter Simchen, der auch VBI-Landesverbandsvorsitzender ist. Zudem wird je Landkreis ein verantwortlicher Ingenieur als Betreuer und regionaler Koordinator eingesetzt, der die anstehenden Schadensaufnahmen an die Ingenieurbüros weiterleitet, die sich zur Unterstützung bereit erklärt haben. Anfang Juli feierte die Vereinigung der Prüfingenieure für Baustatik in Bayern VPI im Deutschen Museum in München ihr 50jähriges Bestehen. Joachim Hermann, Bayerischer Staatsminister des Innern, lobte die anspruchsvolle Doppelrolle der Prüfingenieure und ihre Präsenz in nationalen und europäischen Gremien. Er betonte das Bestreben der Staatsregierung, die freien Berufe bei der Erledigung notwendiger Aufgaben zu beteiligen. Die Hydroprojekt Ingenieurgesellschaft mbh mit Sitz in Weimar firmiert jetzt als Lahmeyer Hydroprojekt GmbH und geht damit Nachruf Günther Volz verstorben auch namentlich unter das Dach der Muttergesellschaft Lahmeyer International. IDK Kleinjohann, Köln, und Torsten Wilde-Schröter, derzeit noch bei ARUP beschäftigt, gründen zum 15. September die Gesellschaft IDK Berlin. Wilde-Schröter als Gesellschafter und Geschäftsführer soll die Expansion stützen und die ingenieurtechnischen Dienstleistungen bei Projektsteuerern und Architekturbüros in Berlin und Düsseldorf ausbauen. Ipro Dresden heißt seit 1. Juli Ipro Consult GmbH. Die Ipro Consult übernahm zu dem Zeitpunkt das operative Geschäft der Ipro Dresden Planungs- und Ingenieuraktiengesellschaft. Die Dr. Brenner Ingenieurgesellschaft, Aalen, feiert in diesem Jahr ihr 35-jähriges Bestehen ihr Gründer Dr. Manfred Brenner feierte am 25. Mai seinen 65. Geburtstag. Brenner gilt als Pionier der Integration öffentlicher Personenverkehrsmittel in die städtische Verkehrssteuerung. Seine Straßenbahn- und Busbeschleunigungsprogramme wurden in mehr als 50 deutschen Städten realisiert. Der VBI trauert um den früheren Leiter seiner Fachgruppe Elektro-, Licht- und Informationstechnik Dipl.-Ing. (FH) Günther Volz aus Ehningen, der am 29. Juni im Alter von 65 Jahren verstorben ist. Volz, der in Esslingen Elektrotechnik studiert hatte und 1974 sein Ingenieurbüro für Elektro- und Lichttechnik gründete, war seit 2000 VBI-Mitglied. Die VBI-Fachgruppe Elektrotechnik leitete er von 2008 bis Er setzte sich in dieser Funktion und auch als Vizepräsident und danach Präsident der Ingenieurkammer Baden-Württemberg mit großer Leidenschaft für seine Berufsgruppe ein. Insbesondere warb er unter seinen Fachkollegen immer wieder für eine frühzeitige Einmischung der Ingenieure in all jene politischen Meinungsbildungsprozesse, in deren Rahmen die wirtschaftlichen und berufspolitischen Rahmenbedingungen der unabhängigen Planungsbüros gestaltet werden. Fachlich engagierte er sich vor allem auf seinen Fachgebieten Energieeffizienz und Lichttechnik und warb für für die interdisziplinäre Vernetzung und Zusammenarbeit der Fachplaner im VBI. BERATENDE INGENIEURE 7/

14 IM DIALOG Berufszukunft Europa Was geht mich das an? von Arno Metzler Die Auflistung einiger der aktuellen Vorhaben der europäischen Institutionen liest sich wie eine Horrorliste für die Beratenden Ingenieure und Ingenieurunternehmen in Deutschland: Berufsregulierung eintauschen gegen Titelschutz, Deregulierung der regulierten Berufe, namentlich des Ingenieurs, Dienstleistungshaftung Neuordnung und Verschärfung. Der VBI ist gefordert, sich in die Weichenstellung für die Zukunft des Berufes in Europa einzumischen. Und zwar jetzt gemäß des europäischen Grundsatzes: Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen! Hier ein Auszug aus dieser Liste: - Empfehlungen an die Bundesrepublik Deutschland durch das Europäische Semester zur Koordinierung der Wirtschaftspolitiken und Beschluss der Ratsversammlung vom Mai 2013 Freie Berufe in Deutschland sollen dereguliert werden - Generaldirektion Markt Berufsregulierungen eintauschen gegen Titelschutz (Juli 2013) - Generaldirektion Unternehmen Unternehmerbild 2020, Freie Berufe deregulieren (Mai 2013) - Generaldirektion Unternehmen Bauwirtschaft Deregulieren der regulierten Berufe namentlich des Ingenieurs (März 2013) - Generaldirektion Markt und Generaldirektion Verbraucherschutz Dienstleistungshaftung Neuordnen und Verschärfen (Juli 2013) - Überprüfung der Dienstleistungsrichtlinie durch die EU-Kommission Tenor: Abschaffung der Regulierungen für die freien Berufe, speziell Ingenieure (Juli 2013) - Initiativbericht aus dem Europäischen Parlament zum Binnenmarkt für den Diensleistungssektor Abschaffung aller Regulierungen von Freien Berufen (Juli 2013) Diese Horrorliste von Vorhaben der europäischen Institutionen, Generaldirektionen, Arbeitseinheiten zeugt vom Erklärungsbedarf der Berufsregeln, wie wir sie in Deutschland gewöhnt sind, auf europäischer Ebene. Diese Themenliste verdeutlicht, dass in Deutschland ein für die Mehrheit der europäischen Länder ungewöhnlicher Regelkreis für die Ingenieure/Ingenieurunternehmen existiert, der dem Markt eine Struktur gibt, aber erklärungsbedürftig ist. Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen! In vielen EU-Ländern (Frankreich, Niederlande, Großbritannien etc.) zählt der Beratende Ingenieur, das beratende Ingenieurunternehmen, zu den nicht regulierten Berufen, in Sonderheit in Frankreich und Großbritannien zur Industrie. In Deutschland hat berufsgeschichtlich die Teilübernahme von öffentlichen Aufgaben, die Ausbildung eines Prüfingenieurberufes, die Indienststellung für öffentliche Belange durch staatlichen Auftrag und Gesetz, die Beratenden Ingenieure und ihre Unternehmungen in eine Sonderstellung gebracht. Der Beratende Ingenieur ist ein Freiberufler, Bildnachweis: Europäische Union d. h., er erbringt Dienstleistungen höherer Art im Interesse seiner Auftraggeber und der Allgemeinheit. Ob das noch zeitgemäß ist oder ob dies eine zu überprüfende Zuordnung ist, muss anhand dieser europäischen Initiativen diskutiert, gegebenenfalls neu formuliert oder auch nur unterstrichen werden. Der Berufsstand muss sich darüber verständigen und einig werden, inwieweit er in Europa eine Chance haben will und haben kann, sich Deregulierern entgegenzustellen. Zersplitterte Argumentationsketten und Berufsgruppen werden sich sicherlich nicht durchsetzen können, sondern der Binnenmarktfreiheit angepasst. Die französischen Ingenieure manifestieren 16 BERATENDE INGENIEURE 7/8 2013

15 in Brüssel, dass sie Industrie sind. Sie erbringen Leistungen ohne gesellschaftlichen Bewertungskonsens (HOAI), sie haben keine Selbstverwaltung und ihre Qualifikation wird überwiegend am Namen der Hochschule, an der sie ausgebildet worden sind, kenntlich. Mit Professions wird Freie Berufe in Brüssel ins Englische übersetzt, aber nicht Liberal Professions. So wird der VBI als Berufs- und Unternehmensverband überlegen müssen, wo seine Argumente und Schwerpunkte liegen. Zu denken wäre an eine Ausformulierung des Freien Berufes Beratender Ingenieur als USP im Rahmen der Betrachtung von Transparenz und Unabhängigkeit und besonderem Vertrauensverhältnis zum Auftraggeber. Dies gilt gleichermaßen für einzelne Ingenieure, Einzelingenieurbüros und große Einheiten, bei denen das Vertrauen in die Institution und Organisation des großen Unternehmens in gleicher Weise wie in die Personen besteht. Die deutschen Freiberufler haben diesen Gedanken mit einem Leitbild des Bundesverbandes der Freien Berufe aus dem Jahr 2009 und den Beiträgen zum deutschen Juristentag 2011, Abteilung Berufsrechte, Ausdruck verliehen. Inwieweit Der Berufsstand muss sich darüber verständigen, inwieweit er in Europa eine Chance haben will, sich Deregulierern entgegenzustellen. Melden Sie sich zu Wort, schreiben Sie uns Ihre Meinung. Wir haben für diese Debatte die Mailadresse eingerichtet. regeln und Standards, auf denen die international gefragten Planerqualitäten deutscher Ingenieure basieren sie sind der Kern der Marke deutsches Engineering. Masse statt Klasse, ließe sich die jetzt mit den europäischen Vorhaben gestartete Offensive polemisierend vereinfachen. So einfach ist es aber nicht, sondern man wird für sich selbst, für die Gruppe in Deutschland festlegen müssen, dass große und kleine Einheiten der gleichen Philosophie, den gleichen Marktzugangs- und Marktauftrittskriterien folgen wollen und diese auf europäischer Ebene offensiv vertreten. Dann und nur dann bleibt die Chance, aus dem europäischen Binnenmarkt für die deutschen Beratenden Ingenieure und Ingenieurunternehmungen Vorteilsstrukturen zu generieren. So könnten Marktzugänge realisiert und in Aufträge umgesetzt werden. Der VBI muss und kann hier die Speerspitze der deutschen Unternehmen im Bürokratendickicht auf europäischer Ebene bilden. Er kann entsprechende Diskussionen beflügeln und befeuern, Modernisierung und Tradition im rechten Maß mischen, wenn er eine einheitliche Standpunktbildung erreicht. Die Zeit dafür ist knapp, die Diskussion wird intensiv sein und sie muss ein eindeutiges Ergebnis bringen, wenn sie Sinn machen soll. Deshalb bitte ich alle Mitglieder des VBI um Einmischung: Melden Sie sich zu Wort, schreiben Sie uns Ihre Meinung und diskutieren Sie mit über die Zukunft Ihres Berufes! Damit das einfach und unkompliziert geht, haben wir die adresse speziell für diese Debatte eingerichtet. Und auch in Hamburg am 18. Oktober auf dem VBI-Verbandstag wird dieses essenzielle Thema zur Debatte stehen mit Ihrer Beteiligung. Autor: RA Arno Metzler, VBI-Hauptgeschäftsführer Hier gibt es Impulse für Ihre Ideen Die führende Fachmesse für Elektrotechnik und Industrie-Elektronik Sept JETZT TICKETS ONLINE KAUFEN! innerhalb des VBI und der deutschen Ingenieurunternehmerschaft Einvernehmen über eine solche Standpunktbildung besteht, wird in den nächsten Wochen und Monaten zu klären sein. Die VBI-Verbandstagung, das Zukunftsforum 2012 in Köln, haben hierzu Anstöße vermittelt. Die oben beschriebenen europäischen Vorhaben gehen in eine andere Stoßrichtung. So wenig Regulierung wie nur irgend denkbar und offene Märkte im Wettbewerb ohne zusätzliche Aufgabenwahrnehmung (diese wird durch Überwachungsstellen, Überwachungsbehörden gestellt), sind etwas anderes, als die Ingenieurunternehmen in Deutschland in ihrem nationalen Binnenmarkt gewohnt sind. Dabei sind es gerade diese deutschen Berufswww.elektrotechnik.info BERATENDE INGENIEURE 7/

16 IM DIALOG VBI-Wahlprüfsteine Große Zustimmung zu politischen Forderungen Es ist guter Brauch vor Bundestagswahlen, dass Verbände, Unternehmen und Stiftungen die zur Wahl stehenden Parteien mit sogenannten Wahlprüfsteinen auf die Probe stellen und Positionen zu den für sie wichtigsten Themen abfragen. Der VBI hat diesmal seine zentralen Themen auf einer Seite stichwortartig aufgelistet und dieses Papier Ende Mai den Parteien zugeschickt. Wie immer zum Ende der Legislaturperiode schwitzen derzeit die Referenten der Parteizentralen und Fraktionen über den zahlreichen Fragekatalogen der diversen Wahlprüfsteine. Als Grundlage zur Beantwortung stehen ihnen die Wahlprogramme und Parteitagsbeschlüsse sowie entsprechende Anfragen, Gesetzentwürfe, Entschließungsanträge etc. der Fraktionen zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund darf man keine allzu tiefgreifenden Antworten erwarten und sollte auf umfangreiche Konvolute und Detailfragen ohnehin verzichten. Viele Interessengruppen verschicken daher gleich Forderungspapiere mit dem Hinweis, man wolle den Adressaten lange Fragen ersparen und nur die eigenen Positionen zur Kenntnis geben. Auf Wahlprüfsteine ganz zu verzichten, wä- re aber keine gute Idee. Die politische Führungsebene bekommt die Listen, in denen die Fragen üblicherweise aufgelistet und auf die zuständigen Referenten verteilt werden, in der Regel schon zu Gesicht und schaut natürlich, wer sich alles zu Wort gemeldet hat. Und auch die erarbeiteten Antworten werden von der Leitungsebene freigezeichnet. Daher sollte ein Interessenverband auf die Sichtbarmachung der eigenen Positionen nicht verzichten. Parteipositionen Der VBI hat aus diesem Grund seine wichtigsten Themen auf einer Seite stichwortartig aufgelistet und dieses Papier den Parteien zugeschickt. Die bislang eingegangenen Antworten lassen deutliche Unterschiede in Umfang und fachlicher Tiefe erkennen. Am kürzesten ist die Antwort der Piratenpartei, die jeden Punkt in den VBI-Wahlprüfsteinen mit einem knappen Ja kommentiert. Das ist natürlich ermunternd, wirkt aber auch etwas unkritisch. Die Piratenpartei hatte zuvor die Wahlprüfsteine in die Online-Mitgliederplattform eingestellt und um Kommentierung gebeten anscheinend hatte kein Pirat etwas auszusetzen. Fachlich tiefgreifender fiel die Antwort der SPD-Bundeszentrale aus, die sich gegen das Schönrechnen von Bauvorhaben ausspricht: Es ist ein Verfahren zu entwickeln, wie systematische Kostenunterschätzungen künftig vermieden werden können. Hinsichtlich der Energiewende sollen die Kompetenzen insbesondere in den Bereichen Erneuerbare Energien, Netzausbau und Speicher in einem Energieministerium gebündelt und ein Deutscher Energie-Rat zur Koordinierung der politischen Ebenen sowie Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft eingerichtet werden. Auch im Bundestag will die SPD einen Energieausschuss einrichten. Zudem, schreibt die SPD, wolle sie die Investitionsmittel im Verkehrshaushalt um 20 % steigern (Gegenfinanzierung durch Lkw-Maut). Das energetische Sanieren und Bauen solle VBI-Wahlprüfsteine Der Verband Beratender Ingenieure ist der führende Berufs- und Unternehmerverband der unabhängigen Planer und Berater in Deutschland. Wir verzichten auf einen umfangreichen Fragenkatalog und bitten Sie um Rückmeldung, ob Sie die folgenden Positionen unterstützen und sich nach der Bundestagswahl dafür einsetzen werden. Infrastruktur und Energiewende - Großprojekte ehrlich kommunizieren: kein Schönrechnen, ausreichende Planung inkl. Lebenszykluskosten und Risikoanalyse im Vorfeld - Koordinierungsstelle für die Energiewende einrichten: Bedarfsplanung, Kostenabschätzung, Verzahnung zentraler/dezentraler Strukturen - Planungs- und Investitionssicherheit für öffentliche Infrastruktur: z. B. Mittel Brückensanierung erhöhen, langfristige Verkehrswegefinanzierung sicherstellen - Energieeffizienz in den Sektoren Bauen, Industrie und Verkehr aus Bundesmitteln fördern - Energetische Gebäudesanierung aus Bundesmitteln fördern Fachkräftesicherung - Diplom-Ingenieur als Qualitätsmarke bewahren: Qualitätsverlust durch Bologna-Prozess entgegenwirken, z. B. durch Zusatzprüfung Dipl.-Ing. MINT-Fächer weiter in der gesamten Bildungsbiographie fördern - Europäischen Fachkräftemarkt schaffen: Vermittlung und Integration ausländischer Fachkräfte beherzt fördern Qualität und Fairness für Planungsleistungen - Faire, auf Qualität ausgerichtete Vergabepraxis: bester statt billigster Anbieter, faire Vertragsklauseln, kompetente Wahrnehmung der Aufgaben als Bauherr - Klare Haftungsregeln einführen: orientiert am Verursacherprinzip - Für angemessene Vergütung sorgen: Honorarordnung verbindlich auch für sogenannte Beratungsleistungen Deutsche Ingenieurleistungen auf dem Weltmarkt - Ingenieurbüros bei Zugang zu Auslandsmärkten weiter unterstützen - Für Vorteil deutscher Ingenieurbüros werben: ausdifferenzierte, spezialisierte Struktur, beste technische und wirtschaftliche Lösung durch Unabhängigkeit - Für getrennte Ausschreibung von Planung und Ausführung eintreten 18 BERATENDE INGENIEURE 7/8 2013

17 IM DIALOG mit 2 Mrd. Euro verlässlich im Haushalt des Bauministeriums finanziert und das Programm Energetische Stadtsanierung mit 100 Mio. Euro in die Städtebauförderung integriert werden. Zur Frage der Wiedereinführung des Titels Diplom-Ingenieur schreibt die SPD, dies sei mit oder ohne zusätzliche Prüfungsleistungen hinnehmbar, sofern die gesetzlich normierte Struktur der Zweistufigkeit mit anschließendem Promotionsrecht nicht nur unberührt, sondern auch eindeutig, erkennbar und unverwechselbar bleibe. Die Wiederaufnahme der sogenannten Beratungsleistungen in die Honorarordnung wird befürwortet. Zum gleichen Thema bemüht die FDP Europa. Danach seien die Beratungsleistungen nicht wieder in die HOAI aufgenommen worden, weil es im europäischen Kontext gelte, die Position der freiberuflichen Ingenieure generell zu sichern. Weiterhin spricht sich die FDP dezidiert für eine steuerliche Förderung der Gebäudesanierung aus, warnt aber wegen eigentumsrechtlicher Bedenken vor einem Sanierungszwang durch Verschärfung von Grenzwerten. Eine Rückkehr zu Diplomstudiengängen hält sie für wenig sinnvoll oder erstrebenswert und verweist auf einen Bezug zum früheren Diplom per diploma supplement. Die FDP wolle hinsichtlich Bürgerbeteiligung und Transparenz bei Großprojekten das Planungsrecht stärker für Mediationen öffnen und Bürgerentscheide für lokale bzw. regionale Projekte stärken. Auch E-Governance solle vermehrt genutzt werden. Die Linke unterstützt die VBI-Forderungen generell und schreibt, sie fühle sich dem Berufsethos, das in Ihren Forderungen zum Ausdruck kommt verpflichtet. Die Partei lehne es ab, bislang sinnvoll regulierte freiberufliche Tätigkeiten zunehmend einem reinen Preiswettbewerb zu unterwerfen. Die Höhe der Honorare müsse regelmäßig angepasst werden und sollte sich am allgemeinen Preisindex orientieren. Die Antworten der anderen Bundesparteien standen bei Redaktionsschluss noch aus. Kandidatenstimmen Der VBI hat die Wahlprüfsteine jedoch nicht nur an die Parteizentralen, sondern auch an alle zur Wahl stehenden Kandidaten geschickt. Liebe Leserinnen und Leser, nebenstehend haben wir für Sie Antworten aufbereitet, die der VBI zu seinen Wahlprüfsteinen erhalten hat, die er den Parteien und allen Kandidaten des Deutschen Bundestages übermittelt hat. Ein großer Teil Unterstützung, ein großer Teil ergänzende Fragen und nur ganz wenige kritische Anmerkungen zeigen, dass sich der VBI mit seinen Forderungen nicht all zu weit von nachzuvollziehender Realität und logischen Forderungen entfernt hat. Die kommenden Jahre, vier an der Zahl, werden es erweisen müssen, inwieweit die Kandidatinnen und Kandidaten, die dann gewählt worden sind, als Abgeordnete ihren jetzigen Einlassungen und Stellungnahmen Taten folgen lassen. Der VBI wird sich in diesen Wochen vor der Bundestagswahl, aber auch danach, weiterhin darum bemühen, den intensiven Dialog zwischen Ingenieuren vor Ort, in ihren Unternehmen und Büros, und der Politik zu begleiten, neben allen Lobbyaktivitäten in Berlin und Brüssel. Dies setzt Ihre Bereitschaft als VBI-Mitglieder, persönliche Vertreter, als Unternehmer voraus, sich mit Ihren lokalen Abgeordneten, Ihren Vertretern im Deutschen Bundestag auseinander zu setzen und zu beschäftigen und gelegentlich die Mühe der Kontaktaufnahme, der Teilnahme an einer Veranstaltung, der Diskussion auf sich zu nehmen. Nur die Glaubwürdigkeit des Unternehmers vor Ort, des Nachbarn, des Mitbürgers, des Wahlkreisbürgers, hilft den Abgeordneten zu verstehen, dass sie sich für die Belange der Beratenden Ingenieure, also einer kleinen, hochspezialisierten und extrem wichtigen Wählergruppe, einsetzen müssen. Nur Ihr Mittun kann uns helfen, die Interessen der Beratenden Ingenieure und Ingenieurunternehmen der Consultingwirtschaft in den Fokus politischer Aufmerksamkeit zu rücken und dann auch Entscheidungen des Gesetzgebers anzustoßen, die für die Zukunft notwendig sind. Bundespolitische und europäische Themen sind dabei auf das Engste miteinander verwoben. Deshalb werden wir eine gleiche Übung im nächsten Jahr bei der Europawahl in Angriff nehmen. Zunächst aber viel Freude und die Mehrung besserer Erkenntnisse bei der Lektüre der Zusammenfassung der Antworten der Parteien auf die Prüfsteine des VBI. Dies wird Ihnen auch helfen, eine vielleicht noch offene Wahlentscheidung interessengerecht zu treffen. Der VBI ist ein parteipolitisch neutraler Verband, weshalb wir mit allen sich für den Bundestag zur Wahl stellenden Parteien und Gruppierungen Kontakt aufgenommen und ihnen die entsprechenden Unterlagen zur Verfügung gestellt haben. Politische Unterstützung ist uns auch in Zukunft von allen Seiten willkommen, von denen, die regieren, genauso wie von der Opposition. Ihr Arno Metzler VBI-Hauptgeschäftsführer BERATENDE INGENIEURE 7/

18 IM DIALOG Viele haben sich ausführlich mit den Themen auseinandergesetzt und mehrseitige Antworten verfasst. Das wird dem VBI die fachliche Ansprache in der nächsten Legislaturperiode deutlich erleichtern. Der Dresdner CDU-Abgeordnete und Kandidat Dipl.-Ing. (FH) Andreas Lämmel betont zum Beispiel seinen emotionalen Bezug zum Diplom-Ingenieur, weist aber auf die Zuständigkeit der Bundesländer und Universitäten hin. Er unterstütze einen höheren Mittelansatz für die Erhaltung der Infrastruktur und fordert, technische Innovationen wie Textilbeton schnell zu zertifizieren und wirtschaftlich zu nutzen. Er hält Auslandsmessen und Plätze bei Delegationsreisen der Bundesregierung für einen guten Weg, um die Ingenieurunternehmen auf dem Weltmarkt zu unterstützen. Der Berliner Grünen-Kandidat Stefan Ziller schreibt zum Thema Vergabepraxis, man erlebe inzwischen gefühlt täglich, was es (langfristig) bedeutet immer billig zu nehmen. Der Wolfsburger CDU-Abgeordnete Günter Lach MdB bescheinigt dem VBI, einen wichtigen Beitrag zu leisten, um wirtschaftlich-innovativ geprägtes Denken zu vermitteln. Dafür danke ich Ihnen und den Mitgliedern Ihres Verbandes. Deutlich knapper der FDP-Landesvorsitzende Hamburg, Wolfgang Kubicki: Die von Ihnen aufgestellten Positionen unterstütze ich. Mehr zu den Antworten auf die VBI-Wahlprüfsteine lesen Sie auf der VBI-Website (www.vbi.de/news). Bundestagskandidaten im Ingenieurbüro Mit den Wahlprüfsteinen hat der VBI die Kandidaten zur Bundestagswahl 2013 auch zu einem Besuch in einem Ingenieurbüro ihres Wahlkreises eingeladen. Dies ist für viele Bewerber um ein Bundestagsmandat eine willkommene Gelegenheit, um Engagement für den Mittelstand zu demonstrieren und um Wählerstimmen zu werben. Bis Mitte Juli lagen bereits Rückmeldungen von über 50 Kandidaten vor; die Hälfte davon signalisierte konkretes Interesse, VBI-Ingenieuren bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Erste Besuche wurden bereits organisiert. Jonas Hurlin VBI-Symposium Was geht noch bei leeren Kassen? Kommunale Flächen und Infrastruktur Was geht noch bei leeren Kassen? Dieser Frage galt die lebendige Diskussionsveranstaltung am 11. Juli in den Dortmunder Westfalenhallen. Die Initiative zu dem Symposium, bei dem Ingenieure mit kommunalen Entscheidern ins Gespräch kamen, verdankt der VBI seinem Arbeitskreis Kommunalberatung. Mitten im Thema: Michael Hippe, Leiter des VBI-Arbeitskreises Kommunalberatung und Initiator der Veranstaltung. Als Gastgeber begrüßten VBI-Präsident Dr. Volker Cornelius und der Finanzdezernent des Städte- und Gemeindebundes NRW Claus Hamacher Ingenieure und Vertreter aus Städten und Gemeinden. Der Tagungsort in Nordrhein-Westfalen war nicht zufällig gewählt: In seinem Impulsvortrag veranschaulichte Hamacher die drastische Finanzsituation gerade der Kommunen in NRW. Dr. Cornelius hatte zuvor deutlich gemacht, wie die Mitglieder im Verband Beratender Ingenieure die Herausforderung ihrer kommunalen Auftraggeber zwischen wachsenden Aufgaben und prekärer Haushaltssituation sehr genau beobachten und an Lösungsmöglichkeiten arbeiten. Manchmal brauche die unabhängige Beratung dabei auch den Mut, von einem Projekt abzuraten, wenn sich dies als nicht geeignet erweise, die Ziele der Kommune zu erreichen. Einen pointierten Aufschlag für die Diskussion lieferte Dipl.-Ing. Jürgen Evert aus seiner Erfahrung als Beigeordneter der Stadt Lünen. Unter dem provozierenden Titel Hilfe, die Berater kommen!, zeichnete er ein anschauliches Bild der Situation von Kommunen, die die Hilfe externer Beratung in Anspruch nehmen. An Beispielen aus der Region verdeutlichte Evert, wie politische und technische Dimension von Projekten ineinander greifen. Oft seien Berater beauftragt, Argumentationsgutachten für politisch Gewolltes zu erstellen. Nur selten sei Raum für ein Erkenntnisgutachten, das die Chance zu Neuem eröffne. Dass dies in der Praxis dennoch gelingt, erläuterte Evert an einem Fallbeispiel: Die Politik war überzeugt, über zusätzliche Gewerbeflächen neue Arbeitsplätze zu generieren und beauftragte ein Planungsbüro, geeignete Flächen vorzuschlagen. Die Berater brachten jedoch nicht die Begründung für die auserkorene Fläche, sondern wiesen stattdessen nach, dass neue Gewerbeflächen das regionale Arbeitsmarktproblem nicht lösen und regional ausreichend Flächen zur Verfügung stehen. Vermutlich ersparte der Berater sinnlose Ausgaben in Millionenhöhe allerdings ersparte er sich auch jeglichen Anschlussauftrag, resümierte Evert das Ergebnis. Die Moderatorin des Tages, WDR-Journalistin Judith Schulte-Loh, griff die konturierte Problematik zwischen politischem Anspruch und Machbarkeit auf und trug die Frage direkt ins Publikum. Im Laufe der Veranstaltung brachten besonders die Vertreter aus den Kommunen ihre Standpunkte in die Diskussion, wie mit Investitionsaufgaben umzugehen sei, wenn die Mittel zu einer umfänglichen Lösung fehlen. Norbert Ballhaus, Bürgermeister der Stadt Moers, unterstrich die Notwendigkeit, Investitionen nicht einzustellen, sondern sorgfältig auszuwählen, wo die geringen Mittel noch höchste Wirkung für die Kommune entfalten können. Damit widersprach er Entscheidern aus anderen Kommunen, die argumentierten, in ihren Gemeinden sei finanzieller Bewegungsspielraum für Beratung und kostensparende Lösungen schlicht nicht mehr vorhanden. In den beiden folgenden Blöcken stellten Vertreter von VBI-Mitgliedsunternehmen Praxisbeispiele vor, die in zwei zentralen Aufgabenfeldern für Lösungen gesorgt haben. Zunächst beim Management kommunaler Flächen: In diesem Themenblock bildete Helmut Hentschel, Klimamanager der Stadt Schmallenberg, die doppelte Ausnahme zum einen als Vertreter einer Kommune, zum anderen mit einem Thema, das weit über die Fläche hinausweist und 20 BERATENDE INGENIEURE 7/8 2013

19 dennoch eine wichtige Herausforderung für die Kommunen darstellt. An dem Anspruch, aktiv für den Klimaschutz auf kommunaler Ebene zu wirken, spalteten sich die Geister. Nicht wenige Diskussionsbeiträge griffen das Thema unter dem Aspekt nice to have aber nicht finanzierbar auf. Da lag das Beispiel des interkommunalen Gewerbegebietes, das Dipl.-Ing. Anke Berndgen vom Düsseldorfer Büro Spiekermann vorstellte, schon näher. Allerdings wurden auch hier rasch die Problempunkte angesprochent, die eine durchaus gewinnbringende Lösung angesichts konkurrierender Standorte mit sich bringen kann. Martina Klöhn, Diplomingenieurin für Raumplanung aus dem Beratungsunternehmen Probiotec in Düren, fasste in ihrem Beitrag Herausforderungen und Chancen der strategischen Stadtentwicklung zusammen und griff dabei einen Aspekt auf, den bereits Jürgen Evert hervorgehoben hatte: Die Notwendigkeit, die Bürger aktiv und frühzeitig an der Stadtentwicklung zu beteiligen. Noch einmal sehr konkret wurde es im letzten Teil der Veranstaltung, als es um den Werterhalt der kommunalen Infrastruktur ging. Dipl.- Ing. Michael Hippe, Franz Fischer Ingenieurbüro, Erftstadt, übernahm als Leiter des VBI-Arbeitskreises Kommunalberatung die Einführung in das Themenfeld. Dr.-Ing. Richard Rohlfing, PFI Planungsgemeinschaft, Hannover, zeigte die Chancen einer effizienten Diagnostik und Sanierung von Kanälen auf, während Dipl.-Ing. Michael Simon, Grontmij GSA, Aachen, Möglichkeiten präsentierte, die ein Pavement-Management-System für die kosteneffiziente Straßen- Energiezukunft durch Innovation Diskussion mit dem Publikum: Moderatorin Schulte-Loh und N. Ballhaus, Bürgermeister in Moers. Impulsgeber auf dem Podium (v. l.): C. Hamacher, Städte- und Gemeindebund NRW, J. Evert, ehemaliger Beigeordneter der Stadt Lünen, und VBI-Präsident Dr. Cornelius. erhaltung bietet. Voraussetzung ist in beiden Fällen, dass die Entscheidung für Beratung und Investition vor der langfristigen Kostenreduktion stehen muss. Zuletzt brachte Dipl.-Ing. Friedhelm Richter, der die Kölner Niederlassung von Vössing leitet, ein Beispiel für den Einsatz eines Funktionsbauvertrages für kommunale Straßen und lieferte damit eine Steilvorlage für die Diskussionsrunde im Anschluss. Moderatorin Schulte-Loh warf die Frage nach den Erfahrungen mit verschiedenen Modellen öffentlich-privater Partnerschaften (PPP/ÖPP) auf und sorgte so für ein kontroverses Thema im Austausch mit dem Publikum. Die angeregten Gespräche fanden ihre Fortsetzung beim Imbiss im Anschluss an die Veranstaltung. Der Arbeitskreis Kommunalberatung wird den erfolgreichen Aufschlag mit vertiefenden Workshops weiterführen und dabei auch künftig den Städte- und Gemeindebund gern als Partner miteinbinden. Tatjana Steidl 14. Internationale Fachmesse für Erneuerbare Energien & Energieeffizienz Messe Augsburg BERATENDE INGENIEURE 7/

20 KONSTRUKTIV Das Wälderhaus in Hamburg Tragwerk aus Holz setzt Maßstäbe von Henning Klattenhoff Schon seit einiger Zeit war es das Ansinnen der Schutzgemeinschaft deutscher Wald, einen Neubau für Ausstellungen, Tagungen, Seminare und Büros planen und errichten zu lassen. Und selbstredend lag der Ansatz nahe, für dieses Wälderhaus, wie es später heißen sollte, möglichst viel Holz zu verwenden. Schließlich war das Geld aufgetrieben und ein Bauplatz gefunden: inmitten des Geländes der in diesem Jahr stattfindenden Internationalen Bauausstellung IBA in Hamburg-Wilhelmsburg ein Umstand der später genehmigungstechnisch noch Rückenwind für den sonst so Holzbau-konservativen Norden bedeuten sollte. Die Architekten vom Studio Andreas Heller stellten ein Konzept vor, das ein fünfstöckiges Bauwerk mit einer Bruttogeschossfläche von über m 2 vorsah und neben den Bedürfnissen der Schutzgemeinschaft Wald eine Hotelnutzung und einen Gastronomie-Betrieb enthielt. Herausforderungen für die Tragwerksplaner Der Planungszeitplan war aufgrund vieler terminlicher Umstände, allen voran der Abgabetermin der kompletten Genehmigungsunterlagen als Förderungsvoraussetzung im Rahmen des Konjunkturpaketes-II extrem eng. Für die Tragwerksplanung hieß das: In nur gut drei Wochen musste eine genehmigungsfähige Statik erarbeitet werden. Und damit nicht genug: Es war im Rahmen der IBA gewünscht, dass die statische Bemessung mit dem Eurocode durchgeführt werden sollte noch vor der eigentlichen Einführung der Dokumente. Möglich war dies durch den Beschluss der Bauministerkonferenz vom Sommer 2010, nach der die Eurocodes schon vor ihrer Einführung im Sinne einer gleichwertigen Lösung gemäß 3 Abs. 3 Satz 3 MBO angewandt werden durften. Voraussetzung dafür war unter anderem, dass die Eurocodes inklusive der Nationalen Anhänge bereits als Weißdruck vorliegen und die Vollständigkeit und Richtigkeit der gleichwertigen Lösung durch einen Prüfingenieur bestätigt werden konnte. Von Seiten der Tragwerksplanung und des Brandschutzes wurde frühzeitig eine Mischbauweise in Betracht gezogen: Aufgrund der in großen Teilen gleichmäßigen Grundrisse und kleinteiligen Raumgliederungen in den oberen drei Geschossen des Hotelbetriebs konnte mit Ausnahme der Treppenhauskerne, die in Stahlbeton geplant wurden, ein reines Holzmassivtragwerk realisiert werden. Die beiden unteren Geschosse blieben wegen ihrer Mischnutzung (u. a. Versammlungsstätte) und aufgrund des architektonischen Layouts mit verspringenden Wänden, erforderlichen zweiachsigen Spannrichtungen der Flachdecken und der gewünschten unregelmäßigen Stützenanordnung eine Stahlbetonkonstruktion. Auch die Tatsache, dass Wilhelmsburg in der Vergangenheit schon häufiger von Elbhochwassern betroffent war, legte einen Verzicht auf tragendes Holz zumindest im Erdgeschoss nahe. Für den Holzbau setzte der Brandschützer trotz der Gebäudeklasse 5 einen Brandschutz durch Abbrandbemessung durch, so dass sowohl die Wände als auch die Decken sichtbar bleiben konnten. Als Kompensationsmaßnahmen wurden unter anderem eine Sprinklerung der Außenwände und ein Brandschutzanstrich der Korridore vorgesehen. Der Grundriss des Gebäudes ist unsymmetrisch. Die Wände in den Holzbau-Stockwerken stehen jedoch in regelmäßigen Abständen und konnten deshalb alle als Auflager für die Durchlaufdecken mit meist gleichen Stützweiten genutzt werden. Lediglich im Flurbereich sind die Decken einfeldrig ausgebildet. Abbildung: Assmann Beraten + Planen Die Lärchenschalung zeigt was im Haus Thema ist: der Wald. Abbildung: Henning Klattenhoff 22 BERATENDE INGENIEURE 7/8 2013

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