Kirche in 1Live

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1 1 Montag, 15. Februar Kirche in 1Live Kleider machen Leute Ich weiß nicht, was ich anziehen soll. Nicht, dass mir dieses Gefühl neu wäre, denn ich habe einen ganzen Schrank voll nichts anzuziehen, aber heute ist es besonders ärgerlich. Denn heute ist schließlich alles möglich. Kleider machen Leute und ich habe an diesem Rosenmontag die Möglichkeit, einmal jemand ganz Anderes zu sein. Putzfrau, Prinzessin, Punker alles ist drin. Und dann gehe ich raus und habe mal so richtig Spaß. Denn wenn ich nicht die bin, die ich sonst bin, dann brauche ich mich auch nicht so zu benehmen wie sonst. Und das ist großartig. Da kann die kleine, graue Maus mal schnell zur Partylöwin werden. Aber ist das wirklich so großartig? Was treibt mich eigentlich dazu, jemand anderes sein zu wollen? Gibt es in mir eine versteckte Unzufriedenheit darüber, wie mein Leben ist, oder wie ich bin? Und nutze ich deshalb den Rosenmontag mal so zu tun, als wäre ich anders? Wenn ich wirklich mit meinem Leben unzufrieden bin, dann ist es doch höchste Zeit, was zu ändern. Und zwar nicht nur für einen Tag im Jahr. Ich glaube, dass ich nicht zufällig auf diesem kleinen grünen Planeten lebe, sondern dass mir mein Leben von Gott geschenkt und anvertraut wurde. Und ich glaube, dass Gott von mir erwartet, dass ich dieses Leben nicht einfach an mir vorbeiziehen lasse und mir ständig wünschte, es wäre anders. Ich bin mir sicher, dass Gott einen Plan hat, wie mein Leben aussieht. Und ich denke, es wäre gut, wenn ich auch einen Plan hätte. Wer will ich sein? Wo will ich hin? Und was kann ich tun, damit ich genau das erreiche? Ich soll dieses Leben lieben, denn es ist mein eigenes. Ein anderes habe ich nicht. Und wenn ich das kann, dann kann ich jetzt auch ein Kostüm rausholen, um einen Tag lang ganz anders zu sein: aus Spaß, nicht aus Frust., 1

2 2 Dienstag, 16. Februar Wer bin ich? Gestern Morgen war ich Minnie Maus, abends eine Piratenbraut und nachts schrecklich betrunken. Heute Morgen bin ich dann krank. Jetzt habe ich mich einigermaßen gefasst, stehe vor dem Spiegel und frage mich, nach allem, was in den letzten Stunden war: Wer bin ich eigentlich wirklich? Lebensgefährtin, Freundin, Schwester, Tochter, Angestellte, Kollegin, musikalisch, chaotisch, kreativ, zuverlässig, zielstrebig, oftmals unsicher, und vielleicht ein bisschen verfressen. Das trifft sicher nicht nur auf mich zu. Was ist es also, das mich ausmacht? Was macht mich einzigartig? Sicher meine Fingerabdrücke und meine DNA. Vielleicht sind es tausend Kleinigkeiten, die im richtigen Mischungsverhältnis mich ergeben. Für mich als Christin steckt aber noch mehr dahinter. Oder besser noch jemand. Dieser jemand heißt Gott und hat den Menschen nach seinem Abbild geschaffen und ihm die Erde geschenkt. Ich bin also zum einen ein Teil von Gottes Schöpfung. Ich bin aber zum anderen auch sein Abbild. Und ich habe mich für ein Leben mit dem Auftrag Gottes entschieden. Ich soll für die Menschen da sein, das ist sein Auftrag. Und das weiß ich, weil Jesus gesagt hat: Was ihr dem geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan. Also: Wer bin ich? Ich bin unverwechselbar Ich, ein Mensch mit Verantwortung. Ich möchte dafür sorgen, dass man den Himmel auf dieser Erde noch sehen kann., 2

3 3 Mittwoch, 17. Februar Was hält mich von mir fern? Für Schokoladenfans ist heute ein schlimmer Tag. Die Kaufhausregale füllen sich mit Osterhasen, Nougateiern und Blätterkrokant, und ausgerechnet heute an Aschermittwoch fängt die Fastenzeit an. Und dieses verhängnisvolle Wort Fasten signalisiert: Verzicht. Verzicht auf Schokolade, Alkohol, Fernsehen und alles, was sonst noch unser Leben angenehm macht. Und warum das alles? Weil die Kirche schon immer dagegen war, wenn Menschen etwas haben, das Spaß macht oder lecker ist? Viele denken tatsächlich so. Dabei ist diese Sicht auf die Fastenzeit auf jeden Fall falsch. Ich gebe ja zu, der Verzicht auf Schokolade fällt mir auch schwer, aber wenn ich daran denke, dass ich das eingesparte Geld für eine gute Sache spende, dann fällt mir der Verzicht leichter. Im Kern geht s in der Fastenzeit darum, dass ich mich in den fünf Wochen auf Ostern vorbereite. Und ich bin eingeladen, mehr als sonst über Gott, die Welt und mich selbst nachzudenken. Leben und Botschaft Jesu sollen Mittelpunkt meines Lebens sein. Das versuche ich jedenfalls. Aber es ist schon eigenartig: Ich komme mir immer wieder selbst in die Quere! Hier habe ich keine Zeit zum Beten, dort schaffe ich es mal wieder nicht zur Kirche. Und mein innerer Schweinehund sorgt regelmäßig dafür, dass ich mich um nichts und niemanden kümmere; weder um meine Mitmenschen, noch um mich. Aber was ist es, was mich davon abhält? Was motiviert meinen inneren Schweinehund, mich von den wirklich wichtigen Dingen abzuhalten? Viel zu oft ist es der Fernseher, von dem ich mich nicht losreißen kann. Aber wenn ich den berühmten Knopf ausgeschaltet lasse, merke ich erst, wie sehr mich die Flimmerkiste von der Beschäftigung mit mir und mit Gott abgehalten hat. Es kommt auf einen Versuch an. Ich bin davon überzeugt: Wer wirklich auf Süßigkeiten oder Fernsehen verzichtet, entdeckt, was wichtig ist im Leben. Der kann den Mitmenschen und Gott nahe kommen., 3

4 4 Donnerstag, 18. Februar Du bist mein geliebtes Kind Stell dir einen Fluss vor. Egal wo Hauptsache es ist ein großer, langer Fluss. Und jetzt stell dir eine große Menschenmenge am Ufer vor. Ein Mann tritt aus der Menge heraus und geht in den Fluss. Bis zur Brust reicht ihm das Wasser. Nach und nach gehen die Menschen einzeln zu ihm und lassen sich einmal untertauchen. Viele schauen das Treiben an und finden es völlig seltsam. Dann kommt wieder ein Mann zu dem Kerl im Fluss und plötzlich ist alles anders. Es ist, als hätte jemand auf Zeitlupe umgestellt. Ganz langsam wird der Mann unter Wasser getaucht. Und die Stelle, an der er steht, wird von einem hellen Licht angestrahlt. Fast so als würde er von einem Suchscheinwerfer erfasst. Und alle hören, wie aus einem riesigen Lautsprecher, eine Stimme. Nur dass man keine Boxen sehen kann. Die Stimme sagt: Dies ist mein geliebter Sohn. Die Szene klingt abgehoben, ist aber wahr. Vor fast 2000 Jahren hat sie sich genau so abgespielt. Der Mann im Wasser war Johannes und untergetaucht wurde Jesus. Tausende Menschen haben damals die Taufe Jesu mitverfolgt und die Stimme Gottes von Himmel gehört. Dies ist mein geliebter Sohn. Seitdem wird jedem Menschen bei seiner Taufe dasselbe gesagt. Ab jetzt, ab dem Moment deiner Taufe, bist du Gottes geliebtes Kind. Wahrscheinlich kannst du dich an deine Taufe nicht mehr erinnern. Aber du kannst dich daran erinnern, was Taufe bedeutet: Du bist Gottes geliebtes Kind. Seit dem Augenblick deiner Taufe, bis zum Ende aller Tage wird Gott dich nie verlassen. Weil du sein Kind bist., 4

5 5 Freitag, 19. Februar Im Himmel Diesen Anruf einer Bekannten werde ich nicht vergessen: Meine Nichte ist tot. Von der Brücke gesprungen. Das ist jetzt knapp acht Wochen her und ich bin immer noch erschüttert. Sie war 16. Hübsch, klug, beliebt. Alles das, was ich mit 16 gerne gewesen wäre. Eigentlich hätte sie doch glücklich sein können. Und trotzdem war sie wohl unglücklich, und wusste keinen anderen Ausweg mehr. Ich frage mich heute: Was hätte aus ihr werden können? Wie wäre ihr Leben wohl verlaufen? Und auch: Wer wäre sie gern gewesen? Welches Leben hätte ihr besser gefallen, als das, was sie hatte? Und dann frage ich mich natürlich: Hätte sie nicht einfach etwas ändern können? Einige Sachen einfach anders machen? Einfach mehr Dinge, die sie glücklich machten und weniger Dinge, die sie nicht leiden konnte? Wahrscheinlich nicht. Und einfach sowieso nicht! Zurück bleiben ihre Familie und ihre Freunde. So wie ich mit tausend Fragen. Und eine Frage ist vielleicht: Bist du jetzt glücklich? Da wo du jetzt bist? Ich bin mir sicher: Springen ist keine Lösung. Aber ich hoffe Da, wo du jetzt bist, geht es dir gut. Ich bete, dass du im Himmel bist. Bei Gott. Deinem, meinem und unserem Schöpfer und Vater. Als Du getauft wurdest, hat er dir versprochen immer bei dir zu sein und dich am Ende ins ewige Leben zu rufen. Ich glaube, dass er dich tröstet, dir deine Sorgen nimmt und dich jetzt einfach in seinen liebevollen Händen hält., 5

6 6 Samstag, 20. Februar Erstens kommt es anders, Tage im Jahr wache ich auf. 365 Mal gehe ich ins Bad und mache mich fertig. 365 Tage im Jahr frühstücke ich, um dann in den Tag zu starten. Und nach 365 Tagen im Jahr lege ich eine CD ein bevor ich zur Musik einschlafe. Das ist Routine. Manchmal nervt sie mich, meistens aber mag ich es, dass mein Leben nach einem bestimmten Rhythmus und Plan verläuft. Ich war immer ein Freund von Plänen. Sie geben mir Sicherheit. Was aber, wenn alle Pläne auf einmal über den Haufen geworden werden? Wenn das Leben nicht mehr nach Plan läuft? Ich kenne jemanden, der hat genau das erlebt. Sie heißt Bernadette. Oder besser hieß, denn sie ist schon seit 130 Jahren tot. Bernadette war 14, arm und nicht gebildet. Ihr Leben verlief nach einem ganz einfachen Plan. Holz sammeln, Essen auftreiben und Arbeiten. Keine Aufregung, keine Abwechslung. Aber plötzlich ist alles ganz anders. Als sie wieder einmal dabei ist, Holz zu sammeln, erscheint ihr Maria, die Mutter Gottes. Was nun? Einfach so tun, als wäre nichts gewesen, dem eigenen Lebensplan weiter folgen? Oder Gottes Plan folgen, der aus Maria spricht? Bernadette hat ihr Leben umgekrempelt. Gegen alle Widerstände hat sie weiter erzählt, was ihr passiert ist. Heute kommen jährlich tausende von Menschen an den Ort, an dem sich damals Bernadettes Leben geändert hat: Nach Lourdes. Und dort ändert sich oft auch deren Leben. Zusammen mit 80 Jugendlichen war ich selbst in Lourdes. Bei jedem von uns hat sich in diesen Tagen etwas verändert. Die Einstellung zum Leben, zum Glauben, vielleicht auch zur Kirche. Und seitdem weiß ich: Der Ruf Gottes kann dein Leben verändern. Du musst nur offen sein, auf seinen Ruf zu hören., 6

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