ORDNER LITERATUR KAFKA Franz Kafka, Sämtliche Erzählungen. Hrsg. v. P.Raabe, Ffm.1970, S.23-32)]

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1 Kafka: Das Urteil Konzept ORDNER LITERATUR KAFKA Franz Kafka, Sämtliche Erzählungen. Hrsg. v. P.Raabe, Ffm.1970, S.23-32)] Texteingabe ohne Schluß 1. Text ohne die beiden letzten Absätze präsentieren (s. ORDNER) 2. Eingabe von zwei verschiedenen Schlüssen [s. M1, ORDNER] Aufgabe: Welcher der beiden Schlüsse erweist sich aufgrund formaler und inhaltlicher Kriterien als Original? Diskussion: Wird Georg das Urteil akzeptieren, oder wird er sich gegen seinen Vater auflehnen? Klassenarbeit:ANALYSE/INTERPRETATION/KREATIVES SCHREIBEN [s. M2] Unterrichtszusammenhang: Die Erzählung sollte unbedingt im Zusammenhang mit Kafkas Brief an den Vater gelesen werden.

2 Kafka: Das Urteil Klassenarbeit Drei Themen zur Auswahl: 1. ANALYSE: Versuche, das Verhältnis Georgs zu seinem Vater so genau wie möglich zu beschreiben! Belege Deine Ergebnisse am Text! 2. INTERPRETATION: Warum unterwirft sich Georg dem Urteil seines Vaters? Gib die Textstellen an, die Deine Deutung nahelegen! 3. KREATIVES SCHREIBEN: Stelle Dir vor: Nachdem er das Urteil des Vaters vernommen hat, wendet sich Georg an einen guten Freund, um ihn um Rat zu fragen. Der Freund antwortet ihm in einem Brief. Formuliere diesen Brief!

3 Das Urteil Franz Kafka Interpretation 1 Schülerinterpretationen In dieser Geschichte stehen sich Vater und Sohn wie zwei Duellanten gegenüber. Der Sohn scheint der Überlegene zu sein. Er hat den alten, verwitweten Vater praktisch entmachtet, er hat die Leitung des Geschäftes übernommen und Erfolg gehabt. Er hat sich verlobt, bereitet sich also darauf vor, sich auch im privaten Bereich die Rolle eines Familienoberhauptes anzueignen. Georg Mendemanns Illusionen werden zerstört. Sein Vater erweist sich als immer noch zu stark" für ihn, er ist immer noch ein Riese". Als einen solchen Riesen hat Kafka sich oft den eigenen Vater vorgestellt. Die Geste des Hochhebens und Tragens kommt auch in Das Urteil vor. Nur ist es hier der Sohn, der sie ausführt und den anderen in das Bett hineinträgt, so wie man es mit einem kranken Kind macht. Gerade auf dem scheinbaren Höhepunkt seines Triumphes angelangt, wird der Sohn mit einigen wenigen Schlägen vernichtet. Er wird angeklagt und kann sich mit Worten nicht verteidi-

4 gen. Auch hier führt ein Linie zu Kafkas Erlebnissen mit dem eigenen Vater zurück: Die Unmöglichkeit des ruhigen Verkehrs hatte noch eine weitere eigentlich sehr natürliche Folge: ich verlernte das Reden. Ich wäre ja wohl auch sonst kein großer Redner geworden, aber die gewöhnlich fließende menschliche Sprache hätte ich doch beherrscht. Du hast mir aber schon früh das Wort verboten. Deine Drohung: kein Wort der Widerrede!" und die dazu erhobene Hand begleitete mich seit jeher." Der leibliche Sohn wird verdammt. Georg Bendemann vollzieht das Urteil an sich selbst, er ist zu schwach, um dem Spruch des Vaters zu widerstehen. Er ist nicht wirklich schuldig, aber in ihm ist Schuldbewusstsein erzeugt worden.

5 Interpretation 2 In dieser Geschichte stehen sich Vater und Sohn wie zwei Duellanten gegenüber. Der Sohn scheint der Überlegene zu sein. Er hat den alten, verwitweten Vater praktisch entmachtet, er hat die Leitung des Geschäftes übernommen und Erfolg gehabt. Er hat sich verlobt, bereitet sich also darauf vor, sich auch im privaten Bereich die Rolle eines Familienoberhauptes anzueignen. Georg Bendemanns Illusionen werden zerstört. Sein Vater erweist sich als immer noch zu stark" für ihn, er ist immer noch ein Riese". Als einen solchen Riesen hat Kafka sich oft den eigenen Vater vorgestellt. Die Geste des Hochhebens und Tragens kommt auch in Das Urteil vor. Nur ist es hier der Sohn, der sie ausführt und den anderen in das Bett hineinträgt, so wie man es mit einem kranken Kind macht. Gerade auf dem scheinbaren Höhepunkt seines Triumphes angelangt, wird der Sohn mit einigen wenigen Schlägen vernichtet. Er wird angeklagt und kann sich mit Worten nicht verteidigen. Auch hier führt ein Linie zu Kafkas Erlebnissen mit dem eigenen Vater zurück: Die Unmöglichkeit des ruhigen Verkehrs hatte noch eine weitere eigentlich sehr natürliche Folge: ich verlernte das Reden. Ich wäre ja wohl auch sonst kein großer Redner geworden, aber die gewöhnlich fließende menschliche Sprache hätte ich doch beherrscht. Du hast mir aber schon früh das Wort verboten. Deine Drohung: kein Wort der Widerrede!" und die dazu erhobene Hand begleitete mich seit jeher." Der leibliche Sohn wird verdammt. Georg Bendemann vollzieht das Urteil an sich selbst, er ist zu schwach, um dem Spruch des Vaters zu widerstehen. Er ist nicht wirklich schuldig, a- ber in ihm ist Schuldbewusstsein erzeugt worden.

6 Interpretation 3 von Amadé W7b 1999/2000 Georg Bendemann lebt seit dem Tod seiner Mutter allein mit seinem Vater, mit dem er auch zusammen arbeitet. Er hat einen Freund in Russland, der vor einigen Jahren als Junggeselle nach Russland ausgewandert ist. Der Briefwechsel ist vor allem von Georgs Seite sehr oberflächlich und banal. Deshalb hat Georg seinem Freund bis jetzt nicht über seine bevorstehende Heirat informiert. Die Braut möchte jedoch, dass der russische Freund Kenntnis von diesem freudigen Ereignis erhält, was Georg dazu bringt, ihm dies schließlich doch noch mitzuteilen. Doch bevor er den Brief abschickt fragt Georg seinen Vater, der den alten Freund zunächst nicht wieder zu erkennen scheint, obwohl dieser doch vor drei Jahren zu Besuch war. Nach einem Streit um die Existenz des Freundes und die Verfassung des Vaters, fällt dieser ein Todesurteil über seinen Sohn. Georg bringt sich daraufhin mit dem Sprung von einer Brücke um. Beim ersten Durchlesen dieses Textes von Franz Kafka fällt einem vielleicht gar nichts auf, abgesehen vom dramatischen Ende. Doch bei genauerem Hinsehen sind verschiedene Ungereimtheiten zu beobachten. Existiert der Freund in Russland überhaupt? Das scheint die entscheidende Frage zu sein. Ich habe mich nach mehrmaliger Lektüre zu folgender Interpretation entschlossen: Der Freund existiert nicht, äußert sich aber in der Beziehung zwischen Va-

7 ter und Sohn. Schon sehr früh erfährt man vom "endgültigen Junggesellentum" des Freundes. Das trifft seit dem Tod seiner Frau auch auf Georgs Vater zu. Man spürt, wie oberflächlich Georg seinen Vater behandelt. Im Zusammenhang mit seinem Freund fragt er sich, ob er nicht "die alten freundschaftlichen Beziehungen" wieder aufnehmen solle. Für mich ist das ein eindeutiger Hinweis auf das schlechte Gewissen Georgs, der sich der ungerechten Behandlung seines Vaters bewusst ist. Man erfährt, wie schwierig es für Georg ist (bzw. war) sich mit seinem Freund bzw. mit seinem Vater zu unterhalten. Er konnte die Trauer, die er ohne Zweifel beim Tode seiner Mutter in sich trug, nicht mit seinem Vater teilen. Georg lebte ein Leben, das sich trotz der räumlichen Nähe in großer Distanz von seinem Vater abspielte. Georg hat realisiert, wie hart das Leben für seinen Vater geworden ist, er erscheint ihm sehr einsam. Da Georg nun aber im Begriff ist, seine Verlobte zu heiraten, überlegt er sich, seinen Vater aus Mitleid gar nicht zu seiner Hochzeit einzuladen. Der Verlobten erzählt er das (anstelle des Vaters erwähnt er natürlich seinen russischen Freund) und erklärt die Nicht-Einladung" mit dem weiten Weg, die sein Freund alleine zu bewältigen habe. Doch auf Verlangen seiner Verlobten lädt er ihn doch ein. Als er dem Vater mitteilt, er wolle den Brief mit der Einladung nach Petersburg abschicken, konfrontiert ihn dieser mit der Realität. Georg reagiert schockiert und lenkt ab. "Georg

8 ... Du hast gar keinen Freund in Petersburg." Georg wehrt sich indem er dem Vater vom Besuch des Freundes vor drei Jahren erzählt. Dies scheint nur ein Hinweis darauf zu sein, dass man sich vor drei Jahren noch besser verstand. Der Vater beruhigt sich nun vordergründig und Georg bringt ihn ins Bett. Einem Vater gleich, deckt er seinen Vater zu. Doch dieser stellt sich nun endgültig gegen seinen eigenen Sohn. "Wohl kenne ich deinen Freund. Er wäre mein Sohn nach meinem Herzen." Der Vater sieht im imaginären Freund seines Sohnes sein Ebenbild. Er spielt das Spiel mit und erzählt Georg von seinen eigenen Briefen an den russischen Freund. Mit dieser Erklärung seines Vaters wird Georg auf einen Schlag klar, dass sein Vater viel mehr weiß und sich in einer viel besseren geistigen Verfassung befindet, als dass er dies angenommen hatte. Der Vater beginnt sich über seinen Sohn lustig zu machen, nervt ihn mit einem bitterbösen Liedchen. Er offenbart ihm seine Liebe, macht ihm aber gleichzeitig auch klar, dass er sein Verhalten nicht ertragen kann. Schlussendlich verurteilt er seinen eigenen Sohn zum Tode. Dieser zögert keinen Moment und tötet sich durch einen Sprung von einer Brücke selbst. Der Selbstmord scheint ihm an dieser Stelle das einzig probate Mittel, der verzwickten Situation zu entkommen. Was wohl sein Freund dazu sagen würde?

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