NET 4: Firewalls. Begleitmaterial zur Vorlesung NET 4 des FH-Studiengangs. Bioinformatik, in Hagenberg Sommersemester 2004

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1 NET 4: Firewalls Begleitmaterial zur Vorlesung NET 4 des FH-Studiengangs Bioinformatik, in Hagenberg Sommersemester 2004 FH-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Gerhard Jahn Mai 2004 Inhaltsverzeichnis 1 Grundlagen Was ist eine Firewall? Warum eine Firewall? Connectivity vs. Security Wogegen schützt eine Firewall? Wogegen schützt eine Firewall nicht? Entwurf von Firewalls 4 3 Technologien Packet Filtering Application Proxies Stateful Inspection Dynamic Packet Filtering Varianten Packet Filter Screened Host Screened Subnet Eigene demilitarisierte Zone Mehrere interne Zonen

2 ABBILDUNGSVERZEICHNIS Virtual Private Network Virus-Erkennung Falsche Lösungen Personal Firewalls 12 6 Weiterführende Lektüre 14 Literatur 15 Abbildungsverzeichnis 1 Packet Filter Screened Host Screened Subnet Eigene demilitarisierte Zone Kopplung interner Zonen über ein Packet Filter Kopplung interner Zonen über Backbone Firewall und Virtual Private Network Firewall und Viren-Scanner FALSCH: Firewall mit internem Modem FALSCH: Firewall mit Hintertür durch RAS-Verbindung

3 1 GRUNDLAGEN 3 1 Grundlagen 1.1 Was ist eine Firewall? Eine Firewall dient als Zugangskontrolle zwischen Netzwerken, genauer zwischen Zonen unterschiedlichen Vertrauens. Genau wie bei allen Arten von Zugangskontrollen erfolgt auch hier eine Überprüfung beim Wechsel zwischen Vertrauenszonen. Eine Firewall implementiert zuvor definierte Zugangsregeln. Dabei agiert sie ähnlich wie ein Wachposten, der eine ihm auferlegte Sicherheitspolitik exekutiert. Kontrolliert wird hier der Datenverkehr zwischen den Zonen. Als Ergebnis dieser Kontrolle wird die Kommunikation gestattet oder abgelehnt. Firewalls treffen diese Entscheidungen meist für einzelne Pakete, wobei je nach Intelligenz der Firewall und natürlich auch der dahinter stehenden Sicherheitspolitik mehr oder weniger Informationen herangezogen werden. Firewalls werden an neuralgischen Punkten platziert und sind in ihrer Funktionsweise Routern ähnlich bzw. haben in Bezug auf diese eine erweiterte Funktionalität. Tatsächlich entstanden einfache Firewalls durch Hinzufügen von Features zu Routern. 1.2 Warum eine Firewall? Primär soll eine Firewall Schutz vor dem Bösen außerhalb des eigenen Netzes bieten. Dies gilt für die Anbindung zum aber auch innerhalb eines Betriebes oder Standortes sind Zonen unterschiedlichen Vertrauens möglich. Schützenswert sind dabei die eigenen Daten und Resourcen. Eine Firewall kann auch als politisches Argument für die Einführung bzw. Aufrechterhaltung eines - Zuganges gegenüber dem Management verwendet werden. 1.3 Connectivity vs. Security Tatsächlich konkurrieren eine möglichst universelle Anbindung an die Außenwelt und die Sicherheit gegenüber Angriffen aus dieser miteinander. Genau das ist die Anforderung an eine passable Sicherheitspolitik. Sie soll die Vorteile einer guten Connectivity gegenüber den Nachteilen der dadurch eingeschränkten Sicherheit abwägen und einen guten d.h. individuellen Kompromiss finden.

4 2 ENTWURF VON FIREWALLS Wogegen schützt eine Firewall? Eine Firewall soll gegen unerlaubte externe Zugriffe auf interne Resourcen schützen. Trotzdem soll es internen Benutzern meist erlaubt sein, Services des externen Netzes möglichst ohne Beschränkung durch die Firewall zu nutzen. Bei richtiger Verwendung muss der ganze Verkehr mit der Außenwelt über die Firewall laufen. Somit ist sie auch ein guter Platz für die Protokollierung sowohl der akzeptierten als auch der abgewiesenen Zugriffe. 1.5 Wogegen schützt eine Firewall nicht? Firewalls sind nicht perfekt. Im Detail versagen sie bei: allen Arten von Angriffen, die nicht über die Firewall laufen z.b. über ein intern installiertes Modem Social Engineering: Passwörter werden aus Benutzern herausgelockt Tunneling: d.h. eigentlich abzuweisende Zugriffe werden in ein genehmigtes Protokoll eingepackt Viren: einer Firewall ist es meist unmöglich, die volle Funktionalität eines Virenscanners zu integrieren. Problematisch ist auch die Vielfalt der Möglichkeiten zur komprimierten Übertragung. Einzelne Produkte unterstützen jedoch die Kooperation mit Virenscannern. 2 Entwurf von Firewalls Unabhängig von der verwendeten Technologie sind beim Entwurf von Firewalls die folgenden Schritte durchzuführen: 1. Sicherheitspolitik festlegen: Zunächst muss festgelegt werden, was zu schützen ist und welche prinzipielle Strategie verfolgt wird. Die Bandbreite reicht hier von der Beschränkung auf das unbedingt Notwendige über diverse Abstufungen dazu, nur wenige gefährliche Dienste zu verbieten. 2. Grad der Überwachung festlegen aus der zunächst eher allgemeinen Sicherheitspolitik werden konkrete Maßnahmen abgeleitet: Was wird protokolliert? Was wird gesperrt? Was wird erlaubt?

5 3 TECHNOLOGIEN 5 3. Finanzen: Hier gibt es große Unterschiede. Kommerzielle Lösungen liegen bei den Kosten in der Größenordnung von bis zu U , es existieren auch völlig freie Produkte, hier fällt nur die meist höhere Arbeitszeit an. Generell ist zu beachten: Eine Firewall verursacht auch im Betrieb einen erheblichen Aufwand. Die Regeln sind zu warten und Logs müssen ausgewertet werden. 4. Implementierung: Die Sicherheitspolitik wird durch die Implementierung exekutiert. 3 Technologien 3.1 Packet Filtering Firewalls stehen meist anstelle von Routern an der Ankopplung zu einem größeren Netz. Sie erfüllen also auch zusätzlich die Aufgaben eines Routers. Ein Packet Filter ist ein Router, der zusätzlich bestimmte Pakete NICHT weiterleitet. Basis für diese Entscheidung sind die Header der Schichten 3 und 4, also z.b. Quell- und Zieladresse, Protokoll, Quell- und Zielport bei UDP und TCP. Zusätzlich werden meist auch noch das ein- und das abgehende Interface mit einbezogen. Damit sind sie schneller als die anderen Varianten. Die Konfiguration ist meist aufwändig. Sie besteht aus einem oft großen Regelwerk, welches dann schwer durchschaubar wird. Für das Erstellen des Regelwerkes sind auch fundierte Kenntnisse über die verwendeten Protokolle notwendig. 3.2 Application Proxies Proxies folgen einem völlig anderen Ansatz: Sie arbeiten auf der Applikationsschicht und koppeln über diese die beiden Vertrauenszonen. Ein Host auf dem ein Proxy installiert ist, agiert nicht unbedingt als Router. Er ist oft zwischen zwei Routern oder einem Router und einem Packet Filter platziert. Clients bauen die Verbindung durch den Proxy zum Server auf: Der Client baut zunächst die Verbindung zum Proxy auf, dieser baut dann stellvertretend selber eine Verbindung mit dem Server auf. Es entstehen somit zwei Verbindungen. Der Proxy agiert als Mittler zwischen Client und Server und steht damit eigentlich im Widerspruch zum Client/Server-Prinzip. Application Proxies sind naturgemäß langsamer als Packet Filter. Wegen der Behandlung auf der Applikationsschicht können sie gezielt auf die Applikationsprotokolle eingehen, sie arbeiten daher sicherer. Natürlich muss für jedes Appli-

6 4 VARIANTEN 6 kationsprotokoll ein eigener Proxy-Server eingerichtet werden, was aufwändig ist. Sie stellen auch hohe Ansprüche an die Performanz der Hardware. 3.3 Stateful Inspection Dynamic Packet Filtering Hier handelt es sich um eine Erweiterung der klassischen Packet Filter. Während dort nur die Header-Information des aktuellen Paketes verwendet wird, basiert bei Stateful Inspection die Entscheidung ob ausgefiltert werden soll auch auf der Historie der Verbindung und der Payload der Pakete. Hier wird wieder auf dem performanten Routing aufgesetzt und ein Kompromiss zwischen den schnellen aber unsicheren Packet Filtern und den langsamen aber sicheren Application Proxies gesucht. Mit fortschreitender Entwicklung wird diese Art der Firewalls durch Einbeziehung von Information höherer Schichten immer leistungsfähiger, sodass die Abgrenzung zum Application Proxy immer mehr verschwindet. Wir verweisen hier auf aktuelle Informationen diverser Hersteller von Firewalls. Prinzipiell können Firewalls nach Stateful Inspection überall dort eingesetzt werden, wo bisher Packet Filter verwendet wurden. Durch ihre höhere Sicherheit machen sie zusätzliche Application Proxies in vielen Situationen (vgl. unten) überflüssig. 4 Varianten 4.1 Packet Filter In der einfachsten Variante wird der für die externer Anbindung bzw. den Übergang zwischen Vertrauenszonen zuständige Router durch ein Packet Filter ersetzt (siehe Abb. 1 auf der nächsten Seite). 4.2 Screened Host Ausgangspunkt ist das erste Szenario. Zusätzlich wird ein Proxy Server innerhalb der inneren Vertrauenszone eingerichtet. Damit aller Verkehr zwangsweise über ihn laufen muss, akzeptiert der Packet Filter nur Pakete die vom Proxy Server stammen bzw. an ihn gerichtet sind (Abb. 2 auf der nächsten Seite). 4.3 Screened Subnet Zusätzlich werden Server für die Repräsentanz nach außen außerhalb des Packet Filters platziert. Damit belastet dieser Verkehr den Packet Filter nicht. In der Regel stellen Service Provider für die Ankopplung reine Transportnetze zur

7 SERIAL0 SERIAL1 BRI CONSOLE AUX 4 VARIANTEN 7 X Screening Router X Internes Netzwerk Abbildung 1: Packet Filter X X Screening Router Internes Netzwerk Proxy Server Abbildung 2: Screened Host

8 4 VARIANTEN 8 Server Externer Router DMZ Packet Filter Internes Netzwerk PROXY SERVER Abbildung 3: Screened Subnet Verfügung, die dem Kunden nur eine einzige IP-Adresse bereitstellen. Deshalb sind die Server für die präsenz in einem eigenen Segment organisiert, der Demilitarisierten Zone (Abb. 3). 4.4 Eigene demilitarisierte Zone In der obigen Variante geht auch der Verkehr der internen Zone nach außen über die DMZ, was nicht unbedingt notwendig ist. Besitzt der Packet Filter mehrere Interfaces, dann kann die DMZ als eigenes Segment ausgeführt werden (Abb. 4 auf der nächsten Seite). 4.5 Mehrere interne Zonen Auch mehrere interne Zonen können über eigene Interfaces des Packet Filters gekoppelt werden. Damit bilden die internen Zonen auch verschiedene Vertrauensstufen, was besonders für verschiedene Abteilungen interessant ist. Im Extemfall entsteht hinter dem Packet Filter ein Backbone, an das Abteilungen je nach Sicherheitsbedürfnis über einen Router oder auch über weitere Firewalls angebunden sind (Abb. 5 auf der nächsten Seite und 6 auf Seite 10).

9 SERIAL0 SERIAL1 BRI CONSOLE AUX CISCO2503 Input: VAC Freq:50.60Hz Current: A Watts:40W 4 VARIANTEN 9 Server Externer Router DMZ Packet Filter Internes Netzwerk PROXY SERVER Abbildung 4: Eigene demilitarisierte Zone Server Externer Router DMZ Packet Filter Internes Netzwerk A Internes Netzwerk B Abbildung 5: Kopplung interner Zonen über ein Packet Filter

10 CISCO2503 Input: VAC Freq:50.60Hz Current: A Watts:40W CISCO2503 Input: VAC Freq:50.60Hz Current: A Watts:40W CISCO2503 Input: VAC Freq:50.60Hz Current: A Watts:40W CISCO2503 Input: VAC Freq:50.60Hz Current: A Watts:40W 4 VARIANTEN 10 Server Externer Router DMZ Packet Filter Backbone Internes Netzwerk A Internes Netzwerk B Abbildung 6: Kopplung interner Zonen über Backbone

11 4 VARIANTEN 11 verschlüsselt unverschlüsselt Packet Filter Internes Netzwerk Abbildung 7: Firewall und Virtual Private Network 4.6 Virtual Private Network Ein VPN hat die Aufgabe, Partner durch Einrichtung eines gesicherten d.h. verschlüsselten Kanals über ein an sich unsicheres Medium wie z.b. das zu verbinden. Das unsichere Medium beginnt meist gleich hinter der Firewall. Daher liegt es nahe, Features für VPN gleich in die Firewall-Implementierung einzubauen. Auch hier verweisen wir auf die Informationen diverser Hersteller (Abb. 7). 4.7 Virus-Erkennung Umfassende Virus-Erkennung übersteigt die Leistungsfähigkeit derzeitiger Firewalls. Allerdings kann eine Firewall mit einer auf einem gesonderten Host installierten Erkennungs-Software für Viren kooperieren. Geeignete Software kennt neben gängigen Virenmustern auch vielfältige Arten der Komprimierung und applikationsabhängige Spezifika wie z.b. die Kodierung von Word-Macros. Die Firewall delegiert dann die Prüfung auf Viren an den externen Viren-Checker und berücksichtigt dessen Aussage (vgl. Abb. 8 auf der nächsten Seite).

12 5 PERSONAL FIREWALLS 12 Virus Checker Externer Router DMZ Packet Filter Internes Netzwerk Abbildung 8: Firewall und Viren-Scanner 4.8 Falsche Lösungen Einige Kardinalfehler beim Entwurf von Firewall-Lösungen bewirken ein Versagen der Schutzmechanismen. Dazu gehören der Bypass durch intern installierte Modems und auch das Einrichten eines internen RAS-Servers für gute Kunden (Abb. 9 auf der nächsten Seite und 10 auf der nächsten Seite). 5 Personal Firewalls Dieser kleine Bruder ausgewachsener Firewalls zielt auf den typischen Heimanwender ab, der einen einzigen Computer über eine Wählleitung, Kabelmodem o.ä. an das anbindet. Ein eigener Host für die Firewall ist in solchen Fällen oft übertrieben. Eine Personal Firewall wird direkt auf dem angebundenen Host installiert und überwacht dort am Netzwerkinterface ein- und ausgehende Pakete. Sie fällt damit unter Host Security. Gängige Personal Firewalls arbeiten mit Packet Filter und Stateful Inspection.

13 5 PERSONAL FIREWALLS 13 Server Ext. Router DMZ Modem Packet Filter Internes Netzwerk Abbildung 9: FALSCH: Firewall mit internem Modem Ext. Router Ext. Router Firewall Partner Firma Unser Netz Int. Router RAS Server Dial Up mit Callback Abbildung 10: FALSCH: Firewall mit Hintertür durch RAS-Verbindung

14 6 WEITERFÜHRENDE LEKTÜRE 14 6 Weiterführende Lektüre Die beiden Klassiker zum Thema Firewalls sind Cheswick & Bellovin [1994] mit einer guten und umfassenden Einführung in die Thematik bzw. Chapman & Zwicky [1995] mit mehr technischen Details für die Implementierung. Informationen über aktuelle Trends findet man in diversen Quellen am WEB, besonders bei den Seiten namhafter Hersteller von Firewall-Lösungen (vgl. dazu die Links im Foliensatz).

15 LITERATUR 15 Literatur Chapman, D. B. & Zwicky, E. D., [1995]: Building Firewalls, O Reilly. Cheswick, W. R. & Bellovin, S. M., [1994]: Firewalls and Security: repelling the wily hacker, Addison Wesely.

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