Hinter den Kulissen. Flughafen Zürich Von der Börse zur UZH Assessmentprüfungen Notenstatistiken

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1 E DI T OR IA L Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsinformatik an der Universität Zürich Nr. 117 Frühjahrssemester 2011 news Zeitschrift des Fachvereins Oekonomie mit Oec Alumni News Flughafen Zürich Von der Börse zur UZH Assessmentprüfungen Notenstatistiken Hinter den Kulissen

2 Bereit für neue Wege? creatives.com Nordafrika Bestimmung einer neuen Landwirtschaftsstrategie für ein Entwicklungsland. Herausforderungen gab es viele, sowohl in wirtschaftlicher, sozialer, ökologischer als auch in politischer Hinsicht. McKinsey hat Lösungen erarbeitet, die das Wachstum der Landwirtschaft dank Produkten sichern, für die eine grosse Nachfrage besteht und die hohe Gewinne einbringen. Ausserdem wurden lokale Initiativen für den Kampf gegen die Armut in ländlichen Gegenden ins Leben gerufen. Schliessen Sie sich uns an.

3 EDITORIAL Liebe Leserinnen und Leser Wie oft laufen wir, gestresst von Studium, Job und Familie, durch unsere Welt und müssen feststellen, dass wir die Geschehnisse rundherum gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Deshalb haben wir für diese Ausgabe der OecNews die Zeit einmal angehalten und einen Blick hinter die Kulissen der Welt um uns herum geworfen. Wir widmen uns im Fokus-Teil den Hintergrundberichten zum Flughafen Zürich, zur Organisation der Assessmentprüfungen, sowie der meist darauf folgenden Party. Im Interview gewährt uns ausserdem Richard T. Meier einen Einblick in sein Leben als ehemaliger CEO der Schweizer Börse. Auch in unserem Job-Bereich liefern wir Hintergrundinformationen zu den Karriereangeboten an der UZH sowie zum Leben eines Jungunternehmers im Interview mit Guglielmo S. Brentel. Im Bereich Studium erfahrt ihr, wie man eigentlich Professor wird und was sich an der UZH in Sachen Mobilität alles bewegt. Unter Varia nehmen wir das Thema Elektromobilität genauer unter die Lupe, stellen zwei Gadgets vor und machen uns Gedanken zum Thema Gemeinschaft und Kultur an der UZH. Da wir auch an den Gedanken und Meinungen unserer Leser interessiert sind, freuen wir uns über jeden Kommentar und Leserbrief, zum Beispiel auf Wir wünschen viel Spass beim Lesen und Entdecken der spannenden Welten hinter den bekannten Fassaden. Herzliche Grüsse, die Redaktionsleitung Inhaltsverzeichnis Fokus: hinter den Kulissen Auf dem Boden geblieben 4 Von der Börse an die Uni Zürich 8 How to: Party 12 Massenprüfungen im Assessment 14 Job Was macht die HSG besser? 16 Junge Talente, grosse Träume 18 Sprungbrett in die Berufswelt 21 Reveal yourself! 23 Studium Wie wird man eigentlich Professor? 24 Mobilität an der UZH 27 Goldener Schwamm 30 Notenstatistiken Assessmentprüfungen 32 OecAktuell 33 OEC ALUMNI UZH Neu dabei: CUREMalumni 35 Ein geglückter Start für F. Föllmi 36 OEC ALUMNI UZH auf facebook 37 Agenda OEC ALUMNI UZH Zukunftsmarkt Alternative Investments 38 Varia Unter Strom 40 Gadgets zum Dritten 43 Wir sind UZH 46 impressum 46 Aaron Fuchs Katharina Schwarzinger news 3

4 FOKUS FOKUS Auf dem Boden geblieben Ein Blick hinter die Kulissen von Swissport am Flughafen Zürich. Von Katharina Schwarzinger 4 news

5 FOKUS Vielleicht liegt es daran, dass ich noch nicht viel geflogen bin. Vielleicht liegt es aber auch einfach an der Faszination eines uralten Menschheitstraums: fliegen zu können. Auf jeden Fall fand ich Flughäfen schon als kleines Kind wahnsinnig spannend und es fasziniert mich auch heute noch, dass sich von ihnen tagein, tagaus tonnenschwere Konstrukte aus Metall, Kabeln und Kerosin scheinbar mühelos in die Lüfte erheben. So gerne ich auch fliege, ich bin für euch auf dem Boden geblieben und habe mir im Rahmen einer Führung bisher unbekannte Orte und Abläufe am Flughafen Zürich einmal genauer angeschaut. Konkurrenzfähige Schweiz Ich gebe es zu: Ich hätte nicht erwartet, dass wir während der zweistündigen Betriebsbesichtigung von Swissport Zürich so viel Neues und auch Unerwartetes erfahren würden. Dies beginnt bereits bei Swissport selbst. Während die meisten von euch noch sehr gut wissen, wer die Swissair bzw. heutige Swiss ist, wissen wahrscheinlich die Wenigsten, dass es Swissport als ehemaliger Teil der Swissair Group seit dem Grounding zum weltweit führenden Anbieter von Ground Services, zu denen die Passagier- und Gepäckabfertigung gehören, geschafft hat. So hat Swissport auch am Flughafen Zürich quasi eine Monopolstellung, da sie für ganze 80% der Abfertigung zuständig ist. Doch auch in der Abfertigung werden die Zeiten nicht einfacher und so muss sich Swissport weiterhin um die Gunst der Airlines und deren Aufträge bemühen und sich gegen Konkurrenten durchsetzen, welche durch niedrigere Preise ihren Marktanteil erhöhen wollen. Auch am Flughafen sind Konkurrenz und Wettbewerb allgegenwärtig. So konkurriert beispielsweise der Flughafen Zürich mit anderen Flughäfen in Europa um Transit-Passagiere. Besonders Business- und First Class-Passagieren muss daher enorm viel geboten werden, um diese dazu zu bewegen, ihren Flug von Asien nach Amerika über Zürich und nicht etwa über Frankfurt zu buchen. Laut unserem Besichtigungsleiter hat der Flughafen Zürich mit etwa 45 Minuten die kürzesten Umsteigzeiten. Ein wichtiger Wettbewerbsfaktor sind allerdings auch die Business- bzw. First Class Lounges. Da muss man heute schon mehr bieten können als den schon als Standard angesehenen Exklusivstatus, feinsten Champagner oder Dusch- und Schlafmöglichkeiten. Wenn man bedenkt, dass First Class-Passagiere gerne einmal das 20-fache der Economy Class für einen Flug bezahlen (wie zum Beispiel CHF von Zürich nach Tokio), dann darf man das wohl auch erwarten. Was Zürich hier unter anderem zu bieten hat, ist die längste Loungebar der Welt. Dass Travel Retail, also die ganze Duty Free Zone, ein enorm lukratives Geschäft für Unternehmen ist, weiss ich schon von meinem Praktikum bei einem weltweit tätigen Kosmetikkonzern. Was ich allerdings nicht wusste, ist, dass im Flughafen Zürich eines der grössten Einkaufszentren der Schweiz liegt und dass Unternehmen hier gerne einmal Ladenpreise auf dem Niveau der Bahnhofstrasse bezahlen Koffer pro Stunde Duty Free-Shops und Lounges sind allerdings weder etwas wirklich Neues noch das Spannendste am Flughafen Zürich. Deshalb freute ich mich besonders auf den darauf folgenden Teil der Besichtigung, wo wir erstmals einen Blick in die unbekannten und ansonsten für Normalsterbliche wie uns verbotenen Bereiche werfen durften. Das Schöne am Fliegen ist ja, dass man sein Gepäck am Check-In-Schalter abgeben kann und sich dann keine Gedanken mehr darüber machen muss, wie es von da zum Flugzeug kommt. Erstaunlich war es dann zu sehen, dass dieser ganze Vorgang um einiges effizienter und vor allem schneller abläuft, als ich es mir vorgestellt hatte. Ein Gepäckstück legt vom Check-In bis zum am weitesten entfernten Punkt (in Zürich das Gate E) eine Strecke von drei bis vier Kilometern in gerade einmal 20 Minuten zurück. Ermöglicht wird dies durch ein riesiges, vollautomatisiertes, ausgeklügeltes Sortier- und Beförderungssystem im Untergrund des Flughafengeländes. So rasen die Gepäckstücke mit 10 m/s durch ein Tunnelsystem zu den Verteilerzentren und Gates und werden unterwegs ständig von zigtausenden Sensoren erfasst. Der Technik sei Dank können somit über 99% abgedeckt und «So rasen die Gepäckstücke mit 10 m/s durch ein Tunnelsystem zu den Verteilerzentren und Gates.» die Etikette eines Gepäckstücks in fast jeder Position gelesen werden. Die ganze Gepäckabfertigungsmaschinerie hat eine Kapazität von Stück pro Stunde, was umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt, dass sämtliche Gepäckstücke teilweise mehrmals durchleuchtet und auf gefährliche Gegenstände untersucht werden. Die witzigste Geschichte des Tages möchte ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten: Bei der Kontrolle wurde einem Kanadier vor seinem Flug in die Heimat eine Motorsäge inklusive Benzinfüllung abgenommen. Der Mann versicherte, dass sein Sohn diese in einigen Tagen abholen werde. Dumm nur, dass sein Sohn diese paar Tage später ebenfalls seinen Flug nach Kanada antreten wollte mitsamt derselben, immer noch mit Benzin gefüllten Motorsäge im Gepäck. Nun ja, seitdem ziert eine Motorsäge einen Vitrinenschrank am Flughafen Zürich. Natürlich bietet der Flughafen Zürich auch bei der Abfertigung seinen First Class-Kunden zusätzliche Services: Das First Class-Gepäck wird immer als erstes ausgeladen und möglichst schnell zur Gepäckausgabe befördert, First Class-Passagiere haben ihre eigenen Security Checkpoints und werden mit den neusten Modellen aus dem Hause Mercedes-Benz oder Porsche über das Flughafengelände chauffiert. news 5

6 FOKUS Maschinenpistolen und Kameras Sicherheit wird am Flughafen grossgeschrieben und das nicht erst seit den Terroranschlägen der jüngsten Zeit. So wird praktisch jeder noch so kleine Winkel per Kamera überwacht, Beamte der Flughafenpolizei patrouillieren mit Maschinenpistolen im öffentlichen und nichtöffentlichen Bereich, der Zutritt zu Sicherheitszonen erfordert für sämtliche Angestellte eine Authentifizierung, ohne Security Check betritt kein Passagier oder Angestellter den Sicherheitsbereich und auch das Gepäck durchläuft mehrere Sicherheitsstufen. Auch unser Besichtigungsleiter musste jedes Mal, wenn er uns durch eine Sicherheitstüre geführt hatte, stehen bleiben und sich mit eigenen Augen vergewissern, dass die Türe sich wieder schliesst und sie niemand sonst passiert. Bei Nichteinhalten dieses Vorgehens drohen den Angestellten des Flughafens empfindliche Strafen und Suspendierungen. Moderne Informationstechnologie ermöglicht am Flughafen Zürich, dass sämtliche Gepäckstücke, bevor sie in die Transportcontainer und zum Flugzeug kommen, mithilfe von Scannern darauf abgeglichen werden, ob auch der dazugehörige Passagier bereits abgefertigt wurde. Dies verhindert nicht nur, dass Gepäckstücke ohne Besitzer im Flugzeug landen, sondern spart so auch enorme Kosten und Zeit, wenn zum Beispiel die persönliche Identifizierung von Gepäckstücken durch die Passagiere entfällt. So viel schneller der Transport des Gepäcks und der Passagiere in den letzen Jahren auch wurde, umso mehr Zeit nimmt heute die Sicherheit in Anspruch. Totale Routine Nachdem wir also gecheckt, gescannt und unser Gruppenleiter authentifiziert wurde, durften wir zum zumindest für mich eindrücklichsten Teil übergehen: Das Besichtigen des Docks. Ich werde nie vergessen, wie dieser riesige Airbus nach der Landung ans Dock und geradewegs auf uns zu rollte! Worauf hier am Dock neben der Sicherheit besonders Wert gelegt wird, ist Energie und vor allem Kerosin zu sparen sowie das Flugzeug und seine Materialien zu schonen. So werden möglichst schnell Stopper vor die Räder gelegt, um die Bremsen nach der ohnehin starken Beanspruchung bei der Landung zu entlasten, sowie erdbezogener Strom an das Flugzeug angeschlossen, um die Triebwerke möglichst schnell abschalten zu können. Was dann folgte, erinnerte mich an einen Film in doppelter Geschwindigkeit: In gerade mal 15 Minuten leerte eine Handvoll Mitarbeiter das vollgeladene Langstreckenflugzeug komplett. Routiniert und anscheinend genau nach Plan wurden Gepäck und «In 15 Minuten leeren Mitarbeiter das vollgeladene Langstreckenflugzeug.» Unter dem Flughafen führt ein vierspuriger Strassentunnel zu den Docks. Fracht ausgeladen und wegtransportiert, Räder und Triebwerke inspiziert und das Flugzeug mit Litern pro Minute (!) betankt. Wir erhielten freundlicherweise die Gelegenheit, das Flugzeug noch vor der Reinigung zu besichtigen. Was soll ich sagen? Mir sind vor allem die folgenden Dinge aufgefallen: Ich kann im Laderaum gerade noch aufrecht stehen, so ein Cockpit ist um einiges kleiner als ich es mir vorgestellt hatte und First Class-Passagiere bezahlen nicht nur am meisten für den Flug und bekommen das beste Board-Menü serviert, sie hinterlassen auch den grössten Saustall. Wie uns unser Besichtigungsleiter erklärt hat, wird so ein Langstreckenflug einen ganzen Tag im Voraus geplant: Die Menge des Treibstoffes, die erwartete Wetterlage, die Anzahl der Passagiere und damit verbunden die Gepäckstücke, dementsprechend der verbleibende Laderaum für Luftfracht sowie die Anordnung der Ladung, damit das Flugzeug möglichst waagerecht in der Luft liegt und das First Class-Gepäck als erstes ausgeladen werden kann. Es muss nicht erwähnt werden, dass auch hier modernste IT, wie zum Beispiel Yield Management-Systeme, praktisch sämtliche Berechnungen vornehmen. Anstatt im schön geheizten Flugzeug sitzen zu bleiben und den Rückflug nach São Paulo zu nehmen, haben wir uns wieder in die klirrende Kälte begeben, wo die Luft über dem Triebwerk immer noch vor Hitze flimmerte. Die Mitarbeiter auf dem Rollfeld scheinen bereits völlig immun gegen die Verlockungen der weiten Ferne geworden zu sein. Und auch auf meine Frage, ob man beim Arbeiten am Flughafen nicht ständig Lust auf Urlaub habe, meinte unser Leiter nur: «Ich bin in meinem Leben schon genug geflogen». Vielleicht ist diese ganz eigene Welt rund ums Fliegen mit der Zeit wirklich nichts Besonderes mehr und darum bin ich froh, dass ich für einmal hinter die Kulissen blicken durfte und mich beim nächsten Mal wieder als ganz normaler Passagier getrost und ohne weitere Sorgen in den Flieger setzen und den Blick auf die winzige Welt unter mir geniessen kann. 6 news

7 EDITORIAL Zufriedenheit aus der eigenen Leistung ziehen. Ein ganz normaler Arbeitstag für High Performer Accenture. All rights reserved. Entscheiden Sie sich für eine Karriere bei Accenture, wo viel fältige Chancen und Herausforderungen auf Sie warten und Sie wirklich etwas bewegen können Tag für Tag. Wo Sie die Möglichkeit haben, Ihr Potenzial zu entfalten und sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln, Seite an Seite mit talentierten Kollegen. Wo Sie unseren einzigartigen Erfahrungsschatz nutzen können, um unsere globalen Kunden auf ihrem Weg zu High Performance zu unterstützen. Trifft das Ihre Vorstellung von einem ganz normalen Arbeitstag? Dann sind Sie bei Accenture richtig. entdecke-accenture.ch news 7

8 FOKUS Von der Börse an die Uni Zürich Richard T. Meier empfängt uns in seinem sonnigen Büro mit Balkon im dritten Stock des Instituts für Banking und Finance. Von einem Mann, der 20 Jahre CEO der Zürcher Börse war, stellt man sich vor, dass er hastig, nervös und immer auf dem Sprung ist. Doch Richard T. Meier überrascht geradezu durch seine ruhige, bedachte und humorvolle Art. Von René Hegglin und Luca Hufschmid Herr Meier, Sie sind nun seit etwas mehr als vier Jahren im Ruhestand und beschäftigen sich dennoch als «Research Associate» am Institut für Banking und Finance. Warum arbeiten Sie gleichwohl weiter? Ich habe immer ein wenig davon geträumt, einmal als Privatgelehrter an der Universität herumzuwandern. Vor fast 40 Jahren hatte ich dazu keine Zeit. Ich habe damals noch bei Prof. Kilgus (Anm. d. Red.: Ernst Kilgus war Gründungsdirektor des IBF) doktoriert, hatte damals eine Anstellung bei der Telekurs und habe dort auch meine Dissertation geschrieben. Dass ich heute wieder beim Institut gelandet bin, liegt daran, dass ich aufgrund meiner Arbeit bei der Schweizer Börse fast alle Professoren des Instituts kannte. Prof. Hens habe ich geschäftlich gut gekannt und als er hörte, dass ich an der Börse aufhören werde, hat es sich dann so ergeben, dass ich nun einen eigenen Schreibtisch mit Stuhl habe. (schmunzelt) Was sind Ihre Aufgaben hier an der Universität und insbesondere am Institut für Banking und Finance? Vorab: Ich bin hier nicht angestellt. Ich kann machen, was mir Spass bereitet. So gebe ich beispielsweise eine Vorlesung auf Masterstufe. Ferner werden bei mir gelegentlich Bachelor- oder Masterarbeiten geschrieben, immer mit einem geschichtlichen Thema. Im Institut figuriere ich als Taktgeber für den Instituts-Newsletter und am Lehrstuhl habe ich die Aufgabe übernommen, den jährlichen Lehrstuhl-Ausflug zu organisieren. Das mache ich besonders gerne, umso mehr als die meisten Lehrstuhlmitglieder nicht Schweizer sind und unser schönes Land deshalb nicht so gut kennen. Sie erwähnten Ihre Vorlesung «Geschichte des Finanzplatzes Schweiz». Dies ist wir haben nachgerechnet die populärste Wahlveranstaltung auf Masterniveau. Warum ist diese Veranstaltung so beliebt? Ich denke, es gibt zwei gute Gründe dafür. Einerseits ist es ein grosses Bedürfnis der Studierenden, auch irgendetwas zu hören, das «straight-forward» mit der Praxis zu tun hat. Vieles von dem, was ich behandle, ist nicht etwa Urgeschichte, sondern sind Entwicklungen der letzten 30 bis 40 Jahre und hat viel mit dem heutigen Leben zu tun. Andererseits dürfte es attraktiv sein, dass man in diesem Kurs auch ohne Mathematik gut an ECTS-Punkte kommt. In Ihrer Dissertation schrieben Sie über die «Organisation und Automation der Effektenbörse»; an der Börse wächst der Anteil Computer-Trader. Gibt es denn noch etwas, das nicht automatisiert ist? Es ist schon lange so, dass Vieles automatisiert ist und wir abhängig sind von der Technologie. Beim Ringhandel waren Computerdienste zentral für die Händler. Schon in den 1980er Jahren musste man den Handel abbrechen, wenn die elektronischen Informationsdienste nicht funktionierten. Die Automatisierung hat von Jahr zu Jahr 8 news

9 FOKUS «Ich war noch nie ein grosser Karriereplaner und habe die Dinge einfach auf mich zukommen lassen.» Richard T. Meier im Interview news 9

10 STELL dir vor Du arbeitest nicht für ein Unternehmen. Sondern für viele. Bernard hat sich für eine Karriere bei KPMG entschieden. In den Projekten, an denen er mitarbeitet, blickt er hinter die Kulissen verschiedener börsenkotierter Unternehmen. Und arbeitet in einem Umfeld, das ihn inspiriert fachlich und menschlich. Inspiring careers for inspiring people. 10 news 2011 KPMG Holding AG/SA, a Swiss corporation, is a subsidiary of KPMG Europe LLP and a member of the KPMG network of independent firms affiliated with KPMG Inter national Cooperative («KPMG International»), a Swiss legal entity. All rights reserved. Printed in Switzerland. The KPMG name, logo and «cutting through complexity» are registered trademarks or trademarks of KPMG International.

11 FOKUS zugenommen, dennoch gibt es weiterhin Situationen, bei denen menschliche Entscheidungen unabdingbar sind. Braucht es denn überhaupt noch Ökonomen? Können diese Aufgaben nicht ebenso gut von Mathematikern erledigt werden? Um Himmels Willen: Nein! Ich finde, dass wir heute zu sehr auf mathematisches Know-how fixiert sind. Mathematische Methoden sind zweifellos sehr hilfreich, aber die Fragestellungen und die Randbedingungen der Analyse müssen mit praktisch-ökonomischem Sachverstand formuliert werden. Dies hat sich gerade in den letzten Jahren wieder gezeigt. Wie sind Sie an die Börse gelangt und wie kam es, dass Sie schliesslich Chef der Börse wurden? Ich war noch nie ein grosser Karriereplaner und habe die Dinge einfach auf mich zukommen lassen. Bei der Telekurs war ich, im damals einzigen Büro, neben meinem Chef und drei Kollegen der fünfte Mitarbeiter. Heute hat dieses Unternehmen ein paar tausend Angestellte. Seinerzeit hatte die Telekurs den Auftrag, zu untersuchen, ob man den Handel an der Börse automatisieren könnte, was sich schliesslich auch als Inhalt für meine Dissertation anbot. 1978/79 ergab es sich, dass ich zum damals jüngsten europäischen Börsen-CEO wurde. Die «Heute kann man an der Börse arbeiten, ohne je einen Börsenhändler anzutreffen.» grosse Faszination dieser Aufgabe war für mich immer die optimale Organisation eines Marktes. Sie waren rund 33 Jahre an der Börse. Was war in dieser Zeit die einschneidenste Veränderung? Es war sicherlich die Zusammenlegung aller Schweizer Börsen in eine einzige elektronische Börse und damit auch die beinahe komplette Automatisierung wurden die Ringe geschlossen und die Börse ist dadurch auch eine ganz andere Institution geworden. Zu meiner Zeit waren es noch die Ringhändler, welche die wichtigsten Personen waren und die Börse ausmachten. Heute kann man an der Börse arbeiten, ohne je einen Börsenhändler anzutreffen. Gab es auch früher schon Studierende, die an der Börse gearbeitet haben? Ja, allerdings. Ein wunderbarer Job, den es heute leider nicht mehr gibt, von welchem aber viele noch heute schwärmen, war der Kursreporter fürs Börsenfernsehen. Im Ring sassen in der Mitte jeweils der Börsenkommissar (Aufsicht), der Börsenschreiber (Leitung des Handels) und dazu noch der Kursreporter. Dieser rapportierte alle Kurse per Mikrofon in ein kleines Kabäuschen. Dort notierte ein anderer Student die Kurse von Hand auf ein Kursblatt. Dieses wurde mit einer Kamera aufgenommen und dann an alle Abonnenten verbreitet. Das Börsenfernsehen war in den 60er Jahren übrigens das erste Privatfernsehen der Schweiz. Der Job als Kursreporter im Ring war ein echter Stress und da man dies nicht länger als zwei Stunden am Stück machen konnte, hat man dazu Studenten eingesetzt. Für diese war es eine tolle Sache in einem faszinierenden Umfeld und mit einem Traumsalär für damalige Verhältnisse. Allerdings gingen sie nach zwei Stunden rapportieren wohl noch «vernudelter» zurück an die Universität als nach einer doppelstündigen Vorlesung. (lacht) Kürzlich erfuhr die Finanzwelt von den Fusionsplänen der Deutschen Börse mit der NYSE. Wie wird diese Fusion den internationalen Finanzplatz beeinflussen? Für mich ist das eine ausserordentlich faszinierende Entwicklung. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die deutschen Börsen ziemlich provinzielle Institutionen ohne internationale Ausstrahlung. Was passierte dann? Die Deutschen kauften von den Schweizern das elektronische System für die Eurex, «Ich finde, dass wir heute zu sehr auf mathematisches Know-how fixiert sind.» die Deutsche Börse wurde von zwei Schweizer CEOs geführt und nun fusionieren sie international zur grössten Börse der Welt. Es ist ein wenig wie im Märchen aus Tausendundeine Nacht. Nur hat es eine Kehrseite; man weiss nicht so recht, ob der Prinz und die Prinzessin (beide fast 100 Jahre alt) kurz vor dem Ableben sind und die Hochzeit noch sinnvoll ist. Es ist fraglich, ob Börsen dieser Art noch eine Zukunft haben. Womöglich handeln wir in einigen Jahren nur noch übers Internet. Meine Kollegen von damals würden sowieso sagen, dass die eigentliche Börse so nicht mehr existiert. Sie sind Co-Autor des Buches «Der Helvetische Big Bang». Empfehlen Sie Studierenden dieses Buch? Ich möchte nicht behaupten, dieses Buch sei für Studierende ein Muss. Wenn man sich allerdings für die Geschichte der Transformation der Schweizer Börse interessiert, wie eine ganze Industrie mit all ihren Organisationen und Regulierungen von manuell auf voll automatisiert überführt wurde und welche Emotionen dies mit sich brachte, dann kann ich das Buch empfehlen. Welche Erlebnisse der letzten 33 Jahre Börse bleiben Ihnen in besonderer Erinnerung? Die verrücktesten und denkwürdigsten Erlebnisse sind schon die jeweiligen Crashes, vor allem derjenige im Jahr Ein Crash am Ring mit den blassen Börsianern, welche schwitzen und zum Teil zittern. Das ist ein happiges Erlebnis, schlicht ein Drama «at its best». Mir bleiben aber auch schöne Momente in Erinnerung. Beispielsweise haben wir immer am letzten Arbeitstag eines Kollegen zur besten Börsenzeit, um 11 Uhr, den Handel abgeläutet und uns dann alle beim Ring versammelt, um uns vom Kollegen zu verabschieden. Im Sinne der Opportunitätskosten eine ausserordentlich teure menschliche Geste! Jetzt handeln Computer miteinander; aber die können ja nach dem Feierabend kein Bier mehr zusammen trinken gehen. news 11

12 FOKUS How to: Party Das gemeinsame Feiern nach den Prüfungen ist aus dem Studentenleben nicht mehr wegzudenken. Während wir den Beginn der Semesterferien feiern, spielt sich so einiges im Hintergrund ab. Hier ein kleiner Einblick. Von Nataliya Shybanova Das kunterbunte Studentenleben verläuft normalerweise in einem über mehrere Jahre hinweg wiederkehrenden Grundmuster, das einem volkswirtschaftlichen Konjunkturzyklus gleicht: Die mehr oder weniger regelmässigen Schwankungen der universitären Aktivitäten verlaufen in einem vom Leistungsaufwand abhängigen Auf-und-Ab-Takt. Prüfungsdaten, Abgabetermine von Seminararbeiten, Anwesenheitspflichten und Podcast-Verfügbarkeiten bestimmen das einer Sinuskurve gleichende Sozialleben eines an der Universität Zürich eingeschriebenen «Legi-Besitzers». Der «Aufschwung und die Hochkonjunktur» finden dabei meist zu Semesterbeginn statt und sorgen mit einem reichhaltigen Partyangebot für ein ausgiebiges Feiern. Es folgen «Rezession und Depression», die durch in Bibliotheken verbrachten Arbeitsschichten, zahlreichen schlaflosen Nächten und purem Prüfungsstress gekennzeichnet und darum für uns angesichts des Ausgangsbooms weniger von Interesse sind. Hängen wir aber unsere Rolle als Konsumenten von amüsierenden Dienstleistungen für einmal an den Haken und schauen uns die Wertschöpfungskette der sozialen Interaktion von Herstellerseite an. Partyveranstalter im Hintergrund Man sagt, die Stadt Zürich weist mit seinen 55 Clubs die grösste Clubdichte der Welt auf. Das Problem der Kleinstaatlichkeit ist unter diesen Umständen die enorm hohe Konkurrenz unter den Clubbesitzern, was eine Zusammenarbeit mit Fremdveranstaltern unumgänglich macht. Diese bringen ihr eigenes Stammpublikum und ihren Freundeskreis mit und streuen damit das Risiko. Sie kümmern sich ausserdem um die Location, legen den Stil der Veranstaltung fest, suchen die passende Musik und den DJ aus, nehmen Tischreservationen auf und betreiben den gesamten Werbeaufwand. Es sind also meistens diese Partyveranstalter, die hinter den Kulissen einer Fete stehen. Viele von ihnen sind Bankangestellte und darum auch mit den Prinzipien der Betriebswirtschaftslehre gut vertraut, andere kommen aus dem Gastgewerbe und betreiben eine laterale Integration als Diversifikationsstrategie oder sind ganz einfache Studierende mit einem sehr guten Netzwerk. Ob die Fete jedoch sitzt oder nicht, entscheiden viele andere strategische Erfolgsfaktoren. Erfolgsfaktoren im Partybusiness Am Anfang steht dabei immer eine Idee. Der Grund zu feiern soll einzigartig sein und sich von vielen anderen Angeboten unterscheiden, um das wählerische Zürcher Publikum anzulocken. Erst danach wird über das ungefähre Datum nachgedacht. Dabei gibt es strategische Fehlgriffe wie Weihnachten, Ferienwochen und das berühmte Januarloch. Die «schwarzen» Freitage lassen sich an den Konsumationszahlen ablesen; es ist schwierig, das Publikum nach einer harten Arbeitswoche in die Clubs zu locken. Viel beliebter sind hingegen Donnerstage, die keinen darauffolgenden Freitag in einer Arbeitswoche vorsehen oder Feiertage wie Ostern und Auffahrt, die den Partygästen eine lange sorgenfreie Nacht versprechen. Das junge Publikum streicht dabei öfters mal den letzten Freitag vor den Ferien aus seiner Agenda, um es wieder mal so richtig krachen zu lassen. Das Veranstaltungsdatum ist also entscheidend für die Bilanz, damit Soll und Haben nicht durcheinander kommen. Eine weitere Komponente für eine massgeschneiderte Fete ist ein ausserordentlich gutes Management. Im Voraus sollte man bereits einen in der Szene bekannten und erfahrenen DJ beauftragt haben und sich um die Tischreservationen kümmern, die einen wichtigen Umsatzanteil für den Club generieren. Nicht zu vergessen ist der rechtzeitige Start der Werbung. Sehr wichtig sind dabei die sozialen Netzwerke, aber auch der persönliche Kontakt mittels Club-Newsletter und ein zielgruppenspezifisches Flyern an den Universitäten und in den Schulen sind von Bedeutung. Die Rolle der Clubbesitzer Doch nicht nur die Fremdveranstalter ziehen im Hintergrund an den Fäden, damit das Volk zur späten Stunde sein Tanzbein schwingt. Auch die Clubbesitzer selbst veranstalten rauschende Feste und haben vielerlei Verpflichtungen. Schon lange davor entscheiden sie über das erwünschte Zielpublikum, das Eintrittsalter und den Musikstil. Ausserdem tragen sie die ganze finanzielle Verantwortung, haften für die Risiken, rechtfertigen sich vor der Feuerpolizei und leiten die gesamte Betriebsorganisation. Auch die Einlasspolitik wird von dem Clubbesitzer im Voraus 12 news

13 FOKUS definiert rein kommt nur, wer sich dem Stil des Clubs anpasst, aus der Masse sticht und einen positiven Gesamteindruck macht. Sehr wichtig ist die Frauenbegleitung, denn auch beim Vorhandensein einer Tischreservation muss eine Gruppe gemischt sein. Das Erkennungszeichen heisst Konsumfreudigkeit und jeder Gast wird von dem Türstehen nach deren Vorhandensein fürsorglich gescannt. Nebst der Einlasspolitik entscheidet zugleich die Gästeliste, wem ein Eintritt auf jeden Fall gewährt werden soll. Auch wenn einige Zürcher Clubs die Gästeliste zu ignorieren versuchen, ist diese nach wie vor von grosser Relevanz für jede Veranstaltung. Sie wird separat von Fremdveranstalter und Clubbesitzer zusammengestellt und steht entweder einen Tag oder ein paar Stunden vor Türöffnung bereit. Seit Kurzem wird dabei auf digitale Gästelisten vertraut, die mittels ipads ständig aktualisiert werden können. Dank sozialer Netzwerke kann man sich heute auch viel einfacher und spontaner auf die begehrenswerte Liste setzen lassen. Ein Party-Label hat allerdings auch viele fremde Gäste und da die Eintritte eine wichtige Einnahmequelle sind, sind alle Grosser Andrang an der Bar Kunden von Bedeutung. Wenn vor dem Event alle Tische verkauft worden sind und die Leute vor der Türöffnung schon Schlange stehen, darf sich der Homo onomicus durch den Partyveranstalter vertreten schon einmal vorfreuen. Sobald die St. Peter- Glocken 22 mal schlagen und die Zürcher Clubs langsam ihre «...die Stadt Zürich weist mit seinen 55 Clubs die grösste Clubdichte der Welt auf.» Türen öffnen, heisst es Stress pur für die Veranstalter und das Clubmanagement. Der DJ prüft den Ton und legt seine Musik auf. Das Türpersonal zählt jeden einzelnen Gast, um die Auflagen der Feuerpolizei nicht zu überschreiten und später die Einnahmen der Eingangsdame zu überprüfen. Barkeeper müssen schnell genug für volle Gläser sorgen, während die sogenannten «Runner» sich um die Tische kümmern, damit die Partygäste mit vielerlei Getränken und frischen Gläsern ausgestattet sind es dürfen kein Dreck und keine leeren Gläser zu sehen sein. Es sind Barpersonal und diese «Runner», von denen die Konsumation der Gäste und damit das grösste Einnahmepotential der Veranstaltung generiert werden. Eine hohe Besucherzahl hebt die Stimmung und sorgt für gute Laune. Der Night-Manager beobachtet die Clubmitarbeiter, während der Veranstalter seine Klientel im Auge behält und für dessen Zufriedenheit sorgt. Da es aber keine Party ohne Zwischenfälle gibt, hat der Sicherheitsdienst wohl die schwierigste Aufgabe. Die Anzahl der Leute im Einsatz hängt dabei von der Grösse des Clubs ab und normalerweise sind es mindestens drei Spezialisten, die durch Handfunkgeräte miteinander verbunden sind, den Club und den Eingang beobachten und bis zum Ende der Veranstaltung auf Alarmstufe rot bleiben, um selbst den anspruchsvollsten Gästen gerecht zu werden. All dies kostet viel Zeit und da Zeit bekanntlich Geld ist, sind beide Seiten an den Gesamterlösen beteiligt. Im besten Fall kriegt der Veranstalter einen Prozentsatz an den Einnahmen der Eintrittskasse, Garderobe und Gesamtkonsumation, während das Clubmanagement den Rest einbehält. Ist man kein professioneller Event-Manager und betreibt man seine Partys ohne Sponsoring, ist es schwierig, damit auszukommen. Es ist nicht überraschend, dass gerade Studenten im Event-Gewässer ein gutes Händchen zu haben scheinen. Dank guten Netzwerken und neuen Ideen bringen sie alle notwendigen Voraussetzungen mit. Angesichts des Frühlings und der kommenden Osterferien wird es wohl auch für uns Studierende wieder ein vielfältiges Angebot auf dem Markt der Feierlichkeiten geben. Achtung, fertig, Party heisst es also, wenn die Fete perfekt sitzen soll. news 13

14 FOKUS Massenprüfungen im Assessment Die Assessmentprüfungen aus Sicht der Organisatoren Von Florian Eugster und René Hegglin So viele Prüflinge absolvierten im Herbstsemester 2010 die Prüfung Financial Accounting. Die Durchführung solcher Massenprüfungen fordert den Organisatoren logistisch, technisch und personell alles ab. Seit dem Frühjahrssemester 2009 schreiben die Studierenden der Assessmentstufe der WWF und der RWF ihre Semesterendprüfungen in der Messehalle Oerlikon. Mögliche Gründe sind verschiedene anzuführen: die prekären Platzbedingungen in den gegebenen Hörsälen im Uni Zentrum, Effizienzgewinne, Kosteneinsparungen und vor allem faire (das heisst identische) Bedingungen für alle Teilnehmenden. Fairness in Oerlikon Von Seiten der Prüfungsorganisatoren ist es definitiv ein Gewinn, die Prüfungen in der Messehalle abhalten zu können. So müssen nicht mehr so viele Hörsäle organisiert und betreut werden (früher waren die Prüfungen auf bis zu 15 Hörsäle verteilt), es braucht weniger Aufsichtspersonal, die Umgebung erlaubt eine schnellere Einlasskontrolle und durch die Bestuhlung und die Prüfungsboxen erleichtert sich die Aufsicht. Zudem werden alle Prüflinge exakt gleich behandelt. Alle befinden sich in der gleichen Umgebung und erhalten zur selben Zeit die identischen Informationen. Im vergangenen Herbstsemester wurden insgesamt Prüfungsbögen in der Messehalle verteilt. Umgerechnet entspricht dies ECTS-Punkten, rund Blättern Papier, das wiederum rund einer Tonne Holz entstammt. Die Zusatzkosten für die Auslagerung der Prüfung nach Oerlikon sind schwierig zu beziffern, da die Raumkosten gewiss höher, die Abwicklungskosten durch Skalenerträge aber eher tiefer zu liegen kommen. «Das Auswerten einer einzelnen MC-Prüfung dauert (...) im Durchschnitt eine halbe Minute.» Die Massenprüfungen in Oerlikon machen fast die Hälfte aller Leistungsüberprüfungen der Bachelorstufe an der WWF aus. Gemäss Franziska Föllmi, Geschäftsführerin des Dekanats, wurden letztes Herbstsemester von den Studierenden, welche an unserer Fakultät Module belegen (das heisst inklusive Nebenfachstudierenden), insgesamt Leistungsüberprüfungen im Bachelorstudium und deren im Masterstudium erbracht. MC-Prüfungen - besser als ihr Ruf Die Verbreitung von Prüfungen mit MC-Fragen hat in den letzten Jahren, insbesondere in den tiefen Semestern des Bachelorstudiums, stetig zugenommen. Dies mag verschiedene Ursachen haben; einerseits verlangen hohe Erstsemestrigenzahlen eine Effizienzsteigerung bei der Durchführung und Auswertung, andererseits ermöglichen MC-Prüfungen eine fairere und objektivere Bewertung. Für Peter Lautenschlager, Geschäftsführer des Instituts für Banking und Finance (IBF, ehemals ISB), steht der qualitative Aspekt klar im Vordergrund: «MC-Fragen können sofern richtig gestellt die meisten Sachverhalte in Wissens- und Verständnisfragen genauso gut abbilden wie offene Textfragen, ermöglichen aber zusätzlich eine objektive und effiziente Korrektur ohne Ermessensspielraum.» Das IBF orientiert sich bei der Erstellung und Korrektur von MC-Prüfungen am Best-Practice- Beispiel der Staatsexamens-Prüfung der Mediziner. Mithilfe von Analysetools wie der Trennschärfenanalyse können standardisierte MC-Prüfungen auf ihre Reliabilität (diskriminiert die Prüfung effektiv zwischen guten wissenden und schlechten nicht-wissenden Studierenden) und Validität (testet eine Frage, was sie testen soll) überprüft werden. Über die Jahre ermöglicht dies bessere Inhaltsvermittlung, bessere Prüfungsfragen und letztlich die faire Beurteilung eines Prüflings. Korrektur im Sekundentakt Erfahrungswerte zeigen, dass das Erstellen einer MC-Prüfung im Vorfeld der Prüfung mehr Vorbereitungszeit benötigt als eine herkömmliche Prüfung mit offenen Textfragen. Demgegenüber kann eine MC-Prüfung im Nachgang aber umso schneller und exakter ausgewertet werden. Die Korrektur einer MC-Prüfung wird am IBF in aller Regel mit einem leistungsfähigen Dokumentenscanner und spezieller Software durchgeführt. Durch die maschinelle Auswertung ergibt sich ein signifikanter Geschwindigkeits- und Genauigkeitsgewinn gegenüber der ma- 14 news

15 FOKUS nuellen Auswertung. Das Auswerten einer einzelnen Prüfung dauert mit Kontrolle der handschriftlichen Korrekturen des Prüflings im Durchschnitt rund eine halbe Minute. Zur Sicherheit wird eine Prüfung immer zu zweit korrigiert. Mithilfe von manuellen Stichproben wird der Auswertungsprozess auf seine Korrektheit getestet. Ein interner Test ergab, dass die Genauigkeit der maschinellen Auswertung bei rund % liegt. Die Fehlerquote steigt jedoch mit jeder menschlichen Bruchstelle markant an. «...die Genauigkeit der maschinellen Auswertung liegt bei rund %...» Auf alle Fälle bleibt die Fehlerquote weit unter jener einer nicht-anonymen Prüfungsauswertung, die von (unweigerlich subjektiven) Menschen korrigiert wird. Kein Zuckerschlecken Die Prüfungen der Assessmentstufe zu bestehen ist nicht leicht, wie die Statistiken auf Seite 32 zeigen. Aus curricularer Sicht viel spannender ist jedoch nicht die einzelne Durchfallquote, sondern vielmehr die kollektive Bestehensrate. Wie viele Erstsemestrige beginnen das Wirtschaftsstudium? Wie viele bestehen die Assessmentstufe? Und wie viele holen sich in welcher Frist den Bachelor- und später den Masterabschluss? % (744) 34% (256) Die Abbildung unten zeigt, dass von den 744 Studierenden, welche im Herbstsemester 2008 ihr Studium an der WWF begonnen haben, nur rund die Hälfte die erste Hürde besteht. Rund ein Fünftel (21%) muss das Studium abbrechen, weil sie zu viele Fehlversuche (mehr als sechs) hatten, ein weiteres Fünftel (20%) hört freiwillig auf, weil sich bereits viele Fehlversuche (das heisst vier bis sechs) angehäuft haben und rund 8% hören freiwillig mit dem Studium auf, ohne durch Fehlversuche dazu gedrängt worden zu sein. Von den verbleibenden 379 Studierenden kann (noch) nicht genau beziffert werden, wie viele letztlich auch den Bachelorabschluss holen. Laut Franziska Föllmi ist die Abbruchwahrscheinlichkeit erfahrungsgemäss aber sehr gering, hat man einmal die Assessmentstufe bestanden. Wiederholungsprüfung als Studiumsabbruchbeschleuniger Was uns die Grafik vorenthält, ist, wie schnell die Studierenden die Assessmentstufe bestehen und vor allem wie gross der Anteil Studierender ist, welche die Assessmentstufe plangemäss innerhalb von zwei Semestern bestehen. Nach 15% (109) 16% (60) 40% (146) 44% (159) Ausschluss mit >6 Fehlversuchen Abbruch mit 4-6 Fehlversuchen Abbruch mit <4 Fehlversuchen Aufschlüsselung nach Anzahl Fehlversuchen bei Studiumsabbruch Einschätzung der Autoren bestehen nur rund 20% aller Assessmentstufen-Studierenden alle Prüfungen auf Anhieb. Die geschätzten restlichen 46% müssen somit die nicht-bestandenen Prüfungen im Folgejahr in einem One-Shot- Versuch wiederholen. Besteht man auch nur eine Prüfung beim zweiten Versuch noch immer nicht, ist man vom universitären Wirtschaftsstudium in der ganzen Schweiz fortan ausgeschlossen. Noch bis vor vier Jahren gab es Wiederholungsprüfungen, welche den Studierenden eine zweite Chance innerhalb eines halben Jahres ermöglichten. Dadurch erfolgte die Triage der geeigneten beziehungsweise ungeeigneten Studierenden, kurz die Trennung von Spreu und Weizen, für das Bachelorstudium wesentlich schneller. Studierende, die den Selektionsprozess nicht bestanden, konnten sich früher nach einem anderen Lebensweg umsehen. Leider wurden damals die fakultativen Wiederholungsprüfungen aufgrund mangelnder Nachfrage seitens der Studierenden abgeschafft. Womöglich könnte dieses Problem mit obligatorischen Wiederholungsprüfungen gelöst werden. Der akkumulierte Zeitverlust aller Studierenden, welche länger als nötig studieren, könnte nach These der Autoren dadurch reduziert werden. Gewiss würde die Organisation weiterer (Gross-)Prüfungen einen wie oben beschrieben beträchtlichen Mehraufwand bedeuten. Doch liesse sich dieser Aufwand durch den geschickten Einsatz von MC-Prüfungen ebenso oben beschrieben in einem überschaubaren Rahmen halten % (379) Info 0 Studiumsstart Semester 1-2 Semester 3-4 Bachelorstudium Die ausscheidenden Studierenden werden rot dargestellt, fast die Hälfte übersteht die Assessmentstufe demnach nicht. Beide Autoren sind Assistenten am Institut für Banking und Finance. Sämtliche Aussagen dieses Artikels widerspiegeln, sofern nicht explizit anders vermerkt, die Ansichten/Schätzungen der Autoren und nicht zwangsläufig die Ansichten der Universität Zürich oder des Instituts für Banking und Finance. news 15

16 JOB JOB Was macht die HSG besser? Ein häufig moniertes Defizit der UZH ist die fehlende Karriereförderung für die Studierenden seitens der Universität. Eine reine Gegenüberstellung der Angebote von HSG und UZH zeigt, dass die UZH in diesem Bereich tatsächlich noch hinterherzuhinken scheint. Doch ist die Karriereförderung an der UZH wirklich so schlecht wie ihr Ruf? Von Andreas Schwarzinger Habt ihr den Film «The Skulls» gesehen? Falls nicht, hier eine kurze Inhaltsangabe: Die Handlung spielt an einer Eliteuniversität, an der in einer noch elitäreren Verbindung sich Studierende und Söhne reicher Eltern gegenseitig dabei helfen, Studium und Karriere zu pushen. Dass die ganze Geschichte für den einen oder anderen Charakter im Film schlecht endet, ist klar. Wenn kein Blut fliesst, würde sich ja niemand den Streifen ansehen. Ansonsten gefällt mir aber der Gedanke einer Institution, die es ihren Mitgliedern und damit Studierenden erleichtert, an gute Jobs zu gelangen und sich auf die spätere Karriere vorzubereiten. Die Frage, die ich mir dabei kürzlich stellte, ist, ob es an der Universität Zürich und insbesondere im Umfeld der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ähnliche Institutionen und Möglichkeiten gibt. Die Beantwortung dieser Frage ist dabei ein wenig kompliziert, weshalb wir ihr einen eigenen Artikel in dieser Ausgabe der OecNews gewidmet haben. Die gute Nachricht ist, dass es tatsächlich solche Anlaufstellen an der Universität Zürich gibt. Die schlechte ist, dass man sie sich zusammensuchen muss, da es die Universität Zürich in dieser Beziehung konsequenterweise wie mit allem und nach dem Motto «helft euch bitte selbst, liebe Studierende» hält. Immerhin gibt es seit 2008 an der UZH die Abteilung Career Services, welche sich um die Karriere der Studierenden sorgt. Sie bietet Studierenden kostenlos Dienstleistungen wie zum Beispiel CV-Checks, persönliche Beratung, Ratgeber zur Standortbestimmung oder Karriereplanung sowie zusammen mit dem studentischen Verein Impact Zürich auch ein Mentoringprogramm an. Die Dienstleistungen werden laufend ausgebaut und neue Projekte mit studentischen Organisationen umgesetzt. Trotzdem kann man sagen, dass die Career Services unmöglich das ganze Nachfragespektrum abdecken können. Insbesondere, da vom Altgriechisch-Studenten bis zur BWL-Studentin alle bei den Career Services um Unterstützung ersuchen können. Von einer Spezialisierung kann also keine Rede sein. Ausserdem handelt es sich um eine öffentliche Stelle, wer also persönliche Kontakte zu Unternehmen sucht, ist hier sicherlich falsch. Um diese ersten Kontakte zu Firmenvertretern zu knüpfen, eignen sich hingegen die Brown Bag Lunches des Finance Clubs der Universität Zürich hervorragend. Der Finance Club lädt dabei zu seinen Lunches vor allem Unternehmen aus der Finanz-, Wirtschaftsprüfungs- und Consultingbranche ein und spricht somit hauptsächlich Studierende der Wirtschaftswissenschaften an. Studierende anderer Studiengänge werden 16 news

17 JOB aber natürlich nicht ausgeschlossen und vielleicht ist ja gerade die bewusste Ausrichtung auf diese attraktiven Arbeitgeber auch für Studierende mit anderen Schwerpunkten interessant. Eine grössere und vielseitigere Auswahl an Unternehmen bieten die jährlich stattfindenden Career Days von AIESEC, die auch Firmen ausserhalb der Finanzbranche zu einem grossen Event im Lichthof des Hauptgebäudes der UZH einlädt. Daneben gibt es auch die Möglichkeit, im Rahmen der Messe Unternehmen durch die Teilnahme an Workshops in persönlicherem Rahmen kennenzulernen. Auch LionsContact bietet jeweils spezifisch für Wirtschaftund Rechtsstudierende die Möglichkeit, verschiedene Unternehmen im Rahmen einer Messe kennenzulernen. Der Vorstellung einer Verbindung wie in «The Skulls» am nächsten kommt dabei vermutlich noch die vom Lehrstuhl für Organisation und Management von Prof. Seidl aufgebaute Champions League, über die wir in der OecNews schon berichtet haben. Studierende, die über entsprechende akademische Leistungen und viel wichtiger über ein Interesse an einer Karriere in der Unternehmensberatung oder akademischen Forschung verfügen, können sich dabei am Lehrstuhl für Organisation und Management bewerben und anschliessend vom Programm der Champions League profitieren, das von CV-Checks über Workshops zu Presentation Skills oder Slide Writing bis hin zu Networking Apéros alles enthält, was das Herz begehrt. In der grossen weiten Welt des Internets ist neben professionellen Kontaktnetzwerken wie XING oder LinkedIn erwähnenswert, dass die academics4business AG seit Beginn dieses Jahres den Karrierebereich des uniboard.ch betreut, was neben der Hilfe durch Kommilitonen auch professionelle Antworten auf Fragen zur Karriere verspricht. Daneben bietet a4b kostenlose Services für Studierende wie zum Beispiel Interviewvorbereitungen, Workshops, Mentoring oder Coaching im Bewerbungsprozess an. Das Internet kann nicht alles ersetzen; den persönlichen Kontakt, ein kräftiges, vertrauenserweckendes Händeschütteln oder den interessierten Blick, mit dem man seinem Gesprächspartner Engagement und Wissbegierde zeigt. Kontaktmessen, Jobbörsen oder Absolventenkongresse sind immer noch die beste Möglichkeit, um mit potentiellen Arbeitgebern in Kontakt zu treten, Unternehmen kennenzulernen, deren Kultur zumindest zu erahnen und ein gutes Bild von sich selbst zu vermitteln. Und was hat nun die gute alte HSG in St. Gallen zu bieten? In einem Satz: deutlich mehr! Dies hat weniger damit zu tun, dass die HSG der Vorstellung einer eingeschworenen, sektenähnlichen Gemeinschaft wie «The Skulls» wesentlich näher kommt, sondern vor allem mit der Tatsache, dass sich an der HSG die Universitätsleitung selbst stark für die Karriere ihrer Studierenden einsetzt. Das fängt damit an, dass bereits auf Universitätsebene Forschungsarbeiten in Kooperation mit Partnern aus der Praxis angeboten werden, Studierende für Unternehmen von der HSG vermittelte case studies anfertigen, Professoren sehr stark mit der Praxis verbunden sind und talentierte Studierende weiterempfehlen, die Universität Unternehmen sogar bewusst und aktiv Plätze für Präsentationen und Workshops vermittelt oder selbst ganze Karrieremessen wie zum Beispiel die HSG Talents Conference ausrichtet. Der entscheidende Unterschied zur UZH ist dabei, dass die HSG auf Universitätsebene und von sich aus diese Services anbietet, proaktiv auf Unternehmen zugeht und ihnen sogar Möglichkeiten eröffnet, sich direkt auf dem Campus den Studierenden vorzustellen. Beispiele? Auf Wunsch erhalten «Die HSG macht es ihren Studierenden leicht, auf potentielle Arbeitgeber zuzugehen...» Unternehmen Zugriff auf 1400 Absolventendossiers, so dass Arbeitgeber direkt auf potentielle Kandidaten zugehen können. Komplettiert wird das Ganze durch ein äusserst umfangreiches Angebot der Career Services der HSG. Die HSG macht es ihren Studierenden mit anderen Worten leicht, auf potentielle Arbeitgeber zuzugehen oder mit ihnen in Kontakt zu treten. Im Gegensatz dazu beruhen die meisten Angebote an der UZH auf studentischen Initiativen. Beide Alternativen bieten den Studierenden Vor- und Nachteile. Können sie an der UZH ihre eigenen Ideen und Projekte umsetzen und so auch gezielt auf ihre Bedürfnisse eingehen, werden sie an der HSG durch ein grosses und zentral koordiniertes Angebot unterstützt. Allerdings kann man der Uni Zürich nicht vorwerfen, dass sie nichts macht. Das Problem ist, dass sich die über Studierenden an der UZH als Volluniversität schneller verlaufen als die knapp HSGler, die sich alle auf die Studienrichtungen Wirtschaft, Recht und Sozialwissenschaften konzentrieren. So ist es nicht erstaunlich, dass nicht für alle Studierenden der UZH genügend Angebote vorhanden sind. Vielleicht müsste die Universität Zürich gerade deshalb die Karriereangebote verstärkt auf Fakultätsebene organisieren und vermehrt mit studentischen Initiativen und potentiellen Arbeitgebern zusammenarbeiten, um möglichst allen Fachrichtungen geeignete Unterstützung anbieten zu können. Nützliche Links Career Services: Champions League: Brown Bag Lunches des Finance Clubs: LionsContact Messe von LionsExchange: Career Days von AIESEC: Academics4business AG: Stellenbörsen an der UZH Arbeitsvermittlung der ZSUZ: Stellenbörse des IBF: Go4Talents: news 17

18 JOB Junge Talente, grosse Träume Guglielmo S. Brentel über seine eigene Firma, das Studium und die Filmbranche Von Katharina Schwarzinger 18 news

19 JOB Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns ein paar Fragen zu beantworten. Du hast dich mit deiner Produktionsfirma auf Kurzfilm-Produktionen spezialisiert, insbesondere für die Hotelbranche. Woher die Affinität zu dieser Branche? Die Affinität zur Hotellerie kommt aus dem familiären Background, beide Eltern sind Hoteliers. Ich bin also in der bringen, sei es Erfahrung oder Prestige, sind wir bereit, weniger zu verdienen. Es variiert wirklich von 0 bis 30 oder 40% der Auftragssumme. Die schwierigste Frage, die mir eigentlich jeder Kunde stellt ist: «Wie viel kostet so ein Film?». Man kann eigentlich für jedes Budget einen Film machen. Unter Franken wird es aber schon schwierig, einen guten Film zu produzieren. «Wir haben praktisch das ganze erste Jahr ohne Lohn gearbeitet...» Hotellerie aufgewachsen und weiss, wie das Business ungefähr aussieht. Ausserdem hat es auch bei mytalents mit einem Projekt für das Hotel Seedamm Plaza in Pfäffikon angefangen. Da haben wir bemerkt, dass in Hotels doch ein grosses Potenzial für Filme liegt. Was gehört alles zu einer Kurzfilm- Produktion und worauf muss man besonders achten? Vieles! Im Vordergrund liegt natürlich immer, was der Kunde überhaupt will. Uns ist es sehr wichtig, nicht einfach nichtssagende Werbung zu machen, sondern wir versuchen dem Kunden eine Werbung zu verkaufen, die auch eine Story beinhaltet, wo Unterhaltung ein wichtiger Aspekt ist. In der ersten Phase, der Pre-Production, wird die Story für und mit dem Kunden entwickelt und der Dreh organisiert. Danach, in der Production, sind die effektiven Dreharbeiten. Wenn man in einem Hotel dreht, muss man ganz speziell darauf achten, dass der Betrieb und die Gäste nicht gestört werden. In der dritten Phase, der Post-Production, wird der ganze Film geschnitten, die Musik gemacht, einfach alles was im Nachhinein anfällt. Ganz zum Schluss folgt die Auslieferung an den Kunden und die Publizierung. Wie hoch sind die Kosten für so eine Produktion und wie viel verdient ihr am Schluss daran? Das kommt ganz darauf an. Beispielsweise bei Sachen, die wir sehr gerne machen oder die uns einen Vorteil Circa 81% der neu gegründeten Unternehmen in der Schweiz überleben das erste Jahr, nach 5 Jahren bestehen nur noch etwa 49%. mytalents wurde 2008 ins Leben gerufen. Wie war die Startphase für euch: steinig oder einfacher als erwartet? Schon eher steinig, weil man, gerade wenn man als Junger so eine Produktionsfirma startet, zuerst beweisen muss, dass man wirklich etwas kann, dass man der Aufgabe gewachsen ist. Man bekommt zwar Aufträge, aber das richtige Geld dafür zu bekommen, das ist schwierig. Wir haben praktisch das ganze erste Jahr ohne Lohn gearbeitet und alles, was wir durch Projekte eingenommen haben, dafür verwendet, unsere Crew zu bezahlen und Equipment anzuschaffen. Denkst du, dass es in der Filmbranche schwieriger ist, sich einen Namen zu machen? Es ist eine schwierige Branche in dem Sinn, dass es eine kreative Branche ist. Die Meinungen gehen sehr weit auseinander. Das schwierigste ist generell, wirklich umzusetzen, was der Kunde will und sich vor seinem geistigen Auge vorstellt. Bei einem Kaffee zum Beispiel kann man, wenn er nicht schmeckt, einfach einen neuen machen. Einen ganzen Film neu zu drehen, da entstehen extrem hohe Kosten. Das heisst, man muss von Anfang an wirklich sehr genau fragen und wissen, was der Kunde will. Was sind deiner Meinung nach die news 19

20 JOB wichtigsten drei Dinge, die ein Jungunternehmer braucht, um erfolgreich zu sein? Leidenschaft, Ideen und Selbstvertrauen; das heisst, keine Angst etwas zu machen. Als Produktionsfirma, die sich auf Kurz-Werbefilme spezialisiert hat, unterstützt ihr eure Kunden bei ihrer Werbung und ihrem öffentlichen Auftritt. Wie bewerbt ihr euer eigenes Unternehmen? Noch viel zu schlecht [lacht]. Wir haben zum Beispiel noch keine eigenen Werbevideos. Wir hatten schlicht und einfach noch keine Zeit dafür. Unser Glück ist, dass wir bis jetzt ohne grosse Werbung oder Akquisitionsbemühungen genügend Aufträge haben. Durch Entwicklungen wie Social- Media-Marketing müssen Unternehmen aus zahlreichen Branchen umdenken und ihre Marketing-Strategien anpassen. Wie weit ist deiner Meinung nach diesbezüglich die Schweizer Hotelbranche? Nicht nur die Hotelbranche, generell hinkt die Schweiz da ein bisschen hinterher. Ich denke, da liegt noch viel Potential drin, obwohl man es auch nicht überschätzen sollte. Man muss schon wissen, was man macht. Wenn man irgendeinen Film einfach so auf Facebook oder Youtube stellt, funktioniert das nicht. Aber wenn man unterhaltsame Werbung macht, die die Leute amüsiert und die sich nach dem Viral-Marketing- Prinzip verbreitet, ist das Gold wert. Ihr konntet bereits mit einigen bekannten Schweizer Gesichtern drehen. So habt ihr zum Beispiel erst kürzlich «Leidenschaft, Ideen und Selbstvertrauen...» den «Call for entry» für den diesjährigen Swiss Hotel Film Award mit Xenia Tchoumitcheva und Jan Bühlmann produziert. Wie kommt man als Jungunternehmen an solche Personen? Es ist schon ein bisschen Frechheit dabei. Man schreibt einfach das Management von Xenia Tchoumitcheva an, vereinbart ein Treffen und versucht das Projekt zu verkaufen. Wenn man es dann einmal geschafft hat, ist es schon ein bisschen einfacher. Dann hat man natürlich die Medien am Set und so etwas bringt Aufmerksamkeit. Wird man denn als Jungunternehmer ernst genommen? Wir tragen das nicht nach aussen, dass wir ein Jungunternehmen sind. Wenn du dem Kunden gegenübertrittst und sagst, du hast eine Produktionsfirma und bist noch Student, dann ist deine Verhandlungsposition eine andere als wenn du im Anzug kommst und sagst, du bist der Geschäftsführer deiner eigenen Produktionsfirma. Ich habe gemerkt, dass das ein wichtiger Faktor ist, um Produktionen mit dem angemessenen Budget zu realisieren. Du studierst nebenbei an der Zürcher Hochschule der Künste. Wie lassen sich Studium und die eigene Firma vereinen? Mit meinem derzeitigen Studiengang erstaunlich gut. Unser Studienleiter ist sehr kulant, wenn man mal für zwei Tage wohin muss für eine Sitzung oder einen Drehtermin. Ausserdem empfinde ich es als einen grossen Vorteil, dass ich mein eigener Chef bin. Ich kann selber entscheiden, welche Aufträge ich annehme und wie ich die Drehtermine lege. Ich finde es fast noch einfacher als irgendwo fix angestellt zu sein, obwohl es natürlich viel mehr Arbeit ist. Deine Matura-Arbeit war eine eigene Filmproduktion, bei welcher du praktisch alles selbst gemacht hast: Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler, Produzent. Wieso hast du nun den Weg Produzent/Regisseur eingeschlagen und nicht zum Beispiel den des Schauspielers? Es reizt mich zwar schon ab und zu vor die Kamera zu stehen, aber ich bin kein Vollblutschauspieler. Ich entschied mich für Produktion/Regie, weil dort der wirtschaftliche wie auch der kreative Aspekt gleichermassen vorhanden sind. Interessantes wie Akquisition, Präsentationen vor dem Kunden, Verhandlungen oder auch das rein Rechtliche würden beim Schauspielern wegfallen. Was ist dein Traum: Möchtest du es als Regisseur einmal bis ins grosse Hollywood schaffen? Ein grosser Traum wäre, einmal Regie zu führen bei einer James Bond-Produktion. Wieso gerade James Bond? Weil er weltweit bekannt ist, es ist eine spannende Figur, mit der man sehr gut arbeiten kann. James Bond-Filme sind riesige Produktionen, man arbeitet mit Top-Schauspielern und Produzenten. Ein Teil davon zu sein oder gerade der Regisseur, das wäre super. Nur schon weil ich wahnsinnig viel dabei lernen könnte. Vielen Dank für das Gespräch. Info Hans Ulrich Pestalozzi und das IVE-Team Guglielmo S. Brentel am Set mit Xenia Tchoumitcheva 2008 gründeten Guglielmo S. Brentel und Peter Bischofberger die mtmedia GmbH mit den Sparten mytalents Agency, einem Pool von Schauspielern, Models und Statisten, sowie mytalents Production, welche die Planung und Realisierung von Film- und Fotoprojekten umfasst. Mehr über mytalents sowie realisierte Clips findet ihr unter 20 news

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