Moderner Bürobau in Hamburgs City. von Jan Störmer Partner. Büroarbeitszeit ist Lebenszeit. Gesteigerte Funktionalität durch Gebäudeautomation

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1 Büro & Verwaltung puls MAGAZIN FÜR BEWEGUNG IN DER ARCHITEKTUR Moderner Bürobau in Hamburgs City von Jan Störmer Partner Büroarbeitszeit ist Lebenszeit Gesteigerte Funktionalität durch Gebäudeautomation Eine neue Haut für die Stadtwerke Essen Corporate Architecture zu Besuch bei Landau + Kindelbacher

2 » Editorial Camenzind Evolution Stefan Camenzinds Bürobauten wurden mehrfach prämiert. In Zürich gestaltete er das Google-Entwicklungszentrum und das Bürohaus Cocoon. Zur Sache: Die Zukunft des Büros puls im Gespräch mit Stefan Camenzind, Camenzind Evolution Lässt sich im gegenwärtigen Bürobau ein allgemeiner Trend ablesen? Welche Rolle spielt die Flexibilität? Häufig steht während der Planungsphase der zukünftige Nutzer des Gebäudes noch nicht fest wie etwa bei unserem Projekt Cocoon. Dennoch haben wir die spezifischen Bedürfnisse, die beim Gebäude eine Rolle spielen, vorab genau definiert, woraus sich automatisch die möglichen Benutzergruppen ergaben. Immer mehr Bauherren verstehen, dass es mehr Sinn macht, Produkte zu entwickeln, die für spezifische Nutzergruppen das Optimum bieten, als Durchschnittsprodukte zu liefern. Mit entsprechend cleverer Planung kann auch problemlos die längerfristige Nutzungsflexibilität gewährleistet werden. Bürogebäude sind heute auch Visitenkarten. Was sind Ihre Erfahrungen bei der baulichen Umsetzung einer Corporate Identity? 02 Google zum Beispiel gab uns keine CI-Vorgaben. Dem Unternehmen war es wichtig, dass das Arbeitsumfeld eben kein Show-Room wird, sondern ein Ort, mit dem sich die Mitarbeiter identifizieren können. Nur eine gelebte Identifizierung mit einem Unternehmen kann eine tragfähige Grundlage für eine gebaute CI sein. Wie sieht die Bürokultur der Zukunft aus? Und was bedeutet dies für die Architektur? Einer der wichtigsten Faktoren, die über den Erfolg einer Firma entscheiden werden, ist der Grad an Innovationskraft. Um innovativ sein zu können, braucht es eine Firmenkultur, die dies bewusst fördert, und ein Arbeitsumfeld, welches dies ermöglicht. Google mag hier exemplarisch sein, was aber nicht bedeutet, dass jedes Unternehmen Rutschbahnen und Sitzungszimmer in Eierform braucht. Vielmehr müssen Projektprozesse angewendet werden, die den Firmenkulturen optimierte Lösungen liefern. Welche Einflüsse und Veränderungen stehen der Arbeitswelt bevor? Eine Individualisierung der Gesellschaft und somit auch der Arbeitswelt ist eindeutig festzustellen. Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass ein entsprechend gestaltetes Arbeitsumfeld Innovation, Kooperation und Konzentration positiv beeinflussen kann. Entsprechend werden den Mitarbeitern in der Zukunft Arbeitsräume der verschiedensten Art angeboten werden, die sie als Team oder individuell nutzen können. Wie schätzen Sie angesichts wirtschaftlich schwieriger Zeiten die Chance zur Verwirklichung innovativer Bürobauten ein? Wirtschaftlich schwierige Zeiten sind eigentlich ein optimaler Antrieb für Innovation und Veränderung. Neue Bürobauten sind in diesem Umfeld wirtschaftlich nur sinnvoll, wenn sie zukunftsweisend sind und dem Mieter einen Mehrwert ermöglichen. puls

3 Büroarbeitszeit ist Lebenszeit ein Plädoyer für intelligente Architektur > S. 04 Gute Aussichten in Hamburg > S. 14 Eine Haut aus Licht und Glas für die Stadtwerke Essen > S. 20 Arbeiten am Kölner Rheinauhafen > S. 24 Neue Konzepte für das Büro der Zukunft > S. 28 Wir betrachten uns ein Stück weit als Maßschneider > S Macro 32 Zu Besuch Büroarbeitszeit ist Lebenszeit Aktuelle Interview mit Landau + Kindelbacher über Tendenzen im Bürobau. Von Falk Jaeger Corporate Architecture 10 Micro 36 Rückblende Gesteigerte Funktionalität durch Gebäude- Die Genese des modernen Büros automation. Von Achim Heidemann 38 Material 14 Praxis I ff-architeken über das Material Gold Arbeiten ganz exklusiv in Hamburgs City 40 Einblicke Büroneubau Hohe Bleichen News und Produktneuheiten aus dem Hause 20 Praxis II Busch-Jaeger Ein neues Gesicht für die Stadtwerke Essen 42 Denkanstoß 24 Praxis III Die Preisfrage zum aktuellen Thema Titelbild: Ralf Buscher Bildbearbeitung: Raphael Pohland / stilradar 28 Pier 15 Arbeiten am Rheinauhafen in Köln Visionen Neue Konzepte für das Büro der Zukunft 43 Impressum 03

4 Dorfmüller + Kröger, Hamburg

5 » Macro Das Büro als Event und Identifikationsstifter: 60 Mitarbeiter finden in dem Konferenzraum Platz, den König + Vearncombe Architekten als schwebendes Raumschiff für die Hamburger Multimediaagentur fluxx.com inszenierten. Büroarbeitszeit ist Lebenszeit Bürobau bewegt sich heute zwischen der Produktion von profillosen Spekulationsobjekten und der Entwicklung ansehnlicher und Signifikanz versprechender Firmenrepräsentanzen, zwischen der Bereitstellung rentabilitätsoptimierter Normflächen und der Schaffung komfortabler Bürolandschaften mit Wohlfühlfaktor. Unser Autor beschreibt, welche Kräfte gegenwärtig auf die Szenerie einwirken, und gibt einen Ausblick. Von Falk Jaeger Mit Architektur ist wieder Staat zu machen, Architektur trägt zur Corporate Identity bei, signature architecture ist ein wichtiger Faktor im Firmenmarketing, so lautet derzeit ein gängiges Credo der Fachzeitschriften. Die Einigkeit unter den Architekturkritikern überrascht und zeugt von einer auf die Highlights der Architekturproduktion fokussierten Wahrnehmung. Was in jüngster Zeit landauf, landab an profilloser Büroarchitektur entstanden ist, spricht eine andere Sprache, nämlich die der anonymen Profitorientierung. Denn der größte Teil der Büroflächen wird nicht mehr von den späteren Nutzern selbst, die ein genuines Interesse an der Qualität und dem Erscheinungsbild der Architektur hätten, bei Architekten geordert, sondern wird von Investoren gebaut und vermarktet. Manche Objekte haben schon zum Zeitpunkt der Fertigstellung ein- oder mehrmals den Eigentümer gewechselt. Viele werden geplant und gebaut, ohne dass ein künftiger Nutzer feststeht. Zwei gravierende Nachteile ergeben sich aus dieser Praxis. Einerseits leidet darunter die architektonische Qualität grundsätzlich, denn ein Investor hat weder Interesse an perfekten Details, anregender Raumwirkung oder ausgeklügelter Lichtwirkung, noch interessieren ihn die Nachhaltigkeit des Bauwerks und die langfristigen Betriebskosten. Andererseits wird ein Miet- oder Kaufobjekt in Flächenorganisation und Raumzuschnitten niemals genau den Bedürfnissen der Nutzer entsprechen können und sich auch nicht als repräsentative, identitätsstiftende Hauptverwaltung eignen. Streben nach Corporate Identity Unverständlich deshalb zum Beispiel das Verwirrspiel der Deutschen Bahn, deren Firmenzentrale im Berliner Hauptbahnhof geplant war, zunächst aber in den Dreiturm Trias an der Holzmarktstraße und dann ins Sony Center am Potsdamer Platz zog. Wegen hoher Mietkosten wurde ein Neubau neben dem Bahnhof geplant und wieder verworfen; der neue Vorstand will nun doch die Bügelbauten über dem Hauptbahnhof beziehen. In Zeiten der Pleiten und Verkäufe auch großer Traditionsunternehmen ist die zu intensive Identifikation mit einem Gebäude manchmal allerdings von Nachteil, wenn etwa an einem Hochhaus in Düsseldorf jahrzehntelang der Konzernname Mannesmann prangte und plötzlich der Schriftzug Vodafone montiert werden muss. Gleichwohl, nicht nur die Vergangenheit bis weit zurück ins neunzehnte Jahrhundert, auch das jüngste Jahrzehnt hat gezeigt, dass die spektakulärsten, aber auch innovativsten und qualitätvollsten Bürogebäude 05

6 ESA Architects, London / Simon Atkinson; Splitterwerk / Nikolaos Zachariadis (r.) von Firmen für den eigenen Bedarf direkt oder über Wettbewerbe bei renommierten Architekten in Auftrag gegeben wurden. Das Streben nach einer angemessenen Selbstdarstellung, nach Corporate Identity und Unverwechselbarkeit ist vorrangiger Antrieb dieser Entwicklung. Platz ist derzeit das kostbarste Gut im Büro Verwaltungszentren wie die dvg in Hannover von Hascher + Jehle aus dem Jahr 2000, die 2001 entstandene Swiss Re in München von Bothe Richter Teherani oder das Lufthansa Aviation Center in Frankfurt aus dem Jahr 2007 sind noch nicht überholt und übertroffen worden. Es handelt sich um Firmen, die über den CI-Gedanken hinaus ihre hoch qualifizierten Mitarbeiter durch Bereitstellung einer angenehmen Arbeitswelt an die Firma binden wollen. Die Fürsorge besteht vor allem aus dem kostbarsten Gut, das man den Mitarbeitern gönnen kann und das diese Projekte mehr als andere zu bieten haben: Platz. Fläche genug, um sich auszubreiten und den Individualabstand zum Kollegen selbst wählen zu können, Raum für Kommunikation, Bewegung und Erholung. Alle Bürobauten, die wir bewundern und deren Benutzer wir beneiden, haben diese Raumfreiheit, die über das normierte Zellenbüro und die minimierten Erschließungsflure hinausgeht. Die anderen, insbesondere wenn es sich um typische Investorenobjekte handelt, sind von der gefragten Flexibilität bestimmt. Die Vermieter 06 ordern Flächen, die sich möglichst vielfältig gestalten lassen. Auch die Teilbarkeit der Gebäude und der Geschosse in separat zu vermietende Tranchen ist eine häufige Forderung. Die Parameter zusammengenommen ergeben fast von selbst 14 bis 15 Meter breite Grundrisse, die als Einzel-, Gruppen- und Kombibüro organisiert werden können. Seltener werden Dreibundanlagen mit weitgehend künstlich belichteter Innenzone realisiert, die mit Meter Grundrissbreite wirtschaftlicher sind. Die Größe der Einheiten von 400 Quadratmetern folgt aus der maximal möglichen Größe des Brandabschnitts. Umfangreichere Flächen müssten mit aufwendigen Brandschutzmaßnahmen realisiert werden, was zu einem Kostensprung führt und deshalb normalerweise nicht in Frage kommt. Von Architekten wird Flexibilität verlangt Wie die Flächen dann unterteilt werden, entscheidet sich oft erst während der Planung oder gar während des Baus. Auch diese Flexibilität wird dem Architekten abverlangt. Meist lassen sich die Firmen für die Gestaltung der Arbeitswelt von Unternehmensentwicklern wie Quickborner Team, P.O.T., Congena oder anderen beraten, die individuell zu entscheiden versuchen, welche Büroform für den Klienten die höchste Effektivität verspricht. Sie tun das üblicherweise während des Baus und ändern während des Prozesses auch schon mal beherzt ihre Meinung, wenn es ihnen Graue Monotonie sieht anders aus: In Leeds sorgen ESA Architects für eine lebendige Form der Raumteilung. Im Grazer Gebäude Frog Queen fordert Splitterwerk den Betrachter mit einem Wechsel zwischen innen und außen heraus. puls

7 opportun erscheint. Architekten haben es in einem solchen Umfeld schwer, gute Konzeptionen zu entwickeln und die meist notwendigen Kostensenkungsrunden ohne Qualitätsverlust durchzustehen. Intelligentes Energiemanagement Favorit bei den Organisatoren ist seit einigen Jahren das Kombibüro, in dem einzelne Zellen oder auch Besprechungsräume eingesetzt werden können. Die Mitarbeiter können optisch in Kontakt bleiben, denn die Trennwände bestehen prinzipiell aus Glas, wobei einzelne visuelle Abschirmungen möglich sind. Ein Großraum also mit flexibler Raumgliederung in Form des Raum-in-Raum-Konzepts, das Offenheit und Transparenz bietet und eine hohe Flexibilität hinsichtlich der Nutzung des Gebäudes aufweist. Das Großraumbüro der sechziger Jahre ist nicht mehr gefragt, denn die arbeitsorganisatorischen Einheiten sind kleiner geworden. Zudem hatten sich die Störungen und Beeinträchtigungen der Mitarbeiter durch Lärm und Lüftungs- beziehungsweise Klimatisierungsprobleme als unvermeidbar erwiesen. Heute Open Space genannt, funktionieren Großraumbüros nur mit ausgeklügelter Möblierung und gezielten schallschluckenden Maßnahmen. Fortschritte im Bürobau werden heute ohnehin hauptsächlich in technischer Hinsicht gemacht. Intelligentes Energiemanagement, individuelle Beleuchtung und Belüftung und andere technische Errungenschaften werden entwickelt. Beispiel für die intelligente räumliche Gliederung eines flexibel organisierbaren Bürogrundrisses ist das Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde. Das von GAP Architekten Berlin gebaute, 2007 eingeweihte Landratsamt gilt nicht nur als Prototyp eines ökologisch orientierten Bürozentrums mit beispielhaft günstigen Energiekennwerten. Bei den schiefwinkligen, unregelmäßigen Grundrissen der vier zusammengeschlossenen Gebäude ist es gelungen, die notwendige serielle Vereinfachung zu verhehlen und Räume von hoher Individualität zu erzeugen. Zellen und kleinere Büroabschnitte sind gegen die Mittelzone voll verglast, der durchlaufende, in intensiven Farben gestrichene Sturz sorgt dennoch für ein Gefühl räumlicher Trennung. Die räumliche Vielfalt der Geschosse regt geradezu einen virtuosen Umgang mit den Flächen an. Die drei Innenhöfe weisen unterschiedliche Klimate und entsprechend differenzierte Bepflanzungen auf. Beim Lufthansa Cargo Center am Flughafen Frankfurt sind die Lichthöfe noch intensiver in das Raumprogramm und das Belüftungssystem einbezogen. Sie dienen faktisch als Außenweltersatz, da das Gebäude aufgrund seiner Lage auf extreme Weise gegen Lärm geschützt werden muss. Die verglasten Einschnitte in das kammartig gegliederte Gebäude sind mit Gärten unterschiedlicher Klimazonen bestückt. Das mittige Rückgrat des Gebäudes ist eine multifunktionale Erschließungszone mit einer Mall im Erdgeschoss, 07

8 Die Natur bleibt nicht vor der Tür: Das Lufthansa Cargo Center in Frankfurt (oben) hat Gärten aus den unterschiedlichsten Klimazonen in seiner Mitte, während das Gebäude der dvg in Hannover* (Mitte) an einen Terrassenbau in einem Gewächshaus erinnert. Unten: Eine von 4A Architekten gestaltete Informationsstation im Businesscenter BCB in Pilsen. *Hascher + Jehle / Heinle, Wischer und Partner, Planungsgemeinschaft dvg, Berlin Hans-Georg Esch/Lufthansa geschwungenen Treppen, Pausenzonen und allseitigem Einblick in die Gartenhöfe und die Büroebenen. Mehr Kommunikation und Architekturerlebnis während der Arbeitszeit geht nicht oder doch? Das Gebäude der dvg am Rand der Hannovermesse unter einer riesigen gläsernen Welle gleicht einem Terrassenbau in einem Gewächshaus. Viele Arbeitsplätze liegen auf diesen Terrassen, quasi im Freien, mit Blick auf die Gärten. Als eines der wenigen Verwaltungsgebäude ist es konsequent als Nomadenbüro konzipiert. Die meisten Mitarbeiter holen sich morgens ihren Rollcontainer, wählen den schönsten Arbeitsplatz und loggen Laptop und Telefon ein (hierbei sind Frühaufsteher eindeutig im Vorteil). Nur wenige Firmen sind so strukturiert, dass sie mit einem solchen System arbeiten können, das durchaus 20 Prozent der gebauten Arbeitsplätze sparen kann, weil Leerstand infolge Fluktuation, Krankenstand und Außendienst vermieden wird. Viel Platz und eine Arbeitsumgebung, die dank einer Lichtinstallation des Künstlers Steven Scott ständig ihr Aussehen ändert. Den Hauptsitz von Deloitte in Kopenhagen entwickelte das Büro 3XN konsequent nach dem Konzept des Open Office. 4a Architekti/Ales Jungmann Svenja Bockhop, Berlin Den emotionalen Faktor pflegen Während sich die Büroorganisation in den vergangenen fünfzehn Jahren wenig geändert hat, zeigen hochwertige Bürogebäude als Merkmal die besondere Ausstattung mit Gemeinschaftsflächen, Pausenzonen, Espressolounges, Cafeterien, Casinos etc. sowie mit Grünräumen. Als zum Beispiel die Swiss Re 2001 aus München nach Unterföhring hinauszog, war es Anliegen der BRT Architekten, den Englischen Garten mitzunehmen. Die einzelnen Baukörper wurden über angelegten Gärten aufgeständert und mit einer grün überwucherten Pergola umgeben, die den Blick in das unattraktive Gewerbegebiet abschirmt. Den emotionalen Faktor zu pflegen, die Arbeitszeit als Lebenszeit zu begreifen, die angenehm gestaltet werden sollte und die Identität der Mitarbeiter mit ihrer Firma fördert, war das Ziel der engagierten Architekten. Dieses Ziel anzustreben, war in den Zeiten der Hochkonjunktur einfacher. In der gegenwärtigen Finanzkrise befürchten Architekten englische oder amerikanische Verhältnisse, in denen sich die auf Zahlen fixierten Projektsteuerer zu Lasten der Qualität durchsetzen. Ein Investor wie Dieter Becken in Hamburg, für den BRT Architekten bemerkenswerte Projekte wie das Doppel-XX, den Berliner Bogen oder das Bürohaus Deichtor entworfen haben, ist eine rühmliche Ausnahme. Becken vertraut den Architekten und bekommt dafür hochwertige Architektur, die er bislang immer gewinnträchtig verkaufen konnte. Eigentlich sollten es ihm alle nachtun. Prof. Dr. Falk Jaeger studierte Architektur und Kunstgeschichte in Braunschweig, Stuttgart und Tübingen und ist seit 1983 freier Architekturkritiker. Nach Lehraufträgen in Berlin, Braunschweig und Dresden ist er seit 2000 Professur für Architekturkritik und Architekturtheorie an der TU Dresden.

9 3XN / Photographer Adam Mørk

10 Klaus Frahm/artur, Bernadette Grimmenstein/artur (o.)

11 » Micro Optimale Lösungen lassen sich durch eine Automatisierungstechnik erzielen, die als homogenes System alle Gewerke integriert. Hypolux Bank in Luxemburg (oben), Bürohaus Reederei Rickmers, Hamburg. Steigerung der Funktionalität durch Gebäudeautomation Die Qualität moderner Bürogebäude wird maßgeblich durch ihre Funktionalität und ein überzeugendes, die Technische Gebäudeausrüstung integrierendes Gesamtkonzept bestimmt. Einen wichtigen Aspekt stellt dabei Flexibilität dar um den Anforderungen eines sich wandelnden Unternehmens gerecht zu werden. Leisten kann dies eine gut geplante Gebäudeautomation, die bestenfalls durch einen Integrationsplaner in das architektonische Konzept eingepasst wird. Von Prof. Dipl.-Ing. Achim Heidemann Moderne Büro- und Verwaltungsbauten zeichnen sich neben guter und nachhaltiger Architektur vor allem durch ihre Funktionalität aus. Aktuell diskutierte Funktionen sind dabei zum Beispiel hohe Flexibilität bei Umnutzungen, Unterstützung der Produktivität von Mitarbeitern, die Verbesserung der Sicherheit eines Unternehmens aber auch niedrige Nutzungskosten und ein niedriger Energieverbrauch. Diese Funktionen werden maßgeblich durch die Anlagen der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) bereitgestellt, deren Anteil an den Gesamt-Herstellkosten in den vergangenen Jahren signifikant zugenommen hat Tendenz steigend. Bei hochfunktionalen Gebäuden beträgt der Anteil der Technischen Gebäudeausrüstung an den Gesamtherstellkosten mittlerweile über 50 Prozent. Mehr Funktionalität durch Gebäudeautomation Grundlagen für die Funktionen der Systeme und Geräte der verschiedenen Gewerke der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) ist die Automatisierungstechnik oder wie es im Bauwesen heißt: die Gebäudeautomation die heute aus keinem technischen Gewerk mehr wegzudenken ist. Die Gebäudeautomation bestimmt letztendlich die Funktionen der Technischen Gebäudeausrüstung und somit die Funktionalität moderner Büro- und Verwaltungsbauten. Um die gewünschten Gebäudefunktionen optimal und im späteren Betrieb fehlerfrei sicherzustellen, muss also der Gebäudeautomation besondere Beachtung geschenkt werden. Der Nichtfachmann sieht sich zunächst mit einem Begriffswirrwarr konfrontiert: Gebäudeautomation, Raumautomation, Gebäudesystemtechnik sind Begriffe, hinter denen im Prinzip derselbe Grundgedanke steht, nämlich die Automation von Systemen der TGA. Diese Begriffe sind in unterschiedlichen Gewerken entstanden und gelangen durch verschiedene Vertriebswege an den Markt, und zwar je nach Anbieter in guter oder bedenklicher Qualität. Übergeordnete Konzepte planen Optimale Lösungen lassen sich erzielen, wenn die Automatisierungstechnik als homogenes, integrierendes System über alle Gewerke der Technischen Gebäudeausrüstung aufgesetzt wird. Dies erfolgt jedoch in der Regel nicht, da nach wie vor in der traditionell in Gewerken denkenden Baubranche innerhalb der einzelnen technischen Gewerke unterschiedliche Systeme geplant und implementiert werden. In anderen Worten: So wie Automatisierungstechnik heute in den meisten Fällen geplant und 11

12 Software hergestellt. Damit hat das Bauwesen eine neue Dimension erhalten, denn die Erstellung von Software unterscheidet sich maßgeblich von der üblichen Vorgehensweise am Bau. Um kein Fiasko zu erleben, wie es sicher schon mancher Architekt leidvoll erfahren hat, müssen Methoden des Software Engineering angewandt werden. Basisfunktionen zur Energieoptimierung Weiterhin ist es wichtig, bei der Planung vom Raum her zu beginnen. Die Summe der Anzahl der Anwendungsfunktionen der einzelnen Räume bildet dann die Anforderungen an die Anlagen der Technischen Gebäudeausrüstung, um zum Beispiel Medien bereitzustellen. Dabei empfiehlt es sich, die einzelnen im Raum gewünschten Anwendungsfunktionen anhand der vorher erwähnten Prioritätenmatrix auszuwählen. Basisfunktionen berücksichtigen Raumluftkonditionierung (Heizung, Kühlung, Lüftung), Raumbelichtung (Beleuchtung, Blendschutz, Lichtlenkung), Sicherheit (Einbruch, Brand, Zugang), Bedienung (Schalter, Displays, Touch-Screen, PC), Medientechnik (Video, Audio). Darüber hinaus lassen sich sogenannte Funktionsmakros etablieren, zum Beispiel das Zusammenspiel verschiedener Basisfunktionen zur Energieoptimierung. In diesem Beiumgesetzt wird, kann sie nicht richtig funktionieren. Um alle Potenziale moderner Automatisierungstechnik mit ihren seriellen Bussystemen als Medium für den Informationsaustausch ausschöpfen zu können, muss ein Architekt daher also darauf achten, dass die beteiligten Fachplaner ein übergeordnetes Konzept für die Gebäudeautomation entwickeln. Dies wird ihm einfacher fallen, wenn er einen Koordinator hinzuzieht, zum Beispiel einen Fachmann für Integrationsplanung. Einsparungen bei den Nutzungskosten Natürlich entstehen durch Automation auch Kosten. Deshalb ist zu empfehlen, vor Beginn einer Planung zunächst die gewünschten Funktionen ins Verhältnis zu den Kosten zu stellen. Dabei sollten neben der Herstellkosten (Baukosten) auch die späteren Nutzungskosten (zum Beispiel die Betriebskosten) einbezogen werden, da sich höhere Investitionen häufig durch Einsparungen bei den Nutzungskosten amortisieren. Bewährt hat sich dabei die Erarbeitung einer Prioritätenmatrix, durch die gemeinsam mit dem Investor oder Nutzer sein persönliches individuelles Anforderungsprofil erstellt werden kann. Die Funktion der Gebäudeautomation wird heute nahezu ausnahmslos über Intelligente Gebäudesteuerung steigert die Funktionalität moderner Bauten: Bellevue Jurmala, Riga (links), Büroetage, Braun + Voigt, Frankfurt (Mitte), Arken-Museum of Modern Art, Kopenhagen 12 puls

13 Klaus Frahm/artur, Ralph Richter (M.), Dirk Robbers/artur (r.) spiel würden durch die Automation verschiedene Parameter erfasst und gemäß eines Algorithmus Einfluss auf den Energieverbrauch genommen. Diese Parameter könnten sein: Anwesenheit einer Person im Raum oder im Unternehmen, vorgegebene Raumtemperatur, Außenhelligkeit, vorgegebene Raumhelligkeit, Sonnenstand und -intensität, Fensterstellung, Zeit. Durch eine Studie an einem realen Objekt, dem Forum Hohenwart in der Nähe von Pforzheim, konnte gezeigt werden, dass Energieeinsparungen von über 50 Prozent möglich sind. Flexibilität bei Umnutzung Durch den Einsatz von Bussystemen in Kombination mit geeigneter Hard- und Software lässt sich darüber hinaus die Flexibilität bei Umnutzungen erheblich steigern. Wo bei einer konventionellen Ausführung im Falle einer Umnutzung Geräte ausgetauscht oder umgebaut, Kabel verlegt und Folgebaumaßnahmen erforderlich sind, ist bei moderner Gebäudeautomation in der Regel nur eine einfache Änderung der Software erforderlich. Vorteil für den Nutzer: deutlich geringere Umbaukosten, wenig Beeinflussung der laufenden Geschäftsprozesse und eine wesentlich kürzere Umbauzeit. Eine Lücke stellt allerdings die heute noch fehlende Methodik dar, Funktionen der Raumautomation in der Planung eindeutig und allgemein anerkannt zu spezifizieren, um damit eine klare Vorgabe für die Kalkulation und die Ausführung von Raumautomationslösungen zu schaffen. Eine Richtlinienkommission des Vereins Deutscher Ingenieure nimmt sich seit einigen Jahren dieser Thematik an und hat eine Richtlinienreihe entwickelt, die diese Lücke schließen wird. Mit der Veröffentlichung der VDI ist im Sommer 2009 zu rechnen. Diese Richtlinie enthält den Hinweis: Die Koordination der Gebäudeautomation einschl. der Raumautomation mit den klassischen TGA-Gewerken (HLSE) sowie zunehmend technisierten Baugewerken (z. B. Fenster/Fassaden/Sonnenschutz, Schließsysteme ) erfordert eine besondere Qualifikation bei der Objektplanung (gemäß Honorarordnung der Architekten und Ingenieure) oder den Einsatz eines Integrationsplaners. Prof. Dipl.-Ing. Achim Heidemann ist Geschäftsführer der Heidemann & Schmidt GmbH (www.integrationsplanung.de). Er lehrt als Professor für Energie und Gebäudeautomation im Studiengang Facility Management an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. 13

14 » Praxis Freie Sicht auf die City Hohe Bleichen das ist in Hamburg per se eine gute Adresse. Hier schufen die Architekten von Jan Störmer Partner einen prägnanten Bürobau, der seine wahren Stärken im Inneren offenbart. Von Heinrich Wähning Das anhaltende Wachstum der Hafencity bindet derzeit die öffentliche Aufmerksamkeit doch auch in der Hamburger Innenstadt hat sich längst eine rege Bautätigkeit entwickelt. Westlich des Hanseviertels sind bereits einige Neubauten entstanden, ganze Straßenzüge erhielten ein verändertes Gesicht und somit ein neues Profil, im Schnitt erhöht um zwei Staffelgeschosse. Das Bürohaus, das Jan Störmer Partner für die Quantum AG in der exklusiven Büro- und Geschäftsstraße Hohe Bleichen errichtete, fügt sich mit seinen acht Vollgeschossen plus Staffelgeschoss in diesen Kontext ein und bildet mit seiner blockhaften Erscheinung eine markante Adresse. So war sehr bald eine traditionsreiche Hamburger Reederei interessiert, diesen Standort zu beziehen, statt sich an der Alster oder in Hafennähe anzusiedeln. Lebendige Oberflächenwirkung Den ersten Eindruck bestimmen die großen, steinern umrahmten Felder der Fassade, in denen Fensterbänder und Brüstungen aus Aluminium geschossübergreifend zusammengefasst sind. Die Entscheidung der Architekten für eine großformatige Fassadengestaltung erschließt sich durch das Betrachten der unmittelbaren Nachbarschaft, wo Ralf Buscher 14

15

16 Jan Störmer Partner, Ralf Buscher (r.) etwa die Kolossalordnung der schräg gegenüberliegenden ehemaligen Hypothekenbank, einem Neorenaissancebau von 1897 mit reich gegliederter Sandsteinfassade, den Ton angibt. Auch auf die unmittelbar angrenzenden Hanseviertelpassagen mit ihren charakteristischen Backsteinpassagen reagiert der Neubau mit seiner Gebäudegeometrie, bei der Wahl des Materials blieb man autonom. Und das ist hier eine echte Innovation: Faserbeton. Da die Armierung aus Glasfasern keine Rostschutzüberdeckung erfordert, konnte die Plattenstärke auf 22 Millimeter reduziert werden. Damit lassen sich große Formate aufbringen, auch L-förmige Eckverkleidungen fertigen; die Wetterschicht bleibt leicht, die lebendige Oberflächenwirkung des Betons erhalten. Die kann sich hier trotz des relativ geringen Flächenanteils genügend entfalten, doch sind es erst die kontextuell bedingten Einschnitte in den Baukörper, die den Eindruck der Beliebigkeit gar nicht erst aufkommen lassen. Das neue Haus ist über der zweigeschossigen, 60 Stellplätze fassenden Tiefgarage des Vorgängerbaus errichtet, da im Fall eines kompletten Neubaus nur 30 erlaubt worden wären. So ergibt sich die Pfeilerstellung im Erdgeschoss mit Rücksicht auf einen vorgefundenen Höhenvorsprung im Boden wie auch auf die massiven Stützen des Bestands, mit deren raumgreifender Verkleidung im Eingangsbereich Foyer und Lounge sinnvoll voneinander abgegrenzt sind. Auf der gleichen Ebene befindet sich auch die freundlich gestaltete Kantine, die sich mit einer Terrasse zum Hof hin öffnet. Zwischen Erdgeschoss und erstem Obergeschoss sorgen tiefe Unterzüge für den optimalen baulichen Anschluss an die neuen Bürogeschossen. Lichthof sorgt für Helligkeit am Arbeitsplatz Der Grundriss zeigt sich als gelungene Synthese der typologischen Ansprüche des Bürobaus mit den Gegebenheiten des Der gläserne Innenhof erlaubt Durchblicke, die die Etagen in ihrer ganzen Ausdehnung erfassen lassen, und sorgt so für Transparenz. Große, steinern umrahmte Felder prägen die Fassade. 16 puls

17 Ortes alle Arbeitsräume sind natürlich belichtet und zudem flurseitig, wo immer möglich, bodentief verglast. Der Baukörper entwickelt sich vom straßenseitigen Kubus zum weiß verputzten, bandbefensterten Riegel im Hof. Wenngleich sich dort deutlich zeigt, dass das größere Budget der Schauseite zur Straße vorbehalten blieb, wirken die Rückseiten nicht vernachlässigt. Die Anlieger hatten sich erbeten, nicht mit einem stumpfen Volumen konfrontiert zu werden. Daraufhin trafen die Architekten eine einfache Maßnahme mit doppeltem Effekt: Sie fügten Balkone an die Stirnseite des Riegels, umgeben von den weitergeführten Brüstungsbändern der Längsseite. Das dynamisiert noch die leicht spitzwinklige Übereckansicht und verleiht auch innen dem Bereich eine eigene räumliche Qualität. Während außen die Körper kontrastieren, folgen die Innenräume einander in ungebrochener Kontinuität; geschwungene Wände vermitteln zwischen den Richtungen. Und deren Konflikt haben die Architekten zum schönsten Erfolg des Entwurfs umzuwidmen gewusst: Im Zentrum des Gebäudes öffnet sich ein Lichthof, dessen geschlossene Flächen mit orangefarbenen Aluminiumpaneelen verkleidet sind. Er steigt auf über dem fensterlos gehaltenen Konferenzraum im Zentrum des ersten Obergeschosses und versorgt sämtliche Bürogeschosse wie auch die direkt anliegenden Besprechungsräume mit Tageslicht. Dabei werden die wechselnden Stimmungen des natürlichen Lichts durch die besondere, changierende Beschichtung der Paneele noch intensiviert. Durch Form und Farbe ist ihm das Schachtartige weitgehend ausgetrieben. Bei Regenwetter sorgt der dunkle, mit schwarzem Stein ausgelegte Boden für interessante Spiegeleffekte. Sichtbeziehungen über die gesamte Haustiefe Vor allem aber in der Horizontalen kommt die Licht wie Durchblick spendende Mitte dem gesamten Haus zugute. 17

18 Ralf Buscher

19 » Praxis Ralf Buscher Grundriss 3-D-Ansicht Die Vorstandsetage mündet in eine großzügige Dachterrasse, die einen atemberaubenden Ausblick über die Hamburger City bietet. Schnitt Westansicht Der mit orangefarbenen Aluminumpaneelen verkleidete Lichthof sorgt mit seinen gebogenen Glasscheiben für helle Büroflure. Die farbige Beschichtung der Paneele intensiviert die wechselnden Launen des Tageslichts. Sobald die Jalousien der Besprechungsräume geöffnet werden, ergeben sich Sichtbeziehungen über die gesamte Haustiefe, vom Hof bis zur Straße. Doch der entscheidende Zugewinn des durchaus ökonomisch bemessenen Raumzusammenhangs besteht darin, dass sich durch den Lichthof für den Betrachter immer wieder interessante Perspektiven ergeben. Der Schlüssel zur Steigerung von künstlichen Lichtquellen, Jalousien und anderer Elektronik verbirgt sich in einem schlichten Wandschrank. BUS-Technik regelt die elektronischen Konferenzelemente und die Klimaanlage. Dabei ist die künstliche Beleuchtung der Flure, des Außenbereichs und der Fassaden an den Anteil des einfallenden Sonnenlichts gekoppelt. Die Geschäftsführung tagt im geräumigen Dachgeschoss. Der Innenausbau präsentiert sich angenehm zurückhaltend, blauer Teppichbelag sorgt für kühle Eleganz. Raum ist der wahre Luxus, den sich das Bürogebäude in den Hohen Bleichen leistet und wer den atemberaubenden Blick von der Dachterrasse genießt, braucht auch keinen Hafen in der unmittelbaren Nachbarschaft. Projektbeteiligte Bauherr Quantum AG, Hamburg Architekten Jan Störmer Partner, Hamburg Haustechnik Ing. Gesellschaft Ridder und Meyn mbh, Hamburg Integrierte Produkte von Busch-Jaeger: KNX-System, Controlpanel Bauvolumen Quadratmeter 19

20 » Praxis Eine neue Haut aus Licht, Glas und Holz Den Umbau der Stadtwerke Essen gestalteten die Architekten von Koschany + Zimmer als sensible und einfallsreiche Symbiose aus Alt und Neu. Sie erhielten den Bestand, kombinierten ihn mit Materialien wie Holz und Glas und verliehen den Räumen somit eine ungeahnte Portion Eleganz, Charme und Transparenz. Von Lasse Ole Hempel Fotos Daniel Sumesgutner Wir wollten Alt und Neu in Form einer Schichtung zusammenführen, betont Petra Kuhlmann, Architektin bei Koschany + Zimmer hatte die Stadtwerke Essen AG einen Realisierungswettbewerb für den Umbau ihrer Hauptverwaltung an der Rüttenscheider Straße ausgelobt, den Petra Kuhlmann und ihre Kollegen für sich entscheiden konnten. In ihrem Konzept erhielten sie den historischen Bestand, ließen ihn weiterhin sichtbar erscheinen, indem sie ihn mit neuen Elementen kombinierten, die dem Ganzen eine zugleich helle und repräsentative Atmosphäre verleihen. 2006, nach zum Teil komplizierten Eingriffen in den Gebäudebestand, wurden die Umbauarbeiten fertiggestellt. Neben der Empfangshalle und dem Kundeninformationszentrum KIZ im Erdgeschoss verhalfen die Architekten auch der Lobby, den Flur- und Konferenzbereichen des Vorstandsgeschosses sowie zwei Vordächern zu neuem Glanz. Offenheit und positive Ausstrahlung Die Stadtwerke versprachen sich von der Umgestaltung eine bis in den Straßenraum spürbare moderne und vor allem transparente Außenwirkung und entschieden sich für den Entwurf von KZA, da sie hier Bürgernähe und Offen- heit am besten verwirklicht sahen. Das Konzept der Architekten sorgte dafür, dass die Materialien Glas und Holz im Zusammenspiel mit Licht die vorhandene Bestandsschicht optisch aufwerten und den Innenräumen einen kundenfreundlichen Charakter geben. Die neue Strahlkraft reicht bis in den Straßenraum durch weit auskragende Vordächer, die in der Manier von Lichtobjekten Akzente setzen, und durch ein Lichtband, das sich horizontal an der Hauptfassade entlangzieht. Die architektonische Kombination verschiedener Schichtungen ist für einen sensiblen, aber doch unübersehbaren Verwandlungsprozess verantwortlich. Dem Besucher bietet sich ein vertrautes, aber doch verändertes Bild. Dabei kommen Materialien als wiederkehrende Elemente zum Einsatz und verbinden so unterschiedliche Räume und Etagen optisch miteinander. Licht- und Informationsschichten Die neue Haut, die dem Bestand vorgelagert ist, besteht weitestgehend aus Glas, das effektvoll hinterleuchtet wird. Petra Kuhlmann spricht in diesem Zusammenhang von einer Lichtschicht, der eine zusätzliche Informationsschicht hinzugefügt wurde. Oberflächen wurden mit Worten und Lichtelemente setzen im Eingangsbereich gestalterische Akzente, hinterleuchtete Inschriften verweisen auf die Kernkompetenzen der Stadtwerke. 20 puls

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