Ihre Mutter hat morgen Geburtstag und sie haben immer. Blumen im Januar? mäkelt Daniel. Muss das sein?

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1 Blumen aus Kenia Die drei Geschwister Ulli, Daniel und Julia sitzen vor dem Haus und denken angestrengt nach. Ihre Mutter hat morgen Geburtstag und sie haben immer noch kein Geschenk für sie. Schließlich schlägt Julia vor, Blumen zu kaufen, rote Nelken, denn das sind Mamas Lieblingsblumen. Blumen im Januar? mäkelt Daniel. Muss das sein? Warum nicht? Ich kaufe sie im Blumenladen um die Ecke, da gibt es genug davon! sagt Julia und macht sich gleich auf den Weg. Im Blumenladen duftet es so herrlich nach Rosen, Nelken, Gerbera und allerlei anderem Gewächs. Julia kauft wunderschöne rote Nelken für ihre Mutter und macht sich stolz auf den Heimweg. Unterwegs kommt sie am Dritte-Welt-Laden vorbei. Dort arbeitet ihre Nachbarin Tanja. Da Julia noch ein bisschen Zeit hat geht sie hinein; das wollte sie schon lange einmal tun.

2 Tanja freut sich über den unerwarteten Besuch und ist stolz Julia nun endlich mal ihren Arbeitsplatz zeigen zu können. Julia sieht sich neugierig um und entdeckt in den Regalen Kaffee, Tee, Kakao und auch Schokolade. In einer Ecke steht ein Ständer mit Kleidung und daneben ein Tisch mit vielen bunten Taschen und Geldbeuteln aus Leder. Warum heißt das hier eigentlich Dritte-Welt-Laden? fragt Julia. Wir leben doch alle in der gleichen Welt! In dieser Welt geht es aber nicht sehr gerecht zu! meint Tanja. Dritte Welt nennen wir die ärmsten Länder auf der Erde. Die reichen Länder kaufen dort billig Bodenschätze und Lebensmittel. In diesen Ländern verhungern viele Menschen, hauptsächlich Kinder. Und bei uns werden die Leute krank, weil sie zu viel essen. Außerdem landen, besonders hier in Deutschland, viele Lebensmittel im Müll! Tanja wird ganz traurig, während sie davon berichtet. Eigentlich wächst ja genug für alle! Aber sehr viel Getreide oder Soja wird als Tierfutter verwendet. So erhalten wir hier in den Industrieländern billiges Fleisch. Für die großen Soja- und Getreidefelder wird in Südamerika der Regenwald abgeholzt und den kleinen Bauern ihre Felder weggenommen. Die großen Mengen Spritzmittel, die verwendet werden, vergiften das Trinkwasser.

3 Die Menschen, die in den Obstplantagen beschäftigt sind, arbeiten sehr schwer und viele Stunden am Tag. Das Geld, das sie dabei verdienen, reicht oft nicht einmal, um für die ganze Familie Essen kaufen zu können. Außerdem arbeiten die Männer, wenn sie die Pflanzen und Früchte spritzen, um sie vor Schädlingen zu schützen, ohne Schutzkleidung. Dabei atmen die Arbeiter auch die Giftstoffe ein. Und das alles nur, dass wir im Supermarkt auch im Januar frische Erdbeeren essen können! Aber die Erdbeeren wachsen doch im Sommer in unserem Garten! stellt Julia fest, die schmecken viel besser, als die aus dem Supermarkt! Die Früchte, die aus fernen Ländern kommen werden ja auch unreif geerntet, sonst verderben sie auf dem langen Weg! Julia wird nachdenklich. Wo liegt eigentlich Südamerika? fragt sie. Tanja geht zum Regal und holt einen großen Globus herunter. Sie zeigt Julia wo dieser Erdteil liegt. Buh, ist das weit, die Erdbeeren fliegen ja um die halbe Welt! Da fällt dem Mädchen ein: Mama sagt immer, wir fliegen nicht mit dem Flugzeug in den Urlaub, weil der Flugbenzin die Luft verpestet. Meine Brüder und ich sehen das ein und freuen uns auch, wenn wir mit dem Zug oder dem Auto in den Urlaub fahren.

4 Aber werden die vielen Früchte und anderen Lebensmittel aus fernen Ländern, die wir jeden Tag im Supermarkt kaufen können, auch mit dem Flugzeug transportiert? Julia ist ganz aufgeregt. Ob Mama das weiß? Das muss ich ihr unbedingt sagen, am besten, bevor sie das nächste Mal zum Einkaufen geht! Da schaut Julia voller Entsetzen auf ihre schönen roten Nelken. Die Blumen wachsen im Winter auch nicht bei uns! Wo kommen die her? Tanja erklärt: Die kommen aus Kenia! Dort werden fruchtbare Felder nicht für den Anbau von Getreide oder Kartoffeln genutzt, sondern für Blumen, weil man damit mehr Geld verdienen kann. Heißt das, die Menschen hungern, weil ich hier im Winter meiner Mutter zum Geburtstag einen Blumenstrauß schenken will? fragt Julia entsetzt. Ja antwortet Tanja, so wird es wohl sein! Julia stöhnt: Das gefällt mir aber nicht! Plötzlich springt sie auf, schnappt sich die Blumen und eilt zur Tür. Im Hinausgehen ruft sie noch: Ich bringe die Nelken zurück! und schon ist sie weg. Tanja schaut ihr verdutzt hinterher. Nach einer Weile lächelt sie und denkt: Vielleicht wird jetzt die Ungerechtigkeit auf dieser Welt wieder ein bisschen weniger.

5 Julia stürmt in den Blumenladen und gibt den Strauß mit den schönen roten Nelken der Verkäuferin. Den möchte ich nicht mehr haben! sagt sie. Ich will nicht, dass in Kenia die Menschen meinetwegen hungern! Die Verkäuferin gibt ihr sprachlos das Geld zurück. Julia wollte schon gehen, da sieht sie an einem Ständer Blumensamen in kleinen Päckchen. Dort findet sie auch Samen für rote Nelken. Den nehm ich! sagt Julia und legt das Geld passend auf die Theke. Die Verkäuferin schaut ihr erstaunt nach und wird dabei selbst ein bisschen nachdenklich. Für mich ist es schon wichtig, dass ich schöne Ware im Laden habe, aber wo diese Blumen herkommen, hat mich bisher noch nie interessiert! Vielleicht sollte ich mich mal darüber informieren! Julia rennt so schnell sie kann nach Hause. Dort berichtet sie ihren Brüdern von ihren Erlebnissen. Daniel sagt: Siehste, ich war doch gleich dagegen! Aber woher wusstest du das? will Ulli wissen. Wir haben mal im Religionsunterricht darüber gesprochen antwortet Daniel. Und warum sagst du uns das nicht? riefen Julia und Ulli wie aus einem Mund. Ich dachte, das ist nicht so wichtig, das ist ja alles so weit weg und außerdem kaufe ich ja sowieso keine Blumen.

6 Die drei Geschwister beschließen, dass sie einen Blumenstrauß aus Papierblumen herstellen. Den Blumensamen wollen sie im Frühjahr im Garten aussäen, an einem Platz, den man von Mamas Lieblingsplatz im Wohnzimmer gut sehen kann. Wenn die Blumen blühen wird jede Woche ein anderer einen frischen Blumenstrauß ins Esszimmer stellen. Julia will den Anfang machen, denn sie hatte ja schließlich die Idee. Mama freut sich sehr über die Papierblumen ihrer Kinder. Auf dem Gutschein, den sie dazu bekommt steht zu lesen: Auf einen großen Blumenstrauß musst du ein bisschen warten, wir holen ihn im Sommer raus, aus unserem eigenen Garten.

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