Sehr geehrte Damen und Herren,

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1 Rede von Herrn Regierungspräsident Andriof anlässlich des Symposiums Sekundenschlaf am Steuer - ein Problem für Fahrer und Speditionen für das Symposium Sekundenschlaf am Steuer - ein Problem für Fahrer und Speditionen Sehr geehrte Damen und Herren, ich darf Sie recht herzlich zu dem Symposium Sekundenschlaf am Steuer - ein Problem für Fahrer und Speditionen begrüßen. Sehr herzlich begrüße ich auch die Mitveranstalter dieses Tages - den Industrie - und Handelskammer -Tag Baden- Württemberg, vertreten durch Herrn Dr. Reichardt und den Verband des Württembergischen Verkehrsgewerbes, vertreten durch Herrn Dr. Didier. Zwar hört man immer wieder den Spruch: Schlaf ist die beste Medizin, doch manchmal ist genau das Gegenteil der Fall. Immer wieder liest man von Unfallmeldungen über Lastwagen, deren Fahrer am Steuer vermutlich kurz eingeschlafen sind. In der Statistik der Polizei wird Übermüdung am Steuer jedoch nur selten als Unfallursache aufgeführt. Sie verbirgt sich wahrscheinlich hinter den Begriffen unbekannte Ursache oder Unaufmerksamkeit. Schätzungen auf Grund von Vigilanzmessungen gehen allerdings davon aus, dass jeder vierte bis fünfte schwere Verkehrsunfall auf Autobahnen

2 - 2 - durch Müdigkeit oder Einschlafen am Steuer verursacht sein könnte. Dafür sprechen nicht nur die Ergebnisse von Messungen von Schläfrigkeit und Müdigkeit bei Fahrern an der Autobahn sondern auch die Tatsache, dass schwere Unfälle sich sehr viel häufiger in den Nachtstunden zwischen 20 und 3 Uhr ereignen, also zu einer Zeit, wo die Vigilanz bekanntlich bei fast allen Menschen gering und das Schlafverlangen hoch ist. Vom Autofahrer wird angesichts der hohen Verkehrsdichte auf unseren Straßen permanent hohe Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktionsbereitschaft verlangt. Dazu ist man aber nicht wirklich in der Lage, wenn man nachts zu wenig geschlafen hat, wenn man zu lange pausenlos am Steuer sitzt oder gar an einer Schlafstörung leidet. Während Alkoholmissbrauch das Unfallrisiko schon auf das Doppelte erhöht, sind Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom, also einem gestörten Nachtschlaf mit Atemaussetzern einem fast vierfach erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt. Aber es geht nicht nur um die Unfallgefährdung, die von Fahrern mit gestörtem Nachtschlaf ausgeht. Es geht auch um gesunde Fahrer, die durch Überforderung übermüdet sind. Nach 17 Stunden am Steuer ist das Reaktionsver-

3 - 3 - mögen beispielsweise genauso eingeschränkt wie durch 0,8 Promille Blutalkohol. Besonders prekär und bisher zu wenig beachtet sind die Probleme Schlafmangel, schlechter Schlaf und Tagesmüdigkeit bei LKW-Fahrern im Fernverkehr. Schon die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen ist für die LKW-Fahrer schwierig. Dafür sorgen Termindruck und die zahlreichen Staus auf der Autobahn. Es kommen noch weitere Probleme hinzu: So haben die Fahrer Schwierigkeiten, Parkplätze zu finden, auf denen sie ihre Ruhepause einhalten können. Autobahnparkplätze sind chronisch überbelegt. Haben sie Glück gehabt und doch einen gefunden, so kann der Schlaf an der Autobahn gestört sein. Ursachen können Hitze, Kälte oder Lärm in der Führerkabine sein. Eine Untersuchung des Verkehrslärms an vielbefahrenen Straßen hat ergeben, dass bereits bei Dauerlärmpegeln von 50 Dezibel auf der Straße Schlafstörungen bei den Anwohnern festgestellt werden können. Entsprechende Werte werden auch auf Autobahnparkplätzen weit überschritten. Wie dies die Schlafqualität der Fahrer beeinflusst, wurde bisher noch nicht untersucht. Auch Nacht- und Schichtarbeit sowie eine unregelmäßiger Tagesablauf können den Schlafrhythmus der Fahrer stören.

4 - 4 - Alle diese genannten Faktoren tragen zum Zustandekommen von schweren Unfällen auf unseren Straßen bei. Wenn man die Selbstgefährdung und damit auch die Gefährdung der Allgemeinheit durch übermüdete Fahrer bekämpfen will, so muss man sich zunächst einmal Kenntnisse verschaffen, wie häufig der Sekundenschlaf im Straßenverkehr vorkommt. Die Faktoren, die am meisten zu Schläfrigkeit am Steuer beitragen, müssen untersucht werden, damit man sie gezielt bekämpfen kann. Dazu müssen objektive Tests in solchen Studien eingesetzt werden, um die tatsächliche Schläfrigkeit erfassen zu können. Auf Anregung des Ministeriums für Arbeit und Soziales wollen deshalb mehrere badenwürttembergische Institutionen unter Leitung des Regierungspräsidiums Stuttgart ein Zeichen gegen Sekundenschlaf am Steuer setzen. In einer gemeinsamen Aktion unter dem Motto Hellwach am Steuer sollen verschiedene Untersuchungen zu den genannten Problemen gemacht werden. Allen Institutionen, die der Arbeitsgruppe des Regierungspräsidiums Stuttgart angehören und die durch Ihre Mitarbeit einen Beitrag leisten, möchte ich bei dieser Gelegenheit herzlich danken. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, einmal eine Übersicht über die jetzige Situation der Fahrer zu erhalten, aber auch

5 - 5 - praxisbezogene Untersuchungen dazu anzustoßen. Geplant ist in nächster Zeit eine vom Ministerium für Arbeit und Soziales finanzierte Vorstudie über Vigilanz und Belastung von LKW-Fahrern. Weitere Studien sind in Vorbereitung. Aber es liegt, wie so häufig am Geld, am nicht vorhandenen Geld: Bisher konnte dafür noch kein Sponsor gewonnen werden. In der heutigen Veranstaltung werden Sie umfassende Informationen zum Thema Sekundenschlaf am Steuer erhalten. Meine Damen und Herren, angesichts des weiter stark zunehmenden LKW-Verkehrs, der täglich 24 Stunden über die Straßen Europas rollt, der langen Strecken, die dabei zurückgelegt werden müssen, kann das Thema gar nicht ernst genug genommen werden. Wir alle sind Nutzer der Straßen. Wir alle können dabei auch Opfer der geschilderten Umstände werden. Jeder Schritt, der dazu beiträgt, Unfälle durch Müdigkeit zu verhindern, ist willkommen. Allen, die sich darum bemühen, spreche ich meinen Dank und Anerkennung aus und wünsche ihnen auf diesem langen Weg viel Erfolg. Mein Dank gilt auch allen, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben, die hier unentgeltlich Vorträge halten und auch allen Mitarbeitern, die zur Organisation der Veranstaltung beitragen. Ich wün-

6 - 6 - sche der Veranstaltung ein gutes Gelingen und Ihnen interessante Denkanstöße, Diskussionen und Informationen.

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