Wie leben Kinder anderswo?

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1 Kolumbien Wie leben Kinder anderswo? Informationen und Hinweise für Unterrichtende

2 Inhalt Vorwort... 1 Indonesien... 2 Russland Kolumbien Kamerun Neuseeland/Aotearoa Adressen Literatur und Medienliste Unterrichtsentwürfe und Arbeitsbögen (exemplarisch) Autorinnen und Autoren... U3 Impressum Herausgeber: Evangelisches Missionswerk in Deutschland e.v. (EMW), Hamburg 2005 Redaktion: Karin Bräuer (verantw./emw) Frank Kürschner-Pelkmann Autoren und Autorinnen: Pebri und Christian Gossweiler (Indonesien) Fedor Kozyrev (Russland) Ursula Holzapfel (Kolumbien) Reiner Rumohr (Kamerun) Ron O Grady (Neuseeland) Layout: Margrit Gerlach (EMW) Notenlayout: Hildburg Bothe (EMW) Bezug: EMW, Normannenweg Tel: (0 40) Fax: (0 40) kostenlos, Spende zur Deckung der Herstellungskosten herzlich erbeten: Konto bei der EDG Kiel, BLZ Für die wertvollen Rückmeldungen aus der praktischen Erprobungsphase des Arbeitsheftes danken wir an dieser Stelle ausdrücklich Frau Ute Bach und den Kindern der Klasse 3b der Grundschule in Frohnhausen-Dillenburg (Indonesien), Frau Irmtraud Duwe und den Kindern der Klasse 4a an der Grundschule Ehesdorferweg in Hamburg-Harburg (Russland), Pastorin Franziska Schrimpf und den Kindern der Klassen 3-6 an der Spartacus- Grundschule in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg (Kamerun), Frau Silke Lorenz und den Kindern der Klasse 3c an der Grundschule Appen (Kolumbien) sowie Herrn Karl-R. Hankel und den Kindern der Klasse 4b an der Grundschule Lenzinghausen der Stadt Spenge (Neuseeland). Zudem gilt unser Dank all jenen, die mit eigenen Beiträgen zu unserem Grundschulmaterial beigetragen haben oder uns freundlicherweise Abdruckgenehmigungen erteilten.

3 Vorwort W ulan, Kolja, Danid, Christian und Czenamin: Fünf Kinder aus fünf Ländern verteilt über alle Kontinente stellen exemplarisch ihren Lebenskontext im neu erarbeiteten Grundschulmaterial Wie leben Kinder anderswo vor. Sie alle sind im Alter zwischen 9 bis 12 Jahren, sie alle berichten anhand der sich in jedem Kapitel wiederholenden fünf Themenschwerpunkte: Familien- und Wohnsituation, Alltag, Essen, Spiele, Religion und Glaube. Damit stellen die Mädchen und Jungen nicht nur sich selbst vor, sondern ermöglichen die Vergleichbarkeit von Lebenssituationen durch persönliche Erzählungen und machen so unterschiedliche Armuts- bzw. Reichtumskontexte anschaulich. Ergänzt werden die Berichte der Kinder durch eine Vielzahl anschaulicher Fotos und Hintergrundberichte der Autorinnen und Autoren, die die Kinder jeweils für einige Tage begleiteten. Pebri und Christian Gossweiler (Indonesien), Fedor Kozyrev (Russland), Ursula Holzapfel (Kolumbien), Reiner Rumohr (Kamerun) und Ron O Grady (Neuseeland) möchten wir an dieser Stelle unseren ganz herzlichen Dank aussprechen für ihr Engagement sowie die gute und reibungslose Zusammenarbeit über tausende von Kilometern. Das dem Schülermaterial zugeordnete Begleitheft hat zum Ziel, die Lehrkräfte bei Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts zu unterstützen. Zu diesem Zweck stellt es zu jedem Kapitel Hintergrund- und Länderinformationen zur Verfügung, die die Berichte des Schülermaterials ergänzen und Inhalte vertiefen. Es bietet sich u.e. an, diese Informationen wie ein Nachschlagewerk zu nutzen, entsprechend den praktischen Erfordernissen. Allen Länderkapiteln gemeinsam sind Informationen zu Geschichte, wirtschaftlicher und sozialer Situation, Bildung, Kindern, Glaube und Religion. Auch ist in jedes Kapitel ein landestypisches Märchen oder eine landestypische Fabel aufgenommen sowie spezifische Literaturtipps, einige enthalten zusätzliche Anregungen für Spiele und Rezepte. Identisch im Aufbau sind die Hintergrundinformationen jedoch nicht. Dies, um auf Besonderheiten und spezielle Situationen und Schwerpunkte im Zusammenhang mit einem Land eingehen und diese bearbeiten zu können. So sind zum Beispiel die Abschnitte zu Geschichte, wirtschaftlicher und sozialer Situation, Glaube und Religion im Kapitel zu Kolumbien stark von der dort alltäglichen und seit Jahrzehnten andauernden Gewalterfahrung der Mehrheit der kolumbianischen Bevölkerung geprägt. Im Neuseeland-Kapitel wiederum spielen natürlich die Maori, die Ureinwohner des Landes, eine große Rolle. Im Falle Russlands der Schwerpunkt Verarmung aufgrund sozialer Umbrüche, bei Kamerun das Thema Großfamilie und bei Indonesien der Spannungsbogen zwischen Modernisierung und Tradition. Pädagogische Hinweise wiederum, mit denen wir Anregungen zur Unterrichtsgestaltung anbieten, stehen am Ende jedes Länderkapitels. Auch wenn diese auf das jeweilige Land und auf den jeweiligen Kontext bezogen sind, können sie zugleich bei der Vorbereitung zu den anderen Länderschwerpunkten nützliche Hinweise bieten. Es lohnt sich also, dies von Fall zu Fall zu prüfen. Am Ende des Begleithefts finden Sie zudem eine Adressenliste, ein umfassendes Material- und Literaturverzeichnis rund um das Thema Globales Lernen und darüber hinaus einige beispielhafte Arbeitsbögen und Unterrichtsentwürfe zur Anregung. Diese wurden uns dankenswerterweise von den Lehrkräften zur Verfügung gestellt, die sich bereit erklärt hatten, jeweils ein Länderkapitel des Grundschulmaterials vor dessen Veröffentlichung mit ihren Klassen zu erproben (s. Impressum). Wir hoffen, dass das nun vorliegende Arbeitsheft eine ebenso große Nachfrage erfährt wie das erstmalig 1981 erschienene Vorgängermaterial und dass es für Sie als Nutzerin und Nutzer genauso hilfreich sein wird, wie die Rückmeldungen aus den Erprobungsstunden spiegelten. Vor allem aber hoffen wir, dass Sie und die Schülerinnen und Schüler genauso viel Freude und Spaß haben werden bei der Begegnung mit Kindern anderswo in unserer Einen Welt eine Erfahrung, die zum Alltag von Mitarbeitenden der Missionswerke gehört und diesen bereichert. Karin Bräuer und Frank Kürschner-Pelkmann Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 1

4 Republik Indonesien Fläche: km 2 (Deutschland: km 2 ), ca Inseln, die sich auf eine Meeresfläche von der Größe Europas verteilen, davon sind etwa bewohnt. Einwohnerzahl: 217,8 Mio. (Deutschland: 82,3 Mio.) Einwohner je km 2 : 114 (Deutschland: 231) Hauptstadt: Jakarta, ca. 9 Mio. (Hauptstadtbezirk ca. 18 Mio.) Städtische Bevölkerung: 42,0 % (Deutschland: 87,0 %) Lebenserwartung: 69 Jahre (Deutschland: 78 Jahre) Bevölkerungszusammensetzung: Javaner: 45,0 % Sundanesen: 15,0 % Maduresen: 7,5 % Chinesen: 6,0 % Andere: 26,5 % Klima: Tropisches Klima mit hohen Niederschlägen und feucht-heißer Luft, in Gebirgsregionen niedrigere Temperaturen. Offizielle Sprachen: Bahasa Indonesia (mit dem Malaiischen verwandt) Religionen: Muslime: 88,0 % Protestanten: 5,0 % Römische Katholiken: 3,1 % Hindus(v.a. auf Bali): 1,9 % Buddhisten und Konfuzianer: 1,0 % Naturreligionen: 1,0 % Staatsform: Präsidialrepublik Bruttosozialprodukt je Einwohner: 710 US-Dollar pro Jahr (Deutschland: ) (Quellen: Munzinger Archiv, Fischer Weltalmanach 2005) Geschichte Indonesiens Etwa Jahre vor Christi Geburt wanderten Proto-Malaien aus China in den indonesischen Archipel ein, etwa 500 Jahre später folgten Deutero- Malaien aus Südostasien. Ab 400 nach Christi entstanden hinduistische, schivaistische und buddhistische Königreiche auf Java und Sumatra. Großartige historische Zeugnisse dieser Reiche sind der Prambanan-Tempel und der Borobudur, das größte buddhistische Bauwerk der Welt. Im 8. bis 10. Jahrhundert regierte das Reich Sriwijaya von seinem Zentrum in Sumatra fast den gesamten indonesischen Archipel sowie die malaiische Halbinsel. Im 14. Jahrhundert wurden die indonesische Inselwelt, Malaysia, Teile Sri Lankas und der Philippinen vom Majapahit Königreich in Ostjava beherrscht. Vermutlich haben nestorianische Mönche schon im 7. Jahrhundert auf Sumatra und eventuell auch auf Java missioniert. Es gibt jedoch heute keine indonesische Kirche, die sich auf diese Mission zurückführt. Im 16. Jahrhundert brachte die portugiesische Kolonialmacht das römisch-katholische Christentum erstmals nach Maluku (auch Molukken oder Gewürzinseln genannt). Im späten 13. Jahrhundert führten muslimische Händler den Islam auf Sumatra ein, der sich in den folgenden zwei Jahrhunderten über ganz Indonesien verbreitete. Nach dem Entstehen der islamischen Sultanate auf Java flohen die verbliebenen hinduistischen Javanen im 16. Jahrhundert nach Bali und errichteten dort ein hinduistisches Reich. Im 17. Jahrhundert begann die niederländische Vereinigte Ostindien-Kompanie, Handelsposten im ganzen Archipel zu errichten. Sie wurden nach dem Konkurs der Handelsgesellschaft im Jahre 1816 von der niederländischen Krone übernommen, die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts die Handelsniederlassungen zu einem geschlossenen Kolonialreich zusammenfasste. Die Dominanz der Nie- 2 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

5 derländer während dieser dreieinhalb Jahrhunderte führte zur Vorrangstellung des Protestantismus gegenüber der römisch-katholischen Kirche. Die Holländer unterstützten den Protestantismus aber nur, so weit er ihren Handelsinteressen dienlich erschien, sonst behinderten sie die christliche Mission eher. In erster Linie wurde die Missionsarbeit von pietistischen Missionsgesellschaften getragen. Es gelang vor allem den Javanern, viele Kulturgüter der Kolonialmächte in ihre Kultur zu integrieren. So ist es zum Beispiel symptomatisch, dass Wulan Seilspringen und Springgummi für javanische Spiele hält. Ebenso ist die javanische Keroncong-Musik eigentlich portugiesischen Ursprungs. Im Jahr 1942 wurde Indonesien von den Japanern besetzt. Nach deren Abzug erklärten Nationalisten 1945 die Unabhängigkeit Indonesiens und kämpften anschließend gegen die Niederlande, bis diese schließlich 1949 die Unabhängigkeit anerkannten. Der Staatsgründer Sukarno regierte Indonesien als Präsident bis 1966 auf der Grundlage der Pancasila. Pancasila bedeutet fünf Prinzipien. Diese sind der Glaube an einen Gott, Humanismus, Nationalismus, Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Die Pancasila war und ist eine einzigartige Doktrin. Durch sie können Christen seit der Unabhängigkeit Indonesiens relativ frei ihren Glauben in dem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt praktizieren. Sukarno war außerdem einer der Führer der Blockfreien-Bewegung und versuchte das Land von US-amerikanischem Einfluss fern zu halten, war allerdings relativ offen gegenüber der Volksrepublik China und der Sowjetunion. Im Jahr 1965 schlug General Suharto einen (wohl fingierten) kommunistischen Putschversuch nieder und ließ sich im März 1966 alle Regierungsbefugnisse übertragen. Drei Jahre später wurde er offiziell zum Präsidenten gewählt. Die Kommunistische Partei Indonesiens sowie die kommunistische Ideologie wurden verboten, rund angebliche Kommunisten umgebracht, noch mehr wanderten in Umerziehungslager. Die Pancasila wurde zur einzig legitimen Ideologie erklärt. In den folgenden 30 Jahren baute Suharto eine immer totalitärere Diktatur auf, unterstützt von den USA und der westlichen Welt. Mit massivem Wahlbetrug errang seine Golkar-Partei bei allen Wahlen über 90 Prozent der Stimmen. Nach dem Sturz von Diktator Suharto am Himmelfahrtstag 1998 ging man zunächst mit viel Elan an die reformasi, die Reformierung, der indonesi- Mafr Namur Der Borobudur-Tempel, das größte buddhistische Bauwerk der Welt. schen Gesellschaft. Auf dem Gebiet der Presse- und Meinungsfreiheit konnten einige Fortschritte erzielt werden. Die wirtschaftlichen Probleme aber, die dadurch steigende Kriminalität, die Zunahme ethnischer Konflikte, die Korruption und der große Einfluss des Militärs konnten weder die Regierung von Präsident Abdurrahman Wahid ( ) noch die von Präsidentin Megawati Sukarnoputri ( ) in den Griff bekommen. Deshalb ging die Golkar-Partei des alten Regimes im April 2004 mit rund 21 Prozent wieder als stärkste Partei aus den Parlamentswahlen hervor. Einige Monate später jedoch bei der ersten Direktwahl eines Präsidenten erteilte das indonesische Volk den von Golkar unterstützten Kandidaten eine klare Absage. Im ersten Wahlgang konnte der von Golkar nominierte General Wiranto mit 22,2 Prozent der Stimmen nur den dritten Platz belegen und schied damit aus dem Wahlverfahren aus. Auch die in der Stichwahl von der Golkar-Partei unterstützte Präsidentin Megawati unterlag deutlich ihrem ehemaligen Sicherheitsminister, dem populären Susilo Bambang Yudhoyono. Der aus einfachen Verhältnissen stammende Drei-Sterne-General setzte sich in 30 der 32 Provinzen Indonesiens durch. Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 3

6 Mafr Namur Wirtschaftliche und soziale Situation Während der 32-jährigen Diktatur von General Suharto und seiner Golkar-Partei ( ) erreichte das Land einen scheinbaren Wohlstand und Fortschritt, der aber nur einer kleinen Minderheit zu Gute kam und durch eine hohe Auslandsverschuldung erkauft war. Indonesien gehörte bis in die zweite Hälfte der 1990-er Jahre zu den südostasiatischen Tigerstaaten mit einer rasch wachsenden Wirtschaft und hohen Einkommenszuwächsen. Jedoch entwickelte sich Indonesien unter der Suharto-Diktatur zugleich zu einem der korruptesten Länder der Welt. Eine hohe Verschuldung sowie die Aktivitäten von Spekulanten führten dazu, dass Indonesien im Jahr 1997 binnen weniger Tage in eine Wirtschafts- und Finanzkrise geriet, von der sich das Land bis heute nicht erholt hat. Das Pro-Kopf-Einkommen ist deutlich gesunken und die Arbeitslosigkeit (2003: 9,8 Prozent) plus die Unterbeschäftigung erreichen einen Wert von weit über 40 Prozent. Die Durchschnittslöhne gehören zu den niedrigsten in Asien. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist größer geworden. Die Hälfte der Bevölkerung lebt an der Armutsgrenze oder darunter. Demgegenüber gibt es eine kleine reiche Schicht, die in den letzten Jahren einen erheblichen Teil ihres Vermögens ins Ausland transferiert hat, vor allem nach Singapur. Etwa 43,8 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft. Sie erwirtschaften rund 16 Prozent des Sozialprodukts. Zu den weiteren wichtigen Wirtschaftszweigen gehören die Forstwirtschaft, der Abbau von Bodenschätzen und der Tourismus. Wulan aus dem Bergdorf Kopeng-Dukuh in Zentraljava wurde exemplarisch ausgewählt, weil sich hier viele der zuvor genannten Faktoren aufzeigen lassen: Die Wirtschaftsstruktur des Gebietes ist vor allem durch die Höhenlage von über Metern bestimmt Fremdenverkehr, Gemüseanbau und Zierpflanzengärtnerei. Schon während der Kolonialzeit suchten niederländische Kolonialbeamte und Plantagenbesitzer in der Bergesfrische Erholung. Hotels, Schwimmbäder und ein Park entstanden. Außerdem gediehen in dem milden Klima die ursprünglich niederländischen Gemüsesorten noch heute heißen sie auf Indonesisch tomat, wortel, kol, kobis, buncis (Bohnen) und prei (Porree). Sie sind inzwischen fester Bestandteil der indonesischen Küche geworden. Auch Geranien, Dahlien, Fuchsien und andere europäische Zierpflanzen entwickelten sich hier prächtig. Nach der Unabhängigkeit und vor allem während der Suharto- Diktatur brachten Generäle und hohe Regierungsbeamte die Hotels und Ferienhäuser an sich. Sie taten Panorama von Jakarta. aber wenig zu deren Erhaltung oder Renovierung. So ist Kopeng zu einem etwas schäbigen Naherholungsgebiet heruntergekommen, das kaum ausländische Touristen anlocken kann. Die Zimmer in den Hotels und Pensionen werden oft tagsüber stundenweise vermietet. Die Erholungssuchenden aus den Städten nehmen aber gern Gemüse und Zierpflanzen vom Markt von Kopeng mit nach Hause. Wenn die Bauern jedoch darüber hinaus ihre Produkte an Händler verkaufen, drücken diese sehr brutal die Preise. Ebenso werden die Preise für den in Kopeng angebauten Tabak von den Zigarettenfabriken diktiert. In den letzten Jahren steigt in den zubetonierten javanischen Großstädten wie Jogjakarta und Semarang das Interesse an Zierpflanzen. Wulans Vater, Herr Pandik, und viele andere Gärtner des Kopeng-Gebietes kamen deshalb auf die Idee, ihre Pflanzen direkt in den Großstädten zu vermarkten. Leider sind die Samenpflanzen von Kopeng inzwischen ausgestorben. Deshalb müssen die Gärtner vielfach Setzlinge aus Westjava kaufen und großziehen. Früher haben Bauern von Kopeng die Zierpflanzengärtnerei nur als kleinen Nebenerwerb betrieben. Inzwischen ist sie für einige, wie Herrn Pandik, zum Haupterwerb geworden, für einzelne gar zum ausschließlichen Erwerb. Doch die größeren Gärtnereien gehören Kapitalgebern aus der Stadt, zu wirklichem Wohlstand bringt es kaum jemand in der Dorfbevölkerung von Dukuh-Kopeng. Doch auch wenn man Wulans Familie nicht als wohlhabend bezeichnen kann, so genießt sie doch sozial und ökonomisch Ansehen im Dorf. Wulans Vater ist ehrenamtlicher Sekretär des Dorfes, seine Frau ist in der staatlichen Frauengruppe aktiv. Früher war Herr Pandik auch aktiv in der Demokratischen Partei Indonesiens, der Partei der früheren Präsidentin Megawati, eine Tochter des Staatsgründers Suharto. 4 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

7 Familien in Indonesien Die indonesische Bevölkerung wächst jedes Jahr um drei Millionen Menschen, die Städte wachsen durch die Zuwanderung vom Lande noch rascher. Inseln wie Java und Bali sind mittlerweile sehr dicht besiedelt. Auf diesen beiden Inseln leben 60 Prozent der Bevölkerung auf 7,2 Prozent der Fläche des Landes. Die sehr dichte Besiedlung wirkt sich negativ auf die Lebensqualität, den Zugang zu Land zum Bebauen und zum Beispiel auch die Versorgung mit Trinkwasser aus. Das hat auch Konsequenzen für die Gesundheit der Kinder. Angesichts der hohen Bevölkerungsdichte unternimmt die indonesische Regierung große Anstrengungen, um das Bevölkerungswachstum zu vermindern. Hatte jede Familie Ende der 1980-er Jahre noch 5,7 Kinder, so sind es heute etwa 2,5. Offiziell propagiert die Regierung die Zwei-Kind-Familie. Beamte bekommen zum Beispiel nur für die ersten beiden Kinder eine Geburtsbeihilfe und Kindergeld. Familien mit mehr als zwei Kindern werden aber nicht bestraft. Verhütungsmittel werden vom Staat zum Teil subventioniert, Abtreibung ist verboten und gesellschaftlich noch weitgehend verpönt. In besonders patriarchalischen Familien wünscht man sich sehr einen Sohn, aber die moderneren Familien wünschen sich als Ideal eine Tochter und einen Sohn. Insofern ist es eine Ausnahme, dass Wulan als Einzelkind aufwächst. Durch den engen Zusammenhalt der Großfamilie fungieren ihre Cousins und Cousinen praktisch als Geschwister. Auch sprachlich werden Cousins und Cousinen normalerweise als Geschwister bezeichnet. Viele Frauen der Mittelschicht, wie auch Wulans Mutter, sind erwerbstätig. Die Kinder werden dann von Verwandten oder von einer Haushaltshilfe (in den Städten) betreut. Da letztere oft ein geringes Bildungsniveau haben, wirkt sich diese Betreuung durch eine Haushaltshilfe meist negativ auf die schulische Leistung aus. Hinzu kommen die Wirkungen von Fernsehen und Computerspielen, die selbst auf dem Lande immer mehr das Familienleben und die Freizeit der Kinder bestimmen, wovon sich auch bei Wulan erste Anzeichen zeigen. Dass Kinder in der Landwirtschaft mithelfen, ist auf dem Dorf selbstverständlich. Wulan scheint an dieser Stelle relativ wenig gefordert zu sein und hilft eher spielerisch in der Gärtnerei ihrer Eltern mit. Vor allem in den Großstädten gibt es aber auch regelrechte Kinderarbeit. Die Zahl der Straßenkinder wächst dort ebenfalls bedingt durch die Wirtschaftskrise mit allen negativen Begleiterscheinungen wie Kinderprostitution, Vergewaltigungen, organisierter Bettelei, Kriminalisierung, etc. Namen in Indonesien Die Namensgebung in Indonesien ist so vielfältig wie seine Volksgruppen. Nur einige wenige Volksgruppen wie zum Beispiel die Batak in Nord- Sumatra verwenden Sippen- oder Familiennamen. Auf Java haben die Familienmitglieder im Allgemeinen keinen gemeinsamen Familiennamen. In vielen Fällen führen die Kinder aber den Namen des Vaters oder der Mutter: So hieß zum Beispiel die frühere Präsidentin Megawati Sukarnoputri, das bedeutet Tochter von Sukarno. Wulans erster Name ist sogar aus den Namen ihrer Mutter und ihres Vaters zusammengesetzt, wie sie im Schülerheft erklärt. Es ist aber auch umgekehrt zumindest im engeren Freundeskreis möglich, eine Frau mit dem Namen ihres ältesten Sohnes oder ihrer ältesten Tochter zu rufen, mitunter auch den Vater. In der Vergangenheit waren die Namen vor allem in den Dörfern und besonders für Mädchen wesentlich einfacher. So hat zum Beispiel Wulans Mutter nur einen einzigen Namen: Suprihati. Oft wurden die Kinder auch nur nach dem Wochentag benannt, an dem sie geboren wurden. Heute verwendet man aber auch auf den Dörfern längere Namen, wie zum Beispiel Prinandika Ayu Wulandari. Doch ist keiner dieser drei Namen der Familienname, alle drei sind Eigennamen. Nur der Einfachheit halber betrachten europäische Standesämter den letzten (oder den ersten) dieser Namen als Familiennamen. Wie an Wulans Namen außerdem deutlich wird, achten die meisten Javaner weiterhin sehr auf die Bedeutung des Namens ihrer Kinder und nicht nur, dass er schön klingt. Der Rufname wird in der Regel aus einem dieser Eigennamen abgekürzt. So könnte zum Beispiel Prinandika Ayu Wulandari nicht nur Wulan, sondern auch Dika, Ika, Ayu oder Ndari gerufen werden. Manchmal verwenden sogar die Lehrer und Mitschüler einen anderen Rufnamen als die Familie. So wurde zum Beispiel die Mitverfasserin dieses Beitrages, Kristanti Pebri Nugrahani, in der Schule Kris gerufen, von ihrer Familie aber Pebri. Pebri und Christian Gossweiler Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 5

8 Tierfabel aus Java Viele javanische Fabeln drehen sich um Kantschil (geschrieben: kancil), eine Art Zwerghirsch oder Zwergreh (tragulus pygmaeus oder tragulus javanicus), manchmal auch mit Hirschferkel übersetzt. Sehr typisch für die indonesische Sprache ist, dass man nicht weiß, ob Kantschil männlich oder weiblich ist. Ähnlich wie bei Reineke Fuchs ist die List von Kantschil sprichwörtlich. Zugleich ist die List von Kantschil auch ein gutes Beispiel für typisch javanische Konfliktlösung. Allerdings hilft Kantschil mit seiner List auch anderen Tieren, wie zum Beispiel in der folgenden Geschichte: E ines Tages hörte Kantschil im Wald verzweifelte Schreie: Hilfe, Hilfe, ich habe dir doch geholfen, und jetzt willst du mich fressen. Ist das dein Dank? Dann ein böses Zischen: Ich kenne keinen Dank! Als Kantschil näher kam, sah es eine Würgeschlange, die einen Büffel erwürgen wollte. Kantschil fragte die beiden: Was geht hier vor? Dann scheinbar verärgert zu dem Büffel: Warum heulst du wie ein kleines Kind? Es ist doch nur recht und billig, dass die Schlange, die Königin des Waldes, dich fressen darf! Bei uns herrscht doch das Gesetz des Dschungels: Der Stärkere siegt. Der Büffel begriff die List von Kantschil nicht und rief voller Angst: Rede doch nicht so einen Blödsinn! Die Schlange freute sich natürlich über den Rat von Kantschil: Es ist doch wirklich besser, wenn ich diesen blöden Büffel von seiner Dummheit erlöse und ihn fresse, damit er nicht länger mit seiner Dummheit auf dieser Erde leben muss. Das ist das Gesetz des Dschungels: Der Stärkere siegt. Hab ich nicht recht, Kantschil? Kantschil tat weiter so, als sei es auf der Seite der Schlange: Ja, die tapfere Schlange hat ganz recht! Aber dann fragte Kantschil: Was habt ihr da vorher von Dank und Dummheit erzählt? Das verstehe ich nicht, wahrscheinlich bin ich auch zu dumm dazu. Am besten ihr spielt mir einfach noch einmal vor, was gerade eben passiert ist. Die Schlange fühlte sich von Kantschil geschmeichelt und stimmte dem Vorschlag zu: Also komm, du dummer Büffel, und heb den Baumstamm dort noch einmal hoch! Wir wollen Kantschil vorspielen, was gerade passiert ist! Der Büffel verstand die List von Kantschil immer noch nicht ganz, aber er hob den Baumstamm hoch, und die Schlange kroch darunter. Dann ließ der Büffel den Baum wieder ab, so dass die Schlange darunter eingeklemmt war. Herzog Auf Bali ziehen noch Wasserbüffel den Pflug durch die Reisfelder. Dann erklärte die Schlange: Also, ich war unter diesem Baum eingeklemmt und rief: Hilfe, Hilfe! Dann kam dieser dumme Büffel, hat den Baumstamm hochgehoben und mir geholfen. Verstehst du jetzt? Dann rief sie dem Büffel verärgert zu: Los, du dummer Büffel, worauf wartest du noch? Heb den Baumstamm wieder hoch, wie du es vorher getan hast! Aber Kant- 6 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

9 schil sagte zu dem Büffel: Lieber, guter Büffel, wirst du das noch einmal tun und deinen Fehler wiederholen? Du weißt doch, was danach passieren wird! Endlich begriff der Büffel: Ach so, das mache ich natürlich nicht! Entschuldige, ich habe vorher tatsächlich gedacht, du willst, dass die Schlange mich frisst. Jetzt verstehe ich deine List erst. Entschuldige! Darauf Kantschil: Schon gut, komm wir gehen jetzt und lassen diese böse, undankbare Schlange hier! Die Schlange rief verärgert: He, was soll das? Kennt ihr nicht das Gesetz des Dschungels: Der Stärkere siegt? Aber Kantschil antwortete nur: Nicht unbedingt der Stärkere siegt immer, sondern oft auch der Listigere! Hinweis: Die Beiträge auf den Seiten 2-8 wurden von Christian und Pebri Gossweiler verfasst, die auch die Tierfabel übersetzt haben. Beide haben auch den Indonesien-Teil des Schülerheftes erarbeitet. Religionen in Indonesien EMW/Schnorbach Mit seiner islamischen Bevölkerungsmehrheit ist Indonesien das Land mit den meisten Muslimen in der Welt. Es leben mehr Muslime in Indonesien als im gesamten Nahen Osten. Nach den offiziellen Statistiken der Regierung sind 86,9 Prozent der Indonesier Muslime und nur etwa 8 Prozent Christen; man schätzt jedoch den tatsächlichen Anteil der Christen höher. Christen leben vor allem in den Großstädten wie Jakarta sowie auf den Außeninseln. Als Ergebnis christlicher Mission im 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts gab es mehrheitlich christliche Gebiete im Poso-Gebiet (Zentral-Sulawesi), im Minahasa-Gebiet (Nord-Sulawesi), auf den Molukken, in Papua/West-Neuguinea, Flores, Timor, Nord-Sumatra und im Landesinnern von Kalimantan. In vielen dieser Gebiete jedoch sind Christen durch massive Einwanderung von Muslimen sowie Vertreibungen, Zwangs-Islamisierungen und sonstiger Folgen der gewaltsamen Auseinandersetzungen der Jahre 1999 bis 2002 in die Minderheitssituation geraten. Auf der Insel Bali und einigen wenigen Enklaven auf Java dominiert der Hinduismus. Die Chinesen sind Buddhisten, Konfuzianer, Taoisten oder Christen. Im Landesinnern von Kalimantan, Sulawesi und Papua findet man noch Reste von Stammesreligionen. Traditionell sind vor allem die javanischen Muslime sehr tolerant. Viele von ihnen sind eigentlich Anhänger des Javanismus, einer Mischreligion aus Islam, Hinduismus, Buddhismus und altjavanischen Glaubensvorstellungen. Von der niederländischen Kolonialregierung wurden viele dieser Javanisten im 19. Jahrhundert kurzerhand zu Muslimen erklärt. Nach dem niedergeschlagenen so genannten kommunistischen Staatsstreich am 30. September 1965 ordnete Diktator Suharto an, jeder Indonesier müsse einer der fünf anerkannten Hochreligionen (Islam, Hinduismus, Buddhismus, evangelisches oder katholisches Christentum) angehören. Sonst mache er sich verdächtig, Kommunist zu sein. Vor allem in den Hochburgen der Kommunistischen Partei Indonesiens entschieden sich ganze Dörfer für das Christentum, besonders die Menschen mit javanistischem Hintergrund. Aber auch Moderne Batak-Kirche in Sumatra Hunderttausende mit traditionellem Dekor. nomineller Muslime wurden in den 1970-er bis 1980-er Jahren Christen. Trotzdem blieb in den meisten ländlichen Gebieten Javas der Anteil der Christen unter ein Prozent. Die Anhänger der Stammesreligionen entschieden sich (oft sehr formal) für das Christentum oder erklärten ihre traditionelle Religion zu einer Variante des Hinduismus. Diese Massen-Konversionen erregten den Unmut der Muslime. Hinzu kam sozialer Neid. Aufgrund der Vielzahl guter christlicher Schulen waren die Christen besser gebildet und dadurch in höheren gesellschaftlichen Positionen überproportional vertreten. Der islamische Intellektuelle Nurcholis Majid bezeichnete den indonesischen Islam einmal Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 7

10 Moderne Batak-Kirche in Pematang-Siantar (Sumatra) mit traditionellem Dekor. als Majorität mit Minderheitskomplex. Um seine Macht zu festigen, umwarb Suharto zudem von den 1980-er Jahren an fundamentalistische Muslime. Christen wurden systematisch aus allen gesellschaftlichen Schlüsselpositionen gedrängt. Im Ausland machte man zwar Propaganda mit Fotos, wie in Indonesien Kirchen und Moscheen friedlich nebeneinander stehen. Verschwiegen wurde jedoch, dass fast in jedem Fall die Moschee neben die Kirche gebaut worden war. Die umgekehrte Reihenfolge war undenkbar. Konflikte zwischen den religiösen Gruppen wurden vom Suharto-Regime bewusst geschürt, um von den Spannungen zwischen Volk und Regierung abzulenken. Auch nach dem Sturz des Diktators verstehen es die Eliten, ihre politischen Machtinteressen religiös zu bemänteln. Unter dem Vorwand einer angeblichen Verfolgung von Muslimen in den mehrheitlich christlichen Gebieten von Zentral-Sulawesi und auf den Molukken wurden bis vor kurzem Tausende Islamisten zum Jihad, zum heiligen Krieg, dorthin entsandt. Erst nachdem dieser Konflikt Tausende Menschenleben gekostet hatte, konnte im Jahr 2002 der damalige Sozialminister und jetzige Vizepräsident, Jusuf Kalla, diese Konflikte befrieden. EMW/Schnorbach Viele dieser Entwicklungen lassen sich exemplarisch an Wulans Familie und Heimatdorf aufzeigen: Erste christliche Gemeinden gab es im Gebiet von Kopeng schon zur Kolonialzeit. So hatte zum Beispiel der Neukirchener Missionar Gottlieb Dietzel seinen Altersruhesitz in der Bergesfrische von Kopeng gewählt und gründete dort eine kleine Gemeinde. Aber viele dieser ersten Gemeinden mussten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges und des Unabhängigkeitskrieges fliehen. Doch die Missionare hinterließen der Christlichen Kirche aus Nordmitteljava (GKJTU) bis heute eine pietistische Prägung, was sich zum Beispiel in dem freien Gebet von Wulan im Schülerheft zeigt. Als Folge des erwähnten Putsches im Jahr 1965 nahmen viele Javanisten und Kommunisten auch aus dem Gebiet von Kopeng als anerkannte Hochreligion das Christentum an. Die GKJTU, zu der Wulans Familie gehört, wuchs damals beispielsweise von gut auf knapp Mitglieder. Nachdem in den letzten Jahrzehnten der Islam aber zunehmend an Einfluss gewann, erschien es vielen opportuner, zum Islam zu wechseln. Allerdings ist dieser Islam mit alten Glaubensvorstellungen und Geisterglauben vermischt, wie sich bei der Feier des Saparan-Festes zeigt: Zwar ist das Fest nach einem islamischen Monat benannt, es werden aber den Ahnengeistern Opfer gebracht. Auch für die Christen sind die Geister eine Realität, der sie im Gebet begegnen dies wird zum Beispiel in Wulans Nachtgebet im Schülerheft deutlich. Heute sind etwa die Hälfte der Bevölkerung von Dukuh Muslime, die andere Hälfte Christen. Das Verhältnis von Christen und Muslimen ist relativ harmonisch, gleichwohl gibt es auch in Dukuh Misstrauen und Angst vor Fanatikern. Auch fühlen sich Christen herausgefordert, ob sie es mit ihrem Glauben wirklich Ernst meinen. Wer den einfachen Weg wählt, wechselt zum Islam. Herr Pandik und seine Frau sind kirchlich sehr engagiert, Herr Pandik ist Kreissynodalsekretär, seine Frau ist in der Frauenarbeit aktiv. Als Aufwandsentschädigung für seinen Einsatz hat Herr Pandik etwas Land von der Kirche bekommen, das er gegen eine Pacht bewirtschaftet. Frau Pandik ist Lehrerin in einer christlichen Grundschule, die ebenfalls der GKJTU gehört. Diese Schule war und ist für die Kinder in dem abgelegenen Dorf Tekelan fast die einzige Möglichkeit, eine Schulausbildung zu bekommen. 8 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

11 Tuhan Cinta Semua Bangsa / Der Herr liebt alle Völker Text und Melodie: Sutarto (nach Psalm 33:12) wörtl. Übersetzung des indonesischen Textes: Der Herr liebt alle Völker auf der ganzen Welt weiße, schwarze, rote und braune, sie alle liebt der Herr. Kasih Allah Sungguh Besar / So groß ist Gottes Liebe Text und Melodie: Sutarto (nach Joh. 3:16) wörtl. Übersetzung des indonesischen Textes: 1. So groß ist Gottes Liebe zu uns Jesus Christus wurde gekreuzigt um die Menschen von ihren Sünden zu erlösen 2. Alle die glauben, werden nicht verloren gehen, sondern im Himmelreich ewig leben. Pädagogische Hinweise Der Abschnitt über das indonesische Kind im Schülerheft zeichnet sich dadurch aus, dass Wulan meist mit eigenen Worten aus ihrem Leben und Alltag berichtet. Diese Authentizität wird den Schülerinnen und Schülern die Identifikation mit dem Mädchen erleichtern. Es ist aber wichtig, dass die Lehrerin oder der Lehrer Wulans Texte im Unterrichtsgespräch um Informationen aus den Beiträgen zu Indonesien aus diesem Lehrerheft ergänzt und so den Zugang zu einer anderen Kultur und Lebensweise erleichtert. Dies gilt zum Beispiel für die Informationen zur Situation der Familien in Indonesien und zur Namensgebung. Es ist günstig, die Unterrichtseinheit mit einer kurzen Einführung des Lehrers oder der Lehrerin über Indonesien zu beginnen, wofür die Indonesien-Beiträge in diesem Lehrerheft benutzt werden können. Dazu gehört auch, auf einer Landkarte oder einem Globus Indonesien und die Insel Java zu zeigen. Es wird bei dieser Einführung weniger darauf ankommen, Zahlen und Fakten zu vermitteln, sondern die Kinder auf die Reise in ein fernes Land einzustimmen, bei der sie ein indonesisches Mädchen kennen lernen. Denkbar ist auch, dass die Kinder selbst Informationen recherchieren, sei es dass sie zu Hause nach Materialien forschen, in einer Bibliothek oder auch im Internet. Der einleitende Text, in dem Wulan sich selbst vorstellt, ist relativ lang. Es sollte aber versucht werden, ihn in einer Stunde bzw. Doppelstunde ganz zu lesen und schon einmal kurz zu besprechen. In der nächsten Stunde kann dann eine Vertiefung erfolgen, hier kann der Text Indonesien Wulans Heimat hinzugezogen werden. Der sehr anschauliche Text von Wulan kann dazu anregen, über die ei- Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 9

12 gene Lebenssituation zum Beispiel als Einzelkind oder in einer großen Familie zu sprechen. Zu solchen Vergleichen regt auch der Text Ein Tag in Wulans Leben an. Eine Möglichkeit besteht darin, die Schülerinnen und Schüler einen ähnlichen Text über einen Tag im eigenen Leben schreiben zu lassen. Es sollte aber vermieden werden, sich zu weit von Wulans Text zu entfernen oder nur die Unterschiede bzw. Ähnlichkeiten zum eigenen Alltag zu diskutieren. In Form eines Steckbriefes können abschließend die Informationen über Wulan und ihre Familie zusammengefasst werden. Nach dem Nasi-Goreng-Rezept lässt sich selbstverständlich nur kochen, wenn eine Schulküche und genügend Zeit zum Beispiel im Rahmen des Projektunterrichts vorhanden sind. Andernfalls können die Schülerinnen und Schüler ermutigt werden, das Gericht mit ihren Eltern zu kochen. In diesem Zusammenhang ist ein Exkurs zum Reisanbau in Indonesien möglich und sinnvoll. Materialien und Informationen können wiederum über das Internet recherchiert werden, auch bieten die Schulmaterialien des katholischen Hilfswerks Misereor (s. Adressteil) zum Hungertuch aus Indonesien hierzu Informationen. Der Unterricht kann dann mit dem Spiel oder der Tierfabel fortgeführt werden. Die Tierfabel wird die Schülerinnen und Schüler besonders dann ansprechen, wenn sie vom Lehrer oder der Lehrerin mit eigenen Worten erzählt wica. In der Regel wird es die einfachste Möglichkeit sein, das Dhakon-Spiel draußen zu erproben und kleine Löcher in den Sand zu graben. Es gibt übrigens Ähnlichkeiten zwischen diesem Spiel und dem Spiel, das im Kamerun-Abschnitt vorgestellt wicd. Viele Kinder in Deutschland wachsen in einer säkularisierten Umgebung auf, und deshalb wird es die Aufgabe der Unterrichtenden sein, ihnen den Zugang zum tiefen Glauben und zum religiösen Leben Wulans zu erleichtern. Dafür kann der Beitrag Religionen in Indonesien in diesem Heft eine Hilfe sein. Mit einem der Lieder im Schüler- und Lehrerheft kann ein wichtiger Teil des religiösen Lebens der Familie Pandik in den Unterricht einbezogen werden. Das Leben in einer multi-religiösen Umgebung ist für viele Kinder bei uns eine Alltagserfahrung, und der Text von Wulan zu diesem Thema kann auch dazu anregen, über eigene Erfahrungen und Auffassungen zum interreligiösen Miteinander zu sprechen. Literaturtipps: Berninghausen, Julia u.a.: Zuhause, wo der Pfeffer wächst, Ratgeber Indonesien, Horlemann Verlag, Bad Honnef (1996) Becker, Dieter: Kirchen und der Pancasila-Staat Die indonesischen Christen zwischen Konsens und Konflikt, Verlag der Ev.-Luth. Mission, Erlangen (1996) Missionshilfe Verlag: Süd- und Südostasien, Jahrbuch Mission 1998, Bezug: DEMH (s. Adressteil) Ev. Missionswerk in Südwestdeutschland: Indonesien, Informationsbrief 1998,08, Stuttgart, Bezug: EMS (s. Adressteil) Kampschulte, Theodor: Zur Lage der Menschenrechte in Indonesien Religionsfreiheit und Gewalt, Aachen (2001), Bezug: Missio Aachen (s. Adressteil) Kayam, Umur: Ein Hauch von Macht, Roman, Horlemann Verlag (1999) Kordon, Klaus: Der Weg nach Bandung, Roman für Kinder, Beltz Verlag (2000) Lubis, Mochtar: Dämmerung in Jakarta, Roman, Unionsverlag (1997) Magnis-Suseno: Neue Schwingen für Garuda, Indonesien zwischen Tradition und Moderne, Kindt Buchhandlung und Verlag (1989) Misereor: Jetzt ist die Zeit christliche Kinderlieder aus Indonesien, CD Richardson, Don: Friedenskind, Taschenbuch, Verlag der Liebenzeller Mission Richardson, Don: Friedenskind, VHS-Video, Hänssler Verlag Schumann, Olaf: Kirche und Staat in Indonesien, Vereinte Ev. Mission (VEM), Wuppertal (1994), Bezug: VEM (s. Adressteil) Siebert, Rüdiger: Indonesien Inselreich in Turbulenzen, Horlemann Verlag, Bad Honnef (1998) Toer, Promoedya A.: Kind aller Völker, Roman, Unionsverlag (1994) Toer, Promoedya A.: Die Braut des Bendoro, Roman, Horlemann Verlag (2001) Toer, Promoedya A.: Spur der Schritte, Roman, Unionsverlag (2002) Vonzun, Ursula (Red.): Menschen Glauben Leben auf Java, Basler Mission (1994), Bezug: mission 21 (s. Adressteil) Waiblinger, Martina, u.a.: Talitha Kumi Junge Frau, steh auf, Weltgebetstag der Frauen 2000 Indonesien, Deutsches Weltgebetstagskomittee, Bezug: Misereor (s. Adressteil) Restexemplare: Beim Erlanger Verlag für Mission und Ökumene ist noch eine beschränkte Zahl von Exemplaren von zwei schön geschriebenen und gestalteten Kinderbüchern von Nyoman Darsane für 4,90 Euro je Buch (zuzüglich Versandkosten) erhältlich. Es handelt sich um die Bücher Mande will die Trommel schlagen und Luh Tu, die kleine Tänzerin. Bestellungen: Verlag für Mission und Ökumene, Postfach 68, Erlangen, 10 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

13 Russländische Föderation Fläche: km 2 (Deutschland: km 2 ) Einwohnerzahl: 144,1 Mio. (Deutschland: 82,3 Mio.) Einwohner je km 2 : 8,4 (Deutschland: 231) Hauptstadt: Moskau, ca. 10,1 Mio. Einwohner Städtische Bevölkerung: 73,3 % (Deutschland: 87,0 %) Lebenserwartung: 66 Jahre (Deutschland: 78 Jahre) Bevölkerungszusammensetzung: Russen: 81,5 % Tataren: 3,8 % Ukrainer: 3,0 % Tschuwaschen: 1,2 % Baschkiren: 0,9 % Andere: 9,6 % (u.a. etwa 0,6 % Deutsche) Klima: Russland erstreckt sich über mehrere Klimazonen, doch im Allgemeinen herrscht Kontinentalklima vor. Von Nord nach Süd Übergang von arktischem zu kontinentalem Klima (trocken; sehr kalte Winter, warme bis heiße Sommer). Eine Ausnahme bilden die Schwarz-Meer-Küste mit gemäßigtsubtropischem und Wladiwostok mit polarem Klima. Im Nordosten Sibiriens liegt der Kältepol der Nordhalbkugel. Offizielle Sprachen: Russisch Religionen: Russisch-orthodoxe Christen:52,0 % Muslime: 10,4 % Protestanten: 9,7 % Katholiken: 9,0 % Hinduisten: 0,8 % Buddhisten: 0,6 % Juden: 0,3 % Alle Zahlen sind Schätzzahlen und variieren z.t. erheblich; eine zuverlässige Religionsstatistik für Russland liegt nicht vor. Staatsform: Präsidialrepublik Bruttosozialprodukt je Einwohner: US-Dollar pro Jahr (Deutschland: ) (Quellen: Munzinger Archiv, Fischer Weltalmanach 2005) Um die halbe Welt Russland ist der flächenmäßig größte Staat der Erde und erstreckt sich über die Hälfte des Erdballs. Allein Sibirien ist mit 12,8 Millionen Quadratkilometern so groß wie ganz Europa und der Rest Russlands zusammen. Gleichwohl leben auf einer Fläche, die gut 47 mal größer ist als die Deutschlands, noch nicht einmal doppelt so viele Menschen. Geographisch reicht das Gebiet des Rechtsnachfolgestaates der ehemaligen Sowjetunion von Zentraleuropa (Kaliningrad) über das gesamte nordasiatische Gebiet bis hin zum Pazifik im Osten und dem Arktischen Meer im Norden. Damit teilt sich die Russländische Föderation so die offizielle Staatsbezeichnung, um auch die nicht-russischen Ethnien einzubeziehen Grenzen mit insgesamt 15 Nachbarstaaten, darunter auch die Vereinigten Staaten (USA). Von Norden nach Süden erstreckt sich die russische Landmasse über rund Kilometer und von Westen nach Osten über rund Kilometer sowie elf Zeitzonen. Wenn der Schnellzug Moskau-Wladiwostok den Bahnhof der im Westen gelegenen Hauptstadt abends verlässt, beginnt in der 150 Reisestunden entfernt gelegenen Hafenstadt im Fernen Osten bereits ein neuer Tag. Das ist die längste Eisenbahnfahrt der Welt, erst nach sieben Tagen endet sie an der Küste des Pazifischen Ozeans. Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 11

14 Der Zug ist in Russland das mit Abstand wichtigste und auch günstigste Verkehrsmittel. Der Fahrpreis wird nach Strecke und nicht nach Entfernung berechnet, so kann man z.b. in Sibirien zum gleichen Preis eine längere Strecke fahren als im europäischen Teil. Und mit rund Kilometern Schienennetz ist Russland die zweitgrößte Eisenbahnnation nach den USA. Das Straßennetz weist nach Dichte und Zustand große regionale Unterschiede auf. Vor allem in den europäischen Landesteilen sind die Verkehrswege zwischen städtischen und industriellen Zentren relativ gut ausgebaut. Nach Osten hin verschlechtern sie sich zusehends. In Sibirien und im Fernen Osten sind die wenigen Straßen im Winter meist unpassierbar. Hier kommt den Wasserstraßen wie Wolga, Don, Ob, Jenissei und Lena große Bedeutung zu sowie den Kanälen, die Flüsse miteinander verbinden. Da das Klima den Schiffsverkehr oft nur von März bis November zulässt und angesichts der Größe Russlands, ist der Luftverkehr oft die einzige Brücke zur Außenwelt. Dies vor allem in den nördlichen Polargebieten, die dünn besiedelt und extremen Klimaverhältnissen ausgesetzt sind. Geschichte Russlands Ab dem 8. Jahrhundert befuhren schwedische Wikinger die osteuropäischen Flüsse, gründeten Städte und Siedlungen und vermischten sich mit der ansässigen slawischen Bevölkerung. Diese auch Waräger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der Gründung des ersten ostslawischen Staates beteiligt, der Kiewer Rus mit Zentren in Kiew und Nowgorod. Im 12. Jahrhundert begann die Kiewer Rus zu zerfallen, was es den ab 1223 einfallenden Mongolen erleichterte, die zerstrittenen russischen Fürstentümer zu unterwerfen. Die so genannte Goldene Horde beherrschte nun für zwei Jahrhunderte einen großen Teil Russlands. Das Großfürstentum Moskau konnte sich schließlich von der mongolischen Fremdherrschaft befreien, und Großfürst Iwan IV. auch genannt Iwan der Schreckliche ließ sich im Jahr 1547 zum ersten Zaren der ganzen Rus krönen. Unter seiner Herrschaft begann die Eroberung Sibiriens, die russische Kosaken erstmals im 17. Jahrhundert bis an den Pazifik brachte. An der Wende zum 18. Jahrhundert öffnete Zar Peter I. der Große das teilweise in mittelalterlichen Strukturen erstarrte russische Reich westeuropäischen Einflüssen. Er förderte Wissenschaft und Kultur, gründete eine Flotte, St. Petersburg löste Moskau als Hauptstadt ab, der alte Adel wurde entmachtet. Unter Zarin Katharina II. die Große kamen große Ströme ausländischer Handwerker ins Land, darunter auch viele Deutsche. Nach dem Sieg der Truppen Zar Alexander I. über die Armee des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte Anfang des 19. Jahrhunderts war Russland die führende Macht in Europa. Doch bis zur Revolution im Jahr 1917 herrschte ein westlich feudales Gesellschafts- und Staatsverständnis vor. Erst im Jahr 1860 wurde endlich die Leibeigenschaft aufgehoben. Trotz erheblicher Industrieproduktion (Stahl, Kohle, Öl, Militärbedarf) geriet Russland immer mehr ins Hintertreffen gegenüber den westeuropäischen Großmächten. Die Industrialisierung drang nicht in die ländlichen Provinzen des Riesenreichs vor. Mangelnde Infrastruktur, die Armut der Arbeiter und Bauern und die fehlende Demokratisierung bereiteten große Probleme. Im Rahmen der so genannten Februarrevolution wurde Zar Nikolaus II. gezwungen abzudanken. Allgemeine Knappheit als auch die vom ersten Weltkrieg zermürbte Bevölkerung wiederum führten zum raschen Ende der ersten russischen Republik. Am 7. November 1917 putschten sich die Bolschewiken, Mehrheitler, eine Splittergruppe der Kommunistischen Partei unter der Führung von Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, an die Macht. Nach einem sehr blutigen Bürgerkrieg mit den politischen Gegnern, genannt die Weißen, wurde am 30. Dezember 1922 der Zusammenschluss aller sowjetischen sozialistischen Republiken zur UdSSR beschlossen und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspolitik ausgerufen. Nach Lenins Tod am 21. Januar 1924 setzte sich Josef Stalin in einem erbitterten Nachfolgekampf gegen Leo Trotzki durch und festigte seine Macht durch gezielten Terror gegen seine Widersacher. In der Zeit der großen Säuberungen von 1938 bis zu Stalins Tod 1953 wurden schätzungsweise 10 bis 50 Millionen Menschen hingerichtet oder in den Lagern Sibiriens zu Tode gequält. Nach dem Überfall Deutschlands auf Russland am 22. Juni 1941 trat die Sowjetunion an der Seite der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg (in Russ- akg-images 12 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

15 land Großer Vaterländischer Krieg genannt) ein, entfremdete sich nach dessen Ende aber zunehmend von den Alliierten. Der Kalte Krieg, der die Welt im Wesentlichen in eine sowjetische und eine US-amerikanische Einflusszone aufteilte, dominierte bis 1989 die Weltpolitik. Drei Jahre zuvor hatte mit der Wahl Michail Gorbatschows zum neuen Generalsekretär ein politisches Tauwetter begonnen, das unter den Namen Perestrojka (Umbau, Umgestaltung) und Glasnost (Offenheit, Transparenz) dem Land und seiner Bevölkerung immer mehr Freiheiten gab. Dennoch scheiterte Gorbatschow mit seinem Vorhaben die Sowjetunion zu reformieren und das Land zerfiel in fünfzehn einzelne Republiken. Eine Unionsrepublik nach der anderen erklärte im Jahr 1991 die Unabhängigkeit ebenso Russland, das sich jedoch zum Rechtsnachfolger der UdSSR ausrief. Der neue Machthaber, wenn auch nur über die größte sowjetische Nachfolgerepublik und zudem ein Land in einer sehr instabilen Phase des wirtschaftlichen Niedergangs, war Boris Jelzin. Nach dem Amtsantritt Wladimir Putins im Jahr 2000 stabilisierte sich die politische und wirtschaftliche Lage vorerst. Ein international beachteter Konfliktherd bleibt jedoch die Situation in Tschetschenien, die zunehmend auch auf das restliche Land ausstrahlt. In der Kaukasusrepublik führt Russland seit 1994 bis heute einen nicht erklärten Krieg. Ein Land im Umbruch Der mit dem Jahr 1992 einsetzende wirtschaftliche Umbruch von einer administrativ gesteuerten Planwirtschaft hin zur Marktwirtschaft ist Teil einer grundlegenden Umgestaltung des politisch-gesellschaftlichen Gesamtsystems. Hierzu gehören insbesondere die Schrumpfung von der Groß- zur Regionalmacht und der Wechsel von einem staatsgelenkten, kommunistischen System hin zu einer pluralistischen Gesellschaft. Die Machtfülle jedoch, die sich in der russischen Präsidialrepublik auf Amt und Person des Präsidenten konzentriert, ist groß. Dadurch ist es einerseits zwar gelungen, den Vielvölkerstaat zu stabilisieren. Dies jedoch zum Teil nur durch die Anwendung fortwährender militärischer Gewalt wie im Falle der kaukasischen Teilrepublik Tschetschenien. Darüber hinaus ist seit einiger Zeit verstärkt die Rücknahme der Dezentralisierung politischer Institutionen und nicht zuletzt der Einschränkung der Meinungsund Pressefreiheit zu beobachten. Es gibt daher Stimmen, die Russland als gelenkte Demokratie oder gar defekte Demokratie bezeichnen. Der Umbruch in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft hat darüber hinaus alle Arten von Kriminalität begünstigt, wie Steuerhinterziehung, Korruption, Schutzgelderpressung, Drogenhandel, Schmuggel, Video- und CD-Piraterie, Prostitution sowie physische Gewalt bis hin zu Mord. Die hohe Kriminalität führt dazu, dass in den Städten Kinder bis zum Alter von etwa zwölf Jahren normalerweise nur in Begleitung Erwachsener unterwegs sein können. Die Entfernungen sind groß, in Bussen und Bahnen herrscht großes Gedränge. Auch Kolja und seine Schwester werden von den Eltern gefahren. Die wirtschaftliche Situation Der Beitrag des privaten Sektors zum russischen Bruttoinlandsprodukt wird inzwischen auf insgesamt 70 Prozent geschätzt. Dieser umfasst kleinere, mittlere und größere Betriebe und alle Wirtschaftszweige, insbesondere aber jene, die im sowjetischen Wirtschaftssystem kaum eine Rolle spielten wie Dienstleistungen, der Finanzbereich und konsumnahe Sektoren. Vor allem aber ist Russland reich an Bodenschätzen. Rund ein Drittel der Welterdgasvorräte befinden sich in Russland, bei den Erdölreserven liegt das Land an siebenter Stelle. Sein Anteil an der Weltpro- duktion von Aluminium beträgt 15 Prozent, bei Nickel und Platin 20 Prozent. Neben den genannten Bodenschätzen haben Gold, Kupfer, Diamanten sowie Kobalt und Uran große ökonomische Bedeutung. Das Bruttoinlandsprodukt jedoch liegt unter dem der Niederlande, die deutsche Wirtschaftsleistung ist beinahe sechsmal größer als die russische. Diese Differenz zwischen Ressourcen und wirtschaftlicher Leistung hat vielfältige Ursachen: veraltete Industriebetriebe, Verschwendung von Ressourcen, hoher Umweltverbrauch und -belastungen, extreme klimatische Bedingungen. Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 13

16 Dauerfrostboden bedeckt über 47 Prozent der Landesfläche und erschwert und verteuert im äußersten Nordrussland sowie in weiten Teilen Sibiriens und des Fernen Ostens den Bau von Verkehrswegen, aber auch Gebäuden. Der Untergrund ist teilweise 200 Meter tief gefroren und taut während der sommerlichen Erwärmung nur in einer dünnen Bodenschicht auf. Auch der landwirtschaftliche Anbau ist durch die klimatischen Verhältnisse beeinträchtigt und beschränkt sich im Wesentlichen auf das so genannte Agrardreieck, das durch die Städte St. Petersburg, Rostow und Nowosibirsk markiert wird. Erhebliche Schwankungen der Niederschläge, dies sowohl hinsichtlich der regionalen Verteilung als auch der Menge von Jahr zu Jahr, führen jedoch zu großen Unterschieden bei den Ernteerträgen. Diese bleiben zum Teil erheblich unter dem Bedarf. Die unsicheren Witterungsbedingungen sind aber nicht der alleinige Grund für unzureichende landwirtschaftliche Erträge. Die Landwirtschaft gehört zu den am wenigsten reformierten Branchen. Sie leidet stark unter Investitionsmangel, hohen Schulden und mangelhafter technischer Ausstattung. Eine große Agrarreform steht noch immer aus, insbesondere die extensive Viehwirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Ein großes Problem stellt zudem die Bodenerosion dar und die fehlende Verkehrsanbindung von mehr als russischen Dörfern. Von den insgesamt rund 129 Millionen Hektar Ackerland liegen 15 Millionen brach das entspricht dem Doppelten der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands. Ungeachtet vieler ungelöster institutioneller Fragen steht die russische Wirtschaft jedoch seit 1999 im Zeichen eines anhaltenden Aufschwungs. Diese positive wirtschaftliche Entwicklung hat für Russland, seine politische Führung sowie sein internationales Umfeld erhebliche Bedeutung. Zum ersten Mal seit dem Ende der Sowjetunion erscheint die frühere Weltmacht nicht mehr als abgekoppeltes Transformationsland. Sozialer und gesellschaftlicher Wandel Während es in der Sowjetunion eine kleine Oberschicht, eine kleine Unterschicht und eine breite Mittelschicht gab, verstand sich die Mehrheit der russischen Bevölkerung Mitte der 1990-er Jahre als Unterschicht. Und während im Jahr 2001 das reichste Fünftel der Bevölkerung einen Anteil von 47 Prozent an den gesamten Einnahmen hatte, war das ärmste Fünftel nur mit 6 Prozent beteiligt. Das Wohlstandsgefälle zwischen den Metropolen Moskau und St. Petersburg zum Rest des Landes ist signifikant. Dabei basiert die Wirtschaftskraft hauptsächlich in der Förderung und im Verkauf von Rohstoffen, und damit auf den Provinzen. Ausgelöst wurde der soziale Wandel durch Hyperinflation und Privatisierung wesentlichen Elementen der marktwirtschaftlichen Reformen in deren Folge Geschäftsleute, Unternehmer und Manager zu großen Vermögen kamen. Die breite Masse der Bevölkerung jedoch wurde zu Reformverlieren. Die hohen Preissteigerungsraten zwischen 1992 und 1995 vernichteten die Ersparnisse und verminderten die Gehälter und Renten. Letztere betrugen im Durchschnitt des Jahres 2003 lediglich rund 50 US-Dollar. Der Durchschnittslohn lag im gleichen Jahr bei rund 150 US-Dollar (2004: rund 180 US-Dollar). Ein weiterer wesentlicher Aspekt des sozialen Wandels nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist der Rückgang der Bevölkerungszahl. Nach russischen Prognosen wird sie bis zum Jahr 2015 um 15 Prozent sinken. Im Jahr 2000 gab es erstmals mehr Männer über 60 und Frauen über 55 Jahren als Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Parallel zum Geburtenrückgang sank die durchschnittliche Lebenserwartung von knapp 70 Jahren Anfang der 1990-er Jahre auf 66,6 Jahre im Jahr 2001, wobei die Differenz zwischen Männern (60,6) und Frauen (72,9) mit über zwölf Jahren ungewöhnlich groß ist. Die Vergleichszahlen für Deutschland lagen in 2001 bei 74,9, für Männer und 81,0 für Frauen. Als Ursachen für die geringe Lebenserwartung werden genannt: schlechte Ernährung, Medikamentenmangel, schlechter Zustand der medizinischen Einrichtungen, Umweltverschmutzung, Armut, die weit verbreitete Trunksucht jeden Monat sterben rund Russen durch Alkoholvergiftung, der besorgniserregende Drogenkonsum sowie die drastische Zunahme von Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und AIDS. Nirgendwo auf der Welt verbreitet sich die durch das HI-Virus übertragene Immunschwächekrank- 14 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

17 heit derart rasant wie in Osteuropa, vorwiegend in der Ukraine und Russland. 144 Menschen, so Statistiken, stecken sich in Russland pro Tag mit dem Virus an, sechs in jeder Stunde. Die Zahl der an AIDS Erkrankten schätzten Experten der Vereinten Nationen Ende 2003 auf mindestens 1,5 Millionen Menschen. Straßenkinder Obdachlose, vernachlässigte und arbeitende Kinder gehören heute immer häufiger zum Straßenbild russischer Städte. Jedes Jahr fliehen über Kinder in Russland auf die Straße. Denn Armut und Arbeitslosigkeit haben seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zugenommen und zu Alkoholismus und Gewalt in den Familien geführt. Viele Eltern können nicht mehr ausreichend für ihre Kinder sorgen, 60 Prozent schlagen ihre Söhne und Töchter. Offiziellen Erhebungen zufolge gibt es etwa bis Straßenkinder in Russland. Allein in Moskau verbringen laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) bis Kinder einen Großteil ihres Alltags auf der Straße. In St. Petersburg sollen es rund Straßenkinder unter 13 Jahren sein. Viele Straßenkinder kommen aus Familien mit nur einem Elternteil oder mit Stiefeltern. Die Eltern jedes zehnten Straßenkindes in Moskau sind arbeitslos, staatliche Hilfe für arme Familien gibt es kaum. Die meisten Kinder auf der Straße arbeiten. Sie waschen Autos, sammeln Flaschen um sich ein Taschengeld zu verdienen, um Essen zu kaufen oder ihre Eltern zu unterstützen. Jedes Vierte arbeitet fürs bloße Überleben. In St. Petersburg üben bis zu 30 Prozent der Straßenkinder verbotene Tätigkeiten aus: Sie verkaufen gestohlene Waren, betteln oder handeln mit Drogen. Etwa 20 Prozent der Straßenkinder, überwiegend Mädchen, prostituieren sich. Viele von ihnen sind erst zwölf Jahre alt. Das St. Petersburger Gesundheitsamt schätzt die Zahl der drogensüchtigen Jugendlichen auf über Moskau meldet offiziell über Drogenabhängige unter 18 Jahren, Experten gehen jedoch von zehnmal mehr aus. Durch Drogenkonsum und Prostitution infizieren sich viele Straßenkinder mit der Immunschwächekrankheit AIDS. Quelle: Peter Dammann In einer Toilette in St. Petersburg haben diese beiden Jungs einen Schlafplatz für die Nacht gefunden. Bildungswesen Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion kam es auch im Bildungsbereich zu einem radikalen Paradigmenwechsel. War im Sozialismus alles von oben geregelt worden, rückte nunmehr die freie Persönlichkeitsentwicklung des Individuums ins Zentrum der Erziehungskonzeption. Dies nicht zuletzt um die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit Russlands auf den Weltmärkten zu stärken. Gleichwohl waren viele Pädagogen mit dem raschen Wandel des Systems überfordert. Noch immer herrscht an russischen Schulen unbedingte Disziplin und Kontrolle, werden Eigeninitiative und Kreativität nicht ausreichend gefördert. Viele Schulen konnten den Rückzug des Staates aus dem Bildungsbereich finanziell nur überleben, weil sie von den Eltern Gebühren für besondere Angebote und Zusatzleistungen verlangten. Schulen in Russland dürfen eigene Einnahmen erwirtschaften. Ein Schulgeld erheben jedoch nur Privatschulen, die im Jahr 2001/2002 etwa einen Anteil von einem Prozent aller Schulen ausmachten. Was die Lerner- Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 15

18 gebnisse anbelangt, übertreffen jedoch nur wenige die staatlichen Schulen. Unterricht wird halbtags erteilt, das Notensystem geht von 1 bis 5, wobei die schlechteste Note 1 so gut wie nie vergeben wird. Etwa zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler in den Städten weitaus mehr besuchen nach absolvierter neunjähriger Pflichtschule die zweijährige Oberstufe, die mit der Abiturprüfung abgeschlossen wird. Eine Zugangsberechtigung zu einer Hochschule erhält jedoch nur, wer die obligatorische Aufnahmeprüfung an den Universitäten bestanden hat. Ohne die Vorbereitung durch kostspielige Tutorien ist dies kaum zu schaffen, was Schülerinnen und Schüler aus den unteren Einkommensschichten und aus der Provinz, wo der Lebensstandard ohnehin geringer ist, trotz Bestnoten im Abitur benachteiligt. Für die etwa 160 nicht-russischen Nationalitäten und ethnischen Gruppen (etwa 19 Prozent der Bevölkerung) gibt es so genannte nationale Schulen, in denen laut Verfassung Unterricht in der Muttersprache und in nationalspezifischen Inhalten angeboten wird. Größere Minderheiten sind die Tartaren, die Tschuwaschen und die Baschkiren. Zu den kleineren Minderheiten zählen u.a. die Mescheten und Deutsche. Warum hat Russland Moskau so geliebt?, diese Frage beantwortete der russische Kulturphilosoph Georgij Fedotow Anfang des 20. Jahrhunderts wie folgt: Weil es sich in der Stadt wieder erkennen konnte, Moskau hat die provinzielle Lebensart bewahrt und mit dem Prunk und den Kulturgütern einer Hauptstadt vereint. An der Newa jedoch, in deren sumpfigen Mündungsgebiet Zar Peter I. der Große im Jahr 1703 die Peter-und-Paul-Festung erbauen ließ und damit auch den Grundstein für die Stadt St. Petersburg legte, nennt man Moskau immer noch ein Dorf. Trotz der Glaspaläste der Öl- und Gaskonzerne, des Bolschoi-Theaters und der Kremlmauer, ist Moskau geprägt von Spuren dörflicher Lebensart, ist Moskau russischer als Russland und mit seinen vierzigmal vierzig Kirchen so etwas wie die heilige Mitte Russlands. Gegensätze Spiele, die nach Russland entführen St. Petersburg ein Kartenspiel Prachtvolles Moskau ein Puzzle s. a.: St. Petersburg hingegen, dessen Verwirklichung Tausende Kriegsgefangene, Soldaten und Bauern das Leben kostete, war schon im 18. Jahrhundert eine europäische Metropole und eines der führenden kulturellen Zentren. 1714, ein Jahr nachdem Peter I. die Stadt an der Newa zum Regierungssitz ernannt hatte während Moskau Krönungsstadt blieb, wird der berühmte Sommerpalast fertig gestellt wird in St. Petersburg Russlands erste Ballettschule gegründet entsteht die berühmte Akademie der Künste. Im 1762 fertig gestellten Winterpalast ist heute die Eremitage untergebracht, eine der größten Kunstsammlungen der Welt. Von Anfang des 19. Jahrhunderts an wird eine Reihe von Gymnasien, Hochschulen und Universitäten in St. Petersburg gegründet. Schriftsteller wie Puschkin, Gogol und Dostojewskij prägen das literarische Leben der Stadt. Parallel entwickelt sich St. Petersburg zu einer Handels- und Industriemetropole, in der es immer wieder zu gewaltsamen politischen Auseinandersetzungen kommt. Und im Oktober 1917 nimmt hier der Aufstand der kommunistischen Bolschewiken ihren Anfang. Regierungssitz der im Jahr 1922 gegründeten Sowjetunion aber wird Moskau. Im Zweiten Weltkrieg wird Leningrad wie St. Petersburg seit dem Tod des Revolutionsführers heißt 900 Tage von deutschen Truppen belagert. Der Befehl lautet: Der Führer hat beschlossen, die Stadt Petersburg vom Erdboden zu tilgen. Fast eine Million Menschen sterben. Heute zählt die am nördlichsten gelegene Millionenstadt der Erde mehr als fünf Millionen Einwohner und damit nur halb so viele wie Moskau. Für viele Russen aber ist St. Petersburg wie die Metropole an der Newa seit einer Volksbefragung 1991 wieder heißt die heimliche Hauptstadt. Etwa restaurierte Wohnhäuser, Paläste und Kirchen aus den letzten drei Jahrhunderten zeugen von ihrer glanzvollen Geschichte und ihrem kulturellen Reichtum. Doch auch in St. Petersburg reicht der Glanz oftmals nicht hinter die Fassaden (vergl. hierzu die Beiträge Ein Land im Umbruch und Straßenkinder ). Frank Kürschner-Pelkmann 16 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

19 Religion und Kirche Russlands religiöse Landkarte ist ebenso bunt wie die ethnische oder geographische. Am Nördlichen Eismeer leben Karelen, Jakuten, Tschuktschen viele von ihnen sind bis heute so genannte Heiden oder Anhänger der Schamanen. Burjaten und Tuwinen praktizieren den Buddhismus. Die Völker im Nordkaukasus, Tatarstan und Baschkirien sind Muslime. Unter den rund 144 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist jedoch die Russische Orthodoxe Kirche eindeutig die stärkste Glaubensgemeinschaft. Das Moskauer Patriarchat beziffert die Zahl ihrer Mitglieder auf 70 bis 110 Millionen. Die rund 15 Millionen Muslime stellen die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft. Auf Katholiken und Protestanten entfallen jeweils gut eine Million Gläubige. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Freikirchen, z.b. Evangeliumschristen-Baptisten, Adventisten und Pfingstchristen, Methodisten, Reformierte, Heilsarmee, aber auch Zeugen Jehovas und Pfingstler, unter denen charismatische Gruppen eine große Rolle spielen. Sie gelten als die am stärksten wachsende christliche Denomination. Hinduismus (vor allem die Hare-Krischna-Bewegung) und Buddhismus bewegen sich bei bzw Gläubigen. Die Anzahl der Juden hingegen, die Mitte der 1990-er Jahre noch mit rund angegeben wurde, liegt gegenwärtig bei etwa , was in der hohen Auswanderungsrate begründet liegt. Kanonischen Territoriums, wonach jede Mission durch Nicht-Orthodoxe, auch die an Ungläubigen, als Abwerbung von der Orthodoxie verstanden wird. Doch auch der Russischen Orthodoxen Kirche sind Grenzen gesetzt. Von denen, die sich heute orthodox nennen, sind nach übereinstimmenden demoskopischen Untersuchungen lediglich drei Prozent praktizierende Christen in dem Sinne, dass sie mindestens einmal im Monat an der sonntäglichen Liturgie teilnehmen. Für die meisten von ihnen sind kulturelle, historische und nationale weniger aber religiöse Gesichtspunkte für ihre Zugehörigkeit zur Kirche maßgeblich. Viele neu entstehende nationalistische Gruppen und Parteien geben sich orthodox, darüber hinaus ist die Orthodoxie mittlerweile Kern einer nationalrussischen Noch unter Michail Gorbatschow war im Jahr 1990 ein Religionsgesetz erlassen worden, das alle Religionsgemeinschaften im Wesentlichen gleich behandelte. Dieses wurde jedoch im Jahr 1997 durch ein neues ersetzt, welches der Russisch Orthodoxen Kirche in der Präambel eine führende Rolle zubilligt und die Entfaltung der nicht-orthodoxen Religionsgemeinschaften einschränkt. Zur Begründung der zivilrechtlichen Benachteiligung der nicht-orthodoxen Religionsgemeinschaften beruft sich die Russische Orthodoxe Kirche auf das theologische Argument des WCC Photo: Peter Williams Trinity Kathedrale im Kloster Sagorsk. Staatsideologie. Doch auch wenn sich Präsident Putin in der Öffentlichkeit demonstrativ als praktizierender Orthodoxer zeigt, kann er das Moskauer Patriarchat nicht zur Staatskirche erheben. Die Eurasismus-Idee betont vielmehr die europäischen und asiatischen sowie die orthodoxen und islamischen Wurzeln Russlands. Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 17

20 Die erste Erwähnung russischer Märchen findet sich in der Kiewer Rus, doch ihre Wurzeln verlieren sich in unbekannter Vorzeit. Die frühesten Nachrichten von russischen Märchenerzählern gehören dem 12. Jahrhundert an. Mit großer Sicherheit kann man annehmen, dass sich die Märchen im alten Rus von der Sage, Legende und dem Mythos abgesondert hatten. Bereits im 13. Jahrhundert entwickelten sich die vier Hauptarten des russischen Märchens Zaubermärchen, Tiermärchen, Abenteuermärchen und Alltagsmärchen wie auch die traditionel- Russische Märchen len Märchengestalten und Märchensujets: die Hexe Baba-Jaga, Koschej der Unsterbliche, Morosko der gestrenge Frost, Meerzar und der Räuber Nachtigal. Wie alle Märchen spiegeln auch die russischen die Geschichte des Volkes, dass sie schuf und durch die Jahrhunderte getragen hat. Was die nationale Besonderheit des russisches Märchen angeht, so besteht sie in der Eigenart seiner reichen Sprache, im poetischen Stil, in den rein russischen Alltagsdetails und in den Besonderheiten des russischen Lebens. Eine Sammlung russischer Märchen ist im Internet zusammengestellt unter Russische Märchen von Elke und Sergej oder einfach unter Google-Suche eingeben das Stichwort: Russische Märchen Russische Küche Rezepte wie Borschtsch, Pliny, Soljanka, Pelmini oder Boef Stroganow sind im Internet abrufbar unter: russische_kuche_st petersburg.html russische_kuche.html oder einfach unter Google-Suche eingeben das Stichwort: Russische Küche Aufgrund des langen Winters essen die Russen viel Eingelegtes und Eingemachtes wie Salzgurken, Sauerkraut und marinierte Pilze. Frisches Obst und Gemüse kommt nur in den kurzen, aber heißen Sommermonaten auf den Tisch. Für die kalte Jahreszeit lagern die Haushalte verschiedene Rüben und Kohlköpfe, trocknen Pilze und kochen Obst ein. Während der von der orthodoxen Kirche vorgeschriebenen Fastenzeiten dürfen ausschließlich Speisen aus pflanzlichen Zutaten verzehrt werden. Milch, Milchprodukte, Butter und Fleisch sind für die Fastenden tabu. Lediglich Fisch ist an bestimmten Fastentagen erlaubt. Durch die kirchlichen Regeln entstand im Lauf der Jahrhunderte eine Vielzahl an traditionellen vegetarischen Rezepten, obwohl sonst fisch- und fleischhaltige Gerichte die Speisekarte prägen. Nach der Oktoberrevolution im Jahr 1917 verurteilte die Partei das Fasten als unsozialistisch und erklärte die Kirche und ihre Regeln als Aberglaube. Viele alte Speisen gerieten in Vergessenheit. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus entdeckten jedoch immer mehr Russen ihren Glauben und ihre Traditionen neu. Längst vergessene Gerichte wie der Weihnachtskuchen Kulitsch, ein lockeres Hefegebäck mit Rosinen, sind seit dem wieder populär. Quelle: Hinweis: Die Texte auf den Seiten beruhen sofern nicht anders gekennzeichnet auf Grundinformationen von Fedor Kozyrev, der auch den Russland-Teil des Schülerheftes erarbeitet hat, sowie den nachfolgend genannten Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung: Informationen zur politischen Bildung, Russland (Nr. 281/4. Quartal 2003); Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.v.: Russland verstehen, Sympathie Magazin Nr. 49/2001; Missionshilfe Verlag: Osteuropa/Zentralasien, Jahrbuch Mission 1996; Ev. Kirche in Deutschland: Bedrohung der Religionsfreiheit, Erfahrungen von Christen in verschiedenen Ländern, EKD-Arbeitshilfe, Nr. 78/2003, S Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

21 Pädagogische Hinweise Die Begegnung mit Kolja in St. Peters burg bietet auf den ersten Blick Vertrautes: Wie die meisten Kinder hierzulande lebt er mit Vater, Mutter, Schwester zusammen, also in einer Kleinfamilie und auch das Haustier fehlt nicht. Die Schule bestimmt einen Großteil seines Alltags und seiner Zeiteinteilung. Doch gleich in den ersten beiden Kapiteln berichtet er auch von Details, die wesentliche Unterschiede anschaulich machen: das die Eltern zwei bis drei Jobs nachgehen müssen, um den Unterhalt der Familie zu bestreiten; dass er dreimal in der Woche zusätzlich zur regulären Schule noch eine Kunstschule besucht; dass er sich für Bücher, altmodische Musik und Museen interessiert. Im Vordergrund sollte jedoch zunächst das Kennenlernen stehen, welches sich anhand der ersten vier Texte eröffnet. Sowohl der erste und zweite ( Kolja und Kolja und seine Familie ) als auch der dritte und vierte ( Immer wieder montags und In den Ferien ) können (und sollten u.e.) als Einheit behandelt werden. Als Einstieg könnten die Texte durchgelesen werden entweder einzeln zu Hause (als Hausaufgabe) oder gemeinsam in der Klasse (laut vorlesen). Anschließend sollten im Klassenverband Unklarheiten besprochen und wesentliche Aussagen zusammengetragen werden. Letzteres kann auch als Einzel- oder Kleingruppenarbeit (schriftlich) mit anschließender Präsentation im Klassenverband erfolgen. Ein Vergleich zur eigenen Lebenssituation und zum eigenen Alltag bietet sich in diesem Zusammenhang an und wird auch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich machen. Sofern von den Kindern nicht ohnehin eingebracht, kann die Lehrerin, der Lehrer das Augenmerk auf die bereits erwähnten mehreren Jobs der Eltern richten und auch auf die im Vergleich zu Deutschland beengten Wohnverhältnisse. Die Kinder sollten nach Möglichkeit die Gründe hierfür selbst erarbeiten (u.a. Einkommensverhältnisse, Mietpreise, zur Verfügung stehender Wohnraum, u.ä.). Durch ein (ungefähres) Nachstellen der Räumlichkeiten im Klassenraum kann zudem die Wohnsituation anschaulich und erlebbar gemacht werden. Und auch wenn Ganztagsschulen in Russland eher die Ausnahme sind, ist es doch für russische Kinder durchaus üblich, eine weitere Schule zu besuchen wie im Falle Koljas die Kunstschule. Kunst- und Musikschulen bieten in Russland eine sehr gute, vielseitige Zusatzausbildung, die bei erfolgreichem Abschluss eine Weiterarbeit schon auf professionellem Niveau erlauben. Ihr Besuch ist also weniger als Hobby einzustufen denn als Zusatzqualifikation mit dem entsprechenden Arbeitsaufwand. Koljas Texte zu Schule und Ferien machen dies deutlich und bieten das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern an zu eigenem Arbeitsund Freizeitverhalten, der Gestaltung von Freundschaften. Sofern ein Kind aus Russland in der Klasse sein sollte, kann dieses die Bereitschaft vorausgesetzt von seinen Erfahrungen mit beiden Lebenswelten berichten und auch wie es war, von der einen in die andere zu wechseln. Der Abschnitt zum Essen in Russland veranschaulicht nochmals die materielle Lebenssituation russischer Familien, ihr Angewiesensein auf den Anbau eigener Lebensmittel. Darüber hinaus schlägt er eine Brücke zu Essensgewohnheiten, Traditionen und kirchlichen Festen und damit auch zum Abschnitt Koljas Glaube. Was sind in Deutschland typische Gerichte? Kann man hierzulande von bestimmten Essensgewohnheiten sprechen? Wie werden in Deutschland Feste kulinarisch begangen? Spielen Fastenzeiten eine Rolle? Diese und andere Fragen können Nachdenken und Recherche anregen. Und auch wenn viele Kinder in Deutschland in einem säkularen Umfeld aufwachsen, so gibt es bestimmt unterschiedliche Erfahrungen der Kinder, die sich austauschen und zusammentragen lassen, wie Gottesdienstbesuch, Teilnahme am Abendmahl, Geschichten aus der Bibel, etc. Texte aus Kinderbibeln können gemeinsam gelesen und wie im Schülermaterial nacherzählt und gemalt werden. Vorstellbar ist auch ein gemeinsamer Gottesdienstbesuch und vielleicht ist ja auch eine orthodoxe Kirche oder Gemeinde in ihrer Nähe. Sollten Kinder aus weiteren Glaubensgemeinschaften in ihrer Klasse sein (z.b. Islam, Judentum), sollten deren Erfahrungen und ggf. Gotteshausbesuche unbedingt einbezogen werden. Das Gericht aus dem Schülerheft lässt sich sofern eine Schulküche vorhanden ist einfach nachkochen; im Internet unter Goggle-Suche Russische Küche finden sie weitere Anregungen. Und auch die Spiele bieten sich zum Ausprobieren an. Unerlässlich ist es, den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in das Land Russland jenseits Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 19

22 der Stadt St. Petersburg zu ermöglichen. Denn St. Petersburg ist nicht Russland. Schon die Lage zeigt die Hinwendung der Stadt nach Westen, zu ihrer Errichtung engagierte Peter I. der Große die besten Baumeister aus Westeuropa. Deutlich wird dies in dem Beitrag Gegensätze. Wie sehr wiederum Russland von und durch die Provinzen lebt, veranschaulichen die Beiträge zur Wirtschaft und Landwirtschaft in diesem Material. Die Prägungen und Herausforderungen durch die geographische Dimension und die extremen klimatischen Bedingungen wiederum spiegeln der einleitende Abschnitt sowie die Beiträge Ein Land im Umbruch und Geschichte Russlands, aber auch der Beitrag zu Religion und Kirchen. Um ein Gefühl für die Dimensionen des größten Landes der Welt zu bekommen, bietet sich an, anhand eines Globus dem Streckenverlauf der Transsibirischen Eisenbahn zu folgen (Hinweise zu Streckenverlauf, Fahrplan, etc. unter und einige markante Zwischenstopps auszuwählen (s.u. Moskau natürlich, als Ausgangspunkt der Reise und den bekannten Sehenswürdigkeiten wie Roter Platz und Kreml, der Basilius-Kathedrale und dem Kaufhaus Gum. Weiterhin Novosibirsk, die Hauptstadt Sibiriens und Irkutsk, eine der schönsten Städte Sibiriens. Irkutsk liegt zudem in der Nähe des Baikalsees, dem tiefsten See der Erde mit einer einzigartigen Flora und Fauna. Ulan-Ude schließlich ist ein Knotenpunkt, von wo aus man nach Süden in die Mongolei fahren kann oder weiter nach Osten bis Wladiwostok, dem Endpunkt der Reise und Stützpunkt der russischen Pazifik-Flotte. Auch die Kinder sollten in die Informationsrecherche einbezogen werden. Bei den o.g. sechs Stationen (inkl. Baikalsee) zum Beispiel bietet es sich an, ebenso viele Kleingruppen zu bilden und in diesen über Internetrecherche und Lexika, in Bibliothek und Büchereien, Informationen zu sammeln, in der Kleingruppe zusammenzutragen und anschließend Kleingruppe für Kleingruppe im Klassenverband zu präsentieren. Auch könnte ein Stadtpanorama in Form einer Collage erstellt werden, mit Ansichten der jeweiligen Stadt und den dort lebenden Menschen sowie wesentliche Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Besonderheiten, etc. Schließlich können mithilfe des Globus auch die 15 Nachbarstaaten Russlands recherchiert werden, die auf mehreren Kontinenten liegen. Auch russische Märchen erzählen von der Lebenswelt und den Erfahrungen der Menschen, die sie weiter getragen haben. So thematisieren zum Beispiel Morosko der gestrenge Frost und Mascha und der Bär die Herausforderungen und Bedrohungen, denen die Menschen in den Weiten Russlands mit den extremen klimatischen Bedingungen begegnen müssen und wie ihnen dies auch gelingt, indem sie diese annehmen und (listig) damit umzugehen wissen (s.u. maerchen oder Google-Suche: Russische Märchen). Ausgewählte Märchen können somit dazu beitragen, Russland und seine Menschen zu verstehen. Diese sollten zunächst gemeinsam gelesen werden. Anschließend können die wesentlichen Inhalt entweder einzeln oder in Kleingruppen (schriftlich) zusammen gefasst und anschließend im Klassenverband, die Kernaussage herausgearbeitet werden. Literaturtipps: - Akunin, Boris: Die Bibliothek des Zaren, Roman, Goldmann (2005) - Amnesty International/Sektion Deutschland: Solidarität für Russland eine Nation zwischen Demokratie und Wirklichkeit, Bonn (2002) - Dammann, Peter: Wir sind klüger als ihr denkt Straßenkinder in St. Petersburg, Dölling und Gallitz Verlag, Hamburg (1995) - Dostojewski, Fjodor M.: Schuld und Sühne, dtv (1997) - Dostojewski, Fjodor M.: Der Idiot, Roman, dtv (2001) - Iwanow, Wladimir: Russland und das Christentum, IKO- Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main (1995) - Jerofejew, Wenedikt: Die Reise nach Petuschki, Roman, Piper (2000) - Kharitidi, Olga: Das weiße Land der Seele, Roman, Lübbe (2002) - Paternak, Boris: Doktor Schiwago, Roman, Fischer Tb. - Puschkin, Alexander S.: Der eherne Reiter, Erzählungen aus St. Petersburg, Insel Verlag - Puschkin, Alexander S.: Der Postmeister, Erzählungen, Reclam (1997) - Solschenizyn, Alexander: Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch, Roman, Weltbild Buchverlag - Solschenizyn, Alexander: Der Archipel Gulag, Roman (gek. Ausgabe) Rowohlt Tb. (1988) - Tolstoi, Leo N.: Krieg und Frieden, Roman, dtv - Tolstoi, Leo N.: Anna Karenina, Roman, dtv - Turgenjew, Iwan S.: Aufzeichnungen eines Jägers, Roman, Manesse (2004) 20 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

23 Republik Kolumbien Fläche: km 2 (Deutschland: km 2 ) Einwohnerzahl: 43,7 Mio. (Deutschland: 82,3 Mio.) Einwohner je km 2 : 38 (Deutschland: 231) Hauptstadt: Santa Fé de Bogotá (Bogotá), ca. 8 Mio. Einwohner Städtische Bevölkerung: 77,4 % (Deutschland: 87,0 %) Lebenserwartung: 71,4 Jahre (Deutschland: 78 Jahre) Bevölkerungszusammensetzung: Mestizen: 58 % Weiße und Kreolen: 20 % Mulatten: 14 % Afro-Kolumbianer: 4 % Zambos*: 3 % Indigene Bevölkerung: 1 % * (Nachkommen von Schwarzen und Indios) Offizielle Sprachen: Spanisch (daneben gibt es 64 indigene Sprachen) Religionen: Katholiken: 95% Protestanten: 5% Staatsform: Präsidialrepublik Bruttosozialprodukt je Einwohner: US-Dollar pro Jahr (Deutschland: ) Klima: In Kolumbien herrscht das ganze Jahr über bis zu einer Höhe von etwa Metern ein heißes Klima. Besonders in der Küstenregion sind die Niederschläge hoch. In den Gebirgsregionen findet man trotz der Nähe zum Äquator ein alpines Klima. Die höchsten Berge sind das ganze Jahr über schneebedeckt. (Quellen: Munzinger Archiv, Fischer Weltalmanach 2005) Kolumbien Von Gewalt geprägt Kilometer Küste, Regenwälder, Berge, kulturgeschichtliche Reichtümer: Kolumbien müsste ein touristisches Traumziel sein. Dennoch verirrt sich kaum ein Ausländer nach Kolumbien. Schuld daran trägt ein Bürgerkrieg, der in den vergangenen 40 Jahren mehr als Tote gefordert hat. Statt tropischer Strände bestimmen Massaker, Entführungen und Drogenmafia das Bild Kolumbiens im Ausland. Die Gewalt hat die Entwicklung des Landes tief geprägt und bestimmt bis heute den Alltag in Kolumbien. Bereits die Eroberung durch die Spanier verlief alles andere als friedlich. Das Land war eines der Epizentren der Unabhängigkeitskriege von der Kolonialmacht Spanien in den Jahren 1811 und Aus ihnen gingen zwei politische Strömungen hervor, die Kolumbiens Geschichte fortan prägten: die Zentralisten, die für ein starkes und vereintes Südamerika kämpften, und die Föderalisten, die sich dem Machtmonopol der neuen Führer widersetzten. Doch schon 1830 zerbrach der Traum des Befreiers Simón Bolivar: Groß-Kolumbien zerfiel in Venezuela, Ecuador und Kolumbien. Die Föderalisten schlossen sich zur Konservativen Partei zusammen, während die Zentralisten die Liberale Partei gründeten. Die Rivalität zwischen beiden entlud sich in einer langen Serie von Bürgerkriegen, blutigen Staatsstreichen und Massenunruhen. Trauriger Höhepunkt war die Phase der violencia, der Gewalt, die zwischen 1948 und 1953 rund Tote forderte. Dieser Bürgerkrieg mündete in eine Ära politischer Instabilität, die bis heute andauert. Akteure der Gewalt Man kann zwischen vier Akteuren unterscheiden, die direkt am bewaffneten Konflikt in Kolumbien Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 21

24 beteiligt sind: linksgerichtete Guerilla-Bewegungen, ultrarechte Paramilitärs, die Drogenmafia und der Staat. Die bedeutendste Guerillabewegung Kolumbiens ist die FARC ( Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens ). Sie hat ihre Wurzeln in der Zeit der Violencia. Ursprünglich war sie eine von Kleinbauern gegründete Schutzmiliz, doch sie entwickelte sich rasch zu einer straff geführten Untergrundarmee stalinistischer Prägung. Heute hat sie etwa Männer und Frauen unter Waffen. Die Strategie der FARC zielt darauf ab, einzelne Landstriche militärisch zu erobern, um die befreiten Gebiete autonom zu verwalten. Rang zwei in der Hierarchie der Befreiungsbewegungen belegt die ELN ( Nationale Befreiungsarmee ). Sie steht in der Tradition der lateinamerikanischen Stadtguerilla und wurde im Jahr 1964 von linksgerichteten Intellektuellen gegründet. Die ELN bezieht ihren Gründungsmythos aus der kubanischen Revolution. Nachdem die Geldströme aus Kuba versandet waren, stand die ELN Mitte der 1990-er Jahre vor dem Ruin. Die spektakuläre Entführung eines österreichischen Mannesmann-Ingenieurs im Jahr 1995 und das daraus erpresste Lösegeld in Millionenhöhe brachte die Rebellenarmee zurück ins Geschäft. Innerhalb weniger Jahre baute die auf wenige Dutzend Kämpfer geschrumpfte ELN ihre Truppenstärke auf rund Kämpfer aus. Erpressungen und Entführungen sowie Sprenganschläge auf Ölpipelines sind seitdem ihre strategischen Schwerpunkte. Spätestens mit dem Einstieg in den Drogen- und Waffenhandel verließen Kolumbiens Guerrilla-Bewegungen ihre ideologischen Wurzeln. Die ursprünglichen Ziele eine umfassende Land- und Eigentumsreform (FARC) bzw. die nationale Befreiung im Rahmen einer lateinamerikanischen Internationale (ELN) sind nur noch den wenigsten Kolumbianern bekannt. Sowohl ELN als auch FARC tragen ihren Feldzug auf dem Rücken der Bevölkerung aus. Ihre Glaubwürdigkeit innerhalb der Bevölkerung haben sie dadurch weitgehend verloren. Paramilitärs Die zweite Gruppe der irregulären Truppen bilden die Paramilitärs. Seit den 1980-er Jahren sprießen diese Privatarmeen wie Pilze aus dem Boden. Die meisten wurden von Großgrundbesitzern, Industriellen und Drogenbaronen zum Schutz wirtschaftlicher Interessen gegründet. Oftmals waren auch Mor- de oder Entführungen durch die Guerilla Motiv für die Gründung einer paramilitärischen Gruppe. Mittlerweile ist die Truppenstärke der Paramilitärs auf schätzungsweise angestiegen. Unter dem Vorwand, die Bevölkerung von der Plage der Guerilla zu befreien, haben die Todesschwadronen weite Teile des Landes in ihre Gewalt gebracht, gewaltige Besitztümer angehäuft und eine Massenflucht unter der Bevölkerung ausgelöst. Im Jahr 1997 schloss sich ein Großteil der paramilitärischen Gruppen zu einer losen Koalition zusammen und gab sich den Namen Selbstverteidungseinheiten Kolumbiens (AUC). Dessen ungeachtet bleiben die Paramilitärs eine diffuse, schwer zu berechnende Bewegung aus Söldnern, ehemaligen Militärs, Drogenbaronen und Großgrundbesitzern. Weit stärker noch als die linksgerichtete Guerilla verfolgen die AUC die Taktik der gezielten Einschüchterung. Ein Großteil der Massaker und selektiven Morde geht auf ihr Konto. Ziel der ultrarechten Todesschwadronen ist es, jegliche Form der bürgerlichen Mitbestimmung, sei es in Form von Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen oder kirchlichen Menschenrechtsgruppen, im Keim zu ersticken. Die Tatsache, dass paramilitärische Einheiten ihre Feldzüge oft unter den Augen der Militärs durchführen und über beträchtliche Geldmittel verfügen, lässt auf ein enges Beziehungsgeflecht zwischen AUC, Armee, hochrangigen Politikern und Unternehmern schließen. Im Jahr 2002 trat Staatspräsident Álvaro Uribe mit dem Versprechen an, gegen die bewaffneten Gruppen ins Feld zu ziehen und die vollständige Kontrolle über das Land zurückzugewinnen. Mit massiven Militärhilfen aus den USA startete Uribe eine groß angelegte Offensive gegen die beiden größten Guerilla-Verbände des Landes. Sowohl die FARC als auch die ELN mussten eine Reihe von Gebieten preisgeben und wurden vielerorts in die Berge zurückgedrängt. Einer Regierungseinheit gelang es, den von der FARC entführten damaligen Präsidenten des Lateinamerikanischen Bischofsrates, Erzbischof Jorge Jiménez Carvajal, nach nur fünf Tagen zu befreien. Erfolge wie diese können jedoch ebenso wenig wie die Festnahme hochrangiger FARC-Offiziere darüber hinwegtäuschen, dass ein militärischer Sieg gegen die Guerilla noch lange nicht in Sicht ist. Eine andere Taktik verfolgt Uribe bei der Entwaffnung der zweiten militärischen Bewegung, den Paramilitärs. Ein Auslieferungsgesuch der USA gegen führende Vertreter der Paramilitärs sowie die 22 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

25 offizielle Einstufung der AUC als terroristische Vereinigung haben die Position der Killerkommandos empfindlich geschwächt. Die um Schadensbegrenzung und Straffreiheit bemühte Führung der AUC erklärte im Dezember 2002 einen einseitigen und unbefristeten Waffenstillstand, dem sich nahezu alle Verbände anschlossen. Zudem verpflichteten sich die Paramiltärs, aus dem Drogenhandel auszusteigen und die Menschenrechte zu achten. In der Lesart der Todesschwadronen heißt dies, dass selektive Morde Massakern vorzuziehen sind und nicht mehr als drei Personen auf einmal exekutiert werden dürfen. Folter, Zwangsrekrutierung und die gezielte Ermordung von Zivilisten gehören weiterhin zur gängigen Praxis. Es existiert sogar eine Art Geheimquote zum Schutz der Menschenrechte, die jedem Gebiet eine Obergrenze der zu tötenden Personen zuordnet. Im Juli 2003 fanden die ersten Verhandlungen zwischen Regierung und AUC statt, die zur Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung führten. Die Führung der AUC verpflichtete sich, ihre Verbände bis 2005 zu entwaffnen und restlos aufzulösen. Im Gegenzug können die Paramilitärs auf weitreichende Sicherheitsgarantien und wirtschaftliche Wiedereingliederungshilfen hoffen. Die Verhandlungstaktik der Regierung brachte Präsident Uribe den Vorwurf ein, im Vorgehen gegen Paramilitärs und Guerilla mit zweierlei Maß zu messen. Menschenrechtsorganisationen wittern zudem die Gefahr einer schlichten Legalisierung der Paramilitärs, die unter zivilem Deckmantel weiter ihr Unwesen treiben könnten. Dem hält Uribe entgegen, die Tür der Verhandlung stehe allen irregulären Truppen offen, sofern sie zu einer Waffenruhe bereit seien, auch den Guerilla-Verbänden. Die starke Armeepräsenz in den Städten und auf wichtigen Verbindungsstraßen hat die Sicherheitslage etwas entspannt. Trotz des wiederholt verhängten Ausnahmezustandes werden dennoch täglich Entführungen und Massaker gemeldet. Leidtragende sind vor allem die Bewohner in ländlichen Regionen. Mehr als zwei Millionen Menschen mussten aus Furcht vor den bewaffneten Gruppen ihre Heimatorte verlassen und sind zu Flüchtlingen im eigenen Land geworden. Eine weitere Million Kolumbianer sind wegen des innenpolitischen Konflikts ins Ausland geflüchtet. Rolle der Kirche Die Kirche genießt das ungeteilte Vertrauen der Bevölkerung Kolumbiens. Nicht ohne Grund: Neben dem akuten Krisenmanagement bei festgefahrenen Verhandlungen, Geiselübergaben oder Gefängnisrevolten setzt sie sich langfristig für den Frieden ein. Sozial- und Jugendprojekte bieten Tätern wie Opfern Alternativen zur alltäglichen Gewalt. Ziel ist es, die sozialen Ursachen des Konflikts zu beheben und langfristig eine Kultur des Friedens zu säen. Zudem hat sich die Kirche des Schicksals der Binnenflüchtlinge angenommen und fordert den Wiederaufbau zerstörter Gebiete. Bei den Friedensverhandlungen vertritt die Kirche eine klare Position. Sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene hat sie aktiv zwischen Regierung und Paramilitärs vermittelt. In zähen Verhandlungen erreichten Vertreter der Kirche die Rückgabe okkupierter Landflächen sowie Sicherheitsgarantien für Menschenrechtsgruppen und Zivilbevölkerung. Durch Escher In Lateinamerika sind christliches Engagement und politischer Kampf nicht zu trennen. Was hier wie eine politische Versammlung aussieht, ist ein Jugendgottesdienst in Kolumbien. Bildungsprogramme, Projekte zum Wiederaufbau und aktive Menschenrechtsarbeit entzieht sie den bewaffneten Gruppen den Nährboden und stärkt die Selbstverwaltung der betroffenen Gebiete. Auch wenn die Friedensverhandlungen bislang nur in eine Richtung verlaufen, haben sie viele Menschenleben gerettet und den Weg in einen möglichen Frieden geebnet, begründet der Bischof der Diözese Montería, Julio César Vidal Ortiz, das Engagement der kolumbianischen Kirche. Zugleich for- Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 23

26 dert Vidal, dass die Todesschwadronen für ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden müssen: Es darf keine Straflosigkeit geben. Mit ihrem Einsatz für die Menschenrechte hat sich die Kirche viele Feinde gemacht. Seit 1984 sind rund fünfzig Bischöfe, Priester und Missionare ermordet worden. Prominentestes Opfer war der im Jahr 2002 ermordete Erzbischof von Cali, Isaias Duarte Cancino, der sich mutig gegen die Drahtzieher des Drogenhandels einsetzte. Im Jahr 1999 exkommunizierte er Mitglieder der ELN, die 150 Gläubige aus einer Kirche entführt hatten. Michael Brücker Wir entnehmen diesen Beitrag in gekürzter Form der Broschüre Kolumbien Mit dem Wort gegen die Gewalt (2004) und danken der katholischen Bischöflichen Aktion ADVENIAT für die freundliche Genehmigung. Wirtschaftliche und soziale Situation Der seit einigen Jahrzehnten anhaltende, bewaffnete Konflikt in Kolumbien und die Auseinandersetzungen um den Drogenanbau haben zur Vertreibung von Millionen von Kolumbianerinnen und Kolumbianern geführt. Außer unter der Härte eines Krieges leiden die gut zwei Millionen Binnenflüchtlinge unter den gleichen Problemen, die die Mehrzahl der Kolumbianer erleben: Arbeitslosigkeit, mangelnde Bildungschancen, unzureichende Gesundheitsversorgung, fehlende Infrastruktur. Dabei verfügt Kolumbien über große Öl- und Kohlevorkommen. Der Bürgerkrieg hat jedoch zu einer Reduzierung der Produktion geführt. Die Bevölkerung profitiert zudem wenig von den Erlösen. Während rund ein Viertel des nationalen Haushaltes so die offiziellen Zahlen der kolumbianischen Regierung des Jahres 2004 in Verteidigung und nationale Sicherheit investiert wurden, lag der Anteil für Soziales bei lediglich sechs Prozent. Die Zahlungen der Auslandsschuld Kolumbiens belaufen sich auf rund 40 Prozent. Hinzu kommen die laufenden Kosten des Staates, die zu einem Haushaltsdefizit führen. Dies wiederum versucht die Regierung durch ständige Steuererhöhungen und neue Steuern, den Verkauf von rentablen staatlichen Firmen und erneuten Kreditaufnahmen zu extrem hohen Zinssätzen zu decken. Diese Finanzlage ist im Alltag der meisten Kolumbianer zu spüren. Von den rund 26 Millionen Armen, die es in Kolumbien gibt, leben laut den Aussagen der Vereinten Nationen etwa 11 Millionen in absoluter Armut. Als Ursache der Misere führt die Regierung die Auswirkungen des bewaffneten Konflikts an. Dies sei lediglich ein Vorwand, die sozio-ökonomischen Maßnahmen der neoliberalen Wirtschaftspolitik zu rechtfertigen, die ihrerseits die verarmte, kolumbianische Wirtschaft erstickten, sagen hingegen oppositionelle Stimmen im Land. Kaffee-Ernte Unbestreitbar ist es wichtig, den bewaffneten Konflikt zu lösen. Doch die zunehmende Militarisierung seitens des Staates hinterlässt immer mehr Tote, Vertriebene und unschuldig Verhaftete und bringt keine effektiven Resultate für das Volk. Durch den Krieg entsteht vielmehr eine übermäßi- Herzog 24 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

27 ge Konzentration des Landbesitzes in Händen der Paramilitärs und der Rauschgifthändler, die einen beachtlichen Anteil der anbaufähigen Flächen kontrollieren. Wichtigstes legales Anbau- und Exportprodukt ist Kaffee, wobei Kolumbien wie andere Anbauländer in den vergangenen Jahren hohe Verluste durch die niedrigen Weltmarktpreise hinnehmen musste. Der Preisverfall hat die zahlreichen Klein- und Kleinstbetriebe in eine existenzielle Krise gestürzt. Die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen, der Anbau von Drogen und die kriegerischen Auseinandersetzungen, haben darüber hinaus zu einer beschleunigten Zerstörung der tropischen Regenwälder geführt. Eine Agrarreform steht gleichwohl nicht auf der politischen Agenda. In den Städten gibt es indes bereits Millionen Arbeitslose, die keine würdige Chance finden, mit ehrlicher Arbeit ihre Familien zu ernähren. Auch von einem Freihandelsabkommen für den gesamten amerikanischen Kontinent, dessen Realisierung die USA anstrebt, verspricht sich die Mehrheit der Kolumbianer keine Verbesserung der Situation. Viele zivile Organisationen in Kolumbien suchen daher sowohl auf wirtschaftlicher als auch Situation der Kinder Unter den gut zwei Millionen Binnenflüchtlingen sind rund eine Million Kinder unter 15 Jahren. Außerdem sind zahlreiche Kinder von bewaffneten Gruppen als Kindersoldaten rekrutiert worden. Allein im Jahr 2002 wurden Kinder entführt. Immerhin 92 Prozent aller Kinder in Kolumbien werden eingeschult. Aber die durchschnittliche Länge des Schulbesuchs beträgt bei Mädchen 3,7 Jahre und bei Jungen 3,8 Jahre. Der Schulbesuch der afro-kolumbianischen und der indigenen Kinder ist deutlich niedriger als derjenige der übrigen Kinder. Eine Million Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren arbeiten bereits, auch die Zahl der sexuell ausgebeuteten Kinder ist hoch. Ursula Holzapfel politischer Ebene internationale Solidarität: In der Wirtschaft, um einen Mindestunterhalt für alle zu garantieren. In der Politik, um Freiräume für demokratische Beteiligung zu verwirklichen, um die Konzentration des Reichtums zu dezentralisieren und die Wahrheitsfindung in Kolumbien zu unterstützen. EXKURS: Der Chontaduro, die wichtigste Frucht an der kolumbianischen Pazifikküste VERWENDUNG: Seit Urzeiten wird im Chocó die Chontaduro-Palme angebaut. Ihre Frucht kann auf verschiedene Weisen gegessen werden: einfach abgekocht oder als Konserve in Salzwasser oder Essig abgefüllt, sei es gewürzt oder mit Aromen. Der gemahlene oder körnige Chontaduro wird bei der Vorbereitung von Soßen, Truthahnfüllung, Suppen, Kompott, Getränken und Eis sowie als Brotmehl verwendet. Mit Chontaduro lässt sich außerdem Brotaufstrich, Wein, Likör und Essig zubereiten. Er wird auch als Futter für Schweine, Geflügel und Rinder benutzt. Von der Chontaduro-Palme stammt der Palmito: die zarte Palmspitze der Jungpflanze, die dem Spargel sehr ähnelt. Damit lassen sich Salate zubereiten und abgefüllt in Dosen werden sie sogar exportiert. Dies greift jedoch die Natur an, da dafür die Palme gefällt werden muss. ÖKOLOGIE: Der Chontaduro stammt aus warmen, regnerischen Gebieten, weshalb der Chocó sich sehr für seinen Anbau eignet. PRODUKTION: Der Samen ist sorgfältig zu putzen, bis sämtliche Fasern oder Mehl beseitigt sind. Es muss kontrolliert werden, dass er mindestens zwei Zentimeter vergraben ist. Seine Keimzeit beträgt zwei bis vier Monate. Für eine gute Produktion braucht er wenigstens drei Zweige oder Knoten. Um Palmitos zu ernten, müssen die Palmen in einem Abstand von zwei Metern gepflanzt werden. Bei der Produktion von Chontaduro-Früchten soll der Abstand sieben bis acht Meter betragen. Die Chontaduro-Palme hat eine Produktionsdauer von etwa zehn Jahren. SAAT: Die Saat muss an feuchten Tagen zu Beginn der Regenzeit erfolgen. Der Boden darf kein Unkraut haben, da der Chontaduro eine oberflächliche Wurzel hat. Die Palmen müssen stets dem Licht ausgesetzt sein. Ursula Holzapfel Hinweis: Die Beiträge auf den Seiten wurden von Ursula Holzapfel verfasst, die auch den Kolumbien-Teil des Schülerheftes erarbeitet hat. Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 25

28 Kolumbien ist ein traditionell katholisches Land. Der Anteil der Katholiken liegt bei über 90 Prozent der Gesamtbevölkerung. Andere historische Kirchen wie Lutheraner, Anglikaner, Mennoniten, Presbyterianer, Baptisten und Methodisten bilden Minderheiten, die vom Staat nach der Verfassung von 1991 als gleichberechtigt anerkannt werden. Eine Herausforderung stellt die Ausbreitung von fundamentalistischen Sekten dar. Diejenigen US-amerikanischer Herkunft begünstigen oftmals eine eher fatalistische und konformistische Mentalität. Kirchen in Kolumbien Allerdings geben auch in den historischen Kirchen diejenigen Kräfte den Ton an, die eher eine systemerhaltende und regierungsnahe Linie vertreten. Daneben gibt es aber auch Kräfte, die gesellschaftskritische und prophetische Positionen einnehmen mit dem Ziel, bewusstseinsbildende und organisatorische Prozesse an der Basis in Gang zu setzen und zu unterstützen. So genießen die Kirchen in allen Bevölkerungsschichten ein recht großes Vertrauen. Ohne ihr soziales Engagement, vor allem im Erziehungs- und Gesundheitswesen, wäre die Lage der Armen, die nach offiziellen Statistiken rund 55 Prozent der Bevölkerung ausmachen, noch katastrophaler als sie es so schon ist. Um ihre soziale Arbeit in diesem Umfang leisten zu können, sind die Kirchen auf finanzielle Unterstützung von außen angewiesen, vor allem von den kirchlichen Hilfswerken in Europa und den USA. Was die Sondierung von Möglichkeiten für Friedensverhandlungen oder zumindest für humanitäre Abkommen zwischen den verschiedenen Guerillaorganisationen und der kolumbianischen Regierung angeht, hat die katholische Kirche eine wichtige Vermittlerrolle. Hier besteht ein breiter Konsens, dass die Lösung des langjährigen bewaffneten Konflikts nicht auf militärischem Weg durchgesetzt werden kann, sondern nur auf dem Verhandlungsweg, wobei Strukturveränderungen zur Überwindung der sozialen Ungerechtigkeit unumgänglich sind. Auf diesem Weg zur Erreichung eines Friedens auf der Grundlage von sozialer Gerechtigkeit erwarten alle gesellschaftlichen Kräfte von den Kirchen einen entscheidenden Beitrag. So tragen die Kirchen eine große Verantwortung für die Zukunft Kolumbiens. Herzog Die Kathedrale an der Plaza Bolivar im Herzen Bogotás wurde 1823 fertiggestellt. 26 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

29 D as Leben von Danid und seiner Familie in Kolumbien wird sehr stark dadurch bestimmt, dass sie vor der Gewalt des Bürgerkrieges flüchten mussten und nun in Armut in einer Flüchtlingssiedlung wohnen. Mehrere Millionen Menschen sind aus ihren Heimatregionen geflüchtet und leben jetzt in etwas sichereren Teilen Kolumbiens oder im Ausland. Danids Eltern haben einen kleinen Laden eröffnet, aber angesichts der geringen Einkommen der Menschen in der Umgebung reichen die Einnahmen nicht aus, um die Familie zu ernähren. Deshalb arbeitet der Vater zeitweise in Spanien. Wenn es in Ihrer Klasse Kinder aus armen Ländern und/oder Bürgerkriegsregionen der Welt gibt, werden diese von ähnlichen Lebenssituationen in ihrer Heimat berichten können. Es sollte im Unterricht Raum gegeben werden, über solche Erfahrungen zu sprechen ohne Danid aus dem Auge zu verlieren. Wir haben in dieses Lehrerheft ausführliche Informationen über die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe der gewaltsamen Konflikte in Kolumbien aufgenommen. Sie können helfen, die Fragen der Schülerinnen und Schüler zu beantworten, warum Danid und seine Familie in einer Flüchtlingssiedlung leben. Bei der Beschäftigung mit dem einleitenden Text im Schülerheft, mit dem Danid sich vorstellt, ist es wichtig herauszustellen, dass sich die Familie nicht in ihre Lage fügt. Vielmehr unternimmt sie viele Initiativen, um die eigene Situation zu verbessern (Arbeit des Vaters in Spanien, die Mutter arbeitet zusätzlich zur Arbeit im eigenen Laden in einem kleinen Handarbeitsbetrieb). Pädagogische Hinweise Escher Für den Abschnitt Leben in der Flüchtlingssiedlung sollte genügend Unterrichtszeit eingeplant werden, weil sicher viele Erläuterungen durch die Lehrerin oder den Lehrer gefragt sind. Zur Vorbereitung sollten Sie unbedingt die Hintergrundinformationen in diesem Lehrerheft lesen sowie im Kinderheft (S. 25) den Text Leben in der Flüchtlingssiedlung. Aus dem einleitenden Text von Danid und noch stärker aus dem späteren Abschnitt Ein heißer Schultag geht hervor, dass er und seine Schwester im Laden und im Haushalt helfen. Dies kann dazu anregen, darüber zu sprechen, ob die Schülerinnen und Schüler selbst im Haushalt oder zum Beispiel im elterlichen Laden oder auf dem elterlichen Bauernhof mithelfen. Im Blick auf den letzten Absatz des einleitenden Textes kann im Unterrichtsgespräch erläutert werden, dass Menschen in Armenvierteln und Flüchtlingssiedlungen in Kolumbien kaum Zugang zu Gesundheitseinrichtungen haben, und schwere Krankheiten für sie deshalb noch mehr als bei uns lebensbedrohliche Konsequenzen haben. Die Hoffnung Danids auf ein langes, gesundes Leben ist auch vor diesem Hintergrund zu sehen. Im Gebiet des Chocó leben fast ausschließlich Afro- Amerikaner, Nachkommen der ehemals aus Afrika hierhin verschleppten Sklaven. Doch auch heute ist ihre wirtschaftliche Situation nicht gut. Die Kinder müssen daher kräftig mit Hand anlegen bei der Arbeit. Der Abschnitt Ein heißer Schultag beschreibt sehr anschaulich den Tageslauf Danids, der Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit in der Schule. Die Unterschiede zur Situation an deutschen Schulen sind unübersehbar, angefangen mit den fehlenden Heften und Bleistiften. Es wird deutlich, was es heißt, Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 27

30 Escher arm zu sein in Kolumbien. Diese Tatsachen sollten nicht dadurch überdeckt werden, dass die Kinder in Danids Klasse fröhlich und sich laut unterhaltend aus der Pause kommen. Armut ist eine bedrückende Realität, und es ist bewundernswert, dass die Kinder in der Flüchtlingssiedlung trotzdem nicht ihren Lebensmut verlieren. Die Unterrichtsstunde über den Abschnitt Tropische Genüsse kann damit eröffnet werden, dass die Schülerinnen und Schüler aufzählen, welche Hauptverkehrsmittel im feucht-heißen Chocó ist das Kanu oder das Motorboot. Früchte aus warmen und heißen Ländern sie kennen. Chontaduro wird sicher nicht darunter sein. Die Zusatzinformationen in diesem Abschnitt wie auch im Lehrerheft helfen Ihnen, mehr über diese Frucht ins Unterrichtsgespräch einzubringen. Für das Kochen des Gerichts Rote Bohnen sind dann weniger exotische Zutaten erforderlich. Für den Abschnitt Spiele haben wir drei kolumbianische Spiele ausgewählt. Das Spiel Der Ring mit dem Band kann in der Klasse gespielt werden, während die anderen beiden Spiele viel Platz im Freien brauchen. Beim Spiel Yuca-Wurzel-Ausreißer sollte darauf geachtet werden, dass es zu keinem zu großen Krafteinsatz kommt, um die Wurzel auszureißen. Es gilt schließlich, die Wurzel wohlbehalten aus der Erde zu bekommen. Als Hintergrundinformation zum Abschnitt Danids Glaube haben wir einen Kasten zu den Kirchen in Kolumbien in dieses Lehrerheft aufgenommen. Für evangelische sowie nicht-christliche Schülerinnen und Schüler wird es erforderlich sein, einige Erläuterungen zum Sachtext und zu den Gebeten im Schülerheft zu geben, zum Beispiel zur heiligen Barbara. Literaturtipps: - Adveniat (Hrsg.): Kolumbien Mit dem Wort gegen die Gewalt, Broschüre zur Adveniat-Aktion 2004, Bezug: Adveniat (s. Adressteil/ dort wird außerdem u.a. eine Dia- Serie angeboten) - Brandenberger, Erna/Dilger, Gerhard (Hrsg.): Cuentos hispanoamericanas Erzählungen aus Spanisch-Amerika: Kolumbien, Deutscher Taschenbuch Verlag, München (1997) - Diakonisches Werk der EKD e.v. für die Aktion Brot für die Welt (Hrsg.): Kolumbien - so grausam schön, Stuttgart (2004) - Helfrich-Bernal, Linda: Kolumbien: Wahlen und Parteienkonflikt, Vervuert Verlag, Frankfurt am Main (2002) - Kurtenbach, Sabine (Hrsg.): Kolumbien zwischen Gewalt eskalation und Friedenssuche Möglichkeiten und Grenzen der Einflussnahme externer Akteure, Vervuert Verlag, Frankfurt am Main (2001) - Marquez, Gabriel Garcia: Hundert Jahre Einsamkeit, Fischer Tb., Frankfurt am Main (2004) - Marquez, Gabriel Garcia: Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Fischer Tb., Frankfurt am Main (2004) - Marquez, Gabriel Garcia: Leben, um davon zu erzählen, Fischer Tb., Frankfurt am Main (2004) - Missionszentrale der Franziskaner (Hrsg.): Vertrieben im eigenen Land!, Demokratische Sicherheit in Kolumbien, Berichte-Dokumente-Kommentare 95, Bonn (2004), Bezug: MdF (s. Adressteil) - Osa, Veronica de Bruyn de: Kolumbiens Gold wog schwerer als Kolumbiens Blut, Faqué Verlag, Egelsbach (2001) - Runnerström, Bengt Arne: Arhuaco Ein Indiojunge aus Kolumbien erzählt, Peter Hammer Verlag, Wuppertal (1986) - Schultze-Kraft, Peter: Und träumten vom Leben. Erzählungen aus Kolumbien, Edition 8, Zürich (2001) - Streissler, Anna Isabella: Jugendliche in Bogotá, ethnologische Studie, Brandes & Apsel, Frankfurt am Main (1999) - Zinecker, Heidrun: Kolumbien wie viel Demokratisierung braucht der Frieden? Frankfurt am Main: Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (2002). 28 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

31 Republik Kamerun Fläche: km 2 (Deutschland: km 2 ) Einwohnerzahl: 16,5 Mio. (Deutschland: 82,3 Mio.) Einwohner je km 2 : 33,7 (Deutschland: 231) Hauptstadt: Jaunde, ca. 1,4 Mio. Einwohner * die wirtschaftliche Hauptstadt ist Douala, ca. 1,6 Mio. Einwohner Städtische Bevölkerung: 52,9 % (Deutschland: 87,0 %) Lebenserwartung: 46 Jahre (Deutschland: 78 Jahre) Bevölkerungszusammensetzung: Ethnisch-linguistische Heterogenität von ca. 250 Gruppen Klima: An der Küste und im Süden herrscht ein tropisches Klima mit hohen Niederschlägen. Im Osten und Norden sind die Niederschläge niedriger, ganz im Norden ist die Trockenheit so groß, dass es immer wieder zu Dürren kommt. Offizielle Sprachen: Französisch und Englisch, daneben gibt es etwa 250 einheimische Sprachen und Dialekte. Religionen: Christen: ca. 52 % Muslime: ca. 22 % Naturreligionen: ca. 26 % Staatsform: Republik Bruttosozialprodukt je Einwohner: 550 US-Dollar pro Jahr (Deutschland: ) (Quellen: Munzinger Archiv, Fischer Weltalmanach 2005) Geschichte Kameruns In dem Land Zentralafrikas, das seit etwas mehr als hundert Jahren Kamerun heißt und dessen Grenzen im Verlauf der vergangenen 120 Jahre von den europäischen Kolonialmächten gezogen und mehrere Male verändert wurden, leben rund 250 Völker mit ebenso vielen Sprachen. Im Süden, Westen und Osten sind es Bantu- und Halbbantuvölker. Man bezeichnet sie so, weil es viele sprachliche Ähnlichkeiten zwischen ihnen gibt. Sie zogen vor Hunderten von Jahren entlang der Flüsse in die Wälder oder siedelten an deren Rändern und lebten von Ackerbau, Viehzucht, Fischfang und der Jagd. Im Norden Kameruns, einem Savannengebiet, leben die Nachkommen vieler sudanesischer Völker, die in erster Linie Ackerbau betreiben. Es gilt als sicher, dass die Pygmäen die ersten Einwohner im südlichen Kamerun waren. Sie lebten schon vor vielen tausend Jahren in den Urwäldern. Die anderen Völker waren gekommen, weil sie neue Lebensräume und fruchtbare Böden suchten. Die Völker Kameruns hatten ihre eigenen Sprachen, sozialen Strukturen und Religionen. Das soziale und politische Leben organisierte sich um die Sitze von Königen oder Dorfältesten. Es waren orale Gesellschaften. Wissen wurde von Generation zu Generation durch die praktische Vermittlung von Erfahrungen und das Erzählen von lehrreichen Geschichten erworben. Die Menschen kannten den Einen Gott, der alle Welt geschaffen hatte. Er war für sie überall und konnte sich durch viele Dinge äußern. Aber er war nicht jemand, den man zu jeder Zeit ansprach. Dafür gab es die Ahnen und andere geistige Wesen. Sie rief man an, um sich ihres Beistandes zu versichern. Es gab das Gute, das Leben in Heilung und Harmonie bedeutete, und das Böse, das Krankheit, vorzeitigen Tod und Unglück verursachte. Afrikanisches religiöses Tun war sehr stark darauf ausgerichtet, sich gegen das Böse, das von Menschen und unsichtbaren Wesen ausgehen konnte, zu schützen, indem man vor allem den Ahnen und Geistern zu essen gab, ihnen opferte. Der europäische Einfluss begann im Jahr 1472 nach Christus. Unter dem Kommando von Fernando Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 29

32 do Poo landeten portugiesische Seeleute an der Küste Kameruns, im Delta des Wouri Flusses. Aufgrund der vielen Krabben, die sie in dem Fluss entdeckten, nannten sie ihn Rio de Camarões (Krabbenfluss) von dem sich der Name des Landes ableitet. In den Jahren nach dem Erscheinen der Portugiesen wurden erste Zuckerrohrplantagen angelegt. Zudem setzte um 1520 ein reger Handel insbesondere mit Palmöl, Elfenbein und Sklaven ein. Haupthandelspartner waren vor allem die Küstenstämme beispielsweise die Könige von Douala. Nicht nur an der Küste, sondern im ganzen Bereich des heutigen Kamerun gab es bis zum 19. Jahrhundert immer wieder bedeutende Reichsbildungen. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das Maoui-Reich, das entlang der Küstenregion vom 16. bis zum 18. Jahrhundert Bestand hatte. Mit der Errichtung von Handelsniederlassungen an der Mündung des Wouri durch das Hamburger Handelshaus Woermann und Jantzen-Thormählen begann im Jahr 1868 der Einfluss der Deutschen auf Kamerun. Auf Druck dieses Handelshauses kam es am 14. Juli 1884 zu dem Auftrag des damaligen Reichskanzlers, Otto von Bismarck, die deutsche Fahne zu hissen und auf diese Weise Kamerun zu deutschem Schutzgebiet zu erklären. Die Könige des Doualavolkes unterzeichneten mit den Vertretern des Hamburger Handelshauses einen Vertrag, der diesen das Recht gab, ein genau umgrenztes Gebiet entlang der Küste zu verwalten und die darin lebende Bevölkerung zu schützen. Deutsche Militärs drangen in den folgenden Jahren weit ins Innere des Kontinents vor. Noch heute wird man an fernen Orten Kameruns auf deutsche Gebäude und Brücken aufmerksam gemacht. An vielen Stellen des Landes vertrieb man die Kleinbauern von ihren fruchtbaren Feldern, um auf großen Flächen Kakao, Palmbäume, Kaffee und Tee anzubauen. Es gab kaum einen Flecken Kameruns, den sich die Deutschen nicht mit Gewalt nehmen mussten. Im Ersten Weltkrieg eroberten englische und französische Soldaten die von den Deutschen besetzten Gebiete. Im Jahr 1919 wurde Kamerun dem Völkerbund unterstellt, der den überwiegenden Teil des Landes Frankreich zur Verwaltung übergab und einen kleineren Teil etwa 20 Prozent, an der Grenze zu Nigeria gelegen den Engländern. Kamerun war die einzige französische Kolonie in Afrika, die in den 1950-er und 1960-er Jahren einen langen, bewaffneten Unabhängigkeitskampf führte. Aber es gelang der französischen Kolonialmacht, eine Regierung einzusetzen, die nach der formalen Unabhängigkeit am 1. Januar 1960 den Krieg gegen die Befreiungskämpfer mit Unterstützung französischen Militärs als Bürgerkrieg weiterführte. Die von Frankreich und von England verwalteten Teile Kameruns wurden 1961 wieder zu einem Land vereinigt. Hinweis: Die Texte auf den Seiten beruhen sofern nicht anders gekennzeichnet im Wesentlichen auf dem Buch Ganz nah die Ferne rückt, Begegnungen mit Kulturen Kameruns von Reiner Rumohr, das 2003 im Verlag Otto Lembeck erschienen ist. Reiner Rumohr stellt in seinem Buch dar, welche Erfahrungen und Einsichten er bei der Begegnung mit der Kultur, den Religionen und vor allem den Menschen in Kamerun gewonnen hat. Wir danken dem Verlag für die Genehmigung zum Abdruck der Texte. Reiner Rumohr hat auch den Kamerun-Teil des Schülerheftes erarbeitet. Die wirtschaftliche und soziale Situation Die Landwirtschaft ist die Haupterwerbsquelle der Kameruner. Kamerun wird zu Recht als Speisekammer Zentralafrikas angesehen. Die landwirtschaftliche Produktion war in den vergangenen Jahrzehnten fast immer mehr als ausreichend, um die heimische Bevölkerung zu versorgen. Der Überschuss wird in die Nachbarländer exportiert. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind Kakao, Kaffee, Essbananen, Baumwolle, Kautschuk und Palmöl. Vor allem für den häuslichen Bedarf werden Maniok, Makabo, Taro, Kochbananen, Igname, Zwiebeln, Tomaten und Karotten angebaut. Kamerun deckt 70 Prozent seines Bedarfes an Fleisch selbst. Da die Landwirtschaft in Kamerun in erster Linie der Eigenversorgung dient, sind die kultivierten Flächen selten größer als Quadratmeter, also ein Hektar. Eine Person allein könnte in einem Jahr zwei oder drei solcher Felder bearbeiten. In der Gegend, in der Christian lebt, werden vor allem Früchte wie Makabo, Taro und Mais angebaut. Die Großmutter Christians bearbeitet wie beschrieben ein Feld. Sie kultiviert es für ihren eigenen Bedarf 30 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

33 und zur Versorgung ihrer Kinder in der Stadt. Diese müssen das Feld von Bäumen, Sträuchern und Gräsern befreien, damit es die Großmutter anschließend bearbeiten kann. Nach der Landwirtschaft kommt dem Handel die größte wirtschaftliche Bedeutung zu, allerdings findet 60 Prozent davon im informellen Sektor statt. Auf industriellem Gebiet besitzt Kamerun viele Verarbeitungsbetriebe, unter anderem in den Bereichen Chemie, landwirtschaftliche Weiterverarbeitung und Metallverarbeitung. Andere wichtige Wirtschaftszweige sind der Bergbau und der Tourismus. Das Straßennetz ist ziemlich dicht, auch wenn die Sand- und Erdpisten überwiegen. Alle Provinzhauptstädte sind durch asphaltierte Straßen miteinander verbunden. Eine Eisenbahnverbindung von ungefähr Kilometern Länge verbindet die Hafenstadt Douala im Süden mit Ngaoundere, dem Tor zum Norden und dem Nachbarland Tschad. Kamerun gehört zu den am höchsten verschuldeten Ländern der Welt. Dies ist umso beunruhigender, als die Erdölförderung zurückgeht, die bisher wesentlich zum Wirtschaftswachstum beigetragen hat. Etwa die Hälfte der Bevölkerung existiert unterhalb der offiziellen Armutsgrenze. Bei der Gesundheitsversorgung bestehen große Probleme: Die vorhandenen medizinischen Einrichtungen sind unzulänglich verglichen mit den Bedürfnissen der Bevölkerung. Sie befinden sich zudem oft sehr weit von den Menschen entfernt, denen sie dienen sollen. Auf Einwohner kommen acht Ärzte. Außerdem sind die Behandlungskosten höher als es sich die meisten Menschen leisten können. Situation der Kinder Stark Die noch zunehmende Verarmung großer Teile der Bevölkerung hat dazu geführt, dass die Kindersterblichkeitsrate wieder gestiegen ist. Trotzdem wächst die Bevölkerung um knapp 2 Prozent im Jahr, was dazu führt, dass 56 Prozent der Bevölkerung jünger als 20 Jahre alt sind. Trotz der Armut des Landes beträgt die Einschulungsquote 79 Prozent. Diese Rate ist nicht im ganzen Land gleich hoch. Im Schulklasse Norden und Osten Kameruns ist sie niedriger, vor allem aus kulturellen und religiösen Gründen. Rund 90 Prozent der 15- bis 24-Jährigen kann Lesen und Schreiben. Dies ist nur möglich durch die großen Opfer, die Eltern und Verwandte bringen, damit die Kinder eine Schule besuchen können. In den städtischen Gebieten ist die Nachfrage nach Einschulungsmöglichkeiten größer als das Angebot. Das hat dazu geführt, dass in beinahe anarchistischer Weise Schulen gegründet werden und gleichzeitig die Klassen in vielen Schulen weit überbelegt sind im Durchschnitt 110 Schüler in einer Klasse mit einem Lehrer. Rund 30 Prozent aller Schulen sind konfessionelle (katholisch, protestantisch, muslimisch), rund 30 Prozent private und rund 40 Prozent staatliche Schulen. Es gibt in Kamerun sechs staatliche Universitäten und eine katholische Universität. Vermindert wird der Schulerfolg dadurch, dass viele Kinder im elterlichen Betrieb oder für Firmen arbeiten müssen. Besonders im informellen Sektor gibt es einen hohen Bedarf an billiger Kinderarbeit. Bezahlte Kinderarbeit ist zwar durch nationale Gesetze verboten und daher selten. Dennoch: Viele Kinder betreiben einen (fast immer ambulanten) Kleinhandel. Auf dem Lande helfen die Kinder ihren Eltern bei der Arbeit auf dem Feld, was keine bezahlte Arbeit darstellt, sondern eher eine normale Beteiligung an der Familienarbeit. Die wachsende Ausbreitung von HIV/AIDS in Kamerun hat zur Folge, dass viele Kinder geboren werden, die bereits HIV-positiv sind. Außerdem verlieren viele Kinder in jungen Jahren ihre Eltern und müssen von Verwandten aufgenommen werden. Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 31

34 In den Städten ist die Wohnsituation gelegentlich anarchisch und hängt stark von den finanziellen Möglichkeiten jedes Einzelnen ab. Auch wenn Strom fast überall vorhanden ist, ist ein Trinkwasseranschluss seltener, ebenso eine Straßen- und Verkehrsanbindung. Die Lebensbedingungen sind daher sehr schwierig. Die Menschen leben auf engstem Raum zusammen, um nicht zu sagen durcheinander, was die ohnehin mangelhaften hygienischen Bedingungen verschlechtert. Wohnsituation Auf dem Lande gibt es viele Dörfer, die keine Elektrizität haben. Mit Trinkwasser versorgen sich die meisten Familien aus den Flüssen und anderen, wenig vertrauenerweckenden Quellen. Auch auf dem Lande ist es sehr selten, dass die Zahl der Zimmer in einem Haus so groß ist, dass jede Bewohnerin und jeder Bewohner ein Zimmer für sich allein hat. Die Menschen schlafen meist zu mehreren in einem Zimmer und in einem Bett. Reiner Rumohr Religionen in Kamerun In Kamerun kann man heute drei wichtige Religionsrichtungen unterscheiden: Christentum, Islam und traditionelle Religionen. Die traditionellen Religionen sind von Volk zu Volk unterschiedlich, doch haben sie grundsätzliche Gemeinsamkeiten: Im Mittelpunkt steht das Leben, welches die sichtbare und die unsichtbare Welt zusammenhält. In der unsichtbaren Welt steht Gott an erster Stelle, gefolgt von den Ahnen. In der sichtbaren Welt leben die Menschen, in hierarchischer Abstufung vom König bis zu den Kindern. Das Leben nach dem Tod ist eine Wiederholung des jetzigen Lebens. Die Schriftreligionen Islam und Christentum sind dabei, die schriftlosen traditionellen Religionen zu verdrängen, doch gehen Elemente des traditionellen Glaubens in den Islam und das Christentum über. Wettlauf um Glaube und Macht Das Vordringen des Islam in Kamerun ist bis ins 17. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Der Fulani-Prediger Scheich Uthman Dan Fodio unternahm ab 1804 einen Jihad, einen heiligen Krieg, was zu einer Islamisierung der nördlichen Volksgruppen Kameruns führte. Die Christianisierung begann im 19. Jahrhundert. Missionare der Baptist Missionary Society (BMS) ließen sich mit einer Gruppe von 39 befreiten Sklaven aus Jamaika Mitte der 1840-er Jahre als Evangelisten, Lehrer und Siedler in Kamerun nieder. Dort begegneten sie unabhängigen Menschen, die daran gewöhnt waren, mit Weißen Handel zu treiben. So soll der Häuptling von Deido über einen Missionar gesagt haben: Warum soll ich mich wegen dieses armen Weißen bemühen? Die anderen Weißen haben in ihrem Gepäck Wein- brand, Waffen oder Stoffe. Dieser aber besitzt nur einen Stapel Papierblätter. Ein brutaler Einschnitt war die Berliner Konferenz von 1884/85, mit der die europäischen Imperialmächte den Kontinent in koloniale Interessensphären untereinander aufteilten. Kamerun geriet unter deutsche Herrschaft. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen den Missionsgesellschaften und ihren jeweiligen Regierungen veränderte sich die missionarische Arbeit in Kamerun drastisch. Die Einheimischen, die in der Periode vor der Berliner Konferenz bereits Verantwortung für die Kirchenleitung tragen konnten, wurden nun zu einflusslosen Komparsen herabgesetzt. Die BMS zog sich zurück und übergab ihre Arbeit an die Basler Mission. Die Missionare bekamen nun auch Zugang zum Hinterland, was einen Wettlauf unter den Vertretern verschiedener Konfessionen auslöste. Im Jahr 1891 kam die Berliner Missionsgesellschaft und 1893 die American Presbyterian Mission hinzu gelang auch den Katholiken, so zum Beispiel der Missionsgesellschaft der Pallotiner, der Vorstoß nach Kamerun. Der deutsche Reichskanzler, Otto von Bismarck, hatte ihnen die Einreise unter der Bedingung erlaubt, dass sie protestantische Gebiete nicht berühren durften. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Kolonialgebiet in eine französische und eine britische Verwaltungszone aufgeteilt. Die Basler Mission übergab ihre Arbeit in der französischen Sphäre 1917 der Pariser Mission. Im britischen Mandatsgebiet übernahmen katholische Mill-Hill-Missionare 1922 den Dienst. Ab 1924 konnte die Basler Mission ihre Arbeit in Kamerun fortsetzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kämpften die aus der Missionsarbeit ent- 32 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

35 Melters konnte man einen Zustrom christlicher Sekten und asiatischer religiöser Gruppierungen beobachten. Die christliche und die muslimische Bevölkerung Kameruns konstituieren sich mehr und mehr in sich voneinander abgrenzenden Gesellschaften innerhalb des Staates. Der Norden ist vom Islam geprägt, Westen und Südosten des Landes vom Christentum. Messfeier einer kleinen christlichen Gemeinde mit einem philippinischen Missionar. Zur Christianisierung der Bevölkerung gehörte es, dass man jedem Kameruner bei der Taufe einen biblischen Vornamen gab. Das ist heute noch so, auch wenn inzwischen einige Menschen nicht-biblische Vornamen bekommen. Aber alle stammen weiterhin aus den europäisch-nordamerikanischen Kulturkreisen. Die Kameruner kennen in ihrer Tradition den Vornamen nicht. Sie haben meist drei bis vier Namen. Der erste oder die ersten finden sich im Stammbaum der Familie wieder. Der oder die folgenden Namen haben entweder einen Bezug zu den Umständen der Geburt oder sind von Menschen übernommen, die einem nahe stehen. Alle sind Nachnamen, keine Vornamen. Der erste Nachname ist die Verbindung der Vergangenheit zur Zukunft. Ihr Träger ist vor alstandenen Kirchen, wie zum Beispiel die Presbyterianische Kirche, um Autonomie. Im Jahr 1960 wurde Kameruns Unabhängigkeit verkündet. Aktuelle Situation In Kamerun sind heute rund 26 Prozent der Bevölkerung Anhänger traditioneller Religionen, 22 Prozent bekennen sich zum Islam und etwa 52 Prozent sind Christen, etwa je zur Hälfte Katholiken und Protestanten. Die Religionsfreiheit ist gesetzlich verankert. In den vergangenen zwanzig Jahren Kirchen und Moscheen übernehmen in den Großstädten zunehmend die Funktion von Gemeinschaftszentren und ersetzen die sich auflösenden Stammesstrukturen. Wirtschaftliche Krisen, Arbeitslosigkeit, Korruption und mangelnde Infrastruktur tragen dazu bei, dass etwa die Hälfte der Kameruner unterhalb der Armutsgrenze lebt. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang des Landes verschlechterte sich die Gesundheitsversorgung. Vor allem in abgelegenen Regionen zogen sich staatliche Träger fast vollständig zurück, weshalb die Kirchen in vielen Gebieten die einzigen zuverlässigen Träger von Gesundheitsarbeit sind, wo sie sich auch im Kampf gegen HIV/AIDS engagieren. Sie übernehmen ebenfalls eine wichtige Rolle in den Bereichen Bildung, Armutsbekämpfung, Frauenförderung und Theologie. Cornelia Kabus Namen in Kamerun lem ein Glied in der Lebenskette der Familie. Er wird daher in der Regel aus der Generation der Großeltern ausgewählt. Man ist derjenige, dessen Namen man trägt. Und umgekehrt. Stirbt ein Kind, das den Namen des Großvaters trägt, sagt man, der Großvater sei ein zweites Mal gestorben. Man bekommt den Namen seines Großvaters nicht nur, damit dieser weiterlebt, sondern auch, um geschützt zu werden. Name und Person bilden eine Einheit, und damit ist die Person über den Namen verwundbar. Um den Nachnamen zu schützen und dennoch täglich angerufen werden zu können, hat man einen oder mehrere Kosenamen. Sie sind die Rufnamen. Heute haben die Vornamen in vielen Fällen die Kosenamen ersetzt. Reiner Rumohr Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 33

36 Der Menschenbaum Menschenbaum Manche geschnitzten afrikanischen Figuren zeigen mehrere aufeinander stehende oder sitzende Menschen. Sie sind wie ein Baum, bilden unten einen starken Stamm und werden nach oben etwas schlanker. Dieser Menschenbaum drückt afrikanische Gemeinschaft und Solidarität aus. Für fast alle abgebildeten Menschen gilt, dass sie auf den Schultern eines anderen stehen, selbst aber ebenfalls jemanden tragen. Wer oben ist, auf allen anderen steht, trägt geerntete Feldfrüchte auf dem Kopf. Und der Mensch ganz unten, der das Gewicht aller anderen zu tragen hat, weiß sich gestärkt von der Kraft, die aus der Erde kommt. Die traditionelle Wirtschaftsweise in Kamerun war bestimmt von beinahe religiösen Regeln. Alles hatte seinen Platz, auch das, was man erarbeitete. Die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in einer Gemeinschaft war Maßstab aller Dinge. Sie bestimmt die Zeit, die man für die Arbeit, die Familie, die Toten, die Feste, die Riten verwendete. Was jemand besaß, gehörte ihm nicht allein. Es gehörte dem Foo so heißt der Dorfchef beim Volk der Bamileke, dem Dorf oder der Großfamilie. Nicht dem Foo persönlich, sondern ihm als Verkörperung des Volkes. Was man ihm gab, nahm er nicht selbst entgegen, sondern überließ es seinen Getreuen zur Verwaltung. Er bewahrte Überschüsse auf, damit das Dorf in Zeiten der Not nicht hungerte. Dem Foo gehörte alles Land. Er verteilte es an die, die arbeiten wollten. Nachdem die Ernte eingeholt worden war, gab man es ihm wieder zurück. Aus: Reiner Rumohr, Ganz nah die Ferne rückt, Lembeck Die weißen Händler brachten eine ganz andere Wirtschaftsweise mit. Die Menschen erfuhren, dass Überleben auch anders möglich ist. Indem man sich am großen Handel beteiligt, das eingetauschte Geld für sich behält und damit alles kaufen kann, was man braucht: Essen, Gesundheit, Frauen, Land. Doch die Werte einer Gesellschaft verändern sich nur langsam. Als Maßstab der Wertschätzung einer Person gilt (noch heute) seine Freigiebigkeit, die Bereitschaft, von seinem Besitz an die Gemeinschaft abzugeben. Aber was als natürliches, zum eigenen Überleben notwendiges Teilen angelegt war, wird jetzt zum Austeilen von Wohltaten bei den Reichen und zu Bettelei, verbunden mit einem Neidkomplex, bei den Armen. Niemand fragt, woher der Reichtum kommt. Das scheint egal zu sein. Der Reiche als solcher wird zum Mittelpunkt der Gesellschaft, zum Maßstab aller Dinge. Die traditionelle Ordnung beruht auf Bewahrung, die moderne auf ununterbrochener Wandlung. Das schafft eine eigene Dynamik der Entwicklung. Jede Woche werden in den Kaufläden neue, unbekannte Waren ausgestellt. Auf allen Kanälen des Fernsehens zeigt man Filme aus Amerika und Europa. Alles dreht sich in ihnen um das einzelne, handelnde Individuum. Je rücksichtsloser es ist, umso erfolgreicher. Die kamerunische Gesellschaft, in der bisher jedermann Geber und Nehmer war, driftet auseinander. Es werden wenige zu Gebern, und sie bleiben dennoch sehr reich, und sehr viele zu Nehmern, und sie besitzen auch weiterhin nichts. Es herrscht ein großes Mit- und Neben- und Durcheinander. Und irgendwo, mittendrin, liegt das Gleichgewicht des heutigen Kameruners. Spricht man mit Kamerunern über den Menschenbaum, fangen einige wenige an zu lachen, als hätte man einen Witz erzählt. Sie erleben die Wirklichkeit anders als dieses schöne Bild beschreibt. Sie sagen, dass die traditionelle, afrikanische Solidarität zerbrochen sei, und sie führen viele Beispiele an. Andere, und das ist (noch) die Mehrheit, sagen spontan, dass es ihn natürlich noch gebe, und auch sie haben viele Beispiele. Sie sind noch im Dorf aufgewachsen, für sie ist ein Afrikaner mit seiner Erde verbunden, der Familie, denen, die wissen, dass die Erde und deren Früchte niemandem allein gehören. 34 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

37 Die Landschildkröte und das Flusspferd Eine Fabel aus Kamerun E ine Landschildkröte wohnte am Ufer eines Flusses und nährte sich von kleinen Zwiebeln, die dort wuchsen. Eines Tages nun stieg ein Flusspferd ans Land, und als die Landschildkröte es erblickte, war sie zu Tode erschrocken. Als sie aber an einem anderen Tag einen Elefanten daherkommen sah, da war sie vor Staunen und Schrecken sprachlos. Als sie sich von ihrem Schreck erholt hatte, sprach sie: Ich ahnte ja nicht, dass es ein noch größeres Tier gibt als das Flusspferd, aber jetzt glaube ich, dass das Flusspferd doch nicht das stärkste ist. Da nun die Landschildkröte sehr schlau ist und wusste, dass das Flusspferd im Wasser und der Elefant auf dem Land wohnt, ging sie zum Flusspferd und sagte: Lieber Freund, der Elefant rühmt sich überall, dass er stärker sei als du. Wenn du mir etwas schenkst, sage ich dir alles, was der Elefant über dich geredet hat. Das Flusspferd fragte: Was willst du dafür? Sie erwiderte: Gib mir eine Frau! Aber das Flusspferd wollte auf den Handel nicht eingehen, sondern lachte sie aus und sagte: Ach, bist du dumm! Ich glaube nicht, dass von all den Tieren hier im Wald auch nur eins so stark ist wie ich. Wer kann wie ich im Wasser und dann wieder längere Zeit auf dem Land leben? Die listige Landschildkröte aber entgegnete ihm: Oh, bist du dumm, ich selbst will dich besiegen. Da sah das riesengroße Flusspferd die kleine Landschildkröte verächtlich an und sprach: Ach, du arme Landschildkröte, du bist doch viel schwächer als ich, wie willst du mich denn besiegen? Sie erwiderte darauf: Wenn du das nicht glaubst, so lass uns ein langes Seil nehmen und daran ziehen. Wenn du mich ins Wasser ziehst, dann bin ich besiegt. Punkt zwölf Uhr soll der Kampf beginnen. Darauf entfernte sich die Landschildkröte, lief sofort zum Elefanten und sagte zu ihm: Du, das Flusspferd behauptet, es sei stärker als du. Der Elefant erwiderte: Wie kann es denn stärker sein als ich? Sie sagte: Ja, das Flusspferd hat mir ein Seil mitgegeben. Punkt zwölf Uhr sollst du mit ihm um die Wette ziehen. Der Elefant traute aber der Landschildkröte nicht. Da sagte die listige Landschildkröte: Lieber Elefant, dann will ich mit dir um die Wette ziehen. Das war dem Elefanten gerade recht, denn er dachte, er würde sie ja doch besiegen, und wollte sie dann töten. Die Landschildkröte sagte dann noch: Wenn du um zwölf Uhr das straffe Seil siehst, dann bin ich am Ziehen. Als der Elefant um zwölf Uhr das straffe Seil sah, begann er sofort mit aller Kraft zu ziehen; dasselbe tat das Flusspferd im Wasser. Die Landschildkröte dagegen hatte sich im Gebüsch versteckt und weiter nichts zu tun, als zuzusehen, wie die beiden großen Tiere am Seil um die Wette zogen. Der Elefant schämte sich und sagte nur: Sie zieht mich! Und das Flusspferd war zornig und sagte: Soll ich mich von der Landschildkröte etwa ziehen lassen? Als beide Tiere endlich ganz müde waren, ging die Landschildkröte zum Elefanten und fragte ihn: Hast du gespürt, was ich kann? Der Elefant schnaufte und sprach: Du bist aber stark, wie hast du es nur gemacht, dass ich dich nicht ziehen konnte? Ich hatte mich fest in die Erde eingekrallt, Sprichwörter aus Kamerun Die Völker in Afrika haben Weisheiten und Maßstäbe für das persönliche Verhalten in Sprichwörtern festgehalten und von Generation zu Generation weitergegeben. Wir haben einige kamerunische Sprichwörter ausgewählt, die Grundschülerinnen und -schüler dazu anregen können, afrikanische Einsichten und eigene Erfahrungen und Auffassungen miteinander in Beziehung zu setzen. - Besser ein Fehler am Anfang als am Ende. - Niemand ist ohne Wissen, ausgenommen der, der keine Fragen stellt. - Willst du Neuigkeiten des Herzens erfahren, frage das Gesicht. - Was Klugheit verdeckt, wird Klugheit aufdecken. - Der Weg zur Geliebten ist nicht dornig. - Bemühst du dich zu sehr, etwas zu bekommen, verlierst du es. - Schweigen redet auch. - Ein Satter weiß nicht, wie einem Hungrigen zu Mute ist. - Ein großer Stuhl macht noch keinen König. Die meisten der hier veröffentlichten Sprichwörter sind dem Buch In stillen Teichen lauern Krokodile Afrikanische Sprichwörter, Ibekwe (Hg.) entnommen, das im Jahre 2000 im Peter Hammer Verlag (Wuppertal) erschienen ist. Es enthält nach Themen geordnet Hunderte von Sprichwörtern aus allen Teilen des Kontinents. Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 35

38 deshalb konntest du mich nicht ziehen. Da sprach der Elefant: Du hast gewonnen. Und er gab ihr eine Frau. Nun ging die Landschildkröte zum Flusspferd, und auch dieses musste eingestehen: Du bist sehr stark. Obwohl du so klein bist, vermochte ich dich nicht zu ziehen. Wie hast du das nur angestellt? Da sagte sie ihm dasselbe wie dem Elefanten. Da gab auch das Flusspferd ihr eine Frau, lobte sie und sprach: Du kleine Landschildkröte bist sehr stark, und ich sehe, dass du das stärkste von allen kleinen Tieren im Wald bist, denn keins sonst wäre imstande, mich zu ziehen. Ich will jetzt zum Löwen gehen und dir ein Zeugnis ausstellen lassen, dass du das stärkste Tier bist. Als aber das Flusspferd zum Löwen kam und ihm alles erzählt hatte, sagte der Löwe, er wolle sich erst selbst von der Stärke der Landschildkröte überzeugen. Und so hat diese bis heute noch nicht das Zeugnis bekommen. Wir haben diese Fabel dem Band Afrikanische Märchen entnommen (S ), hrsg. von Carl Meinhof, erschienen in der Reihe Märchen der Weltliteratur bei Diederichs im Heinrich Hugendubel Verlag Kreuzlingen/ München. Wir danken dem Verlag für die freundliche Abdruckgenehmigung. Kakao und Schokolade Die ersten Kakaoplantagen in Mittelamerika wurden bereits um das Jahr 600 angelegt. Die Maya und Azteken schätzten den Kakao sehr und verwendeten die Bohnen sogar als Zahlungsmittel. Die spanischen Eroberer brachten Kakao im 16. Jahrhundert nach Europa, wo das neue Getränk durch Hinzufügen von Zucker rasch an den königlichen und fürstlichen Höfen sehr beliebt wurde. Bald wurde die Trinkschokolade auch in Kaffeehäusern ausgeschenkt. Im Jahr 1875 gelang es in der Schweiz, die erste Milchschokolade herzustellen. Bald darauf trat die Schokoladentafel ihren Siegeszug in Europa und Nordamerika an. Mit den wachsenden Absatzmärkten wuchs auch der Kakaoanbau in anderen Ländern, in denen ein warmes und feuchtes Tropenklima herrscht. In Kamerun ließen die deutschen Kolonialherren große Kakaoplantagen anlegen. Hierfür wurde das Land afrikanischer Gemeinschaften enteignet und einheimische Männer unter oft unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit für die deutschen Kolonialunternehmen gezwungen. Die deutschen Kakaoplantagen in Kamerun sind ein düsteres Kapitel der Kolonialgeschichte. Kamerun gehört heute zu den wichtigsten Kakao-Anbauländern der Welt, aber die meisten Menschen in Kamerun können sich nur selten oder gar nicht Schokolade leisten. Über 90 Prozent der weltweit verkauften Schokolade wird in Industrieländern konsumiert. Umgekehrt werden die Rohstoffe Kakao und Rohrzucker ausschließlich in är- meren Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas angebaut. Etwa 70 Prozent der Weltproduktion von Kakao kommt aus den westafrikanischen Ländern Kamerun, Nigeria, Ghana, Elfenbeinküste und Guinea. Der meiste Kakao wird hier von Kleinbauernfamilien angebaut. Der Anbau der Kakaopflanzen und die Ernte sind sehr arbeitsintensiv und auch heute weitgehend Handarbeit. Auf den internationalen Märkten für Kakao und Zucker sind die Preise seit Jahren ständig gesunken. Lag der Weltmarktpreis für eine Tonne Kakao Ende der 1970-er Jahre noch bei US-Dollar, so sank er bis zum Juli 2001 auf 800 US-Dollar. Auch wenn der Weltmarktpreis bis April 2004 wieder auf das Doppelte stieg, können die Kakaobauern weiterhin nicht kostendeckend produzieren und verarmen weiter. Ein Ergebnis ist, dass vielerorts Kinderarbeit eingesetzt wird, um die Kosten zu senken. Die meisten Schokoladentafeln haben 24 Stückchen. Eine Kakaobauernfamilie in Kamerun bekommt von dem Preis der Schokoladentafel aber kaum mehr als den Gegenwert von einem Stückchen. Angesichts der ständig sinkenden Rohstoffpreise und der Unwägbarkeiten des Weltmarktes hat der faire Handel mit Kakao eine große Bedeutung. Fair gehandelte Schokolade kann man am TransFair- Siegel erkennen. Kakao und Zucker, die zu dieser Schokolade verarbeitet wird, müssen unter Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststan- 36 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

39 dards produziert worden sein. Die Produzenten erhalten einen Garantiepreis, der über dem Weltmarktpreis liegt. In den Eine-Welt-Läden wird unter dem Markennamen Fairena Schokolade verkauft, die sowohl fair gehandelt wurde als auch un- ter Beachtung strenger ökologischer Kriterien produziert wurde. Mit dem Kauf von fair gehandelter Schokolade können Kinder ein Zeichen setzen, dass sie sich für eine gerechtere Welt einsetzen wollen. Frank Kürschner-Pelkmann Tipp zum Weiterlesen: Die Hilfsorganisationen Brot für die Welt und Misereor haben Informationen zum Anbau von Kakao und Zucker, zur Schokolade und zum fairen Handel mit diesem Produkt zusammengestellt. Schokolade Materialien für Bildungsarbeit und Aktionen mit einem Umfang von 36 Seiten kann bei den beiden Hilfswerken bestellt werden (Anschriften, s. Adressteil). Das Material bietet eine gute Informationsgrundlage, um im Unterricht auf das Thema Schokolade einzugehen. Pädagogische Hinweise Christian und seine kamerunische Welt kennen zu lernen, bedeutet zunächst einmal, sich auf das Leben in einer Gesellschaft einzulassen, in der die Großfamilie von zentraler Bedeutung ist. Christian beschreibt deshalb ausführlich, wer alles in dem Haus der Familie lebt. Der Beitrag Der Menschenbaum von Reiner Rumohr in diesem Lehrerheft bietet die notwendigen Hintergrundinformationen zur Bedeutung der Familien und ihrer Fortführung von Generation zu Generation in Kamerun. Die Namensgebung in Kamerun ist für uns zunächst ungewohnt, auch hierzu gibt Reiner Rumohr Erläuterungen. Es bietet sich an, den Bericht Christians und den anschließenden Text So lebt Christian in Beziehung zu setzen zum Familienleben bei uns, auch zum Rückblick auf die Zeit, als bei uns die Familien größer waren als heute. Wenn bereits der Abschnitt über Kolja in St. Petersburg erarbeitet wurde, bietet sich ein Vergleich zu dieser Familie an, auch ein Vergleich zum Abschnitt über das indonesische Kind wäre sinnvoll. Der Text Mein Tag und Singend in die Schule ergänzen einander und sollten möglichst zusammen in einer Stunde gelesen und besprochen werden. Die Unterschiede zwischen dem schulischen Alltag in Kamerun und Deutschland können mit den Schülerinnen und Schülern herausgearbeitet werden. Ergänzende Informationen finden Sie in der Länderübersicht Kamerun und im Abschnitt Die wirtschaftliche und soziale Situation in diesem Heft. Das Märchen Die Landschildkröte und das Flusspferd kann im Unterricht vorgelesen werden, besser ist es natürlich, es mit eigenen Worten zu er- zählen. Das Märchen lässt erkennen, dass auch körperlich schwache Tiere zum Erfolg kommen können, wenn sie es klug anstellen. Allerdings ist der Löwe klug genug, die Stärke der Landschildkröte anzuzweifeln. Es gibt also genug Stoff, mit den Schülerinnen und Schülern darüber zu sprechen, was dieses Märchen uns sagen kann. Spiel: Acatalaa In der Mitte eines Platzes wird ein Kreis von etwa drei oder vier Metern Durchmesser gezeichnet. Jedes Kind erhält den Namen eines afrikanischen Landes (ev. können auch europäische Ländernamen gewählt werden). Ein Mitspieler oder eine Mitspielerin wird zum leader, zum Leiter oder zur Leiterin. Er oder sie steht im Kreis und beginnt das Spiel damit, den Namen eines afrikanischen Landes zu rufen. Der oder die Aufgerufene rennt so schnell wie möglich in den Kreis. Die anderen rennen auf dem Platz herum. Hat die aufgerufene Person den Kreis erreicht, ruft sie Stopp. Nun müssen alle anderen dort verharren, wo sie gerade stehen. Jetzt muss die aufgerufene Person erraten, wie viele Schritte sie bis zum nächsten Mitspielenden braucht. Anschließend ist es an der aufgerufenen Person, tatsächlich zu der nächsten Mitspielenden zu gehen. War die Schätzung der erforderlichen Schritte zutreffend, wird die am nächsten stehende Person zum Leader, war sie falsch, übernimmt die aufgerufene Person diese Rolle. Und weiter geht s. Wir haben dieses Spiel der Arbeitsmappe Kinderspiele rund um die Welt entnommen, die vom katholischen Kindermissionswerk herausgegeben worden ist. Die Mappe mit Spielen aus allen Teilen der Welt, ist zu beziehen beim Kindermissionswerk (s. Adressteil). Die Rechte für das Spiel liegen bei mission 21, Basel. Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 37

40 Der Abschnitt Kakao ein seltener Genuss kann die Schülerinnen und Schüler dazu anregen, sich genauer mit diesem Produkt und der daraus von Grundschülerinnen und Grundschülern herzustellen, beim Frittieren ist natürlich Vorsicht erforderlich. Kochbananen zählen neben Makabo und Maniok zu den Grundnahrungsmitteln in Kamerun. Sie wachsen in der Erde genau wie Kartoffeln. Auch der Geschmack ist dem der Kartoffel nicht unähnlich und wie diese werden Makabo und Maniok geschnitten und zuvor gepellt. Dann kann man sie im heißen Wasser kochen. Stark Marktszene erzeugten Schokolade zu beschäftigen. Der Abschnitt Kakao und Schokolade in diesem Heft bietet einige Hintergrundinformationen. Bitte beachten Sie auch die Literatur- und Medienhinweise zu diesem Thema. Die Kochbananen-Gerichte sind relativ einfach Das Spiel Ngeka ist für Grundschülerinnen und -schüler relativ anspruchsvoll. Um es im Unterricht einzusetzen, sollte die Lehrerin oder der Lehrer das Spiel gut beherrschen und zunächst einmal mit einer Schülerin oder einem Schüler vormachen und dabei erklären. Das Spiel selbst gibt es in einigen Eine-Welt-Läden und afrikanischen Läden zu kaufen. Bitte achten Sie darauf, dass Sie ein Spiel erwerben, das neben den beiden Reihen mit jeweils sechs Löchern an beiden Enden jeweils ein weiteres Loch hat. Es gibt ein ähnliches Spiel, für das diese zusätzlichen Löcher nicht benötigt werden. In den meisten Fällen wird es am Einfachsten sein, Ngeka draußen zu spielen und Löcher in den Sand zu graben. Lassen Sie sich durch die Spielanleitung nicht abschrecken, wenn man einmal begonnen hat, ist das Spiel nicht zu schwierig und kamerunische Kinder lernen es spielend. Alternativ kann das auf der vorhergehenden Seite beschriebene Spiel in den Unterricht einbezogen werden. Im Abschnitt Christians Glaube werden sowohl Informationen über das gottesdienstliche Leben vermittelt, als auch Beispiele für das Erzählen biblischer Geschichten und das Singen von Kirchenliedern. Hintergrundinformationen finden Sie im Beitrag Religionen in Kamerun in diesem Heft. Literaturtipps: - Bebey, Francis: Eine Liebe in Douala, Roman aus Kamerun, Peter Hammer Verlag, Wuppertal (1994) - Bebey, Francis: Das Regenkind, Roman, Peter Hammer Verlag, Wuppertal (1997) - Belinga Belinga, Jean-Félix: Wenn die Palme die Blätter verliert, Erzählungen aus Kamerun, Verlag der Ev.-Luth. Mission, Erlangen (1988) - Belinga Belinga, Jean-Félix: Ngono Mefane das Mädchen der Wälder, Ein Märchen aus dem Regenwald, missio aktuell Verlag und Verlag der Ev.-Luth. Mission, Aachen und Erlangen (1990) - Belinga Belinga, Jean-Félix: Wir drei gegen Onkel Chef, Kinder- und Jugendbuch, Beltz Verlag, Weinheim (2002) - Clauss, Mechthild (Hrsg.): Der große Stuhl macht noch keinen König, Junge Afrikaner schreiben, Verlag der Ev.- Luth. Mission, Erlangen (1974) - Mandela, Nelson: Meine afrikanischen Lieblingsmärchen, C.H. Beck Verlag (2005) - Philombe, René: Der weiße Zauberer von Zangali, Roman, Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main (1980) - Rumohr, Reiner: Ganz nah die Ferne rückt, Begegnungen mit Kulturen Kameruns Verlag Otto Lembeck (2003) - SÜDWIND Edition Strukturelle Gewalt in den Nord- Süd-Beziehungen - Band 4: Kamerun: Die Kehrseite der Globalisierung - Koloniales Erbe, Armut und Diktatur, Siegburg (2005) 38 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

41 Neuseeland/Aotearoa Fläche * : km 2 (Deutschland: km 2 ) * bestehend aus zwei Hauptinseln Nordinsel km 2, Südinsel km 2 sowie einer Anzahl kleinerer Inseln, die von diesen teilweise weit entfernt liegen, wie z.b. die Chatham Inseln. Einwohnerzahl: 4 Millionen (Deutschland: 82,3 Millionen) Einwohner je km 2 : 14,8 (Deutschland: 231) Hauptstadt: Wellington, ca Städtische Bevölkerung: 85,4 % (Deutschland: 87,0 %) Lebenserwartung: 78 Jahre (Deutschland: 78 Jahre) Bevölkerungszusammensetzung: Europäische Herkunft: 72,2 % Maori: 14,7 % Herkunft aus Asien: 6,6 % Herkunft aus Polynesien: 6,5 % Klima: Neuseeland liegt in den gemäßigten Breiten der Südhalbkugel. Aufgrund der großen, das Land umgebenden Wassermassen gibt es nur relativ geringe Temperaturschwankungen mit warmen Sommern und milden Wintern. Westwinde sorgen für reichliche Niederschläge; die Ostseite der Berge ist jedoch erheblich trockener. Sorge bereitet die zunehmende UV-Strahlung auf Grund des Ozonlochs über der Antarktis. (Quellen: Munzinger Archiv, Fischer Weltalmanach 2005) Offizielle Sprachen: Englisch und Maori* *im öffentlichen Leben jedoch kaum präsent, meist für Feierlichkeiten und andere besondere Gelegenheiten vorbehalten. Religionen*: Christen: 58,9 % Konfessionslos: 29,6 % Maori-Kirchen: 6,0 % * Die Angaben basieren auf der Volkszählung des Jahres Das nicht-erreichen von hundert Prozent ist auf die lediglich ungefähre Zahlenangabe mit über bei den Mitgliedern der Maori-Kirchen zurückzuführen sowie darauf, dass knapp sieben Prozent der Bevölkerung eine Angabe verweigerten. Staatsform: Parlamentarisch-demokratische Monarchie mit der englischen Königin als Staatsoberhaupt. Bruttosozialprodukt: US-Dollar pro Jahr (Deutschland: ) Geschichte Neuseelands/Aotearoas Neuseeland wurde von Polynesiern entdeckt und besiedelt, wann genau ist unbekannt. Sie kamen in mehreren Migrationswellen in das Land, das sie Aotearoa nannten, und begründeten die einheimische Maori-Kultur. In der Maori-Mythologie wird die Reise ausgehend von der Insel Hawaiki in seetüchtigen Kanus, den waka, beschrieben. Jeder Stamm (iwi) der Maori lässt sich in der Genealogie (whakapapa) mit einem dieser Wakas in Verbindung bringen. In der Geschichte der Ngpuhi, einem der zahlenmäßig größten Stämme, ging während der Reise die Sonne für drei Tage nicht unter. Historiker haben dies mit dem Auftreten einer von chinesischen Astronomen auf das Jahr 1054 datierten Supernova in Verbindung gebracht. Als die ersten Europäer im 17. Jahrhundert auf die beiden großen Inseln im Südpazifik kamen, lebten hier etwa Maori. Der niederländische Entdeckungsreisende Abel Tasman betrat als erster Weißer das Land, dem er nach seiner Heimat Seeland den Namen Nieuw Zeeland gab. Er skizzierte Teile der Westküste der beiden Hauptinseln, doch als er von Maori angegriffen wurde, segelte er weiter Richtung Australien. Erst mehr als hundert Jahre später, 1769, landete der englische Endecker James Cook in Neuseeland/Aotearoa. Er kartierte das Land und nahm es für die englische Krone in Besitz. Die europäische Besiedlung begann ab 1791 mit der Errichtung von Walfängerstationen. Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 39

42 Bald darauf folgten Händler- und Siedlerfamilien, vor allem aus England. Diese ließen sich zunächst auf der Südinsel nieder, später auch auf der Nordinsel. Im Jahr 1819 kam es zu ersten schweren Auseinandersetzungen zwischen den Maori und den europäischen Einwanderern. Als der Konflikt auch nach mehr als einem Jahrzehnt noch andauerte, entsandte die englische Krone im Jahr 1833 den Gesandten James Busby, um die Streitigkeiten zu schlichten. Doch erst im Jahr 1840 unterzeichneten 500 Stammesführer der Maori mit der englischen Krone den Treaty of Waitangi. In diesem Vertrag traten die Maori ihre Souveränität über die Inseln ab. Im Gegenzug erhielten sie das alleinige Besitzrecht an ihrem Land, den Fischgründen und den Wäldern sowie das Recht auf die britische Staatsbürgerschaft. Die Kolonialmacht verpflichtete sich, über jedes Stück Land, das sie erwerben wollte, mit der jeweils betroffenen Maori-Gemeinschaft direkt zu verhandeln. In den folgenden Jahren kam es jedoch zur systematischen Kolonialisierung durch die Europäer und damit zu fortwährenden Spannungen mit den Ureinwohnern, die 1843 im Beginn der Maori-Kriege gipfelten. Diese währten mit Unterbrechungen bis Fünf Jahre zuvor hatte die britische Krone den Maori erstmals das Wahlrecht und vier Sitze im Parlament zugestanden. Als erstes Land der Welt führte Neuseeland/Aotearoa im Jahr 1893 das Frauenwahlrecht ein. Seit 1907 ist Neuseeland/Aotearoa Mitglied im Commonwealth, damit wurde der Kolonialstatus überwunden. Die bereits 1931 vom britischen Parlament zuerkannte vollständige Unabhängigkeit allerdings akzeptierte Neuseeland/Aotearoa erst 16 Jahre später mit der Unterzeichnung des Statuts von Westminster. Als Geburtsstunde des heutigen Neuseeland/Aotearoa jedoch wird in der ganzen Gesellschaft der Tag der Vertragsunterzeichnung von Waitangi wahrgenommen und schon in früheren Jahren gehörten Bezeichnungen und Symbole der Maori zum Alltag. Anstandslos beförderte die Post Briefe nach Tamaki Makau Rau, die von hundert Liebhabern begehrte Braut, oder nach Akarana beides Maori- Namen für Auckland, die größte Stadt Neuseelands. Von vielen Maori wurde dies aber keineswegs als Würdigung ihrer Bedeutung für den Inselstaat verstanden. Die jährlichen Feiern zum Waitangi- Day empfanden sie vielmehr als Provokation, als Würdigung eines Ereignisses, das ihnen Landraub und Verarmung gebracht hatte. Stattdessen fordern sie zwei gleichberechtigte Völker in einer Nation. O Grady Schnitzerei eines Maori-Kriegers. Die wiederholten und militanten Ausschreitungen zum 6. Februar beantwortete die Regierung im Jahr 1995 mit der Ankündigung, künftig keine offiziellen Feiern mehr auszurichten. Gegenwärtig nimmt in der neuseeländischen Gesellschaft die Bedeutung der Maori deutlich zu. Betrug ihre Anzahl zu Beginn des 20. Jahrhunderts gerade noch rund die kriegerischen Konflikte mit englischen Siedlern und Truppen und eingeschleppte Krankheiten hatten zu einem drastischen Bevölkerungsrückgang unter den Ureinwohnern um mehr als zwei Drittel geführt so liegt ihre Anzahl heute bei gut einer halben Million, das entspricht etwa 15 Prozent der gesamten Bevölkerung. Sie sind in allen Berufen zu finden, und von den 120 Abgeordneten des Parlaments sind 19 Maori. Sprache und Kultur der Maori werden inzwischen an vielen Schulen unterrichtet. Ganz allmählich wird das Land zweisprachig. Auch haben Regierungen in der jüngeren Vergangenheit einige Land- und Fischereirechte an die Maori zurückgegeben und Entschädigungen für das Unrecht der Vergangenheit gezahlt. Die Debatten darüber, was den Maori zusteht, werden heute im Parlament geführt und vor Gericht ausgetragen. Das im Mai 2004 von der neuseeländischen Regierung beschlossene Uferland- und Meeresbodengesetz, das die gesamte Küstenlinie zu Staatseigentum erklärt, betrachten die Maori jedoch als Bruch des Vertrages von Waitangi. In der Folge kam es zu starken Protestbewegungen. Angeheizt wurde der Konflikt zudem durch die rechtsgerichtete Nationalpartei, die dafür eintritt, die für Maori reservierten Parlamentssitze zu streichen. Doch trotz aller Probleme haben viele Menschen in Neuseeland/Aotearoa die Hoffnung, dass das Land einmal zu einem Modell für bi-kulturelle Beziehungen zwischen der ursprünglichen Bevölkerung und den Zuwanderern vieler Rassen wird, die dieses Land heute ihre Heimat nennen. Czenamin ist ein Symbol für diese Hoffnung. 40 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

43 Wirtschaftliche und soziale Entwicklung Im Jahr 1814 brachten die ersten Missionare erstmals in der Geschichte Neuseelands/Aotearoas Säugetiere wie Schafe, Rinder und Pferde ins Land. Seither ist die Landwirtschaft in Form der Schafzucht ein wichtiges Standbein der neuseeländischen Gesellschaft. Zunächst dienten Schafe ausschließlich als Wolllieferant, seit den 1880-er Jahren, als der Export per Kühlschiff möglich wurde, zusätzlich als Fleischlieferant. Heute zählt Neuseeland/Aotearoa zu den weltweit führenden Exportnationen für landwirtschaftliche Produkte. Die Hälfte der Exporte entfallen auf diesen Bereich. In der Industrie spielt die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte eine wichtige Rolle. Weiterhin besitzt Neuseeland/Aotearoa nennenswerte produzierende Tourismus- und Dienstleistungsindustrien. Eine konsequente Liberalisierungspolitik hat seit Mitte der 1980-er Jahre eine der am stärksten regulierte Volkswirtschaft der Welt in eine der am stärksten deregulierte und privatisierte Volkswirtschaft transformiert. Subventionen wurden radikal gestrichen, die Sozialsysteme stark zurückgebaut. Trotz dieser Maßnahmen gelang es Neuseeland/Aotearoa aber zunächst nicht, das Wirtschaftswachstum signifikant zu erhöhen. Zurückhaltung beim Privatkonsum, ein Rückgang im Baugewerbe und die Folgen der Asienkrise trafen zusammen und führten bis Ende der 1990-er Jahre zu einem, wenn auch leichten, Rückgang des Bruttoinlandsprodukts und zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Produktivitätssteigerungen der Unternehmen waren nicht von der Schaffung neuer Arbeitsplätze begleitet. Gerlach Als stark exportorientierte Nation ist Neuseeland/Aotearoa von den entsprechenden Weltmarktpreisen, der Wechselkursentwicklung, den Witterungsverhältnissen und nicht zuletzt von Entwicklungen seiner wichtigsten Handelspartner abhängig. So stürzte der EU-Beitritt Großbritanniens in den 1970-er Jahren das Land in eine Wirtschaftskrise trotz der großen Entfernungen war die einstige Kolonialmacht Hauptabnehmer für neuseeländische Molkereiprodukte, Obst und Früchte. Und auch die Wirtschaftskrise in Ostasien 1998/1999 zog das Land in Mitleidenschaft, denn mittlerweile sind die ostasiatischen Tigerstaaten sowie Australien, Japan und die USA die wichtigsten Handelspartner Neuseelands/Aotearoas. Fähre zwischen der Nord- und Südinsel. Elementar abhängig ist Neuseeland/Aotearoa vom internationalen Schiffsverkehr, und auch der Küstenschiffsverkehr und der Luftverkehr haben eine besondere Bedeutung. Zwischen der Nord- und der Südinsel verkehren Auto- und Eisenbahnfähren. Und trotz der dünnen Besiedlung sind Straßen- und Schienenverkehr sehr gut ausgebaut. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre jedoch betrug das jährliche Wirtschaftswachstum Raten zwischen zwei und vier Prozent, die Arbeitslosenrate sank auf 4,7 Prozent (2002). Unter Jugendlichen allerdings betrug sie im gleichen Jahr 15,3 Prozent. Gleichzeitig mangelt es Neuseeland/Aotearoa an qualifizierten Arbeitskräften. Viele einheimische Fachkräfte wandern ab vor allem nach Australien, da dort die Reallöhne höher sind. Die Finanzierung der Sozialsysteme erfolgt ausschließlich aus Steuermitteln. Wichtige Bestandteile des Leistungssystems sind verschiedene Renten, Lohnfortzahlungen, Beihilfen für Alleinerziehende und häusliche Pflege sowie Arbeitslosen- Essen und Trinken Kiwi Life Zu den Spezialitäten der neuseeländischen Küche gehören Lamm-Gerichte, wie z.b. die Lamb Chops, Lammkoteletts. Auch verschiedene Hühnchen- und Fisch-Variationen werden geschätzt. Rund 50 verschiedene Fisch- und Schalentierarten werden gehandelt. Eine Gaumenfreude sind der Crayfish, eine Hummerart, Whitebait, eine schmackhafte Sardine, und Austern. Wohlschmeckend sind Pies, Teigtaschen mit Füllung, meist Hackfleisch, und die Kumara, eine Süßkartoffelart. Tee nimmt die überragende Rolle unter den neuseeländischen Getränken ein, kein Wunder bei den britischen Einflüssen. Aber auch Bier gibt es reichlich und wird von den Kiwis wie die Neuseeländer sich selbst nach ihrem flügellosen und flugunfähigen Wappenvogel nennen am liebsten kalt getrunken. Neuseeländische Weine genießen weltweit einen ausgezeichneten Ruf. aus: kiwi_life/essen_trinken.htm Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 41

44 geld. Kindergeld richtet sich nach der Bedürftigkeit der jeweiligen Familie. Der Grad der Gesundheitsversorgung ist dem anderer westlicher Länder vergleichbar. Mütter- und Säuglingsfürsorge sowie schulärztliche Untersuchungen gelten als beispielhaft. Was die Situation der Maori anbelangt, so wird diese vielfach als gut beschrieben, gerade im Vergleich mit anderen indigenen Völkern. Gleichwohl gibt es innerhalb der Maori-Gemeinschaft schwerwiegende Probleme. Das durchschnittliche Einkommen liegt noch immer deutlich unter dem gesamtneuseeländischen, Maori sind in der Unterschicht überproportional vertreten, Gewalt und Alkoholismus spielen eine große Rolle. Ein weiteres Problem ist der starke Einfluss der westlichen Kultur auf die Maori. Gleichzeitig gehen ihnen traditionelle Erwerbszweige wie die Fischerei zunehmend verloren, weil die Industrie ihre Abwässer direkt in die Flüsse einleitet. Wo diese dann ins Meer münden, werden Seetiere und Meeresfrüchte ungenießbar. Das neuseeländische Bildungssystem Neuseelands/Aotearoas Bildungssystem ist dreigegliedert. Die schulische Laufbahn unterteilt sich in die Primarstufe (Klassen 1-8) und die Sekundarstufe (6. bzw Klasse). Es gibt 20 Fachhochschulen und 8 Universitäten; die 1991 eingeführten Studiengebühren sind abhängig vom Einkommen der Eltern. Kinder, die in abgelegenen Gebieten wohnen oder aus sonstigen Gründen die Schule nicht erreichen können, werden über das staatliche Fernlehrinstitut unterrichtet. Private Schulen stehen unter staatlicher Aufsicht. Landesweit gelten die selben bildungspolitischen Auflagen. Auch die Aufnahme und die Abschlüsse an Schulen unterliegen im ganzen Land den selben Kriterien bzw. geforderten Qualifikationen. Schulpflicht besteht für alle Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahren, wobei die Mehrheit bereits im Alter von fünf mit der Schule beginnt. Der Besuch staatlicher Einrichtungen ist kostenlos, insgesamt genießt das neuseeländische Bildungssystem einen sehr guten Ruf. Besonders hervorzuheben sind das breite Fächerangebot, eine intensive sportliche und musische Förderung sowie ein fortschrittlicher Umgang mit neuen Medien. Die Maori sind offiziell voll in das Bildungssystem integriert, seit einigen Jahren werden jedoch verstärkt Forderungen nach einem eigenen Bildungssystem oder verstärkter Durchsetzung zweisprachiger Lehrpläne an staatlichen Schulen laut. An Universitäten waren im Jahr 2001 rund 8 Prozent Maori immatrikuliert. Zudem gibt es für Maori spezielle Bildungsprogramme auf Fachhochschulund Hochschulniveau. Von den rund Einrichtungen im Vorschulbereich sind 545 von Maori gegründete, alternative Vorschulen für ihre Ethnie, die Te Kohanga Reo. In diesen so genannten Sprach-Lernnestern erlernen Maori-Kinder ihre eigene Sprache und wesentliche Inhalte der Maori- Kultur. Das erste Sprach-Lernnest wurde 1982 gegründet, um dem zunehmenden Sprachverlust der Kinder entgegenzuwirken. Hatten im Jahr 1923 noch 80 Prozent der Kinder Maori gesprochen, so waren es 1970 nur noch fünf Prozent. Auch der zweisprachige Unterricht in den Grundschulen hat heutzutage deutlich zugenommen. Die erste ausschließlich Maori-sprachige Grundschule begann 1985 mit dem Unterricht. Bis 1991 gab es schon neun Maori- Grundschulen mit 250 Schülern. Die Te Kohanga Reos besuchen rund 32 Prozent aller Maori- Kinder im Vorschulalter. aus: Munzinger Archiv Internationales Handbuch O Grady Die Whakarewarewa-Schule in Roturoa. 42 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

45 Maoritanga Das Weltbild der Maori Land ist für die Maori nicht nur Wirtschaftsgrundlage, sondern hat zentrale Bedeutung für ihre Kultur und Geschichte. Die Maori haben eine tiefe Bindung an die Erde. Ihrem Glauben nach ist die Natur belebt, Bäume, Pflanzen oder Steine haben eine mana, eine spirituelle Kraft. Das Mana eines Maori innerhalb seiner Gruppe wiederum beeinflusste ausschlaggebend seine Stellung und das Gewicht seiner Meinung. Besaß ein Krieger viel davon, wurde seinen Ausführungen Gehör geschenkt, und er besaß damit die Möglichkeit Andere um sich zu scharen und auf diese Weise das Geschick der eigenen Gruppe mitzubestimmen. Verlor er jedoch seine Position durch fehlerhaftes Verhalten, konnte dies fatale Auswirkungen für ihn haben. So verlor zum Beispiel der berühmte Krieger Te Waru nach einer Liaison mit der Frau eines Anderen seine Position und wurde in der Schlacht von seinen Männern verlassen. Während die Ehre, das Ansehen und damit die gesellschaftliche Stellung eines jeden maia oder toa, eines jeden Kriegers, durch sein Mana bestimmt wurde, regelten die beiden anderen zentralen Begriffe im kosmologischen Weltbild der Maori den Handlungsraum eines jeden. Ob beim Bau eines waka (Kanu, Boot) oder eines whare (Haus, Gebäude), beim Zubereiten von Speisen oder bei der Kriegsführung immer war der korrekte Umgang mit tapu und noa lebensentscheidend. Umgangssprachlich und vereinfachend werden die beiden Begriffe oftmals mit Heilig und Gewöhnlich übersetzt. Aufgrund eines starken Tapu unantastbar zu sein, barg in sich die Möglichkeit einer gehobenen Stellung und den damit einhergehenden Annehmlichkeiten. Wurde diese Stellung jedoch durch eigenes unangemessenes Verhalten oder das Anderer gestört, so kam es auf das Mana desjenigen an. War es stark, so vermochte das Problem durch bloße Präsenz geklärt werden. Reichte der Status jedoch nicht aus, hatte die Person den Verlust ihrer Position und jeglicher Ehren zu befürchten. In aufwendigen Zeremonien war es ausgewählten tohunga ein zumeist als Priester oder Schamane übersetzter Begriff möglich, die Konflikte zwischen Noa und Tapu zu beheben. Dem Fällen eines Baumes zum Beispiel ging stets eine Zeremonie zur Versöhnung mit Tane (der Entität des Waldes die Bezeichnung Gott oder Geist wird vermieden) voraus, um auf diese Weise einen Tapu-Bruch vorzubeugen. Ausschlaggebend für den Titel des Tohunga war (und ist) jedoch vor allem die Spezialisierung und besondere Fähigkeit in wichtigen Handwerken und Künsten. So gab es zum Beispiel auch tohunga tarai waka, Kanubauer, oder tohunga whare, Hausbauer. Obwohl mit Beginn des Kontaktes mit den pakeha das sind alle Nicht-Maori, vor allem aber die Menschen westeuropäischen Ursprungs neue Werte ihren Einzug in die Gesellschaft hielten, wird die Tradition in hohen Ehren gehalten. Mit zahlreichen Büchern, Kongressen und nicht zuletzt durch die lebendige Gemeinschaft werden jungen Maori Werte und kulturelle Identität vermittelt. Insbesondere auf den hui, den Gemeinschaftstreffen in den whare whenui, den Versammlungshäusern, und auf dem marae, dem Dorfplatz, Gemeinschaftsplatz vor dem Versammlungshaus, werden die eigenen Werte und Ideen lebendig gehalten. Lebendig ist auch die traditionelle Begrüßung, hongi, die Berührung zweier Menschen mit ihren Nasen und der Stirn ein Zeichen der Verbundenheit mit hoher zwischenmenschlicher Qualität. Berühmt sind Maori für ihre kunsthandwerklichen Fertigkeiten insbesondere Schnitzereien aus Holz- und Pounamu (Nephrit). Große Traditionen haben zudem Rhetorik, Gesang, Tanz und Tätowierungen. Letztere wurden in früheren Zeiten mit einer Tinte aus Asche und Ruß mit Haizähnen zu kunstvollen Tätowierung Mustern auf dem ganzen Körper eingeritzt; moko werden die Gesichtsbilder genannt. Die wenigsten der heute mehr als Maori sind jedoch von der Abstammung her ausschließlich Maori; die Zuordnung zu mehreren Ethnien ist möglich. Maori ist, unabhängig von der Anzahl der Maori- beziehungsweise Nicht-Maori-Vorfahren, wer sich mit der Kultur der Maori identifiziert. Die steigende Anzahl derer, die sich als Maori identifizieren, wird mit dem gestiegenen Stellenwert des Maoritums in der neuseeländischen Gesellschaft, aber auch einigen Privilegien erklärt, wie zum Beispiel Besonderheiten im Wahlrecht oder die stärkere Ausbildungsförderung. aus: Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 43

46 Gerlach Im Jahr 1814 gründete die Anglikanische Kirche die erste ständige Missionsstation in Neuseeland/ Aotearoa und begann ihre Missionsarbeit unter den Ureinwohnern. 24 Jahre später hatte sie dort 35 Mitarbeitende und unterhielt 21 Schulen. Die Missionare entwickelten eine Schriftsprache und begannen, die Bibel und andere christliche Literatur zu übersetzen. Bis zum Jahr 1872 gab es unter den zur Anglikanischen Kirche gehörenden Maori 23 ordinierte Pastoren, bis zum Jahr 1900 stieg ihre Zahl auf 69. Um das Jahr 1914 schließlich gut dreißig Jahre nachdem die Christian Missionary Society die Verantwortung an die Church of New Zealand übergeben hatte, die von Neuseeländern europäischer Abstammung ins Leben gerufen worden war, konnten sich die Maori mit der Forderung durchsetzen, sich innerhalb des anglikanischen Kirchensystems selbst zu organisieren mit einem stellvertretenden Bischof als Oberhaupt. Insgesamt gehörten der Anglikanischen Kirche Anfang des 20. Jahrhunderts 42 Prozent der Bevölkerung Neuseelands/Aotearoas an. Zwar ist ihr Anteil seither auf 16,9 Prozent (Volkszählung 2001) gesunken, doch noch immer ist sie die größte Glaubensgemeinschaft. Über Jahrzehnte bildete die Presbyterianische Kirche die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft. Der erste presbyterianische Geistliche war im Jahr 1839 nach Neuseeland/Aotearoa gekommen. Doch erst als fünf Jahre später eine große und Jahre andauernde Einwanderungswelle von Schotten einsetzte, nahm die Zahl ihrer Gemeindeglieder signifikant zu. Sie siedelten mehrheitlich im Südosten der Südinsel, dort wo heute die fünftgrößte und schottischste Stadt Neuseelands liegt, Dunedin. Fern der Heimat wollten die Presbyterianer eine christliche Gemeinschaft mit Modellcharakter gründen, wie zuvor die Anglikaner in Christchurch. Die Kathedrale von Christchurch. 44 Kirchen in Neuseeland/Aotearoa Mit 12,6 Prozent war die Zahl der Presbyterianer im Jahr 2001 dann geringer als die der katholischen Kirche, zu der sich rund 14 Prozent der Neuseeländerinnen und Neuseeländer bekannten. Deren Mitglieder sind in der großen Mehrzahl britischer Abstammung, aber auch viele mit irischer Herkunft. Auch so genannte Minderheitengruppen stellen eine nicht unerhebliche Anzahl an Gemeindegliedern, darunter mehrheitlich Maori. Diese Tatsache liegt in der starken Abwanderung von Maori aus ländlichen Gebieten begründet. Rund die Hälfte aller Maori lebt im Gebiet der Diözese von Auckland. Neben weiteren, zahlenmäßig kleineren christlichen Gemeinschaften (z.b. Methodisten 3,5 %, Baptisten 1,5 %) sowie einer kleineren Zahl von u.a. Muslimen und Buddhisten, gibt es so genannte indigene Kirchen in Neuseeland/Aotearoa, das heißt sie gehen nicht auf Gründungen von Europäern zurück. Ihr Ursprung liegt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Maori vom Aussterben bedroht waren aufgrund des stetigen Zustroms von europäischen Siedlern, eingeschleppten Krankheiten und Stammeskriegen. Dieser Gefahr begegneten sie unter anderem mittels indigener Kulte, darunter auch die Königsbewegung. Diese versuchte mit Hilfe biblischer Lehren, alle Maori- Stämme unter einem König zu einen und somit zu stärken ein Fehlschlag, da dies zu verlustreichen Kämpfen mit der Kolonialmacht führte. Bis heute existiert die 1860 gegründete Ringatu-Gemeinschaft. Sie hat eine eigene Liturgie entwickelt, die von allen Gemeindegliedern ausgeübt werden kann. Die zweite indigene Kirche ist die 1918 gegründete Ratana-Kirche, die drittgrößte Denomination unter den Maori. Sie hat eigene soziale und ökonomische Strukturen aufgebaut und auch schon für Maori wichtige politische Ämter mehrheitlich durch Mitglieder ihrer Gemeinschaft besetzt. Anders als im einstigen Mutterland gibt es in Neuseeland/Aotearoa keine Staatskirche. Und auch wenn die Anglikanische Kirche nach wie vor die größte Glaubensgemeinschaft ist, genießt sie keinerlei Privilegien vor dem Gesetz. Ohnehin ist in Neuseeland/Aotearoa das Verhältnis von Staat zu Kirchen nicht gesetzlich geregelt. Es gibt weder ein Regierungsbüro für religiöse Angelegenheiten noch müssen sich Kirchen staatlich registrieren lassen. Auch gibt es keine direkte finanzielle Unterstützung des Staates für Kirchen, jedoch werden kirchliche Schulen und Sozialeinrichtungen unterstützt. Diese sind zudem von einigen Steuern befreit, Geistliche müssen keinen Militärdienst leisten. Alle staatlichen Mittel werden nach säkularen Kriterien gewährt, eine Bevorzugung einer bestimmten Religionsgemeinschaft oder Konfession gibt es nicht. Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

47 Hinemoa und der Flötenspieler Ein Märchen aus Aotearoa Mitten auf der nördlich gelegenen Insel Neuseelands liegt der Blaue See von Rotorua. Und mitten in dem Blauen See liegt eine Insel. Auf dieser Insel lebte einmal ein Mann mit seinen sechs Söhnen. Sie alle wussten von der wunderschönen Häuptlingstochter Hinemoa, die im Dorfe Rotorua wohnte, und alle sechs hätten sie nur allzu gerne zur Frau gehabt. Sie brüsteten sich damit, dass einer von ihnen der Auserwählte sein würde, nur der jüngste Bruder sagte nichts. Er war schüchtern und wagte nicht zu hoffen, dass gerade er einmal Hinemoa heimführen könnte. Er hatte gelernt, die Flöte zu spielen. Er saß jeden Abend am Wasser und spielte, was ihm das Herz gebot, und träumte von Hinemoa. Eines Tages fuhren die sechs Brüder in ihrem langen Boot nach Rotorua, wo es ein Fest gab. Dabei lernte der Flötenspieler Hinemoa kennen, und die beiden verliebten sich ineinander. Sie versprach, eines Tages zu ihm zu kommen und seine Frau zu werden. Ihre Eltern wollten jedoch nichts davon wissen. Eines Abends, als die Töne der Flöte wieder verführerisch an ihr Ohr drangen, beschloss sie, zur Insel zu fahren. Ihre Eltern aber hatten alle Boote vom Strand entfernt, und sie wollte niemanden bitten, ihr zu helfen, sonst hätten ja ihre Eltern von ihrem Plan erfahren. So beschloss sie, zur Insel zu schwimmen. Es war ein kalter Abend, und die Insel war weit. Ein Zurück aber gab es nicht, und so schwamm sie, bis sie Boden unter den Füßen spürte. Sie zitterte am ganzen Körper. Plötzlich aber sah sie Dampf aus dem Boden aufsteigen und eine Quelle mit herrlich warmem Wasser, denn in Rotorua gibt es heiße Quellen. Und dann hörte sie einen Mann näher kommen. Es war ein Diener des Flötenspielers. Er kam zum Teich, um Wasser zu holen. Hinemoa, die hinter einem Baum stand, verstellte ihre Stimme, so dass sie wie die eines Mannes klang, und befahl dem Manne, ihr die Kalebasse zu reichen. Er tat so, und sie zerbrach das Gefäß. Der Mann eilte zu seinem Herrn zurück und erzählte ihm, was geschehen war. Da wurde der Flötenspieler zornig und eilte zur Quelle. Als er aber fragte, wer sich hinter dem Baum verberge, antwortete Hinemoa mit ihrer natürlichen Stimme: Ich bin es, Hinemoa. Ich habe versprochen, zu dir zu kommen, und hier bin ich. Er hüllte sie in seinem Unhang und führte sie heim. Und noch heute zeigen die Leute von Rotorua die Stelle, wo die wunderschöne Häuptlingstochter Hinemoa ans Land stieg, und die Quelle, an der sie auf ihren Geliebten wartete. Hinweis: Die Texte auf den Seiten 39 bis 44 beruhen sofern nicht anders gekennzeichnet auf Grundinformationen von Ron O Grady, der auch den Neuseeland-Teil des Schülerheftes erarbeitet hat, sowie aus nachfolgend genannten Quellen: Munzinger Archiv Internationales Handbuch, World Christian Encyclopedia (2nd edition, Vol. 1), und Die Fabel haben wir dem Band entnommen Märchen der Südsee von Ernst Adler, der als Fischer-Taschenbuch im Jahr 1976 erschienen ist. Die Rechte liegen beim Kinderbuchverlag, Berlin. Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 45

48 Pädagogische Hinweise Das Land am schönsten Ende der Welt mit diesem Slogan wirbt Neuseeland/Aotearoa um Touristen und verweist damit (indirekt) auf seine Randlage. Wie im Abschnitt zur wirtschaftlichen Situation dargestellt, ist der Inselstaat im Südpazifik elementar vom internationalen Schiffsverkehr abhängig. Selbst die nächsten Nachbarn (Australien, Fidschi, Rarotonga, etc.) sind rund drei Flugstunden entfernt, für die direkteste Flugverbindung von Deutschland aus müssen mindestens 24 Stunden einkalkuliert werden. Neuseeland/Aotearoa liegt auf der Südhalbkugel der Erde, Spanien genau gegenüber. Das heißt, die Jahreszeiten sind unseren entgegengesetzt, der Mond nimmt anders herum ab und zu und auch wenn viele Naturlandschaften Assoziationen zu Europa hervorrufen (Fjorde wie in Norwegen, Geysire wie auf Island, Strände und Buchten wie in der Algarve), so sind die ursprüngliche Flora und Fauna des Landes doch grundsätzlich verschieden Säugetiere zum Beispiel wurden erst im Zuge der europäischen Besiedlung heimisch. Lebensstil und - standard weisen viele Parallelen auf, der nachhaltige Einfluss der früheren Kolonialmacht Großbritannien ist überall spür- und erfahrbar. In der Begegnung mit Czenamins Heimat ist sowohl für die Lehrkräfte als auch für die Schülerinnen und Schüler also die Herausforderung implizit den Spannungsbogen zwischen Ferne und Nähe, Bekanntem (da Ähnlichem) und Fremden aufzuspüren und sich zu vergegenwärtigen. Für den Unterricht bieten sich dementsprechend viele Ansatzmöglichkeiten, gleichzeitig aber ebenso viele Herausforderungen, die Balance zu wahren also bei all den Ähnlichkeiten die Unterschiede nicht zu übersehen und bei allen Unterschiedlichkeiten und trotz der großen geographischen Distanz die Ähnlichkeiten nicht aus dem Blick zu verlieren. Zum Einstieg bietet sich an, Neuseeland/Aotearoa mit Hilfe eines Globus zu lokalisieren und den Kindern dabei zu verdeutlichen, dass das Land unserem fast genau gegenüber liegt. Dies kann in Form einer Suchaufgabe an die Kinder geschehen, bei der es darauf ankommt, nicht nur festzustellen, wo das Land geographisch liegt. Vielmehr sollte dabei u.e. nach auch die Strecke nachvollzogen werden, die ein Flugzeug zurücklegen muss, um dorthin zu gelangen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Die Ostroute über Asien z.b. Bangkok oder Singapur oder Jakarta; letztere böte eine Bezugnahme zu Wulan aus Indonesien, sofern dieses Länderkapitel bereits im Unterricht behandelt wurde. Die zweite Möglichkeit nach Neuseeland zu gelangen ist über die Westroute via USA und Südsee. Diese wiederum bietet allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt des Unterrichts die Möglichkeit der Bezugnahme zur Route, der die Maori bei ihrer Entdeckungsfahrt nach Aotearoa möglicherweise folgten. Vielleicht ist ja auch ein Kind in der Klasse, dass Neuseeland/Aotearoa bereits besucht hat und von ihren/seinen Reiseerfahrungen und den vor Ort gesammelten Eindrücken und Erfahrungen berichten kann. Anschließend bietet sich die Begegnung mit Czenamin, ihrer Familie und ihrem Alltag an durch Lesen der ersten beiden Texte des Neuseelandteils ( Czenamin und Bei Regen ist die Schule früher zu Ende ). Dies kann entweder im Schulunterricht erfolgen durch gemeinsames Lesen oder aber als Hausaufgabe zu Hause. In beiden Fällen sollte nach dem Lesen die Klärung von möglichen Fragen erfolgen. Anschließend kann in Einzel- oder Kleingruppenarbeit die Begegnung mit Czenamin per Steckbrief vertieft werden (s. Musterbogen im Anhang). In diesen Arbeitsschritt kann auch Czenamins Schultag einbezogen werden und anschließend das Gespräch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede (Neuseeland/Aotearoa zu Deutschland) geführt werden. Ausführlich wird im Schülerheft über Czenamins Schule berichtet, eine der ältesten Maori-Schulen in Neuseeland/Aotearoa. Dies wird schon durch den Namen deutlich, aber auch vor allem durch den dort vermittelten Lehrstoff, die Methodik und Didaktik, den Leitspruch der Schule. Die Beschäftigung mit der Whakarewarewa-Schule bietet daher einen guten Einstieg in Leben und Kultur der Maori, der Ureinwohner Neuseelands, der in den anschließenden Abschnitten Kapa Haka ein großes Fest der Maori und Essen wie die Vorfahren noch vertieft wird. Diese Abschnitte sollten u.e. jedoch nacheinander, in separaten Unterrichteinheiten erarbeitet und damit genügend Zeit für das Kennenlernen der Maori-Kultur eingeplant werden. Es ist übrigens möglich, der Whakarewarewa- Schule einen virtuellen Besuch abzustatten über whakarewarewa.htm. Der Internetauftritt ermöglicht nicht nur visuelle Ansichten, sondern auch 46 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

49 Hankel zusätzliche Informationen zu Visionen und Zielen der Schule, der praktischen Arbeit, etc. Die Internetadresse enthält allgemeine Informationen zu Kultur und Alltag der Maori. Hilfreich kann es sein, diese Arbeitseinheit mit dem Erstellen einer Gruppenarbeit abzuschließen, in der die Schülerinnen und Schüler Poster oder Kollagen erstellen zu Themen wie beispielsweise Feiern, Essen, Musik. Die gegenseitige Präsentation im Klassenverband kann in ein kleines Fest eingebunden werden, zu dem zuvor das tita-torea, das Stockspiel eingeübt und Czenamins Rezept ausprobiert werden können. Anzac-Kekse sind jedoch keinesfalls ein Maori-Rezept. Doch auch wenn die im Schülermaterial erwähnten Kräuter, die Czenamins Vater sammelt, schwerlich in Deutschland zu finden sind, könnte gleichwohl die Gelegenheit genutzt werden, während eines Ausfluges essbare hiesige Kräuter und Pflanzen zu sammeln und daraus eine Mahlzeit zu erstellen, wie zum Beispiel Löwenzahnsalat. Der Abschnitt Czenamins Glaube wiederum kann dazu anregen, mit den Schülerinnen und Schülern über ihren jeweils eigenen, gelebten Glauben ins Gespräch zu kommen. Wo und wann spielt Religion in ihrem Alltag eine Rolle? Welche Bedeutung hat Religion in ihrer Familie, für die Kinder selbst? Welche Glaubensrichtungen gibt es in Deutschland? Möglich ist auch ein gemeinsamer Gottesdienstbesuch in einer christlichen Kirche, einer Moschee, einer Synagoge. Eine Herausforderung, die Spaß macht Schulkinder üben das Stockspiel ein. Sinnvoll erscheint uns vor dem Hintergrund der Begegnung mit Czenamin auch die Auseinandersetzung mit den Themen Kolonisation, Migration und Minderheiten auch wenn dies sehr komplexe Themen sind und für Grundschulkinder nicht einfach aufzubereiten. Denn auch Deutschland hat eine koloniale Vergangenheit, die bis heute ihre Spuren hinterlässt im Jahr 2004 zum Beispiel die vor USamerikanischen Gerichten eingereichte Klage der Herero (Namibia) auf Entschädigung anlässlich des Massakers vor gut hundert Jahren. Und gewiss kennt jedes Kind in Deutschland Kinder anderer Herkunft, die in Deutschland leben. Hier kann es interessant sein, den Beweggründen für Wanderungsbewegungen nachzuspüren und zum Beispiel nachzufragen, welche Konsequenzen dies hat auf die Migrantinnen und Migranten einerseits und auf die Ursprungsbevölkerung andererseits. Zudem gilt es, den Blick auch auf die seit Jahrhunderten in Deutschland lebenden Minderheiten zu richten, wie beispielsweise die Sorben im Osten Deutschlands. Literaturtipps: - Baker, Hertaunga P.: Die letzte Prophezeiung, ein Maori- Epos, Mana-Verlag, Blankenburg (2000) - Bauer, Elke/Krämer, Bert: Kiwis können nicht fliegen ein Reise- und Lesebuch, Verlag Jugend & Politik, Frankfurt am Main (1989) - Campion, Jane: Das Piano, Roman, Piper Verlag, München (2002) - Duff, Alan: Warriors, Roman, Unionsverlag, Zürich (1998) - Fletcher, Beryl: So weit war das Land, Roman, Goldmann Verlag, München (2003) - Frame, Janet: Ein Engel an meiner Tafel, Roman, Piper Verlag, München (2001) - Grace, Patricia: Potiki, Roman, Unionsverlag, Zürich (1993) - Grace, Patricia: Unter dem Manukabaum, Kinder- und Jugendbuch, Nagel & Kimche, Zürich (1995) - Grace, Patricia: Drei Cousinen, Roman, Unionsverlag, Zürich (1997) - Grace, Patricia: Anapuke, Berg der Ahnen, Roman, Unionsverlag, Zürich (2003) - Hulme, Keri: Unter dem Tagmond, Roman, Fischer Tb., Frankfurt am Main (1990) - Hulme, Keri: Der Windesser, Te Kaihau, Erzählungen, Fischer Tb., Frankfurt am Main (1992) - Ihimaera, Witi: Whalerider, Roman, Rowohlt Tb., Reinbek (2003) - Ihimaera, Witi: Aroha. Maori-Geschichten aus dem Jadeland, Edition Isele, Eggingen (1998) - Taubert, Eva (Hrsg.): Tangata, Tangata, Geschichten zu Alltag und Kultur der Maori, Edition Isele, Eggingen (1999) - Taylor, Chad: Lügenspiele, Roman, Mana-Verlag, Blankenburg (1999) - Welle, Anja: Magnus Fünf Zufälle aus Neuseeland, Kinderbuch, Mana-Verlag, Blankenburg Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 47

50 Adressen Arbeitsstelle für Ev. Religionspädagogik Ostfriesland (ARO), Georgswall 7, Aurich, Tel.: 04941/96860, Fax: 04941/968261, Bischöfliche Aktion Adveniat, Am Porscheplatz 7, Essen, Tel.: 0201/1756-0, Fax: 0201/ , Brot für die Welt, Stafflenbergstr. 76, Stuttgart, Tel.: 0711/2159-0, welt.org, Bundeszentrale für politische Bildung, Adenauerallee 86, Bonn, Fax: 01888/ , Comeniusinstitut, Schreiberstr. 12, Münster, Tel.: 0251/ , Deutsche Welthungerhilfe, Friedrich Ebert Str. 1, Bonn, Tel.: 20228/ , Deutscher Entwicklungsdienst, Postfach , Bonn, Tel.: 0228/2434-0, Deutscher Volkshochschulverband, Fachstelle für internationale Zusammenarbeit, Obere Wilhelmstr. 32, Bonn, Tel.: 0228/ , e- mail: dvv.de Entwicklungspolitisches Bildungs- und Informationszentrum (EPIZ), Urbanstr. 71, Berlin, Tel.: 030/ /-19, bildungsnetzwerk.html Entwicklungspädagogisches Informationszentrum, Planie 22, Reutlingen, Tel.: 07121/ , Evangelischer Entwicklungsdienst (EED), Ulrich-von Hassell-Str. 76, Bonn, Tel.: 0228/8101-0, Fax: 0228/ , Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Herrenhäuser Str. 12, Hannover, Tel.: 0511/2796-0, Fax: 0511/ , Evangelisches Missionswerk in Deutschland, Normannenweg 17-21, Hamburg, Tel.: 040/ , Fax: 040/ , Mitgliedswerke und Vereinbarungspartner s.u.: de.ueber.mitglieder/index.html bzw. de.ueber.partner/index.html Evangelisches Missionswerk in Südwestdeutschland, Vogelsangstrasse 62, Stuttgart, Tel.: 0711/636780, Fax: 0711/ , GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), VB Schule, Reifenberger Str. 21, Frankfurt, Tel.: 069/ , Hessisches Landesinstitut für Pädagogik (HelP), Stuttgarter Str , Frankfurt am Main, Tel.: 069/ , Fax: 069/ , oder über Buchhandel Infostelle Bildungsauftrag Nord-Süd, World University Service, Goebenstr. 35, Wiesbaden, Tel.: 0611/ , Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.v., Corrensstraße 12, Tübingen, Tel.: 07071/920510, Fax: 07071/920511, INWENT Internationale Weiterbildung und Entwicklung (7.01), Postf , Bonn, Tel.: 0228/2434-5, Kindernothilfe, Düsseldorfer Landstr. 180, Duisburg, Tel.: 0203/7789-0, Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

51 Kindermissionswerk Die Sternsinger Päpstliches Missionswerk der Kinder in Deutschland, Stephanstraße 35, Aachen, Tel.: 0241/4461-0, Fax: 0241/ , Misereor, Mozartstr. 9, Aachen, Tel.: 0241/442-0, missio e.v. Internationales Katholisches Missionswerk, Goethestr. 43, Aachen, Tel.: 0241/ , Fax: 0241/ , missio München, Internationales Katholisches Missionswerk, Ludwig-Missionsverein, Postfach , München, Tel.: 089/5162-0, Fax: 089/ , missio.de mission 21 Evangelisches Missionswerk Basel, Missionsstrasse 21, CH-4003 Basel, Tel.: 0041/61/ , Fax: 0041/61/ , Missionshilfe Verlag (DEMH), Normannenweg 17-21, Hamburg, Tel.: 040/ , Fax: 040/ , Projekt,,Eine Welt in der Schule - Klassen 1-10" Uni Bremen FB 12, Postfach , Bremen, Tel.: 0421/ , Schulprojektstelle Globales Lernen, Corrensstr. 12, Tübingen, Tel.: 07071/ , Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.v., Kapellenweg 3, Ammerland/Starnberger See, Tel.: 08177/1783, Fax: 08177/1349, Studienkreis GfM Gesellschaft für angewandte Methodik im Schulunterricht mbh, Universitätsstraße 104, Bochum, Tel.: 0234/ , Fax: 0234/ , Terre des hommes, Ruppenkampstr. 11a, Osnabrück, Tel.: 0541/7101-0, Unesco-Projektschulen, Langwartweg 72, Bonn, Tel.: 0228/ , Unicef, Deutsches Komitee, Höninger Weg 104, Köln, Tel.: 02 21/ , Vereinte Evangelische Mission, Postfach , Wuppertal, Tel.: 0202/ , Fax: 0202/ , Welthaus Bielefeld, August-Bebel-Str. 62, Bielefeld. Tel.: 0521/ , Werkstatt Ökonomie, Obere Seegasse 18, Heidelberg, Tel.: 06221/ , Fax: 06221/ , Schweinfurter Str. 40, Münsterschwarzach, Tel.: 09324/20255 oder 09324/20260, Fax: 09324/20460, SÜDWIND e.v. Lindenstr , Siegburg, Tel.: Fax: , Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 49

52 Literatur und Medienliste 3 x Aussetzen Spiele zum Thema Flucht und Asyl, Martin Milk/Jürgen Rau/Annette Windgasse, Verlag der VEM (1994) AIDS das Schicksal einer betroffenen Familie, Textheft, Diaserie (nur im Verleih), Missionswerk der Ev.-Luth. Kirche in Bayern, Neuendettelsau Anders na und? Karikaturen zum Thema Diskriminierung, Studienkreis GfM, Bochum (2002) Basic Needs, CD-ROM, unterschiedliche, multimedial aufbereitete Zugänge zum Themenbereich Grundbedürfnisse, Brot für die Welt, Stuttgart Bausteine Für Schule und Jugendarbeit, Bischöfliche Aktion Adveniat, Essen Benjamin (monatlich) Evangelische Zeitschrift für Mädchen und Jungen Ev. Gemeindepresse GmbH, Stuttgart Bücher für eine Erde der Menschlichkeit, Buchreihe (vier Publikationen), Erfahrungen von Kindern des Südens, terre des hommes, Osnabrück (2003) der überblick (4x jährlich), Zeitschrift für ökumenische Begegnung und internationale Beziehungen, Heft 3/2002 zum Themenschwerpunkt Migration, Redaktion der überblick, Hamburg Die Welt ist bunt Praxismappe Grundschule, Deutsche Welthungerhilfe, Bonn (2001) Eine Welt im Grundschulunterricht 2001, Materialien, Medien, Adressen, Welthaus Bielefeld (Hrsg.) Eine Welt im Unterricht (1x jährlich), Materialien für die Schule im Überblick, Brot für die Welt, Stuttgart Eine Welt in der Schule (4x jährlich), Projekt des Grundschulverbandes Arbeitskreis Grundschule e.v., Prof. Dr. Rudolf Schmitt, Andrea Pfahl, Wolfgang Brünjes (Hrsg.), Bremen Fair Play und Eine Welt, Ideen und Materialien für einen handlungsorientierten Unterricht in allen Fächern zum Themenbereich Sport, Brot für die Welt Filme für die Bildungsarbeit, Videoproduktion Weltfilme, zahlreiche Produktionen zu Nord-Süd-Themen auf DVD, schulische und außerschulische Bildungsarbeit, Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Eine Welt Arbeit mit Kindern, Interkulturelle pädagogische Aktivitäten für Kinder, Projekt Käthe die Erdumseglerin, Spielpädagogische Praxismaterialien, Unperfekthaus und Julius-Leber-Haus in Essen, Literatur zur Kolonialgeschichte Jule in Namibia: Auf den Spuren deutscher Kolonialgeschichte Eine Kilimann-TV Produktion Essen im Auftrag der Ökumene- Abteilung im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland (2002) Namibia Grenzen nachkolonialer Emanzipation, Henning Melber (Hrsg.), Brandes & Apsel, Frankfurt am Main (2003) Waterberg: Kolonialkrieg und Völkermord in Namibia Eine Dokumentation von Gisela und Udo Kilimann hergestellt im Auftrag der Evangelischen Kirche im Rheinland (2004) Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg ( ) in Namibia und seine Folgen Jürgen Zimmerer/Joachim Zeller (Hrsg.), Ch. Links Verlag, Berlin (2003) Global Lernen (3x jährlich), Service für Lehrerinnen und Lehrer, Schulprojektstelle Globales lernen, Brot für die Welt (Hrsg.) in Kooperation mit dem Arbeitskreis Pädagogik, Stuttgart Globales Lernen Info, Hintergründe Unterrichtsthemen Veranstaltungen Netzwerke, Amt für Lehrerbildung Hessen, Archiv: gl-info-archiv.html Guck mal übern Tellerrand! Lies mal wie die andern leben!, Erfahrungsberichte, Praxistipps, Plakat, Deutsche Welthungerhilfe, Bonn (2003/04) 50 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

53 Hände können viel..., Unterrichteinheit zum Thema Hände gebrauchen, handeln (das Thema Kinderarbeit nimmt in der Unterrichtseinheit breiten Raum ein), Brot für die Welt, Stuttgart Heimat ist da, wo ich mich fühle, Unterrichteinheit zum Thema Heimat und Fremde, Brot für die Welt, Stuttgart Jakobs Weg die etwas andere Pilgerreise, EKD-Online-Spiel, Ev. Kirche in Deutschland (Hrsg.), Hannover (2005) Kinderarbeit in der Einen Welt, Materialien und Ideen für die Arbeit in der Grundschule und im Kindergottesdienst, Kindernothilfe, Duisburg Kinderarbeit in Zeiten der Globalisierung, Heidel, Klaus (Hrsg.), Werkstatt Ökonomie im Auftrag des Deutschen NRO-Forums Kinderarbeit, Heidelberg Kinderhandel, Plakatserie von Anti-Slavery International und Werkstatt Ökonomie, Heidelberg (2003) Kindergarten & Mission (2x jährlich), Spielend Lernen in der Einen Welt, Kindermissionswerk Die Sternsinger, Aachen Kinderarbeit Kinderrechte, Arbeitshilfe für Konfirmandenunterricht und Jugendarbeit, Ökumenische Werkstatt Wuppertal (2003) Kinder des Südens Geschichten, Reportagen, Gespräche, terre des hommes, Osnabrück (2002) Kinder der Welt, Postermappe zum Thema Lebenswelten-Religion (auch als Fotoausstellung geeignet), Kindermissionswerk Die Sternsinger Lebenswege, Religion in der Grundschule, Patmos Verlagshaus, Düsseldorf Meine Bibel zum Mitmachen, Anne de Graaf, Herder Verlag Menschenskinder, Gedichte über Kinder und Kindheit, terre des hommes Deutschland, Osnabrück (2004) Mission weltweit (6x jährlich), Ausgabe 5/2003 Kinder und Jugendliche in anderen Ländern, Liebenzeller Mission (Hrsg.), Bad Liebenzell Nord-Süd-Rundbrief (4x jährlich), Informationsstelle Bildungsauftrag Nord-Süd, World-University-Service (Hrsg.), Wiesbaden EMW-Literatur Arche Noah Ein Grundschulprojekt Ein neues Bild der Erde Flächentreue Weltkarte (Peters Projektion) Erntedank hier und anderswo Ein Arbeitsheft für Schülerinnen und Schüler Mach mit! Gewalt erkennen Konflikte lösen Ein Jugendmagazin zur Dekade zur Überwindung von Gewalt Ostern hier und anderswo Ein Arbeitsheft für Schülerinnen und Schüler der vierten bis zur neunten Klasse Unser tägliches Brot gib uns heute Materialheft für Kinder in Kindergottesdienst und Grundschule Vom Turm zur Taube Pfingsten hier und anderswo Ein Heft für Schülerinnen und Schüler der vierten bis zur neunten Klasse Wasser ist Leben Schöpfung, Sintflut, Taufe Ein Arbeitsheft für Schülerinnen und Schüler der vierten bis zur neunten Klasse Weihnachten hier und anderswo Ein Arbeitsheft für Schülerinnen und Schüler der vierten bis zur neunten Klasse MedienMappe 2005 Reichtum und Armut, Arbeitsmaterialien für Gemeinde, Schule und Gruppen, Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung, Zentrum Ökumene und Diakonie (Hrsg.) Schätze suchen, Schätze finden, Werkheft, Diakonisches Werk Bayern, Referat Brot für die Welt (Hrsg.), Nürnberg (2002) Schulen für Schulen Eine Bildungsmappe über die Tsunami-Katastrophe und den Wiederaufbau in Süd- und Südostasien, Deutsche Welthungerhilfe in Kooperation mit logo!, den Nachrichten für Kinder im ZDF und im KI.KA Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 51

54 Schule & Mission (2x jährlich), Materialien zum Lernen in der Einen Welt, Kindermissionswerk Die Sternsinger, Aachen Service-Eine-Welt.de, Publikationen zum Herunterladen, Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, Shari ein Kinderleben in Indien, Theaterstück zur Kinderarbeit mit Anleitung zum Bau von Handpuppen, Brot für die Welt, Stuttgart So leben sie! Ein Erkundungsprojekt rund um die Welt, Bildermappe und Broschüre, Porträts von Familien aus 16 Ländern, Verlag an der Ruhr (2001) Spiele zur Entwicklung, EED-Bildungsstätte-Nord Haus am Schüberg / Hamburg-Ammersbek (Hrsg.), Verlag Internationales Kulturwerk e.v., Hildesheim-Achtum (1998) Unter Gottes weitem Himmel, Hörbibel für Kinder, Christiane Herrlinger, Deutsche Bibelgesellschaft (Hrsg.) Was habt ihr mit der Welt gemacht?, Gedichte. Meditative und provokative Kurztexte, terre des hommes, Osnabrück (2001) Werkstatt ku/ru (4x jährlich), Arbeitstelle für ev. Religionspädagogik Ostfriesland (ARO), Aurich Zeitschrift Entwicklungspolitik (2x monatlich), Ausgabe 8/9/2004 Themenschwerpunkt Kinderarbeit, Verein zur Förderung der entwicklungspolitischen Publizistik e.v. (Hrsg.), Frankfurt am Main ZEP Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik (4x jährlich), Heft 3/2003 Kinderarbeit und Globalisierung, Verlag für Interkulturelle Kommunikation (IKO), Frankfurt am Main Aktion fair spielt. Für faire Regeln in der Spielzeugproduktion! Aktion für Kriegskinder Weihnachtsaktion 2003 jährliche, themenbezogene Weihnachtsaktion des Kinderhilfswerks Unicef, Düsseldorf Aktion PrayNet Beten im Netz, ökumenisches Netzwerk junger ChristInnen, die Gebete schreiben und weltweit austauschen Aktion Schutzengel, Aids & Kinder, Praxisheft, Plakat, CD, missio Aachen Aktion WeltFrühstück, Projektmappe und CD-ROM, Deutsche Welthungerhilfe u.a. (Hrsg.), Bonn (2003) Aktionszeitung Fair Play for Fair Life 2004, Brot für die Welt Ein Oscar für Kinder Unicef, Düsseldorf (2004) Kinder helfen Kindern und ich bin dabei Weltmissionstag der Kinder, jährliche Aktion des Kindermissionswerks Die Sternsinger, Aachen Komm, ich zeig dir Jerusalem, Bausteine zur Kinderaktion 2004, missio Aachen Aktionen Lasst uns Kinder Kinder sein! Wasser ein Kinderrecht, Aktionsmappe zum Weltkindertag 2004, Bundesvereinigung Ev. Tageseinrichtungen für Kinder e.v. (Hrsg.), Stuttgart Ökologische Bildung und Globales Lernen, Arbeitsvorhaben im Amt für Lehrerbildung Hessen, Ansprechpartner: Martin Geisz und Nina Melchers 52 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

55 Entwurf I (exemplarisch) 1. Allgemeine Informationen zum (jeweiligen) Land, dabei - Kinder in Recherche einbeziehen - mögliche Quellen: Eltern, Bibliotheken, Büchereien, Internet etc. (im Internet unter www. hmyne.net können die Flaggen und einige Nationalhymnen aufgerufen werden) 2. Geographische Erkundung: Wo liegt.? 3. Texte lesen - im Unterricht - als Hausaufgabe - Texte im Unterricht gemeinsam besprechen, Fragen klären 4. - Steckbrief - Aufsatz (z.b. Ich bin und erzähle über mein Leben/meine Familie/meinen Glauben) 5. Leben und Alltag vergleichen und nach jedem Abschnitt herausarbeiten: - Unterschiede (nach der Schule mitarbeiten, eine weitere Schule besuchen, u.ä.) - Gemeinsamkeiten (z.b. Liebe zum Fußball, Freude an gemeinsamer Zeit mit dem Vater, u.ä.) 6. Vertiefung: - Worin liegen die Unterschiede begründet? - Nachstellen von Situationen (z.b. Kolumbien: Wie es ist, mit vielen Menschen auf engem Raum zu leben.) 7. Spiele nachspielen, Rezepte ausprobieren, Lieder einüben 8. Bibelgeschichten gemeinsam lesen und in Bildern darstellen 9. Exkurse: - Reisanbau (Indonesien) - Kolonisation (Neuseeland) - Flucht und Migration (Kolumbien) - Fairer Handel (Kamerun) - HIV/AIDS (Russland) ggf. mit Besuch bei einer örtlichen Aidshilfe oder Aidsseelsorge) - Glaubensgemeinschaften (ggf. Besuch eines evangelischen, katholischen, orthodoxen Gottesdienstes und/oder einer Moschee oder Synagoge) Entwurf II (am Beispiel Neuseelands) 1. Suchaufgabe: Wo liegt Neuseeland? 2. Text 1 Czenamin stellt sich vor Steckbrief erstellen 3. Vortrag: Mein Schultag in Rotorua 1. Markieren 2. Stichwortliste 3. Üben im Doppelkreis 4. Einzelvorträge 4. Die Whakarewarewa-Schule 1. Wir erstellen ein Informationsposter (Gruppenarbeit) - Wichtige Zahlen - Darauf ist die Schule stolz - Das lernt man in der Schule - Die Schule und die alten Menschen des Dorfes - Die Schulversammlung 2. Präsentation und Besprechung der Gruppen-Poster 5. Feiern, Essen und Musik: 1. Einüben des Liedes mit der ganzen Klasse 2. Einüben des Stockspiels in Gruppenarbeit 3. Präsentation der drei Gruppen 4. Planung Anzac-Kekse für zwei Gruppen: 4.1. Wer bringt was mit? 4.2. Wie wird die Arbeit aufgeteilt? 5. Essen wie die Vorfahren (Klassengruppe A) und Erdofen (Klassengruppe B) 5.1. Lesen 5.2. Stichwortliste 5.3. Vortrag Üben in den beiden Gruppen Doppelkreis 6. Czenamins Glaube 1. Planen und Ausfüllen einer vergleichenden Tabelle in Partnerarbeit 2. Gemeinsame Reflexion - Vergleich der Tabellen - Was haben wir mit diesem Thema Neues und Wichtiges erfahren? Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 53

56 Das bin ich: Ein Mädchen aus Neuseeland Vorname Nachname Alter Name Heimatland Wohnort (seit) Wohnortlage Entfernung Stadt Wohnung Meine Mutter Beruf Mein Vater Beruf Mein Bruder Berufswunsch Mein Lieblingsfilm Mein Star Mein Hobby Meine Instrumente So sieht Neuseeland ungefähr aus 54 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

57 Das bin ich: Ein Junge aus Russland Kolja heißt eigentlich:... Er hat noch einen 2. Namen:... Kolja lebt in der großen russischen Stadt:... Das erzählt Kolja über sein Leben: Die Mama arbeitet viel: Davon träumt Kolja: Ein typischer Tag (am Beispiel Koljas) Kolja muss morgens um 7.15 Uhr aufstehen. Und du?... Äußerst ungern steht Kolja auf. Und du?... Daraus besteht Koljas Frühstück: Am meisten nervt es Kolja morgens, dass er Für den Schulweg brauchen Kolja und seine Schwester morgens etwa... Welche Schulfächer mag Kolja am liebsten?... Was machen die Kinder nach dem Mittagessen? Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende 55

58 Früchte aus aller Welt Du findest hier Früchte, die Du auf dem Markt oder im Geschäft kaufen kannst. Mache einen Kreis um die Früchte, die nicht bei uns wachsen. Wir bekommen sie aus Ländern, in denen es wärmer ist als bei uns. Versuche herauszubekommen, wo diese Früchte wachsen und auf welchem Wege sie zu uns gelangen. Du kannst die Früchte mit Buntstiften oder Wasserfarben anmalen. 56 Wie leben Kinder anderswo - Informationen und Hinweise für Unterrichtende

59 Autorinnen und Autoren Pfarrer Dr. Christian Gossweiler und seine javanische Ehefrau Kristanti Pebri Nugrahani Gossweiler arbeiten seit 1995 in der Christlichen Kirche aus Nordmitteljava und unterrichten an der Theologischen Hochschule Abdiel, ausgesandt von der Neukirchener Mission. Christian Gossweiler ist Dozent unter anderem für Biblische Exegese, Missionswissenschaft sowie Christliche Kunst, Pebri Gossweiler unterrichtet deutsche und italienische Bühnenaussprache im kirchenmusikalischen Zweig der Hochschule. Ron O Grady, Theologe aus Neuseeland, war von 1973 bis 1981 stellvertretender Generalsekretär der Christlichen Konferenz von Asien und hat in dieser Zeit entscheidend zur Gründung der Asiatischen Vereinigung für Christliche Kunst beigetragen. Er ist als nebenamtlicher Pastor in einer Unionsgemeinde in Auckland tätig. Über Asien hinaus bekannt geworden ist er nicht nur durch seine Arbeiten zur christlichen Kunst, sondern vor allem durch sein Engagement gegen die vorherrschenden Formen des Tourismus und gegen die Kinderprostitution. Er gehört zu den Gründern der Ökumenischen Koalition zum Tourismus in der Dritten Welt und der Ökumenischen Kampagne zur Beendigung der Kinderprostitution im asiatischen Tourismus (ECPAT). Ursula Holzapfel ist Gemeindereferentin und Pastoralpsychologin. Seit 23 Jahren arbeitet die Saarländerin aus der Diözese Trier als Fachkraft der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) in Kolumbien. Zunächst zehn Jahre in der integralen Pastoralarbeit in der Diözese Quibdó/Chocó, dann neun Jahre in der Menschenrechtsarbeit im Pastoralteam der Kommission der Ordensleute für Gerechtigkeit und Frieden in Medellín del Ariari/Meta, Turbo/Urab und Quibdó/Chocó und seit vier Jahren in der Kommission für Leben, Gerechtigkeit und Frieden der Diözese Quibdó. Dr. Fedor Kozyrev ist Biologe und Agrarwissenschaftler. Im Jahr 1994 schloss er ein Zusatzstudium für Lehrkräfte an der Theologischen Akademie St. Petersburg ab und unterrichtete anschließend u.a. Religionspädagogik und arbeitete als Autor. Fedor Kozyrev ist Direktor am Religionspädagogischen Institut der Interchurch Partnership Apostolic City, Leiter der religionspädagogischen Abteilung der Christlichen Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften und Dozent an der Christlichen Universität St. Petersburg. Zudem engagiert er sich als Laie in der Orthodoxen Kirche und ist Mitglied von ISREV, des International Seminar on Religious Education and Values. Kolumbien Reiner Rumohr ist Industriekaufmann und Volkswirt. Im Jahr 1983 übernahm er zum ersten Mal die Aufgabe, in einer afrikanischen Kirche die Finanzverwaltung zu organisieren und Projektarbeit aufzubauen, damals in Äquatorialafrika. Seit 1992 arbeitet Reiner Rumohr als Finanzberater bei der unierten Evangelischen Kirche Kameruns. Er ist verheiratet mit einer Kamerunerin und Autor des Buches Ganz nah die Ferne rückt Begegnungen mit den Kulturen Kameruns, das im Jahr 2003 im Verlag Otto Lembeck in Frankfurt am Main erschienen ist.

60 Ein neues Bild der Erde Flächentreue Weltkarte, Peters Projektion Jede Übertragung der Kugelgestalt der Erde auf eine Fläche bewirkt Verzerrungen, und es müssen Kompromisse gefunden werden. Die üblichen Weltkarten verzerren die Größenverhältnisse, wodurch die Länder nördlich des Äquators größer erscheinen: Europa wirkt dann zum Beispiel doppelt so groß wie Südamerika (ist aber nur halb so groß), Skandinavien wirkt so groß wie Indien (obwohl Indien dreimal größer ist), Grönland scheint größer als China (ist aber nur ein Viertel so groß). Die flächentreue Weltkarte, entwickelt von dem Ende 2002 verstorbenen Bremer Historiker Prof. Dr. Arno Peters, hebt diese Verzerrungen auf und verhilft so zu einem neuen Weltbild. Die flächentreue Weltkarte, herausgegeben vom Evangelischen Missionswerk in Deutschland, ist im Missionshilfe Verlag erschienen und kostet 11,80 Euro (zzgl. Versand). Bestelladresse: Missionshilfe Verlag, Normannenweg 17-21, Hamburg, Tel. (040) , Fax (040) ,

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