Wirtschaftliche Problemlagen
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- Hildegard Flater
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1 14 II Wirtschaftliche Problemlagen 3 Analyse volkswirtschaftlicher Schwankungen S. 42 f. 3.1 Der Wirtschaftskreislauf Aufgabe 1, Seite 47: Mögliche Kausalketten zu den Veränderungen: Zunahme der Sparneigung: Der fiktive Sektor Vermögensveränderung VV steigt an, wodurch dem Sektor Unternehmen U mehr Nettoinvestitionen I n möglich sind. Steigende Nettoinvestitionen I n beleben die gesamten Unternehmensaktivitäten, das Volkseinkommen Y erhöht sich (was wiederum erhöhtes Sparen der Haushalte ermöglicht), wodurch auch die indirekten Steuern T ind und direkten Steuern T dir ansteigen. In der Folge kann der Staat St staatliche Zuschüsse Z H, die Subventionen Z U und auch den Staatskonsum C St erhöhen. Durch die Zunahme der Sparneigung und somit ansteigenden Sektor Vermögensveränderung VV ist es möglich, dem Sektor Ausland Ausl über Exporte Kredite zu gewähren, also zur Exportförderung beizutragen, was wiederum dem Sektor Unternehmen U zugutekommt und dort zu erhöhten wirtschaftlichen Aktivitäten führt. Auch die Rückzahlung von Krediten ans Ausland Ausl ist möglich. Importzunahme: Dies bedeutet zunächst eine Veränderung des Außenbeitrags (X-M). Je nach Ausgangslage kann ein positiver Aussenbeitrag (X-M) abgebaut oder ein negativer Außenbeitrag (X-M) erhöht werden. Eine Importzunahme verändert auch die Warenhandelsbilanz (ebenfalls in Abhängigkeit von der Ausgangssituation). Je nach Art der importierten Güter kann der Konsum der Haushalte C H steigen, aber auch die Investitionen der Unternehmen. Inländische Unternehmen, die Konsumgüter oder Investitionsgüter produzieren, verlieren u. U. durch die Importe Aufträge, das Volkseinkommen Y sinkt. Durch die skizzierten Effekte sinken direkte und indirekte Steuern (T dir, T ind ). Wegen sinkender Einnahmen muss der Staat auch seine Staatsausgaben CSt zurückfahren (Z H, C St ). Es ist sogar eine steigende Kreditaufnahme des Staates K St denkbar. Aufgabe 2, Seite 47: Bei den Ersparnissen der privaten Haushalte handelt es sich um den Teil des Einkommens, der nicht ausgegeben, sondern weg- bzw. angelegt wird. Allerdings ist es längst nicht so, dass sich alle Menschen in der Lage befinden, Teile ihres Einkommens zu sparen. Insbesondere die Höhe des Einkommens entscheidet darüber, wie viel Geld ein privater
2 Analyse volkswirtschaftlicher Schwankungen 15 Haushalt zurücklegen kann. So sparen Haushalte mit höherem Einkommen auch prozentual gesehen mehr Geld als Haushalte mit geringerem Einkommen. In welchem Verhältnis das gesparte Geld zum Einkommen steht, drückt die sogenannte Sparquote aus. Verallgemeinert kann gesagt werden, dass die deutschen Haushalte im Durchschnitt neun bis zwölf Prozent ihres Einkommens sparen. In Abbildung 3.6. ist erkennbar, dass die Sparquote von 2000 bis 2013 leicht angestiegen ist, allerdings mit geringen Schwankungen. Gründe für die unterschiedliche Entwicklung sind nicht eindeutig. Kurz- und langfristig wirkende Einflussfaktoren überlagern sich meist. Generell kann gesagt werden: Die Sparquote steigt in konjunkturell schwierigeren Zeiten in der Regel an ( Angstsparen / Vorsorgesparen ). Dies bestätigt insbesondere das Jahr 2008, dem Jahr der Weltfinanzkrise, als die höchste Sparquote im in Abbildung 3.6 dargestellten Zeitraum beobachtet werden konnte. Der stetige Anstieg der Sparquote von 2001 bis 2007 lässt sich zum Teil zurückführen auf die seit Jahren anhaltende Verschiebung in der Einkommensverteilung zugunsten von Haushalten mit höherem Einkommen. Die seit 2009 im Vergleich zu 2008 geringere absolute und relative Sparneigung ist vermutlich auch eine Folge der sehr niedrigen Zinsen, die von der Hortung von Spargeldern abhalten. Die sinkende Sparneigung seit 2009 hat zu einem Ansteigen der Konsumneigung geführt (2013 höchster Wert seit 2001). Der sinkende Ölpreis und die Aussicht auf steigende Einkommen (vgl. dazu auch Abb. 3.3) haben zu dieser Entwicklung geführt, neben den schon erwähnten niedrigen Zinsen. Aufgabe 3, Seite 47: Drastische Kürzung des Staatskonsums Auswirkungen: Unternehmen: Staatliche Konsumgüternachfrage Absatz bzw. Einnahmen in der Investitions- und Konsumgüterindustrie Produktion und Beschäftigung in der Investitions- und Konsumgüterindustrie Volkseinkommen Konsumgüternachfrage Produktion/Beschäftigung usw. Haushalte: Produktion und Beschäftigung in der Investitions- und Konsumgüterindustrie (s. o.) Volkseinkommen Konsumgüternachfrage Produktion und Beschäftigung Einkommen usw. Staat: durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation: Rückgang bei den Einnahmen aus direkten Steuern (Einkommensteuer, Lohnsteuer) und aus den indirekten Steuern (Gütersteuern wie z. B. die Mehrwertsteuer) Haushaltsungleichgewicht Subventionen an Unternehmen und Transferleistungen an Haushalte. Eine zusätzliche Verringerung des staatlichen Konsums aufgrund der Haushaltssituation kann ebenfalls nötig werden. Offene Fragen: Kompensation des staatlichen Konsums über vermehrte Exporte? Weitere Kreditaufnahme nötig? Auswirkungen auf Sozialversicherungssysteme? Aufgabe 4, Seite 47: Kette positiver Entwicklungen: Preise für Ölimporte sinken Geringe Abflüsse von Devisen ins Ausland Unternehmen können kostengünstiger produzieren, werden wettbewerbsfähiger, ebenso müs-
3 16 Analyse volkswirtschaftlicher Schwankungen sen die Haushalte weniger für Benzin, Heizöl usw. aufwenden Konsum der Haushalte steigt, ebenso die Exporte der Unternehmen Unternehmer können wegen sinkender Kosten mehr investieren, es steigen die Gewinne der Unternehmen und die Einkommen der Haushalte Bei steigendem Volkseinkommen wächst auch das Steueraufkommen des Staates ebenso wie die Ersparnisse der Haushalte. Aufgabe 5, Seite 47: Vorbemerkung: Wirtschaftswachstum: Zunahme des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotenzials, also Erhöhung des Kapitalstocks (Produktivvermögen einer Volkswirtschaft). Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum, d. h. z. B. Wachstumsrate des Sozialprodukts beträgt 2 3% jährlich. Pro-Argumente sind z. B.: Wirtschaftswachstum bedeutet steigende Produktion von Gütern und Dienstleistungen und damit höhere Beschäftigung; die Einkommen der Haushalte und die Gewinne der Unternehmen steigen, was zu höheren Steuereinnahmen T dir führt. Der Staat muss weniger oder gar keine Schulden mehr machen, kann sogar Schulden zurückzahlen. Über Wachstum und höheres Einkommen der Haushalte steigt auch der private Konsum bzw. die Ersparnisse der Haushalte. Der höhere private Konsum führt zu weiterem Wachstum, die Ersparnisse können von den Unternehmen für Investitionen verwendet werden, was wiederum zu Wachstum führt. Die erhöhten Steuereinnahmen können nicht nur zur Haushaltskonsolidierung, sondern auch zur Erhöhung der Staatsausgaben verwendet werden. Staatliche Investitionen in Infrastruktur usw. können weiteres Wirtschaftswachstum generieren, was wiederum über Multiplikatoreffekte zu höheren Steuereinnahmen und damit zur Haushaltskonsolidierung beiträgt. Gegen-Argumente sind z. B.: Sofern das Wachstum zunächst durch Förderung von Investitionen mittels steuerlicher Vorteile (z. B. Sonderabschreibungen) erfolgt, wird die Staatsverschuldung, die bereits jetzt bei ca. 80 % des BIP liegt, weiter ansteigen und insbesondere die nachfolgende Generation schwer belasten. Erhöhung der Staatsquote wirkt längerfristig erfahrungsgemäß eher wachstumshemmend als wachstumsfördernd. Eine Konsolidierung über Wachstum ist nur möglich, wenn die Wachstumsrate des Sozialprodukts größer ist als die Wachstumsrate der Staatsausgaben. Sofern das Wachstum mittels antizyklischer Haushaltspolitik angeregt wird, ist mit einer Reihe von Wirkungsgrenzen zu rechnen (z. B. Zeitverzögerungen).
4 Analyse volkswirtschaftlicher Schwankungen 17 S. 48 f. 3.2 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (VGR) Aufgabe 6, Seite 51: Drei Arten der Berechnung des BIPs: Entstehungsrechnung: Berechnung/Darstellung des Inlandsprodukts von der Produktionsseite her: Summe der in den verschiedenen Sektoren/Wirtschaftsbereichen einer Volkswirtschaft erbrachten Wertschöpfungen. Verwendungsrechnung: Berechnung/Darstellung des erwirtschafteten Inlandsprodukts nach seiner Verwendung: privater Konsum, staatlicher Konsum, Investitionen und Exporte. Verteilungsrechnung: Berechnung/Verteilung der durch die Erstellung des Inlandsprodukts erwirtschafteten Einkommen auf die Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital sowie den Staat: Arbeitnehmerentgelt, Unternehmens- und Vermögenseinkommen, Abgaben (abzügl. Subventionen). Aufgabe 7, Seite 51: a) Beispiele für zu hohe Ansetzung des Bruttoinlandsprodukts: Die Beseitigung von Umweltschäden steigert rein rechnerisch das Bruttoinlandsprodukt, obwohl bestenfalls wieder der alte Zustand hergestellt wird (etwa im Zusammenhang mit der Rekultivierung von Kiesgruben o. Ä.). Kosten für Rehabilitationsmaßnahmen von erkrankten Arbeitnehmern steigern das Sozialprodukt, während die gesundheitlichen Schäden, die bei der Produktion von Gütern entstehen, nicht abgezogen werden. b) Beispiele für zu niedrige Ansetzung des Bruttoinlandsprodukts: Schwarzarbeit wird nicht erfasst, obwohl eine Leistung erbracht wird. Auch Hausfrauentätigkeit wird bei der Berechnung nicht berücksichtigt.
5 18 Analyse volkswirtschaftlicher Schwankungen S. 52 f. 3.3 Gesamtwirtschaftliche Gleichgewichte und Ungleichgewichte Aufgabe 8, Seite 53: Die Szenariotechnik soll helfen, für die Lösung eines aktuellen gesellschaftlichen Problems Merkmale einer wahrscheinlichen Zukunft zu erarbeiten, wobei sich der Gegenwarts- und Realitätsbezug mit zunehmender Entfernung von der Ausgangssituation zwar verringert, aber nie ganz aufgehoben wird. In sachlich-analytischer Vorgehensweise werden Einflussfaktoren in ihrer wahrscheinlichen Wirkung auf künftige Entwicklungen ermittelt. (Arno Kreus u. a.: Fundamente. Ernst Klett Verlag, Stuttgart, 2008, S. 474) Kausalkette für Szenario a): Beschluss des Staates hinsichtlich Steuererleichterungen bei Investitionen Unternehmen erhöhen ihre Investitionen Produktion wird gesteigert Beschäftigung verbessert sich Kapazitäten werden stärker ausgelastet Einstellung von zusätzlichen Arbeitskräften Löhne und Unternehmensgewinne erhöhen sich Volkseinkommen steigt Weitere Ausweitung der Produktion und Kapazitäten Steigende Preise wegen steigender Nachfrage Insgesamt: Expansiver Effekt Kausalkette für Szenario b): Staat beschließt zusätzliche Schuldentilgung Staatskonsum wird zurückgefahren Geringere Nachfrage im Unternehmenssektor Rückgang der Produktion Beschäftigung sinkt Arbeitskräfte werden entlassen Löhne, aber auch Unternehmensgewinne sinken Investitionen werden zurückgefahren Lager werden aufgefüllt, da Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern zurückgeht Preisstabilität Insgesamt: Kontraktiver Effekt Aufgabe 9, Seite 53: Antwort abhängig von aktuellen Zeitungsberichten.
6 Analyse volkswirtschaftlicher Schwankungen 19 S. 54 f. 3.4 Das Auf und Ab der Wirtschaft Aufgabe 10, Seite 61: Wirtschaftliches Wachstum läuft in der Regel zyklisch ab. In einem Zeitraum von ca Jahren wechseln sich konjunkturelle Hochs mit entsprechenden Tiefs ab. Im Schaubild Abb kann man 13 ( 0,8 % = Rezession) und 2003 ( 0,2 % = Rezession) negative Wachstumsraten des BIP erkennen. Von Tiefpunkt zu Tiefpunkt entspräche dies einem 10-Jahres-Rhythmus. Geht man von Hochpunkt zu Hochpunkt (14: + 2,7 %, 2000: + 3,2 %, 2006: + 3,0 %), könnte man auch von einem 6-Jahres-Rhythmus sprechen. Aufschwünge dauern häufig länger als Abschwünge. Zwischen 13 und 2003 liegt eine Expansionsphase, die ihren Höhepunkt im Jahr 2000 findet. Die nach 2003 einsetzende Expansionsphase findet 2006 einen ersten Höhepunkt und ebbt dann bis 2008 ab ( 5,0 %) erfolgte eine weitere Rezession. Dieser Zyklus umfasst damit sechs Jahre. Fazit: keine Regelmäßigkeiten, Einflussfaktoren auf Konjunkturverlauf sind vielfältig (vgl. dazu im Schülerbuch: Konjunkturtheorien, S. 57) Aufgabe 11, Seite 61 Antwort abhängig von der aktuellen konjunkturellen Lage in Deutschland. Aufgabe 12, Seite 61: Antwort abhängig von der aktuellen konjunkturellen Lage in Deutschland.
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