Hygieneplan für Arztpraxen
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- Stephan Peters
- vor 10 Jahren
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1 Seite: 1 Hygieneplan für Arztpraxen
2 Einleitung Seite: 2 Für den der Hygiene in der Praxis tragen die Praxisinhaber die Verantwortung. Hygienebeauftragte sind:. Der Praxis- Hygiene-Plan steht als Referenz für unser tägliches handeln. Ist das, was wir tun ausreichend unsere Patienten vor Infektionen zu schützen und tun wir genug? Dieser Hygiene-Plan basiert auf den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert Koch-Institutes. Empfehlungen und Texte werden, soweit möglich, wörtlich übernommen. Wo notwendig, wurden die Empfehlungen für die Praxisbelange konkretisiert und ergänzt. Neue Entwicklungen und Erkenntnisse auf allen Gebieten der Medizin zwingen zum stetigen kritischen Überdenken infektionspräventiver Maßnahmen. Daher ist der Hygieneplan als Handlungsgrundlage jährlich mit allen PraxismitarbeiterInnen im Rahmen einer Dienstberatung zu schulen und ggf. zu aktualisieren. Voraussetzung für ein erfolgreiches Hygienemanagement sind standardisierte Arbeitsabläufe und Verfahrensweisen, die einerseits den geltenden Unfallverhütungsvorschriften (UVV) und Empfehlungen der Expertenkommission des Robert Koch- Institutes (RKI), Berlin, angeglichen werden müssen, und zugleich auch praktisch umsetzbar sind.
3 Seite: 3 Inhalt
4 Inhalt Seite: 4 1. Übersicht / Einleitung Mappe 1 2. Händehygiene und Hautschutz 3. Umgang mit Arbeitsschutzkleidung 4. Hygieneverhalten im OP 5. Reinigung und Desinfektion von Flächen 6. Aufbereitung von Medizinprodukten 7. Gefährdungsbeurteilung / Umgang mit Gefahrstoffen 8. Anlagen Mappe 2 1. Sächsische Hygieneverordnung 2. Meldepflichtige Krankheitserreger 3. MRSA / ESBL 9. Betriebsanweisungen Desinfektionsmittel 10. Sicherheitsdatenblätter Aushänge a) Reinigungs und Desinfektionsplan b) Hautschutzplan c) Handschuhplan
5 Einleitung Seite: 5 Hygiene-Tipp der DGKH, Jährlicher interner Praxis-Check Hygiene, Einmal jährlich sollte eine Begehung der eigenen Praxis erfolgen mit dem Schwergewicht auf Hygiene. Teilnehmen sollten auch die Hygienebeauftragten, soweit vorhanden. Ergebnisse, Folgerungen und Umsetzung sollten dokumentiert werden. Speziell sollten folgende Fragen gestellt werden: Wurden neue Medizinprodukte beschafft? Gibt es für diese Aufbereitungsvorschriften? Ist der Hygieneplan noch aktuell und entspricht er den geltenden (eventuell neuen?) Vorschriften? Ist das Inventar so beschaffen, dass es gereinigt und desinfiziert werden kann? Sind die (jährlichen) Wartungen / Validierungen erfolgt (Steri,)? Wurde, falls erforderlich, Trinkwasser untersucht. Wurden neue Mitarbeiter, auch Reinigungskräfte, in den Hygieneplan eingewiesen und belehrt? Dokumentiert? Wird die Kartei nach der Arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung geführt? Werden auch abgelehnte Schutzimpfungen dokumentiert? Sind Verbrauchsmaterialien, Medizinprodukte und Medikamente korrekt gelagert? Wie hoch ist der Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln, auch im Vergleich zu Vorjahren? Wird die Händedesinfektion korrekt durchgeführt und zu den richtigen Anlässen? Fanden Teambesprechungen zum Thema Hygiene statt? Sind sie dokumentiert? Wurden Arbeitsaufträge daraus auch umgesetzt? Gibt es Patienten mit bestimmten Infektionen (z.b. Noroviren, MRSA, VRE, Clostridium difficile, ESBL)? Sind Regelungen dazu vorhanden? Ist die Erfassung von Wundinfektionen durchgeführt worden. Sind die Ergebnisse bewertet? Sind die Ergebnisse unauffällig? W. Popp, K.-D. Zastrow
6 Einleitung Seite: 6 Die Kategorisierung in den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) Das Erfordernis wissenschaftlicher Evidenz und Transparenz wird in Empfehlungen heute durch eine abgestufte Kategorisierung verdeutlicht, die die Kommission 1997 in ihre Empfehlungen eingeführt hat und die auch in dieser Richtlinie als Hinweis in den Anlagen enthalten ist. Die Kategorisierung basiert auf der wissenschaftlich abgesicherten Beweiskraft der jeweiligen Aussagen oder deren nachvollziehbarer theoretischer Begründung, soll dadurch Anwendbarkeit bzw. Praktikabilität der Empfehlungen verbessern und die ökonomischen Auswirkungen berücksichtigen. Zusätzlich werden gesetzliche Vorgaben, Verordnungen oder sonstiges verbindliches Recht in einer eigenen Kategorie berücksichtigt. Kategorie I: Nachdrückliche Empfehlung IA(Kat.IA): Die Empfehlungen basieren auf gut konzipierten experimentellen oder epidemiologischen Studien. I B (Kat.IB): Die Empfehlungen werden von Experten und aufgrund eines Konsensusbeschlusses der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut als effektiv angesehen und basieren auf gut begründeten Hinweisen für deren Wirksamkeit. Eine Einteilung der entsprechenden Empfehlung in die Kategorie I B kann auch dann erfolgen, wenn wissenschaftliche Studien möglicherweise hierzu noch nicht durchgeführt wurden. Kategorie II: Eingeschränkte Empfehlung (Kat.II) Die Empfehlungen basieren teils auf hinweisenden klinischen oder epidemiologische Studien, teils auf nachvollziehbaren theoretischen Begründungen oder Studien, die in einigen, aber nicht allen Krankenhäusern/Situationen umgesetzt werden sollten. Kategorie III: Keine Empfehlung/ungelöste Frage (Kat.III) Maßnahmen, über deren Wirksamkeit nur unzureichende Hinweise vorliegen oder bislang kein Konsens besteht. Kategorie IV: Rechtliche Vorgaben (Kat.IV) Anforderungen, Maßnahmen und Verfahrensweisen in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen, die aufgrund gesetzlicher Bestimmungen, durch autonomes Recht oder Verwaltungsvorschriften zu beachten sind
7 Einleitung Standardhygiene Seite: 7 Standardhygiene Die Standardhygiene beinhaltet Maßnahmen, die grundsätzlich in der Grundversorgung bei allen Patienten in jeder Gesundheitseinrichtung durchzuführen sind. Sie treffen als Verhaltenskodex für das gesamte Personal zu und sind konsequent zu beachten, wenn Tätigkeiten am oder in der Nähe des Patienten durchgeführt werden, die zu einer Kontamination/Kolonisation mit einem nachfolgenden Infektionsrisiko für den Handelnden, den Patienten und andere Personen führen können. Ein Erregernachweis ist nicht Voraussetzung oder Bedingung für das Verhalten, da Blut, Körperflüssigkeiten, Exkrete wie Sekrete oder auch Schleimhäute bzw. Haut des Patienten als potentiell infektiös angesehen werden (z.b. HIV, HBV, MRSA) Ziele der Standardhygiene aus Sicht des Patienten: Ausschaltung der Übertragung von Erregern, die nosokomiale Infektionen hervorrufen können Ziele der Standardhygiene aus Sicht des Personals: Eigenschutz vor Erregern von Infektionskrankheiten, einschließlich der Befallskrankheiten durch Vermeidung von Blutkontakt und anderen Übertragungswegen Ziele der Standardhygiene aus Sicht der übrigen Bevölkerung: Vermeidung der Übertragung der Erreger bei Aufbereitung (z.b. Wäsche), Entsorgung (z.b. Abfall), oder Wartung wie Reparatur von Medizinprodukten
8 Einleitung Standardhygiene Seite: 8 Elemente der Standardhygiene 1. Händehygiene Die Händehygiene ist die wichtigste Maßnahme der Standardhygiene und umfasst: Hygienische Händedesinfektion (effektivste Maßnahme zur Verhinderung der Übertragung von Infektionskrankheiten und Erregern und zum Personalschutz) Hände waschen (ergänzende Maßnahme zur Händedesinfektion, eigenständige Maßnahme zum Patienten- und Personalschutz) Handpflege (zur Vermeidung von Hautirritationen, Patienten- und Personalschutz 2. Persönliche Schutzausrüstung des Personals Die Persönliche Schutzausrüstung soll verhindern, dass die Berufs - oder skleidung kontaminiert wird und dadurch Krankheitserreger verbreitet werden. Sie bildet eine mechanische Barriere zwischen dem Träger und seiner Umgebung (wird auch als "Barrieremaßnahme" bezeichnet). Zur Persönlichen Schutzausrüstung gehören: Schutzkittel flüssigkeitsdichte Einmalschürze Schutzhandschuhe, Mund -/ Nasenschutz Augenschutz 3. Pflegeutensilien, Medizinprodukte und Wäsche Pflegeutensilien: Patienten bezogener Einsatz und adäquate Aufbereitung (Reinigung/Desinfektion) oder Entsorgung bei Einmalprodukten (überwiegend Maßnahmen des Patientenschutzes) Medizinprodukte: Aufbereitung nach Kontamination bzw. Anwendung am Patienten (überwiegend Maßnahmen des Patientenschutzes) Wäsche: Wechseln, Einsammeln und desinfizierende Waschverfahren dienen dem Patienten- und Personalschutz 4. Flächendesinfektion und Reinigung Routinemäßig für reine Arbeitsflächen und Patienten nahe Haut- und Handkontaktflächen (überwiegend Maßnahmen des Patientenschutzes) 5. Abfallentsorgung Personal- und Patientenschutzmaßnahme 6. Vermeidung von Verletzungen Der Einsatz von sicheren Blutentnahmesystemen und Sicherheitsflexülen sowie die sofortige und sichere Entsorgung scharfer und spitzer Gegenstände dienen überwiegend dem Personalschutz. Kanülen (auch sichere Systeme), Nadeln, Skalpellklingen und andere scharfe Gegenstände sind in der Nähe des Arbeits- /Anwendungsortes in einem stich- und bruchsicheren Behältnis mit einem Sicherheitsdeckel zu entsorgen.
9 Händehygiene Allgemeines Zielsetzung Seite: 9 Die Hände des Personals sind das wichtigste Übertragungsvehikel von Krankheitserregern. Deshalb gehört die Händehygiene zu den wichtigsten Maßnahmen zur Verhütung von nosokomialen Infektionen. Die Hand kann darüber hinaus als Infektionsquelle fungieren, wenn sich Mikroorganismen in den oberen Schichten der Haut oder in infizierten Läsionen vermehren und von dort freigesetzt werden, was in der Infektionsprophylaxe zu berücksichtigen ist. Die unterschiedlichen Maßnahmen der Händehygiene dienen dem Schutz der Haut vor Kontamination mit obligat oder potentiell pathogenen Erregern und deren Verbreitung, der Entfernung und/oder Abtötung transienter Mikroorganismen, der Reduktion der residenten Flora und der Entfernung von Verschmutzungen. Als Voraussetzung für die Händehygiene dürfen in Arbeitsbereichen in denen eine Händedesinfektion erforderlich ist, an Händen und Unterarmen keine Schmuckstücke, einschließlich Uhren und Eheringe, getragen werden (Kat.IV). Auch wenn Uneinigkeit herrscht, ob künstliche Fingernägel in die Kategorie Schmuck fällt oder nicht, sollten Personen, die Patienten behandeln oder pflegen keine künstlichen Fingernägel tragen. Nosokomiale Ausbrüche durch bakterielle Erreger in Verbindung mit künstlichen Fingernägeln sind mehrfach beschrieben worden. Auch die Verbreitung von Pilzen (Aspergillus, Candida und in deren Folge nosokomiale Infektionen) ist belegt. Ursache der Besiedelung und damit der Lokalisation einer ständigen Infektionsquelle dürften unvollständig dichte Ränder und kleine (Feuchtigkeits- )Kammern unter den künstlichen Nägeln sein. Lackierte Fingernägel stellen ebenso ein hygienisches Risiko dar: mögliche Verschmutzungen sind, insbesondere bei farbigem Nagellack, nicht sichtbar und feine Risse bieten ein Reservoir für Keime. Zudem ist die zuverlässige Wirkung von Händedesinfektionsmitteln nicht gegeben. Händedesinfektionsmittel können den Nagellack angreifen, was wiederum die Bereitschaft zur Händedesinfektion vermindern kann. Daher sollen Mitarbeiter, die in Arbeitsbereichen in denen eine Händedesinfektion erforderlich ist tätig sind, keinen Nagellack tragen Vermeiden Sie zu häufiges Händewaschen, da es der Haut schadet. Führen Sie stattdessen eine hygienische Händedesinfektion ohne anschließendes Händewaschen durch.
10 Händehygiene Maßnahmen der Händehygiene Händewaschung Seite: 10 Händewaschung Vor Arbeitsbeginn und nach Arbeitsende genügt eine Händewaschung. Vor allem wegen der geringeren Wirksamkeit ist die hygienische Händewaschung keine Alternative für die hygienische Händedesinfektion. Wird zusätzlich zur hygienischen Händedesinfektion eine Reinigung gewünscht, soll diese bis auf folgende Ausnahmen erst nach der Desinfektion durchgeführt werden (Kat.IB). Stark beschmutzte Hände werden zunächst vorsichtig abgespült und warm gewaschen, wobei darauf zu achten ist, dass Umgebung und Kleidung nicht bespritzt werden (z. B. bei Blutverunreinigung). Gegebenenfalls ist der Kontaminationsbereich danach zu desinfizieren und der Kittel zu wechseln. Im Anschluss sind die Hände zu desinfizieren. Bei punktueller Verunreinigung kann diese mit einem mit Händedesinfektionsmittel getränktem Papierhandtuch, Zellstoff o. ä. entfernt und danach die Hand desinfiziert werden. Wo steht eigentlich, dass Mitarbeiter bei hautgefährdenden Tätigkeiten keinen Schmuck an den Händen tragen dürfen? Antwort: Für Tätigkeiten, die eine hygienische Händedesinfektion erfordern, regelt die BGR 250/TRBA 250, Pkt , dass dabei an Händen und Unterarmen keine Schmuckstücke, Uhren und Eheringe getragen werden dürfen. Derartige Gegenstände können die Wirksamkeit der Händedesinfektion vermindern.
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