Forstschutz Borkenkäfer

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2 Forstschutz Borkenkäfer Förster Ing. Johannes Ablinger Forstliche Ausbildungsstätte Ort / Gmunden Veranstaltungsreihe Waldwirtschaft für Einsteiger Modul F1 Gmunden 30. Juni 2016

3 Inhalt Allgemeines Lebensweise, Verhalten Borkenkäferarten Aussehen, Fraßbild, Besonderheiten Bekämpfung einer Massenvermehrung Vorbeugende Maßnahmen, Ursachen, Besonderheiten im Gebirge, Bekämpfungsmaßnahmen

4 Borkenkäfer Die Larven dieser Rindenbrüter ernähren sich von den saftführenden Schichten des Baumes in der Rinde (Bastgewebe). Da diese Schicht die Lebensader des Baumes darstellt, führt der Befall meist zu dessen Absterben.

5 Borkenkäfer Fraßbilder Buchdrucker Waldgärtner Tannenborkenkäfer Kupferstecher Nutzholzbohrer (Holzbrüter)

6 Lebensweise der Borkenkäfer Ähnliche Lebensweise aller rindenbrütenden Borkenkäfer Überwinterung Schwärmen bei ca. 16 Flug ca.0,5 bis 1 km, mit Wind Kilometer weit!! Brutbaumsuche Duftstoffe Rammelkammer Paarung Muttergang Eiablage Eientwicklung Larvenfraß Verpuppung Jungkäfer Reifungsfraß Regenerationsfraß

7 Die wichtigsten Borkenkäferarten Mitteleuropas

8 Der Buchdrucker (typographus) Großer achtzähniger Fichtenborkenkäfer 4,5-5,5 mm groß, braun, walzenförmig Rand der Flügeldecken gezahnt Stimmgabelförmiige Muttergänge 2 bis 3 Generationen pro Jahr, Geschwister!! befällt Fichten seltener Dgl, Lä, Ta und Kie Dicke Borke, Bestände 70 Jahre +

9 Der Kupferstecher (chalcographus) Sechszähniger Fichtenborkenkäfer 1,6-2,9 mm groß, schwarzbraun, walzenförmig Rand der Flügeldecken gezahnt Sternförmige Muttergänge In der Rinde verborgene Rammelkammer 1 bis 2 Generationen pro Jahr, Geschwister!! befällt Fichten seltener Dgl, Lä, Ta und Kie Besandesalter 15 bis 60, Astmaterial von alten Fi

10 Großer Lärchenborkenkäfer 4,5 6mm groß Mehrarmiges sternförmiges Fraßbild Lärche und Zirbe (Kiefer) 1 2 Generationen Reifungsfraß der Jungkäfer an Trieben (Absprünge)

11 Waldgärtner (Kleiner / Großer) Kiefer Doppelarmiger Quergang Reifungsfraß in den Treiben Weißkiefer Einarmiger Längsgang, (Krückstock) Reifungsfraß in den Trieben

12 Sechszähniger Kiefernborkenkäfer Kiefer (Fi, Lä) 2,2 3,5 mm An Ästen und dünner Rinde Sterngänge Sekundärschädling

13 Kleiner 8-zähniger Fichtenborkenkäfer Fichte, Zirbe, Lärche (Kleiner Buchdrucker) 3,5-4,8mm dem Buchdrucker sehr ähnlich In höheren Lagen Sekundärschädling 3-7 sternförmige Muttergänge

14 Krummzähniger Tannenborkenkäfer Tannenarten (Fi, Lä) 2,5 3mm Doppelkammergang Sekundärschädling

15 Doppeläugiger Fichtenbastkäfer Fichte Rindenbrüter 3-8 sternförmige Muttergänge, unregelmäßig da er zwischen saftführender Schicht und Rinde mäandriert Befällt jüngere Bestände (40 60 Jahre) Sekundärschädling nach Schneebrüchen Bei Massenauftreten auch Befall gesunder Bäume

16 gestreifter Nutzholz- Borkenkäfer (lineatus) Fam. der Borkenkäfer, Brütet jedoch im Splint, somit Holzbrüter!! Ca. 2,8 bis 3,8 mm groß, braun, walzenförmig Flügeldecken sind abgerundet Fi, Ta, Lä, und Ki können befallen werden Frisst das Splintholz nicht, sondern züchtet dort Pilze leitersprossenförmige Gänge im Splint immer Folge von unsauberer Waldwirtschaft, Entwertung!! Befällt nur tote/gefällte Bäume

17 Eschenbastkäfer Kleiner bunter Eschenbastkäfer 2,5 3,0 mm doppelarmiger Klammergang Sekundärschädling meist im Zuge des Eschentriebsterbens

18 Ulmensplintkäfer Großer Ulmensplintkäfer 3 6,0 mm Kurzer einarmiger Muttergang, spninnenbeinförmige Larvengänge Überträger eines Schlauchpilzes, dieser führt zum Absterben der Ulme Bekämpfung unmöglich

19 Weitere Borken- Bast und Splintkäfer Sechszähniger Kiefernborkenkäfer Kleiner achtzähniger Fichtenborkenkäfer Krummzähniger Tannenborkenkäfer Doppeläugiger Fichtenbastkäfer Erlenbastkäfer Laubnutzholzbohrer Kleiner und Großer Waldgärtner Großer Lärchenborkenkäfer

20 Warum mögen wir Forstleute die Borkenkäfer nicht? Unter gewissen Umständen neigen sie zu gefahrdrohender Massenvermehrung Borkenkäferbefall - NP Bayrischer Wald (Foto:Wohlmacher)

21 Borkenkäfer Ein Problem der modernen Forstwirtschaft? Die Borkenkäfer, als deren Hauptrepräsentanten wir typographusbetrachten müssen, sind in Fichten die gefährlichsten Insecten.Man hat sie immer und überall zu fürchten. Ratzeburg und Judeich (1767) Julius T.C. Ratzeburg ( ) Abhandlung von der Wurmtroknis Aber kein Ungeziefer hat in den Waldungen jemals so viel Schaden gethan, als man dem Borkenkäfer zuschreibt; Er verdient also umso mehr eine nähere Beschreibung, da wenigstens am Harze keinem anderen Insekte ( ) so viel Antheil an den schröklichen Verheerungen beigemessen werden kann, welche seine Waldungen schon seit mehreren Jahren erleiden. Gmelin (1787)

22 Voraussetzungen für eine Massenvermehrung für den Fall Fichte vs. Buchdrucker hohes Angebot von liegendem bruttauglichem Material, verursacht durch z.b. Windwurf explosionsartige oder Schneedruck zusätzlich hohes Angebot Vermehrung von stehendem bruttauglichem Material, verursacht durch Wurzelschäden, Trockenstress, oder Nadelverlust einzel- und nesterweiser Primärschaden, verursacht ebensolchen Borkenkäferbefall, schwer aufzuarbeiten Anhaltend warme Temperaturen, somit 3 Generationen Hoher Berg- Tal Unterschied begünstigt Befall der Baumgrenze

23 Fichten befallende Borkenkäfer

24 Borkenkäfermassenvermehrung im Verhältnis zu Sturm- und Schneeschadholz Anfall

25 Chronologie einer Massenvermehrung hohe Ausgangspopulation der Käfer aufgrund Sturm Lothar (2002: ca fm Käferholz) explosionsartige ausreichend bruttaugliches Material Sturm Uschi (2002: ca. 6,5 Mio fm Schadholz) Vermehrung 2003 heißester Sommer seit Aufzeichnungsbeginn somit optimale Bedingungen für Buchdrucker und Kupferstecher (3 Generationen, 3-4 Geschwisterbruten)

26 Borkenkäfer vs. Klima Wärme und Trockenheit begünstigen die Käferentwicklung Klimaerwärmung bringt die Fichte in Tieflagen in Bedrängnis Entwicklungsdauer beträgt je nach Witterung und Höhenlage 6 12 Wochen Hoher Berg- Tal Unterschied begünstigt Befall der Baumgrenze

27 Sonderfall Gebirgstal Unterschiedliche Klimazonen auf engstem Raum Borkenkäferbefall kann alle Höhenstufen betreffen Somit alle Klimazonen im Aktionsradius des Käfers Schadinsekten nutzen die Vorteile der jeweiligen Klimazone Hoher Anteil unzugänglicher Schutzwaldbestände Schwierige Aufarbeitung Einzel und Nesterbefall sind schwer zu finden und schwer aufzuarbeiten

28 Weiterentwicklung der Strategie WW Aufarbeitung und BK Bekämpfungsstrategie nach Uschi 2002 Hohe Aufarbeitungsintensität auf flächigen Windwürfen In schwer bringbaren Lagen wurde lange Zeit nichts bzw. zu wenig getan Randbäume wurden oft stehen gelassen BK Bekämpfung startete erst am Höhepunkt der Vermehrung Mit dem Ergebnis, dass durch Borkenkäferbefall die Schadholzmenge verdoppelt wurde WW Aufarbeitung und BK Bekämpfungsstrategie nach Emma, Paula und Kyrill 2007 Aufarbeitung bzw. Behandlung vordringlich in Rand-, Streu-, und schwer bringbaren- Lagen Sofort BK Bekämpfungs- und Lenkungsmaßnahmen auf flächigen Windwürfen, (Entrinden, Begiften, Fallen, Fangknüppelhaufen) Aufarbeitung und Abfuhr trotz fehlendem Absatzmarkt (Nasslager, Folienlager, Waldhackgut, Trockenlager) Mit dem Ergebnis, dass in Betrieben und Talschaften wo dies konsequent angewandt wurde, um zwei Drittel weniger BK Schadholz anfiel

29 Buchdrucker Vermehrungsrechner zu Beginn 200 Käferweibchen diese produzieren je 40 Nachkommen am Ende der 1. Generation Weibchen, die in der 2. Generation Käfer produzieren kommt es zu einer 3. Generation, so entwickeln sich insgesamt 3.2 Mio Borkenkäfer dazu kommen noch Geschwisterbruten ca. 1 Mio Individuen

30 Buchdrucker vs. Klima nur eine (drei statt zwei) Generation mehr bedeutet demnach auch 3-4 Millionen Käfer mehr Käferbäume zusätzlich! Zunahme der Borkenkäferschäden in den Folgejahren

31 Vorbeugungsmaßnahmen bruttaugliches Material entnehmen, rasche Aufarbeitung von einzelnen Würfen und Brüchen auch kränkelnde, absterbende Bäume zeitnahe Holzabfuhr des gesamten Holzes Ast und Wipfelstücke aufarbeiten, kein Rücklaßholz Bei niedrigem Populationsstand ist die Bekämpfung am effektivsten

32 Erkennen des Befalles

33 Bohrmehlsuchmethode oberstes Prinzip: rechtzeitiges Erkennen und unverzügliches Entfernen von frisch befallenen Käferbäumen Flugverlauf mit Pheromonfallen ermitteln 2 bis 3 Wochen nach dem Schwärmhöhepunkt im Nahbereich der alten Käferschadflächen nach Bohrmehlaustritt an den Stämmen suchen braunes Bohrmehl oder frischer Harzfluss sind typische Kennzeichen für Borkenkäferneubefall Bäume mit diesen Symptomen markieren, rasch fällen sowie aus dem Gefahrenbereich abtransportieren

34 Bohrmehlsuche Vorteile: nur tatsächlich befallene Bäume werden entnommen Nachteile: - nicht immer einfach zu erkennen Bohrmehl wird vom Regen abgewaschen Befall zuerst im mittleren und oberen Kronenbereich - Bohrmehlsuche muss gewissenhaft und entsprechend dem Schwärmverhalten der Käfer mehrmals durchgeführt werden.

35 Borkenkäferbekämpfung Stehendbefallskontrolle! befallene Bäume sofort entfernen bzw. behandeln Fangbaumvorlage! Prügelfallen Pheromonfallen Kombinierte Verfahren Chemischer Stammschutz Entrinden

36 Fangbaumvorlage Wo? im Bereich vorjähriger Käferschadensflächen Wann? im Frühjahr - etwa drei bis vier Wochen vor Käferflug - gesunde Fichten geschlägert und möglichst an Bestandesrändern vorgelegt Wie viele? etwa 3 Fangbaum je 1 Käferbäume nachlegen?, wenn die ersten Bäume voll besiedelt sind (1 Brutsystem je 1dm²)

37 Fangbaumvorlage Kontrolle periodisch, 1 2 Mal pro Woche Abfuhr der Fangbäume oder Entrindung (Behandlung) vor Jungkäferstadium Rechtzeitig vor der 2. Käfergeneration erneut Fangbaumvorlage (umstritten)

38 Fangbaumvorlage Vorteile: gute Lockwirkung bei ausreichender Anzahl von vorgelegten Bäumen und bei rechtzeitiger Entrindung oder Abtransport wenig Gefahr für gesunde Nachbarbäume Förderungen Nachteile: Arbeitsintensiv (Zeitplan und Logistik) rechtzeitige Abfuhr oder Behandlung erforderlich! unwirksam bei 2. und 3. Generation und Geschwisterbrut

39 Förderaktion des Landes OÖ Meldung vor Maßnahme wöchentliche Kontrolle Ergebnisse protokollieren Waldhelfereinsätze in WWG bei Aufarbeitung von Käfernestern anrechenbar max. 300 Fangbäume je Betrieb

40 Pheromonfallen - Schwärmkontrolle Feststellen des Flugverlaufes und der Flugintensität Bekämpfungsmethode (mit Vorbehalt) Max 30 % der Population kann durch Pheromonfallen gefangen werden richtige Platzierung der Fallen Sicherheitsabstand zu gesunden Fichten mindestens 1 Baumlänge Aufstellung quer zur Hauptwindrichtung Fallensterne besser als Einzelfallen Pheromone kombinieren (Buchdrucker, Kupferstecher) Aufstellung unmittelbar vor Käferflug

41 Borkenkäfer Monitoring

42 Prügelfalle (Fangholzhaufen) Kombination von Pheromonanwendung und Begiftung 5 6 unbefallene frische Fichtenstangen, mind. 10cm Zopf, ca. 1,5m lang, Aststummel belassen Aufstellung an gefährdeten Bestandesrändern Beködern mit Pheromon Flächendeckend begiften mit Kontaktgift unmittelbar vor Flugbeginn Kontrolle der Bestände im Nahbereich auf Stehendbefall! Auch für 2. und 3. Generation und Geschwisterbruten noch attraktiv

43 Prügelfalle (Fangholzhaufen) Kombination von Pheromonanwendung und Begiftung - Effizienter als Fangbaum und Schlitzfalle + Verwendung von Restholz + gute Fangwirkung durch nat. Lockwirkung der Holzprügel, (Stock) und Pheromon Deutliche Silhouette u. große Oberfläche Keine Besiedlung des Holzes - Keine Antiaggregationshormone + Abstand zum Bestandesrand von 7m genügt + Auch bei zweitem Flug fängisch - Kosten für Begiftung und Lockstoff (alle 6-8 Wochen erneuern)

44 Fangnetz - Fangtipi

45 Stammschutzmittel - Vorbeugender Schutz, wenn Holz nicht rechtzeitig abtransportiert werden kann - nicht in Bereich von Oberflächengewässern und in Grundwasser- oder Quellschutzgebieten - gründliche allseitige Benetzung der Rindenoberfläche bei besonders grobrindigen Stämmen schwer erreichbar - Stämme müssen zum Zeitpunkt der Behandlung trocken und möglichst frei von Erde sein -nur in Österreich zugelassene Stammschutzmittel verwenden

46 Stammschutzmittel praktische Handhabung - keine Behandlung, wenn Niederschläge zu erwarten sind -keine Wasserlagerung von behandeltem Holz -unmittelbar vor dem Einbohren der Käfer ca. 2 5 Liter Spritzbrühe pro fm -Rindenverbrennung problematisch (Dioxin?) -Wirkungsdauer 2 3 Wochen - Achtung: kein Stammschutzmittel wirkt zu 100%!

47 Zugelassene Stammschutzmittel gegen Borkenkäfer

48 Folienverpackung von Rundholz Siloplanen: 200μ, 12 x 35 m Schutz vor Nageschäden Sauerstoffentzug Idealgröße: 240 bis 300 fm 4 5 Jahre / fm

49 Nasslager - Aufrechthaltung der Holzfeuchte über 120 % m³ Wasser/1.000 fm Rundholz/Stunde - Wasserrechtliche Genehmigung - 2 bis max. 4 Jahre

50 Kombinierte Bekämpfung standortgerechte Baumartenwahl, Mischbestände, Förderung der Nützlinge vorbeugender und gezielter Einsatz von Insektiziden, Brutraumentzug, rasche Holzabfuhr Fangbaumvorlage Entrinden, Verbrennen Einsatz von Lockstoffen, Kastenfallen, Fangprügelhaufen,

51 Zusammenfassung Borkenkäfer Viele verschiedene Käferarten, ähnliche Lebensweise, Erkennen von Fraßbildern Massen Vermehrung Zusammenhänge zwischen Wind/Schneebruch und BK, Klima/Temperatur- verlauf und BK Bekämpfung Saubere Waldwirtschaft, Stehendbefall erkennen, sofortige Bekämpfung Fangbäume, Kombinierte Verfahren, schnelle Abfuhr,

52 Danke für eure Unterstützung bei der Bekämpfung zukünftiger Borkenkäfer Kalamitäten

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