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1 Was ist gut fürs Kind? Kinder, die Kontakt verweigern Psychologie und Empirie der Kontaktablehnung Dipl.-Psych. Dr. Jörg Fichtner Vortrag für den Fachkongress Umgang mit dem Kind, wenn es den Kontakt nicht wünscht am in Wannsee Lebensformen von Kindern bis 18 Jahre (vgl. Destatis 2012) Lebensformen: Kindern bis 18 Ehen Lebensgemeinschaften Alleinerziehende Alleinerziehende Männer Frauen Scheidungen und betr. Kinder seit 198 (vgl. Destatis 2012) % 1% % % 87% Scheidungen betroffene Kinder Elternschaft 18 Mo nach der Trennung (z.b. Sbarra & Emery 200) 9 20 Konflikthaft Kooperativ Parallel Häufigkeit von Umgangsproblemen % 90% 80% 70% 60% 0% 0% 0% Nicheheliche Elternschaft Ehen länger > ganzes Jahr > halbes Jahr kein Verfahren 7 % aller betroffener Trennungskinder gut Kinder/Jahr Über Jahre kummuliert 20% 1 10% 0% familiäre Trennungen Umgangsverfahren 1

2 Umgangsregelung und Konfliktniveau (Schneider & Matthias-Bleck 200) Hohes Konfliktniveau Kontaktabbruch nach Trennung Kontakte zum Vater werden nach Elterntrennung im Zeitverlauf immer seltener und weniger intensiv Ca. 1/ der Kinder in USA verlieren Kontakte zum Vater Schätzungen zum Kontaktabbruch in BRD: bis zu 0 % (vgl. Gödde & Fthenakis 2008) Niedriges Konfliktniveau Konfliktniveau während Trennung gerichtlich problemlos nie Kontakt gerichtlich mit Kontaktabbruch Konfliktniveau nach Trennug 7 In BRD 2 Jahre nach Trennung rund 20% Kontaktabbruch, meiste Kinder sehen 1-täglich, Jugendliche monatlich Kontaktabbrüche zwischen leiblichen Eltern und fremduntergebrachten Kindern regional sehr unterschiedlich, Quoten von 20 bis 0% (vgl. Friedrich, Reinhold und Kindler 2011) Umgang bei Zufallsstichprobe (Schneider & Matthias-Bleck 200) 1% % 17% gerichtlich problemlos nie Kontakt gerichtlich mit Kontaktabbruch Themen 1. Eltern und Kinder nach der Trennung 2. Der Sinn von Umgangskontakten. Umgangsverweigerung. Maßnahmen 67% 16% der Kinder haben gar keinen Umgang 2% keinen regelmäßigen Umgang 9 Zweck von Umgangskontakten 1) Allgemein (z.b. BGH 2008) Sich vom Wohlergehen des Kindes zu überzeugen Entfremdung verhindern Verwandtschaftliche Beziehung pflegen Gegenseitigen Liebesbedürfnissen gerecht werden Elterliche Einschätzung der Kinder (Daten aus DJI-Studie) 70% 60% 0% bei sich/umgang bei sich/probleme bei and./umgang bei and./probeleme 2) Spezifisch für s Kind (vgl. Walter 200) Bindungs- und Beziehungserhalt Erhalt eines realistischen Elternbildes Erleben verschiedener Geschlechterrollen Schutz vor Ausfall des Sorgeinhabers Wissen um die eigene Herkunft 0% 0% 20% 10% 0% Internalis Störung Externalis Störung Overall Syndrome 2

3 Forschungsüberblick zum Umgang (Friedrich, Reinhold & Kindler 2011) 1) Ist Umgang immer gut? große methodische Probleme, dies zu erfassen im Durchschnitt allenfalls geringe, positive Auswirkungen guter Kontakt und verantwortliche Erziehungshaltung (+) fortbestehende Konflikte (-) Väter-Engagement und Kindeswohl (Amato & Gilbreth 1999) 2) Kann Umgang schädlich sein? bei Pflegekindern: Ergebnisse eher gegen positiven Einfluss bei Gewalt: Abschätzung weiterer Aspekte (u.a. Gewaltrisiko) notwendig bei Kontaktverweigerung: komplexe Einflüsse beachten Effekte in unterschiedlichen Studien (Meta-Analyse) 1 Dimensionen väterlicher Kompetenz (vgl. Gödde & Fthenakis 2008) Regelmäßige Unterhaltungszahlung gehen einher mit positiver Entwicklung der Kinder (und auch mit häufigeren Umgangskontakten) Autoritativer Erziehungsstil der Väter (liebevolles Grenzensetzen) und aktive Elternschaft (Alltagsbeteiligung) stärkt Kinder Emotionale Qualität auch wichtig, aber weniger bedeutsam Fazit zu Umgangskontakten (vgl. Gödde & Fthenakis 2008) Rolle des getrennten Elternteil wichtig, aber weitaus weniger wichtig als des betreuenden Nicht Häufigkeit des Kontaktes, sondern Qualität entscheidend US-Experten bewerten 2% der Familien so, dass Kontakte nicht wünschenswert sind, weil hohe Konflikte (10%) mangelnde Kompetenzen (1%) Konsequenz: erzieherische Kompetenzen stärken und Konfliktniveau verringern Stress- Bewältigungsperspektive (nach Amato 2000) Umgang und Selbstwert (Walper und Gerhard 200) Elterliche Konflikte und Spannungen Verringerter Kontakt zum anderen Elternteile Emotionale Belastungen Problemverhalten,,, Wirtschaftliche Probleme Gesundheitseinbußen Verringerte elterliche Erziehungsqualität Weitere Anpassungsleistungen durch weitere Veränderungen Interpretation der Trennung Persönliche und externe Ressourcen (Entwicklungsstand, Hilfen, Milieu) Einbußen der Leistungsfähigkeit Entlastungen / neue Rollen, Kompetenzen,,,2,2 wenig Koalitionsdruck viel Koalittionsdruck selten Nach Walper & Gerhard 200 häufig

4 Wirkung von Elternkonflikten (nach Sturge-Apple et al. 2008) M Feindseligkeit zw. Eltern M Schulanpassung des Kindes Themen 1. Eltern und Kinder nach der Trennung 2. Der Sinn von Umgangskontakten. Umgangsverweigerung. Maßnahmen Rückzug der Eltern in Interaktionen V V Jahr 1 Jahr 2 Jahr Vorwürfe bei Kontaktabbruch (Daten aus DJI-Studie) ist psychisch krank hat eine Suchterkrankung Wohnung ist verwahrlost vernachlässigt das Kind entführt ggf. das Kind hat keine Erziehungskompetenz beeinflusst das Kind gegen mich ist gewalttätig gegenüber Kind ist gewalttätig gegenüber mir hat ein Näherungsverbot begeht ggf. sexuelle Übergriffe auf Kind begeht sexuelle Übergriffe geg. Dritten beutet das Kind finanziell aus Abbruch / betreuender Abbruch / getrennter Kontakt / betreuender Kontakt / getrennter 0% 10% 20% 0% 0% 0% 60% 70% 80% 90% 100% Gardners Definition von PAS Parental Alienation Syndrome Syndrom der Elternentfremdung: Störung, die vor allem in Zusammenhang mit Sorgerechtsstreitigkeiten auftritt. äußert sich hauptsächlich in einer Verunglimpfungskampagne des Kindes gegenüber einem Elternteil, ein Feldzug, der nicht gerechtfertigt ist. resultiert aus dem Zusammenwirken von Indoktrination durch einen programmierenden (eine Gehirnwäsche betreibenden) Elternteil und dem eigenen Beitrag des Kindes zur Schmähung des anderen Elternteils. Kritik am PAS Einseitige Zuweisung von Opfer- / Täterrollen Polemische Terminologie, Parteilichkeit Verhindert interne Lösungen Überzogener Anspruch als medizinische Diagnose ohne verwertbare Forschung Übergeht Entstehungsgründe bei Kind Unterläuft Kindeswillen Gründe des subjektiven Kindeswillens (nach Johnston 2007) Gleich gute Beziehung zu beiden Kind will Kontakt mit beiden Nähe zu einem Kind bevorzugt einen (Ambivalenz) Allianz mit einem Begründete Distanzierung Kind weist einen zurück (keine Ambivalenz) Pathologische Entfremdung

5 Konfliktverschärfen Konfliktreduzierend Konfliktverschärfend Konfliktreduzierend Gründe für Kontaktablehnung (vgl. Behrend 2009) Alter und Konfliktreaktion (vgl. Barris et al. 2001) Konfliktvermeidung Ableh nung Beziehungs -probleme (Erziehungsfähigkeit Kränkung) Beeinflussung (aktiv passiv) Kindergarten Grundschule (Prä-)Pubertät Adoleszenz Situationsbedingtes Urteil, oft wenig stabil Versuch, dem anwesenden Elternteil gerecht zu werden Moralisch idealistisch: Parteinahme und Ablehnung Eigenständige Bewertung: Kontaktabbruch - Aufenthaltswechsel Themen 1. Eltern und Kinder nach der Trennung 2. Der Sinn von Umgangskontakten. Umgangsverweigerung. Maßnahmen Elternbewertung Gericht (DJI-Studie) regelmäßiger Kontakt sporadischer/kein Kontakt Elternbewertung Beratung (DJI-Studie) Wirkungen von begleitetem Umgang (Fichtner 2008) 0, 0, regelmäßiger Kontakt sporadischer/kein Kontakt 0,2 0,1 0-0,1 aktives, offenes Einlassen Kind reagibles, offenes Einlassen umber. ET rollenspezifische Erziehungskompetenz situationsspezifische Elternkompetenz -0,2-0, -0, Beginn erster Ende erster Letzter bu

6 Kinderbelastung bei gerichtl. Anhörung (Karle et al. 2009),, 2, 2 1, 1 Alle HC-Eltern NHC-Eltern Chance Umgangsherstellung (IFP-Studie) günstig ungünstig Bis zu 7 Jahre alt 8 Jahre und älter Abbruch wenig als halbes Jahr Abbruch über ein Jahr Ambivalente Haltung Fest ablehnend Keine Verhaltensauffälligkeiten Verhaltensauffälligkeiten Keine Traumatisierungen Traumatisierende Erfahrung Gute Kompetenz Umgangsberechtigter Eingeschränkte Kompetenzen Verbale Bereitschaft des Betreuenden Deutlich ablehnend und regelverletzend Höchstens kurzer gerichtlicher Streit Langwieriger Rechtsstreit Wenige psychosoziale Interventionen Viele gescheiterte Versuche ½ E im Umgang mit Umgangsverweigerung Elterneinzelgespräche Motivation / Konfliktreduktion / Reflexion Einbezug der Kinder Wille / Belastungen / Unterstützungsbedarf Erziehungskompetenz stärken Psychoedukative Gruppen- oder Einzelangebote Exit-Strategie Umgangsboykott & Kindeswohl (BVerfG, 1 BvR 116/11 vom ) Beeinträchtigung der Bindungsbereitschaft Verfestigung des negativen Vaterbildes Gefahr einer Selbstwertproblematik Gefahr misslingender Persönlichkeits- und Autonomieentwicklung Gefahr einer kindlichen Abhängigkeitsbeziehung zur Mutter zukünftigen Belastung der Beziehung zur Mutter Ausmaß eventuell eintretender Schäden nicht näher festgestellt Die in Anlehnung an das Sachverständigengutachten beschriebene, zu erwartende Entwicklung der Kinder ist zweifelsfrei nicht das, was einem Kind zu wünschen ist. Dass die Kinder damit im rechtlichen Sinne besonders gravierende Entwicklungseinbußen zu gegenwärtigen hätten, erschließt sich indes nicht Gefährdung durch Umgangsboykott? (vgl. Kindler ZKJ i. Dr.) Elternkonflikt allein bei sonst guter Anpassung der Kinder ist erhebliche Belastung, nicht Gefährdung Wenn bei Kind oder Geschwister schon deutliche Schädigungen, im Einzelfall Schwelle der Kindeswohlgefährdung überschritten Vaterkontakt und Identitätsentwicklung (Walper & Wendt 2011),, 2, Nie Kontakt, keine Erinnerung Kontaktabbruch Trennungskinder mit Kontakt Kinder aus Kernfamilien 2 Wenn Elternkonflikt mit anderen Einschränkungen der Erziehungsfähigkeit verbunden (z.b. Partnerschaftsgewalt) in der Summe Gefährdung 1, 1 0, 0 Allgemeiner Selbstwert Schulisches Selbstkonzept Depressivität Idealisierung Vater Identifikation Vater 6

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