Mobile Arbeit & Work-Life-Balance

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1 Mobile Arbeit & Work-Life-Balance Fallstudie zur Herausforderung mobiler Arbeit in wissensintensiven Dienstleistungsunternehmen Gerlinde Vogl Universität Oldenburg Freiburg 28./29. September 2011 gefördert vom

2 Inhalt 1.Von der Telearbeit zur mobilen Arbeit 2.Mobile Arbeit & Work-Life-Balance? 3.Mobile Arbeit im Lanceo-Projektbetrieb IngenieurConsult 4.Fazit Folie 2

3 Mobile Arbeit: mehr oder weniger Mobilität? Zwei (scheinbar) widersprüchliche Thesen: I+K-Technologien reduzieren physischen Mobilitätsbedarf in einer globalisierten Ökonomie (Videokonferenzen, Skype usw.) Globalisierung erhöht den physischen Mobilitätsbedarf (weltweite Produktionsnetzwerke, Offshoring, global sourcing, usw.) Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. (Marx/Engels 1848: 465f.) Folie 3

4 Von der Telearbeit zur mobilen Arbeit Telearbeit Mobile Arbeit Home Office zumeist organisiert als alternierende Telearbeit Mobile Arbeit(sinhalte) immobile Beschäftigte In Betrieben meist durch Betriebsvereinbarungen geregelt Definition: wenn mind. 10 Stunden pro Woche außerhalb der Betriebsstätte gearbeitet und online-datenübertragung benutzt wird. Folge: Mobile Arbeit heißt Reisen Mobile Arbeit setzt neue Formen der Leistungssteuerung voraus Bislang kaum in Betriebsvereinbarungen geregelt Folie 4

5 Mobile Arbeit wird zur Selbstverständlichkeit Jeder fünfte Erwerbstätige ist derzeit aus beruflichen Gründen mobil. (Ruppenthal/Lück 2009) in deutschen Unternehmen wird 2011 mehr gereist werden als im Rekordjahr ( Es kommt zu einer Normalisierung, Rationalisierung sowie Verdichtung betrieblich veranlasster Mobilität. Folie 5

6 Mobile Arbeit: Bereicherung und Belastung Bereicherung durch Zuwachs an Kompetenz durch erweiterte Entscheidungs- bzw. Handlungsspielräume durch flexible Zeiteinteilung durch Entzug direkter Kontrolle Belastung durch lange Arbeits- und Reisezeiten durch Planungsunsicherheit durch ständige Erreichbarkeit durch erzwungene Untätigkeit Folie 6

7 Mobile Arbeit und WLB: Thesen 1. Mobile Arbeit ist nicht die Lösung für die WLB sondern es entstehen auch neue Belastungen 2. Mobile Arbeit wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit und verliert damit auch den Hauch des Besonderen 3. Unternehmen setzen Mobilitätsbereitschaft ungefragt voraus 4. Mobile Arbeit dehnt sich auf immer mehr Berufe und Branchen aus 5. Mobile Arbeit verschärft Entgrenzung von Arbeit und Leben Folie 7

8 Mobile Arbeit und Work Life Balance Empirische Befunde aus dem Projektbetrieb IngenieurConsult Folie 8

9 Zum Unternehmen Ausgangsproblem: Mobile Arbeit, bzw. Arbeit beim Kunden als Problem für Work-Life-Balance International arbeitendes Beratungsunternehmen Dienstleister für Pharma- und Medizinindustrie Insgesamt 16 Beschäftigte Fallstudie 12 Interviews mit Projektmitarbeitern, Projektleiter und Vertrieb, Geschäftsführer, Kfm. Leitung 2 Denkwerkstätten Folie 9

10 Work-Life-Balance Folie 10

11 Typen mobilen Arbeitens Typen / Ausprägungen Passt genau Passt gar nicht Hohe Reisetätigkeit Selbst gewählt Notwendigkeit Soziale Kontakte Gewinn Verlust Private Beziehungen Klares Arrangement Durchwursteln Gestaltungsmöglichkeit Hoch Gering Finanzielles Finanzieller Ausgleich Zusatzkosten Tätigkeit vor Ort Zugewinn an Erfahrung Zugewinn an Erfahrung Mobilitätsmanagement Hohe Anforderungen Hohe Anforderungen Folie 11

12 Maßnahmen des Unternehmens seit Lanceo Sensibilisierung für mobile Arbeit und WLB Einräumung individueller Gestaltungsmöglichkeiten Unterstützungleistungen bei doppeltem Wohnsitz Folie 12

13 Mobile Arbeit - nicht nur ein Problem der Beschäftigten. Sondern auch des Unternehmens: Hochspezialisiertes Wissen, Erfahrungswissen wichtig Interesse des Unternehmens an langfristiger Bindung der Mitarbeiter Alternativen zu mobiler Arbeit schwierig (nur ein Projektmitarbeiter arbeitet im Innendienst) Individuelle Gestaltung keine generellen Lösungen Zentrale Fragestellung/Problematik: wie lässt sich in einem Kleinbetrieb das Problem mobile Arbeit lösen? Möglichkeit vom Außen- zum Innendienst fällt weg Innovative Lösungen notwendig Folie 13

14 Fazit: Mobile Arbeit - autonome Arbeit? Mobile Arbeit wird oft gleichgesetzt mit einer hohen Autonomie in der Arbeit und selbstbestimmtem Arbeiten. Keine direkte Kontrolle Selbstverantwortlichkeit Höhere Handlungs- und Entscheidungsspielräume Höhere Handlungsautonomie (job control) heißt nicht unbedingt eine höhere Verhandlungsautonomie (workers control) (Moldaschl 2002). Handlungsautonomie bezieht sich auf die Selbstbestimmung in der Arbeit Verhandlungsautonomie auf den Einfluss auf die Kontextbedingungen der Arbeit d.h. auf die Kontrolle über Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen. (z.b. Lohnund Leistungsrelationen, subjektiv wahrgenommene Zeitsouveränität, Arbeit und Leben) Damit werden die Leistungsbedingungen, unter denen mobile Arbeit erbracht wird, zum politischen Aushandlungsprozess. Folie 14

15 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Kontakt: Dr. Gerlinde Vogl Carl von Ossietzky Universität Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik Professur für Organisation und Personal Folie 15

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