Komplikationsmanagement im Herzkatheterlabor
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- Nelly Goldschmidt
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3 Komplikationsmanagement im Herzkatheterlabor
4 Erhard Kaiser (Hrsg.) Komplikations- management im Herzkatheterlabor Mit 76 Abbildungen 123
5 Herausgeber Dr. med. Erhard Kaiser, FESC, FSCAI Frankfurt am Main ISBN DOI / ISBN (ebook) Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über abrufbar. Springer Medizin Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013 Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses Werkes oder von Teilen dieses Werkes ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland vom 9. September 1965 in der jeweils geltenden Fassung zu lässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechtsgesetzes. Produkthaftung: Für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann vom Verlag keine Gewähr übernommen werden. Derartige Angaben müssen vom jeweiligen Anwender im Einzelfall anhand anderer Literaturstellen auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutzgesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen. Planung: Hinrich Küster, Heidelberg Projektmanagement: Kerstin Barton, Heidelberg Lektorat: Anne Borgböhmer, Essen Projektkoordination: Eva Schoeler, Heidelberg Umschlaggestaltung: deblik Berlin Fotonachweis Umschlag: photos.com mit Grafiken von: Nataša Kaiser, grafik.design.illustration, Frankfurt am Main Satz und Reproduktion der Abbildungen: Fotosatz-Service Köhler GmbH Reinhold Schöberl, Würzburg Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier Springer Medizin ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media
6 Für meine Familie
7 Geleitwort Der diagnostische Herzkatheter, aber auch die interventionellen Kathetertechniken haben heute eine hohe Erfolgsrate und eine nur geringe Komplikationsrate. Für den diagnostischen Herzkatheter liegt diese bei 0,9 % und für den interventionellen Katheter bei 2 % entsprechend der letzten Statistik der BQS für Nordrhein-Westfalen. Eine Herzkatheteruntersuchung wird also üblicherweise bei stabilen Patienten unkompliziert und rasch durchgeführt. Die Güte eines Operateurs zeigt sich aber erst, wenn unerwartet oder selbstinduziert Komplikationen auftreten. Die Exzellenz, auch des gesamten Katheterteams, spiegelt sich dann im Management solcher Situa tionen wieder. Herr E. Kaiser, Frankfurt, und andere Koautoren haben sich daher vorgenommen, das Komplikationsmanagement im Herzkatheterlabor im Detail zu beschreiben und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Prävention einer Komplikation beginnt natürlich schon bei der Patientenvorbereitung und dies beinhaltet auch eine entsprechend detaillierte Anamnese und Aufklärung. Besonders in diesem Bereich finden sich immer wieder Probleme, wenn Verfahren vor Gericht enden. Im Herzkatheterlabor unterscheiden die Autoren punktionsbezogene Komplikationen von den Komplika tionen, die durch eine Katheterplatzierung hervorgerufen werden. Natürlich nehmen Komplikationen bei koronaren Interventionen einen breiten Raum ein. Die Komplika tionen durch die Koronardrahtplatzierung, den Ballon katheter und die Stentimplantation werden differenziert betrachtet. Von besonderer Bedeutung und besonders schwierig zu behandeln sind thromboembolische Komplikationen, die ebenfalls im Folgenden thematisiert werden. Kontrastmittelinduzierte Probleme sind ein weiteres großes Thema, wie auch das Atemwegsmanagement bis hin zur kardiopulmonalen Reanimation. Besonders hervorzuheben ist auch das Schlusskapitel zum Fehlermanagement mit Anleihen, die aus der Luftfahrt genommen wurden und sicherlich ein Highlight in diesem Buch darstellen. Zum Schluss werden Ausbildungs- und Weiterbildungssituationen in der interventionellen Kardiologie in Deutschland vorgestellt und die Nachsorge besprochen. Das Buch von E. Kaiser schließt eine Lücke im deutschen Sprachraum, da eine zusammenfassende Abhandlung zum Komplikationsmanagement bisher fehlte. Die in diesem Buch eingeflossenen Erfahrungen einer interven tionellen Tätigkeit von 15 Jahren und die eigenen Leistungen in der Ausund Weiterbildung im CCB, aber auch in den Gremien der ESC und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, haben die Abfassung dieses Buches stark durchdrungen. Ich wünsche diesem Buch viel Erfolg und freue mich, dass endlich ein zusammenfassendes Werk zu diesem wichtigen Thema erscheint. Univ.-Prof. Dr. med. R. Erbel Direktor der Klinik für Kardiologie Westdeutsches Herzzentrum Essen Essen, im November 2012
8 VII Geleitwort Health care has transformed society with dramatic improvements in the prevention and treatment of all dis orders. However, in key reports including»to Err is Human: Building a Safer health System«and»Crossing the Quality Chasm: A New Health Care System for the 21st Century«the Institute of Medicine has laid out the challenges of optimizing the medical care system and the importance of addressing the fundamental truth that human performance significantly accounts for both the success and failure in caring for patients. This book is important because it presents not only what can go wrong during procedures, i.e. the long list of potential complications, but also addresses the human performance and system issues that must be understood to prevent, recognize, and effectively manage complications. This approach is a major departure from prior textbooks and reviews that have addressed complications. A wide range of information has been published on the various complications and management strategies, however, the present knowledge is not enough to produce change. Drawing on lessons from the aviation industry the ability to create true and sustained change requires medicine to first perform an analysis of how things can suddenly go badly in the cardiac catheterization laboratory. This textbook does not exist alone but is linked to the practical and interactive training courses developed by Dr. Kaiser. These courses highlight the human performance issues of not only individuals but also teams. Using many innovative training methods and technologies, his courses have established a unique and effective approach to improving human performance in health care. The use of simulation has been a major part of this shift in training paradigm. Interventional cardiology has always been a field founded on solid scientific studies that have allowed us to understand what is the right treatment for the right patient. It has an extensive literature allowing us to classify the evidence, determine appropriateness, and to provide clinical guidelines in the management of patients with coronary, vascular, and structural heart disease. This book takes the interventional field into a new domain of improving how we deliver the care dictated by best practices. No matter how strong and persuasive the clinical trial data are to support the need for a procedure, the safe and effective performance of the procedure is a completely separate process. Dr. Kaiser and the authors of chapters in this book focus us on understanding complications in a way that will lead to safer and more effective procedures. John D. Carroll, MD Professor of Medicine University of Colorado Denver Director, Interventional Cardiology Medical Director, Cardiac and Vascular Center University of Colorado Hospital
9 IX Vorwort Der interventionellen Therapie im Herzkatheterlabor kommt heute eine zentrale Bedeutung in der Behandlung von vielfältigen kardiovaskulären Erkrankungen zu. Prozeduren, die vor Jahren noch undenkbar gewesen wären, wie der perkutane Aortenklappenersatz, aber auch komplexe Koronarinterventionen, werden heute in hoher Zahl und mit gutem Behandlungserfolg weltweit durchgeführt. Unser großer Dank innerhalb der kardiologischen Gemeinschaft gilt daher heute immer noch den Wegbereitern der interventionellen Kardiologie (Andreas Grüntzig und Werner Forssmann seien hier nur stellvertretend genannt), die mit ihrem Pioniergeist und Geschick die ersten Schritte gemacht haben, von denen wir heute noch profitieren. Seit wir das Zeitalter der reinen Diagnostik lang hinter uns gelassen haben (Entdeckung der Röntgenstrahlung, Entwicklung von Röntgenkontrastmitteln und erste Angio graphien), leben und erleben wir tagtäglich das Zeitalter der interventionellen Therapie in vielfältiger Weise. Doch schon seit nunmehr 10 Jahren rückt in der interventionellen Kardiologie mehr und mehr, und dies völlig zurecht, die Patientensicherheit in den Fokus des Interesses und fordert uns heute mehr denn je zum Umdenken auf. Insbesondere die junge Generation von interventionellen Kardiologen ist heute gefordert, eine Fehlerkultur in ihren kardiologischen Abteilungen zu etablieren, was vielerorts noch schwierig erscheint. Dieses Buch soll zu einem Stimmungswandel in den entsprechenden Abteilungen beitragen. Ich bin stolz und froh, für dieses Buch Koautoren gefunden zu haben, die allesamt diese junge und neue Generation von interventionellen Kardiologen repräsentieren, die sich voll und ganz der Patientensicherheit verschrieben haben und neben ihrer täglichen interventionellen Tätigkeit auch mit großem persönlichen Engagement um die kardiologische Ausbildung und Weiterbildung sowie die Patientensicherheit verdient gemacht haben. Ihnen allen darf auch wieder derselbe Pioniergeist attestiert werden, denn mit innovativen Ausbildungskonzepten, nämlich dem simulatorgestützten Unterrichten, schaffen wir es heute, ein Komplikationsmanagement zu betreiben, wie es auch vormals nicht denkbar gewesen wäre und der Realität heute kaum mehr nachsteht. Mein Wunsch ist es, mit diesem Buch dazu beizu tragen, einen konstruktiven Umgang mit Fehlern und Komplikationen in der interventionellen Kardiologie zu er reichen. Möge dieses Buch zu einem festen thematischen Bestandteil der interventionellen Ausbildung werden und sich im Wesen der aktuellen, aber auch aller kommenden Kardiologengenerationen verankern. Dr. med. Erhard Kaiser, FESC, FSCAI Frankfurt am Main, im November 2012
10 Inhaltsverzeichnis I Vor dem Herzkatheterlabor 1 Untersuchungs- und Behandlungsplanung Torsten Konrad, Erhard Kaiser, Tonja Gaibler, Christina Berchtold 1.1 Patientenvorbereitung Einleitung Standards bei der Durchführung diagnostischer Koronar angiographien und elektiver Koronarinterventionen Standards bei der Durchführung von Notfalleingriffen Auswahl und Vorbereitung des Zugangsweges Untersuchung unter Antikoagulation Anwendung von Checklisten im Herzkatheterlabor Juristische Aspekte bei der Patientenaufklärung Einleitung Inhalte der Aufklärung Risikoaufklärung Eingriffsspezifische, typische Risiken Risiko Medikamentenaufklärung Behandlungsalternativen Medizinisches»Neuland« Zeitpunkt der Aufklärung Notfallaufklärung Formale Kriterien der Aufklärung Telefonische Aufklärung zulässig? Sicherungsaufklärung oder therapeutische Aufklärung Fazit Literatur II Im Herzkatheterlabor 2 Prozedurale Komplikationen Erhard Kaiser, Michael Markant, Ralf Birkemeyer, Thomas Twisselmann 2.1 Punktionsstellenbezogene Komplikationen Femoraler Zugang Radialer Zugang Aortale Komplikationen Epidemiologie Komplikationen im Bereich der infrarenalen Aorta Komplikationen im Bereich der Landungszone/Aorta ascendens Kinking der Aorta Aortenaneurysmata Komplikationen bei der Katheterplatzierung Medizingeschichte Dissektionen Arrhythmien und Hypotonie Perforationen und Tamponade Auswahl des Führungskatheters
11 Inhaltsverzeichnis XI 2.4 Komplikationen bei der Koronar drahtplatzierung Eigenschaften von Koronardrähten Koronarperforation durch den Koronardraht Koronardissektion durch den Koronardraht Drahtruptur im Herzkranzgefäß Komplikationen bei der Ballondilatation Einleitung Alleinige Ballonangioplastie, POBA Erfolgsrate der Ballonangioplastie Dissektionen nach Ballonangioplastie Restenosen nach Ballonangioplastie Gefäßverschlüsse nach Ballonangioplastie Koronarperforation nach Ballonangioplastie Notwendigkeit einer Bypassoperation nach Ballonangioplastie Dilatation ostialer Stenosen und Bifurkationsstenosen Dilatation langer Stenosen Dilatation von Bypassstenosen Komplikationen bei der Stentimplantation Stentverlust Der nicht dilatierbare Stent Gefäßruptur bei Stentimplantation Randdissektion Verschluss von Seitästen Distale Embolisation und No Reflow Stentthrombose Thromboembolische Komplikationen und Thrombusmanagement Pathophysiologie Prognose Pharmakologische Therapie thrombembolischer Komplikationen Manuelle Thrombusaspiration Mechanische Thrombusaspiration Distale Protektion Literatur Periprozedurale Komplikationen Erhard Kaiser, Jan Pollmann, Martin Müller 3.1 Kontrastmittelallergie Klinisches Erscheinungsbild Prophylaxe von Kontrastmittel zwischenfällen Management der schweren Kontrastmittelreaktion Untersuchung bei latenter und manifester Hyperthyreose Kontrastmittelinduzierte Nephropathie Definition und Inzidenz Pathogenese Prophylaxe und Therapie Hämodynamische Instabilität und Kreislaufmanagement Monitoring im Herzkatheterlabor Bradykarde Herzrhythmusstörungen Tachykarde Herzrhythmusstörungen Kardiogener Schock Ursachen und Therapie Zusammenfassung Atemwegsmanagement im Herzkatheterlabor Einführung
12 XII Inhaltsverzeichnis Endotracheale Intubation Supraglottische Atemwegshilfe, Larynxtubus Sedierungsverfahren im Herzkatheterlabor Kardiopulmonale Reanimation im Herzkatheterlabor Allgemeine Anmerkungen und Strategie der CPR im Herzkatheterlabor Defibrillationsstrategie im Herzkatheterlabor Apparative Ausstattung Personelle Ausstattung Typische Auslöser von Reanimationssituationen im Herzkatheterlabor Literatur Weiterführende Links Fehlermanagement Kai-Uwe R. Strelow, Erhard Kaiser 4.1 Was können wir aus der Luftfahrt lernen? Einleitung Entstehungsgeschichte des Human-Factors-Trainings Die fünf Evolutionsstufen des Crew Resource Managements Rechtliche Grundlagen und Richtlinien für das CRM-Training Umfang und Inhalte von Human-Factors-Schulungen Die Bewertung von Verhaltens leistungen in der Luftfahrt Übertragbarkeit von Human-Factors-Konzepten der Luftfahrt in die Medizin Crisis-Resource-Management-Seminare (CRM) CRM in der medizinischen Aus-, Fort- und Weiterbildung Die Bedeutung der Simulation für das CRM in der Medizin Die Bewertung von Verhaltens leistungen im Rahmen des Crisis Resource Managements Fehlerkultur versus Blamierkultur Einflüsse auf die Implementierung von CRM aus der Sicht der Luftfahrt Routinesituation versus Zwischenfall Team und Schnittstellen Die Luftfahrt ein perfektes Beispiel für CRM? Literatur Weiterführende Links Fehlermanagement in der interventionellen Kardiologie Erhard Kaiser 5.1 Ausbildungs- und Weiterbildungssituation in der interventionellen Kardiologie Optimierung des prozeduralen und periprozeduralen Komplikationsmanagements im Herzkatheterlabor Technical-Skills-Training Non-Technical-Skills-Training, Notfallmanagement Ausblick Literatur Weiterführende Links
13 Inhaltsverzeichnis XIII III Nach dem Herzkatheterlabor 6 Patientennachsorge T. Konrad, E.Kaiser 6.1 Entfernen der intraarteriellen Schleuse und Verschluss/Abdrücken der Punktionsstelle Zugang über die Leiste, Punktion der A. femoralis communis Zugang über den Arm, Punktion der A. radialis Monitoring nach Koronarangiographie und Koronarintervention Ambulante Nachkontrollen nach Herzkatheteruntersuchungen Fazit Serviceteil Stichwortverzeichnis
14 Danksagung Ich möchte mich ausdrücklich bei allen Unterstützern und helfenden Händen und Köpfen bedanken, die dieses Buch erst möglich gemacht haben. Mein besonderer Dank gilt Frau Kerstin Barton und Herrn Hinrich Küster vom Springer Verlag für ihre Betreuung, Herrn Prof. Rainer Schräder und Frau Borgböhmer für das Lektorat und Frau Claudia Trunk für die Hilfe beim Arbeiten mit den Texten. Vor allem aber danke ich meiner Frau Nataša und meiner Tochter Carla Anja, die mir die Kraft und Ruhe für meine Arbeit geben.
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