Behandlungsstandard: Dekubitus
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- Paulina Krüger
- vor 8 Jahren
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1 Behandlungsstandard: WZ-BS-004 V05 gültig bis: Seite 1 von 5 Ziele Koordiniertes Vorgehen aller an der Behandlung beteiligten Personen Einheitliches Vorgehen bei Diagnostik, Therapie und Wundbehandlung Druckverteilung und -entlastung Vermeiden von Komplikationen Förderung des Wundheilungsprozesses und der Lebensqualität Definition / Ursache Ein ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunter liegenden Gewebes, in der Regel über knöchernen Vorsprüngen infolge von Druck oder von Druck in Kombination mit Scherkräften. Es gibt eine Reihe weiterer Faktoren, welche tatsächlich oder mutmaßlich mit assoziiert sind; deren Bedeutung ist aber noch zu klären. (Definition lt. NPUAP/EPUAP/PPPIA 2014) Durch zu lange und/oder zu starke Einwirkung von Druck- und Scherkräften entsteht eine Minderversorgung des Gewebes (Hypoxie) mit nachfolgendem Zelluntergang oder eine direkte Zellwandschädigung und eine damit einhergehende Schädigung der Haut sowie der darunter liegenden Gewebsstrukturen. Diese Schädigung entsteht vor allem über Knochenvorsprüngen. Es handelt sich um eine Sekundärerkrankung, die in Folge von Immobilität und/oder Sensibilitätsstörung bei gleichzeitig vorliegenden prädisponierenden Faktoren entsteht, siehe Checkliste (CL 004). Der beginnt meist in den unteren Gewebsschichten und wird erst später an der Oberfläche als Spitze des Eisbergs sichtbar. Diagnostik (siehe Checkliste (CL 004) ) Anamnese/Fremdanamnese Systematische Risikoeinschätzung (basiert auf der Risikobewertung, einen zu entwickeln), anhand von drei Prinzipien: o Aktivität: Fähigkeit des Patienten, sich von Ort zu Ort zu bewegen o o Mobilität: Fähigkeit, den Körper an einem Ort, z. B. auf Stuhl/im Bett, zu bewegen Externe Risikofaktoren: z. B. transurethraler Blasenverweilkatheter, Sonden, Schienen, Verbände können zudem druckauslösend sein Wenn risiko vorhanden: o Klinische Faktoren: Demenz, Depression, Durchblutungsstörungen (arteriell), Schmerzen, Diabetes mellitus (Neuropathie) o Hautinspektion: Beobachtung (Farbe, Risse, Schädigungen), Abtasten (weicher, härter oder wärmer, Schmerzen), Fingertest bei Rötung o Ergebnis: Wo besteht gefahr (z. B. Fersen bei Neuropathie oder pavk), Wann ist gefahr am größten (z. B. nachts) Inspektion (Knochenvorsprünge, z. B. Kreuzbein, Ferse, Hinterhaupt); Cave: ein entsteht nicht am Steißbein! Cave: Klare Abgrenzung zu Feuchtigkeitsläsionen/Inkontinenz assoziierte Dermatitis, siehe Behandlungsstandard (BS 012) Inkontinenz Assoziierte Dermatitis (IAD) Technische Untersuchung: Sensibilitätsausfälle Ggf. Abstrich/Probeexcision (PE), ggf. Blutanalyse zum Ausschluss einer systemischen Infektion, ggf. Histologie von Knochen (Osteomyelitis) Ggf. apparative Diagnostik, z. B. Nativbild-Röntgen der betroffenen Körperregion zum Ausschluss von Osteolysen Ggf. Fisteldarstellung Erstellt/Revidiert: Standardgruppe WZHH Überprüft: Leiter der Standardgruppe Freigegeben: 1. Vorsitzender WZHH Datum: Datum: Datum:
2 Therapie Druckverteilung und -entlastung Durch Bewegungsförderung und Lagewechsel bzw. Umpositionieren in individuell angepassten Zeitintervallen, ggf. unterstützt durch geeignete druckverteilende Hilfsmittel, wie Kissen, Spezialmatratzen (Weichlagerungssysteme, Wechseldruck-, Mikrostimulationssysteme, viskoelastischer Schaumstoff); entsprechend dem Körpergewicht und den Pflegezielen Cave: Sitzen ist keine Mobilisierung! Der Druck ist im Sitzen erheblich höher als im Liegen und führt zu massiven Scherkräften im Kreuzbeinbereich. Débridement Mechanische oder bei Bedarf chirurgische Reinigung; ggf. in Narkose für suffiziente Blutstillung und kompromisslose Nekrosenabtragung, ggf. Abtragung der Knochenvorsprünge (siehe Verfahrensstandard (VS 018) Standardvorgehensweisen zur Wundreinigung ) Konservative Wundbehandlung mit dem Ziel einer sauberen granulierenden Wunde Ggf. lokale Unterdrucktherapie Individuell phasen- und stadiengerecht angepasste Wundversorgung Bei Bedarf Hautschutz und -pflege Kontinenzunterstützende Maßnahmen, z. B. Analtampons, Fäkalkollektoren, Urinalkondome Optimierung des Allgemeinzustandes (AZ) Eliminierung der Risiken, z. B. Cardio-pulmonale Beeinträchtigung, Immunsuppression durch Infektsituation, Ernährungszustand optimieren (ggf. Substitution von z. B. Eiweiß, Eisen), Hämoglobinoptimierung, Blutzucker einstellen Chirurgie Individualisiert angepasst an die Bedürfnisse des Patienten (z. B. fasciocutane Perforatorlappenplastiken, myocutane Lappenplastiken) Postoperative Entlastung durch Umpositionieren und Vermeidung von Scherkräften! Unterstützende und begleitende Maßnahmen Medikamentenanalyse: Welche Medikamente oder Kombinationen hemmen die Bewegung? Welche können sie ggf. fördern? Vermeiden weiterer Komplikationen Bei Bedarf angepasste Schmerztherapie Schutz anderer Körperregionen Angepasste Inkontinenzversorgung/Hautpflege und -schutzmaßnahmen Individuelle Bewegungsförderung, so weit möglich Individuell angepasste Ernährungs- und Flüssigkeitszufuhr Therapie von Begleit-/Grunderkrankungen Minimierung und/oder Ausschalten zusätzlicher Risikofaktoren, vergleiche Checkliste (CL 004) Weitergabe des Verständnisses für die Pathophysiologie und die Ursachen gefährdeter Patientengruppen Hinweise Klassifikation nach National Pressure Ulcer Advisory Panel, European Pressure Ulcer Advisory Panel und Pan Pacific Pressure Injury Alliance. Prevention and Treatment of Pressure Ulcers: Quick Reference Guide. Emily Haesler (Ed.). Cambridge Media: Osborne Park, Australia; In Deutschland ist für Leistungen, die in den SGB V Bereich fallen, z. B. Versorgungen in der Klinik, derzeit die ICD-10 Codierung ausschlaggebend. Daher wurden deren Definitionen analog zur EPUAP/NPUAP/PPPIA Klassifikation aufgeführt (siehe Information (IN 008) Übersicht über Klassifikationen von Wunden und deren Grunderkrankungen ). WZ-BS-004 V05 Seite 2 von 5
3 Kategorie/Stadium I, Nicht wegdrückbares Erythem II, Teilverlust der Haut III, Vollständiger Verlust der Haut Ausprägung nach EPUAP/NPUAP/PPPIA (2014) Intakte Haut mit nicht wegdrückbarer Rötung eines lokalen Bereichs gewöhnlich über einem knöchernen Vorsprung. Bei dunkel pigmentierter Haut ist ein Abblassen möglicherweise nicht sichtbar, die Farbe kann sich aber von der umgebenden Haut unterscheiden. Der Bereich kann schmerzempfindlich, härter, weicher, wärmer oder kälter im Vergleich zu dem umgebenden Gewebe sein. Es kann schwierig sein, Kategorie/Stadium I bei Personen mit dunkler Hautfarbe zu entdecken. Kann auf gefährdete Personen hinweisen (Hinweis auf ein mögliches Risiko). Teilzerstörung der Haut (bis in die Dermis/Lederhaut), die als flaches, offenes Ulkus mit einem rot bis rosafarbenen Wundbett ohne Beläge in Erscheinung tritt. Kann sich auch als intakte oder offene/rupturierte, serumgefüllte Blase darstellen. Manifestiert sich als glänzendes oder trockenes, flaches Ulkus ohne Beläge oder Bluterguss*. Diese Kategorie/dieses Stadium sollte nicht benutzt werden um Skin Tears (Gewebezerreißungen), verband- oder pflasterbedingte Hautschädigungen, perineale Dermatitis, Mazerationen oder Exkoriation zu beschreiben. * Eine livide Verfärbung weist auf eine tiefe Gewebeschädigung hin. Vollständiger Hautverlust. Subkutanes Fett kann sichtbar sein, aber Knochen, Sehne oder Muskel liegen nicht offen. Beläge können vorhanden sein, die aber nicht die Tiefe des Gewebeverlustes verdecken. Es können Taschenbildungen oder Unterminierungen vorliegen. Die Tiefe eines der Kategorie/des Stadiums III kann je nach anatomischer Lokalisation variieren. Der Nasenrücken, das Ohr, das Hinterhaupt und der Fußknöchel haben kein subkutanes Gewebe und Ulzera der Kategorie/des Stadiums III können dort oberflächlich sein. Im Gegensatz dazu können besonders adipöse Bereiche einen extrem tiefen der Kategorie/des Stadiums III entwickeln. Knochen/Sehnen sind nicht sichtbar oder direkt tastbar. Ausprägung nach ICD-10-GM 2016 Druckzone mit nicht wegdrückbarer Rötung bei intakter Haut [Druckgeschwür] mit: Abschürfung Blase Teilverlust der Haut mit Einbeziehung von Epidermis und/ oder Dermis Hautverlust ohne nähere Angabe [Druckgeschwür] mit Verlust aller Hautschichten mit Schädigung oder Nekrose des subkutanen Gewebes, die bis auf die darunterliegende Faszie reichen kann WZ-BS-004 V05 Seite 3 von 5
4 IV, Vollständiger Gewebeverlust Keiner Kategorie/keinem Stadium zuordenbar: Tiefe unbekannt Vermutete tiefe Gewebeschädigung: Tiefe unbekannt Vollständiger Gewebeverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln. Beläge oder Schorf können an einigen Teilen des Wundbettes vorhanden sein. Es können Taschenbildungen oder Unterminierungen vorliegen. Die Tiefe eines der Kategorie/des Stadiums IV variiert je nach anatomischer Lokalisation. Der Nasenrücken, das Ohr, das Hinterhaupt und der Fußknöchel haben kein subkutanes Gewebe und diese Ulzera können oberflächlich sein. Ulzera der Kategorie/des Stadiums IV können sich in Muskeln und/oder unterstützenden Strukturen ausbreiten (z. B. Faszie, Sehne oder Gelenkkapsel) und eine Osteomyelitis verursachen. Offenliegende Knochen/Sehnen sind sichtbar oder direkt tastbar. Ein vollständiger Gewebeverlust, bei dem die Basis des Ulkus von Belägen (gelb, hellbraun, grau, grün oder braun) und/oder Schorf im Wundbett bedeckt ist. Bis genügend Beläge und/oder Schorf entfernt sind, um den Grund der Wunde offenzulegen, kann die wirkliche Tiefe - und daher die Kategorie/das Stadium - nicht festgestellt werden. Stabiler Schorf (trocken, festhaftend, intakt ohne Erythem und Flüssigkeit) an den Fersen dient als natürlicher biologischer Schutz des Körpers und sollte nicht entfernt werden. Livider oder rötlichbrauner, lokalisierter Bereich von verfärbter, intakter Haut oder blutgefüllte Blase aufgrund einer Schädigung des darunterliegenden Weichgewebes durch Druck und/oder Scherkräfte. Diesem Effekt vorausgehen kann Gewebe, das schmerzhaft, fest, breiig, matschig, im Vergleich zu dem umliegenden Gewebe wärmer oder kälter ist. Es kann schwierig sein, tiefe Gewebeschädigungen bei Personen mit dunkler Hautfarbe zu entdecken. Bei der Entstehung kann es zu einer dünnen Blase über einem dunklen Wundbett kommen. Die Wunde kann sich weiter verändern und von einem dünnen Schorf bedeckt sein. Auch unter optimaler Behandlung kann es zu einem rasanten Verlauf unter Freilegung weiterer Gewebeschichten kommen. [Druckgeschwür] mit Nekrose von Muskeln, Knochen oder stützenden Strukturen (z. B. Sehnen oder Gelenkkapseln) Keine Angabe Keine Angabe WZ-BS-004 V05 Seite 4 von 5
5 Hinweise/Literatur Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) Hrsg. (2017): Expertenstandard prophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung, Osnabrück DRG-System, Fallgruppe 89: ICD-10-GM 2016 National Pressure Ulcer Advisory Panel, European Pressure Ulcer Advisory Panel and Pan Pacific Pressure Injury Alliance. Prevention and Treatment of Pressure Ulcers: Quick Reference Guide. Emily Haesler (Ed.). Cambridge Media: Osborne Park, Australia; Erstellt Geprüft auf Richtigkeit/Inhalt Freigabe im Wundzentrum Freigabe und Inkraftsetzung Standardgruppe des Wundzentrum Hamburg e.v. Dr. Pflugradt Ltg. Standardgruppe Dr. Münter 1. Vorsitzender WZHH PDL Ärztliche Leitung WZ-BS-004 V05 Seite 5 von 5
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