Handbuch Gebäudereinigung Rechtssichere Planung, Organisation und Umsetzung Grundwerk mit Ergänzungslieferungen 2015. Loseblattwerk inkl. Online-Nutzung. Im Ordner ISBN 978 3 86586 460 4 Wirtschaft > Dienstleistungssektor & Branchen > Sonstige Dienstleistungssektoren schnell und portofrei erhältlich bei Die Online-Fachbuchhandlung beck-shop.de ist spezialisiert auf Fachbücher, insbesondere Recht, Steuern und Wirtschaft. Im Sortiment finden Sie alle Medien (Bücher, Zeitschriften, CDs, ebooks, etc.) aller Verlage. Ergänzt wird das Programm durch Services wie Neuerscheinungsdienst oder Zusammenstellungen von Büchern zu Sonderpreisen. Der Shop führt mehr als 8 Millionen Produkte.
Seite 1 5.6 5.6 Kaum woanders als in sanitären Anlagen ist das Risiko, sich mit Keimen zu infizieren, so hoch. Folgt dem noch eine nicht auszureichende und fachgerechte Reinigung, ist das Chaos perfekt. Eine nicht fach- und sachgerecht durchgeführte Reinigung kann schnell zu Schäden an Werkstoffen führen. Diese können dann, bedingt durch die verursachte Beschädigung, einen perfekten Nährboden für Mikroorganismen jeglicher Art darstellen. Deswegen besitzt die Reinigung von sanitären Anlagen auch einen hohen Stellenwert und benötigt eine einwandfreie und ausführliche Schulung aller darin tätigen MitarbeiterInnen. Reinigungsempfehlungen erhalten Sie hierzu auch vom IHO (Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz) 1, welche die Reinigung nach dem neuesten Stand der Technik beschreibt.! Auf den Einsatz von Salz- oder Flusssäure sollte man auf alle Fälle ganz verzichten! IHO (Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz) Verkalkung Kalk ist ein Mineralstoff und Bestandteil des Wassers. Je nach Gebiet, ist der Anteil von Kalk im Wasser höher oder niedriger. Hier spricht man von der sogenannten Wasserhärte 1 Mehr Infos unter: http://www.iho.de/
5.6 Seite 2 Wasserhärte (gibt an, wie viele Kalzium- und Magnesiumsalze im Wasser sind).! Einteilung der Wasserhärte nach Millimol Calciumcarbonat je Liter: Wasserhärtebereich Wasserhärtebereich Wasserhärtebereich weich: weniger als 1,5 Millimol Calciumcarbonat je Liter (entspricht ca. 8,4 dh) mittel: 1,5 bis 2,5 Millimol Calciumcarbonat je Liter (zwischen 8,4 dh bis 14 dh) hart: mehr als 2,5 Millimol Calciumcarbonat je Liter (größer als 14 dh) 1 Beispiele: Bayern: durchschnittliche Wasserhärte ca. 16,76 dh Baden Württemberg: durchschnittliche Wasserhärte ca. 15,75 dh Berlin: durchschnittliche Wasserhärte ca. 17,49 dh Hamburg: durchschnittliche Wasserhärte ca. 15,90 dh Kommen Oberflächen, wie gerade im Sanitärbereich Waschbecken und Duschbereiche, mit Wasser in Verbindung, bleibt dieses je nach Wasserhärtegrad mehr oder weniger in Form von Kalk auf der Oberfläche zurück. 1 Quelle: http://www.wasserhaerte.net
Seite 3 5.6 Um einen Kalkaufbau zu vermeiden, müssen diese Bereiche regelmäßig je nach Leistungsverzeichnis mit einem geeigneten Reinigungsmittel (kalklösendem Sanitärreiniger, z. T. auch im Wechsel mit einem alkalischen Produkt) gereinigt werden. Baut sich Kalk erst einmal auf, schädigt er nicht nur Oberflächen, sondern bietet auch einen optimalen Nährboden für Mikroorganismen.! Kalklösende Sanitärreiniger liegen im ph- Wert-Bereich unter 6 und beseitigen mineralische Verschmutzungen wie: Kalkaufbau vermeiden Kalk Rost Urinstein Braunstein Zementschleier Die im Reinigungsmittel enthaltenen Korrosionsinhibitoren verhindern das Zersetzen des Werkstoffs wie z. B. der Armatur. Abb 5.6.1: Verkalkter Wasserhahn, Quelle: Stephanie-Anna Hüper
5.6 Seite 4 Abb 5.6.2: Verkalkter Wasserhahn, Quelle: Stephanie-Anna Hüper Bedenken Sie hierbei bitte auch, dass Sie kein aggressives Reinigungsmittel einsetzen müssen! Eine regelmäßige gründliche und gut ausgeführte Reinigung reicht vollständig aus. Grünspan Eine Sanitärarmatur besteht i. d. R. aus mehreren Schichten. Die oberste Schicht ist meist die sogenannte Chromschicht. Aufgrund ihrer sehr guten Korrosionsbeständigkeit ist sie sehr gut als Rostschutz geeignet. Unter der Chromschicht befindet sich i. d. R. noch eine Nickelschicht, bevor darunter die sogenannte Messingschicht, auch Kupfer-Zink-Legierung genannt, die Armatur abschließt. Entstehung von Grünspan Bilden sich an Armaturen grünliche Verfärbungen in Kombination mit Kalk, spricht man vom sogenannten Grünspan (Kupferacetat). Dieser entsteht, wenn für die Reinigung der Armaturen ein ungeeignetes Reinigungsmittel wie Essigsäure verwendet wird. Meist ist hier an einigen Stellen die Chrom- und Nickelschicht schon angegriffen, sodass die aufgebrachte Essigsäure ohne Probleme die unter der Nickelschicht liegende Messingschicht (Kupfer-Zink-Legierung) angreifen kann. Ist die
Seite 5 5.6 Armatur einmal mit Grünspan befallen, ist dieser nicht mehr zu entfernen und die Armatur sollte ausgewechselt werden. Abb 5.6.3: Armatur mit Kalk und Grünspan, Quelle: Stephanie-Anna Hüper Verkratzte Armaturen Um Schäden an Armaturen zu verhindern, achten Sie bitte auch auf den Einsatz von geeigneten Padschwämmen. Sind diese zu abrasiv, wird die Armatur zerkratzt und geschädigt. Dadurch können auch Säuren und andere Chemikalien besser in die Armatur eindringen und diese ungewollt schädigen. Außerdem sind abrasive Scheuermittel nicht zu empfehlen, da diese den gleichen Effekt hervorrufen. Schäden an Armaturen
5.6 Seite 6 Abb 5.6.4: Zerkratzte Armatur, Quelle: Stephanie-Anna Hüper Abb 5.6.5: Zerkratzte, mit Grünspan versehene Armatur, Quelle: Stephanie-Anna Hüper Helle Flecken auf WC-Brillen, Deckeln oder Trennwänden Häufig kann man auf Kunststoff-WC-Brillen, Deckeln oder Trennwänden helle oder auch gelbliche Verfleckungen feststellen. Dies hat meist den Hintergrund, dass die in den Kunststoffen enthaltenen Farbstoffe nicht säurebeständig sind. Auch Urin auf Kunststoffoberflächen im Sanitärbereich kann diesen ungewollten Effekt hervorrufen. Sind die Säurefresser erst einmal in den Oberflächen, lassen sich diese nicht mehr entfernen.
Seite 7 5.6 Urinstein Tritt kalkhaltiges Wasser mit den Eisenteilchen des Leitungswassers aufeinander, kommt es zu gelblich-braunen Ablagerungen in Toiletten bzw. Urinalen. Hier spricht man vom sogenannten Urinstein. Werden Toiletten und Urinale in regelmäßigen Abständen mit einem geeigneten Reinigungsmittel (kalklösendem Sanitärreiniger) behandelt und mit der Toilettenbürste bearbeitet, kann man dies i. d. R. verhindern. Komplizierter wird es, wenn durch zu abrasive Reinigung in Form von Schwämmen, Bimssteinen oder Reinigungsmitteln die Lasur bereits angegriffen und beschädigt ist. Dann kann sich Urinstein nämlich problemlos in der beschädigten Lasur festsetzen. Entstehung von Urinsteine Abb 5.6.6: Urinstein, Quelle: Stephanie-Anna Hüper Ausgewaschene Fugen Werden bei der Reinigung mit säurehaltigen Produkten von Fliesen die Fugen nicht mit ausreichend Wasser vorgewässert, kann es zur sogenannten Auswaschung dieser kommen. Dies liegt daran, dass die Säure zur Aufgabe hat, mineralische Verschmutzungen zu lösen, nicht aber weiß, dass die Fuge gewünscht ist. So beginnt die Säure alles Mineralische, also auch die Fugen,
5.6 Seite 8 insofern diese aus mineralischem Material bestehen, zu lösen. Geschieht dies öfters, löst sich die Fuge immer mehr, und die Fliesen haben keinen Halt mehr. Als Sanierung kann hier nur noch eine Neuverfugung stattfinden. Abb 5.6.7: Zum Teil ausgewaschene Fugen, Quelle: Stephanie-Anna Hüper Schwarzkçpfchenschimmelpilz Ist er einmal in der Fugen- bzw. Dichtungsmasse vorhanden, bahnt er sich seinen Weg durch das Fugenma- Schwarzköpfchenschimmelpilz Der Aspergillus niger wird aufgrund seiner dunklen Sporen auch Schwarzköpfchenschimmelpilz genannt. Überall, wo Feuchtigkeit und Wärme vorhanden sind, fühlt er sich wohl und kann zum Vorschein kommen. Die Sporen des Aspergillus niger können feuchte Kälte bei 22 C nicht überstehen. Der ph-bereich liegt zwischen 1,5 9,8, d. h., der Aspergillus niger ist in der Lage, sowohl stark saure als auch alkalische Umgebungen zu tolerieren.
Seite 9 5.6 terial hindurch. Um ihn zu entfernen, gibt es nur die Behandlung mit Chlorhaltigen Produkten. Allerdings hält dies nicht allzu lange und er wird wieder an der Oberfläche sichtbar. Eine komplette Sanierung ist nur durch den Austausch des Fugen- bzw. Dichtungsmaterials möglich, wobei auch hier nicht sicher ist, ob er wieder zum Vorschein kommt. Häufig ist er fest im Mauerwerk verankert.! Behandeln Sie die Oberfläche mit einem chlorhaltigen Produkt, ist höchste VORSICHT geboten! Da er meist in sanitären Anlagen bedingt durch die dort vorhandene Feuchtigkeit und Wärme vorkommt, ist auch hier der Einsatz von säurehaltigen Reinigungsmitteln sehr wahrscheinlich. Verwenden Sie diese beiden Produktarten NIEMALS gemeinsam oder aufeinanderfolgend. Dies führt zur Entstehung des gefährlichen Chlorgases! Je nach Höhe der Konzentration kann es zu einer Reizung der Schleimhäute und der Atemwege über eine Verätzung und eine irreparable Zerstörung der Schleimhäute, insbesondere der Lungen, bis hin zum Tod kommen! Feste Verankerung im Mauerwerk Lassen Sie diese Art der Reinigung bitte nur von fachlich sehr qualifiziertem Personal durchführen.
5.6 Seite 10 Abb 5.6.8: Aspergillus niger, Quelle: Stephanie-Anna Hüper! Sollten Sie Aspergillus niger im Sanitärbereich haben, empfiehlt es sich, die Räumlichkeiten täglich stoßzulüften und Rückstände im Bereich der Duschen und Waschbecken mit viel klarem Wasser abzuwaschen und nachzutrocknen. Abb 5.6.9: Aspergillus niger, Quelle: Stephanie-Anna Hüper