Interventionsstelle Oberhausen e.v. INTOB Dr. Karin Nachbar, Dipl.-Psych. Michael Tentler, Dipl.-Soz. Päd. 1
Eigene Strategien Welche Strategien benutzen Sie in Ihrem Arbeitsbereich, um mit Jugendlichen in einen guten Kontakt zu treten? Welche Strategien benutzen Sie, damit Ihre Kunden nicht erneut straffällig werden? 2
Das Transtheoretische Modell (TTM) (nach Prochaska, Norcross & DiClemente 1994) pragmatisches Modell zur Erklärung und Beschreibung von intentionalen Veränderungen im menschlichen Verhalten laut Autoren ein Versuch der schulenübergreifenden Bündelung von Wirkmechanismen von Veränderung im Mittelpunkt stehen die Entscheidungsprozesse auf der kognitive Ebene unter Einbezug der Ebenen der Affekte und des Verhaltens Veränderung als Prozess mit aktivem Durchlaufen unterschiedlicher Stadien ( stages of change / auch übersetzt mit Stufen oder Phasen ) Besonderheit: eine inhärente Motivation wird nicht vorausgesetzt Ziel: Verbesserung der Selbstkontrolle der Betroffenen 3
Kernideen des TTM Stadienmodell der Veränderung Wann findet ein Fortschreiten im Veränderungsprozess statt? Strategien der Verhaltensänderung Wie findet Veränderung statt, bzw. durch Anwendung welcher Strategien wird die nächste Stufe erreicht? Stadienspezifische Gesprächs-Interventionen werden möglich 4
Verlaufsmodell Motivational Guiding (Modifizierung des TTM nach Prochaska, Norcross & DiClemente, 1994) 6. Legaler Alltag (Bildung neuer Lebensmuster) 1. Ansprache (Absichtslos) 5. Kontakt halten/ggf. Ansprache wiederholen (Aufrechterhaltung) 2. Entscheidungsphase (Absichtsbildung) 4. Maßnahme startet (Umsetzung) 3. Initiierung neuer Verhaltensmuster (Planung) 5
Stufe 1 MG - Ansprache (Absichtslosigkeit) kein eigenes Problembewusstsein - jemand anderes hat ein Problem erkannt keine Veränderungsintention für die nächsten sechs Monate Informationen bzgl. Risikoverhalten werden ausgeblendet Auseinandersetzung/Reflektion des Risikoverhaltens wird vermieden Hauptmerkmal: Widerstand gegen Erkennen oder Veränderung des Risikoverhaltens, starker Druck führt zu Reaktanz Stufe ist sehr stabil Information & wertschätzende Rückmeldung Zweifel aufkommen lassen 6
Stufe 2 MG - Entscheidungsphase (Absichtsbildung) Veränderung wird gleichzeitig erwägt & verworfen bewusste Auseinandersetzung mit eigenem Risikoverhalten ohne unmittelbare Ergreifung von Veränderungsmaßnahmen Gefahren sind bewusst - Veränderungen werden ambivalent gesehen Ausgewogene Balance zwischen Vor- und Nachteilen einer Veränderung des Verhaltens Entschluss zu Handlungen kann nicht gefasst werden - Besorgnis & Sorglosigkeit wechseln Absicht, in den nächsten sechs Monaten etwas zu verändern ( knowing where you want to go, but not quite ready yet ) Stufe sehr stabil - Ich kann mich nicht entscheiden vorsichtiger, wertschätzender Anstoß zur Veränderung Irritation: beim Alten bleiben vs. Veränderung, Pro & Contra abwägen Selbstvertrauen zur Veränderungsfähigkeit stärken 7
Stufe 3 MG - Initiierung neuer Verhaltensmuster (Planung) ernsthaftes Nachdenken über eine Veränderung hohe Motivation, unmittelbar mit der Veränderung zu beginnen klare Entscheidung für Verhaltensänderung (commitment) konkrete Handlungspläne, Informationen & Unterstützung gesammelt, erste Schritte unternommen weniger stabile Durchgangsstufe (30 Tage) Phase als Fenster der Möglichkeiten für einen gewissen Zeitraum offen Suche nach realistischer & akzeptabler Veränderungsstrategie der beste Weg 8
Stufe 4 MG - Maßnahme startet (Umsetzung) aktive Versuche, Problemverhalten zu verändern oder abzubauen Veränderungen im eigenen Erleben und in den Umweltbedingungen werden herbeigeführt beobachtbares Verhalten steht mehr im Vordergrund als kognitive Prozesse aktivste Phase im Prozess, hoher Aufwand, hohe Rückfallgefahr konkrete Veränderung begleiten Schritte unterstützen 9
Stufe 5 MG - Kontakt halten (Aufrechterhaltung) Zielverhalten wird seit mehr als sechs Monaten stabil beibehalten aktive Phase, Zielverhalten wird konsolidiert, Ausrutscher- und Abbruch-Prophylaxe erzielte Veränderung verfestigen Abbruch vorbeugen bei Abbruch: Hilfe, die Handlung wieder aufzunehmen 10
Stufe 6 MG - Legaler Alltag (Bildung neuer Lebensmuster) Neue Ziele & Perspektiven Maßnahme ausschleichen Wie kann man Stabilisierung erreichen/unterstützen? Ansprechpartner bei Problemen? 11
Verlaufsmodell Motivational Guiding (modifiziert nach Prochaska, Norcross & DiClemente, 1994) Nachbereitung Zweifel und/oder Abbruchgedanken Vorherige Schritte differenzieren und reflektieren Gründe für den Entschluss reaktualisieren Weitere Ziele strukturieren Rückfallprophylaxe Konsistenzregel 6. Legaler Alltag (Bildung neuer Lebensmuster) 5. Kontakt halten/ggf. Ansprache wiederholen (Aufrechterhaltung) 1. Ansprache (Absichtslos) 2. Entscheidungsphase (Absichtsbildung) Compliance erzeugen Gezieltes motivieren Diskrepanzen erfassen Ambivalenzen erfassen und gewichten Verbindlichkeiten herstellen Reziprozitätsregel Step by Step Commitmentregel Vereinbarungen im Detail ratifizieren 4. Maßnahme läuft (Umsetzung) 3.Initiierung neuer Verhaltensmuster (Planung) Selbstverpflichtung dokumentieren Den inneren Boykotteur erarbeiten 12
Kontaktadressen Dr. Karin Nachbar, Dipl.-Psych. Universität Dortmund Fakultät Rehabilitationswissenschaften Rehabilitationspsychologie Emil-Figge-Straße 50 44221 Dortmund Telefon: 0231-755 41 76 Michael Tentler, Dipl.-Soz.Päd. INTOB e.v. Stöckmannstraße 76 46045 Oberhausen Telefon: 0208-77 88 021 Mobil: +49 179 76 10 708 Email: michael.tentler@gmx.de Telefax: 0231-755 65 42 Email: karin.nachbar@uni-dortmund.de 13
Literatur zum TTM Keller, S. (Hrsg., 1999). Motivation zur Verhaltensänderung. Das Transtheoretische Modell in Forschung und Praxis. Freiburg: Lambertus. Prochaska, J.O. & DiClemente, C.C. (1985). Towards a comprehensive model of change. In Miller, W.R. & Heather, N. (eds.), Treating addictive behaviors. New York: Plenum, pp. 3-27. Procaska, J.O., Norcross, J.C. & DiClemente, C.C. (1994). Changing for Good. New York: William Morrow. Prochaska, J.O., Norcross, J.C. & Diclemente, C.C. (1997). Jetzt fange ich neu an. Das revolutionäre Sechs-Schritte-Programm für ein dauerhaft suchtfreies Leben. München: Quintessenz/Juventa. 14
Literatur zur motivierenden Gesprächsführung Cialdini, R.B. (2004). Die Psychologie des Überzeugens. Ein Lehrbuch für alle, die ihren Mitmenschen und sich selbst auf die Schliche kommen wollen. Bern: Huber, 3., korr. Aufl. Demmel, R. (2004). Motivational Interview. Ein Leitfaden für die Praxis. Göttingen: Hogrefe. Miller, W.R. & Rollnick, S. (1999). Motivierende Gesprächsführung. Ein Konzept zur Beratung von Menschen mit Suchtproblemen. Freiburg: Lambertus. Miller, W.R. & Rollnick, S. (2002). Motivational Interviewing. Preparing People for Change. New York: Guilford. 15
Hintergrund zum TTM - Autoren James O. Prochaska, Ph.D. / Professor Clinical & Health Psychology - University of Rhode Island; Director of Cancer Prevention and Research Carlo C. DiClemente, Ph.D. - University of Rhode Island / Habits lab: How people change addictive and health behaviours John C. Norcross, Ph.D. / Department of Psychology - University of Scranton; Health Care Provider; Clinical Office Wayne F. Velicer, Ph.D. / Professor of Psychology - University of Rhode Island; Co-Director of Cancer Prevention and Research 16