Gemeinsame Prüfungsaufgaben der Steuerberaterkammern im Lande Nordrhein-Westfalen Name: ABSCHLUSSPRÜFUNG WINTER 2010/2011 Ausbildungsberuf: Steuerfachangestellte/r Prüfungsort: Termin: Donnerstag, 11. November 2010 Prüfungsfach: Rechnungswesen Bearbeitungszeit: 120 Minuten Bitte deutlich schreiben und Füllhalter, Kugelschreiber oder Filzstift benutzen. Gesamtpunktzahl: 100,0 Erzielte Punkte: 1. Aufgabenteil: 46,0 2. Aufgabenteil: 22,0 3. Aufgabenteil: 32,0 Note: Unterschrift Erstzensor: Unterschrift Zweitzensor:
1. Aufgabenteil (46,0 Punkte) Allgemeine Angaben Robert Sattelmeyer (R. S.) betreibt als Hersteller von Werkzeugen und Drehbänken in Aachen, Kaiserstraße 100, ein Einzelunternehmen unter der Bezeichnung Qualitätswerkzeuge und -drehbänke Robert Sattelmeyer e. K. Die Einzelunternehmung stellt jeweils zum 31.12. eines Kalenderjahres den Jahresabschluss nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) unter Beachtung der steuerrechtlichen Vorschriften auf und legt den Jahresabschluss unverändert der steuerlichen Gewinnermittlung zu Grunde. Er ermittelt seinen Gewinn gem. 5 EStG und versteuert seine Umsätze nach den allgemeinen Vorschriften des Umsatzsteuergesetzes, ist voll zum Vorsteuerabzug berechtigt und erstellt monatliche Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Bearbeitungshinweis: Die Voraussetzungen des 7g EStG liegen nicht vor. Sachverhalt 1 (13,0 Punkte) Die Buchhaltung von R. S. stellt der Kalkulationsabteilung für Zwecke der Preiskalkulation folgende Zahlen zur Verfügung: Konten Soll/ Haben/ Warenbestand 01.01.2009 Wareneingang 2009 Warenbestand 31.12.2009 Liefererskonti Rücksendungen an Lieferer Erlöse aus Warenverkäufen Kundenskonti 172.500,00 6.336.600,00 147.500,00 137.400,00 66.300,00 22.900,00 9.225.200,00 Die Summe der Handlungskosten (Geschäftskosten) belief sich im gleichen Zeitraum auf 774.300,00. Aufgaben Ermitteln Sie: a) den Wareneinsatz b) den Handlungskostenzuschlag, c) den Kalkulationszuschlag (Rohgewinnaufschlagsatz) jeweils d) die Handelsspanne (Rohgewinnsatz) 2 Dezimalstellen e) den Reingewinn in und Prozent (ev. aufrunden)
Lösungen: zu a) zu b) zu c) zu d) zu e)
Sachverhalt 2 (7,5 Punkte) Aufgrund der erhöhten Nachfrage im Werkzeugbereich erweiterte R. S. seinen Geschäftsbetrieb ab dem 01.01.2009 um einen Lieferservice in die umliegende Region. Hierfür nutzte er seinen bisher rein privat genutzten Pkw-Kombi (Pkw 1). Diesen Pkw 1 hatte R. S. am 01.07.2007 von seinem Bruder Jörg Sattelmeyer (Privatperson) zu einem Preis von 20.000,00 erworben. Die Restnutzungsdauer betrug zu diesem Zeitpunkt 5 Jahre. Zum 01.01.2009 betrug der Teilwert dieses Fahrzeugs 15.000,00. Aufgaben a) Ermitteln Sie den Einlagewert des Pkw und begründen Sie Ihren Ansatz! b) Buchen Sie die Einlage des Pkw! c) Nennen Sie die Höhe ( -Angabe) der steuerlichen Gewinnauswirkung (gewinnerhöhend, gewinnmindernd oder gewinnneutral), die sich aus der Buchung zu b) ergibt! Lösungen: Zu a) Zu b) Zu c) Sachverhalt 3 (13,5 Punkte) Seit Beginn des Lieferservice nutzt er einen anderen Pkw (Pkw 2) aus seinem Betriebsvermögen für private Zwecke. Diesen Pkw 2 hatte er im Jahr 2008 von einem Händler für 20.000,00 zuzüglich 3.800,00 USt erworben; seit dem Zeitpunkt des Erwerbs wird der Pkw wie folgt genutzt: zu 70 % für betriebliche Fahrten und zu 30 % für private Fahrten; ein Fahrtenbuch wird nicht geführt. Zudem wird das Fahrzeug für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte an nachweislich 250 Tagen im Jahr genutzt. Die einfache Entfernung zwischen Wohnung und Betriebsstätte beträgt 10 km. Der Bruttolistenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung betrug 25.600,00. Aufgaben a) Buchen Sie die private Nutzung des Pkw 2 für das gesamte Jahr 2009! b) Nehmen Sie die notwendige Buchung für die Fahrten mit dem Pkw 2 während des gesamten Jahres 2009 zwischen Wohnung und Betriebsstätte vor! c) Nennen Sie die Höhe ( -Angabe) der steuerlichen Gewinnauswirkung (gewinnerhöhend, gewinnmindernd oder gewinnneutral), die sich aus den Buchungen zu a) b) insgesamt ergibt!
Lösungen: zu a) zu b) zu c)
Sachverhalt 4 (8,5 Punkte) Buchen Sie die folgende Lastschrift und Gutschrift auf dem betrieblichen Bankkonto (Auszug Nr. 323 vom 01.12.2009) über folgende Geschäftsfälle, die falls erforderlich beim Jahresabschluss zum 31.12.2008 zutreffend abgegrenzt worden waren: KONTO 123 888 999 KONTOAUSZUG Sparkasse Aachen BLZ 311 510 60 AUSZUG 323 BLATT 1 TAG ERLÄUTERUNGEN BETRAG KONTOSTAND am 30.11.2009, Auszug Nr. 322 11.146,19 + ------------------------- 01.12. Betriebliche Darlehenszinsen für den Zeitraum 01.12.2008 30.11.2009 WERT: 30.11. 5.400,00-01.12. Miete für vermietetes Ladenlokal (dem Betriebsvermögen zugeordnet) (150,00 + 28,50 USt pro Monat lt. Mietvertrag) für den Zeitraum vom 01.12.2009 28.02.2010 WERT: 01.12. 535,50 + ------------------------- KONTOSTAND am 01.12.2009 6.281,69 + Firma Robert Sattelmeyer e. K. Kaiserstr. 100 52080 Aachen Lösungen: 1. Darlehenszinsen 2. Miete
Sachverhalt 5 (3,5 Punkte) R. S. entnimmt am 12.12.2009 seinem Betrieb Standardwerkzeuge und schenkt diese seinem Sohn, der seit einigen Jahren in Brüssel (Belgien) seinen Wohnsitz hat. Diese Standardwerkzeuge hatte R. S. im Mai 2009 zu Anschaffungskosten i. H. von 500,00 + 19 % USt von einem Herstellerbetrieb aus Berlin bezogen. Die Werkzeuge werden im Ladengeschäft zu einem Verkaufspreis von 750,00 + 19 % USt angeboten; am 12.12.2009 ist der Bezugspreis der im Mai bezogenen Werkzeuge um 10 % gestiegen. Aufgaben a) Nehmen Sie die entsprechende Buchung vor! b) Nennen Sie die Höhe ( -Angabe) der Gewinnauswirkung (gewinnerhöhend, gewinnmindernd oder gewinnneutral), die sich aus der Buchung ergibt! Lösungen: Zu a) Zu b) 2. Aufgabenteil (22,0 Punkte) Allgemeine Angaben Werner Schuster (e. K.) betreibt in Köln, Dürener Str. 466, eine Lederwarengroßhandlung. Er ermittelt seinen Gewinn gem. 5 EStG, unterliegt den allgemeinen Vorschriften des Umsatzsteuergesetzes und ist voll zum Vorsteuerabzug berechtigt. Tag der Bilanzerstellung für den Jahresabschluss 2009 ist der 30.06.2010. Sachverhalt 1 (3,5 Punkte) Der Kunde Heinz Senkel hat trotz mehrfacher Mahnungen den zuletzt gesetzten Zahlungstermin am 12.10.2009 hinsichtlich einer Forderung in Höhe von 10.710,00 nicht eingehalten. Der zum 31.12.2009 geschätzte Forderungsausfall beträgt 60 %. Aufgaben Nehmen Sie die erforderlichen Buchungen vor und geben Sie die Gewinnauswirkung ( - Angabe) (gewinnerhöhend, gewinnmindernd oder gewinnneutral) an! Lösungen: Buchung am 12.10.2009: Buchung zum 31.12.2009: Gewinnauswirkung:
Sachverhalt 2 (7,5 Punkte) Am 10.10.2010 erhält Schuster von Senkel durch Banküberweisung 3.213,00 von der ursprünglichen Forderung in Höhe von 10.710,00 (siehe Sachverhalt 1). Der Rest der Forderung gilt endgültig als uneinbringlich. Aufgaben a) Ermitteln Sie den tatsächlichen Forderungsausfall anhand einer übersichtlichen Darstellung und stellen Sie dabei ggf. den Ertrag bzw. den Aufwand für 2010 aus diesem Vorgang fest. Lösung: b) Buchen Sie den gesamten Vorgang. Nehmen Sie alle erforderlichen Buchungen für das laufende Geschäftsjahr 2010 vor und geben Sie die Gewinnauswirkung ( - Angabe) (gewinnerhöhend, gewinnmindernd oder gewinnneutral) an! Lösungen: Buchung: Gewinnauswirkung:
Sachverhalt 3 (8,0 Punkte) Werner Schuster plante, die notwendigen Instandhaltungsarbeiten am Betriebsgebäude, die in 2009 entstanden sind, im Dezember 2009 durchzuführen. Er rechnete mit einem Betrag von 12.000,00 zuzüglich 19 % USt. Aufgrund der plötzlich eingetretenen schlechten Witterung wurden die Arbeiten deshalb erst im März 2010 nachgeholt. Während dieser durchgeführten Arbeiten im März 2010 wurde aufgrund neuer Erkenntnisse (Frostschaden in 2010) über eine Erweiterung der Instandhaltungsarbeiten entschieden. Dadurch bedingt entstand ein Mehraufwand von 2.000,00. Es liegt eine ordnungsgemäße Rechnung vom 30.03.2010 über 14.000,00 zuzüglich 19 % USt vor. Aufgaben a) Beurteilen Sie den Sachverhalt unter handelsrechtlicher Sicht und begründen Sie Ihre Entscheidung unter Angabe der gesetzlichen Grundlage! b) Beurteilen Sie den Sachverhalt unter steuerrechtlicher Sicht und begründen Sie Ihre Entscheidung unter Angabe der gesetzlichen Grundlage! Lösungen: Zu a) Zu b) c) Nehmen Sie die erforderlichen Buchungen vor und geben Sie jeweils die Gewinnauswirkung ( -Angabe) (gewinnerhöhend, gewinnmindernd oder gewinnneutral) an. Lösungen: Buchung in 2009: Gewinnauswirkung 2009: Buchung in 2010: Gewinnauswirkung 2010:
Sachverhalt 4 (3,0 Punkte) Werner Schuster erwirbt von einer Gerberei in Spanien am 12.12.2009 Leder im Wert von 12.000,00. Eine ordnungsgemäße Rechnung mit den jeweiligen nationalen USt- Identifikationsnummern von Lieferer und Empfänger liegt vor. Die Zahlung erfolgte am 10.01.2010. Aufgabe Nehmen Sie die erforderlichen Buchungen zum 12.12.2009 vor. Lösung: 3. Aufgabenteil (32,0 Punkte) Allgemeine Angaben Frau Dr. Rita Zahn ist verwitwet und betreibt in Aachen eine Zahnarztpraxis. Sie unterhält kein eigenes Labor und erzielt ausschließlich umsatzsteuerfreie Umsätze. Aufgabe Ermitteln Sie für den Zeitraum vom 01.01. 31.12.2009 unter Berücksichtigung der folgenden Sachverhalte den niedrigstmöglichen Gewinn nach 4 Abs. 3 EStG. Begründen Sie Ihre Entscheidungen. Nichtansätze sind ebenfalls zu begründen. Bearbeitungshinweise: Benutzen Sie für Ihre Lösung die beigefügten Lösungsblätter I IV. Die Voraussetzungen des 7g EStG sind nicht erfüllt. Gehen Sie davon aus, dass die folgenden Sachverhalte 1 6 bisher noch nicht berücksichtigt worden sind, sofern sich aus den Sachverhalten nichts Gegenteiliges ergibt. Sachverhalt 1 (4,0 Punkte) Bisher erfasste Betriebseinnahmen 830.150,00 Bisher erfasste Betriebsausgaben 371.105,00 Die Forderungen zum 31.12.2009 betrugen 38.500,00. Am 20.12.2009 hat Frau Dr. Zahn von dem Dentallabor Schmitz zwei Rechnungen über 3.500,00 + 7 % USt bzw. 2.800,00 + 7 % USt erhalten. Die Rechnung über 3.500,00 + USt bezahlte sie am 31.12.2009 per Scheck. Der Scheck wurde am 05.01.2010 eingelöst. Die zweite Rechnung über 2.800,00 + USt. überwies sie am 09.01.2010.
Sachverhalt 2 (1,5 Punkte) Ihrer Nachbarin, Frau Schneider, hat Frau Dr. Zahn im Juli 2009 für eine aufwendige Behandlung eine Honorarrechnung über 1.800,00 geschickt. Da Frau Schneider in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen lebt und ihr gelegentlich auch bei der privaten Gartenarbeit hilft, erlässt sie ihr im Oktober 2009 die Honorarrechnung. Sachverhalt 3 (7,5 Punkte) Frau Dr. Zahn betreibt die Praxis in eigenen Räumen. Die Praxisetage von 250 m 2 hat sie am 01.07.2004 erworben. Die Anschaffungskosten betrugen 600.000,00 (Grund- und Bodenanteil = 30 %). Zum 01.07.2009 überläßt sie 50 m 2 ihrem 18jährigen Sohn zu Wohnzwecken. Zu diesem Zeitpunkt beträgt der Buchwert des Gebäudeanteils 357.000,00 und der Teilwert der Praxisetage 680.000,00 (Grund- und Bodenanteil unverändert 30 %). Sachverhalt 4.1 (4,0 Punkte) Am 01.10.2009 hat Frau Dr. Zahn einen neuen Behandlungsstuhl zum Kaufpreis von 15.000,00 zzgl. 19 % USt erworben. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer beträgt 8 Jahre. Zusatzaufgabe Ermitteln Sie auch den Buchwert zum 31.12.2009. Sachverhalt 4.2 (2,0 Punkte) Am 01.11.2009 hat sie einen neuen Computer für 900,00 zzgl. 19 % USt erworben. Sachverhalt 4.3 (2,0 Punkte) Für ihr Wartezimmer hat sie am 01.07.2009 840,00 zzgl. 19 % USt erworben. 6 neue Stühle zum Gesamtkaufpreis von Sachverhalt 5 (6,5 Punkte) Ihren in 2007 angeschafften Pkw (Bruttolistenpreis bei Erstzulassung = 45.000,00 ) nutzt Frau Dr. Zahn zu mehr als 50 % zu betrieblichen Zwecken. Ein Fahrtenbuch führt sie nicht. Im Jahr 2009 ist sie an 210 Tagen von ihrer Wohnung in Jülich zu ihrer Praxis nach Aachen gefahren. Die einfache Entfernung beträgt 35 km. Sachverhalt 6 (4,5 Punkte) Für die ganzjährige Betreuung ihrer 12jährigen Tochter bezahlte Frau Dr. Zahn monatlich 400,00 zzgl. 50,00 Essensgeld = 450,00.
Name: Lösungsblatt I zum 3. Aufgabenteil (EÜR) Begründungen/Berechnungen: Zu Sachverhalt 1: Auswirkungen in : Zu Sachverhalt 2: Übertrag:
Name: Lösungsblatt II zum 3. Aufgabenteil (EÜR) Begründungen/Berechnungen: Auswirkungen in : Übertrag Zu Sachverhalt 3: Zu Sachverhalt 4.1: Übertrag:
Name: Lösungsblatt III zum 3. Aufgabenteil (EÜR) Begründungen/Berechnungen: Auswirkungen in : Übertrag Zu Sachverhalt 4.2: Zu Sachverhalt 4.3: Übertrag:
Name: Lösungsblatt IV zum 3. Aufgabenteil (EÜR) Begründungen/Berechnungen: Auswirkungen in : Übertrag Zu Sachverhalt 5: Zu Sachverhalt 6: Endgültiger Gewinn: