Biomembranen Fluidität

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Transkript:

Biomembranen Fluidität Biomembranen sind flexibel => fluid mosaic model niedere Temperaturen: Lipide sind relativ unbeweglich > annähernd kristalline Struktur der Membran oberhalb der Übergangstemperatur können sich Membranlipide schnell bewegen Übergangstemperatur ist für jede Membran charakteristisch und abhängig von Lipidzusammensetzung: je länger die Fettsäureketten, desto höher die Übergangstemperatur je höher der Anteil an gesättigten Fettsäuren, desto höher die Übergangstemperatur unterhalb der Übergangstemperatur erhöhen Sterole die Fluidität oberhalb der Übergangstemperatur verringern Sterole die Fluidität je nach Umgebungstemperatur passen Organismen die Lipidzusammensetzung der Biomembranen an, um richtige Membranfluidität zu gewährleisten

Biomembranen Fluidität Fluidität flüssiger Zustand fester Zustand aus Berg, Tymoczko, Stryer: Biochemie Tm Temperatur

Biomembranen Fluidität

Biomembranen Fluidität Anzahl der C-Atome Anzahl der Doppelbindungen Trivialname Systemat. Name T m [ C] 22 0 Behenat n-dodecanat 75 18 0 Stearat n-octadecanat 58 16 0 Palmitat n-hexadecanat 41 14 0 Myristat n-tetradecanat 24 18 1 Oleat cis-δ 9 -Octadecenat 22 T m : Schmelztemperatur, Übergang von starrem zu flüssigem Zustand bei Phosphatidylcholinen mit Paaren identischer Fettsäuren aus Berg, Tymoczko, Stryer: Biochemie

Beispiele: Biomembranen Fluidität im Winterweizen ist das Verhältnis von ungesättigten zu gesättigten Fettsäuren höher als im Sommerweizen im Fuß des Rentiers ist das Verhältnis von ungesättigten zu gesättigten Fettsäuren in den Zellmembranen höher als in den Zellen seines Oberschenkels das Öl von Lein (Linum usitatissimum), der in kühleren Zonen gezogen wurde, ist wertvoller (mehr ungesättigte Fettsäuren) als das aus wärmeren Klimazonen Phytosterole pharmazeutische Verwendung hemmen Rück-/Resorption von Cholesterin als Phyto-SERMs im Gespräch = Selektive Östrogen-Rezeptor Modulatoren als Wirkstoffe zur Behandlung der benignen Prostata-Hyperplasie (Brennnessel) Ausgangsstoffe für partialsynthetische Herstellung von Steroidhormonen

Biomembranen Membranfluss Membranen können beliebig verschmelzen => wichtige Transportfunktion größerer Teilchen durch die Plasmamembran bei Exozytose und Endozytose => wichtige Transportfunktion innerhalb der Zelle, z.b. sekretorische Glykoproteinen

Biomembranen Membranfluss

Biomembranen Wirkung von Seifen, Detergenzien und Saponine Seifen und Detergenzien sind oberflächenaktive Stoffe, d.h. sie setzen die Oberflächenspannung zwischen der wässrigen und der Lipidphase von Membranen, z.b. der Erythrozyten, herab. Die Membranlipide werden emulgiert und aus der Membran gelöst und es kommt schließlich zum Platzen der Biomembran, die Zelle stirbt ab (Hämolyse)

Saponine Hämolytische Aktivität Saponin Vorkommen Hämolyt. Gypsosid Gypsophila-Arten Index 29.300 α-hederin Hedera helix (Blätter) 150.000 Primulasaponin (Gemisch) Primula elatior (Wurzel, Rhizom) 50.000 Aescin (Gemisch) Aesculus hippocastanum (Samen) 98.000 Glycyrrhizinsäure Glycyrrhiza-Arten (Wurzel) < 2.000 Cyclamin Cyclamen europaeum (Knollen) 390.000 Sarsaparillosid Smilax-Arten (Wurzel) < 2.000 Digitonin Digitalis purpurea (Samen) 88.000 Tomatin Lycopersicon esculentum (Blätter) 170.000 H.I. = 30.000 x (Menge Standardsaponin/Menge Probe für vollständige Hämolyse) frisches, defibriniertes Rinderblut, 1:200 verdünnt

Biomembranen Physikalische Eigenschaften: Semipermeabilität, Membranpotential Membranpassage: freie Diffusion von Stoffen, folgt Konzentrationsgefälle, OHNE Trägerprotein

Biomembranen Transportmechanismen Diffusion: gleichmäßige Verteilung gelöster Stoffe im Lösungsmittel gelöster Stoff wandert in Richtung der geringeren Konzentration (Konzentrationsgradient) Lösungsmittel wandert in Richtung höherer Stoffkonzentration

Biomembranen Transportmechanismen Diffusion + Biomembran: gleichmäßige Verteilung gelöster Stoffe im Lösungsmittel kann der gelöste Stoff durch die Biomembran? kann das Lösungsmittel durch die Biomembran?

Biomembranen Physikalische Eigenschaften: Semipermeabilität, Membranpotential Barrierewirkung der Membran: freie Diffusion von Stoffen wird unterbunden durch Lipidbilayer selektiver Stofftransport über spezielle Membranproteine = Translokatoren Semipermeabilität oder selektive Permeabilität Permeabilität von Molekülen durch eine künstliche Lipiddoppelschicht

Biomembranen Physikalische Eigenschaften: Semipermeabilität, Membranpotential Membranpassage: freie Diffusion von Stoffen, folgt Konzentrationsgefälle, OHNE Trägerprotein erleichterter Transport, folgt Konzentrationsgefälle, braucht Protein als Transporteur, OHNE Energie aktiver Transport, geht GEGEN Konzentrationsgefälle, braucht Protein UND Energie

Osmose einfache Diffusion durch Membranen Biomembranen Transportmechanismen

Biomembranen Transportmechanismen Osmose: Nettobewegung eines gelösten Stoffes durch eine selektiv permeable Membran im lebenden System: Wasser wandert vom Ort der niedrigeren Stoffkonzentration zum Ort der höheren Stoffkonzentration hydrostatischer vs. osmotischer Druck führen zum Gleichgewicht

Biomembranen Transportmechanismen hypoton isoton hyperton: normalerweise: Cytosol einer Zelle isoton mit umgebendem Gewebe, z.b. 0,9 % NaCl bei Erythrozyten bei zellulärem Hirnödem: Verabreichung einer hypertonen Lösung bei dehydrierten Personen: Verabreichung einer hypotonen Lösung

Biomembranen Transportmechanismen: Einfache Diffusion bei der Plasmolyse und Deplasmolyse