tiergesundheitsdienst bayern e.v. Bienengesundheitsdienst Parasitosen der Honigbiene Dr. Andreas Schierling TGD Bayern e.v., Bienengesundheitsdienst Varroose Ein Befall von Bienenvölkern mit der Milbe Varroa destructor stellt die mit Abstand häufigste Ursache von Völkerverlusten in Mitteleuropa dar. Die Varroa-Milbe ernährt sich parasitisch von der Hämolymphe ( Bienenblut ) der Bienen und Larven, wobei neben einer Schwächung der Wirtsinsekten auch diverse Krankheiten übertragen werden. Der Zusammenbruch von Bienenvölkern nach hohem Varroa-Befall ist in der Regel weniger auf die Aktivitäten der Milbe an sich zurückzuführen, sondern vielmehr auf eine Infektion mit Viren, die beim Saugen von Hämolymphe in die Bienen und Larven gelangen. Abb. 1: Varroa-Befall auf (A) Drohn und (B) Puppe, (C) Varroa-Kot in massiv befallener Brutzelle nach Entfernen der abgestorbenen Puppe. Fotos (A) und (B): J. Fischer, (C): A. Schierling. TGD Bayern e.v., Zentrale Grub Tel. (0 89) 90 91-231 Internet: http://www.tgd-bayern.de Ust-IdNr. Senator-Gerauer-Str. 23, 85586 Poing Fax (0 89) 90 91-204 e-mail: andreas.schierling@tgd-bayern.de DE131207820
Die Vermehrung der Varroa-Milbe erfolgt in der verdeckelten Bienenbrut. Die weiblichen Milben steigen zur Reproduktion von den Bienen ab und begeben sich in die Brutzellen des Wirtsvolkes. Dort legen sie nach der Verdeckelung der Zellen ihre Eier, aus denen zu erst eine männliche Milbe schlüpft. Kurz darauf schlüpfen mehrere Weibchen, die nach der Geschlechtsreife noch in der verdeckelten Zelle von ihrem Bruder begattet werden. Die begatteten Weibchen verlassen mit der schlüpfenden Biene die Zelle und können weitere Bienen oder Brutzellen befallen. Zu Zeitpunkten mit hohem Brutaufkommen sind große Teile der Varroa-Population eines Bienenvolkes in den verdeckelten Brutzellen zu finden. Da die Drohnenbrut länger von Ammenbienen gepflegt und belaufen wird als die Arbeiterinnenbrut, haben die Milben hier mehr Zeit von den Bienen abzusteigen und die noch offenen Zellen zu befallen. Deshalb halten sich in der Drohnenbrut besonders viele Milben auf. Entnimmt man regelmäßig die verdeckelte Drohnenbrut aus den Bienenvölkern, so kann im Frühjahr die Varroa-Population ohne Einsatz von Bienenarzneimitteln bereits massiv reduzieren werden. Im weiteren Verlauf des Jahres müssen in der Regel zusätzliche Bekämpfungsmaßnahmen mit Arzneimitteln folgen, um die Bienenvölker gesund und überwinterungsfähig zu halten. Als effektive Wirkstoffe stehen hierfür organische Säuren (Ameisen-, Milch- und Oxalsäure), ätherische Öle (thymolhaltige Präparate) sowie synthetische Akarizide zur Verfügung. Um den Zeitpunkt der Varroa-Bekämpfung mit Bienenarzneimitteln und den passenden Wirkstoff effektiv bestimmen zu können, ist eine Überwachung der Varroa-Population in Bienenvölkern unerlässlich. Gute Hinweise auf den Befallsgrad liefert die Auswertung des natürlichen Milben- Abfalls im Gemüll der Völker. Genauere und von der Volksstärke unabhängige Befalls-Zahlen können mittels Auswaschung der Milben aus einer Bienenprobe ermittelt werden. Diese Methode wird auch vom BGD eingesetzt. Zu Probenziehung und -versand für eine Untersuchung des Varroa-Befalls beachten Sie bitte das BGD-Merkblatt zur Untersuchung von Bienenparasitosen. Acariose (Milbenseuche) Die Acariose wird von der Tracheenmilbe Acarapis woodi verursacht. Wie bei der Varroa handelt es sich hier um eine parasitische Milbe, die sich von der Hämolymphe ( Bienenblut ) der Bienen ernährt. Tracheenmilben halten sich im vordersten Atemröhrenpaar (Tracheen) des Bruststücks erwachsener Bienen auf. Hier findet die Vermehrung und Entwicklung sowie das Saugen der Hämolymphe statt. Sind die Tracheen von Bienen von Milben befallen, behindern die Ausscheidungen der Milben und die Milben selbst den Sauerstofftransport zur Flugmuskulatur. Die Stellen, an denen die Milben die Tracheenwand anstechen, um Hämolymphe zu saugen, vernarben, wodurch sich der Durchmesser der Tracheen ebenfalls verringert. Die Sauerstoff- Unterversorgung hat Schäden der Flugmuskulatur und einen erhöhten Totenfall zur Folge. Befallene Bienen werden schwach, flugunfähig und fallen teilweise durch asymmetrisch abgespreizte Flügel auf. Auch durch die Saugtätigkeit der Tracheenmilbe können weitere Krankheiten übertragen werden. Tracheenmilben sind anfällig gegenüber einer Milben-Behandlung mit flüchtigen Verbindungen wie Ameisensäure oder Thymol. Werden diese Wirkstoffe zur Bekämpfung der Varroose eingesetzt, wird gegen die Tracheenmilbe gleich mitbehandelt. Weiterhin ist die Förderung des Bienenumsatzes eine gute Möglichkeit gering befallene Völker zu erhalten, denn sind ausreichend Jungbienen vorhanden, können die infizierten Altbienen schnell abgehen. Im Zuge der intensiven Varroa-Bekämpfung und einer meist guten Versorgung der Bienen mit Nektar und Pollen ist die Tracheenmilbe in Deutschland seltener geworden und verursacht kaum noch Volksverluste.
Die Diagnose der Acariose im Labor des BGD erfolgt nach Präparation des ersten thorakalen Tracheenpaares durch mikroskopische Analyse. Zu Probenziehung und -versand für eine Untersuchung hinsichtlich der Acariose beachten Sie bitte das BGD-Merkblatt zur Untersuchung von Bienenparasitosen. Abb. 2: Befall mit der Tracheenmilbe Acarapis woodi. (A) Dunkel gefärbte Vernarbungen der Tracheenwand an den Stellen, an denen die Tracheenmilben Bienenblut gesaugt haben. (B) Helle, gesunde Tracheen in einem Querschnitt durch den Thorax einer nicht befallenen Biene. Fotos (A): FZ Bienen, LWG Veitshöchheim, (B): A. Schierling. Nosemose (Frühjahrs-Schwindsucht) Die Nosemose ist eine Darmerkrankung der erwachsenen Honigbiene, die durch einzellige Parasiten der Gattung Nosema verursacht wird. Die Infektion mit dem Erreger erfolgt durch Aufnahme der Dauerstadien, den Nosema-Sporen, mit dem Futter. Gelangen die Sporen in den Bienendarm, so keimen diese aus und befallen die Zellen der Darmwand. In den Darmzellen vermehren sich die Erreger, wodurch die Zellen massiv geschädigt werden und schließlich absterben. Die abgestorbenen Zellen werden in das Innere des Darmes abgestoßen, wo sie aufplatzen und große Mengen neuer Sporen freisetzen. Neue Sporen befallen entweder weitere Darmzellen oder werden mit dem Kot ausgeschieden. Nehmen gesunde Bienen die Sporen aus dem Kot auf, so werden auch sie infiziert. Durch die Schädigung der Darmzellen wird die Aufnahme von Eiweißen und Nährstoffen aus der Nahrung der Bienen massiv behindert. Dies hat eine Schwächung der Bienen zur Folge, die sich in einer Flugunfähigkeit stark befallener Bienen äußert. Vor der Beute finden sich bei höherem Befall oft Grüppchen von krabbelnden und hüpfenden Bienen mit teilweise aufgeblähtem Hinterleib. Als Versuch den Eiweißmangel auszugleichen, fressen befallene Bienen mehr Pollen als Gesunde, wodurch auch eine größere Menge an Kot anfällt. Diese erhöhte Kotmenge zieht eine starke Belastung der Kotblase mit einer Auftreibung des Hinterleibs nach sich. Sollte ein Ausfliegen wegen schlechten Wetters oder einer bereits weiter fortgeschrittenen Schwächung der infizierten Biene nicht möglich sein, koten die Bienen in der Beute ab und setzen so gewaltige Mengen der infektiösen Sporen mitten im Bienenvolk oder im direkten Umfeld der Beute frei. Oft können dann auf Waben oder Flugbrett die pünktchenförmigen, bräunlichen Kotspuren ( perlenkettenartig ) der infizierten Bienen gefunden werden. Die Folge ist eine schnelle Infektion weiterer Bienen und eine Ausbreitung der Krankheit im gesamten Volk.
Die beschriebenen durchfallartigen Symptome treten meist im Frühjahr bei einer Infektion mit dem Erreger Nosema apis auf ( Frühjahrsschwindsucht, Nosemose Typ A). Seit einigen Jahren ist jedoch mit Nosema ceranae ein neuer Erreger eingeschleppt worden, der heute vor allem in Süddeutschland weit verbreitet ist und den einheimischen Erreger bereits verdrängt. Nosema ceranae ist ursprünglich ein Parasit der östlichen Honigbiene Apis cerana, kann aber unsere westliche Honigbiene Apis mellifera ebenfalls infizieren (Nosemose Typ C). Unglücklicherweise treten die typischen Durchfallerscheinungen bei einer Infektion mit Nosema ceranae weit weniger häufig auf, was die Diagnose am Bienenstand erschwert. Weiterhin ist die Erkrankung mit der eingeschleppten Nosema-Art nicht schwerpunktmäßig auf das Frühjahr beschränkt, sondern kann ganzjährig beobachtet werden. Erhöhter Totenfall ist selten zu finden, denn infizierte Bienen fliegen aus und kehren nicht zum Volk zurück. Stark befallene Völker verlieren so viele Flugbienen ( Kahlfliegen ), dass sich die Zeit der Jungbienen zur Brutpflege verringert und diese schneller zu Sammlerinnen werden. Die Folge ist eine Vernachlässigung der Brut, die zusammen mit dem Flugbienenverlust einen Volkszusammenbruch hervorrufen kann. In Deutschland sind keine Bienenarzneimittel zur Behandlung der Nosemose zugelassen. Als Gegenmaßnahme bei einer akuten Infektion kann versucht werden den Bienenumsatz zu fördern (für ausreichend Futter und Pollen sorgen), die zu putzende Wabenfläche zu verringern und das Stockklima zu verbessern (Einengen der Völker). Wenn die Infektion noch nicht zu weit fortgeschritten ist, ist eine Selbstheilung betroffener Völker durchaus möglich. Keinesfalls dürfen infizierte Völker mit gesunden vereinigt oder deren Wabenmaterial in andere Völker gehängt werden. Vorbeugend sollten Bienenvölker nicht zu schnell erweitert und nicht an zu feuchten und schattigen/kühlen Standorten aufgestellt werden. Die Diagnose der Nosemose im Labor des BGD erfolgt durch mikroskopischen Nachweis der Sporen in Bienenhomogenaten (mit Wasser zerriebene Bienenkörper). Eine Differenzierung zwischen Nosema apis und Nosema ceranae kann mittels molekulargenetischer Analysen (PCR) durchgeführt werden. Zu Probenziehung und -versand für eine Untersuchung Ihrer Bienen auf Nosema-Sporen beachten Sie bitte das BGD-Merkblatt zur Untersuchung von Bienenparasitosen. Abb. 3: Symptome und Erreger der Nosemose. (A) Verkotete Beutenfront aufgrund massivem Nosema-Befalls (N. apis), (B) Nosema-Sporen unter dem Mikroskop (N. ceranae), (C) Schnitt durch einen mit Nosema-Sporen (rot) durchsetzten Bienendarm (blau) unter dem Mikroskop. Fotos (A): J. Fischer, (B) und (C): A. Schierling.
Malpighamoebiose (Amöbenruhr) Verursacht durch den Einzeller Malpighamoeba mellificae äußert sich die Amöbenruhr, wie auch die Nosemose Typ A, durch Durchfallsymptome. Malpighamoeba mellificae bildet ebenfalls Dauerstadien, die hier aber als Zysten bezeichnet werden. Gelangen Amöben-Zysten in den Darm erwachsener Bienen, so keimen diese aus und bilden bewegliche Amöben. Die Amöben vermehren sich und wandern aus dem Darm in die Malpighischen Gefäße ( Harnkanälchen ) der Bienen ein, wo sie erneut Zysten bilden. Die langen, schlauchförmigen Malpighischen Gefäße stellen die Nieren der Insekten dar und sind für die Beseitigung von Stoffwechselendprodukten und den Flüssigkeitshaushalt der Bienen von großer Bedeutung. Sie ziehen sich durch weite Teile der Leibeshöhle und münden am Übergang von Mittel- zu Enddarm in den Bienendarm ein. Sind große Zahlen an Amöben-Zysten in den Malpighischen Gefäßen vorhanden, so werden diese wichtigen Organe massiv geschädigt. Die Folgen sind teilweise aufgeblähte Hinterleibe und wässrige, oft schwefelgelbe Durchfälle. Können die Bienen durch Schwächung oder fehlendes Flugwetter nicht ausfliegen, so wird der Kot innerhalb der Beute auf die Waben oder in direkter Umgebung um die Beute abgegeben. In den flächigen, nicht pünktchenförmigen Kotflecken befinden sich zahlreiche infektiöse Amöben-Zysten, die mit dem Harn aus den Malpighischen Gefäßen in den Darm gelangt sind. Da ein Generationszyklus von Malpighamoeba mellificae drei bis vier Wochen umfasst, sind besonders die Winterbienen betroffen. Diese leben lange genug, um mehrere Generationen von Amöben beherbergen zu können und enthalten dann oft enorme Mengen an Amöben und Zysten. Die beschriebenen Symptome treten meist im Frühjahr bei Winterbienen auf, können aber auch zu hohem Wintertotenfall und einem Volkszusammenbruch während der Wintermonate führen. Meist geht die Malpighamoebiose mit einer Nosemose einher. Treten beide Krankheiten zusammen auf, so können sie sich gegenseitig massiv verstärken. Wirksame Medikamente gegen die Malpighamoebiose existieren derzeit nicht. Im akuten Krankheitsfall finden die bei der Nosemose beschriebenen Gegenmaßnahmen Anwendung. Die Diagnose der Malpighamoebiose im Labor des BGD erfolgt durch mikroskopischen Nachweis der Amöben-Zysten in Bienenhomogenaten (mit Wasser zerriebene Bienenkörper). Zu Probenziehung und -versand für eine Untersuchung hinsichtlich der Malpighamoebiose beachten Sie bitte das BGD-Merkblatt zur Untersuchung von Bienenparasitosen.