Binärbildverarbeitung



Ähnliche Dokumente
Binärbildverarbeitung

Morphologie auf Binärbildern

Bildverarbeitung Herbstsemester. Binärbildanalyse

Im Original veränderbare Word-Dateien

Zeichen bei Zahlen entschlüsseln

2 Darstellung von Zahlen und Zeichen

Einführung in. Logische Schaltungen

OECD Programme for International Student Assessment PISA Lösungen der Beispielaufgaben aus dem Mathematiktest. Deutschland

6.2 Scan-Konvertierung (Scan Conversion)

EDV-Fortbildung Kombi-Schulung Word-Excel Modul Excel. Informationen zum Programm. Die Programmoberfläche von Excel

Würfelt man dabei je genau 10 - mal eine 1, 2, 3, 4, 5 und 6, so beträgt die Anzahl. der verschiedenen Reihenfolgen, in denen man dies tun kann, 60!.

Segmentierung von Faserstrukturen in tomographischen Aufnahmen. Workshop Analyse der Mikrostruktur von Faserverbundwerkstoffen in Volumenbildern

Theoretische Informatik SS 04 Übung 1

Eine Logikschaltung zur Addition zweier Zahlen

Wasserfall-Ansätze zur Bildsegmentierung

Lineargleichungssysteme: Additions-/ Subtraktionsverfahren

Regionen in Binärbildern

Professionelle Seminare im Bereich MS-Office

Computer Vision I. Nikos Canterakis. Lehrstuhl für Mustererkennung, Universität Freiburg

Word 2010 Grafiken exakt positionieren

WORKSHOP für das Programm XnView

Übungsaufgaben. - Vorgehensweise entsprechend dem Algorithmus der schriftlichen Multiplikation

Lineare Funktionen. 1 Proportionale Funktionen Definition Eigenschaften Steigungsdreieck 3

Informationssysteme Gleitkommazahlen nach dem IEEE-Standard 754. Berechnung von Gleitkommazahlen aus Dezimalzahlen. HSLU T&A Informatik HS10

4. AUSSAGENLOGIK: SYNTAX. Der Unterschied zwischen Objektsprache und Metasprache lässt sich folgendermaßen charakterisieren:

Kapitalerhöhung - Verbuchung

Daten verarbeiten. Binärzahlen

Inhalt. Bildaufnahme / Digitale Bilder. Kameras CCD Sensoren Auge Sampling / Aliasing Quantisierung

Programmierkurs Java

Teaser-Bilder erstellen mit GIMP. Bildbearbeitung mit GIMP 1

Erstellen von x-y-diagrammen in OpenOffice.calc

Data Mining: Einige Grundlagen aus der Stochastik

Java Einführung Operatoren Kapitel 2 und 3

Melanie Kaspar, Prof. Dr. B. Grabowski 1

W-Rechnung und Statistik für Ingenieure Übung 11

R ist freie Software und kann von der Website.

Durch diese Anleitung soll eine einheitliche Vorgehensweise bei der Vermessung und Bewertung von Golfplätzen sichergestellt werden.

Computerarithmetik ( )

Lineare Gleichungssysteme

Lösung. Prüfungsteil 1: Aufgabe 1

Wintersemester Maschinenbau und Kunststofftechnik. Informatik. Tobias Wolf Seite 1 von 16

Diese Prozesse und noch viele andere Tricks werden in der Digitalfotografie mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen, wie z. B. Gimp, bewältigt.

Lichtbrechung an Linsen

Mathematik. UND/ODER Verknüpfung. Ungleichungen. Betrag. Intervall. Umgebung

Unterrichtsmaterialien in digitaler und in gedruckter Form. Auszug aus: Übungsbuch für den Grundkurs mit Tipps und Lösungen: Analysis

Projektdokumentation

Leseprobe. Wilhelm Kleppmann. Versuchsplanung. Produkte und Prozesse optimieren ISBN: Weitere Informationen oder Bestellungen unter

Wurzeln als Potenzen mit gebrochenen Exponenten. Vorkurs, Mathematik

Wir unterscheiden folgende drei Schritte im Design paralleler Algorithmen:

Bei Konstruktionen dürfen nur die folgenden Schritte durchgeführt werden : Beliebigen Punkt auf einer Geraden, Strecke oder Kreislinie zeichnen.

5. Bildauflösung ICT-Komp 10

Lineare Gleichungssysteme I (Matrixgleichungen)

HIER GEHT ES UM IHR GUTES GELD ZINSRECHNUNG IM UNTERNEHMEN

Herstellen von Symbolen mit Corel Draw ab Version 9

Einführung. Vorlesungen zur Komplexitätstheorie: Reduktion und Vollständigkeit (3) Vorlesungen zur Komplexitätstheorie. K-Vollständigkeit (1/5)

CdsComXL. Excel add-in für Bearbeitung und Auswertung der CDS-daten. ComXL-020/D, Spur Spur Spur Spur

ACDSee 2009 Tutorials: Rote-Augen-Korrektur

Gimp Kurzanleitung. Offizielle Gimp Seite:

Bilderzeugung Pixel. Daniela Glatz Jasmin Rießle. Sommersemester 2012

Theoretische Grundlagen der Informatik WS 09/10

Programmiersprachen und Übersetzer

Paint.Net Der Paint.NET Bildschirm

Rente = laufende Zahlungen, die in regelmäßigen Zeitabschnitten (periodisch) wiederkehren Rentenperiode = Zeitabstand zwischen zwei Rentenzahlungen

Wissenswertes über binäre Felder

Zahlen auf einen Blick

Einführung in Bildverarbeitung und Computervision

1 Mathematische Grundlagen

Leere Zeilen aus Excel-Dateien entfernen

Binäre Gleitkommazahlen

Kapitel 9. Kombination von Vektor- und Rasterdaten. Rasterdaten. 3. Transformationen des Formats. 4. Kombinierte Auswertungen

Vorbereitungsaufgaben

Die Übereckperspektive mit zwei Fluchtpunkten

Grundlagen der Videotechnik. Redundanz

Clustering Seminar für Statistik

Der Aufruf von DM_in_Euro 1.40 sollte die Ausgabe 1.40 DM = Euro ergeben.

Belichtung mit Tonwertkorrektur verbessern

Woraus besteht ein Bild? (c) Winfried Heinkele

Codierungsverfahren SS Reed-Solomon-Codes zur Mehrblock-Bündelfehler-Korrektur

Definition und Begriffe

Steganographie mit Rastergrafiken

n S n , , , , 167 Nach einem Jahr beträgt der Schuldenstand ca. 1177,09.

10.1 Auflösung, Drucken und Scannen

Komplexe Zahlen und Wechselstromwiderstände

Anleitung zur Excel-Anwendung Basisprämienberechnung

Grundbegriffe der Informatik

5.4 Bilder im Textfluss verankern

Industrielle Bildverarbeitung

1.1 Auflösungsvermögen von Spektralapparaten

Entladen und Aufladen eines Kondensators über einen ohmschen Widerstand

Wie optimiert man die Werbungserkennung von Ad- Detective?

Infrarot Thermometer. Mit 12 Punkt Laserzielstrahl Art.-Nr. E220

1. Trennlinie mit hr Eine dünne Trennlinie wie die obige in der Regio-Farbe (gelb) kann man recht einfach erstellen. Dafür reicht der Befehl

Das große ElterngeldPlus 1x1. Alles über das ElterngeldPlus. Wer kann ElterngeldPlus beantragen? ElterngeldPlus verstehen ein paar einleitende Fakten

Proxy. Krishna Tateneni Übersetzer: Stefan Winter

BASIS Karten, WEA-Katalog, Projektierung, Objekte etc.

Erstellen einer Collage. Zuerst ein leeres Dokument erzeugen, auf dem alle anderen Bilder zusammengefügt werden sollen (über [Datei] > [Neu])

16. All Pairs Shortest Path (ASPS)

Wichtig ist die Originalsatzung. Nur was in der Originalsatzung steht, gilt. Denn nur die Originalsatzung wurde vom Gericht geprüft.

Aufgaben zur Flächenberechnung mit der Integralrechung

Zahlen und das Hüten von Geheimnissen (G. Wiese, 23. April 2009)

Transkript:

Prof. Dr.-Ing. Thomas Zielke " Binärbildverarbeitung SS 2013 3.1

Anwendungen von Binärbildern" Ein Bild mit nur zwei Grau/Farb-Stufen nennt man Binärbild. In der Regel werden Bildpunkte mit dem Wert Null (0) als Hintergrund und Bildpunkte mit dem Wert 1 (bzw. 255 bei 8-Bit-Bildern) als Objektpunkte betrachtet. Wichtige Anwendungen von Binärbildern sind: Übertragung und Speicherung von Textdokumenten in Form von Rasterbildern (Fax, Archivierung von eingescannten Papierdokumenten). Einfache Objektanalyse und Vermessungsaufgaben in der industriellen Bildverarbeitung. Repräsentation bzw. Maskierung von Bildregionen bei der digitalen Bildverarbeitung und bei der Videoproduktion (z.b. Bluebox-Verfahren). SS 2013 3.2

Entstehung von Binärbildern (1)" Bei der digitalen Verarbeitung von Textdokumenten oder Zeichnungen werden die Rasterbilder oft direkt als Binärbilddateien erzeugt (i.d.r. mit Hilfe eines Scanners). Binärbilder entstehen auch als Zwischenergebnisse in komplexen Bildauswerteprozessen (labeling). Aus Grafikelementen erzeugt man Binärbilder durch Rasterung der Objektregionen. Anwendungsbeispiel: Bildmaskierung. Grafisches Grundelement Positionierung Binäre Maske Maskiertes Originalbild SS 2013 3.3

Entstehung von Binärbildern (2) Binarisierung" Als Binarisierung bezeichnet man die Anwendung einer Schwellwert-Operation auf ein Graustufenbild (threshholding): Sei B[i,j] ein Binärbild mit i 0...N-1 (N Zeilen) und j 0...M-1 (M Spalten), dann entsteht B[i,j] aus einem Grauwertbild G[i,j] und einem Schwellwert T durch die Operation : 1 wenn G[i,j] T B[i,j] = Alternativ kann die Schwellwert-Operation von zwei Schwellen T 1 und T 2 abhängen: B[i,j] = 0 sonst 1 wenn T 1 G[i,j] T 2 0 sonst SS 2013 3.4

Beispiele für Schwellwert-Operationen (Binärwert "0" in Blau dargestellt)" Binärbild mit T=48 Binärbild mit T=21 Originalbild, Grauwertbereich: 0...255 Binärbild mit T1=135 und T2=255 Binärbild mit T1=2 und T2=48 SS 2013 3.5

Helligkeitshistogramm (1) brightness histogram" Ein Histogramm der Helligkeits- bzw. Intensitätswerte eines Bildes beschreibt die Häufigkeit mit der die einzelnen diskreten Intensitätsstufen im Bild vorkommen. Das Histogramm ist eines der einfachsten und wichtigsten statistischen Analyseverfahren in der Bildverarbeitung. unsigned char image[480][640]; int histo[256]; int i, j, k; for (k=0; k<256; k+=1) histo[k]=0; /* clear array */ for (i=0; i<480; i+=1) for (j=0; j<640; j+=1) histo[ image[i][j] ] += 1; Algorithmus zur Berechnung eines Helligkeitshistogramms in der Programmiersprache C. Das Bild hat max. 256 Graustufen im Bereich von 0 bis 255. SS 2013 3.6

Helligkeitshistogramm (2) Beispiel" Absolute Häufigkeit der Intensitätsstufen Helligkeitshistogramm von "tools" (Plot erstellt mit Excel) Original- Grauwertbild "tools" 6000 5000 4000 3000 2000 1000 0 Histogramm- Ausgabe von ImageJ Intensitätsstufen: 0...255 SS 2013 3.7

Schwellwert-Bestimmung zur objektbezogenen Binarisierung von Grauwertbildern (1)" Mit einem "idealen" Schwellwert sollte man Objekt und Hintergrund exakt trennen können nur selten möglich. Mit einem "optimalen" Schwellwert erreicht man die theoretisch und/oder perzeptiv beste Trennung von Objekt und Hintergrund. Das Histogramm ist das wichtigstes Hilfsmittel für die Bestimmung des "besten" Schwellwerts. Zur Histogrammanalyse gibt es viele z.t. komplexe Verfahren. In Bildern von natürlichen Szenen (normale Lebensumgebungen von Menschen) können Objekte i.d.r. nicht durch Grauwertschwellen vom Hintergrund unterschieden werden! SS 2013 3.8

Schwellwert-Bestimmung zur objektbezogenen Binarisierung von Grauwertbildern (2)" In Bildern von künstlichen Szenen können Objekte mit homogenen Oberflächen oft durch eine Schwellwertoperation getrennt werden. Übliche Annahme: Die Helligkeitsverteilungen sowohl der Objekte als auch des Hintergrunds ähneln der Normalverteilung. Modell Hintergrund Helligkeitsverteilung des Objekts Histogramm SS 2013 3.9

Vermessung von binären Bildobjekten (1) Größe / Fläche (size / area)" Es sei B[i,j] ein Binärbild mit dem Wertevorrat {0,1} und den Dimensionen N (Zeilenanzahl) und M (Spaltenanzahl). Die Fläche (Größe) A des Binärbildes berechnet sich als: (0,0) Bsp. "Flugzeug": A=72 (Objektpixel schwarz) j N!1 " i=0 M!1 " j= 0 A = B[i, j] i 20 x 30 Pixel Auflösungsreduktion um Faktor 100 bzw. um Faktor 10 in beiden Dimensionen 200 x 300 Pixel SS 2013 3.10

Vermessung von binären Bildobjekten (2) Position / Schwerpunkt (position / center of area)" Das Binärbild B[i,j] hat Hintergrund-Pixel mit dem Wert 0 (hier weiß dargestellt) und Objektpixel mit dem Wert 1 (hier schwarz dargestellt). Die Flächenschwerpunkt (y c,x c ) des Binärbildes berechnet sich als: (0,0) 13.4 10.3 i 20 x 30 Pixel j xc = yc = # N "1 # M"1 i=0 j=0 A # N "1 # M"1 i=0 j=0 A j!b [i,j ] i!b[ i, j ] Flächenschwerpunkt des Flugzeugs: y c =10.3, x c =13.4 SS 2013 3.11

Vermessung von binären Bildobjekten (3) Orientierung (orientation)" Die "Massenträgheitsachse" (axis of least second moment) liefert eine Information über die Orientierung eines Binärbilds. Für die Berechnung der Orientierung wird der Ursprung des Koordinatensystems zunächst in den Flächenschwerpunkt (y c,x c ) des Bildobjekts verschoben. (0,0) r θ Flächenschwerpunkt (y c,x c ) c "Orientierungsachse" SS 2013 3.12

Vermessung von binären Bildobjekten (4) Berechnung der Orientierung" Flächenschwerpunkt (y c,x c ) c j Der Winkel θ wird von der r-achse gegen den Uhrzeigersinn gemessen. Die Orientierungsachse wird durch den Flächenschwerpunkt und den Winkel θ bestimmt: i! r tan(2!)= 2 # N"1 M "1 # i =0 j= 0 # N"1 # M "1 i =0 j= 0 i j B[i, j] N"1 M "1 # i =0 j= 0 i 2 B[i, j] " j 2 B[i, j] # SS 2013 3.13

Vermessung von binären Bildobjekten (5) Umfang (perimeter)" Einen einfachen Schätzwert für den Umfang eines binären Bildobjekts erhält man durch Zählen aller Objektpixel, die mindestens ein Hintergrundpixel zum Nachbarn haben. Verschiedene gebräuchliche Definitionen des Umfangs einer digitalen Bildregion liefern zum Teil signifikant unterschiedliche Ergebnisse. Umfang P = 64 "Flugzeug" (Objektpixel weiß und Hintergrundpixel blau dargestellt) Umfang des Objekts "Flugzeug": Die Randpixel (rot) werden gezählt. SS 2013 3.14

Form (shape) von binären Bildobjekten (1) Rundheit (roundness)" Der Kreis ist die rundeste (kompakteste) geometrische Figur. Langgestreckte Figuren sind weniger rund. Für einen Kreis mit Fläche A und Umfang P gilt: P 2 A! 4" Rundheit (roundness) wird definiert als: R = 4! A P 2 A: 2188 P: 173 Rundheit R: 0.92 A: 3680 P: 250 Rundheit R: 0.74 A: 750 P: 255 Rundheit R: 0.14 A: 2311 P: 260 Rundheit R: 0.43 A: 3422 P: 232 Rundheit R: 0.8 A: 507 P: 129 Rundheit R: 0.38 SS 2013 3.15

Projektionen (1) (projections)" Horizontale und vertikale Projektionen eines Bildes erhält man durch die Summation der Pixelwerte entlang der Bildzeilen bzw. Bildspalten. Horizontale Projektion Vertikale Projektion SS 2013 3.16

Projektionen (2) (projections)" Die Projektion H[i] entlang der Zeilen und die Projektion V [j] entlang der Spalten eines Bildes B[i,j] sind definiert als: Horizontale Projektion M!1 " j =0 H[i] = B[i, j] Vertikale Projektion N!1 " i =0 V[ j] = B[i, j] Anwendungsbeispiel für Projektionen: Textsegmentierung SS 2013 3.17

Bounding Box (Umschließendes Rechteck)" Die "bounding box" ist das kleinste umschließende Rechteck eines Objekts im Bild. Projektionen sind ein Hilfsmittel um eine bounding box zu bestimmen. Das Seitenverhältnis (aspect ratio) der bounding box ist ein "Länglichkeitsmerkmal": c max! c min +1 r max! r min +1 c min c max r min r max Bounding Box für "Flugzeug" SS 2013 3.18

Nachbarschaften in digitalen Bildern (im quadratischen/rechteckigen Gitter)" 4-Nachbarschaft: [i+1,j], [i-1,j], [i,j+1], [i,j-1] 8-Nachbarschaft: [i+1,j+1], [i+1,j-1], [i-1, j+1], [i-1,j-1] und alle 4-Nachbarn [i,j] Abstand im quadratischen Gitter: 1 [i,j] 2 (im quadratischen Gitter) SS 2013 3.19

Pfad und Konnektivität (path and connectivity)" Ein Pfad von dem Pixel an Position [i 0,j 0 ] zu dem Pixel an [i n,j n ] ist eine Sequenz von Pixel-Positionen [i 0,j 0 ], [i 1,j 1 ],..., [i n,j n ] so dass der Pixel an [i k,j k ] ein Nachbar des Pixels an [i k+1,j k+1 ] ist, und zwar für alle k mit 0 k n-1. Wenn die Nachbarschaftsrelation 4-verbunden ist (4-Nachbarschaft), dann ist der Pfad ein 4-Pfad; bei einer 8-Nachbarschaft ist der Pfad ein 8-Pfad. Ein Pixel p S wird als verbunden (connected) mit q S bezeichnet, wenn es einen Pfad von p nach q gibt, der vollständig aus Pixeln der Menge S besteht. S kann z.b. die Menge der Pixel mit einem bestimmten Farb- bzw. Grauwert sein. 4-Pfad 8-Pfad SS 2013 3.20

Connected Components (Zusammenhangskomponenten)" Eine Menge von Pixeln, in der jedes Pixel mit allen anderen Pixeln verbunden ist, bezeichnet man als connected component. In der industriellen Bildverarbeitung (machine vision) ist das Finden von connected components in einem Bild eine häufig verwendete Operation component labeling. In der Literatur werden etliche Connected Components Algorithmen beschrieben, die sich hauptsächlich im Rechenaufwand unterscheiden. Connected Component Algorithmus 1 1 1 1 1 1 3 1 3 3 3 3 3 3 2 2 2 2 2 2 2 4 4 4 4 5 5 5 5 5 5 5 SS 2013 3.21

Analyse von Partikeln mit Hilfe von Component Labeling (Beispiel)" Binarisierung Labeling Auswertung (ImageJ: "Analyze Particles") SS 2013 3.22

Distanzmaße (distance measures)" In vielen Anwendungen muss der Abstand zwischen zwei Pixel- Positionen berechnet werden. In der digitalen Geometrie gibt es hierfür mehrere Distanzmaße. Die wichtigsten sind: Euklidische Distanz zwischen zwei Pixeln p und q: D Euclid (p, q) = (i p!i q ) 2 + ( j p! j q ) 2 Beispiel: D Euclid = 5.83 City-Block Distanz zwischen zwei Pixeln p und q: D City ( p, q) = i p! i q + j p! j q Schachbrett Distanz zwischen zwei Pixeln p und q: D Chess (p, q) = max( i p!i q, j p! j q ) Beispiel: D Chess = max(5,3) = 5 Beispiel: D City = 5 + 3 = 8 SS 2013 3.23

Arithmetische und logische Operationen auf Bildern" Arithmetische und logische Operationen werden pixelweise auf das (die) gesamte(n) Bild(er) angewandt. Es gibt drei Formen von Operationen: Einstellige (unäre) Operation. Beispiel: NOT logische Negation der Pixelwerte. Zweistellige Operation mit einem Bild und einer Konstanten als Operanden. Beispiel: Multiplikation aller Pixelwerte mit dem Faktor 1,2 ( Bild wird 20% heller). Zweistellige Operation mit zwei Bildern als Operanden. Beide Bilder müssen gleiche Dimensionen (Zeilenanzahl und Spaltenanzahl) und den gleichen Pixel-Typ (z.b. Byte oder 24-Bit Integer) haben. Beispiel: Addition zweier Bilder ( Bilder werden "gemischt"). SS 2013 3.24

Logische Operationen auf Bildern" Logische Operationen sind in erster Linie wichtig zur Maskierung von Bildregionen. Häufig verwendete logische Operationen: AND AND = OR OR = NOT NOT SS 2013 3.25

Expansion und Schrumpfung (1)" Ein binäres Bildobjekt (connected component) kann systematisch ausgedehnt oder geschrumpft werden. Ein einfaches Verfahren ist: Expansion (expansion) Ändere ein Pixel von '0' zu '1' wenn mindestens ein Nachbarpixel '1' ist. Schrumpfung (shrinking) Ändere ein Pixel von '1' zu '0' wenn mindestens ein Nachbarpixel '0' ist. Geschrumpftes Bild Original ('0': hell, '1': dunkel) Expandiertes Bild SS 2013 3.26

Expansion und Schrumpfung (2)" Die Expansion ist nicht die Umkehrung der Schrumpfung! Expansion gefolgt von Schrumpfung wird benutzt, um ungewollte "Löcher" in binären Bildobjekten zu füllen. Schrumpfung gefolgt von Expansion kann isolierte Stör-Pixel entfernen. Generell können mit Kombinationen von Expansionen und Schrumpfungen sehr nützliche und scheinbar komplexe Operationen auf binären Bildern realisiert werden. Die Klasse dieser Operationen bezeichnet man als Morphologische Filter. SS 2013 3.27

Dilatation und Erosion (dilation and erosion) " In der Theorie der Morphologischen* Bildverarbeitung werden die Generalisierungen von Expansion und Schrumpfung als Dilatation bzw. Erosion bezeichnet. Eine Erosion gefolgt von einer Dilatation wird Opening (Öffnung) genannt. Eine Dilatation gefolgt von einer Erosion wird Closing (Schließung) genannt. *Morphologie ist die Wissenschaft von Gestalt, Form, und Struktur von Körpern SS 2013 3.28

Morphologische Filterung mit Strukturelement (structuring element)" Morphologischer Filterprozess: Der Ursprung des Strukturelements wird sukzessiv über allen Bildpositionen platziert. Nur die mit '1' markierten Felder des Strukturelements werden berücksichtigt. Binärbild (weiß = 0, dunkel = 1) Strukturelement (Ursprung dunkelblau, weiße Felder = don't care) '0' '1' SS 2013 3.29

Dilatation (dilation) " Die Dilatation wird dadurch ausgeführt, dass ein Strukturelement als eine Art Filtermaske über alle Bildpositionen "geschoben" wird: Wenn der Ursprung des Strukturelements (structuring element) auf einer '0' liegt, dann nehme keine Änderung am Zielbild vor (initial vollständig mit '0' besetzt). Wenn der Ursprung des Strukturelements (structuring element) auf einer '1' liegt, dann führe die logische OR-Operation zwischen Strukturelement und Originalbild aus (Zielbildpixel wird '1' wenn mindestens ein '1'-Pixel von Bild und Strukturelement übereinander liegen). 0 Originalbild 1 Strukturelement: x = Ursprung Bild nach der Dilatation; Originalumrisse gestrichelt = '1' SS 2013 3.30

Originalbild Erosion (erosion) " Die Erosion wird dadurch ausgeführt, dass ein Strukturelement als "Filtermaske" über alle Bildpositionen "geschoben" wird: Wenn der Ursprung des Strukturelements (structuring element) auf einer '0' liegt, dann nehme keine Änderung am Zielbild vor (initial vollständig mit den Pixelwerten des Originalbilds besetzt). Wenn der Ursprung des Strukturelements (structuring element) auf einer '1' liegt und mindestens ein '1'-Pixel des Strukturelements auf einem '0'- Pixel des Originalbilds liegt, dann setze diese Zielbildposition auf '0'. 0 1 Strukturelement: x = Ursprung Bild nach der Erosion; Originalumrisse gestrichelt = '1' SS 2013 3.31

Anwendung von Dilatation und Erosion (Beispiele) " Resultat einer Erosion (1 Iteration) Originalbinärbild Resultat einer Dilatation (1 Iteration) Ergebnis nach Sequenz von Dilatation und Erosion (je 2 Iterationen) SS 2013 3.32

Morphologische Filterung weitere Beispiele" Original-Binärbild Opening (Erosion gefolgt von einer Dilatation) Closing Dilatation gefolgt von einer Erosion Erosion Dilatation SS 2013 3.33