Technische Universität München Management Accounting Lehrstuhl für BWL - Controlling Prof. Dr. Gunther Friedl Emails für Fragen und Anmerkungen: cornelia.hojer@tum.de
2 Gunther Friedl WS 14/15 Aufgabe 1: Verschiedene Teilgebiete des Management Accounting (22 Punkte) 1.1 Wie kommt eine Abweichung 2. Grades zustande? Nennen Sie drei Verfahren der Zurechnung dieser Abweichung. (5 Punkte) Eine Abweichung 2. Grades kommt durch die multiplikative Verknüpfung zweier Einflussgrößen zustande (bei denen es eine Abweichung gab) (2P.) Drei Verfahren zur Zurechnung: alternativ, kumulativ, differenziert-kumulativ (3 P.) 1.2 Beschreiben Sie die Zielsetzungen des Target Costing. Würde sich das Target Costing zum Einsatz in der Automobilindustrie eignen? Begründen Sie Ihre Antwort. (5 Punkte) Zielsetzung des Target Costing: Ausrichtung am Markt: Was darf ein Produkt kosten? Langfristige Ausrichtung über den gesamten Produktlebenszyklus Eignet sich in der Automobilbranche (1P.) Begründung (2P.)
3 Gunther Friedl WS 14/15 1.3 Vergleichen Sie den investitionstheoretischen Ansatz der Kostenrechnung mit der Prozesskostenrechnung anhand dreier von Ihnen gewählter Kriterien. (6 Punkte) Merkmal Prozesskostenrechnung Investitionstheoretischer Ansatz Rechnungsweck Rechnungsziel Entscheidungsziel Rechnungstyp Rechnungsgrößen Zentrales Kostenrechnungsprinzip Zentrale Einflussgröße Kostenfunktion Umfang der Kostenverrechnung Zeitliche Reichweite Aufbau der Rechnung Planung und Kontrolle Stück-/ Periodendeckungsbeitrag, Stück-/ Periodengewinn Erfolgsziel kalkulatorisch Kosten und Erlöse Verursachungsprinzip Beschäftigung, aber auch andere qualitative Einflussgrößen mehrvariablige lineare Kostenfunktion eher Vollkostenrechnung eine Periode prozessorientiert Planung Kapitalwert Erfolgsziel pagatorisch Ein- und Auszahlungen Art "Identitätsprinzip" Entscheidung Investitionsteheoretische fundierte Kapitalwertfunktion mehrere Perioden kostenartenorientiert
4 Gunther Friedl WS 14/15 1.4 Welche der Annahmen gehört nicht zu dem investitionstheoretischen Ansatz? (1,5 Punkte) Sichere Erwartungen bzgl. der Cash-Flows Risikoaversion des Entscheiders Kein technischer Fortschritt 1.5 Für welche Abweichungsart ist der Kostenstellenleiter nicht verantwortlich? (1,5 Punkte) Die Beschäftigungsabweichung Die variable Effizienzabweichung Die Verbrauchsabweichung 1.6 In welchem Kostenrechnungssystem ist die Entscheidung die zentrale Einflussgröße? (1,5 Pkt.) In der Grenzplankostenrechnung Im Target Costing In der relativen Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung 1.7 Welche Aussage trifft auf das Umsatzkostenverfahren zu? (1,5 Pkt.) Kostenarten werden in der Rechnung ersichtlich Übernahme der Kosten ist direkt aus der Finanzbuchhaltung möglich Erfolgsbeiträge sind direkt je Produktgruppe/-art sichtbar
5 Gunther Friedl WS 14/15 Aufgabe 2: Mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung (38 Punkte) Die HöWu AG produziert seit vielen Jahren verschiedene Fleischprodukte. Derzeit werden die Produkte Nürnberger Grillwürste, Fürther Käsewürste und Münchner Weißwürste produziert. Folgende Informationen liegen Ihnen über Preise und Einzelkosten (Löhne und Material) vor: Nürnberger Fürther Münchner Preis [Euro] 2,50 3 2 Einzelkosten (Löhne und Material) [Euro] 2,20 1,60 1,35 Die Produkte Nürnberger Grillwürste und Fürther Käsewürste werden in der Kostenstelle I produziert, die Münchner Weißwürste in der Kostenstelle II. Es liegen folgende Informationen über die Fertigungsgemeinkosten in den Kostenstellen vor: FGK Variabel [Euro] Fix [Euro] Kostenstelle I 6.000 7.500 Kostenstelle II 3.600 3.000
6 Gunther Friedl WS 14/15 Die HöWu AG unterteilt ihr Absatzgebiet in die zwei Regionen Bayern und Franken. Die Produkte werden über selbstständige Supermärkte vertrieben, für die die HöWu AG einen Fixkostenanteil übernimmt und zum anderen Provisionen zahlt. Die Fixkosten betragen in Bayern 1500 Euro und in Franken 2500 Euro. Die Provisionen verteilen sich wie folgt auf die Produkte und Regionen: Provisionen auf den Umsatz Nürnberger Fürther Münchner Bayern 15 % 8 % 7 % Franken 5 % 8 % 18 % Weiterhin fallen fixe Kosten für die Unternehmensleitung in Höhe von 3.000 Euro an. Die Absatz- und Herstellmengen der Produkte in den beiden Regionen betragen: Produkt Region Menge Nürnberger Bayern 5.000 Franken 10.000 Fürther Bayern 7.500 Franken 7.500 Münchner Bayern 10.000 Franken 8.000
7 Gunther Friedl WS 14/15 2.1 Berechnen Sie die variablen Fertigungsgemeinkosten pro Stück für die drei Produkte. Verteilen Sie dazu die Fertigungsgemeinkosten von KSt I entsprechend der Fertigungszeiten. (3 Punkte) Produkt Fertigungszeit [min] Gesamte Menge Nürnberger 1 15.000 Fürther 1,5 15.000 Nürnberger Fürther Münchner Fertigungszeit Gesamt 15000 22500 Kosten gesamt 2400 3600 Kosten pro Stück 0,16 0,24 0,2
8 Gunther Friedl WS 14/15 2.2 Führen Sie eine mehrfach gestufte Deckungsbeitragsrechnung durch. Sie vermuten insbesondere, dass das Produkt Nürnberger Grillwürste in Bayern und das Produkt Münchner Weißwürste in Franken einen negativen Erfolgsbeitrag leistet. Verwenden Sie daher die Hierarchie: Kostenstellen Produkte Regionen. (23 Punkte) KST 1 2 Produkt Nürnberger Fürther Nürnberger Region B F B F B F Erlöse Provisionen Nettoerlös Var. EK var. FGK DB 1 -KSt Fixkosten DB 2 - Handelsfixkosten - Unternehmensfixkosten Erfolg
9 Gunther Friedl WS 14/15 2.2 Führen Sie eine mehrfach gestufte Deckungsbeitragsrechnung durch. Sie vermuten insbesondere, dass das Produkt Nürnberger Grillwürste in Bayern und das Produkt Münchner Weißwürste in Franken einen negativen Erfolgsbeitrag leistet. Verwenden Sie daher die Hierarchie: Kostenstellen Produkte Regionen. (23 Punkte) KST 1 2 Produkt Nürnberger Fürther Münchner Region B F B F B F Preis 2,5 2,5 3 3 2 2 Menge 5000 10000 7500 7500 10000 8000 Provisionen 0,15 0,05 0,08 0,08 0,07 0,18 Material und Lohn 2,2 2,2 1,6 1,6 1,35 1,35 Erlöse 12500 25000 22500 22500 20000 16000 Provisionen 1875 1250 1800 1800 1400 2880 Nettoerlös 10625 23750 20700 20700 18600 13120 Var. EK 11000 22000 12000 12000 13500 10800 var. FGK 800 1600 1800 1800 2000 1600 DB 1-1175 150 6900 6900 3100 720 -KSt Fixkosten 7500 3000 DB 2 5275 820 - Handelsfixkosten 4000 - Unternehmensfixkosten 3000 Erfolg -905 2.3 Welche Empfehlung würden Sie hinsichtlich der Sortimentspolitik abgeben? Begründen Sie Ihre Ansicht. (2 Punkte) Nürnberger in Bayern auch kurzfristig nicht mehr absetzen (Verbundseffekte beachten)/ var. Kosten senken (1P.), da DB1 negativ (1.P)
10 Gunther Friedl WS 14/15 2.4 Welche Hierarchie müsste Ihre Deckungsbeitragsrechnung aufweisen, um eine möglichst genaue Analyse der Erfolgsbeiträge der beiden Regionen zu erhalten? Welche Kosten können dadurch anders als in Aufgabe 2.2 auf beide Regionen verteilt werden? (4 Punkte) Hierarchie: Regionen Kostenstellen Produkte (2P.) Dadurch könnten die Fixkosten den Regionen zugeordnet werden (richtig ist auch: fixe Provisionen, Fixkostenanteil für die Supermärkte...) (2P.) 2.5 Nennen Sie zwei Unterschiede und zwei Gemeinsamkeiten zwischen der Grenzplankostenrechnung und der Relativen Einzel- und Deckungsbeitragsrechnung nach Riebel. (6 Punkte) Merkmal GPKR REDR Rechnungsweck Planung und Kontrolle Planung und Kontrolle Rechnungsziel Entscheidungsziel Stück-/ Periodendeckungsbeitrag, Periodengewinn Erfolgsziel Stück-/ Periodendeckungsbeitrag, Periodengewinn Erfolgsziel Rechnungstyp kalkulatorisch pagatorisch Rechnungsgrößen Kosten und Erlöse Ein- und Auszahlungen Zentrales Kostenrechnungsprinzip Verursachungsprinzip Identitätsprinzip Zentrale Einflussgröße Beschäftigung Entscheidung Kostenfunktion Umfang der Kostenverrechnung Zeitliche Reichweite Aufbau der Rechnung mehrvariablige lineare Kostenfunktion Teilkostenrechnung eine Periode kostenstellenorientiert Mehrdim. lineare Kostenzusammenhänge, keine Kostenfunktion Teilkostenrechnung eine / mehrere Perioden kostenstellenorientiert
11 Gunther Friedl WS 14/15 Aufgabe 3: Prozesskostenrechnung (30 Punkte) Ihr Unternehmen produziert ein Produkt in den drei Varianten A, B und C. Folgende Plandaten liegen Ihnen für die nächste Periode vor: Variante Planherstellmenge Absatzpreis [ /Stück] Fertigungseinzelkosten [ /Stück] Materialeinzelkosten [ /Stück] A 160 150 20 15 B 240 120 30 25 C 200 200 40 10 In der Materialkostenstelle werden in der folgenden Periode Materialgemeinkosten in Höhe von 72.000 Euro anfallen. Eine Funktionsanalyse ergab, dass sich diese Gemeinkosten auf drei Arten von leistungsmengeninduzierten (lmi) Prozessen zurückführen lassen, die entweder von der Ausbringungsmenge oder der Anzahl von Produktvarianten abhängen. Dabei handelt es sich um die Prozesse Wareneingang, Qualitätskontrolle und Lagerung. Leistungsmengenneutrale Kosten wurden nicht identifiziert. Prozessart Planprozessmenge geplante Gesamtkosten der Planprozessmenge [Euro] ausbringungsmengenabhängige Prozessmenge Variantenzahlabhängige Prozessmenge Wareneingang 1.000 18.000 200 800 Kontrolle 1.000 30.000 1.000 0 Lagerung 3.000 24.000 750 2.250
12 Gunther Friedl WS 14/15 3.1 Bestimmen Sie die leistungsmengeninduzierten Prozesskostensätze für die drei Prozesse. (3 Punkte) Prozesskostensätze Wareneingang 18 Euro Kontrolle 30 Euro Lagerung 8 Euro (je 1P.) 3.2 Bestimmen Sie die ausbringungsmengenabhängigen sowie die variantenzahlabhängigen Materialgemeinkosten pro Stück für jede der drei Varianten mithilfe eines prozessorientierten Ansatzes. Bestimmen Sie mit diesen die gesamten Materialgemeinkosten pro Stück für jede der drei Varianten. (15 Punkte) ausbr.abh. Kosten var.zahl abh. Kosten var zahl abh. Je Produkt Wareneingang 3600 14400 4800 Qualitätskontrolle 30000 0 0 Lagerung 6000 18000 6000 SUMME 39600 32400 Produkt ausbr. / Stück W / Stück Q / Stück L / Stück varzahlabh. / Stück MGK / Stück A 66 30 0 37,5 67,5 133,5 B 66 20 0 25 45 111 C 66 24 0 30 54 120
13 Gunther Friedl WS 14/15 3.3 Bestimmen Sie die variablen Herstellkosten pro Stück der drei Varianten. Verwenden Sie für die variablen Materialgemeinkosten Ihr Ergebnis aus 3.1. Dabei sind die ausbringungsmengenabhängigen Materialgemeinkosten als variabel, die variantenzahlabhängigen Materialgemeinkosten als fix zu betrachten. Es fallen keine variablen Fertigungsgemeinkosten an. (3 Punkte) A B C FEK 20 30 40 MEK 15 25 10 var MGK 66 66 66 Summe 101 121 116 3.4 Es ist geplant, in der nächsten Periode von jeder der drei Varianten 200 Stück abzusetzen. Ermitteln Sie den geplanten Periodenerfolg mithilfe eines Umsatzkostenverfahrens auf Teilkostenbasis. Es fallen fixe Fertigungsgemeinkosten in Höhe von 5.000 Euro an. (Hinweis: Wenn Ihnen Werte aus Aufgabe 3.3 fehlen, nehmen Sie für die variablen Herstellkosten folgende Werte an: Produkt A: 100 Euro, Produkt B: 110 Euro, Produkt C: 120 Euro ) (9 Punkte) UKV auf Teilkostenbasis var HK abg A 20200 Erlöse A 30000 var HK abg B 24200 Erlöse B 24000 var HK abg C 23200 Erlöse C 40000 Fixkosten 37400 Verlust 11000 105000
14 Gunther Friedl WS 14/15 Aufgabe 4: Preisuntergrenzen (30 Punkte) Der IT-Hersteller Peach AG plant in die Vermarktung und die Produktion eines neuen Smartphones zu investieren. Die Vermarktung des Produktes ist nach fünf Perioden geplant. Im Zeitpunkt 0 muss eine Maschine zu einem Preis von 10.000.000 angeschafft werden. Zum Zeitpunkt 0 starten die intensiven Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, die einen kontinuierlichen Zahlungsstrom von 1.000.000 je Periode bis zum Ende von Periode 5 verursachen. Zum Zeitpunkt 2 entsteht eine fixe Auszahlung von 1.500.000. Nach insgesamt fünf Perioden Vorlauf wird geplant, das Produkt drei Perioden lang zu produzieren und abzusetzen. In allen Absatzperioden entsteht ein kontinuierlicher variabler Auszahlungsstrom in Höhe von 150 je verkaufter Einheit. Insgesamt werden 100.000 Einheiten je Periode gefertigt.
15 Gunther Friedl WS 14/15 4.1 Gehen Sie zunächst von einem kalkulatorischen Zinssatz von 0 % aus. Wie hoch ist die Preisuntergrenze für eine verkaufte Einheit in einer Voll- und in einer Teilkostenrechnung nach der traditionellen Kostenrechnung? (6 Punkte) Vollkostenrechnung: 150 + [(10.000.000 + 5.000.000 + 1.500.000) / 300.000] = 205 Euro (4 P.) Teilkostenrechnung: variable Kosten 150 Euro. (2 P.) 4.2 Unterstellen Sie nun eine kontinuierliche Verzinsung von 10 %. Bestimmen Sie die Preisuntergrenzen nach dem investitionstheoretischen Ansatz der Kostenrechnung zu folgenden Zeitpunkten: vor dem Kauf der Maschine zum Zeitpunkt 0 vor der Auszahlung zum Zeitpunkt 2 zum Zeitpunkt 7. (18 Punkte) Preisuntergrenze zum Zeitpunkt 0:
16 Gunther Friedl WS 14/15 Preisuntergrenze zum Zeitpunkt 2: Preisuntergrenze zum Zeitpunkt 3: p 5 1.000' e 0,1t dt 1.500' e 0,12 150 100' e 0,1t dt 2 5 171,31 8 100' e 0,1t dt 5 8 p = 150 4.3 Erläutern Sie die Zielsetzung und die Grundprinzipien des investitionstheoretischen Ansatzes. (6 Punkte) Anknüpfung an eindeutig beobacht- und messbare Größen: Ein- und Auszahlungen Theoretische Fundierung der Kostenrechnung: Über den investitionstheoretischen Ansatz erhält die Kostenrechnung eine theoretische Fundierung Konzeptionell einwandfreie Ableitung von Unterzielen Bereitstellung relevanter Informationen für kurzfristige Entscheidungen: Es wird von einem gegebenen langfristigen Plan ausgegangen Aufgabe der kurzfristigen Planung: Konkretisierung und gegebenenfalls Anpassungen an kurzfristige Datenänderungen Ausrichtung der Planungsrechnung auf ein einheitliches Zielsystem Unternehmensführung beinhaltet vorwiegend eine Orientierung am Shareholder Value Erfolgsziel des Unternehmens ist hierbei Marktwertmaximierung, sofern der Kapitalmarkt vollkommen und vollständig ist Marktwertmaximierung beinhaltet eine Orientierung am Kapitalwert bzw. an der Kapitalwertänderung einer Maßnahme Verknüpfung von Kosten- und Investitionsrechnung Eine konsequente rationale Umsetzung des Shareholder Value-Ansatzes fordert, dass die klassische (kurzfristige) Kostenrechnung mit der längerfristig ausgerichteten Investitionsrechnung abgestimmt ist