1 Der Goldene Schnitt

Ähnliche Dokumente
B) Konstruktion des geometrischen Mittels und geometrisches Wurzelziehen :

Geometrie der Polygone Konstruktionen Markus Wurster 1

Teilt man die Kreislinie in n gleiche Teile und verbindet benachbarte Teilpunkte, so entsteht ein reguläres n-eck oder Polygon.

Drei Kreise im Dreieck

Was haben die folgenden Dinge gemeinsam?

2.5. Aufgaben zu Dreieckskonstruktionen

Konvexes Viereck Trapez Drachenviereck Parallelogramm Sehnenviereck Tangentenviereck Überraschung? Haus der Vierecke. Dr.

S T E R N E U N D P O L Y G O N E

Vierte Schularbeit Mathematik Klasse 3E am

Arbeitsblätter zum Thema Falten regelmäßiger Vielecke für den Unterricht ab der Sekundarstufe I

Montessori-Diplomkurs Inzlingen Geometrische Mappe Die metallenen Dreiecke

Qualiaufgaben Konstruktionen

Konstruktion Dreiecke und Vierecke PRÜFUNG 09. Ohne Formelsammlung! Name: Klasse: Datum: Punkte: Note: Klassenschnitt/ Maximalnote :

4.18 Buch IV der Elemente

3. Die pythagoräische Geometrie.

Zum Einstieg. Mittelsenkrechte

Flächeninhalt und Umfangslänge Wer findet den Zusammenhang?

Mathematische Probleme, SS 2013 Montag $Id: dreieck.tex,v /04/22 20:37:01 hk Exp hk $

Themenbereich: Besondere Dreiecke Seite 1 von 6

Aufgaben zur Übung der Anwendung von GeoGebra

Aufgaben Geometrie Lager

Aufgaben des MSG-Zirkels 8b Schuljahr 2005/2006. Alexander Bobenko und Ivan Izmestiev. Geometrie

. Wo liegt das Zentrum S? d) E ist das Bild von I mit

Kompetenzbereich. Kompetenz

Institut für Mathematik Geometrie und Lineare Algebra J. Schönenberger-Deuel

Geometrie Modul 4b WS 2015/16 Mi HS 1

Der optimale Platz im Theater

Geometrie Winkel und Vierecke PRÜFUNG 02. Ohne Formelsammlung! Name: Klasse: Datum: Punkte: Note: Klassenschnitt/ Maximalnote : Ausgabe: 2.

6. Ähnlichkeitsabbildungen

Übungen. Löse folgende Aufgaben mit GeoGebra

Aufgabe 1 Erstelle mit Hilfe von GEOGEBRA ein dynamisches Geometrie-Programm, das die Mittelsenkrechte

Inhaltsverzeichnis. Inhaltsverzeichnis

4.15 Buch I der Elemente

1 Grundwissen Pyramide

Konstruierbarkeit des Siebzehnecks

Lösungen IV ) β = 54,8 ; γ = 70,4 106) a) 65 b) 65 (115?) d) 57,5

Unterrichtsreihe zur Parabel

9. Geometrische Konstruktionen und Geometrische Zahlen.

Dreieckssätze. Pythagoras und Co. W.Seyboldt SFZ 14/15

Konvexes Viereck Trapez Drachenviereck Parallelogramm Sehnenviereck Tangentenviereck. Haus der Vierecke. Dr. Elke Warmuth. Sommersemester 2018

Bezeichnung: F F Jede Kongruenzabbildung lässt sich durch Hintereinander Ausführen von höchstens drei Geradenspiegelungen darstellen

MATHEMATIK-WETTBEWERB 2015/2016 DES LANDES HESSEN

Einleitung. Aufgaben: Vergrössern / Verkleinern. 1. Die Geo-Maus

Fit in Mathe. März Klassenstufe 9 n-ecke. = 3,also x=6

Strahlensätze und Ähnliches

Die Kapitel 1 und 2.1 haben wir im Jahr 2012 behandelt. Im Zirkel am haben wir mit Kapitel 2.2 begonnen.

Musteraufgaben zum Mathematikwettbewerb der Einführungsphase 2013 am

Elemente der Mathematik - Sommer 2016

Satz des Pythagoras Aufgabe Anforderungsbereich I (Reproduzieren) Anforderungsebene ESA

Achsensymmetrie. Konstruktionen M 7.1

Übungen zu Geometrie (LGy) Universität Regensburg, Sommersemester 2014 Dr. Raphael Zentner, Dr. Olaf Müller

Goldener Schnitt Was war das große Geheimnis der Pythagoräer?

ergeben die Strecken eine Länge von 85 cm. Wie lang sind die Strecken? 1. Strecke: x 2. Strecke: 4x x 4x 85 x 17

Quadratische Gleichungen. Kreise und Berührkreise. Binomische Formeln. Satz des Pythagoras. Goldener Schnitt

1. Algebra 1.1 Terme Man schreibt für einen Term T, der von den Variablen t und m abhängt: m (ausgesprochen: T von t und m)

Achsensymmetrie. Konstruktionen M 7.1

Achsensymmetrie. Grundkonstruktionen

Hauptschule Bad Lippspringe Schlangen Klassenarbeit Mathematik 9a/b Name: Dutkowski

Konstruktionen mit Zirkel und Lineal

Ähnlichkeit. GEOMETRIE Kapitel 1 NProfil - Mittelstufe KZN. Ronald Balestra CH Zürich Name: Vorname:

Aehnlichkeit. 1. Kapitel aus meinem Lehrgang Geometrie. Ronald Balestra CH St. Peter

6.1.2 Bem.: Für Vierecke ist der Begriff Innenwinkel im allgemeinen nicht sinnvoll. Skizze.

Koordinatengeometrie. Aufgabe 4 Untersuchen Sie die Funktion f(x) = x² 9.

1.10 Geometrie. 1 Die zentrische Streckung Einführung und Definition der zentrischen Streckung... 2

Regiomontanus - Gymnasium Haßfurt - Grundwissen Mathematik Jahrgangsstufe 7

Geometrische Grundkonstruktionen

Analytische Geometrie. Dreiecke Vierecke GROSSE AUFGABENSAMMLUNG. Stand November F. Buckel INTERNETBIBLIOTHEK FÜR SCHULMATHEMATIK

Elementare Geometrie Wiederholung 3

Inhaltsverzeichnis. 1. Einleitung Eigenschaften von Kreisen Literaturverzeichnis... 11

26. Mathematik Olympiade 3. Stufe (Bezirksolympiade) Klasse 8 Saison 1986/1987 Aufgaben und Lösungen

Unterrichtsmaterialien in digitaler und in gedruckter Form. Auszug aus: Kopiervorlagen Geometrie (2) - Planimetrie

Sekundarschulabschluss für Erwachsene. Geometrie A 2012

8.5.1 Real Geometrie Viereck, Dreieck

6.1.2 Bem.: Für Vierecke ist der Begriff Innenwinkel im allgemeinen nicht sinnvoll. Skizze.

Klausur zur Einführung in die Geometrie im SS 2002

21. Mathematik Olympiade 3. Stufe (Bezirksolympiade) Klasse 7 Saison 1981/1982 Aufgaben und Lösungen

4. Mathematikschulaufgabe

Aufgabe W2a/2014 Eine regelmäßige achtseitige Pyramide hat die Grundkante 12,0 Berechnen Sie die Länge!". Diese Pyramide hat das Volumen 70,1

Modul 206 Regelmäßige Vielecke!

Arbeitsblätter zur Arbeit mit GEOGEBRA in Klasse 6

Tag der Mathematik 2007

Durch Eliminieren der Wurzel erhalten wir die bekannte Kreisgleichung:

2. Goldener Schnitt. Der Goldene Schnitt ist das wohl berühmteste Zahlenverhältnis.

Klausur zur Vorlesung Elementargeometrie

1 Die Strahlensätze 2. 2 Winkel 3. 3 Rechtwinklige Dreiecke 3. 4 Kreise 6. 5 Trigonometrische Funktionen 8. 6 Kurven in Parameterdarstellung 10

Sekundarschulabschluss für Erwachsene

Mathematik Aufnahmeprüfung 2018

2.2C. Das allgemeine Dreieck

Lösungen Geometrie-Dossier Kreis 2 - Kreiskonstruktionen. Diese Aufgabe entspricht genau der Grundkonstruktion 2 (Genaueres kannst du dort nachlesen).

Geometrie Modul 4b WS 2015/16 Mi HS 1

Die folgenden Aufgaben stellen als Überblick die Grundlagen für einen erfolgreichen Start im EA-Kurs dar.

Fächerverbindender Unterricht Renaissance

MATHEMATIK ZUR VORBEREITUNG AUF DEN UNMITTELBAREN EINTRITT IN EINEN REALSCHULREIFELEHRGANG ODER FACHSCHULREIFELEHRGANG DER BUNDESWEHRFACHSCHULE

Seite 10 Aufgaben Zentrische Streckung 1 a) Konstruktionsbericht (Vorschlag):

1 Zahlen und Funktionen

Transkript:

Goldener Schnitt 1 Der Goldene Schnitt 1 1.1 Das regelmäßige Zehneck 1 1. Ein anderer Name für den Goldenen Schnitt 4 1.3 Der Goldene Schnitt in Zahlen 6 1.4 Die Potenzen von und 8 1.5 Drei Beispiele 10 1.6 Quellen 11

Goldener Schnitt 1 1 Der Goldene Schnitt Wir beginnen dieses Kapitel mit einigen berlegungen zum regelmäßigen Zehneck. Wir bieten Ihnen die folgende Aufgabe zur Einstimmung an. Aufgabe Zeichnen Sie in GeoGebra mit dem Werkzeug "Regelmäßiges Vieleck" ein regelmäßiges Zehneck. Ermitteln Sie den Mittelpunkt. Zeichnen Sie eines der zehn Mittelpunktsdreiecke ein und ermitteln Sie dessen Winkel. Halbieren Sie einen der Basiswinkel und ermitteln Sie die neu entstandenen Winkel. Platzieren Sie in Ihrer Zeichnung die Buchstaben r und a für den Umkreisradius und die Seitenlänge des Zehnecks. Ein Klick auf das GeoGebra-Logo macht einen Lösungsvorschlag. 1.1 Das regelmäßige Zehneck Wir haben aus einem regelmäßigen Zehneck eines seiner Mittelpunktsdreiecke herausgelöst und untersuchen im Folgenden dessen Winkel und Seiten. Abbildung 1: Ein regelmäßiges Zehneck mit Mittelpunktsdreieck Abbildung : Winkel und Seitenverhältnisse im Mittelpunktsdreieck

Goldener Schnitt Die linke Figur zeigt das Mittelpunktsdreieck und seine Winkel. Der Winkel hat den zehnten Teil von 360, also 36. Das führt zu (180 ): 144 : 7. ist also gerade doppelt so groß wie. In der mittleren Figur ist die Winkelhalbierende AT des linken Basiswinkels eingezeichnet. Sie zerlegt den Winkel in zwei Winkel der Größe und das Mittelpunktsdreieck in zwei gleichschenklige Dreiecke, von denen das kleinere zum ursprünglichen Dreieck ähnlich ist. In der rechten Figur haben wir den Umkreisradius des regelmäßigen Zehnecks mit r und seine Seitenlänge mit a bezeichnet. Aus der Ähnlichkeit des gesamten Dreiecks und des blau einfärbten Teildreiecks ergibt sich folgende Aussage: Der Schnittpunkt T der Winkelhalbierenden teilt den Umkreisradius r so in die Seite a und den Rest r a, dass r : a a :( r a) gilt. Definition Wenn eine Strecke durch einen Punkt so geteilt wird, dass sich die ganze Strecke zum größeren Teil verhält wie der größere Teil zum kleineren Teil, so sagt man: Der Punkt teilt die Strecke im Goldenen Schnitt. Der größere Teil wird Major, der kleinere Teil Minor genannt. 1 Die Gültigkeit der obigen Verhältnisgleichung r : a a :( r a) lässt sich dann auch so wiedergeben: Satz Die Seite des regelmäßigen Zehnecks ist der Major des Umkreisradius. Sie können mit Sicherheit ein gleichseitiges Dreieck, ebenso ein Quadrat und auch ein regelmäßiges Sechseck mit Zirkel und Lineal konstruieren. Durch Halbieren der Winkel können Sie weitere regelmäßige Vielecke herstellen. Wie aber sieht es mit einem regelmäßigen Fünfeck aus? Mit dem obigen Satz können Sie ein regelmäßiges Zehneck und, wenn Sie jeden zweiten Punkt nehmen, ein regelmäßiges Fünfeck mit Zirkel und Lineal konstruieren. Sei dazu a AB eine Seite des Zehnecks. Dann liefert die folgende Konstruktion eine Strecke AD, zu der die gegebene Strecke AB der Major ist. Sie stellt also zur Seite a den Radius r des Zehneckumkreises her. 1 maior (lat) - der größere; minor (lat) - der kleinere

Goldener Schnitt 3 Abbildung 3: Vom Major zur gesamten Strecke Ein Klick auf das GeoGebra-Logo zeigt die Konstruktion schrittweise. Den Nachweis, dass AB der Major zu AD ist, kann man mit dem Tangentensatz führen. Mit ihm erhält man AC AD AB. Nach Konstruktion ist CD genauso lang wie BE und mithin genauso lang wie AB. Es folgt AC AD CD und hieraus die Verhältnisgleichung AD : CD CD : AC. Der Punkt C teilt also die Strecke AD im Goldenen Schnitt, CD ist der Major dieser Teilung und AB ist genauso lang wie CD. Wenn nicht die Seite des Zehnecks gegeben und der Umkreisradius gesucht ist, sondern umgekehrt der Radius des Umkreises gegeben ist und die Seitenlänge zur Konstruktion des Zehnecks fehlt, dann führt uns dieselbe Konstruktion mit Hilfe der Strahlensätze zum Ergebnis. Sei hierzu r AB der Umkreisradius des zu konstruierenden Zehnecks. Dann liefert die um den ersten Strahlensatz bereicherte Konstruktion die gesuchte Seitenlänge a TB. Abbildung 4: Von der gesamten Strecke zum Major Denn die grünen Parallelen übertragen die Teilungsverhältnisse von der roten auf die blaue Strecke. Der Punkt T teilt also die Strecke AB im Goldenen Schnitt. Und TB ist als Major der Teilung die gesuchte Seite des Zehnecks. Für einen Kreis und einen Punkt P außerhalb des Kreises ist das Rechteck aus den Sekantenabschnitten genauso groß wie das Quadrat über der Tangente. (s. Anhang)

Goldener Schnitt 4 1. Ein anderer Name für den Goldenen Schnitt Wir kehren noch einmal zur Verhältnisgleichung zurück, die den Goldenen Schnitt definiert: Ganzes : Major Major : Minor Umgangssprachlich heißt das: Was der Major für das Ganze ist, ist der Minor für den Major. Oder mit anderen Worten: Wenn wir das Ganze nach dem Goldenen Schnitt aufteilen, so ist der größere Teil der Major und der kleinere der Minor. Wenn wir den Major seinerseits nach dem Goldenen Schnitt aufteilen, so erhalten wir als größeren Teil den (alten) Minor und als kleineren Teil die Differenz aus (altem) Major und (altem) Minor. Etwas salopp ausgedrückt heißt das: Der Major vom Major ist der Minor. Und der Minor vom Major ist der Major verkürzt um den Minor. Im Bild sieht das so aus: Abbildung 5: Stetige Teilung Ein Klick auf das GeoGebra-Logo lässt diese Abbildung Schritt für Schritt entstehen. Der Goldene Schnitt setzt sich also in seinen Teilen fort. Statt vom Goldenen Schnitt spricht man daher auch von Stetiger Teilung. Aufgabe Durchlaufen Sie die Abbildung 5 von unten nach oben und ergänzen Sie sie um ein Element oberhalb der blauen Strecke. Mit anderen Worten: Finden Sie die Strecke, aus der die blaue Strecke entstanden ist.

Goldener Schnitt 5 Abbildung 6: Stetige Teilung - rückwärts Ein Klick auf das GeoGebra-Logo lässt das oberste Element der Abbildung Schritt für Schritt entstehen. Wie die Aufgabe und die obige Abbildung zeigen, müsste man nicht nur von Stetigem Teilen sondern auch von Stetigem Verbinden von Strecken reden; denn der Prozess entwickelt sich mit gleicher Systematik in beide Richtungen. Wir halten dies als Satz fest. Satz Verkürzt man den Major einer stetig geteilten Strecke um den Minor, so entsteht wieder eine stetig geteilte Strecke. Verlängert man eine stetig geteilte Strecke um ihren Major, so entsteht wieder eine stetig geteilte Strecke. Am Ende dieses Abschnitts wollen wir zeigen, dass dieser Satz sich auch algebraisch beweisen lässt. Wir führen das hier für den zweiten Teil aus. Den ersten haben wir als bungsaufgabe formuliert. Sei also M der Major einer im Goldenen Schnitt geteilten Strecke G. Aus der Definitionsgleichung G: M M :( G M) folgt dann:

Goldener Schnitt 6 G ( G M ) M G GM M G GM M G ( G M ) M ( G M): G G: M 1.3 Der Goldene Schnitt in Zahlen In diesem Abschnitt berechnen wir die Streckenverhältnisse beim Goldenen Schnitt. Seien hierzu M und m der Major und der Minor der stetig geteilten Strecke M m. Abbildung 7: Major und Minor einer stetig geteilten Strecke Es gelte also M m M. (1) M m Der Anteil des Majors an der gesamten Strecke wird üblicherweise mit dem kleinen griechischen Buchstaben (phi) bezeichnet. Wegen (1) ist das nichts anderes als der Anteil des Minors am Major. M m () M m M Das kleine ist also eine Zahl kleiner als 1. Hingegen bezeichnet das große das Verhältnis des Majors zum Minor, was wieder wegen (1) auch das Verhältnis der gesamten Strecke zum Major ist. M M m. (3) m M Das große ist mithin größer als 1. Aus () und (3) folgt: und sind Kehrwerte voneinander. 1 oder 1 (4) Aus (1) folgt weiter M M m m 1 1 1 (5) m M M und hieraus mit (4) 1. (6) ist also um genau 1 größer als. Aus (6) folgt wieder wegen (4)

Goldener Schnitt 7 Aus (7) erhält man zunächst und dann und aus (5) entsprechend 1 1. (7) 1 1 (8) 1. (9) Die folgende Abbildung zeigt und als Schnittstellen der Graphen zu den Funktionen aus den Gleichungen (8) und (9). Abbildung 8: φ und Φ als Schnittstellen von Funktionsgraphen Man sieht, was auch (8) und (9) schon aussagen: Die Schnittpunkte liegen symmetrisch zur y-achse. Die Lösungen zu den Gleichungen (8) und (9) unterscheiden sich nur durch das Vorzeichen. Aus den quadratischen Gleichungen (8) und (9) kann man φ und Φ berechnen. Man erhält aus (8): 1 0 1 1 1 1 0 4 4 1 1 5 4 4 1 1 5 1 1 1 1 5 5 1 1 1 1 5 5

Goldener Schnitt 8 1 5 1 1 5 1 Die negative Lösung entfällt. Mithin gilt 1 5 1. (10) Analog erhält man aus (9) 1 5 1. (11) Man kann jede rationale Zahl und, wie Sie der nebenstehenden bung entnehmen können, auch jede Wurzel aus einer natürlichen Zahl mit Zirkel und Lineal konstruieren. Mithin sind auch und konstruierbar. Abbildung 9 zeigt, wie man mit wenig Aufwand konstruieren kann. Abbildung 9: Konstruktion von φ Ein Klick auf das GeoGebra-Logo zeigt die Konstruktion schrittweise. Die Konstruktion von erinnert deutlich an die Konstruktion des Zehneckradius aus seiner Seite (Abbildung 3). Aber hier ist die Beweislage einfacher. Nach dem Satz des Pythagoras hat die grüne Hypotenuse die Länge 1 ( ) 5. Der graue Kreisbogen 1 5 1 4 verkürzt die Hypotenuse um 1. Wir erhalten 1 1 5. Die Konstruktion von Φ verlagern wir in die nebenstehende bung. Dort finden Sie auch eine Konstruktion des Goldenen Schnittes, die auf Euklid zurückgehen soll. 1.4 Die Potenzen von und Die Gleichung (8) lässt sich auch so schreiben ( ) ( ) 1. (1) Diese Gleichung hat dieselbe Form wie (9). Aus (9) und (1) entwickeln sich folgende Gleichungen für die Potenzen von und :

Goldener Schnitt 9 1 1 3 ( 1) 1 1 4 3 ( 1) ( 1) 3 5 3 (3 ) 3 3 ( 1) 3 3 5 3 ( ) 1 ( ) 1 3 ( ) ( ) 1 4 ( ) 3 ( ) 5 ( ) 5 ( ) 3 n Wenn also p q mit p, q gilt, so folgt: n 1 ( p q) p q p ( 1) q p p q ( p q) p Entsprechend gilt n 1 ( ) ( ) ( ) p q p. Es gilt also für alle n n fn fn 1 und ( ) n fn ( ) fn 1, wobei f die Fibonacci-Folge ist. n n Es folgt n n ( ) ( f f ) ( f ( ) f ) f ( ( )) oder oder wegen (10) und (11) n n 1 n n 1 n f n f n n ( ) ( ) n n ( ). 5 n

Goldener Schnitt 10 1.5 Drei Beispiele Wir geben zum Schluss drei geometrische Figuren an, in denen der Goldene Schnitt auftaucht. Mit dem ersten Beispiel kehren wir an den Anfang des Kapitels zurück. Wir bieten Ihnen dazu die nebenstehende bung an. Abbildung 10: Das Mittelpunktsdreieck des Zehnecks im Fünfeck Im regelmäßigen Fünfeck finden Sie das Mittelpunktsdreieck des regelmäßigen Zehnecks mit der Winkelhalbierenden des Basiswinkels wieder. Die berlegungen am Anfang des Kapitels besagen hier: Satz Die Diagonalen des regelmäßigen Fünfecks teilen einander im Goldenen Schnitt. Aufgabe Die nebenstehende GeoGebra-Datei gibt schrittweise einen Beweis zum obigen Satz wieder, der nicht auf das regelmäßige Zehneck zurückgreift. Versehen Sie den Beweis mit Worten. Die zweite geometrische Figur sieht so aus. Abbildung 11: Der Inkreis des im Quadrat stehenden gleichschenkligen Dreiecks

Goldener Schnitt 11 Satz Der Inkreis des im Quadrat stehenden gleichschenkligen Dreiecks teilt die Höhe im Goldenen Schnitt. Aufgabe Abbildung 1: Eine Skizze zum Beweis L Wir bieten Ihnen diese Skizze zum Beweis an. Der kleine griechische Buchstabe (sprich: rho) bezeichnet, wie üblich, den Radius des Inkreises. Das dritte Beispiel präsentieren wir Ihnen in Form einer GeoGebra- Aufgabe. L Aufgabe Sie sollen in der nebenstehenden GeoGebra-Datei den roten Punkt so einrichten, dass aus dem Rechteck nach Augenmaß ein Quadrat wird. Sie haben genau genug geguckt, wenn bei der Probe der rote Punkt im grünen Kreis steckt. Erst dann wird Ihre Aufgabe eingeblendet. 1.6 Quellen Lambacher-Schweizer, Mathematisches Unterrichswerk, Geometrie 1 und, Ernst Klett Verlag Stuttgart, 1966 Christian Strutz, ber die Eigenschaften der Zahlen Φ (Phi) und φ (phi) unter http://www.schulphysik.de/strutz/phiphineu.pdf Als pdf-datei Phi und phi - Christian Strutz.pdf Paul Adam/Arnold Wyss, Platonische und Archimedische Körper, ihre Sternformen und polaren Gebilde, Verlag Paul Haupt Bern, Verlag Freies Geistesleben Stuttgart, 1994