Säuglingsernährung
3.2 Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei Frühestens mit Beginn des fünften Lebensmonats bzw. spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats beginnt die zweite Ernährungsphase mit der Einführung der Beikost. Der Beginn der Beikost bedeutet jedoch nicht Abstillen! Denn auch nach Einführung der Beikost sollte weiter gestillt werden. Bei industriell hergestellter Säuglingsnahrung wird ebenfalls weiterhin die Preoder 1er-Nahrung gegeben. Methodik/Didaktik An dieser Stelle kann die Fortführung des bereits vorgestellten Metaplans ansetzen. Abbildung 10 - Metaplan-Präsentation: Beikost 1 Der erste Brei, der die ausschließliche Milchernährung ablöst, ist der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei. Da der Eisenspeicher reif geborener Säuglinge den Eisenbedarf bis etwa zum vierten Seite 49 von 103
Lebensmonat deckt, sollte um diesen Zeitpunkt eisenhaltige Beikost in Form des Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Breis eingeführt werden. Die Referenzwerte für Säuglinge und Kleinkinder sind in Tabelle 3 und Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. angegeben. Der Mineralstoff Eisen ist sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Dabei ist jedoch das zweiwertige Hämeisen (Fe 2+ ) besser bioverfügbar als das dreiwertige, pflanzliche Nicht-Hämeisen (Fe 3+ ). Somit enthält der Mittagsbrei, der mit Fleisch zubereitet wurde, eine Eisenquelle, die gegenüber einem vegetarischen Brei besser verwertet werden kann. Eisengehalte ausgewählter Lebensmittel sind in Tabelle 17 dargestellt. 1. Stufe Der erste Brei wird mit seinen Zutaten schrittweise eingeführt. Das bedeutet, es wird mit einer Zutat begonnen und wenn diese eingeführt ist und gut vertragen wurde, wird das nächste Lebensmittel eingeführt. In den ersten Tagen reichen nur wenige Löffel einer Gemüsesorte aus, um den Säugling an den Löffel zu gewöhnen. Aufgrund der angeborenen Vorlieben für den Geschmack süß auch Muttermilch schmeckt süßlich wird in der Regel mit süß schmeckendem Möhrenmus begonnen. Abbildung 11 - Beikost: Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei 1 2. Stufe Darauf aufbauend wird nach wenigen Tagen die erste Beilage Kartoffeln zugefügt. Nach Einführung eines kompletten Gemüse- Kartoffel-Fleisch-Breis kann diese Mahlzeit jedoch auch mit Reis oder eifreien Nudeln (z. B. Vollkornnudeln) zubereitet werden. Die Einführung von Gluten in Form von Nudeln auf Hartweizenbasis oder einer Messerspitze Mehl zu Beginn dient der Toleranzentwicklung und erfolgt möglichst noch unter dem Schutz der Muttermilch (siehe Kapitel 3.5 Beikost für allergiegefährdete Kinder). Das bedeutet, die Mutter stillt noch, wenn der Säugling bereits das erste glutenhaltige Getreide erhält. Seite 50 von 103
Abbildung 12 - Beikost: Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei 2 3. Stufe Wieder wenige Tage nach Einführung der ersten beiden Lebensmittel wird dem Brei Pflanzenöl zugegeben. Aufgrund des positiven Fettsäuremusters wird raffiniertes oder Bio-Rapsöl empfohlen. Manche Kinder reagieren zu Beginn der Beikosteinführung mit Verdauungsproblemen in Form von Verstopfung (Obstipation). In diesem Fall kann das Öl auch unmittelbar nach Einführung der ersten Gemüsesorte, also vor den Kartoffeln, gegeben werden. Dies erleichtert bei den meisten Kindern die Verdauung. Abbildung 13 - Beikost: Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei 3 4. Stufe Als vierte Zutat wird dem Brei Fleisch zugegeben. Rindfleisch liefert den höchsten Eisengehalt und kann somit die entleerten Eisenspeicher des Säuglings rasch auffüllen. Tabelle 17 Eisengehalte ausgewählter Lebensmittel gibt einen Überblick über Eisengehalte tierischer und pflanzlicher Lebensmittel. Seite 51 von 103
Lebensmittel Eisengehalt in Milligramm pro 100 Gramm Rind, Filet, 3,4 Kalbsfleisch, mager 3,0 Schweinefleisch 2,5 Huhn 1,8 Putenbrust 1,0 Hirseflocken 6,9 Haferflocken 4,4 Weizenvollkorn 3,2 Naturreis (ungeschält), gegart 1,2 Parboiled-Reis, gegart 1,1 Reis, geschält, gegart 0,3 Blattspinat, gegart 3,4 Zucchini, gegart 1,0 Kürbis, gegart 0,8 Brokkoli, gegart 0,7 Pastinake, gegart 0,6 Blumenkohl, gegart 0,4 Kohlrabi, gegart 0,4 Möhren, gegart 0,3 Aprikosen, getrocknet 4,4 Rosinen/Sultaninen 2,3 Himbeeren 1,0 Brombeeren 0,9 Kiwi 0,8 Heidelbeeren 0,7 Aprikosen 0,7 Erdbeeren 0,6 Apfel 0,2 Birne 0,2 Tabelle 17 Eisengehalte ausgewählter Lebensmittel (vgl. Universität Hohenheim, 2011) Seite 52 von 103
Abbildung 14 - Beikost: Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei 4 Im Hinblick auf eine Allergieprävention sehen die einheitlichen Handlungsempfehlungen gelegentlich fettreichen Meeresfisch, wie beispielsweise Lachs oder Makrele statt Fleisch in dem warmen Mittagsbrei vor. Fettreiche Fischsorten liefern wertvolle langkettige Omega-3-Fettsäuren, wie Eicosapentaen- und Docosahexaensäure, die für die Seh- und Hirnentwicklung wichtig sind. Von dem Verzehr roher und schwermetallangereicherter Fische wird sowohl im Säuglingsalter als auch in Schwangerschaft und Stillzeit abgeraten. Zu den belasteten Fischen zählen fettreiche Raubtiere, wie beispielsweise Tunfisch, Hecht, Schwertfisch und Heilbutt, da sie am Ende der Nahrungskette stehen. Folgende Fischarten sollten aufgrund erhöhter Quecksilbergehalte nur eingeschränkt verzehrt werden: Haifische aller Arten Bonito Falscher Bonito Schwertfisch Langschwänziger Speerfisch Barsch Echter Aal Heilbutt Gemeiner Stör Rotbarsch Hecht Steinbeißer Rochen Seeteufel Tunfisch Seite 53 von 103
5. Stufe Als letztes Lebensmittel wird ein Vitamin C-reicher Saft unter den Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei gerührt. Hier empfiehlt sich ein milder säurearmer Saft, wie beispielsweise ein mit Vitamin C angereicherter Apfelsaft. Aufgrund des höheren Säuregehaltes in Orangensaft könnte dieser gegebenenfalls noch nicht so gut vertragen werden. Aber auch andere Vitamin C-reiche Obstsorten, wie beispielsweise Birne, Nektarine, Pfirsich, Aprikose können diesem Brei in Form von Fruchtmus beigemengt werden. Ebenso kann auf die süße Komponente im Brei verzichtet und diese zum Nachtisch als Obstpüree gegeben werden. In Gegenwart von Vitamin C wird das Eisen aus dem Fleisch besser bioverfügbar. Der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei ist mit fünf Zutaten nun vollständig und enthält folgende Mengen: Abbildung 15 - Beikost: Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei 5 Sollte der Brei zu fest sein kann ein wenig Wasser hinzugefügt werden. Sobald der erste Brei vollständig zubereitet wurde, kann etwa alle zwei bis drei Tage ein neues Lebensmittel gemäß dem Beikost- Baukasten in die Ernährung des Babys eingeführt werden. Eine Zutat, die einmal eingeführt und vertragen wurde, kann anderweitig kombiniert werden. Seite 54 von 103