Deckblatt Ordner: 37 2 41 12_1 Verfahrensanweisung (VA) Kohlenmonoxid-Intoxikation (CO-Intoxikation) gültig ab: 1.1.2012 geplante Revision: 31.12.2013 Letzte Änderung am 15.09.10: Punkt 6.1 Erreichbarkeiten Freigabe: Amtsleiter 37 02.12.11 Gez. Fritzen Abteilungsleiter 2 Fst. 2.3 ÄLRD 02.12.11 02.12.11 01.12.11 Gez. Reckert Gez. Schwichtenhövel Gez. Bohn Der Inhalt dieser Verfahrensanweisung wird als Ergänzung zum Vertrag Notarzt vereinbart und von mir als Notarzt / Notärztin der Stadt Münster akzeptiert. Name Feuerwehr Münster Verteiler BF MS Handbuch Rettungsdienst BF MS Leitstelle über Fst. 2.1 BF MS Fst 2.3 Notärzte HiOrg (4 x) Krankenhäuser in Münster Amt 53 zur Beachtung zur Kenntnis 1
1. Kurzbeschreibung der VA Kohlenmonoxid (CO) ist ein geruch- und farbloses Gas, das bei unvollständigen Verbrennungsprozessen entsteht. CO ist leichter als Luft, daher kommt es in der Regel nur in geschlossenen Räumen zu Vergiftungen. Durch die hohe Affinität des CO zum Sauerstofftransport-Pigment Hämoglobin kommt es zu einer Verdrängung von Sauerstoff. Symptome des Sauerstoffmangels manifestieren sich vor allem an Organen mit hohem Sauerstoffbedarf (z.b. Hirn, Herz). Transdermale CO-Messverfahren können erste Hinweise auf eine Kohlenmonoxid (CO)-Intoxikation liefern. Diese VA beschreibt die Diagnostik, die Versorgung und den Transport von Patienten mit CO-Vergiftungen. 2. Geltungsbereich Im Rahmen des Rettungsdienstes ergeben sich zwei Indikationen für den Einsatz einer CO- Messung: Bei Personen, die im Rahmen eines Feuers / Brandschadens vermutlich Rauchgase inhaliert haben. Dies können auch Angehörige der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS: Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst o.ä.) sein. Bei Personen mit unklaren Bewusstseinsstörungen, die in geschlossenen Gebäuden/Fahrzeugen aufgefunden wurden. Personen, bei denen der Verdacht auf eine CO-Intoxikation besteht, werden notärztlich versorgt. Gegebenenfalls wird hierzu das Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) angefordert. 3. Messvorgang Die Messung erfolgt mittels des Pulsoximeters Rad 57 der Fa. Massimo. Dieses Gerät wird auf allen NEF vorgehalten. Zur bestmöglichen Messung wird der Ring- oder Mittelfinger verwendet. Das Kreuzsymbol zeigt hierbei in Richtung der Fingerrückseite (Fingernagel). Der Sensor muss gegen den Einfall von Licht geschützt werden. Hierzu eignet sich z.b. eine Decke. Die Messdauer beträgt mindestens 30 Sekunden. Werte, die vor dem Ablauf von 30 Sekunden angezeigt werden, sind nicht verwertbar. 2
4. Interpretation und Diagnosestellung 4.1 CO-HB-Werte von 0-10% Personen mit einem Messergebnis von 0-10% Kohlenmonoxid-gebundenes Hämoglobin (CO-HB) können als unverletzt gelten, wenn sie ansonsten völlig symptomfrei sind bzw. die Werte durch Rauchen zu erklären sind. Diese Personen können auf Entscheidung des Notarztes vor Ort aus der Obhut des Rettungsdienstes entlassen werden. Symptome wie Starke Kopfschmerzen Übelkeit Reizhusten Rasselgeräusche über der Lunge Tachypnoe Subjektive Atemnot Bewusstseinsstörungen müssen unabhängig von einem CO-HB-Nachweis als Hinweise auf eine Rauchgasinhalation gelten und zu einer Versorgung mit nachfolgender Hospitalisation führen. 4.2 CO-HB-Werte von 10-20% Personen mit einem Messergebnis von 10-20% CO-HB gelten als Intoxikationspatienten. Diese Patienten werden sofort mit Sauerstoff über ein Maske-Reservoir-System versorgt und inhalieren bis zur Krankenhausaufnahme Sauerstoff. Ggf. findet eine Beatmung statt. Das weitere Vorgehen ist abhängig vom Zustand des Patienten und erfolgt nach Vorgaben des Notarztes. 4.3 CO-HB-Werte von mehr als 20% Personen mit einem Messergebnis von mehr als 20% CO-HB gelten als schwer intoxikierte Patienten. Die Patienten werden sofort mit Sauerstoff über ein Maske-Reservoir-System versorgt und inhalieren bis zur Krankenhausaufnahme Sauerstoff. Ggf. findet eine Beatmung statt. Das weitere Vorgehen ist abhängig vom Zustand des Patienten und erfolgt nach Vorgaben des Notarztes. Bei Übergabe des Patienten im Krankenhaus wird der übernehmende Arzt auf das Vorliegen einer schweren CO-Intoxikation und die Möglichkeit zur Weiterbehandlung in einer Druckkammer hingewiesen. Dieser Hinweis wird auf dem Notarzt-Protokoll dokumentiert. 3
4.4 Schwangere und Säuglinge Bei Schwangeren und Säuglingen müssen aufgrund der erhöhten Empfindlichkeit für CO strengere Maßstäbe für die Interpretation der CO-HB-Messung gelten. Hier muss der Notarzt eine Einzelfallentscheidung treffen, die im Zweifelsfall zu einer Hospitalisation führen wird. 5. Transport Der Transport erfolgt in das nächstgelegene freie Krankenhaus mit der Möglichkeit zur Bestimmung des CO-HB Wertes. Derzeit können folgende Krankenhäuser über 24 Stunden eine CO-HB-Bestimmung mittels Blutgasanalyse durchführen: Universitätsklinikum (Standort des BGA-Automaten: Intensivstation 19 / Chirurgie) Herz-Jesu-Krankenhaus (Standort des BGA-Automaten: Intensivstation) 6. Hyperbare Sauerstofftherapie Die Anwendung der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) in einer Druckkammer kann nach Bestätigung der Diagnose CO-Intoxikation durch blutige Bestimmung des CO-HB nötig werden. Die Wahl der geeigneten Druckkammer ist vom Zustand des Patienten abhängig. Die Leitstelle der Feuerwehr Münster unterstützt auf Anforderung des behandelnden Krankenhauses die Organisation der HBO-Therapie und den Transport. 6.1 HBO in Münster Hinweis: Seit September 2010 existiert keine 24h-Bereitschaft mehr. Ein Versuch der Besetzung ist aber sinnvoll. Praxis Dr. Rossbach Warendorfer Str. 27 1. Praxis-Telefon: 0251-132930 (Praxiszeiten) 2. Mobiltelefon: 0172-2607119 3. Mobiltelefon: 0172-5341445 6.2 HBO in Düsseldorf Universitätsklinikum Düsseldorf mit der Möglichkeit zur Fortführung intensivmedizinischer Massnahmen, Notfall-Telefon: 0173-2792819 oder 0173-7106600 4
7. Fälle, in denen von der VA abgewichen werden kann Lässt die Menge der Patienten Einzelmessungen nicht mehr zu, so werden nach Vorgaben des Notarztes Risikogruppen von anderen Betroffenen getrennt: Personen, die über einen längern Zeitraum Verbrennungsgasen ausgesetzt waren Personen, die an Herz- und Gefäßerkrankungen leiden Personen mit Symptomen einer Intoxikation (Vergleiche 4.1) Schwangere und Kleinkinder 8. Dokumentation Für Patienten des Rettungsdienstes wird ein Protokoll angelegt. Für die Dokumentation von Messungen in größeren Gruppen wird die Sichtungsdokumentation MANV (nach Gefahrenabwehrplan Münster) verwendet. 9. Literatur 1. Kafka G et al. (2007) Das Rauchgasinhalationstrauma. Notfall Rettungsmed 7: 529-539 2. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF (2005) Leitlinie: Arbeiten unter Einwirkung von Kohlenmonoxid 3. Gemeinsame Bundesausschuss G-BA (2003) Abschlussbericht: HBO nach CO- Intoxikation. Bundesanzeiger 72: 7583 4. Weaver LK et al. (2002) Hyperbaric oxygen for acute carbon monoxide poisoning. N Engl J Med 347(14):1057-1067. 5. Barker SJ et al. (2006) Measurement of Carboxyhemoglobin and Methemoglobin by Pulse Oximetry, A Human Volunteer Study. Anesthesiology 105 10. Anlagen 1. Arbeitsblatt VA Kohlenmonoxid-Intoxikation 5
Anlage 1: Arbeitsblatt VA Kohlenmonoxid-Intoxikation 6