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Transkript:

Sportliches Pool Billard I Technik und Training nach dem PAT System Teil 1 von Ralph Eckert

Inhalt Litho-Verlag e.k., Wolfhagen www.litho-verlag.de Alle Rechte vorbehalten Druck: Druckerei Chroma, Römerberg Umschlaggestaltung: Thomas Wirtz 1. Auflage 2006 Printed in Germany ISBN: 3-9810400-8-2 2

Inhalt Inhaltsverzeichnis Vorwort... 5 1. Vor dem ersten Stoß... 8 1.1 Zur Haltung und über Überlernmengen... 8 1.2 Der Stand... 10 1.3 Oberkörper und Kopf... 12 1.4 Die Queueführung... 13 1.5 Handbrücke... 16 1.6 Die Hilfsbrücke... 20 2. Trainingsprogramm... 22 2.1 Speed... 28 2.2 Die Stoßgeradlinigkeit... 43 2.3 Die Stoßwirksamkeit, Nachläufer... 61 2.4 Der Rückläufer... 69 2.5 Das Positionsspiel im kleinen Bereich... 78 2.6 Positionsspiel im großen Bereich... 94 2.7 Press Bande Situationen... 104 2.8 Endlos drill... 114 2.9 Zyklik (Grundlage Spielrhythmus)... 122 2.10 Spielsituation... 135 3. Regeln und Spielarten... 142 3.1 8-Ball... 143 3.2 9-Ball... 147 3.3 14.1 endlos... 150 4. Das Material... 153 4.1 Der Tisch... 153 3

Inhalt 4.2 Queues... 156 4.3 Die Kugeln... 161 5.0 Trainingsspiele... 165 5.1 Equal Offense... 165 5.2 Bowlliard... 168 5.3 Progressive X-Ball... 173 4

Vorwort Vorwort So kann eine 8 Ball Partie perfekt aussehen: Angefangen mit einem Rückläufer von der 1 Position auf die 4, dann natürlicher Lauf von der 4 Position auf die 2, dann wieder einen Rückläufer, um Position auf die 7 zu bekommen. Von dort dann einen Nachläufer mit etwas linkem Effet Position auf die 3, von da dann ein kleiner Druckstossrückläufer mit etwas rechtem Effet Position auf die 5. Dann auf diese 5 ein Druckstoss knapp oberhalb der Mitte angesetzt Position zur 6. Dann mit einem stabilen Lauf auf die 6 spielen und ueber 2 Banden mit etwas rechtem Effet und ungefähr Speed 2,5 um perfekte Position auf die 8 zu erhalten. Dann nur noch einen Stoppball zum Spielgewinn Was nutzt jetzt einem Anfänger diese Information? Umsetzen wird er es trotz all dieser Hinweise doch noch nicht können, oder? Langes, sehr langes, mitunter jahrelanges Spielen wird notwendig sein, um solche Spielzüge umsetzen zu können und diese dabei noch möglichst einfach aussehen zu lassen. 5

Vorwort Mit dem vorliegenden Programm möchte ich Ihnen einen Weg zeigen so effektiv wie nur möglich an solche Fähigkeiten hinzugelangen. Ihnen damit einen Weg zeigen Pool Billard nicht nur zu spielen, sondern auf sportlicher Basis (PAT System) zu trainieren! Nicht nur damit sie die Oberhand gewinnen gegen Spieler, die Pool Billard nur spielen, sondern damit sie selbst mehr Spaß an diesem Spiel und vor allem mehr Freude an Ihren Leistungen haben, die Sie auf diesem Weg erzielen werden. Pool Billard gehört zu den schwierigsten Hand - Augen - Koordinationssportarten der Welt! Ein Spiel das auf dem ganzen Globus, schon seit Jahrhunderten gespielt wird. Kaum eine Tätigkeit kann einem eine solche Freude über die eigenen Fähigkeiten bis ins hohe Alter bereiten wie die, mit einem Holzstab bunte Plastikkugeln in Löcher zu stoßen! Dieses Buch soll Ihnen als verlässlicher Wegweiser dienen, Pool Billard auf sportlichem Wege zu erlernen. Es wird nach der PAT - Methode trainiert. PAT (Playing Ability Test) ist ein Be- und Auswertungssystem, dass als Grundlage für Kurz-, Mittel- und Langfristiges Training herangezogen werden kann. Ein System, dass die Fertigkeiten die ein Jeder braucht um gutes Pool zu spielen, in 10 Themengebiete anhand entsprechender Übungen auswertet. Ein System, dass durch seine erprobte Effektivität die exklusive Anerkennung des offiziellen Pool Billard Weltverbandes (WPA = World Pool-Billiard Association) erhielt und somit als Einmalig zu bezeichnen ist. Es gibt 3 PAT plus PAT Start. Somit ist dieser Band der erste aus einer mindestens dreiteiligen Reihe. PAT Start für Freizeit- 6

Vorwort spieler, der hier im Rahmen der hinfuehrenden Übungen weitestgehend mit beruecksichtigt ist. PAT 1 vom Einsteiger bis zum Fortgeschrittenen. PAT 2 vom Fortgeschrittenen bis zum sehr guten Spieler. PAT 3 vom sehr guten Spieler bis in die Weltklasse! Kommen Sie mit und... Wenn sie auf eine Schwierigkeit stoßen, machen sie Halt und widmen sich ihr. *Lao Tse, ca. 400 v. Chr. Aus dem 63. Spruch seines Buches Tao Te King. Ralph Eckert, Mannheim Herbst 2006 7

Vor dem ersten Stoß 1. Vor dem ersten Stoß 1.1 Zur Haltung und über Überlernmengen Beachtet in diesem Zusammenhang auch unbedingt die Tipps zum Einhändigen Spielen und zur persönlichen Nullstellung unter Punkt 2.2 Stoßgeradlinigkeit!! Das sind eigentlich die wesentlichen Grundsatzübungen, die jedoch an der entsprechend relevanten Position (eben Stoßgeradlinigkeit!) behandelt werden, während hier nur die anderen Eckpunkte einer korrekten Haltung wiedergegeben werden! Wenn Ihr wirkliche Einsteiger seid, dann versucht einfach mal die noch folgenden Tipps zur Haltung und Queueführung für Euch umzusetzen. Falls das nicht gleich klappen sollte, wendet Euch an Euren Vereinstrainer, der Euch sicherlich gern behilflich sein wird. Wenn Ihr schon eine Weile am spielen seid, dann checkt Eure Haltung einfach mal ab. Macht eine Selbstbeobachtung vor dem Spiegel oder vielleicht auch mit Hilfe einer Kamera! Was macht Ihr richtig und was weicht von einer Schulmäßigen Haltung bei Euch ab? Wenn alles passt ist ja alles OK, aber was ist wenn Ihr vielleicht schon seit Jahren einen kleinen Fehler mit Euch herumschleppt, der eventuell den weiteren Fortschritt hindert? Zwei Möglichkeiten! Entweder Ihr bleibt dabei und mittels dem noch folgenden Übungsprogramm, könnt Ihr Euch wenigstens Leistungsmäßig stabilisieren! Oder Ihr habt etwas Zeit übrig, um einen eingeschliffenen Fehler wieder auszuschleifen? Dazu werden in Sportarten die einen hohen Anspruch an Präzision und Geschicklichkeit haben (dies ist im Pool Billard mindestens der Fall!) 10.000 bis 15.000 Wiederholungen angegeben! Je nach Alter und wie lange man schon mit so einem kleinen Fehler spielt! 8

1. Kapitel Doch auch wer erst anfängt, darf sich auf die entsprechenden Überlernmengen gefasst machen! Mit Überlernmengen bezeichnet man im Sport, die Wiederholungsmengen eines Ablaufs, die ein jeder Sportler machen muss, bevor eine Bewegung wirklich sitzt bzw. Automatisiert ist! Und da Ihr ja schon wisst wie hoch hier der Anspruch in Sachen Präzision und Geschicklichkeit ist, so dürfen auch für junge Einsteiger doch mindestens 5.000 Wiederholungen anzusetzen sein! Beschäftigt Euch intensiv mit diesem Thema, kommt dann zu einer für Euch passenden Lösung und ganz wichtig; Lasst dann von diesem Thema ab! Lasst dann nicht mehr an Euch herummäkeln! Das wird Euch Sicherheit geben! Nur wenn Ihr euch nicht wirklich damit auseinandergesetzt habt, seid Ihr empfänglich für irgendwelche Bemerkungen, die Eure Queueführung oder Stand in Frage stellen, was letztlich zu Unsicherheiten führen wird. Doch X-tausend Wiederholungen von was, bzw. welcher Bewegung denn? Kommt noch! Erst mal darüber wie es und warum es denn schulmäßig sein sollte. Wenn nun im folgenden einige Fotos zu den verschiedenen Aspekten der Haltung aufgeführt werden, sind diese praktisch als eine Art Ausgangsmaterial zu betrachten, wobei im Text natürlich im einzelnen auf wichtige Details hingewiesen wird. Details deren Beachtung durchaus wichtig ist und die auch von jedem in seinem individuellen Stil durchgeführt werden können. 9

Vor dem ersten Stoß 1.2 Der Stand Abb. 1.2-F001 Abb. 1.2-F002 10

1. Kapitel Hierbei solltet Ihr folgendes beachten: Die Beine sollten leicht versetzt gestellt werden, um die größtmögliche Stabilität zu erreichen. Sind die Beine in einer Linie nebeneinander gestellt, neigt Ihr dazu, nach vorn oder nach hinten zu schwanken. Sind die Beine in einer Linie hintereinander angeordnet, schwankt Ihr leicht nach rechts oder links. Aus diesen Gründen steht Ihr am besten gemäß Abbildung leicht versetzt. Weiterhin gilt, dass Ihr mit dem hinteren Bein (Standbein), durchgestreckt steht und nicht in die Knie geht. Beachtet Ihr dies nicht, neigt Ihr dazu, das Bein zu bewegen. Doch außer des Spielarmes sollte sich möglichst nichts bewegen. Man könnte auch sagen, dadurch würde eine Unbekannte mehr in die Gleichung gebracht und damit die Fehleranfälligkeit erhöht. Und solche kleinen Fehler machen sich fast nur in Stresssituationen bemerkbar. Für das vordere Bein gilt: Je nach Bequemlichkeit könnt Ihr es anwinkeln oder eben durchstrecken, das hängt auch von Eurer individuellen Statur ab. Dipl. Ing. und Bundestrainer Andreas Huber: Einer der häufigsten Fehler bei von mir trainierten Sportlern gehört sicher zum Thema Stand - die Lastverteilung. Gerade seit den vielen Snooker-Übertragungen im Fernsehen und den (völlig richtigen) Anmerkungen der Trainer, das hintere Bein am Besten durchzustrecken hat sich eine sehr einseitige Lastverteilung auf eben dieses Bein eingeschlichen. Gerade hier liegt allerdings eine sehr große (und oft völlig übersehene) Fehlerquelle: Snookerspieler achten sehr darauf, auf ihrem vorderen Standfuß ausreichend Last zu haben (erzeugt durch eine Drehung des vorderen Knies nach innen). Wandert der Schwerpunkt des Standes zu weit nach hinten, fällt der Spieler beim Durchgehen auf seinen Stoß und gibt so ungewollt Effet. Das leichte Anspannen der Oberschenkelmuskulatur oder einfach der Versuch, den Boden unter dem vorderen Fuß deutlich zu spüren genügt völlig, um diese Fehlerquelle zu eliminieren. 11

Vor dem ersten Stoß 1.3 Oberkörper und Kopf Abb. 1.3-F003 Abb. 1.3-F004 Mit dem Oberkörper und dem Kopf beugt Ihr Euch über das Queue, während selbiges möglichst waagerecht gehalten wird (ganz waagerecht ist selten möglich und auch nicht zwingend). Euer Kopf befindet sich direkt darüber, d.h. das Queue bewegt sich vertikal gesehen direkt unter Eurem Kinn und Nase bzw. zwischen den Augen. Beachtet dabei, dass Ihr nicht zu tief (etwa eine Handbreite, bzw. vier Finger Abstand) über das Queue gebeugt seid, also das Kinn den Queue fast berührt. Denn dann habt Ihr meist (je nach Körperstatur) nicht genügend Platz, das Queue mit dem Spielarm korrekt durchzuführen. Solange dafür genügend Raum ist, könnt Ihr auch entsprechend tief über dem Queue sein. Mit zunehmendem Alter bückt Ihr Euch ohnehin nicht mehr allzu tief. 12

1. Kapitel Dipl. Ing. und Bundestrainer Andreas Huber: Wie Ralph schon erwähnt hat, sollte sich der Spieler beim Suchen seines Standes und seiner Körperhaltung auf sein eigenes Körpergefühl verlassen - das gilt speziell für die Anordnung des Queues unter dem Kopf: fast jeder Mensch hat ein sog. liniendominantes Auge. Das Queue wird sich demnach auch eher auf der Seite dieses Auges befinden, wenn der Spieler einen geraden Stoß später auch als gerade erkennen können will. Später wird auch Ralph noch einmal genauer auf dieses Thema eingehen, da es sich hierbei - neben der Lastverteilung beim Stand - wohl um den zweiten kleinen Fehler mit enormer Konsequenz handelt. Vielen Top-Spielern konnte in der Vergangenheit nur durch Korrektur dieser Kleinigkeiten enorm geholfen werden. 1.4 Die Queueführung Beim Führungsarm (vorderer Arm) ist darauf zu achten, dass dieser von Euch bis auf wenige Ausnahmesituationen (z.b. Break) fast durchgestreckt wird. Winkelt Ihr ihn zu stark an oder legt den Unterarm sogar auf dem Tisch auf, lauft Ihr Gefahr, beim Stoß mit dem ganzen Körper nach vorne zu gehen. In diesem Falle würde der angewinkelte Arm wie eine Feder wirken und wäre damit die Ursache für weitere Fehlerquellen. Die Handbrücke, in der wir unser Queueoberteil führen, behandeln wir noch separat an anderer Stelle. Beim Stoßarm (hinterer Arm) stehen mehrere Punkte zur Beachtung an; Für den Queuegriff gilt, das Queue ganz zu umfassen, lediglich der Mittel-, Ring- und kleine Finger geben beim Rückschwung etwas nach, bleiben aber am Queue und unterstützen dessen Führung und Gefühl! Würdet ihr das nicht tun, müsstet Ihr beim Schwingen den Oberarm stark mit- 13

Vor dem ersten Stoß bewegen und dies würde wiederum einen geradlinigen Verlauf des Queues gänzlich verhindern. Das der Oberarm sich ein wenig mitbewegen muss ist nicht zu vermeiden, wenn das Queue wirklich geradlinig geführt werden soll, dies soll aber nicht mehr als nötig sein. Das Handgelenk bewegt sich dabei seitwärts möglichst gar nicht und stosswärts nur so viel wie nötig. Der Ausgangspunkt für den Unterarm ist wie bereits erwähnt möglichst senkrecht und dessen Handgriff am Queue liegt in etwa auf Höhe des Standbeins. Der Oberarm sollte in der Ausgangsstellung mit dem Unterarm in etwa einen rechten Winkel bilden. Beim Stoß selbst wird der Oberarm fast automatisch nachgezogen. Das ist auch gut so, denn andernfalls müssten sie ja Muskeln anspannen, um den Stoß aufzuhalten! Und einen verspannten Stoß können wir hier mal überhaupt nicht gebrauchen. Der Ellenbogen befindet sich vertikal gesehen über dem Queue. Je nach Körperbeschaffenheit ist es für Euch bestimmt nicht ganz einfach, all diese Punkte zu erfüllen. Scheut Euch also nicht den Rat von jemandem, der in diesen Dingen Erfahrung hat (ausgebildete Vereinstrainer (C-Trainer)) anzunehmen. Was soll sonst ein Landestrainer oder gar Bundestrainer denken, wenn Ihr tatsächlich mal in einen Landes- oder Bundeskader kommt. 14

1. Kapitel Abb. 1.4-F005 Abb. 1.4-F006 Abb. 1.4-F006 15

Trainingsprogramm 2. Trainingsprogramm (nach PAT 1 mit offizieller Empfehlung des Weltverbandes!) Dieses kleine Programm mit Test wurde im Frühjahr 2003 entwickelt und durch seine weltweite Anerkennung offizieller Billardsportverbände ab dem Spätjahr 2004, zum offiziellen und empfohlenen Spielvermögenstest (Playing Ability Test) der World Pool-Billiard Association (WPA)! Der vorliegende Test (PAT 1) und seine Bestandteile dienen uns hier als Wegweiser, Pool Billard auf solider Basis zu erlernen. Sie können nun gerne die nächsten Sätze überspringen und direkt mit dem ersten Thema bzw. mit der ersten Aufgabe beginnen oder sich noch ein paar Erläuterungen zum PAT System anlesen. Die WPA hat Anhand von diesen 4 Tests und die dabei individuell zu erreichenden Punktzahlen offizielle Farbembleme herausgebracht! Also von außen sichtbare Leistungsstufen, so ähnlich wie in den Kampfsportarten wie Judo oder Karate. Nur das wie bereits erwähnt im Billard kleine Farbembleme sinnvoller waren. Die Flächen mit der Schrift (Sport & WPA), tragen dann die jeweilige Farbe. 22

2. Kapitel Farbabstufungen: PAT Start: PAT 1: PAT 2: PAT 3: Weiß (600 Punkte) und Schwarz-Weiß (800 Punkte) Hellgrün (600 Pkt.) und Dunkelgrün (800 Pkt.) Hellblau (600 Pkt.) und Dunkelblau (800 Pkt.) Schwarz (550), Rot (700), Gold (850) und Rosa (ab 1000)! Freizeit-Bereich Sport-Bereich Spitzen- & Profisport Einzelheiten wie auch sie zu so einem Leistungsemblem kommen können, sowie mehr Informationen über PAT, finden sie unter: www.pat-billiard.com Alle Fähigkeiten die benötigt werden um gutes Pool Billard zu spielen, sind in diesen vier Tests in jeweils zehn Teilbereiche unterteilt worden. Jeder dieser Teilbereiche wird durch bestimmte festgelegte Übungen abgetestet. Je nach erzieltem eigenen Wert, sollen sie erkennen können, ob sie in diesem Teilbereich noch Training benötigen oder ob sie sich anderen Teilbereichen zuwenden können. In jeder Übung eines jeden Teilbereichs ist ein sogenannter Sollwert angegeben. Ihre erreichte Punktzahl in jeder Übung gibt quasi in Prozent an wieviel vom angegebenen Sollwert sie erreichen konnten. Wobei bemerkt sein soll, dass die angegebenen Sollwerte auch übertroffen werden können (also auch über 100% sind möglich). Bei zehn Teilbereichen ergeben sich also Ziel- oder eher Wunschwerte von 10x 100%! Was addiert also perfekten 1000 (Prozent-) Punkten entspricht. Durch den bereits erwähnten Überhang können im PAT 1 theoretisch 1.549 Punkte erreicht werden. Die Teilbereiche in PAT Start, 1 und 2 sind eigentlich fast identisch, sie unterscheiden sich nur in Schwierigkeitsgrad, Aufgabenstellung und den geforderten Sollwerten. Im hier nicht behandelten PAT 3, werden noch weiterführendere und hoch- 23

Trainingsprogramm gradig anspruchsvolle Aufgaben gestellt. Dieser PAT 3 orientiert sich daher auch eher an Hochleistungssportler auf Bundesliganiveau und auch an professionell agierenden Spielern. Hier möchte ich Anhand von den Teilbereichen und deren Aufgaben im PAT 1 dem Einsteiger den Weg zum Fortgeschrittenen Spieler zeigen. Ein Test (PAT 1) findet demnach erst nach dem Kennen lernen der einzelnen Teilbereiche statt. Der sogenannte PAT Start wird hier weniger offiziell als vielmehr durch entsprechend hinführende Übungen zu PAT 1 vertreten, auch wenn diese Übungen nicht die Original PAT Start Übungen sein können. Fortgeschrittene Spieler orientieren sich in diesem Buch an den in den gleichen Teilbereichen vorgestellten Übungen an den eher alternativen, bzw. weiterführenden Übungen in Richtung PAT 2. Falls sie sich nicht sicher sind, ob sie Fortgeschritten sind oder nicht, empfehle ich zunächst einen PAT 1 durchzuspielen. Je nach erreichtem Durchschnittswert und dem Vergleich mit den angegebenen Sollwerten (ab etwa 80% ist OK und führt damit zu PAT 2, weniger als 50% gilt als noch Trainingsbedürftig und führt zu PAT Start, bzw. zu den hier aufgeführten hinführenden Übungen), werden sie sich leicht einordnen können und wissen wo der Weg beginnen wird! Im Rahmen eines Tests werden alle Übungen mit den erforderlichen Durchgängen und Aufnahmen am Stück durchgespielt und die Ergebnisse notiert. Die ersten 4 Teilbereiche von PAT 1 befassen sich mit der Stoßqualität. Wir unterscheiden also zunächst zwischen Stoßgeschwindigkeit (Tempogefühl), Stoßgeradlinigkeit und Stoßwirksamkeit (stärkere Rotationserzeugungen wie Nach- und Rückläufer). 24

2. Kapitel Die darauf noch folgenden 6 Teilbereiche befassen sich quasi mit den spielerischen Aspekten des Pool Billards. Unterteilt in Positionsspiel im kleinen und großen Bereich, bei press Bande liegenden Situationen, bei Fortsetzungssituationen, im Bereich des zyklischen Ablaufs mit Treffsicherheit und schließlich im praktischen Anwendungsbereich. Diese 10 Teilbereiche mit denen sich dieses Buch nun nach und nach befasst, können sie auch schon im Inhaltsverzeichnis leicht identifizieren! Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß und persönlichen Erfolg auf Ihrem Weg durch dieses Training! 25

Trainingsprogramm PAT Übungsteil Durchführungsstruktur Soll- Ø Maximal Ø Ihr Wert = Ihr Ø 1 Speed 3 Durchgänge á 4 Speeds 3,0 bis 3,5 4,0 2 Geradlinigkeit 4 Durchgänge á 3 Stößen 2,2 bis 2,6 3,0 3 Nachläufer 3 Durchgänge á 6 Nachläufer 8,0 bis 10,0 12,0 4 Rückläufer 3 Durchgänge á 6 Rückläufer 8,0 bis 10,0 12,0 5 Kleines Positionsspiel 2 x 3 Versuche auf je 5 Kugeln 3,0 bis 4,0 5,0 6 Großes Positionsspiel 2 x 3 Versuche auf je 6 Kugeln 3,0 bis 4,0 6,0 7 Press Bande Situationen 2 x 3 Versuche auf 6 & 10 Kugeln 4,0 bis 6,0 8,0 8 Endlos Drill 3 Versuche auf bis zu 3 x 3 Kugeln 4,0 bis 6,0 9,0 9 Zyklik (Standardbälle) 5 Standardbälle á 3 Stößen 1,8 bis 2,2 3,0 10 Spielsituation 3 x 1 Versuch auf je 9 Kugeln 3,8 bis 5,0 9,0 Ø = addierte Einzelresultate geteilt durch die Anzahl der Durchgänge oder Versuche 26

2. Kapitel Sie können sich auf irgendein Blatt Ihre Resultate notieren oder sozusagen zur Luxusvariante greifen. Denn es sind natürlich auch offizielle PAT Trainingshefte erhältlich in denen sie entsprechende Vordrucke für den Test, genaue Sollwerte, die Faktoren für genaue Prozentwerte, sowie Trainingsvordrucke für ein strukturiertes Training jeder einzelnen Übung finden können. Darüber hinaus sind auch offizielle PAT DVD s lieferbar in denen jede einzelne Übung nicht nur vorgespielt wird (vom Weltmeister 2003 Thorsten Hohmann), sondern auch ausführlich erklärt wird (vom Bundestrainer Andreas Huber und Ralph Eckert). Ebenso wie die erforderlichen Techniken im Einklang mit diesem Buch! Es gibt nichts, was nicht durch Geduld und Gleichmut erreicht werden könnte. Diese Erfahrung kann tagtäglich gemacht werden. - Mahatma Gandhi - Indischer Freiheitskämpfer und Begründer des Gewaltfreien Widerstandes. Entnommen aus dem Buch Wer den Weg der Wahrheit geht, stolpert nicht (2002) 27

Trainingsprogramm 2.1 Speed (Stoßgeschwindigkeit / Tempogefühl) Von entscheidender Bedeutung beim Positionsspiel ist u.a. natürlich das Tempo, bzw. das richtige Speed! Wofür gute Spieler eben eine Menge Gefühl brauchen. Diesem Gefühl könnt Ihr durch Übungen dieser Art gehörig auf die Sprünge helfen! Im Training bekommt Ihr sicher häufig Anweisungen wie: jetzt ganz leicht spielen ; mittelfest ; hart ; soft ; sachte ; usw. Dipl. Ing. und Bundestrainer Andreas Huber: Gerade das hart oder fest ist dabei besonders tödlich: Wirkung wird ausschließlich (!!!) durch Stoßgeschwindigkeit erzeugt - Kraft kann im Billard nicht übertragen werden! Um hier etwas eindeutiger von den Anweisungen her werden zu können und um natürlich das Gefühl für das passende Speed zu finden, hier also eine kleine Speed Trainings Serie, bei der Ihr gleich mal probieren könnt, ob es Euch gelingt den Queue wirklich durchzuführen! Vor allem bei Speed Eins haben selbst geübte Sportler ein Problem dies korrekt zu machen! Trainingsziel Empfehlung: Speed Eins und Zwei solange üben bis Ihr die vier Kugeln in Folge auf das richtige Speed spielen könnt. Bei Speed Drei und Vier bitte nur eine Kugel nach der anderen, bis sie eben auch alle (aber halt nicht in Folge) im richtigen Speed- Feld eingetroffen sind. 28

2. Kapitel Hier sind alle 4 Kugeln in das vorgegebene Feld hineinzuspielen. Mit allen 4 Kugeln muss es gelingen, also quasi 4x in Folge! Die Kugeln müssen dabei nicht die Fußbande berühren und haben somit 4 Diamanten Toleranz! Die Kugeln dürfen sich gegenseitig nicht berühren! Wie oben! Es gilt die gleiche Toleranz! D.h. Die Kugeln sollen ins Feld rollen und dürfen dann auch noch die Bande berühren (müssen aber nicht!). Die Kugeln dürfen sich gegenseitig nicht berühren! 29

Trainingsprogramm Hier also auch wieder wie oben, nur halt ein Stück weiter auf Speed 3! Hier werdet Ihr bemerken, dass diese Übung auch schon einen gewissen Anspruch auf Geradlinigkeit hat. Denn auch hier gilt, dass die Kugeln sich gegenseitig nicht berühren dürfen und auch keine lange Bande berühren dürfen. Auch hier wieder 4 Diamanten Toleranz! Fester als Speed 4 sollte man so gut wie nie spielen müssen! Das 9-Ball Break hat vielleicht Speed 5-6, was allerdings in Tischlängen nicht darstellbar ist, weil die Spielkugel beim Auf- 30

2. Kapitel treffen an der ersten Bande unweigerlich springen würde! Und nach internationaler Tischnorm gilt, dass eine Kugel 4 Tischlängen ohne ins Springen zu kommen laufen können muss. Nach diesen Übungen, stellt sich die Frage, ob wir alle Speeds problemlos erreichen konnten, oder ob wir mit bestimmten Speeds Schwierigkeiten hatten? Aber es geht hier noch nicht um die Frage, ob wir sie vielleicht noch nicht geradlinig laufen lassen konnten. Die Geradlinigkeit des Stoßes wird erst in der nächsten Session behandelt. Probleme das richtige Speed zu finden liegen meist auch in Eurer Schwingungsfrequenz! Woher kommt denn die Kraft die für ein sauberes Speed 4 oder mehr gebraucht wird? Aus dem Oberarm? Aus dem Unterarm? Aus den verfügbaren Muskeln? Sie kommt aus der Geschwindigkeit! Und um ein hohes Speed auf dem Billardtisch zu erreichen müssen sie also lernen schnell den Queue durchzuziehen! Um diese hohe Endgeschwindigkeit bzw. die benötigte Beschleunigung mit dem Queue zu erreichen, ist es schon mal grundsätzlich nötig vor dem Abstoß ein paar Probeschwingungen mit dem Queue zu machen. Oft genug habe ich Schüler gehabt, die gerne auf das Schwingen vorab verzichtet hätten oder dieses nur sehr langsam, sehr kurz und sehr vorsichtig gemacht haben. Wer nicht, wenig oder gar keine Probeschwünge vor dem eigentlichen Abstoß macht, kann erfahrungsgemäß keine hohe und schon gar keine saubere Beschleunigung mit dem Stoß erzielen! Der Stoß wirkt in solchen Fällen abgehackt und unsauber! Wer also sehr langsam schwingt, wird Probleme haben eine schnellen Abstoß zu erzielen, den er eben braucht, um höhere Speeds zu erreichen! Wer umgekehrt zu schnell und hektisch sein Queue schwingt, wird eher Probleme im niedrigen 31

Trainingsprogramm Speedbereich haben! Passt also Eure Schwingungsfrequenz auf ein mittleres Maß an, mit dem Ihr dann auch alle Speeds gut erreichen könnt! Bleibt die Frage offen wie lange, bzw. wieviel Probeschwünge sie denn ausführen sollen bevor sie zum eigentlichen Abstoß übergehen. Die Antwort kann hier nicht pauschal ausfallen! Meine Empfehlung: Schwingen sie soviel sie wollen - bis ihnen ihr Unterbewusstsein sagt OK! (Für den Fall das es sagt: das wird nichts empfehle ich nochmals abzusetzen, aufzustehen und den Stoß von neuem anzugehen). Haben sie vom Unterbewusstsein das OK bekommen, halten sie kurz inne und leiten dann zum ultimativen Abschlussrhythmus ein. Welcher Empfehlungsweise 1-2 -... Stoß sein kann. ( beachten sie dazu bitte auch den 7-Schritt Ablauf unter 2.9 Zyklik!) Im Detail: Nach dem OK (Queue ruht vorn) Queue zurückziehen und wieder vor (1) Queue zurückziehen und wieder vor (2) inne halten Queue zurück (manche Profis halten lieber an dieser Stelle inne) bis zum anatomischen Ende durchgezogener Stoß! Dipl. Ing. und Bundestrainer Andreas Huber: Es ist dabei unbedingt wichtig, zum eigentlichen Stoß langsam, gleichmäßig und vor allem komplett auszuholen das schnelle Zurückreißen des Queues, um besonders viel Wirkung zu erreichen führt praktisch immer zu katastrophalen Ergebnissen. 32

2. Kapitel PAT 1, Teil 2: Stoßgeradlinigkeit mit Speed 2 (2.2. t014) Die 3x zwei eingezeichneten Objektkugeln, liegen genau (!) zwei Kugelbreit weit auseinander! Die Mitte dieser Lücke liegt exakt auf dem Fußpunkt (bei den mittleren zwei Kugeln). Die Spielkugel dort genau auf dem Kopfpunkt. Achtet bitte darauf, ob diese Punkte auch genau eingezeichnet wurden. Sodann müsst Ihr nichts weiter als die Spielkugel zwischen den zwei Kugeln hindurch an die Fußbande spielen, von dort soll die Spielkugel wieder zurück, abermals zwischen den zwei Objektkugeln hindurch, bis in das Speed 2 - Feld laufen! Klar das dabei die Spielkugel, keine der beiden Objektkugeln berühren darf! Das erreichen von Speed 2 ist ebenfalls Pflicht, um die Aufgabe zu erfüllen! Ein Durchgang ist also je einmal durch jede dieser 3 Gassen durchzuspielen. PAT Testgemäß also 4 x 3 Stöße. Zusammenzählen und durch vier teilen ergibt wieder euren Durchschnitt. Der Zielwert auf Stufe 1 liegt bei etwa 2,2 bis 2,6 (von 3 Möglichen)! 45

Trainingsprogramm Wenn Euch das ganz gut gelingt, ist es gut und Ihr könnt direkt zum nächsten Testteil übergehen. Oder Ihr interessiert Euch vielleicht dafür, wie Ihr denn eventuell diese Übung noch besser machen könntet, bzw. was denn die Grundlage für einen geraden, zentral gestoßenen Stoß ist. Weil auch Abweichungen bei höherem Anspruch (gleiche Übung mit Speed 3 oder 4), Ursächlich ebenfalls hier in den Grundlagen zu finden sind! Mit welchem Speed dereinst auf Stufe 2 und 3 gespielt wird könnt Ihr euch ja denken! Hinführend: Eure persönliche Null-Stellung des Stoßarmes finden Wichtig für den oberen Bewegungsapparat ist, dass Ihr Eure persönliche Null Stellung des Stoßarmes findet! D.h. Ihr müsst die Armstellung finden, von der aus der Unterarm ganz von alleine geradeaus schwingt! Am Ellenbogen laufen die dabei wesentlichen Muskeln zusammen, die bei einer bestimmten Stellung, den Unterarm von ganz alleine gerade pendeln lassen! Das ist die gesuchte Null-Stellung! Seid Ihr da nicht richtig ausgerichtet, drängt beim Stoß Euer Arm immer in Richtung der persönlichen Null-Stellung und Ihr müsst Muskelspannungen anbringen, um diesem Drang entgegenzuwirken! Euer Stoß wird dann verspannt und oft sieht man Sportler, die aus diesem Grund fast immer unwillkürlich Effet mit in Ihren Stoß bringen! Aus diesem Grunde wollen wir mal mit folgendem Fotogestütztem Prozedere (Schritt 1-5 persönliche Nullstellung, Schritt 6-10 Übergang zur eigenen Stoßhaltung) eure persönliche Null-Stellung ausfindig machen: 46

2. Kapitel (2.2 F015): 1.) Sucht zunächst den Schwerpunkt Eures Queues. (2.2 F016): 2.) Umfasst dann Euer Queue genau an dieser Stelle nur mit Zeigefinger und Daumen. 47

Trainingsprogramm 3.) Haltet das Queue nur so fest wie es das Queuegewicht erfordert und es somit auch beim Senkrechthalten nicht durchrutschen kann. Das entspricht auch in etwa der Stärke mit der Ihr Euer Queue beim tatsächlichen spielen anfassen solltet! (2.2 F018): (2.2 F017): 4.) Stellt Euch (mit Eurem Becken) parallel zum Tisch, lasst die Arme herunterhängen und haltet das Queue starr in Richtung des Tisches (zunächst also 90 Grad vom Becken). 48

2. Kapitel 5.) Löst nun jegliche Spannung in den Armen und beobachtet in welche Richtung der Queue nun auspendeln wird. Dann habt Ihr eigentlich schon Eure persönliche Null-Stellung gefunden! Tippt hier und da mal den Queue mit der anderen Hand an, und schaut ob er sich auch immer wieder in seine Ausgangslage zurückpendelt. Wenn er (2.2 F019): z.b. immer gerade in der Lage stehen bleibt, in der Ihr ihn hintippt, dann wird das wohl daran liegen, dass Ihr in Euren Muskeln immer eine gewisse Grundspannung habt! Am Anfang mag man besonders hier seine Schwierigkeiten haben, wirklich die Arme entspannt herunter hängen zu lassen! Denkt dabei noch daran, dass Ihr das Queue immer noch ganz umfasst greift! Ihr habt also eine kleine Spannung (wie für das Queuegewicht erforderlich) in den Fingern und auch eine kleine Spannung in den Schultern, sonst würde Euch ja der Queue einerseits aus der Hand fallen und andererseits, die Schulter einseitig herunterhängen! Aber die Armmuskulatur um den Ellenbogen herum muss völlig entspannt sein! Wenn Euch das zu Anfang noch nicht so gut gelingen mag, so wiederholt es an verschiedenen Tagen immer wieder, bis sich die 49

Trainingsprogramm gewünschte Entspannung einstellen wird. Bundestrainer Andreas Huber liebt es an dieser Stelle die Schüler aufzufordern sich wie zum Spiel nun über den Queue zu beugen und aus dieser Stellung (also Einarmig und zwei Finger immer noch am Schwerpunkt!) Bälle direkt in eine Tasche spielen zu lassen. So lange bis es nicht nur klappt, sondern auch noch wirklich penibel korrekt (also entspannt und nach dem Stoßimpuls fast von alleine passierend ) gelingt! Und zwar nicht nur einmal, sondern manchmal besteht Er schon mal auch auf ein paar tausend (!) einarmig ausgeführten Stößen! Nur so sagt Er entwickelt man ganz automatisch ein Gefühl für einen wirklich entspannt ausgeführten Stoß! Und wenn sie dann später endlich mit zwei Händen spielen dürfen wird s ja richtig einfach! Fraglos ist das Durchführen dieses Einarmigen Trainings, um sich den entspannten Stoßverlauf fest einzuprägen nur unter (Stichprobenartiger) Beobachtung von Leuten anzuraten, die sich wirklich damit auskennen! Sonst besteht Gefahr, das man diese Übung Fehlerhaft ausführt, was natürlich verheerende Folgen hätte, weil sie sich ja dann einen falschen Stoßablauf bzw. Stoßgefühl einprägen würden! Hier werde ich also von dieser persönlichen Nullstellung direkt den Übergang zum eigenen Stand versuchen zu veranschaulichen, ohne auf die - pädagogisch und technisch - wertvolle Einarmige Übung einzugehen, die an dieser Stelle empfohlen wird. Ich darf dazu auf die offizielle PAT 1 DVD verweisen. In Schriftform ist dies hier eben nur sehr bedingt zu veranschaulichen. Doch kommen wir nun - unter Berücksichtigung unserer gefundenen Nullstellung - zurück zu unserer Testübung und zu unserer normalen Spielhaltung, bei der diese Nullstellung nun mit einfließen soll! 50

2. Kapitel Wenn ihr also nun eine Kugel geradeaus spielen wollt wie in obiger Übung, dann müsstet Ihr weiter verfahren wie in den folgenden Schritten 6 bis 10 beschrieben: (2.2 F020) (2.2 F021) 6.) Dreht Euch nun mit Minischritten (unterer Bewegungsapparat) so langsam und so lange wie nötig in die richtige Richtung, bis der Queue nun von ganz alleine in Richtung der Geraden Spielkugel Mittlerer Diamant (der gegenüberliegenden kurzen Bande) zeigt. Das ist eigentlich das ganze Geheimnis!! Aus dieser Position heraus schwingt der Arm, bzw. das Queue, das an selbigem hängt, ja von ganz alleine geradeaus! Ihr müsst es nicht mehr dazu zwingen geradeaus zu laufen! Einen absolut geradlinigen Stoß auch mit höherem Speed auszuführen ist also eher einfacher als Ihr immer dachtet nicht schwieriger! Wenn Ihr es unbedingt wollt, geht es sowieso nicht! 51

Trainingsprogramm 7.) Achtet dabei, dass Ihr Euch nun etwa mit der Queuespitze einen Diamanten von der Spielkugel entfernt befindet. Bzw. muss dieser Abstand etwa der Strecke entsprechen die Ihr jetzt mit Eurer Hand am Queue von Eurem normalen Griff* entfernt seid. (2.2 F022) 8.) Nach beschriebenen Schritt 7 müsste nun ein Schritt nach vorne fast genügen, um in euren Stand hinein zu kommen. Wenn Ihr dabei am Anfang noch die Beine ein wenig nachrichten müsst, um in einen für Euch bequemen Stand zu kommen, ist das durchaus tolerabel. Denn es ist durchaus wichtig, dass Ihr Euren unteren Bewegungsapparat soweit nachrichtet, das Ihr bequem stehen könnt. Ihr dürft dabei nur den oberen Bewegungsapparat möglichst nicht verändern! * Normaler Griff heißt hier, dass in dem Moment, wo das Queueleder bis kurz vor der Spielkugel vorgefahren ist, sich Euer Schwungarm in einer senkrechten und daher in einer natürlich-hängenden Position befindet! Die Grundlage für einen von-alleine-gerade-laufenden Stoß! 52

2. Kapitel Dipl. Ing. und Bundestrainer Andreas Huber: Eine Drehung des Beckens oder des Oberkörpers um die Becken- Achse würde die vorangegangenen Schritte zur Ermittlung der anatomisch korrekten Haltung zunichte machen. Verwechselt also nicht bequeme mit gewohnte Haltung! Denn an die Haltung die sich aus Eurer persönlichen Nullstellung ergibt werdet Ihr euch auch schnell (weil Natürlich) gewöhnen können. 9.) Nach dem ersten Herunterbeugen, kommt nun der letzte Schritt, nämlich der Übergang in Eure Originalstellung. Sobald sich die Queuespitze direkt vor der Spielkugel befindet fahrt ihr nun mit Eurer Stoßhand langsam soweit am Queue entlang nach hinten, bis sich euer Unterarm in einer senkrecht-hängenden Position befindet. (2.2 F023) Im folgenden auch noch zwei Bilder aus der Seitenperspektive, die ebenfalls diesen 9ten Schritt darstellen sollen. Achtet wie bereits erwähnt darauf, dass sich in diesem Moment die Queuespitze auch fast ganz vorne an der Spielkugel befindet! 53

Trainingsprogramm (2.2 F024) (2.2 F025) 54

2. Kapitel 10.) Haltet die Ellbogenmuskulatur völlig entspannt, schwingt einige Male mit einem angenehmen Gefühl des entspannten Schwingens und lasst nun einfach aus dem Vorwärtsschwung heraus den Stoß kommen! Bis zu seinem anatomischen Ende natürlich! Den Stoß also nicht wieder abbremsen, sondern soweit den Stoß kommen lassen, bis er quasi von alleine anhält. (2.2 F027) Das ist mindestens eine halbe Diamantenlänge die, die Queuespitze hinter der ursprünglichen Lage der Spielkugel zum Stehen kommt! Dipl. Ing. und Bundestrainer Andreas Huber: Der Stoß wird dabei in etwa so lange, wie der schwingende Teil des Armes (Drehpunkt Ellenbogen bis Griff Queue) ein langer Schnabel sorgt also dafür, dass man nicht korrekt durch den Spielball schwingen kann, der Stoß also zu kurz wird und künstlich verlängert werden muss, was erneut eine erhebliche Fehlerquelle darstellt. Wenn es Euch gelingt den Queue dabei völlig entspannt zu führen, werdet Ihr nach nur wenigen Versuchen es schaffen die Spielkugel verhältnismäßig geradlinig den Tisch rauf und runter zu spielen. Dies bestätigt Eurem Unterbewusstsein, dass Ihr gerade stoßen könnt und vor allem: Ihr müsst eigentlich 55

Trainingsprogramm Nichts dabei tun! Denn bei richtiger Ausrichtung (Null-Stellung) läuft der Queue von alleine (!) geradlinig! Durch die vorangegangene Ausrichtung, wird kein Muskel beim späteren Spiel in eine andere Richtung drängen wollen. Ihr könnt dann völlig gerade stoßen! Mental gesehen ist es schon mal Gold wert zu wissen, dass der eigene Stoß mühelos gerade ist! Sollte die Übung nun immer noch Schwierigkeiten bereiten, dann mag das vielleicht daran liegen, dass da wo Ihr denkt, die Mitte der Spielkugel sein müsste, diese eben doch nicht dort ist. Also eine optische Fehleinschätzung gegeben ist. Dann müsstet Ihr mal die Linie Queue Kinn Augen Ellenbogen überprüfen! Auch ob der Queue nach dem Stoß noch geradeaus zeigt (!) und ob die Queuemitte noch während dem Schwingen sich auch über dem Diamanten befindet? Wenn nicht, wäre das ein Indiz dafür, dass Ihr eben nur denkt geradeaus zu spielen (jetzt aus optischer Sicht), es aber doch nicht tut. Wenn Ihr aber immer weiter übt, wird sich auch der Queue persönlich ausrichten, d.h. unter Umständen verlässt er auch mal die Queue Kinn Augen Ellenbogen Linie, um sich seinen Platz unter einem eventuell dominanteren Auge zu suchen. Lassen sie sich aber nicht verrückt machen. Vertrauen sie auch ein wenig ihrem Körper, der von sich aus schon versuchen wird, das alles gut und einfach hinzukriegen. Vertrauen heißt hier auch entspannen, machen und dann das Resultat beobachten. Bei dauerhaften Schwierigkeiten würde ich jemanden hinzuziehen, der sich damit auskennt und ihnen eine individuelle Beratung bieten kann. 56

2. Kapitel Dipl. Ing. und Bundestrainer Andreas Huber: Gewarnt sei an dieser Stelle vor dem Heer der sendungsbewussten Experten in den Vereinen, die die Trainer wohl auf ewig mit unnötiger Arbeit im Überfluss versorgen werden. Viel zu viele Spieler wurden in der Vergangenheit dazu gezwungen, das Queue millimetergenau unter dem Kinn zu halten und ihre Füße auf die eine oder andere besondere Art zu positionieren (obwohl man doch gar nicht mit den Füßen sondern mit dem Queue spielt). Hört sich alles recht kompliziert an, aber wenn Ihr das am Anfang alles beachtet und Euch damit auseinandersetzt, dann werdet Ihr auch immer schneller in Eure natürliche Stellung finden können! Die richtigen Grundlagen sind hier eine Weltmacht! Bevor ich nun noch ein paar alternative Übungen zur Stoßgeradlinigkeit vorstelle, versuche ich es noch mit einem Zitat aus den Lehren des ZEN, aus dem asiatischen Bereich, wo es heißt: Wenn es am Anfang fehlt ist das Ende nicht erreichbar! - Asiatische Weisheit nach Prof. Eugen Herriegel - Brachte in den 20er und 30er Jahren die ZEN Kunst nach Europa. 57

Weitere Fachbücher auf Litho-Verlag: PAT- Trainingsheft 1 ISBN 3-9810400-0-7 26,- Euro PAT- Trainingsheft 2 ISBN 3-9810400-1-5 26,- Euro PAT- Trainingsheft 3 ISBN 3-9810400-2-3 26,- Euro Modern Pool Techniken und Training ISBN 3-9804706-0-1 30,15 Euro Progressives Pool Technisches-, taktisches-, und mentales Poolbillard ISBN: 3-9804706-1-X 30,15 Euro 176