Studienseminar Koblenz

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Allgemeines Seminar Studienseminar Koblenz Standardsituationen im Fachunterricht Standardsituationen sind unterrichtliche Situationen im Fachunterricht, die regelmäßig und fast in jeder Unterrichtsstunde vorkommen. Standardsituationen haben paradigmatischen Charakter und deren Bewältigung gehört zum Standardrepertoire der Lehrkräfte. Standardsituationen des Fachunterrichts sind: (Fach)Begriffe einführen Fachliches und Sprachliches (ein)üben Vorgänge und Experimente beschreiben Auf Ideen kommen Neues erarbeiten Über Fachliches reden Ordnung hineinbringen Wirkungsvoll präsentieren Sachtexte lesen. Jede der genannten Standardsituationen hat ihren eigenen Charakter und bedarf ihr angemessener Bewältigungsstrategien. Handlungsoptionen sind verschiedene Optionen für das Handeln in Standardsituationen. Die Entscheidung für die eine oder die andere Handlungsoption lässt sich nur auf der didaktischen und pädagogischen Referenzebene, also im Theoriebezug rechtfertigen. Der Begriff Handlungsoption verdeutlicht, anders als die Begriffe Hinweise, Hilfen, Empfehlungen, dass es sich nicht um Rezepte, sondern um im Einzelfall zu legitimierende Möglichkeiten handelt. Zur Bewältigung von Standardsituationen leisten u. a. Methoden-Werkzeuge ausgezeichnete Dienste und stehen als Handlungsoptionen zur Verfügung. Um den Einsatz eines Methoden-Werkzeuges didaktisch zu rechtfertigen, muss man um die Charakteristika der spezifischen Verwendungssituation wissen. Daraus ergeben sich Anforderungen an die Methoden-Werkzeuge. Oft werden Anforderungen von mehreren dieser Werkzeuge gleichermaßen erfüllt, andere hingegen sind ausgeschlossen. Charakteristika der Standardsituation (Fach)Begriffe einführen Ausschärfen Umdeuten Erarbeitung von Fachbegriffen oft nicht sinnvoll Ggf. Rückführung auf Bekanntes Paraphrasierung Verschiedene Darstellungsformen Ggf. Konkretisierung und Beispiele Verwendung in Kontexten Möglichkeiten zur Umwälzung der neuen Begriffe Sprachbad schaffen Fachliches und Sprachliches (ein)üben interaktiv und spielerisch vielfältig abwechselungsreich routinebildend und aufgabenbezogen selbsttätig und aktivierend handlungsorientiert differenzierend Sicherheit schaffen und Selbstvertrauen geben Wortschatzübungen Vorgänge und Experimente beschreiben Anforderungen an die Methoden-Werkzeuge Die Werkzeuge zur Einführung neuer Begriffe oder Fachbegriffe sollen die Schüler zum raschen, eigenständigen und zur weitgehend korrekten Verwendung der neuen Begriffe führen. Die Werkzeuge haben einen hohen Formalisierungsund Vorgabegrad. Tafel, Folie, Plakate, Karten sind dabei unerlässliche Medien. Werkzeuge, die die neuen Begriffe und Fachbegriffe im Kontext anwenden und verschiedene Tätigkeiten erlauben (Anfassen, Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben, Zuordnen,...) sind besonders geeignet. Diese Werkzeuge haben oft Spiel- und Wettbewerbscharakter. Schleifenbildende Werkzeuge mit mehreren Durchläufen wirken routinebildend. Handlungsorientierten Werkzeugen ist grundsätzlich der Vorzug zu geben. Diese Werkzeuge sollten eine Binnendifferenzierung ermöglichen. Besonders wichtig sind Werkzeuge zur Einübung des Wortschatzes. Die Werkzeuge sollen die Schüler zur 1

Einhaltung der logischen Reihenfolge Genauigkeit und Präzision Klarheit der Gedankenführung Nutzung fachsprachlicher Muster Bezug zu Bildern und Vorgängen Auf Ideen kommen Brainstormingsituation Offenheit für alle möglichen Ideen kreative Situation Vielfalt von Lösungswegen ungesteuerte Beteiligung aller Neues Erarbeiten geeignete Informationseingabe Steuerung durch Materialien zeitintensiv angemessener Beschäftigungsgrad unterschiedliche Bearbeitungstempi unterschiedliche Niveaus des Verstehens Über Fachliches reden angemessene kommunikative Situationen diskursives Argumentieren verschiedene Perspektiven Pro-Contra-Situationen zusammenhängende Rede rhetorische Elemente Plenum oder Gruppenarbeit situationsgerecht authentische Anwendungssituationen Ordnung hineinbringen umfangreicher Begriffs- oder Faktenbestand materialintensiv Klassifizierung Strukturierung Hierarchisierung verschiedene sinnvolle Ordnungssysteme Wirkungsvoll präsentieren zusammenhängende Rede Präsentationshilfen Gliederungshilfen Sachtexte lesen Selbsterschließung mit Lesehilfen Lesestrategien bewusst nutzen Prinzip der zyklischen Bearbeitung Lesetraining Beachtung der Leseabsicht, Lesesituation, Lesefähigkeiten Wechsel der Darstellungsformen regelgeleiteten und formatierten Bearbeitung der Aufträge führen. Sie bevorzugen und schulen das konvergente Denken. Die Werkzeuge haben einen hohen Formalisierungs- und Vorgabegrad. Die Materialvorgaben haben meist Arbeitsblattcharakter. Bildmaterialien und ein Begriffsinventar als Beigabe sind erfolgsversprechende Lernhilfen. Diese Werkzeuge müssen offen gehalten sein und zum Brainstorming und zum divergenten Denken einladen. Die Lehrkraft muss zurücktreten können und wirkt vorwiegend impulsgebend. Wenn Ideen nicht kommen, sollten die Werkzeuge abgestufte Ideenbringer anbieten. Es ist entscheidend, die Gruppe so zu stimulieren, dass sie auf Ideen kommt, die dem Einzelnen nicht oder nur selten kommen. Diese Werkzeuge müssen Informationen und Ansätze zur Bearbeitung anbieten und gleichzeitig eine Binnendifferenzierung u. U. durch unterschiedliche Zugangsarten und unterschiedliche Schwierigkeitsgrade ermöglichen. Verschiedene Sozialformen sollen möglich sein. Diese Werkzeuge sollten einen hohen Intensitätsgrad der Beschäftigung bewirken. Diese Werkzeuge müssen einerseits Freiraum für eigene Gedanken, Argumente und Wertungen bieten, andererseits eine angemessene Unterstützung anbieten, so dass das Reden über Physik im Fluss bleibt. Orientierende Raster und Sprechhilfen können hier nützliche Dienste tun. Schüleraktive Werkzeuge mit Wiederholungseffekten sind besonders empfehlenswert. Diese Werkzeuge sollen den Schülern bzw. den Schülergruppen das eigenständige Ordnen des Gelernten und Bekannten ermöglichen. Die Werkzeuge müssen oft einen großen Begriffsund Faktenbestand anbieten und zur Klassifizierung, Strukturierung und Hierarchisierung freigeben. Dabei wird die gedankliche Struktur nach außen dargestellt. Gutes Material ermöglicht u. U. verschiedene Darstellungen, die zum kontrastiven Vergleich genutzt werden können. Diese Werkzeuge unterstützen die Präsentation von Einzel- oder Gruppenergebnissen in der zusammenhängender Rede und/oder der materialgeleiteten Darstellung. Zielkriterium ist die Wirkung auf das Publikum. Diese Werkzeuge sind Teil von Texterschließungsverfahren oder unterstützen dieselben. Alle Werkzeuge, die den vorgegebenen Text in eine andere Darstellungsform übersetzen sind besonders geeignet. 2

Exemplarisch werden folgende Standardsituationen näher erläutert: Vorgänge und Experimente beschreiben Über Fachliches reden Standardsituation: Vorgänge und Experimente beschreiben Schülerinnen und Schüler führen lieber Experimente durch als diese zu beschreiben: Warum müssen wir das Experiment denn noch beschreiben? Wir haben es doch gemacht und wissen, wie es geht! Wir begründen ihnen die Notwendigkeit des Beschreibens folgendermaßen: - Wenn man etwas schriftlich verfasst, lernt und behält man es besser (lernpsychologisches Argument). - Das Beschreiben gehört immer zum Versuch dazu (fachmethodisches Argument). - Mit dem Beschreiben lernt man im Fach und über das Fach zu reden (kommunikatives Argument). - Wer selbst Beschreibungen verfasst, kann auch Beschreibungen besser lesen (arbeitsmethodisches Argument). Die Erfahrungen mit Versuchsbeschreibungen von Schülerinnen und Schülern zeigen uns auch, wo die Schwierigkeiten liegen: - Die Schülerinnen und Schüler halten die logische und zeitliche Reihenfolge der Experimentierschritte nicht ein. - Die Texte sind unvollständig, zu kurz oder zu lang und redundant. - Die Schülerinnen und Schüler drücken sich unpräzise und nicht eindeutig aus. - Sie drücken sich überwiegend alltagssprachlich aus, meiden die Fachsprache oder verwenden sie nicht korrekt. - Im bilingualen Fachunterricht treten gehäuft Ausdrucks- und Grammatikfehler auf. Mindestanforderungen an beschreibende Texte: Wenn man die Erfahrungen mit Versuchsbeschreibungen von Schülerinnen und Schülern Positive wendet, lassen sich vier unverzichtbare Forderungen an die Qualität von Vorgangs- und Experimentbeschreibungen ableiten: 1. Einhaltung der zeitlichen und logischen Reihenfolge der Ereignisse, 2. Vollständigkeit und ein angemessener Umfang, 3. Eindeutigkeit und Präzision in der Ausdrucksweise, 4. korrekte Verwendung der Fachsprache 5. korrekter Ausdruck und korrekte Grammatik. Zwar wird man von den Lernenden nicht die Qualität, den Stil und die Dichte von Lehrbuchtexten erwarten, diese Mindestanforderungen jedoch lassen sich an die Textproduktionen der Schülerinnen und Schüler stellen. Geeignete Methoden-Werkzeuge, um Vorgänge und Experimente zu beschreiben Die Lernenden brauchen unsere Hilfe bei der Textproduktion. Begriffliche, (fach-)sprachliche, bildliche oder strukturelle Hilfen erlauben es ihnen, erfolgreich einen Vorgang oder ein Experiment im Rahmen der genannten Mindestanforderungen zu beschreiben. Solche Hilfen sind wie Geländer, die man nicht mehr braucht, wenn man oben angekommen ist. Die Produktion beschreibender Texte können folgende Methoden-Werkzeuge unterstützen: Wortliste (Liste wichtiger Wörter und Fachbegriffe als Sprachstütze) Die Wortliste ist eine relativ schwache Hilfe, da sie keine Vorgaben zur Strukturierung macht. Sie ist aber eine unerlässliche Hilfe, wenn es darum geht, die Fachsprache korrekt zu verwenden. Oft wird die Wortliste in Kombination mit anderen Werkzeugen eingesetzt. Wortgeländer (Grundgerüst für die Textkonstruktion aus vorgegebenen Wörtern) Das Wortgeländer ist streng führend, indem es die Begriffe und die Satzstruktur vorgibt. Es ist damit ungeeignet für das freie Sprechen und Schreiben. Das Wortgeländer ist der sicherste, aber auch der am stärksten steuernde Weg zur Erfüllung aller vier Forderungen. Wortfeld (Menge ungeordneter Fachbegriffe und Satzbruchstücke, aus denen z. B. eigene Sätze zu bilden sind) Das Wortfeld ist mit der Wortliste verwandt, allerdings werden hier die Wortverbindungen ungeordnet angeboten. Das Wortfeld Erinnerungs- und Ankerhilfen gibt beim freien Sprechen und fördert das zusammenhängende Sprechen. 3

Textpuzzle (ungeordnete Sätze, Satzteile oder Einzelwörter, die sinnvoll zusammengesetzt werden müssen) Das Textpuzzle eignet, um das Beschreiben eines Vorgangs in seiner sachlogischen Reihenfolge zu üben. Der Umfang ist vorgegeben, und das Textpuzzle hat Vorbildcharakter hinsichtlich einer eindeutigen und präzisen Ausdruckweise und auch hinsichtlich einer korrekten Verwendung der Fachsprache. Bildsequenz (Veranschaulichung von Abläufen, Anordnungen und Zusammenhängen in einer Bildersequenz) Die Bildsequenz trainiert die Einhaltung der zeitlichen und logischen Reihenfolge der Ereignisse und erzwingt einen vollständigen Text in angemessenem Umfang. Meistens empfiehlt sich die Beigabe einer Wortliste. Filmleiste (Veranschaulichung zeitlicher Abläufe in einer Bildersequenz) Die Filmleiste trainiert wie die Bildsequenz die Einhaltung der zeitlichen und logischen Reihenfolge der Ereignisse und erzwingt ebenfalls einen vollständigen Text. Auch hier empfiehlt sich die Beigabe einer Wortliste. Satzbaukasten (Satzelemente in Blöcken, die als Sprach- und Schreibhilfen dienen) Der Satzbaukasten ist ein sicherer, aber auch ein gesteuerter Weg zur Erfüllung aller vier Forderungen. Meistens empfiehlt sich ebenfalls die Beigabe einer Wortliste. Bildergeschichte (Kombination aus Bild- und Textmaterial zu einem physikalischen Vorgang) Wie die Bildsequenz und die Filmleiste trainiert auch die Bildergeschichte die Einhaltung der zeitlichen und logischen Reihenfolge der Ereignisse und erzwingt einen vollständigen Text in angemessenem Umfang. Oft ist die Bildergeschichte jedoch nicht in der Fachsprache formuliert. Entscheidungskriterien für die Auswahl des Methoden-Werkzeugs Die Kriterien zur Entscheidung für das eine oder das andere Werkzeug können sehr verschieden sein. Fragen wie die folgenden unterstützen eine didaktisch begründete und auf die Unterrichtssituation abgestimmte Auswahl: Brauchen die Lernenden eine Hilfe, um die Ereignisse in die richtige zeitliche und logische Reihenfolge zu bringen? Wenn ja: Bildsequenz, Filmleiste, Blockdiagramm. Stehen geeignete Bilder zur Verfügung? Wenn nein: Wortliste, Wortgeländer, Wortfeld, Textpuzzle. Geht es darum, eine Geschichte von der Alltagssprache in die Fachsprache zu übersetzen? Wenn ja: Bildergeschichte. Darf die Hilfe material- und vorbereitungsaufwändig sein? Wenn nein: Wortliste; Wenn ja: alle anderen Hilfen mit der Möglichkeit ihres mehrfachen Einsatzes in anderen Klassen. Beispiele Auf den Seiten XX-XX werden erprobte Beispiele für ausgewählte Werkzeuge zur Unterstützung von Vorgangsbeschreibungen vorgestellt: Filmleiste (S. XX), Wortfeld (S. XX) Bildergeschichte (S. XX) Standardsituation: Über Fachliches reden In dem Fach und über das Fach reden ist eine gleichermaßen ungewohnte wie schwierige Aufgabe für die Lernenden. In der Breite betrachtet umfasst der Kompetenzbereich Über Fachliches reden Unterschiedliches: Über Fachliches reden meint oftmals das Beschreiben, das Erläutern, das Erklären, das Begründen in mündlicher wie schriftlicher Rede. Die Lernenden müssen dabei über Methoden und Strategien verfügen, um fachliches Wissen und fachliche Erkenntnisse in unterschiedlichen Formen (Sprache, Bilder, Skizzen, Tabellen, Grafen, Diagrammen, Symbole, Formeln,...) darzustellen. In diesem Sinne gilt das, was in dem Abschnitt Vorgänge und Experimente beschreiben ausgeführt ist. 4

Über Fachliches reden meint hingegen auch fachliches Wissen, fachliche Erkenntnisse, eigene Überlegungen und Lern- und Arbeitsergebnisse adressaten- und situationsgerecht zu präsentieren. In diesem Sinne gilt das, was in dem Abschnitt Wirkungsvoll präsentieren ausgeführt ist. Über Fachliches reden heißt auch ein Stück weit über dem Fach stehen und es von außen zu betrachten. Dieser Kompetenzgrad ist allerdings von Lernenden nicht zu erwarten. Dementsprechend bescheiden sollten die Erwartungen in dieser Hinsicht sein. Über Fachliches reden meint letztlich das diskursive Argumentieren zu fachlichen Sachverhalten und Fragestellungen auf angemessenem Niveau. Dies umfasst alle Formen des Rede-Und- Antwort-Stehens und ist zweifellos eine wünschenswerte, aber sehr anspruchsvolle Aufgabe. Schwierigkeiten sehen, gestuft angehen und überwinden Die Schwierigkeit des diskursiven Argumentierens besteht darin, dass die Lernenden in dem entsprechenden Teilgebiet 1. in angemessenem Maße fachliche Kenntnisse haben müssen 2. über eine angemessene Fachsprache verfügen und sie sachgerecht anwenden können 3. dem Wissen ein gewisses Verständnis zu Grunde liegen muss 4. Methoden und Verfahren des Miteinander-Redens bekannt sind. Das fachkompetente diskursive Argumentieren steht nicht am Anfang des Lernprozesses in einem Sachgebiet, aber auch nicht zwingend nur am Ende. Auf der Basis eines tragfähigen Fachwissens sollte das diskursive Argumentieren zunehmend gepflegt werden. Zur Vorbereitung und Hilfestellung ist es sehr hilfreich, Lernende im Vorfeld mit Methoden der Darstellung physikalischen Wissens und physikalischer Erkenntnisse in unterschiedlichen Formen (Sprache, Bilder, Skizzen, Tabellen, Grafen, Diagramme, Formeln,...) bekannt und vertraut zu machen. Diese verschiedenen Darstellungsformeln sind Argumentationshilfen und der Wechsel der Darstellungsformen zwingt zum begleitenden Argumentieren. Gleichzeitig werden die Schüler damit mit Präsentationsformen vertraut gemacht. Methoden Werkzeuge, um über Fachliches zu reden Die folgenden Methoden und Verfahren des Miteinander-Redens über das Fach erfüllen die Anforderungen an die Standardsituation und haben sich in der Praxis als tauglich erwiesen. Satzmuster (standardisierte Redewendungen der Fachsprache) Satzmuster stellen Mustersätze zu einem Themenbereich dar, die auf andere Themenbereiche in abgeänderter Form übertragen werden können. Satzmuster sind eine sehr gelenkte Form des Redens. Fragemuster (Sammlung von standardisierten Fachfragen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades) Der Reiz der Fragemuster besteht darin, dass die Lernenden untereinander in eine Frage-Anwort- Situation gelangen. Fragemuster sind eine gute Vorstufe auf dem Weg zum freien diskursiven Argumentieren, setzen aber bereits eine gewisse fachliche Kompetenz voraus. Thesentopf (Sammlung von Pro-Contra-Thesen als Ausgangspunkt zur Führung eines Streitgesprächs oder einer mündlichen Fachdiskussion) Bei der Methode Thesentopf ziehen die Lernenden kontroverse Thesen aus dem Topf und erarbeiten Argumente dazu und verteidigen die ihnen zugeteilte Position. Das Thema muss kontrovers diskutierbar sein. Die Methode ist sehr anspruchsvoll. Dialog (lebendige Darstellung eines physikalischen Sachverhaltes in Form eines szenischen Dialoges) Ein physikalischer Sachverhalt (z. B. Auftrieb) ist einen szenischen Dialog (z. B. zwischen Archimedes und König Hieron) gefasst. Ein vorgegebener Dialog kann nachgespielt werden, die Argumente können herausgearbeitet werden und nicht zuletzt können eigene Dialoge verfasst werden (vgl. Drehbuch schreiben). Heißer Stuhl (wettkampfartiges Lernspiel zum Beantworten von Fragen) Beim Heißen Stuhl beantwortet eine Schülerin/ ein Schüler vom heißen Stuhl aus Fragen zu Begriffen, Bildern oder Symbolen, die hinter ihrem/seinem Rücken an der Tafel angebracht sind. Das Spiel hat viele Varianten und ist eine gute Übung zum Reden. Begriffsnetz (bildhafte Darstellung von Begriffen in einer Netzstruktur) Das Begriffsnetz ist ein vielseitig einsetzbares Werkzeug. Beim Reden über das Fach dient es zur Vorbereitung und als Manuskript, bzw. Spikzettel zum strukturierten Reden über physikalische Sachverhalte. Lehrerkarussell (zyklische Arbeitsrunden, in denen Schüler abwechselnd die Schüler- oder Lehrerrolle einnehmen) 5

Beim Lehrerkarussell bearbeiten Schüler in arbeitsteiligen Gruppen eine Aufgabe. Anschließend wechselt ein Schüler mit dieser Aufgabe die Gruppe und übernimmt dort die Lehrerrolle. Das Lehrerkarussell ist geeignet, um den Perspektivenwechsel zu trainieren. Sie setzt voraus, dass viele etwa gleichartige und geeignete Aufgaben vorliegen. Kugellager (variantenreiche Methode zum Referieren und Zuhören) Beim Kugellager referieren Schüler abwechselnd über ein vorbereitetes Thema selbst oder hören einem Referat mit anschließender Frage-Antwort-Runde zu. Unter der Voraussetzung einer guten Anleitung ist diese Methode ein Selbstläufer mit hohem Sprachumsatz. Expertenkongress (Weitergabe der in einer Expertenrunde erworbenen Kenntnisse) In arbeitsteiligen Gruppen werden die Mitglieder zu Experten zu einer Teilthematik, die anschließend in die Arbeit anderer Gruppen eingebracht wird. Die sehr anspruchsvolle Methode ist an klare Regeln und Absprachen gebunden, verlangt eine hohe Disziplin und eine ausgeprägte Arbeitsbereitschaft. Aushandeln (schüleraktive Methode bei der zu einem Sachverhalt ein Konsens ausgehandelt wird) Über Einzelarbeit, Partnerarbeit, Viergruppenarbeit und schließlich Achtergruppenarbeit wird zu einer diffizilen Frage oder Aufgabe ein Konsens oder eine Lösung ausgehandelt. Die Methode ist außerordentlich sprachintensiv mit hohem Sprachumsatz und bindet alle Lernenden der Klasse ein. Begriffe raten (ein auf Schnelligkeit angelegtes Ratespiel über Begriffe) Beim Begriffe raten geht es darum, einen Begriff möglichst schnell zu erraten unter der Verpflichtung, bestimmte Begriffe nicht zu verwenden. (Es ist an das Gesellschaftsspiel TABU angelehnt). Das Werkzeug ist besonders für untere Klassenstufen geeignet und als einführendes Training für das Reden sehr geeignet. Drehbuch schreiben (kreatives Umsetzen eines physikalischen Sachverhaltes in einen sprachlich ausgeformten Text für ein Theaterstück) Das Schreiben eines Drehbuches ist eine sehr anspruchvolle Aufgabe. Eine Kurzform ist das Methoden-Werkzeug Dialoge. Entscheidungskriterien für die Auswahl des Methoden-Werkzeugs Die Kriterien zur Entscheidung für das eine oder das andere Werkzeug können sehr verschieden sein. Folgende Prüffragen können helfen: Haben die Lernenden die erforderliche fachliche Kompetenz? Wenn ja: Fragemuster, Thesentopf, Heißer Stuhl, Begriffsnetz, Drehbuch schreiben. Braucht die Methode eine spezifische Vorbereitung und Materialaufbereitung seitens der Lehrperson? Ja: Folgende Werkzeuge müssen vorbereitet bzw. zumindest adaptiert werden: Satzmuster, Fragemuster, Thesentopf, Begriffsnetz, Dialog, Begriffe raten, Drehbuch schreiben. Nein: Folgende Werkzeuge brauchen lediglich ein geeignetes Thema und kann ohne Materialaufbereitung in die Klasse gegeben werden: Heißer Stuhl, Lehrerkarussell, Kugellager, Expertenkongress, Aushandeln Ist die Methode an bestimmte Sitzordnung, Raumgröße, Organisationsrahmen gebunden? Ja: Dies gilt auf jeden Fall für Lehrerkarussell, Kugellager, Expertenkongress, Aushandeln. Die Organisations- und Durchführungsregeln müssen allen Beteiligten klar und akzeptiert sein. Andernfalls enden diese Methoden in einem ergebnislosen Chaos. Beispiele Auf den Seiten XX-XX werden erprobte Beispiele für ausgewählte Werkzeuge zur Unterstützung des Redens im Fach und des Redens über das Fach dargestellt. Begriffsnetz (S. XX), Dialog (S. XX) Aushandeln (S. XX) 6