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Transkript:

Prof. Dr. med. Heide Sperschneider Der Dialyse- Ratgeber Wie Sie sich auf ein verändertes Leben leichter einstellen

Inhalt Inhalt Vorwort 6 Die Nieren 8 Anatomie der Nieren 8 Aufgaben der Nieren 10 Chronisches Nierenversagen 12 Die wichtigsten Ursachen eines chronischen Nierenversagens 12 Aufklärung und Vorbeugung 14 Symptome eines chronischen Nierenversagens 14 Therapie des chronischen Nierenversagens 18 Vorbereitung des Patienten zur Dialysebehandlung und Auswahl des Dialyseverfahrens 23 Behandlungsmöglichkeiten des chronischen Nierenversagens (= Nierenersatztherapie) 25 Blutreinigungsverfahren 26 Hämodialyse 26 Hämofiltration 30 Hämodiafiltration 32 Bauchfelldialyseverfahren (Peritonealdialyseverfahren = PD) 34 Kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse (CAPD) 34 Automatische Peritonealdialyse 37 PD-Training 39 Heimhämodialyse 40 Nierentransplantation (Nierenverpflanzung) 41 Was Sie von der Dialyse wissen sollten 44 Gefäßzugang für die Hämodialyse 44 Vorübergehender Gefäßzugang 44 Ständiger Gefäßzugang 45 Arteriovenöse Fistel 45 Prothesen-Shunt 46 Ständiger Gefäßzugang über Katheter 46 Rezirkulation 49 Shunt-Pflege 50 Gerinnungshemmung (Antikoagulation) 51 Was ist Heparin 51 Wie und in welcher Dosierung soll Heparin verabreicht werden? 51 Welche Nebenwirkungen kann Heparin haben? 52 4

Inhalt Begleitmedikamente und Heparinwirkung 52 Alternativen und Ausnahmen 53 Herstellung der Dialysierflüssigkeit 53 Dialysevorgang 55 Vorbereitung zur Dialyse 55 Anschluss an die künstliche Niere 56 Überwachung während der Dialyse 57 Wasserentzug (Ultrafiltration) 58 Ernährung während der Dialyse 59 Beendigung der Dialyse 60 Mögliche Komplikationen während der Dialyse 61 Medikamentöse Therapie 64 Das Leben zwischen den Dialysen 68 Ernährung 68 Psychische Probleme 76 Physische Situation 77 Chronische Nierenerkrankung und Sport? 77 Eine große seelische Belastung 80 Sexualität und Kinderwunsch 81 Langzeitkomplikationen 83 Herz-Kreislauf-System 83 Knochenstoffwechselstörung (renale Osteopathie) 87 Störungen des Nervensystems 88 Infektionen 89 AIDS 91 Impfungen 92 Tumorerkrankungen 92 Hautveränderungen 92 Störungen des blutbildenden Systems 94 Mangel an roten Blutkörperchen (renale Anämie) 94 Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) 95 Blutplättchen (Thrombozyten) 95 Probleme des Verdauungstraktes 95 Diabetes und Nierenversagen 96 Hämodialyse bei Diabetikern 97 Bauchfelldialyse bei Diabetikern 98 Qualitätssicherung der Dialyse 99 Was bedeutet K x t/v? 99»Fit-für-Dialyse«-Programm 101 Rückkehr zum aktiven Leben 103 Rehabilitation und Berufstätigkeit 103 Fahrtauglichkeit 105 Urlaub 106 Rechtsgrundlagen für Dialysepatienten 107 Zuzahlung zu Kassenleistungen und Zuzahlungsbefreiung 108 Rechte und Nachteilsaus gleiche nach dem Schwerbehindertengesetz 110 Dialyse und Beruf 111 Selbsthilfe 112 Wichtige Adressen 114 Dialyse im Internet 116 Erklärungen der Fremdwörter und Abkürzungen 118 Stichwortverzeichnis 125 5

Chronisches Nierenversagen Die wichtigsten Ursachen eines chronischen Nierenversagens Grundsätzlich reicht eine Niere aus, um alle Aufgaben vollständig zu erfüllen. Wer eine funktionierende Niere hat, kann damit dauerhaft gesund sein. Die zweite Niere ist damit eine Art»Rückversicherung«des Körpers. Zu einem endgültigen Nierenversagen (man sagt auch terminale Niereninsuffizienz) kommt es daher nur, wenn beide Nieren erkranken oder bei einem Menschen, der nur noch eine Niere besitzt (z. B. nach operativer Entfernung der anderen Niere wegen eines Tumors oder einer Verletzung) diese ihre Funktion einstellt. Das chronische Nierenversagen ist ein Zustand, bei dem die Nieren ihre Funktionen weitgehend und auf Dauer nicht mehr erfüllen können. Das funktionslos gewordene Nierengewebe wird zunehmend in Bindegewebe umgewandelt. Viele Erkrankungen können zum chronischen Nierenversagen führen. Die wichtigsten finden Sie in Tabelle 1. Die angegebenen Prozentzahlen geben den Anteil an den Ursachen einer Hämodialysebehandlung in Deutschland wieder. Der Diabetes mellitus nimmt inzwischen den ersten Platz ein. Auf die genannten Erkrankungen soll hier nicht näher eingegangen werden. Aber für Sie sind einige Dinge besonders wichtig: Zahlreiche Medikamente können eine Nierenschädigung auslösen, vor allem Schmerzmittel, aber auch Antibiotika. Leider sind einige Schmerzmittel immer noch frei verkäuflich und nicht rezeptpflichtig. Gehen sie deshalb eigenverantwortlich mit solchen Medikamenten um! Nehmen Sie niemals»harmlose«kopfschmerz- oder Rheumamittel über längere Zeit unkontrolliert ein. Dies kann zur Zerstörung von Nierengewebe und zum Nierenversagen führen (auch Analgetika- Nephropathie genannt). Leiden Sie unter einer Zuckerkrankheit (Diabetes), kann es nach Jahren zu einer Nierenschädigung kommen (sogenannte diabetische Nephropathie), die zu einer Zerstörung des Nierengewebes und damit zur Dialyse pflicht führt. Heute stellt diese Patientengruppe in Deutschland bereits 28 % aller dialysepflichtigen Personen dar. Es sind sowohl Typ-1-Diabetiker (primär insulinpflichtig), viel mehr aber 12

Die wichtigsten Ursachen eines chronischen Nierenversagens Tabelle 1 1. Nierenerkrankung bei Diabetes mellitus 28 % 2. Chronische Entzündung der Nierenkörperchen (chronische Glomerulonephritis) 3. Erkrankungen der Nierengefäße (beispielsweise als Folge eines Bluthochdrucks) 4. zystische Nierenerkrankung (wassergefüllte Hohlräume in den Nieren, erblich bedingt) 5. chronische Entzündungen der Harnwege (chronische Pyelonephritis) 6. andere Ursachen: dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln (Analgetika-Nephropathie) Befall der Niere bei anderen Krankheiten z. B. bei sogenannter Amyloidose, Plasmozytom Kollagenosen, Vaskulititen, Autoimmunerkrankungen Erbkrankheiten und Anlagefehler chronisches Nierenversagen bei unklarer Ursache 19 % 17 % 7 % 12 % zusammen 17 % (Erkrankungen, die zum chronischen Nierenversagen führen [nach Quasi Niere, Stichtag 31.12.2006] ) Typ-2-Diabetiker (sogenannter»alterszucker«) betroffen. Ein Bluthochdruck erhöht nicht nur das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt, sondern fördert auch die Zerstörung des Nierengewebes. Die Entwicklung eines chronischen Nierenversagens bei Diabetikern kann durch konsequente Blutzuckereinstellung und Blutdrucksenkung und Normalisierung der Blutfettwerte verzögert und bei frühzeitiger Behandlung sogar verhindert werden. Ihre Mitarbeit bei der Therapie ist gefordert, damit der Arzt diese Ziele erreichen kann. Ganz wichtig: Falls Sie rauchen, ist Ihre Nierenerkrankung ein Grund mehr dafür, damit unbedingt aufzuhören. Denn Rauchen schädigt Ihre Nieren zusätzlich. 13

Chronisches Nierenversagen Aufklärung und Vorbeugung Der konstante Nachweis einer Eiweißausscheidung im Urin gilt bei Diabetikern und Hypertonikern als sicheres Zeichen einer Nierenschädigung. Schon geringste Mengen von Eiweiß im Urin, auch Mikroalbuminurie genannt, müssen ernst genommen werden. Denn sie zeigen ein Frühstadium an, in dem es noch möglich ist, die chronische Nierenschädigung durch eine gezielte Behandlung zu vermeiden. Die Eiweißausscheidung im Urin muss deshalb regelmäßig kontrolliert werden. Der übliche Streifentest des Urins ist nicht empfindlich genug, um eine Mikroalbuminurie zu entdecken. Über die Gefährlichkeit eines hohen Blutdrucks bei einer Zuckererkrankung haben wir schon gesprochen. Die alte Regel»Blutdruck (oberer Wert) ist Alter + 100«gilt nicht mehr! Dauernde Werte über 140 mmhg sind bereits kritisch. Der Blutdruck muss dauerhaft möglichst auf Werte unter 125/85 mmhg gesenkt werden. Spezielle Gruppen unter den blutdrucksenkenden Medikamenten, die sogenannten ACE-Hemmer (Angiotensin-Conversions- Enzym-Hemmer) und AT 1 -Rezeptorantagonisten, senken nicht nur den Blutdruck, sondern können auch die Eiweißausscheidung im Urin besonders gut vermindern und das Fortschreiten der Nierenfunktionsstörung verlangsamen. Aufklärung und Tipps zur Vorbeugung und Früherkennung bietet Ihnen auch die 1997 gegründete»deutsche Nierenstiftung«. Sie will der Bevölkerung klar machen, dass Nierenerkrankungen kein unabwendbares Schicksal sind. Auch Schulungsprogramme für nierenkranke Patienten werden angeboten. Symptome eines chronischen Nierenversagens Viele Nierenerkrankungen verlaufen leider stumm (ohne Krankheitszeichen), sodass nicht selten erst durch eine Laboruntersuchung eine weit fortgeschrittene Nierenerkrankung festgestellt wird. Vielleicht ist es Ihnen auch so gegangen und Sie haben zu Ihrem Arzt erstaunt gesagt:»an der Niere habe ich doch nie Schmerzen gehabt.«mit dieser Antwort sind Sie nicht allein! Aber es gibt Symptome, die auf eine Nierenerkrankung hinweisen können: Urinauffälligkeiten: Urin blutig, übel riechend oder schäumend, veränderte Urinausscheidung (große Menge, rascher Rückgang oder fehlende Ausscheidung); Gewichtsanstieg infolge Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme); hoher Blutdruck; 14

Symptome eines chronischen Nierenversagens schlechtes Allgemeinbefinden; Schwäche, Appetitlosigkeit; Schmerzen im Bereich der Nieren und ableitenden Harnwege (Harnleiter, Harnblase). Die in Tabelle 1 aufgeführten Erkrankungen führen häufig zu einer chronischen, langsam fortschreitenden Zerstörung von Nierengewebe. Die Anzahl der funktionstüchtigen Nephrone verringert sich allmählich von 23 Millionen auf 100 000. Die wenigen verbleibenden Nephrone haben eine größere Arbeit zu leisten. Diese Mehrbeanspruchung äußert sich zum einen in einer Änderung des Rhythmus der Harnausscheidung (häufiges Wasserlassen nachts) und in der Unfähigkeit, eine Reihe mit der Nahrung aufgenommener Substanzen ausreichend auszuscheiden (z. B. Kalium, Phosphat, Harnsäure). An dieser Überbeanspruchung gehen die Nephrone allmählich zugrunde. Damit»unterhält«sich der Prozess der Selbstzerstörung der Niere, bis schließlich nur noch 2 bis 2,5 % der ursprünglichen Nephrone intakt sind; ein Zustand, der zur Anhäufung von Harnbestandteilen im Blut führt (Azotämie). Der fortschreitende Prozess der Nierenzerstörung hat zur Folge: Eine Verkleinerung der Nieren, die der Arzt im Ultraschallbild erkennen kann (»Schrumpfniere«) es ergibt sich hieraus in der Regel keine Aussage über die Grundkrankheit. Eine Verminderung der Ausscheidungsfunktion und Drüsenfunktion der Nieren. Diese Situation ist durch veränderte Laborwerte im Blut zu erkennen. 1. Anstieg der»harnpflichtigen«substanzen (Schlackenstoffe): Harnstoff 3,55,8 mmol/l, 2134,8 mg/dl; Kreatinin <106 μmol/l, 1,12 mg/dl; Harnsäure < 416 μmol/l / 6,99 mg/dl. 2. Anstieg von Phosphat, Wasserstoffionen und Kalium: Phosphor 0,81,78 mmol/l / 2,55,5 mg/dl; Kalium 3,65,4 mmol/l oder mval/l. 3. Mangelnde Bildung von Vitamin- D-Hormonen in den geschädigten Nieren. 4. Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie), u. a. durch Mangel an Erythropoetin: Hämoglobin 7,410 mmol/l: Frauen 7,5-10 mmol/l / 1216 g/dl, Männer 8,111,2 mmol/l / 1318 g/dl; Hämatokrit (3752 %). Einen mit einer inneren Vergiftung vergleichbaren Zustand mit möglichen Gesundheitsstörungen, die in unterschiedlicher Häufigkeit folgende Symptome zeigen: Magen-Darm-Trakt: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen. Oft sind es diese Symptome, die den Patienten unter der Verdachtsdiagnose Magenschleimhautentzündung oder Magengeschwür zum Arzt führen. 15

Chronisches Nierenversagen Zentrales Nervensystem (Gehirn): Müdigkeit, Gedächtnisschwäche, Verwirrtheitszustände; Bewusstseinstrübungen, Krampfanfälle; peripheres Nervensystem: Empfindungsstörungen und Krämpfe, vorwiegend in den Beinen; Muskulatur: Muskelschwund; Gelenke und Knochen: Knochenschmerzen, Knochenbrüche, Weichteilverkalkungen; Blut: Anämie, Gerinnungsstörungen; Herz und Kreislauf: Herzbeutelentzündung, Herzbeutelerguss, Herzmuskelerkrankung, Bluthochdruck; Haut: Juckreiz, gestörte Wundheilung; Lunge: Luftnot durch Wasseransammlung in der Lunge; Innere Drüsen: gestörte Hormonbildung und Hormonausscheidung; Folgen: Ausbleiben der Periode, Unfruchtbarkeit; Nachlassen des sexuellen Bedürfnisses und der Potenz; Störung des Abwehrsystems (Immunsystems); Störungen des Kohlehydratstoffwechsels, des Fett- und des Eiweißstoffwechsels. In Abhängigkeit vom Ausmaß der Nierenfunktionseinschränkung, die man erkennen kann anhand der ansteigenden Kreatininwerte im Blut und einer parallel dazu abfallenden Filtrationsleistung der Nierenkörperchen (ausgedrückt als glomeruläre Filtrationsrate = GFR), wird die chronische Niereninsuffizienz heute in 5 Stadien eingeteilt. Die GFR ist ein empfindlicherer Parameter und signalisiert früher als der Kreatininanstieg eine eingeschränkte Nierenfunktion. Deshalb bezieht sich die Stadienein teilung auf die GFR (wird angegeben in ml/min 1,73m 2). Tabelle 2 Stadium GFR (ml/min./1,73 m 2 ) Beschreibung 1 90 Niereninsuffizienz mit normaler oder erhöhter GFR 2 6089 Niereninsuffizienz mit leicht verminderter GFR 3 3059 moderat verminderte GFR 4 1529 schwer verminderte GFR 5 < 15/Dialyse Nierenversagen (Stadieneinteilung der chronischen Nierenerkrankung nach K/DOQI) 16

Stichwortverzeichnis Stichwortverzeichnis A ACE-Hemmer 14, 21 Adressen 114 ff AIDS 91 f Analgetika-Nephropathie 12 Anämie 15 f, 66 f, 94 Behandlung 22 Schwangerschaft 82 Aneurysma 48 Antihypertensiva 67 Antikoagulation 51 Apparateüberwachung 58 Arbeitsplatz 104 Arrhythmie 85 f Arteriosklerose 84 AT-1-Rezeptorantagonist 86 Ausgleichszahlung 104 AV-Fistel 45 B Bauchfelldialyse 23, 34 ff, 97 Bauchspeicheldrüse, Entzündung 95 Belastung, seelische 80 f Beruf 111 Rechte und Ansprüche 111 Berufsunfähigkeitsrente 111 Blut, veränderte Laborwerte 15 Blutdruck hoch 13 f, 83 f hoher 14 niederer 84 Normalisierung 21 Blutdruckabfall 61 ff Blutdruckanstieg 63 Blutkörperchen, rote, Mangel 94 f Blutreinigungsverfahren 26 ff Body-Mass-Index 43 C CAPD-Katheter 34 f Cholesterin 70 D Diabetes mellitus 96 ff Bauchfelldialyse 25 Nierentransplantation 42 Nierenversagen 12 Dialysatfluss 29 Dialysator 26 Dialyse Beendigung 60 Komplikationen 61 f Überwachung 57 f Vorbereitung 55 ff Dialysebehandlung 23 ff Ziele 99 Dialysemembran 27 Dialyseverfahren, Auswahl 23 ff Dialysierflüssigkeit, Herstellung 53 f Diarrhö 96 Diffusion 29, 31 Diuretika 20 Durstlöscher 74 Dysäquilibrium-Syndrom 63 E Ehepartner 76 Einnadeldialyse 57 Eisen 67, 94 Eiweißausscheidung, Urin 14 Eiweißzufuhr 18 f, 69 ff Endokarditis 86 Energiezufuhr 68 Ergometertraining 80 Ernährung 59 f, 68 ff, 74 ff Erythropoetin (EPO) 10, 22 f, 66 f Schwangerschaft 82 F Fahrtauglichkeit 105 f Familie 76 Feriendialyse 106 f Fette 70 Filtration, Funktionsweise 9 Filtrationsrate, glomeruläre (GFR) 16 Fistel, arteriovenöse 45 f»fit-für-dialyse«-programm 101 f Fitnessprogramme 77 ff Flüssigkeitsentzug 58 f Flüssigkeitsmenge, tägliche 74 G Gastritis 95 Gefäßzugang ständiger 45 ff vorübergehender 44 f 125

Stichwortverzeichnis Gehirn 88 Gerinnungshemmung 51 Giftstoffe, Ausscheidung 18 H Hämatom 60 Hämodiafiltration 32 f Hämodialyse 24, 26 ff Diabetiker 97 f Flussschema 28 Gefäßzugang 44 Hämofiltration 30, 32 Hämoglobinwerte 66 Hand, kalte 49 Harnstoffkinetik 99 Hauttrockenheit 93 Hautveränderungen 92 f Heimhämodialyse 30, 40 f Heparin 51 f Schwangerschaft 82 Hepatitis C 91 Herpesinfektion 90 Herzbeutelentzündung 85 Herzinnenhautentzündung 86 f Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Transplantation 43 Herzmuskelschwäche 84 f Herzschlag, unregelmäßiger 85 f Hilfebedürftigkeit 112 HIT II 53 Hormone, körpereigene, Abbau 10 Hypertonie 63, 83 f Hypotonie 61 ff, 84 I Imbiss 59 f Impfung 23, 92 Impotenz 82 Infektion, bakterielle 89 f Internet 116 f J Juckreiz 93 K K.U.S.S. 62 Kalium 70 Kaliumbinder 65 Kalzium 72 Kassenleistungen 108 f Katheter 44, 46 Kinderwunsch 81 f Knochenstoffwechselstörungen 87 Kochsalz 19, 71 Konvektion 29, 31 Körpergewicht, ideales, Bestimmung 55 Kreatininwerte, ansteigende 16 Kreislaufstabilität 63 Künstliche Niere 26 f K x t/v 99 ff L Langzeitkomplikationen 83 ff Leistungsfähigkeit, körperliche 77 Leukozyten 95 Lohnersatzleistung 111 M Magen-Darm-Trakt, Gesundheitsstörungen 15 f Medikamente blutdrucksenkende 67 f Dosierung 11 und Heparin 52 Mikroalbuminurie 14 Muskelkrämpfe 61 N Nahrungsmittel Aluminiumgehalt 76 Flüssigkeitsgehalt 74 kaliumreiche 70 Natrium 71 f Nebenschilddrüsen, Überfunktion 65 Nephron 8 f Nephropathie, diabetische 12 Nervensystem 88 ff peripheres 88 f zentrales, Störungen 16 Nieren und Bauchspeicheldrüsentransplantation, kombinierte 42 Lage 8 künstliche, Anschluss 56 f Verminderung der Ausscheidungsfunktion 15 Nierenersatztherapie 25 ff Niereninsuffizienz, chronische Stadieneinteilung 16 f mögliche Befunde 17 terminale 12 Nierenkörperchen 8 Nierentransplantation 24, 41 ff Kontraindikationen 42 f Voruntersuchungen 42 f Nierenversagen, chronisches 12 ff, 18 ff O Obstipation 96 Ödeme 14, 19 126

Stichwortverzeichnis Osmose 29, 31 Osteopathie, renale 21 f, 86 P Pankreatitis 96 Patientenschulungsprogramm, strukturiertes 23 Patientenüberwachung 57 f Perikarditis 85 Peritonealdialyse (PD) 34 ff automatische (APD) 37 ff intermittierende (IPD) 38 kontinuierliche ambulante (CAPD) 34 ff, 37 ff Peritonitis 39 Pflegebedürftigkeit 112 Phosphatbinder 64 f Phosphatkonzentration, Senkung 20 f Phosphatzufuhr 72 Phosphatzusatz, künstlicher 73 Phosphor 72 f Port-System 46 Prothesen-Shunt 46 Psychische Probleme 76 f Punktionsstellen 57 Q Qualitätssicherung 99 ff R Rauchen 13, 21, 96 Rechtsgrundlagen 107 f Rehabilitation 103 ff Renin 11 Rezirkulation 49 f Rückflussnadel 49 Rückflussstelle, Beschwerden 57 S Salzzufuhr 19 f Säure-Basen-Haushalt, Regulation 10 Schlackenstoffe, Ausscheidung 10 Schmerzmittel 12 Schrumpfniere 15 Schwangerschaft 81 f Schwerbehindertengesetz 110 f Schwirren, Shunt 47 Selbsthilfegruppen 81, 112 f Sexualität 81 ff Shunt 45 Shunt-Aneurysma 48 Shunt-Anlage, Funktionstüchtigkeit 47 Shunt-Blutung 47 f Shunt-Infektion 48 f Shunt-Komplikationen 47 Shunt-Pflege 50 f Sollgewicht 55 f Spenderniere 42 Sport 77 ff Sportgruppe 80 Steal-Phänomen 49 Strickleiterpunktion 48, 57 T Testosteron 82 Therapie, medikamentöse 64 ff Thrombozyten 95 Thrombozytenfunktionsstörung, heparininduzierte (HIT II) 53 Trainingsdauer 79 Trinkverhalten 20, 62 Trockengewicht 55 Tumorerkrankung 43, 92 U Übersäuerung 20 Ultrafiltration 29, 31, 58 f Ultrafiltrationstoleranz 62 Umschulung 104 Urämie 17 Urinauffälligkeiten 14 Urlaub 106 f V Verdauungstrakt 95 f Vergiftung, innere 15 f Virushepatitis 90 Vitamin D 21 f, 66, 72 Vitamine 66, 74 Vitaminpräparate 65 f Vorhofkatheter 46 W Warteliste, Nierentransplantation 42 f Wasserausscheidung, Regulation 10 Wasserentzug 58 f Wasserhaushalt, exakte Bilanzierung 56 Wasserzufuhr 19 Z Zusatzstoffe, phosphathaltige 73 Zuzahlungsbefreiung 108 f Zyklusstörungen 81 127