Palliative Geriatrie

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Transkript:

Palliative Geriatrie Ein sinnvolles und notwendiges Betreuungsangebot für multimorbide Hochbetagte Marina Kojer 2010 1

Palliative Care nicht nur Schmerztherapie nicht nur Sterbebegleitung nicht nur für Karzinompatienten Nach GD Borasio Marina Kojer 2010 2

Es ist schwer sehr alt zu werden! Körperliche und seelische Belastungen nehmen ständig zu. Die Kraft sie zu bewältigen wird immer geringer. Marina Kojer 2010 3

Chronisch fortschreitende Erkrankungen, Schmerzen, quälende Beschwerden, zunehmende Hilflosigkeit, Verlusterlebnisse, Ängste und Sinnkrisen belasten den letzten Lebensabschnitt. Marina Kojer 2010 4

Merkmale geriatrischer Palliativpatienten Hohes Alter Multimorbidität Betreuung über lange Zeit Sehr häufig demenzkrank Kurative und palliative Maßnahmen erforderlich Marina Kojer 2010 5

Palliative Geriatrie ist die umfassende interprofessionelle Fürsorge für multimorbide Hochbetagte in fortgeschrittenen Krankheitsstadien. Marina Kojer 2010 6

Sehr alte Menschen leiden über lange Zeit an chronischen Schmerzen und anderen quälenden Beschwerden. Marina Kojer 2010 7

Palliative Care für Hochbetagte darf sich daher nicht damit begnügen End of Life Care zu sein! Marina Kojer 2010 8

KOMMUNIKATION Marina Kojer 2010 9

Häufige Kommunikationshindernisse Generationsprobleme Schwerhörigkeit und Sehschwäche Verlangsamung Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit Müdigkeit und Schwäche Überforderung mit der Situation Wortfindungsstörungen Sprachstörungen nach Schlaganfall Fortgeschrittener M. Parkinson. Marina Kojer 2010 10

Misslingende Kommunikation Verletzung der Würde Schmerzen nicht erkannt Beschwerden nicht erkannt Zwang Missachtung Schmerzen nicht behandelt Beschwerden nicht behandelt Demütigung Fehlbehandlungen Leid Angst Verlassenheit Rechtlosigkeit Marina Kojer 2010 11

ALLTAGSETHIK Einstellung und Haltung Marina Kojer 2010 12

Die kleine Ethik für den Alltag......erkennt man z.b. daran, dass... ich jeden Patienten mit seinem Namen anspreche ich mich bemühe auch demente Patienten in Entscheidungen mit einzubeziehen ich mit ihnen Kontakt aufnehme, bevor ich sie untersuche, pflege, ihm Nahrung reiche... Ich nicht über ihren Kopf hinweg über sie spreche Marina Kojer 2010 13

SCHMERZEN Marina Kojer 2010 14

HÄUFIGE SCHMERZURSACHEN Abnützungserkrankungen von Wirbelsäule und Gelenken Knochenbrüche und ihre Folgen Bösartige Tumore Schmerzen nach Schlaganfall Neurogene Schmerzen Immobilität Sauerstoffmangel... Marina Kojer 2010 15

SCHMERZEN SEELISCH Leistungseinbußen Verlusterlebnisse Ängste SOZIAL Isolierung Vereinsamung Sozialer Tod Ich habe nur mehr liebe Menschen auf dem Friedhof... Marina Kojer 2010 16

SPIRITUELLE SCHMERZEN Ich bin für niemanden mehr wichtig Ich bin nichts mehr wert Mein Leben hat keinen Sinn mehr Ich glaube, unser Herrgott hat mich auch schon vergessen Marina Kojer 2010 17

SYMPTOMKONTROLLE Marina Kojer 2010 18

Die Diagnose belastender Symptome ist im Allgemeinen einfach, dennoch werden sie in der Langzeitpflege selten ausreichend beachtet und behandelt. Marina Kojer 2010 19

Fehlen des palliativen Zugangs: Transferierung ins Krankenhaus Mobilität, Kontinenz, Essverhalten verschlechtern sich bei 73% der Pat. Therapie einer Pneumonie: Kein unmittelbarer Überlebensvorteil im KH Mortalität innerhalb der ersten 6 Wochen: im PH 18.7%; im KH: 39.5% Saliba D et al., J Am Geriatr Soc 48:154, 2000 Thompson RS et al., J Am Board Fam Pract 10:82, 1997 Marina Kojer 2010 20

STERBENDE behandeln, pflegen und begleiten Marina Kojer 2010 21