Effiziente Algorithmen

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Transkript:

Effiziente Algorithmen Graphdurchläufe Vorlesender: Martin Aumüller (nach Folien von Prof. Martin Dietzfelbinger) April/Mai 0 FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

Einleitung Kapitel Durchsuchen und Strukturanalyse von Graphen Gerichteter Graph (Ungerichteter) Graph 3 5 7 9 C A E B G 6 8 0 W O M J R X FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

Einleitung Erinnerung (http://www.tu-ilmenau.de/iti/lehre/fruehere-lehrveranstaltungen/ lehre-ss0/aud/, Kapitel 7) Graphen, gerichtete Graphen (Digraphen) Grad, Ingrad, Ausgrad Wege (gerichtet/ungerichtet), einfache Wege Kreise (oder: Zyklen) (gerichtet/ungerichtet) azyklische Digraphen kreisfreie ungerichtete Graphen: (freie) Bäume und Wälder FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 5

Einleitung Erinnerung (http://www.tu-ilmenau.de/iti/lehre/fruehere-lehrveranstaltungen/ lehre-ss0/aud/, Kapitel 7) Zusammenhängende Graphen Zusammenhangskomponenten Gerichtete Bäume und Wälder Darstellung über Adjazenzmatrix Darstellung über Adjazenzlisten (einfach/doppelt verkettet) Breitensuche (Breadth-First-Search) Starte in v 0. Entdecke alle von v 0 erreichbaren Knoten, ein Level nach dem anderen, wobei Level l aus den Knoten besteht, die von v 0 den Abstand l haben. (Datenstruktur: Queue.) FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 6

. Einfache Tiefensuche in Digraphen 3 5 6 7 8 9 0 3 3 Eingabeformat: Digraph G =(V, E), Knotenmenge V = {,..., n} (o. B. d. A.), Adjazenzlisten- oder Adjazenzmatrixformat, aus v ausgehende Kanten sind (implizit) angeordnet. Ziele: Besuche alle Knoten und Kanten. Sammle Strukturinformation. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 7

Tiefensuche (Depth-First-Search) Zunächst: Gehe von Knoten v 0 aus, finde alle auf Wegen von v 0 aus erreichbaren Knoten und Kanten. Realisierung: Rekursive Prozedur dfs(v) : Besuche Knoten v (Aktion an diesem Knoten). Dann betrachte die Nachbarn w,..., w outdeg(v) von v nacheinander, aber: Sobald neuer Knoten w entdeckt wird, starte sofort dfs(w). (Weitere Nachbarn von v werden später betrachtet.) Vorwärtsgehen hat Vorrang! Effekt: Die Folge der entdeckten Knoten geht immer so weit wie möglich in die Tiefe. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 8

Man muss verhindern, dass Knoten v mehrfach besucht wird. Dazu: Statusinformation : v neu noch nie gesehen v aktiv dfs(v) gestartet, noch nicht beendet v fertig dfs(v) beendet Status wird in einem Array status[..n] gehalten ein Eintrag pro Knoten. Parallel zu (oder Teil von) Knotenarray nodes[..n]. Initialisierung: Alle Knoten sind neu. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 9

Einfachstversion (wird später ausgebaut): Knoten werden in der Reihenfolge der Entdeckung durchnummeriert: dfs num[..n]. Tiefensuch-Nummerierung. Mitzählen: in dfs count (globale Variable), mit 0 initialisiert. dfs-visit(v): Aktion an v bei Entdeckung, anwendungsabhängig. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 0

Prozedur dfs(v) ( Tiefensuche an v, rekursiv, darf nur für v mit status[v] = neu aufgerufen werden ) () dfs count++; () dfs num[v] dfs count; (3) dfs-visit(v); ( Aktion an v bei Erstbesuch ) () status[v] aktiv ; (5) für jeden Nachfolger w von v (Adjazenzliste!) tue: (6) if status[w] = neu ( w wird entdeckt! ) then (7) dfs(w); (8) status[v] fertig. Tiefensuche von v 0 aus: Initialisiere alle Knoten als neu ; setze dfs count 0. Rufe dfs(v 0 ) auf. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

3 5 6 7 8 9 0 3 3 Start von dfs(), Roter Weg : (). FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

3 5 6 7 8 9 0 3 3 Ende von dfs(3), Roter Weg : (, ). FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

3 5 6 7 8 9 0 3 3 Start von dfs(8), Roter Weg : (,, 8). FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

3 5 6 7 8 9 0 3 3 Kante (8, 3) wird angesehen, Knoten 3 ist fertig. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

3 5 6 7 8 9 0 3 3 Kante (8, 7) wird angesehen, Knoten 7 ist neu. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

3 5 6 7 8 9 0 3 3 dfs(7) endet, Roter Weg : (,, 8). FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

3 5 6 7 8 9 0 3 3 Erreichbare Knoten und Kanten, DFS-Baum zu Startknoten. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

R v0 := {v V v 0 v}. (Von v 0 aus erreichbare Knoten.) E v0 := {(v, w) E v R v0 }. (Von v 0 aus erreichbare Kanten.) Satz.. 3 5 6 7 8 9 0 3 3 Bei Tiefensuche von v 0 aus wird für jeden Knoten v R v0 dfs(v) (genau einmal) aufgerufen, für Knoten v / R v0 wird dfs(v) nicht aufgerufen. Jede Kante (v, w) E v0 wird genau einmal betrachtet, andere Kanten nicht. Anm.: Auch Breitensuche von v 0 aus besucht genau diese Knoten/Kanten. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 3

Beweis: () Da Aufrufe nur entlang von Kanten von G erfolgen, kann dfs(v) nur aufgerufen werden, wenn v R v0 gilt. () Sobald dfs(v) aufgerufen wird, wird status[v] auf aktiv gesetzt, später auf fertig, aber nie mehr zurück auf neu. Ein Aufruf erfolgt nur für neue Knoten. Daher: maximal ein Aufruf für v. (3) Sei (v 0, v,..., v t = v) ein Weg von v 0 nach v. Annahme: Es gibt i > 0, für das dfs(v i ) nicht aufgerufen wird. Betrachte das kleinste solche i. Dann wird dfs(v i ) aufgerufen. Dabei wird die Kante (v i, v i ) untersucht und festgestellt, dass v i neu ist. Also wird dfs(v i ) aufgerufen, Widerspruch. () Eine Kante (v, w) E v0 wird im Aufruf dfs(v) untersucht (und in keinem anderen Aufruf). Kanten (v, w) mit v / R v0 werden nie betrachtet. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

Beobachtung : Der Zeitaufwand für die Bearbeitung eines Aufrufs dfs(v) ist (ohne die rekursiven Aufrufe) O() + O(outdeg(v)). Der Zeitaufwand für dfs(v 0 ) ist linear, nämlich ( ) O ( + outdeg(v)) = O( E v0 ). v R v0 (Beachte: R v0 E v0 +.) Der Zeitaufwand für die Initialisierung ist O(n). Also: Mit Tiefensuche in G von v 0 aus lassen sich in Zeit O( V + E v0 ) die Mengen R v0 und E v0 ermitteln. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 5

Definition.. Die transitive Hülle eines Digraphen G ist der Graph TH(G) =(V, E ) mit Kantenmenge E = {(v, w) v, w V, v G w} = ({v} R v ). v V Mit Tiefensuche in G, gestartet von jedem Knoten nacheinander, lassen sich in Zeit O( v V E R v )=O( V E ) alle Mengen R v, v V, ermitteln. (Nach Aufruf dfs(v) kann man mit Hilfe der Liste für R v in Zeit O( R v ) das status-array wieder auf neu setzen.) D. h.: Mit wiederholter Tiefensuche (oder Breitensuche) kann man TH(G) in Zeit O( v V E R v )=O( V E ) berechnen. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 6

Beobachtung : 3 3 5 6 7 8 9 0 3 3 6 5 Jeder Knoten v R v0 {v 0 } wird von einem eindeutig bestimmten Knoten w aus entdeckt (Inspektion der Kante (w, v) zeigt v als neu ); dieses w nennen wir p(v), den Vorgänger von v. Kanten (grün) von p(v) zu v: Entdeckungsrichtung. Aufruf dfs(v) beginnt nach und endet vor Aufruf dfs(p(v)). FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 7

3 3 5 6 7 8 9 0 3 3 6 5 Die Kanten (p(v), v) bilden einen (gerichteten) Baum mit Wurzel v 0 und Knotenmenge R v0, den Tiefensuch-Baum T dfs (v 0 ). Weg im Tiefensuch-Baum entspricht indirekter Aufrufbeziehung. Die DFS-Nummern (rot) zählen die Knoten in Präorder- Reihenfolge auf. (Die Anordnung ist durch die Reihenfolge der Nachfolger in den Adjazenzlisten vorgegeben.) FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 8

3 5 6 7 8 9 0 3 3 Zu jedem Zeitpunkt bilden die aktiven Knoten einen Weg (den roten Weg ) im Tiefensuch-Baum, Startpunkt ist v 0, Endpunkt ist der Knoten, in dessen dfs(v) -Aufruf eben gearbeitet wird (hier: Knoten 7). FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 9

Wie entscheidet sich, ob w in T dfs (v 0 ) Nachfahr von v ist? Wann wird dfs(w) aufgerufen, während v aktiv ist? Satz..3 ( Satz vom weißen Weg ) w ist ein Nachfahr von v im Tiefensuchbaum T dfs (v 0 ) in dem Moment, in dem dfs(v) aufgerufen wird, existiert ein Weg v = u 0, u, u,..., u t = w von v nach w aus Knoten, die alle neu ( weiß ) sind. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 0

Beispiel: dfs() startet. 3 5 6 7 8 9 0 3 3 Knoten 6 ist von aus erreichbar, aber nicht auf einem weißen Weg Knoten 6 sitzt im DFS-Baum nicht unter. Knoten 3, 7, 8 sind auf weißen Wegen erreichbar diese Knoten sitzen im DFS-Baum unter. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

3 5 6 7 8 9 0 3 3 Beweis von Satz..3: : Sei w in T dfs (v 0 ) Nachfahr von v. Wir nehmen den Weg, der in T dfs (v 0 ) von v nach w führt: v = u 0, u, u,..., u t = w. (Beispiel: (, 8, 7).) Nach Beobachtung wird erst dfs(u 0 ) aufgerufen, dann dfs(u ), dann dfs(u ), usw.; also sind im Moment des Aufrufs dfs(v) alle Knoten v = u 0, u, u,..., u t = w noch neu. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

Beweis von Satz..3: : Durch Induktion über t 0 zeigen wir: IB t : Wenn beim Aufruf dfs(v) v = u 0, u, u,..., u t = w ein Weg aus neuen ( weißen ) Knoten ist, dann beginnt dfs(w), bevor dfs(v) endet. I.A.: t = 0: Trivial, weil w = v. I.Schritt: Sei t > 0 und v = u 0, u, u,..., u t = w ein Weg wie angegeben. Nach IB t wird dfs(u t ) aufgerufen, bevor dfs(v) endet. Natürlich wird dfs(u t ) nach dfs(v) aufgerufen (u t weiß ). Während der Abarbeitung von dfs(u t ) wird Nachbar w von u t betrachtet.. Fall: w ist aktiv oder fertig. Dann wurde dfs(w) vorher aufgerufen.. Fall: w ist neu. Dann wird dfs(w) jetzt aufgerufen. In beiden Fällen beginnt dfs(w) vor dem Ende von dfs(u t ), also vor dem Ende von dfs(v). FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 3

Beweis von Satz..3: (Forts.): Nun sei v = u 0, u, u,..., u t = w ein Weg aus Knoten, die beim Aufruf dfs(v) alle neu sind. Nach IB t beginnt dfs(w) vor dem Ende von dfs(v), also ist t = 0 oder dfs(w) wird (indirekt) aus dfs(v) heraus aufgerufen. Daraus: Die Folge w, p(w), p(p(w)), p(p(p(w))),..., mit der Vorgängerbeziehung aus Beobachtung, erreicht v. Umgedreht gelesen, ist dies ein Weg von v nach w in T dfs (v 0 ). FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

Globale Tiefensuche in Digraphen: Alle Knoten besuchen. Algorithmus DFS(G) ( Tiefensuche in G =(V, E) ) () dfs count 0; () for v from to n do status[v] neu ; (3) for v from to n do () if status[v] = neu then (5) dfs(v); ( starte Tiefensuche von v aus ) Zu Zeilen ()/(5): dfs count wird weitergezählt. Zu Zeilen (), (): Die status[v]-werte werden von den dfs-aufrufen in Zeile (5) verändert; sie haben also beim Wieder-Lesen in der zweiten Schleife nicht unbedingt immer noch den Initialisierungs-Wert neu. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 5

3 3 5 6 7 8 9 0 3 3 6 5 Ist Knoten neu? Ja. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 6

3 3 5 6 7 8 9 0 3 3 6 5 7 8 Roter Weg : leer. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 6

3 3 5 6 7 8 9 0 6 5 3 3 7 8 9 Roter Weg : (5) FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 6

3 3 5 6 7 8 9 0 6 5 3 3 7 8 9 0 Ist Knoten 0 neu? Fertig. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 6

DFS(G) erzwingt, dass für jeden Knoten v in G irgendwann einmal dfs(v) aufgerufen wird. (Höchstens einmal: wie vorher.) Daher werden auch alle Kanten, die aus v herausführen, angesehen. Gesamt-(Zeit-)Aufwand: O( + outdeg(v)) für Knoten v. Insgesamt: ( ) O ( + outdeg(v)) = O( V + E ) =O(n + m). v V Satz.. Der Zeitaufwand von DFS(G) ist O( V + E ). (Sogar: Θ( V + E ), da jeder Knoten und jede Kante betrachtet wird.) FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 7

Bemerkung: Bei DFS entstehen mehrere Bäume, die zusammen den Tiefensuchwald bilden. (Kante (w, v) entspricht dem Aufruf dfs(v) direkt aus dfs(w).) Vorsicht: Wenn ein Baum im Tiefensuchwald Wurzel v hat, so ist nicht gesagt, dass dieser Baum alle von v aus erreichbaren Knoten enthält. (Dies gilt nur für den ersten der Bäume.) 3 3 5 6 7 8 9 0 6 5 3 3 7 Beispiel: Es gilt 5, aber ist nicht im Baum unter 5. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 8 8 9 0

Satz..3, der Satz vom weißen Weg, gilt auch für den Tiefensuchwald, mit identischem Beweis. Für v V = {,..., n}: Satz..5 W v := {u V w v : w u}. v wird Wurzel eines Baums im Tiefensuch-Wald v / W v. 3 3 5 6 7 8 9 0 6 5 3 3 7 In diesem Fall gilt: Der Baum mit Wurzel v hat die Knotenmenge W v W v (erreichbar von v aus, aber von keinem vorherigen Knoten). 8 9 0 FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 9

Satz..5 v wird Wurzel eines Baums im Tiefensuch-Wald v / W v. Beweis: : Sei v / W v. Nach Satz.. kann v von keinem Aufruf dfs(w) mit w < v erreicht werden, also ergibt der Test in Zeile (), dass v neu ist, und der Aufruf dfs(v) erfolgt. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 30

Satz..5 v wird Wurzel eines Baums im Tiefensuch-Wald v / W v. : Sei v W v, also v von einem w < v aus erreichbar. Wähle w {,..., n} minimal mit w v. Wähle einfachen Weg w = u 0,..., u t = v. w minimal keiner der Knoten u 0,..., u t ist von einem Knoten x < w aus erreichbar. Insbesondere gilt w / W w ; in haben wir gezeigt, dass dfs(w) aus DFS(G) aufgerufen wird. Im Moment dieses Aufrufs sind alle Knoten auf dem Weg w = u 0,..., u t = v neu. Satz..3. (Satz vom weißen Weg) sagt nun: v wird Nachfahr von w im Tiefensuch-Wald. Also ist v keine Wurzel. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 3

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung. Volle Tiefensuche in Digraphen Wir bauen dfs(v) und DFS(G) aus, so dass die Kanten (v, w) von G in vier Klassen T, B, F, C eingeteilt werden: T: Baumkanten die Kanten des Tiefensuchwaldes; Kriterium: w ist neu. B: Rückwärtskanten (v, w) ist Rückwärtskante, wenn w Vorfahr von v im Tiefensuchwald ist; Kriterium: w ist aktiv. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 3

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung F: Vorwärtskanten (v, w) ist Vorwärtskante, wenn w Nachfahr von v im Tiefensuchwald ist; Kriterium: w ist fertig und dfs num(v) < dfs num(w). C: Querkanten (v, w) ist Querkante, wenn der gesamte Unterbaum von w schon fertig abgearbeitet ist, wenn dfs(v) aufgerufen wird (d.h.: w liegt im Tiefensuchwald gemäß Präorderund gemäß Postorder-Reihenfolge vor v); Kriterium: w ist fertig und dfs num(v) > dfs num(w). Zudem nummerieren wir die Knoten v V in der Reihenfolge durch, in der die dfs(v)-aufrufe beendet werden. Diese Nummern heißen f(in)-nummern: f num(v). Der Wertebereich der f-nummern ist {,,..., V }. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 33

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung Prozedur dfs(v) ( volle Tiefensuche in v, nur für v neu erlaubt ) () dfs count++; () dfs num[v] dfs count; (3) dfs-visit(v); ( Aktion an v bei Erstbesuch ) () status[v] aktiv ; (5) für jeden Nachfolger w von v (Adjazenzliste!) tue: (6). Fall: status[w] = neu : T T {(v, w)}; dfs(w); (7). Fall: status[w] = aktiv : B B {(v, w)}; (8) 3. Fall: status[w] = fertig dfs num[v] < dfs num[w]: F F {(v, w)}; (9). Fall: status[w] = fertig dfs num[v] > dfs num[w]: C C {(v, w)}; (0) f count++; () f num[v] f count; () fin-visit(v); ( Aktion an v bei letztem Besuch ) (3) status[v] fertig. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 3

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung Initialisierung: dfs count 0; f count 0. Alle Knoten sind neu ; Mengen T, B, F, C sind leer. Tiefensuche von v 0 aus ( dfs(v 0 ) ) entdeckt R v0. Tiefensuche für den ganzen Graphen: DFS(G) wie vorher, nur mit der voll ausgebauten dfs-prozedur, und der Initialisierung von f count und T, B, F, C. Algorithmus DFS(G) ( Tiefensuche in G =(V, E), voll ausgebaut ) () dfs count 0; () f count 0; (3) T ; B ; F ; C ; (3) for v from to n do status[v] neu ; () for v from to n do (5) if status[v] = neu then (6) dfs(v); ( starte Tiefensuche von v aus ) FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 35

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung / / 3 3 5 / 6 7 8 9 0 / 3 3 dfs(8) startet, dfs-nummer, (, 8) wird Baumkante. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 36

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung / / 3 3 5 / 6 7 8 9 0 5 / / 3 3 (7, 3) wird Querkante, weil 3 fertig ist und 5 > 3 gilt. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 36

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung / / 3 3 5 / 6 7 8 9 0 5 / / 3 3 (7, ) wird Rückwärtskante, weil aktiv ist. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 36

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung / / 3 3 5 / 6 7 8 9 0 5 / / 3 3 dfs(7) endet, f-nummer. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 36

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung / / 3 3 5 / 6 7 8 9 0 5 / / 3 3 3 (, 7) wird Vorwärtskante, weil 7 fertig ist und < 5 gilt. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 36

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung / 6 / 3 / 7 / 3 5 8 3 3 9 / 0 6 7 8 9 0 6 / 5 5 / / 3 8 / 7 0 / 9 Klar: Alle Aussagen für die einfache dfs-prozedur bleiben gültig. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 36

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung / 6 / 3 / 7 / 3 5 8 3 3 9 / 0 6 7 8 9 0 6 / 5 5 / / 3 8 / 7 0 / 9 Beobachtung : Jede Kante (v, w) wird genau einmal betrachtet und daher genau in eine der Mengen T, B, F und C eingeordnet. Beobachtung : Die dfs-nummern entsprechen einem Präorder-Durchlauf, die f-nummern einem Postorder-Durchlauf durch die Bäume des Tiefensuch-Waldes. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 37

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung Beobachtung 3: Wenn dfs(w) nach dfs(v) beginnt und vor dfs(v) endet, also dfs(w) (indirekt) von dfs(v) aus aufgerufen wird, dann gilt: (a) dfs num[v] < dfs num[w] und f num[v] > f num[w]; (b) v ist Vorfahr von w im Tiefensuch-Wald. Konsequenz: Die Vorfahr-Nachfahr-Relation im Tiefensuch-Wald lässt sich in Zeit O() testen, wenn die dfs- und die f-nummern bekannt sind. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 38

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung Satz.. Der Algorithmus DFS(G) klassifiziert die Kanten korrekt. Beweis: Sei (v, w) eine beliebige Kante in G.. Fall: dfs(w) wird direkt aus dfs(v) aufgerufen. Dann ist (v, w) Baumkante und wird richtig als T klassifiziert.. Fall: Die Untersuchung der Kante (v, w) in dfs(v) ergibt, dass w aktiv ist. Dann liegt w auf dem roten Weg von der Wurzel des Tiefensuchbaums zu v, ist also Vorfahr von v (oder gleich v Schleifen sind nicht verboten). Daher ist (v, w) Rückwärtskante und wird richtig als B klassifiziert. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 39

Tiefensuche mit Kantenklassifizierung 3. Fall: Die Untersuchung der Kante (v, w) in dfs(v) ergibt, dass w fertig und dfs num[v] < dfs num[w] ist. Weil dfs(v) noch aktiv ist, wird f num[v] > f num[w]. Also ist nach Beobachtung 3 w Nachfahr von v im Tiefensuchwald, also ist (v, w) Vorwärtskante und wird richtig als F klassifiziert.. Fall: Die Untersuchung der Kante (v, w) in dfs(v) ergibt, dass w fertig und dfs num[v] > dfs num[w] ist. Dann war die Untersuchung von w und all seinen Nachfahren im Wald abgeschlossen, bevor dfs(v) begonnen wird. Daher ist (v, w) Querkante und wird richtig als C klassifiziert. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 0

Kreisfreiheitstest und topologische Sortierung Finden von Kreisen.3. Kreisfreiheitstest und topologische Sortierung Ob ein gerichteter Graph einen Kreis enthält, kann man nach Durchführung einer Tiefensuche daran ablesen, ob es Rückwärtskanten gibt oder nicht. Satz.3. (a) Nach Aufruf von DFS(G) gilt: G enthält einen Kreis B. (b) Nach Aufruf von dfs(v 0 ) gilt: Der von v 0 aus erreichbare Teil (R v0, E v0 ) von G enthält einen Kreis B. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

Kreisfreiheitstest und topologische Sortierung Finden von Kreisen Beweis des Satzes (a): ((b) geht genauso.) : Wenn DFS(G) eine B-Kante (v, w) findet, dann ist in diesem Moment v der vorderste Knoten des roten Weges, und w liegt irgendwo auf dem roten Weg. Also gibt es in G einen Weg von w nach v aus Baumkanten. Zusammen mit der Kante (v, w) ergibt sich ein Kreis. Spezialfall: v = w, t = 0: Schleife. Wird als Kreis erkannt. Beispiel: / / 3 / 3 5 6 7 8 9 0 3 3 5 / / Roter Weg: (,, 8, 7); Rückwärtskante (7, ) schließt den Kreis. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

Kreisfreiheitstest und topologische Sortierung Finden von Kreisen Beweis des Satzes (a): : Nun sei B =. Für eine Kante (v, w) gibt es dann nur noch drei Fälle:. Fall: (v, w) ist Baumkante. Dann ist f num[v] > f num[w]../3. Fall: (v, w) ist Vorwärtskante oder Querkante. Dann ist w fertig, während an v noch gearbeitet wird, also ist wieder f num[v] > f num[w]. Für jede Kante (v, w) in E ist die f-nummer an v größer als die an w. Wenn u 0,..., u t ein Weg in G der Länge t ist, so nehmen entlang dieses Weges die f-nummern strikt ab. Daher kann auf keinen Fall u 0 = u t sein. Also enthält G keinen Kreis. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 3

Kreisfreiheitstest und topologische Sortierung Finden von Kreisen Beispiel: Ein (azyklischer) Digraph mit f-nummern aus DFS(G): 6 3 8 0 5 6 5 7 8 3 9 7 0 9 Wie im Beweis von.3. benutzt: Die f-nummern fallen entlang jeder Kante! FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0

Kreisfreiheitstest und topologische Sortierung Topologische Sortierung Definition.3. Ein gerichteter Graph (Digraph) ohne Kreise heißt ein gerichteter azyklischer Graph ( directed acyclic graph dag). Wollen: Knoten in einem azyklischen Digraphen so anordnen, dass alle Kanten von links nach rechts laufen. Definition.3. Sei G =(V, E) ein azyklischer Digraph. Eine topologische Sortierung (oder topologische Anordnung) der Knoten in V ist eine Bijektion π : V {,..., n}, so dass für alle Kanten (v, w) E die Beziehung π(v) <π(w) gilt. Man setzt Knoten v an Position π(v); dann laufen alle Kanten von links nach rechts. FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 5

Kreisfreiheitstest und topologische Sortierung Topologische Sortierung 6 3 8 0 5 6 5 7 8 3 9 7 0 9 5 0 9 6 8 7 3 0 9 8 7 6 5 3 Derselbe Graph, linear angeordnet. Permutation π dazu: v 3 5 6 7 8 9 0 π(v) 5 7 0 3 6 9 8 FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 6

Kreisfreiheitstest und topologische Sortierung Topologische Sortierung DFS(G) findet unmittelbar eine topologische Sortierung! (Natürlich nur in azyklischen Digraphen.) Idee: Wir haben oben gesehen, dass die f-nummern entlang jeder Kante (v, w) strikt fallen; außerdem sind die f-nummern eine Bijektion. Definiere: π(v) := (n + ) f num(v). Laufzeit/Kosten zur Ermittlung einer topologischen Sortierung: O( V + E ), linear. Satz.3. DFS(G) (in der ausführlichen Version) testet Digraphen auf Azyklizität und findet gegebenenfalls eine topologische Sortierung von G, in Zeit O( V + E ). FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 7

Kreisfreiheitstest und topologische Sortierung Anwendungen Anwendung : V : Menge von Tasks (für einen Computer, für eine Maschine). E V V : Zeitliche Abhängigkeiten. (v, w) E heißt: Task v muss beendet sein, bevor Task w beginnt. Der resultierende Graph G =(V, E) sollte azyklisch sein, sonst... Aufgabe nicht durchführbar! Topologische Sortierung: Eine mögliche Ausführungsreihenfolge für die Tasks auf der Maschine. Bei Parallelverarbeitung: Scheduling ist eine viel komplexere Aufgabe! FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 8

Kreisfreiheitstest und topologische Sortierung Anwendungen Anwendung : V : Menge von Tasks (für einen Computer, für eine Maschine), mit Laufzeiten c(v), für v V. E V V : Zeitliche Abhängigkeiten wie vorher. Es stehen genügend Maschinen zur Verfügung, um beliebig viele Tasks parallel auszuführen. Kritischer Pfad : Folge v 0, v,..., v r von Tasks mit (v 0, v ),..., (v r, v r ) E und c(v 0 )+c(v )+... + c(v r ) maximal. Man kann überlegen: Ein kritischer Pfad bestimmt die minimal mögliche Gesamt-Ausführungszeit. Aufgabe: Bestimme kritischen Pfad, in Zeit O( V + E ). FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 9

Kreisfreiheitstest und topologische Sortierung Anwendungen Lösung: Ermittle topologische Sortierung von (V, E). O.B.d.A. gilt (v, w) E v < w. (Umbenennen!) Finde iterativ für v =,..., n den frühesten Beendigungszeitpunkt t(v) und Vorgänger p kr (v) auf einem kritischem Pfad in {,..., v}. p kr () existiert nicht; t() = c(). I.V.: t(),..., t(v ) schon ermittelt. Schritt v: { c(v) + max{t(w) (w, v) E}, falls eine Kante (w, v) existiert, t(v) := c(v), sonst. Vorgänger p kr (v): Ein w mit (w, v) E und maximalem t(w), wenn es eine solche Kante gibt, undefiniert, falls nicht. Ausgabe: v mit maximalem t(v) und die Folge v, p kr (v), p kr (p kr (v)),... bis zum ersten Knoten w mit undefiniertem p kr (w). FG KTuEA, TU Ilmenau Effiziente Algorithmen Sommersemester 0 50