Kollaboratives Lernen



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Transkript:

Kollaboratives Lernen Prof. Dr. Günter Daniel Rey 1

Überblick Einführung Aufgabenkomplexität als moderierender Einflussfaktor Arten des kollaborativen Lernens Entwicklungsphasen in virtuellen Lerngruppen Rollenkonzepte beim kollaborativen Lernen Kooperatives Lernen und Feedback 2

Video zum kollaborativen Lernen 3

Einführung (z. B. Krause, Stark & Mandl, 2009) Verschiedene Definitionen zum kollaborativen Lernen Konstellation, in der Personen gemeinsam in einer Gruppe lernen, die klein genug ist, um allen Gruppenmitgliedern eine aktive Beteiligung zu ermöglichen Häufig kooperatives Lernen und kollaboratives Lernen synonym verwendet, aber auch z. T. voneinander unterschieden: Kooperatives Lernen: Gemeinsames Arbeiten an derselben Aufgabe, die jedoch aufgeteilt wird Kollaboratives Lernen: Tatsächliches Zusammenarbeiten 4

Aufgabenkomplexität als moderierender Einflussfaktor (Kirschner, Paas & Kirschner, 2009a, 2009b, 2011) Beschränkung des Arbeitsgedächtnisses (AG) laut Cognitive Load Theorie (CLT) Überwindung der Einschränkungen des AG durch den Einsatz kollaborativer Lerngruppen Nutzung von multiplen Arbeitsgedächtnissen (kollektiver AG-Effekt) Bei Aufgaben mit niedriger Aufgabenkomplexität (d. h. Elementinteraktivität bzw. intrinsischem CL) reichen die individuellen AG-Ressourcen aus; die Kommunikation und Koordination mit der Gruppe wirkt sich negativ auf die Lerneffizienz aus Schlussfolgerung: Je höher die Aufgabenkomplexität, desto effizienter ist das Gruppenlernen im Vergleich zum individuellen Lernen Affektive Alternativerklärung auf Basis des Selbstwirksamkeitskonzeptes von Bandura 5

Aufgabenkomplexität als moderierender Einflussfaktor (Kirschner, Paas & Kirschner, 2009b) N = 70; 46% ; Ø 15.4 Jahre (SD = 0.7) Lernmaterial zur Vererbungslehre Einfaktorielles Design mit zwei Faktorstufen (individuelle Bedingung vs. Gruppenbedingung mit jeweils drei Personen) Kognitive Belastung sowie drei Behaltens- und drei Transferaufgaben als abhängige Variablen Moderierender Einfluss der Aufgabenkomplexität auf die Lerneffizienz WW: p <.05; η p ² =.25 Quelle: Kirschner, Paas und Kirschner (2009b) 6

Arten des kollaborativen Lernens (Zhang, Ayres & Chan, 2011) Verschiedene Arten des kollaborativen Lernens Wechselseitige Abhängigkeit zwischen den Gruppenmitgliedern Niedrige Abhängigkeit: Gruppenmitglieder arbeiten und lernen relativ unabhängig voneinander Hohe Abhängigkeit: Gruppenmitglieder arbeiten und lernen relativ abhängig voneinander N = 94; Schülerinnen und Schüler der 9ten Klasse Lernthema: Webdesign Einfaktorielles, dreifachgestuftes Design Individuelles Lernen Kollaboratives Lernen (aufgabenbasiertes Projekt) Kollaboratives Lernen (unbefristetes Projekt) 7

Arten des kollaborativen Lernens (Zhang, Ayres & Chan, 2011) Abhängige Variablen: Leistungsmaß Kognitive Belastung mittels NASA-TLX p <.02; η p ² =.09 Quelle: Zhang, Ayres und Chan (2011) 8

Entwicklungsphasen in virtuellen Lerngruppen (Yoon & Johnson, 2008) 7 Entwicklungsphasen: Orientierung Vorbereitung Erkundung Arbeit und Entscheidung Fortschrittsüberprüfung & Evaluation Weiterentwicklung oder Fertigstellung Abschluss Quelle: Yoon und Johnson (2008) 9

Video zu Rollenkonzepte beim kollaborativen Lernen 10

Rollenkonzepte beim kollaborativen Lernen (Strijbos & De Laat, 2010) Acht Rollen: Captain Pillar Hanger-on Lurker Generator Over-rider Ghost Free-rider Quelle: Strijbos und De Laat (2010) 11

Kooperatives Lernen und Feedback (Krause, Stark & Mandl, 2009) Lernumgebung Koralle zum Statistiklernen Quelle: Krause (2007) 12

Kooperatives Lernen und Feedback (Krause, Stark & Mandl, 2009) N = 137; 77% ; Ø 23.8 Jahre (SD = 5.1) 2 x 2 faktorielles Design UV 1 : Sozialer Kontext (individuell vs. kooperativ) UV 2 : Feedback (verfügbar vs. nicht verfügbar) Abhängige Variablen Leistung in den Lernaufgaben (6 Problemlöseaufgaben) Leistung im nachfolgenden Test (5 offene Problemaufgaben) Subjektive Lerneinschätzungen (Wahrgenommene Leistung und wahrgenommene Kompetenz) 13

Kooperatives Lernen und Feedback (Krause, Stark & Mandl, 2009) HE für UV 1 : p <.05; η p ² =.08 HE für UV 1 : p <.001; η p ² =.09 HE für UV 1 : Nicht signifikant HE für UV 1 : p <.05; η p ² =.04 14

Zusammenfassung Kollaboratives Lernen als Konstellation, in der Personen gemeinsam in einer Gruppe lernen, die klein genug ist, um allen Gruppenmitgliedern eine aktive Beteiligung zu ermöglichen Mit steigender Aufgabenkomplexität Gruppenlernen im Vergleich zum individuellen Lernen effizienter Lernleistung und kognitive Belastung abhängig von der Art des kollaborativen Lernens Verschiedene Entwicklungsphasen in virtuellen Lerngruppen Gruppenmitglieder mit unterschiedlichen Rollen beim kollaborativen Lernen Untersuchung von kooperativem Lernen und Feedback 15

Prüfungsliteratur Kirschner, F., Paas, F., & Kirschner, P. A. (2009a). A cognitive load approach to collaborative learning: United brains for complex tasks. Educational Psychology Review, 21, 31-42. Kirschner, F., Paas, F., & Kirschner, P. A. (2009b). Individual and group-based learning from complex cognitive tasks: Effects on retention and transfer efficiency. Computers in Human Behavior, 25, 306-314. Krause, U. M., Stark, R., & Mandl, H. (2009). The effects of cooperative learning and feedback on e-learning in statistics. Learning and Instruction, 19, 158-170. Zhang, L., Ayres, P., & Chan, K. (2011). Examining different types of collaborative learning in a complex computer-based environment: A cognitive load approach. Computers in Human Behavior, 27, 94-98. 16

Weiterführende Literatur I Hämäläinen, R., Oksanen, K., & Häkkinen, P. (2008). Designing and analyzing collaboration in a scripted game for vocational education. Computers in Human Behavior, 24, 2496-2506. Järvelä, S., Volet, S., & Järvenoja, H. (2010). Research on motivation in collaborative learning: Moving beyond the cognitive situative divide and combining individual and social processes. Educational Psychologist, 45, 15-27. Kirschner, F., Paas, F., & Kirschner, P. A. (2011). Superiority of collaborative learning with complex tasks: A research note on an alternative affective explanation. Computers in Human Behavior, 27, 53-57. Krause, U.-M. (2007). Feedback und kooperatives Lernen. Münster: Waxmann. Schoor, C., & Bannert, M. (2011). Motivation in a computersupported collaborative learning scenario and its impact on learning activities and knowledge acquisition. Learning and Instruction, 21, 560-573. 17

Weiterführende Literatur II Schoor, C., & Bannert, M. (2012). Exploring regulatory processes during a computer-supported collaborative learning task using process mining. Computers in Human Behavior, 28, 1321-1331. Strijbos, J.-W., & De Laat, M. F. (2010). Developing the role concept for computer-supported collaborative learning: An explorative synthesis. Computers in Human Behavior, 26, 495-505. Yoon, S. W., & Johnson, S. D. (2008). Phases and patterns of group development in virtual learning teams. Educational Technology Research and Development, 56, 595-618. Weinberger, A., Stegmann, K., & Fischer, F. (2010). Learning to argue online: Scripted groups surpass individuals (unscripted groups do not). Computers in Human Behavior, 26, 506-515. 18