Energiebarometer Januar 2013 Das VDI-Energiebarometer ist eine quartalsweise Befragung der mit den Themen der Energietechnik assoziierten Mitglieder des VDI Verein Deutscher Ingenieure. Ziel ist es, die Entwicklung des heterogenen Energiesektors branchenspezifisch zu analysieren und so Entwicklungen der unterschiedlichen Energieträger aufzuzeigen. Die Befragung des Energiebarometers im Januar 2013 wurde von 790 Teilnehmern beantwortet. In Abbildung 1 ist die Zuordnung der 790 Befragungsteilnehmer zu Branchen visualisiert. Abb. 1: Branchenzuordnung der Befragungsteilnehmer (n=790) Insgesamt zeigt sich eine sehr positive Bewertung des Energiesektors kommentiert Prof. Dr.- Ing. Wagner, Vorsitzender der Gesellschaft für Energietechnik und Umwelt im VDI, die Ergebnisse.
Branchenentwicklung Die Befragten wurden zunächst gebeten, die wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Branche in den nächsten drei Monaten auf einer fünfstufigen Likert-Skala (1= sehr negative Entwicklung, 2= negative Entwicklung, 3= stagnierende Entwicklung, 4= positive Entwicklung, 5=sehr positive Entwicklung) einzuschätzen. Hieraus ergibt sich folgendes Bild (vgl. Abb. 2) Abb. 2: Einschätzung der Branchenentwicklung in den nächsten 3 Monaten Auffällig hierbei ist die positive Bewertung im Bereich dezentraler Kraft-Wärme- Koppelungsanlagen. Ebenso auffallend ist die positive Einschätzung im Bereich Braunkohle. Als möglicher Erklärungsansatz dient hier der Rückgang der Nukleartechnik, der erfordert, dass Braunkohle zur kurz- bis mittelfristigen Deckung der Grundlast herangezogen wird. Braunkohle hat gegenüber anderen Energieträgern wie bspw. Erdgas, im Moment Kostenvorteile.
Wettbewerbsfähigkeit Im Folgenden geht es um die Konkurrenzfähigkeit der betrachteten Branchen im internationalen Kontext. Die Befragten wurden gebeten, auf einer fünfstufigen Likert-Skala anzugeben, wie sie die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Branche im internationalen Vergleich einschätzen. Die Skala reicht dabei von 1= sehr schlecht, 2= schlecht, 3= neutral, 4= gut bis 5= sehr gut (vgl. Abb. 3). Abb. 3: Einschätzung der Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich Die Einschätzung der Wettbewerbsfähigkeit ist mit Ausnahme der Nukleartechnik und der Wasserkrafttechnik als positiv zu bewerten. Insbesondere die positive Stellung bei den Erneuerbaren Energien ist ein erfreuliches Ergebnis. Es ist anzunehmen, dass die abermals sehr positive Einschätzung der Braunkohle eher von kurz- bis mittelfristiger Dauer ist und momentan durch die politischen Rahmenbedingungen gestärkt wird.
Unternehmensentwicklung Als nächstes wurden die Befragten gebeten, einzuschätzen, wie sich das eigene Unternehmen in den kommenden drei Monaten wirtschaftlich entwickeln wird. Die Antwortmöglichkeiten erstrecken sich wiederum auf einer fünfstufigen Likert-Skala (1= sehr negative Entwicklung, 2= negative Entwicklung, 3= stagnierende Entwicklung, 4= positive Entwicklung, 5= sehr positive Entwicklung). Die Resultate sind in Abbildung 4 veranschaulicht. Abb.4: Einschätzung der Unternehmensentwicklung Bei den Antworten zur Frage nach der Unternehmensentwicklung fällt auf, dass selbst in als schwächer eingeschätzten Branchen Vertrauen in das eigene Unternehmen zu bestehen scheint. Dies zeigt sich zum Beispiel mit Blick auf die Nukleartechnik. Hingegen ist die Einschätzung der Unternehmensentwicklung bei der Braunkohle etwas vorsichtiger als bei der Branchenentwicklung, was ebenfalls ein Indikator für einen eher kurzfristig politisch bedingten positiven Effekt der Branchenentwicklung sein kann.
Innovationsaktivitäten Des Weiteren wurden Innovationsvorhaben hinsichtlich Produkten, Verfahren und Dienstleistungen thematisiert. 25 Teilnehmer gaben an, dass in ihrem Unternehmen keinerlei Innovationsbestrebungen vorhanden seien; 28 Teilnehmer konnten oder wollten keine Einschätzung diesbezüglich abgeben. Die verbleibenden 737 Teilnehmer wurden befragt, wie Sie die Aktivität ihres Unternehmens hinsichtlich Innovationsvorhaben in den nächsten drei Monaten einschätzen. Die Antwortmöglichkeiten erstrecken sich hierbei von 1= stark sinkend, 2= sinkend, 3= konstant, 4= steigend 5= stark steigend (vgl. Abb. 5). Abb. 5: Einschätzung der Innovationsaktivitäten Bei der Einschätzung der Innovationsaktivitäten fällt insbesondere die Wasserkrafttechnik aus dem Rahmen. Hier zeigt sich, dass ursprünglich vorhandenes Potenzial vielfach bereits genutzt wurde und häufig auf Bestandsanlagen zurückgegriffen werden kann. Die Windenergie weist hingegen beispielsweise eine recht hohe Innovationskraft auf. Wenig verwunderlich sind die schlechten Aussichten für die Nuklearbranche, die sich vor dem Hintergrund des Ausstiegs Deutschlands aus der Kernenergie leicht erklären lassen.
Fachkräfte Lediglich 55 Teilnehmer gaben an, es gebe in Ihrem Unternehmen zur Zeit keine Bemühungen, Ingenieure als Fachkräfte einzustellen, während 43 Teilnehmer angaben, sie könnten oder wollten die Verfügbarkeit von Ingenieuren nicht beurteilen. Die verbleibenden 692 Teilnehmer wurden gebeten, auf einer fünfstufigen Likert-Skala die Verfügbarkeit von Ingenieuren als Fachkräfte für ihr Unternehmen einzuschätzen. Dabei reicht die Skala von 1= sehr schlecht, 2= schlecht, 3= mittelmäßig, 4= gut bis 5= sehr gut. Es ergibt sich folgendes Bild (vgl. Abb. 6). Abb. 6: Verfügbarkeit von Ingenieuren als zu rekrutierende Fachkräfte Engpässe im Ingenieurbereich haben wir in Deutschland neben dem Fahrzeug- und Maschinenbau vor allem in der Energie- und Elektrotechnik zu beklagen. Dies zeigt auch Abbildung 6; keine der untersuchten Branchen zeigt eine gute oder sehr gute Versorgung mit Fachkräften an. Vergleicht man die Abbildungen 2 und 6, so wird ersichtlich, dass es in eher schwächeren Branchen größere Probleme zu geben scheint, Ingenieure zu rekrutieren. Dies gilt insbesondere für die Nuklearindustrie, wo in den kommenden Jahren noch für Rückbau und dergleichen Ingenieure gebraucht werden. Prof. Dr.-Ing. Wagner sieht einen Grund für wahrgenommene Engpässe auch in dem Bestreben von Unternehmen, möglichst unmittelbar eine vollumfänglich qualifizierte Fachkraft einstellen zu wollen. Zur Fachkräftesicherung kommen aber auch der betrieblichen Weiterbildung und bedarfsgerechten Weiterqualifizierung eine wichtige Bedeutung zu.