Entzündung. Teil 15.

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Fibrinöse Entzündung (1) Definition: - eine Entzündung, die durch das extravasale Auftreten von Fibrin gekennzeichnet ist, welches nicht der normalen Hämostase zuzuordnen ist - fibrinöse Entzündungen finden sich besonders an den Schleimhäuten des Atmungs- und Verdauungstraktes sowie an serösen Häuten - abzugrenzen sind prinzipiell blande Thromben blandus, lat. = freundlich - infizierte Thromben werden allerdings meist als Entzündung bezeichnet (s.u.)

Fibrinöse Entzündung (2) Pathogenese (1): ältere Vorstellung: - die Noxe greift am Gefäßendothel an ( macht dort Löcher ) und führt aufgrund einer erhöhten Permeabilität zu einem vermehrten Austritt von Fibrinogen, welches dann außerhalb des Gefäßes gerinnt - fraglich, da alle gelösten Blutbestandteile auch im extravaskulären Raum vorhanden sind, dabei ist ihre Konzentration allerdings abhängig vom Molekulargewicht (Fibrinogen ca. 300.000 Dalton)

Fibrinöse Entzündung (3) Pathogenese (2): heutige Vorstellung: - Umstellung des antikoagulatorischen Milieus auf ein prokoagulatorisches Milieu - vor allem daran beteiligt sind: auf zellulärer Seite: Endothelzellen, Monozyten, PMN auf humoraler Seite: als Auslöser v.a. IL-1, IL-6, TNF-

Komponenten der Blutgerinnung:

Fibrinöse Entzündung (4) Pathogenese (3): - Wirkung Interleukin-1 und Tumornekrose-Faktor-

Fibrinöse Entzündung (5) Pathogenese (4): - mögliche Folgen der Fibrinablagerung: - Nekrose des Gewebes aufgrund der Behinderung der Perfusion - Fibrin ist einer der potentesten Stimuli für die Bildung von Granulationsgewebe, bei: > Wundheilung (Heilung per primam intentionem) > Narbenbildung (Heilung per secundam intentionem) > granulierend Entzündung (s.u.) - Fibrin als Ort der Erregervermehrung

Fibrinöse Entzündung (6) Vorkommen (1): - Infektionen mit gramnegativen Bakterien - Endotoxin (Lipopolysaccharid) bewirkt über Monozyten eine prokoagulatorische Situation (s.o.) - diese Bakterien machen weniger Chemotaxis (> eitrige Entz.) - häufig ebenfalls Sekundärinfektion nach primär viralen Infekten, aber es gibt auch zahlreiche Primärinfektionen! - Haemophilus parasuis Serosen, Gelenke Schwein - Actinobacillus pleuropneumoniae Lunge, Pleura Schwein - Pasteurella haemolytica Lunge, Pleura Rind - Salmonella spec. Darm grampositiv: - Clostridium spec. Darm

Fibrinöse Entzündung (7) Vorkommen (2): - Immunkomplex - bedingte Veränderungen (Typ III) - lokale Komplexbildung (Typ Arthus-Reaktion) - Feline infektiöse Peritonitis - Ablagerung zirkulierender Komplexe (Typ Serumkrankheit) - chemische / physikalische Noxen - Verbrennung, Verätzung etc. > d.h. auch bei der fibrinösen Entzündung spielt eine bestimmte Gruppe von Bakterien eine entscheidende Rolle, diese sind aber auch hier nicht die einzige mögliche Ursache

Fibrinöse Entzündung (8) Makroskopie: - je nach Grad der Entzündung (s.u.) stellt sich Fibrin dar als - gelbliche, festelastische Massen - gelbliche, trockene, bröckelige Massen (bei Futterbeimengung im Darm auch grünlich)

Fibrinöse Entzündung (9) Histologie: - Fibrin stellt sich in der HE-Färbung als unterschiedlich dichtes, ungeordnetes Netz von deutlich eosinophilen Fasern dar (DD: kollagene Fasern in lockenförmigen Bündeln) - kompakte Ansammlungen von Fibrin sind meist zellarm - in vielen Fällen ist auch nekrotisch gewordenes ortständiges Gewebe mit in diese Massen verbacken (s.u.) - im Randbereich kommt es sehr schnell (wenige Tage) zur Bildung von Granulationsgewebe aus dem ortständigen Bindegewebe (entsprechend der Wundheilung)

Fibrinöse Entzündung (10) Lokalisation (1): I. transepithelial vor allem bei einschichtigem Epithel (Atmungs-, Verdauungstrakt, Serosa) die Einteilung erfolgt nach der Tiefe, bis zu der das Fibrin in das Gewebe hineinreicht Achtung: das betroffene Gewebe ist nekrotisch geworden, d.h. die gelblichen Massen bestehen aus Fibrin + nekrotischem Gewebe

Fibrinöse Entzündung (11) Lokalisation (2): a. pseudomembranöse Entzündung ( -itis pseudomembranacea) auf einer Serosa: (Perihepatitis fibrinosa) Fibrin liegt auf dem unveränderten Epithel und kann ohne Substanzverlust abgehoben werden Pseudomembran da totes Material