Geschichte der Inflation



Ähnliche Dokumente
Was meinen die Leute eigentlich mit: Grexit?

Wir machen neue Politik für Baden-Württemberg

geben. Die Wahrscheinlichkeit von 100% ist hier demnach nur der Gehen wir einmal davon aus, dass die von uns angenommenen

Papa - was ist American Dream?

Eva Douma: Die Vorteile und Nachteile der Ökonomisierung in der Sozialen Arbeit

Gemeinsam können die Länder der EU mehr erreichen

Alle gehören dazu. Vorwort

Aktienbestand und Aktienhandel

Die Invaliden-Versicherung ändert sich

Was ist Sozial-Raum-Orientierung?

Lineargleichungssysteme: Additions-/ Subtraktionsverfahren

Informationsblatt Induktionsbeweis

Professionelle Seminare im Bereich MS-Office

Die Post hat eine Umfrage gemacht

40-Tage-Wunder- Kurs. Umarme, was Du nicht ändern kannst.

Primzahlen und RSA-Verschlüsselung

Vermögen mehren trotz Inflation. Immobilien

Wichtige Forderungen für ein Bundes-Teilhabe-Gesetz

1. Was ihr in dieser Anleitung

Rohstoffanalyse - COT Daten - Gold, Fleischmärkte, Orangensaft, Crude Oil, US Zinsen, S&P500 - KW 07/2009

Übungsaufgaben Prozentrechnung und / oder Dreisatz

Erfahrungen mit Hartz IV- Empfängern

Qualitätsbedingungen schulischer Inklusion für Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung

Das große ElterngeldPlus 1x1. Alles über das ElterngeldPlus. Wer kann ElterngeldPlus beantragen? ElterngeldPlus verstehen ein paar einleitende Fakten

M a r k t r i s i k o

Qualität und Verlässlichkeit Das verstehen die Deutschen unter Geschäftsmoral!

DAS PARETO PRINZIP DER SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG

Das Leitbild vom Verein WIR

HDH. Deutsche geben mehr Geld für Möbel aus. Möbel: Kapazitätsauslastung sinkt leicht. Guter November mit Plus 8,5 Prozent

Lebensversicherung. OBJEKTIV UNBESTECHLICH KEINE WERBUNG

Kulturelle Evolution 12

Statuten in leichter Sprache

Mobile Intranet in Unternehmen

1. Weniger Steuern zahlen

Gründe für fehlende Vorsorgemaßnahmen gegen Krankheit

SWP-FONDSVERMITTLUNG. AKTUELLES: LEONIDAS XI - Windfonds Frankreich. Auszug aus dem Leonidas Newsletter vom 11. Februar 2013

Die neue Aufgabe von der Monitoring-Stelle. Das ist die Monitoring-Stelle:

Orderarten im Wertpapierhandel

Es gilt das gesprochene Wort. Anrede

Weltweite Wanderschaft

Was ist eine Aktie? Detlef Faber

Schnellstart - Checkliste

Untätigkeit der Bürger

ALEMÃO. Text 1. Lernen, lernen, lernen

Ist Fernsehen schädlich für die eigene Meinung oder fördert es unabhängig zu denken?

Musterdepot +134% seit Auflegung Trading Depot für alle kurzfristig orientieren Anleger

Privatanleger erwarten anhaltend negative Realzinsen

Ab 2012 wird das Rentenalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre steigen. Die Deutsche Rentenversicherung erklärt, was Ruheständler erwartet.

Senkung des technischen Zinssatzes und des Umwandlungssatzes

Öffentliche Finanzen in Griechenland. Dafür was sich ein Land konsumtiven Ausgaben leisten kann, ist das BIP pro Kopf ein guter Maßstab.

infach Geld FBV Ihr Weg zum finanzellen Erfolg Florian Mock

Leit-Bild. Elbe-Werkstätten GmbH und. PIER Service & Consulting GmbH. Mit Menschen erfolgreich

der die und in den von zu das mit sich des auf für ist im dem nicht ein eine als auch es an werden aus er hat daß sie nach wird bei

Nicaragua. Wo die Menschen leben Mehr als die Hälfte der Menschen lebt in Städten. Denn auf dem Land gibt es wenig Arbeit.

Endlich Klarheit. Vertriebsinformation PKV

Vertical-Spreads Iron Condor Erfolgsaussichten

Was ist eigentlich MinLand?

Anne Frank, ihr Leben

~~ Swing Trading Strategie ~~

Fernsehen gehört zu unserem Alltag

1. Fabrikatshändlerkongress. Schlussworte Robert Rademacher

Anleitung über den Umgang mit Schildern

Pressemitteilung 60 /2014

AGROPLUS Buchhaltung. Daten-Server und Sicherheitskopie. Version vom b

DAVID: und David vom Deutschlandlabor. Wir beantworten Fragen zu Deutschland und den Deutschen.

Gutes Leben was ist das?

1: 9. Hamburger Gründerpreis - Kategorie Existenzgründer :00 Uhr

Meinungen der Bürgerinnen und Bürger in Hamburg und Berlin zu einer Bewerbung um die Austragung der Olympischen Spiele

Die Vergangenheitsbetrachtung als Anlagestrategie.

Die Wirtschaftskrise aus Sicht der Kinder

Info zum Zusammenhang von Auflösung und Genauigkeit

Studie Windkraft und Tourismus 2003 bis 2009

CSS-Grundlagen. Etwas über Browser. Kapitel. Die Vorbereitung

allensbacher berichte

Manager. von Peter Pfeifer, Waltraud Pfeifer, Burkhard Münchhagen. Spielanleitung

FAQ Spielvorbereitung Startspieler: Wer ist Startspieler?

Was kann ich jetzt? von P. G.

Leichte-Sprache-Bilder

Vermögensbildung: Sparen und Wertsteigerung bei Immobilien liegen vorn

Andreas Rühl. Investmentfonds. verstehen und richtig nutzen. Strategien für die optimale Vermögensstruktur. FinanzBuch Verlag

Dramatisch: 6,6 Millionen Deutsche sind überschuldet DEUTSCHE...

Vorratsgesellschaften Der schnelle Weg zum eigenen Unternehmen interna

Programm 4: Arbeiten mit thematischen Karten

Day-Trading. Ich zeige Ihnen hier an einem Beispiel wie das aussieht.

Leitartikel Weltnachrichten 2 / 2016

Örtliche Angebots- und Teilhabeplanung im Landkreis Weilheim-Schongau

Sparen in Deutschland - mit Blick über die Ländergrenzen

L10N-Manager 3. Netzwerktreffen der Hochschulübersetzer/i nnen Mannheim 10. Mai 2016

Korrigenda Handbuch der Bewertung

Mehr Geld verdienen! Lesen Sie... Peter von Karst. Ihre Leseprobe. der schlüssel zum leben. So gehen Sie konkret vor!

informieren Steht die Schweiz vor einer Hyperinflation? Tagung der Finanzverwaltern/innen der Thurgauer Gemeinden, 24.

Charakteristikum des Gutachtenstils: Es wird mit einer Frage begonnen, sodann werden die Voraussetzungen Schritt für Schritt aufgezeigt und erörtert.

Dow Jones am im 1-min Chat

Was ich als Bürgermeister für Lübbecke tun möchte

Michaela Knirsch-Wagner

Berechnung der Erhöhung der Durchschnittsprämien

Die Industrie- und Handelskammer arbeitet dafür, dass Menschen überall mit machen können

TIPS-Crash und zwei Hindenburg-Omen

Mind Mapping am PC. für Präsentationen, Vorträge, Selbstmanagement. von Isolde Kommer, Helmut Reinke. 1. Auflage. Hanser München 1999

Wochenendausgabe Swingtrading Aktien KW 08/2015

Transkript:

Geschichte der Inflation In diesem Artikel möchten wir einige historische Beispiele für die Entstehung und die Auswirkung von großen Inflationen geben. Dass eine hohe Inflation nicht nur Risiken, sondern auch sehr große Chancen mit sich bringt, soll anhand einiger Zahlen aus der Vergangenheit verdeutlicht werden. Am Ende möchten wir diverse Gründe für den Ausbruch einer Inflation anführen. Zusammenhänge zu aktuellen Ereignissen auf unserer Welt sollen durchaus vom Leser hergestellt werden. Aus Platzgründen verzichten wir an dieser Stelle aber darauf. Dieser Artikel erhebt in keinster Weise Anspruch auf Vollständigkeit und ist nur Veranschaulichung und zur Anregung für weitere Überlegungen gedacht. Für grundlegende Infos zum Thema Inflation verweisen wir auf unseren Grundlagenartikel. 1. Untergang eines Weltreichs a) Rom b) Spanien-Portugal 2. Paradoxon der Inflation 3. Zusammenfassung 1. a) Rom: Der Aufstieg des Römischen Imperiums, sowie seine Hochzeit sind vor allem unter Lateinschülern ja hinlänglich bekannt. Als Grund für den Untergang kennen die meisten aber nur, dass die Barbaren oder Vandalen von Norden eingefallen sind und Rom erobert haben. So einfach ist das natürlich nicht gewesen. Unter Kaiser Augustus im Jahr 27 v.chr. gab es reine Gold- und Silbermünzen im römischen Reich. Da er große Infrastrukturprojekte finanzieren wollte, ordnete er an, die spanischen und französischen Minen 24 Stunden am Tag auszubeuten. Durch dieses zusätzliche Geldangebot haben sich die Preise in Rom zwischen 27 v.chr. und 6 n.chr. in etwa verdoppelt. Kaiser Augustus bemerkte diesen Zusammenhang und schränkte die Geldausweitung zwischen 6 n.chr. und 14 n.chr. drastisch ein. Auch unter seinem Stiefsohn Tiberius war das Geldangebot nur sehr gering. Diese Knappheit führte dazu, dass die Imperiumskasse immer mehr gefüllt wurde. Als Tiberius im Jahr 37 ermordet wurde, hinterließ er rund 700 Mio. Denari in der Kasse des Weltreichs 30 mal soviel, wie ihm sein Stiefvater hinterließ. Der nächste Kaiser Caligula enteignete reiche Familien um seine Vorhaben zu finanzieren. Er beschuldigte sie einen Komplott gegen ihn zu planen. Danach kam Claudius an die Macht. Mit dem nächsten Kaiser Nero begann ein langer Abstieg. Er gab die Guthaben aus und führte ein enormes Handelsbilanzdefizit (Importe aus den Kolonien)ein, wodurch die Währung entwertet wurde. Nero beschloß den Aureus 10% leichter zu machen. Somit konnte zukünftig aus einem Pfund Gold 45 Aurei hergestellt werden, anstatt 41. Auch führte er einen neuen Silber-Denarius ein, der mit 10% Kupfer vermischt wurde, insgesamt leichter war und insgesamt 25% weniger Wert hatte. Massive

Inflation war die Folge. Wohlhabende Bürger wanderten in entlegene Provinzen aus, um sich den römischen Steuereintreibern zu entziehen. Somit gelang es Nero auch nicht die alten Münzen in die Neuen umzuprägen was sein Plan war. Das war der Anfang vom Ende. Erst im fünften Jahrhundert wurde Rom von den Vandalen, den Westgothen und den Ostgothen geplündert. Auffallend ist, dass seit Nero der Edelmetallanteil in den Münzen bis auf zwei Ausnahmen ständig reduziert wurde. Unter Nero hatte die Silbermünze noch 94% Silber. Vitellius reduzierte den Anteil auf 81% im Jahr 86. Im Jahr 81 und 98 erhöhten Domitian und Trajan den Anteil wieder auf 93%. Bis zum Jahr 268 unter Claudius Gothicus wurde der Anteil dann bis auf dramatische 0,02% reduziert. Rom hatte viele Probleme: Ständig Grenz-Konflikte, innere Unzufriedenheit, massive Abhängigkeit von Import-Gütern was zu einem ständig steigenden Handelsbilanzdefizit führte-, Sklavenrebellionen, Bauernaufstände in den Provinzen, Machtkämpfe zwischen den reichen und armen Provinzen, Plagen und schlechte Führungsstile. All diese Probleme wurden mit riesigen Geldsummen bekämpft was nicht zur Problemlösung, sondern nur zu einer Vertagung der Probleme geführt hat. Das ständige Öffnen der Geldschleusen führte zu einem immer weiteren Ansteigen der Inflation und zu einem weiteren Niedergang der römischen Gesellschaft und Wirtschaft und letztlich zum Untergang des römischen Reiches. 1. b) Spanien-Portugal Das größte Reich, das die Welt jemals gesehen hat war das spanisch-portugiesische Reich (Vereinigung 1580) unter Carlos V und Philip II. Es kontrollierte die spanische Halbinsel, sowie Teile Westeuropas, einen Großteil der afrikanischen Küste, die Philippinen, Indonesien, Mexico und den gesamten südamerikanischen Kontinent. Es war in der Tat ein Reich in dem die Sonne niemals untergeht. Durch die Ausbeutung der Gold- und Silberminen vor allem in Südamerika und die Verschiffung der Metalle nach Europa kam es in ganz Europa zu einer massiven Inflation. Zwischen 1500 und 1600 haben sich die Preise in Europa fast vervierfacht. Als nach 1580 die Edelmetallzufuhr abnahm kam es zu einer schrecklichen Depression auf der spanischen Halbinsel, die fast das ganze 17. Jahrhundert andauerte. Weitere Gründe waren natürlich auch der Verlust von Gebieten im Osten an die Holländer, Piraten, Aufstände und Kriege gegen nahezu jedes europäische Land, inklusive den Türken. Die spanische Krone konnte Ihre Schulden bereits im Jahr 1557 nicht bezahlen. Es kam zu weiteren Ausfällen in den Jahren 1575, 1596, 1607, 1627 und 1647. Weitere Weltreiche die untergegangen sind, waren das ottomanische Reich und das Jüngste war die UdSSR. Das z.z. einzige Weltreich im militärischen Sinne ist die USA und die finanzielle Weltreichposition könnte bald an die anderen Nationen übergehen. 2.) Paradoxon der Inflation Bei sehr hoher Inflation tritt das sog. Paradoxon der Inflation auf. Obwohl die Preise steigen, wir im Endeffekt alles immer billiger ja im Endeffekt sogar spott-billig. Dies liegt daran, dass die Währung eines Landes in dem es zu einer sehr hohen Inflation kommt in der Regel schneller einbricht, als das heimische Preisniveau ansteigt. Der Grund ist die Kapitalflucht der Inländer, bzw. der ausländischen Investoren in Sachwerte und andere Währungsräume.

Hier ein paar Beispiele: Unter dem Marco-Regime kam es auf den Philippinen in den 80ern zu hoher Inflation. Der Effekt war, dass man 1985 den gesamten philippinischen Aktienmarkt für rund 500 Mio. Dollar kaufen hätte können. Allein die Aktie von PLDT hatte in den späten 90ern eine Kapitalisierung von mehr als 4 Mrd. Dollar. Die Aktien von San Miguel erreichten sogar einen Gesamtwert von 4,5 Mrd. Die Gesamtmarktkapitalisierung liegt heute über 30 Mrd. Dollar. In Argentinien betrug die gesamte Marktkapitalisierung zu Zeiten der Hyperinflation 1988 lediglich 750 Mio. Dollar. Damals gab es in Buenos Aires komplette Bürohäuser in bester Lage für umgerechnet rund 1 Mio. Dollar. Bereits 1994 was Buenos Aires wieder eine der teuersten Städte der Welt! Die Aktie von Molinos war 1987 für gerade mal 20 Mio. Dollar zu haben. 7 Jahre später kostete das Unternehmen bereits 515 Mio. Dollar. Als die Inflation in Peru zwischen 1991 und 1994 von über 1.000% auf weniger als 10% gesunken war, stieg die Marktkapitalisierung von 600 Mio. Dollar auf 5 Mrd. Dollar an Auslandsanleihen stiegen von 0,03 auf über 70! Die Zeiten der hohen Inflation in Russland dürften vielen noch in Erinnerung sein. Im Zuge der Privatisierung 1993/94 wurde die gesamte russische Industrie (!) für nur 5-6 Mrd. Dollar bewertet. Surugtneftegaz damals die größte Ölfirma, die immerhin für 2% der weltweiten Ölförderung verantwortlich war, hatte im Frühjahr 1994 eine Marktkapitalisierung von 170 Mio. Dollar. Das Einkaufscenter GUM heute als DAS Luxuskaufhaus in Russland bekannt, war damals bereits einer der führenden Einzelhändler in Moskau und verfügte über 15 Geschäfte und über eine geradezu lächerliche Marktkapitalisierung von 24 Mio. Dollar. Solche Beispiele könnten wir hier unendlich weiter bringen. Auch bei der (Hyper) Inflation in der jüngsten Geschichte kam und kommt es zu ähnlichen Effekten. Durch den massiven Einbruch der Währung werden die Preisanstiege im Inland überkompensiert. So stieg der Aktienmarkt in der Türkei zwischen 2001 und 2003 zwar um rund 15% an durch den Währungsverfall konnte man als Euro-Anleger den Markt aber rund 70% günstiger kaufen. In Dollar betrug der Rückgang rund 65%. 2002 stieg in Mitten einer der größten Krisen des Landes; die Bilder gingen damals um die Welt; - der Aktienmarkt in Argentinien um fast 100%. In Euro gerechnet erlitt der Markt aber einen Verlust von 50%. Das aktuellste und eines der traurigsten Beispiele ist sicherlich Zimbabwe. Wie hoch die Inflation in Zimbabwe ist wird nur noch geschätzt. Für das Jahr 2008 steht die offizielle Zahl bei 231 Mio. Prozent. Der britische Telegraph geht in einer Veröffentlichung von Mitte Februar 2009 sogar von unglaublichen 89,7 Sextillionen Prozent aus. Das ist eine Zahl die die meisten Menschen noch nie gehört haben dürfen. Eine Sextillion bedeutet im Englischen 10 36. Im amerikanischen bedeutet die Zahl nur 10 21. Hierfür wäre der deutsche Begriff dann Trilliarde. An dieser Stelle spielt es absolut keine Rolle wie viele Millionen, Billiarden oder Sextrillionen Prozent die Inflation in Zimbabwe aktuell beträgt. Der Aktienmarkt in der Hauptstadt Harare (den es bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts gibt!) stieg auf jeden Fall teilweise täglich (!) um mehrere hundert Prozent an. Leider haben wir keine

Daten dazu, wie der Markt aktuell bewertet ist. Sollte aber irgendjemand Zugang zu diesem Markt haben, dann ist er sicherlich nicht schlecht beraten, wenn er jetzt über Investitionen in diesem Land nachdenkt. Seit kurzem sind Dollar in Zimbabwe zugelassen, massive Reformen werden umgesetzt (sicherlich nicht ganz freiwillig) und die Inflationsrate ist das Erste mal seit fast einem Jahrzehnt im Februar 09 rückläufig gewesen. Das Land hat mit die meisten Bodenschätze in Afrika auch extrem seltene Bodenschätze, die in der Hochtechnologie gebraucht werden. Wenn man die Geschichte der Inflationen ansieht, liegt es nahe zu vermuten, dass in einigen Jahren auch dieser Markt sich vervielfachen wird. Solche Überlegungen gehören aber an eine andere Stelle. Ein letztes Beispiel aus der Geschichte soll der Zeitraum der Weimarer Hyperinflation sein. Die sog. Weimarer Hyperinflation ereignete sich in den Jahren 1919-1923 nach Einführung der Weimarer Verfassung am 19. August 1919. Das Preisniveau stieg nach den Aufzeichnungen von Brescani-Turoni zwischen 1914 und November 1922 um das 89fache. Der Dollar stieg aber sogar um das 1.525fache. Kohle kostete das 1.250fache. Die Großhandelspreise stiegen um 94.500%. Das war aber nur die Vorgeschichte Die eigentliche Hyperinflation ereignete sich erst 1922/1923. Noch im Oktober 1922 kostete eine Goldmark 1.000 Papiermark. Bis zum Herbst 1923 kostete eine Goldmark bereits 1.000.000.000.000 also 1 Bio. Papiermark. Im Sommer 1923 verdoppelte sich der Kurs des US-Dollar im Schnitt ca. alle 1-2 Wochen. Der Aktienmarkt in Papiermark durch die Decke stieg vom Tief 1918 bei 88 bis auf 531.000.000 im September 1923 an. Der Aktienmarkt ist also um mehr als das 600.000fache gestiegen. Für ausländische Investoren war der optimale Kaufzeitpunkt aber bereits der Winter 1922/1923. Der Preisindex für den Aktienmarkt in Dollar gerechnet bewegte sich in dieser Zeit zwischen 2,7 und 5. Bereits im November 1923 betrug der Wert 39. Ein internationaler Investor konnte also binnen weniger Monate sein Kapital verachtfachen. Im besten Fall sogar verfünfzehnfachen! Teilweise war die Firma Daimler für 980 Mio. Papiermark zu haben. Ein Daimler-Auto kostete nur 3 Mio. Papiermark. Somit konnte man eine der damals größten und profitabelsten Firmen in Deutschland für den Gegenwert von rund 330 Autos kaufen und dazu hätte man noch nicht einmal auf irgendwelche Währungseffekte setzen müssen.

Zusammenfassung Die Gründe für das Auftreten von großer Inflation können vielfältig sein. Einige davon haben wir in den obigen Beispielen gesehen. So kann die Reduzierung der Geldqualität wie im Beispiel Roms durch Verminderung des Edelmetallanteils oder indirekt bei Papiergeldwährungen durch steigende Verschuldung oder Vermögensreduzierung der einzelnen Volkswirtschaft bereits zu Inflation führen. Meist geht die Inflation mit einer (drastischen) Ausweitung der Geldmenge einher also der Quantität. Wenn die Geldmenge schneller steigt als die Menge der Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft kann es zur Inflation kommen. Bestes Beispiel: Spanien-Portugal. Die Qualität des Geldes hat damals nicht abgenommen. Aber es kam soviel Gold ins Land, dass es trotz der Qualität des Goldes zu massiver Inflation kam. Weitere Gründe für das Auftreten massiver Inflation können sein: (plötzlicher) Vertrauensverlust in eine Währung, ein Wirtschaftssystem oder ein politisches System; Steigerung der Umlaufgeschwindigkeit des vorhandenen Geldes; langfristig unausgeglichene Handelsbilanzen; ausufernde Staatsverschuldung vor allem in ausländischen Währungen; politische und gesellschaftliche Ereignisse (Kriege, Krisen, Aufstände, Revolutionen und so weiter). Es gibt noch viele weitere Gründe warum eine Inflation entstehen kann. Wichtig ist aber zu wissen, dass aus den oben genannten Gründen eine Inflation (in Güterpreisen) nicht entstehen muss die Auswirkungen können auch ganz anderer Natur sein lesen Sie hierzu auch unseren Grundlagenartikel zum Thema Inflation. Eines haben die großen Inflationen der Geschichte aber gemeinsam: Meist dauert eine Hyperinflation nicht besonders lange. Es ist meistens eher die letzte Phase eines vorausgehenden, lange andauernden Prozesses. Oftmals verlaufen diese Prozesse unterschwellig und werden von der Bevölkerung zunächst nicht bemerkt. Somit sind überraschende Ereignisse für den kritischen Beobachter oftmals gar nicht so überraschend sondern eher nur für die blinde Masse weil lange Zeit Indizien, Tendenzen und Warnzeichen vernachlässigt oder verharmlost wurden. Beliebtester Spruch: DAS kann bei UNS nicht passieren. Dieser Satz kann einen sehr viel Geld kosten! Was fast alle historischen Inflationen gemeinsam haben: Die Bevölkerung flieht in Sachwerte (Immobilien, Aktien, Rohstoffe) oder in fremde Währungen. Die heimische Währung kollabiert binnen kürzester Zeit. Sachwerte und fremde Währungen boten also in der Vergangenheit einen gewissen Schutz gegen Inflationen. Die deutsche Finanzzeitung Plutus schrieb im Juli 1923: Es erfolgten außergewöhnliche Kursanstiege in allen Aktien. Der Hauptgrund ist die katastrophale Veränderung der wirtschaftlichen Situation. Geldwerte also Papiergeld ohne bestimmte Ansprüche (zum Beispiel Golddeckung), Spareinlagen, Staatsanleihen, sind nach einer Hyperinflation entweder von selbst nahezu wertlos geworden oder wurden per Gesetz nahezu wertlos.

Was sehr viele Inflationen gemeinsam haben: Sie treten zu Zeitpunkten von Strukturumbrüchen auf. Es ereignen sich also bedeutende gesellschaftliche und politische Ereignisse wie Währungsreformen, politische Umbrüche, militärische Auseinandersetzungen, Revolutionen und so weiter. Ein solches Ereignis kann kurz vorher aufgetreten sein (wie in Russland der Zusammenbruch des Kommunismus) oder sich auch wegen der massiven Inflation ereignen. Sehr wichtig ist auch zu erkennen, dass Inflationen sehr oft gerade in Ländern auftreten, die sehr wohlhabend sind oder die wirtschaftlich und politisch eine Führungsrolle inne haben. Genauso setzt eine Inflation oftmals den Endpunkt unter eine Jahre- oder jahrzehntelange Misswirtschaft die meist mit autoritärem System, sprich Diktaturen, zusammenhängen. Hyperinflation ist genauso aber auch immer ein Neuanfang und für den Außenstehenden eine sehr seltene Investitionschance. Ähnlich viele und interessante Beispiele könnte man auch zu den Themen Deflation, Investmentmanien und paniken bringen, aber da unser Haus für die nicht allzu ferne Zukunft eher ein inflationäres Szenario erwartet, wollen wir es an dieser Stelle dabei belassen. Wichtig ist zu wissen: Inflation und Deflation liegen oft näher beieinander als man gemeinhin denkt. Teilweise bedingt das eine das andere steigende Preise an der einen Stelle treten gleichzeitig mit fallenden Preisen an einer anderen Stelle auf. Auch sollte klar sein, dass sich beide Phasen immer abwechseln und insofern auch direkt voneinander abhängig sind. Wenn die Preise sich zunächst halbieren, um sich dann wieder zu verdoppeln, lag zunächst eine massive Deflation vor, die von einer massiven Inflation gefolgt wurde auch wenn im Endeffekt nichts passiert ist. Wir wollen hiermit den Leser dazu auffordern mehr über wirtschaftliche Zusammenhänge nachzudenken und sich etwas vom Tagesgeschehen in Zeitung und TV zu entfernen. Bei der Entwicklung von Anlagestrategien für die verschiedenen Szenarien sind wir gerne behilflich.