Ein Unternehmen erwirtschaftet dann einen Gewinn mit der Herstellung und dem Verkauf von Erzeugnissen, wenn es ihm gelingt, eine Wertschöpfung zu erzielen. Eine derartige Wertschöpfung liegt vor, wenn der Umsatz (Leistungsergebnis) über dem hierfür notwendigen Leistungseinsatz (Herstellaufwand der verkauften Produkte) liegt. Unabhängig davon spielen für ein Unternehmen natürlich auch die Zahlungsströme (Einzahlungen und en) eine Rolle. Sie beeinflussen die Zahlungsfähigkeit (Liquidität) des Unternehmens. Das Verhältnis zwischen Aufwendungen und Erträgen innerhalb eines Zeitraums (Zeitraumbetrachtung) ist vom Verhältnis von Ein- und en an einem Tag (Zeitpunktbetrachtung) zu unterscheiden. Vereinfachend gesagt heißt dies: Ob man Gewinn oder Verlust an einem Tag gemacht hat, kann man nicht daran erkennen, ob in der Kasse am Ende des Tages mehr Geld vorhanden ist als am Anfang des Tages. Die Zusammenhänge verdeutlichen folgende Beispiele: Beispiel vorher Bestand Bank nachher Leistungseinsatz () Leistungsabsatz (Ertrag) 1. Monat: Ein Unternehmen kauft Rohstoffe im Wert von 10.000 ein, die komplett verbraucht werden. Die Rechnung wird später bezahlt. überweist am Ende des Monats 30.000 Löhne und Gehälter an die Mitarbeiter. Bezahlt für sonstige Leistungen 40.000 für sonstige Leistungen. produziert für 80.000 Fertigerzeugnisse, die (zunächst) gelagert werden. 2. Monat: Ein Unternehmen produziert keine Erzeugnisse. überweist am Ende des Monats 30.000 Löhne und Gehälter an die Mitarbeiter. Bezahlt für sonstige Leistungen 40.000 für sonstige Leistungen. Gleicht die Rechnung an die Rohstofflieferanten aus, Banküberweisung 10.000. Verkauft alle gelagerten Fertigerzeugnisse für 90.000. Die Kunden zahlen die Rechnung später. 3. Monat: Ein Unternehmen kauft Rohstoffe im Wert von 20.000 ein, die komplett verbraucht werden. Die Rechnung wird sofort bezahlt. überweist am Ende des Monats 30.000 Löhne und Gehälter an die Mitarbeiter. Bezahlt für sonstige Leistungen 40.000 für sonstige Leistungen. produziert für 90.000 Fertigerzeugnisse, die in diesem Monat komplett für 102.000 verkauft werden. Die Kunden gleichen in diesem Monat insgesamt 192.000 durch Banküberweisung aus. 500.000 430.000 0 0 Mitarbeiter 40.000 sonst. Leis. 30.000 Herstellung 80.000 - Ertrag LB- Mehrung 80.000 Erfolg (Gewinn/Verlust) - 70.000 0 430.000 350.000 150.000 90.000 Mitarbeiter 40.000 sonst. Leis. 30.000 Lieferanten 10.000 Herstellung 0 + ohne Herstellung 70.000 + LB- Minderung 80.000 Erfolg (Gewinn/Verlust) - 80.000-60.000 350.000 452.000 90.000 102.000 Mitarbeiter 40.000 sonst. Leis. 30.000 Lieferanten 20.000 Einzahlung Umsatzerl. 192.000 Herstellung 90.000 Erfolg (Gewinn/Verlust) + 102.000 + 12.000 Ergebnis des Quartals - 48.000-48.000 Das Beispiel macht deutlich, dass in jedem Monat die Liquidität sich um einen anderen Wert verändert als der Erfolg. Jörg Bensch - Lernmaterialien 1
Einem Unternehmen liegen für drei Monate folgende Informationen vor: 1. Monat: Das Unternehmen verfügt auf dem Bankkonto zu Beginn des ersten Tages über einen Anfangsbestand von 400.000. Während des Monats werden Rohstoffe im Wert von 50.000. eingekauft und in die Produktion eingesetzt. Die Rechnungen an die Lieferanten werden später beglichen. wurde eine Maschinen im Wert von 500.000. eingekauft. Die Rechnung an den Lieferanten wird später beglichen. wurden für sonstige Leistungen (Energie, Miete, Zinsen usw.) 40.000 vom Bankkonto überwiesen. wurden 20.000 Fertigerzeugnisse produziert und alle an Kunden für insgesamt 200.000 verkauft. Die Rechnungen werden später beglichen. Am Ende des Monats werden 70.000 an Löhnen und Gehälter an die Mitarbeiter überwiesen. wird der Wertverlust der Betriebsmittel für den zurückliegenden Monat mit 30.000 festgelegt. 2. Monat: Während des Monats werden Rohstoffe im Wert von 60.000. eingekauft und in die Produktion eingesetzt. Die Rechnungen an die Lieferanten werden später beglichen. werden die Lieferantenrechnungen in Höhe von 50.000 aus dem Vormonat durch Banküberweisung ausgeglichen. wurden für sonstige Leistungen (Energie, Miete, Zinsen usw.) 39.500 vom Bankkonto überwiesen. wurden 21.000 Fertigerzeugnisse produziert und davon 19.000 Stück an Kunden für insgesamt 190.000 verkauft. Die Rechnungen werden später beglichen. haben die Kunden 200.000 überwiesen, um die Rechnungen aus dem Vormonat zu begleichen. Am Ende des Monats werden 70.000 an Löhnen und Gehälter an die Mitarbeiter überwiesen. wird der Wertverlust der Betriebsmittel für den zurückliegenden Monat mit 30.000 festgelegt. 3. Monat: Während des Monats werden Rohstoffe im Wert von 60.000. eingekauft und in die Produktion eingesetzt. Die Rechnungen an die Lieferanten werden später beglichen. werden die Lieferantenrechnungen in Höhe von 60.000 aus dem Vormonat durch Banküberweisung ausgeglichen. wurden für sonstige Leistungen (Energie, Miete, Zinsen usw.) 11.000 vom Bankkonto überwiesen. wurden 18.000 Fertigerzeugnisse produziert. wurden 20.000 Fertigerzeugnisse an Kunden für insgesamt 200.000 verkauft. Die Rechnungen werden später beglichen. haben die Kunden 190.000 überwiesen, um die Rechnungen aus dem Vormonat zu begleichen. Am Ende des Monats werden 70.000 an Löhnen und Gehälter an die Mitarbeiter überwiesen. wird der Wertverlust der Betriebsmittel für den zurückliegenden Monat mit 30.000 festgelegt. Ermitteln Sie für jeden der drei Monate a) den Erfolg (Gewinn/Verlust) des Unternehmens. b) die Höhe des Endbestandes auf dem Bankkonto am Ende eines jeden Monats. Jörg Bensch - Lernmaterialien 2
Infotext 9: Liquidität des Unternehmens Das Geldvermögen (Bestand auf dem Bankkonto und in der Kasse) spielt für Unternehmen eine ganz besondere Rolle. So können Unternehmen trotz hoher Gewinne Pleite gehen, wenn sie nicht über genügend Zahlungsmittel verfügen (z. B. weil Mitarbeitergehälter gezahlt oder Steuerzahlungen fällig werden). Die Zahlungsfähigkeit Liquidität muss daher von der Abteilung Finanzbuchhaltung ständig überwacht werden. Die Höhe der aktuellen Liquidität wird bestimmt von der Höhe des Anfangsbestandes (Bestand, der zu Beginn einer Periode vorliegt), der Höhe der en, die während einer Periode vorgenommen werden, der Höhe der Einzahlungen, die während einer Periode stattfinden. Neben den eigentlichen Liquiditätsbeständen Bank und Kasse gibt es jedoch auch noch zwei Bestände, die für zeitnahe Ein- und en stehen. Auch diese spielen bei der Überwachung der Liquidität eine wichtige Rolle. Hierzu gehören der Bestand Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten Diese Verbindlichkeiten entstehen, wenn Einkäufe bei Lieferanten getätigt werden (vor allem Werkstoff- und Betriebsmitteleinkäufe), die Lieferanten jedoch ein Zahlungsziel gewähren. Anders ausgedrückt bedeutet dies der Vermögensgegenstand wird geliefert und kann genutzt werden, die zugehörige Rechnung muss jedoch erst später bezahlt werden. Verbindlichkeiten sind also Schulden gegenüber Lieferanten. Jede Verbindlichkeit bedeutet, dass in naher Zukunft eine an den Lieferanten stattfinden wird. der Bestand Forderungen gegenüber Kunden Forderungen entstehen, wenn Verkäufe an Kunden getätigt werden (vor Verkäufe von Fertigerzeugnissen), die Kunden jedoch ein Zahlungsziel erhalten. Anders ausgedrückt bedeutet dies der Vermögensgegenstand wird an den Kunden geliefert, die zugehörige Rechnung muss jedoch erst später bezahlt werden. Forderungen sind also so etwas wie fast eingenommenes Geld Schulden von Kunden. Jede Forderung bedeutet, dass in naher Zukunft eine Einzahlung durch den Kunden stattfinden wird. Stichwort Zahlungsziel Das Wort Zahlungsziel steht für einen Zahlungszeitraum, innerhalb dessen Zahlungen vorgenommen werden müssen. Verkäufer gewähren dieses Zahlungsziel häufig aus dem Grund, dass Käufer den Erhalt einer Leistung (also z. B. Rohstoffe, Fertigerzeugnisse) nicht direkt bar bei Lieferung zahlen können oder es unpraktisch wäre. Beispiel: Die Maschinenbau GmbH verkauft an den Textilproduzenten HaRo KG eine Maschine für 100.000. Vereinbart wurde, dass die Maschine durch eine Spedition zum Werk der HaRo KG geliefert wird. Da die HaRo KG nicht vor der Lieferung zahlen möchte, vereinbart man im Kaufvertrag ein Zahlungsziel von 30 Tagen nach Zugang der Maschine. Für die HaRo KG wäre es auch kaum möglich, 100.000 in Bar an den Lkw-Fahrer zu zahlen, wenn dieser die Maschine liefert. Zum einen sind Barzahlungen in dieser Höhe eher unüblich, zum anderen wäre die Annahme von Bargeld für den Lkw-Fahrer zu gefährlich. Typische Zahlungsziele sind 30 Tage nach Rechnungserhalt aber auch zahlen Sie sofort nach Lieferung. Im ersten Fall wird das Ziel konkret bestimmt: Die Zahlung kann jederzeit nach Lieferung, sie muss aber spätestens am 30. Tag ( Ziel ), erfolgen. Im zweiten Fall ist dieses Ziel nicht konkret vorgegeben. Es erscheint jedoch logisch, dass eine möglichst baldige Zahlung erfolgen sollte. Zu beachten! Verbindlichkeiten stehen für Schulden. Daher gehören sie zum Fremdkapital des Unternehmens (Einkäufe werden durch Fremdkapital finanziert). Forderungen hingegen stellen eine Vermögensposition dar, denn sie stehen für bald eintreffendes Geld, sind also so gut wie Geld auf dem Bankkonto oder in der Kasse. Jörg Bensch - Lernmaterialien 3
Erfolg und Liquidität Einkauf/Anschaffungen Unternehmen Verkauf Anschaffung von Vermögen Beschaffung Produktion Absatz Verkauf von Vermögen Werkstoffen Verbrauch Fertigerzeugnissen Handelswaren Betriebsmitteln langfristiger Leistungseinsatz Sonstige Verwaltung en Verbindlichkeiten Bank, Kasse Forderungen Einzahlungen Geld das bald an Lieferanten gezahlt wird Geld das bald von Kunden gezahlt wird Der Einsatz der Produktionsfaktoren stellt einen Leistungseinsatz () dar, der zur Herstellung von Fertigerzeugnissen führt (Leistungsergebnis). Der Wert des Leistungsergebnisses entspricht der Summe des Leistungseinsatzes (Summe der Aufwendungen). Die Leistungsabgabe führt zu einem Ertrag (realisierter Verkaufs-/Umsatzerlös). Liegt dieser Ertrag über dem Wert der Summe der dafür eingesetzten Aufwendungen, liegt eine positive Wertschöpfung (Gewinn), ansonsten eine negative Wertschöpfung (Verlust) vor. Beurteilen Sie die eingetretenen Veränderungen: Aus-/Einzahlung langf. Vermögen kurzfr. Vermögen Forderung Verbindlichkeit Ertrag 1. Einkauf von Rohstoffen in bar. - + 2. Einkauf einer Maschinen, Rechnung wird später beglichen. 3. Verbrauch von Rohstoffen für 500 in der Produktion. 4. Ausgleich einer Lieferantenrechnung durch Banküberweisung. 5. Zugang von hergestellten Fertigerzeugnissen im Absatzlager. 6. Kunde gleicht Rechnung durch Banküberweisung aus. 7. Mitarbeitergehälter werden überwiesen. 8. Wertverlust einer Maschine. 9. Verkauf von Fertigerzeugnissen, der Kunde zahlt bar. 10. Verkauf von Handelswaren, der Kunde bezahlt die Rechnung später. 11. Die Stadtwerke buchen die Kosten für Stromverbrauch vom Bankkonto ab. 12. Betankung eines Pkw, Barzahlung. 13. Überweisung der Miete für eine Lagerhalle. 14. Kauf eines PC inklusive Drucker, die Rechnung wird später überwiesen. 15. Kauf von Druckerpapier und Toner, die Überweisung erfolgt später. 16. Monate bei einem Kunden, die Rechnung wird er später ausgleichen. Jörg Bensch - Lernmaterialien 4
Zeitpunkt- und Zeitraumbetrachtung Leistungseinsatz Unternehmen Leistungsabgabe Einsatz von Vermögen eigene Betriebsmittel gekaufte Werkstoffe Kosten für genutzte Betriebsmittel Miete Energiekosten Sonstiges Büromaterial Werbematerial Mitarbeiterkosten Löhne und Gehälter Sonstige Aufwendungen Zinsen für Kredite/Darlehen Beschaffung Produktion Absatz langfristiger Leistungseinsatz Verkauf von Vermögen Fertigerzeugnissen Handelswaren Sonstige Verwaltung Ein Leistungseinsatz () entsteht immer innerhalb eines Zeitraums, auch das Leistungsergebnis und die Leistungsabgabe (Ertrag) beziehen sich auf einen Zeitraum. Der Zugang von Vermögen in das Unternehmen sowie deren Abgang entsteht immer zu einem Zeitpunkt. Ebenso entstehen Forderungen und Verbindlichkeiten immer zu einem Zeitpunkt. Entscheiden Sie: Zeitpunkt Zeitraum Vermögen Schulden Ertrag 1. Kauf einer Maschine, Anschaffungskosten 100.000, Rechnung wird später beglichen. + + 2. Begleichung der Rechnung aus Fall 1. durch Banküberweisung. 3. Erfassung des Wertverlusts an der Maschine, 10.000 pro Jahr (Abschreibung). Hinweis: 4. Kauf von Rohstoffen für 1.000, die Rechnung wird bar bei Lieferung bezahlt. 5. Verbrauch der Rohstoffe aus 4. in der Produktion (Materialentnahmeschein). Hinweis: 6. Verkauf einer gebrauchten Maschine zum Buchwert von 4.000,00, Kunde zahlt später. 7. Verkauf von Fertigerzeugnissen für 5.000,00, der Kunde zahlt später. Hinweis: 8. Lastschrift der Stadtwerke, Abbuchung der Kosten des Stromverbrauchs vom Bankkonto. 9. Überweisung der Miete für eine Lagerhalle (Kontoauszug). 10. Rechnung für eine Reparaturleistung, Kunde hat bei Rechnungserhalt bar gezahlt. Jörg Bensch - Lernmaterialien 5
Gewinn und Zuwachs Zahlungsmittel Leistungseinsatz Unternehmen Leistungsabgabe Anschaffung von langfristiger Leistungseinsatz Abschreibung Anlagevermögen Anschaffung von Verbrauch Umlaufvermögen (Werkstoffen) Leistungsergebnis Einsatz zur Verfügung gestellten Betriebsmitteln (z. B. ge- mietet) und Fremdleistungen Einsatz von Arbeitskräften Beschaffung Produktion Absatz Sonstige Verwaltung Fertigerzeugnisse Verkauf des Leistungsergebnisses (Fertigerzeugnisse) = Umsatzerlöse en Verbindlichkeiten Bank, Kasse Forderungen Einzahlungen Ziel des Unternehmens ist es, Fertigerzeugnisse herzustellen und möglichst mit Gewinn zu verkaufen. Um Fertigerzeugnisse herzustellen, muss ein Leistungseinsatz erfolgen. Dieser ergibt sich aus dem Wert der hierfür eingesetzten Produktionsfaktoren. Dabei spielt es eine Rolle, welcher Leistungseinsatz zu welchem Leistungsergebnis innerhalb eines bestimmten Zeitraums (z. B. ein Monat, ein Jahr) geführt hat. Der angesetzte Zeitraum muss also beim Leistungseinsatz und beim Leistungsergebnis übereinstimmen. Einem Unternehmen liegen für den aktuelle Monat folgende Informationen vor. 1. Kontoauszug: Überweisung der Miete für Mai für eine Lagerhalle, 1.000. 2. Eingangsrechnung: Kauf von Rohstoffen für 10.000 am 10. Mai. 3. Materialentnahme: Verbrauch von Rohstoffen für 6.000 für Mai. 4. Kontoauszug: Ausgleich der Rechnung aus Fall 2, 10.000, am 15. Mai. 5. Kontoauszug: Überweisung der Mitarbeitergehälter, 8.000, für Mai. 6. Eingangsrechnung: Kauf einer Maschine, Wert 20.000 am 17. Mai. 7. Anlagendatei: Wertverlust der Maschine aus 6, monatlich 500, für Mai. 8. Kontoauszug: Überweisung für Stromverbrauch, 300, für Mai. 9. Ausgangsrechn.: Verkauf der in diesem Monat hergestellten FE, 18.000. 10. Kontoauszug: Überweisung des Kunden aus Fall 9 am 20. Mai. 11. Eingangsrechnung: Kauf von Büromaterial, 200. am 21. Mai. Zahlung Einzahlung Einsatz () Leistung Ergebnis (Ertrag) Summe 18.000 Auswertung: Im dargestellten Monat Jörg Bensch - Lernmaterialien 6