Syntax III. Joost Kremers WS

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Transkript:

Syntax III WS 2009 29.10.2009 Kapitel 3: Das Thetasystem Eins der Großen Fakten über Sprache ist die Tatsache, dass Sätze aus hierarchisch geordneten Phrasen bestehen. In G&B wurde dieses Faktum durch die X -Theorie erklärt. Die syntaktischen Zusammenhänge wurden in G&B hauptsächlich mit dem Begriff der Rektion erklärt. Ziel des Minimalismus ist, die Großen Fakten ohne den Verweis auf Rektion zu erklären. Ziel dieses Kapitels: Thetatheorie ohne Rektion zu erklären. Externe Argumente Die Thetarolle des externen Arguments wird teils durch das interne Argument mitbestimmt. Es ist die, die diese Rolle zuweist, nicht bloß das Verb: (1) a. She took a book. b. She took a rest. c. She took a bus. d. She took a nap. e. She took offence. f. She took office. g. She took her medicine. h. She took her time. 1

Die Thetarollenzuweisung muss in gewisser Weiße lokal stattfinden. Frage ist, was lokal bedeutet. G&B-Antwort: Rektion. (2) Rektion: α regiert β, gdw: a. α β c-kommandiert, und b. β α c-kommandiert. In älteren G&B-Analysen war dies unproblematisch. Für neuere Analysen ensteht ein Problem: (3) [ IP John [ I [ saw Mary ]]] PISH Wenn Thetarollen nicht über Rektion vergeben werden, brauchen wir eine andere Relation. Nehmen wir an, dass alle Thetarolle eines Kopfes H in der maximalen Projektion von H zugewiesen werden. Daraus folgt, dass das Subjekt in Spec, generiert wird. Diese Hypothese heißt Predicate-Internal Subject Hypothesis (PISH). Das Subjekt bewegt sich aus Spec, nach Spec,IP. Argumente für PISH Idiome entsprechen syntaktischen Konstituenten (vgl. Aufgabe 3.1). SU+[V OB] kann, unabhängig von I, ein Idiom bilden. Daraus volgt, dass Subjekt, Verb und Objekt irgendwann in der Derivation ohne I eine Konstituente bilden. Auch aus gewissen Bindungsdaten folgt, dass das Subjekt innerhalb der basisgeneriert wird: (4) a. [ CP [which stories about each other] i did [ IP they say [ CP t i [ IP [the kids] k [ t k liked t i ]]]]] b. [ CP [ t k listen to each other] i [ IP they say [ CP t i [ IP [the kids] k won t t i ]]]] 2

In (4a) kann die Anapher each other sowohl they als auch the kids als Antezedenz haben, während in (4b) nur the kids Antezedenz sein kann. Wenn das Subjekt the kids in (4b) aus der herausbewegt wurde, wie die PISH vorhersagt, wird dieser Unterschied erklärt. Auch floating quantifier-daten wie (5) lassen sich mit PISH einfach erklären: (5) a. Diesen Mädchen gefällt der Peter alle/allen. b. Diese Mädchen mögen Peter alle/allen. In VSO-Sprachen gibt es Daten, die nahelegen, dass die VSO-Wortfolge dadurch entsteht, dass das Verb nach Infl bewegt wird und das Subjekt in seiner Basisposition bleibt. Dies wird auch belegt durch Imperativkonstruktionen in manchen irisch-englischen Dialekten, in denen ein Imperativmarker gon vorkommt, das in C steht. In solchen Konstruktionen ist die Wortfolge «gon Verb Subjekt». Ditransitive Verben Auf den ersten Blick kann ein Satz wie Mary gave John a book wie in (6) analysiert werden: (6) Mary V V [ PP to John] gave [ DP a book] Für diese Analyse stellen die Daten in (7) allerdings ein Problem dar: (7) a. I presented/showed Mary to herself. b. * I presented/showed herself to Mary. Der oben gegebene Strukturbaum würde vorhersagen, dass das indirekte Objekt das direkte c-kommandiert, so dass (7b) grammatisch sein sollte und (7a) nicht. Das Gegenteil ist der Fall. (Ein ähnliches Problem erscheint bei Quantorenbindung, Negative Polarity Items und Crossover.) 3

Der Kontrast in (7) führt zu der Annahme, dass das direkte Objekt das indirekte c-komman-diert: (8) Mary V V [ PP to herself] Diese Analyse führt zu einem Problem mit der Wortfolge, vor allem, wenn wir zusätzlich annehmen, dass finite Verben im Englischen nicht nach I bewegt werden. Der Baum in (8) würde den ungrammatischen Satz *I Mary presented to herself generieren. Die Lösung für dieses Problem fängt mit der -Schalen-Analyse (Larson 1988) an: (9) Mary V e [ DP a book] V gave [ PP to John] Im Minimalismus wird angenommen, dass der leere verbale Kopf tatsächlich ein sog. light verb ist: (10) vp Mary v v [ DP a book] V gave [ PP to John] 4

Die korrekte Wortfolge wird abgeleitet, wenn wir annehmen, dass das Verb nach v bewegt wird. Evidenz für eine Analyse mit light verbs findet sich z.b. in sog. Verbserialisierung. Nochmals PISH Mit der Annahme, dass Doppelobjektkonstruktionen eine vp-schale enthalten, kommt die Frage auf, wie monotransitive Verben zu analysieren sind. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass auch diese Verben eine vp-projektion enthalten. Ähnliche Thetarollenvergabe in Sätzen wie die in (11): (11) a. TV violence harms children. b. TV violence does harm to children. Das Verb does trägt wenig zur Bedeutung bei, ist also ein light verb. (12) a. John threw the ball to Mary. b. John threw the ball. In beiden Sätzen hat John die gleiche Thetarolle, d.h., man würde erwarten, dass es in beiden Fällen in der gleichen Position (Spec,vP) basisgeneriert wird. (13) a. The army sank the ship. b. The ship sank. The ship hat in diesen beiden Sätzen die gleiche Thetarolle. Anzunehmen ist, dass es in beiden Sätzen in der gleichen Position basisgeneriert wird, nl. in Comp,. Dabei sind beim kausativen Verb zwei -Schalen vorhanden, beim inchoativen Verb nur eine: (14) a. [ vp [ DP the army] [ v v [ sank [ DP the ship]]]] b. [ sank [ DP the ship]] 5

Diese Analyse wird unterstützt durch Burzio s Generalisierung, die besagt, dass ein Verb nur strukturellen Akkusativ zuweisen kann, wenn es seinem externen Argument eine Thetarolle zuweist. In der -Schalen-Analyse vereint v diese beiden Funktionen. Ein letztes Argument für die vp-schale ist, dass in manchen Sprachen das light verb overt realisiert wird, wie z.b. im Baskischen oder im Tibetischen. Unakkusativische und unergativische Verben Intransitive Verben können in zwei Klassen unterteilt werden: unakkusativische Verben, deren Subjekt sich wie ein internes Argument verhält, und unergativische Verben, deren Subjekt sich wie ein externes Argument verhält. (15) a. Hans hat/*ist ein Buch gekauft. b. Hans *hat/ist angekommen. (16) a. Sie lächelt (ihr altes Lächeln). b. Sie kommt (*ihr altes Ankommen) an. (17) a. * Der gelachte Mann. b. Der angekommene Mann. c. Das gekaufte Buch. Eigenschaften, die unakkusativischen von unergativischen Verben unterscheiden: Hilfsverb im Perfekt ist bei unergativen Verben haben, bei unakkusativischen sein (sprachabhängig). Kognates Objekt erlaubt bei unergativischen Verben, nicht bei unakkusativischen. Manche Partizipialkonstruktionen sind möglich mit dem Objekt eines transitiven Verbs und mit dem Subjekt eines unakkusativischen Verbs, aber nicht mit dem Subjekt eines unergativischen Verbs. Traditionell wurde eine unterschiedliche Basisposition für das einzige Argument der beiden Verbtypen angenommen: 6

(18) a. DP V V b. V DP Problem mit dieser Analyse ist aber, dass der Unterschied nur darin besteht, dass eine leere Projektion V angenommen wird. Eine leere Projektion wie V ändert das Label aber nicht die Konstituentenstruktur und ist aus diesem Grund suspekt. Nehmen wir deshalb an, dass das externe Argument eines unergativischen Verbs in der gleichen Position basisgeneriert wird, wie das externe Argument eines transitiven oder ditransitiven Verbs, nl. Spec,vP: (19) vp DP v v XP X Diese Annahme hat den Vorteil, dass das externe Argument in Satzpaaren wie in (20) in der gleichen Position basisgeneriert wird: (20) a. John sighed. b. John gave a sigh. Manche Sprachen, wie z.b. das Baskische, haben sogan ein overtes light verb in unergativischen Konstruktionen, aber nicht in unakkusativischen. 7