Porträt. Die Gärtnerei der Lebensgemeinschaft Bingenheim - Züchtung, Saatgutvermehrung, Lebens- und Arbeitsraum. Die Aufgaben der Gärtnerei heute



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Transkript:

Porträt Die Gärtnerei der Lebensgemeinschaft Bingenheim - Züchtung, Saatgutvermehrung, Lebens- und Arbeitsraum Die Bingenheimer Gärtnerei ist ein Teil der Lebensgemeinschaft Bingenheim, eine anthroposophische Einrichtung mit Heim, Schule und Werkstätten für seelenpflege bedürftige Menschen. In der gesamten Einrichtung leben zurzeit 72 Schüler und 50 Erwachsene Menschen mit Behinderung sowie Betreuer, Werkstattleiter und Verwaltungs- und Haushaltsangestellte. Der Werkstattbereich umfasst eine Schreinerei, eine Töpferei, eine Kerzenzieherei und eine Weberei. Die ca. 100 ha bewirtschaftende Landwirtschaft mit Milchkuhhaltung und Käserei sowie der Gartenbau sind die grünen Säulen des Werkstattbereiches. Schon mit Gründung der Lebensgemeinschaft um 1950 wurde der biologisch-dynamischen Landbewirtschaftung innerhalb der Lebensgemeinschaft ein großes Gewicht verliehen. Man sah nicht nur wichtige Arbeitsfelder für die betreuten Menschen in Land- und Gartenbau, sondern auch die Möglichkeit zur Pflege der Erde. Geschichte der Saatgutvermehrung Die damals verantwortlichen Gärtner Bingenheims, Michael Giebler und Andreas Schmidt waren seit Beginn des Initiativkreises für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischem Anbau in dieser Gruppe Gärtner und Gärtnerinnen aktiv. Die Saatgutarbeit hatte schon seit Anfang der Gärtnerei einen hohen Stellenwert. Nach den ersten Jahren eines mehr informellen Austausches von Saatgut zwischen den Mitgliedern des Initiativkreises war Ende der 80er Jahre klar, dass professionelle Vertriebswege aufgebaut werden mussten. Diese Aufgabe übernahm eine GmbH, die Allerleirauh GmbH, deren Hauptgesellschafter die Lebensgemeinschaft war. Die Gärtnerei blieb ein Teil des Werkstattbereiches der Lebensgemeinschaft, wo seit 1990 Thomas Heinze die treibende Kraft zum Ausbau der Saatgutarbeit war. Mit dem Ausbau der Vertriebsstrukturen im Rahmen einer eigenständigen Firma müssen 2 oder sogar 3 Geschichten der Bingenheimer Saatgutarbeit erzählt werden. Zum einen die Geschichte der Vertriebsgesellschaft Allerleirauh, die neben Saatgut auch Produkte der anderen Werkstätten, wie Kerzen, Töpferware usw. vertreibt. Sie übergab den Bereich Saatgutvertrieb im Jahr 2001 an die Bingenheimer Saatgut AG (siehe Bericht Über uns ). Die zweite Geschichte ist die des Werkstattbereiches Gärtnerei, die ich hier darstelle. Die dritte Geschichte ist die, der seit ca. 1995 zu einem eigenen Bereich ausgebauten Züchtungsforschung im Rahmen der Arbeit des Vereins Kultursaat. So ist zum Beispiel die Möhrensorte Robila (Rote Bingenheimer lange) hier in Bingenheim entwickelt worden. Die Aufgaben der Gärtnerei heute Heute werden ungefähr 45 % der Fläche für die Gemüseproduktion im Rahmen der Versorgung der Lebensgemeinschaft bewirtschaftet. Etwa die gleiche Flächengröße dient der Saatgutvermehrung. Im Auftrag der AG machen wir hier auch Echtheitsprüfungen für Elite und Saatgutvermehrungspartien. Dabei wird überprüft, ob die Möhre, der Salat etc. dem festgelegten Sortenbild entspricht. Auf der restlichen Fläche werden die Versuche im Rahmen der Züchtung durchgeführt. Seit 1998 stehen 6 insektendichte Foliengewächshäuser für die Saatgutvermehrung und Züchtung zur Verfügung. Hier werden insbesondere 20 verschiedenen Kohlarten / bzw. Sorten sowie Lauch, Tomaten und verschiedene Elitesaatgutkulturen angebaut. Im Freiland bauen wir ca. 40 weitere Kulturen und Sorten für die Saatgutvermehrung an. Das sind neben Salaten, Kürbissen, Zucchini, Zwiebeln, Rote Bete, Buschbohnen und Möhren auch viele einjährige Blumen. Die Saatgutvermehrungen aus der Gärtnerei sind hier im Katalog mit dem Kürzel Bgh versehen. In einem beheizbaren Jungpflanzenhaus werden fast alle Jungpflanzen in eigener Anzuchterde selbst herangezogen. Der Kompostwirtschaft und der Präparatearbeit (bio-dyn Präparate nach Demeter- Richtlinien) wird eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Insgesamt stehen uns 4 Hektar Freiland, 800 m² heizbares Hochglas, 200 m² Niederglas, 2.400 m² heizbare Folienhäuser und 120 m² kaltes Folienhaus zur Verfügung. Unsere Flächen, die im Austausch mit der Landwirtschaft rotieren, sind von der Beschaffenheit sehr unterschiedlich. Im Übergang der Auenlandschaft der fruchtbaren Wetterau zum Basaltrücken des Vogelsberges wechseln sich beste Wetterauer Lößböden, schwerer toniger Auenlehm mit Basaltverwitterung und hängige Flächen mit Basaltgrundgestein schon ab 30 cm 66 Das Team in der Gärtnerei Die Betriebe des Initiativkreises

Tiefe ab. Die Jahresniederschlagsmenge liegt bei 550-650 mm Niederschlag. Die zunehmend ungünstige Verteilung der Niederschläge erfordert einen kontinuierlichen Ausbau der bisher auf ca. 1 ha Freiland begrenzten Beregnungsmöglichkeiten. Im Rahmen dieser vielfältigen Aufgaben steht der behinderte Mensch im Mittelpunkt. Dementsprechend sind wir eingebunden in die sozialtherapeutische Arbeit. Regelmäßig nehmen die Gärtner/innen an den Fortbildungen im Rahmen der therapeutischen Arbeit teil. Wöchentliche Besprechungen informieren über Einzelfälle, Ereignisse im Wohn- oder Schulbereich und über die Entwicklungen in den anderen Werkstätten. Gartenbau und Landwirtschaft gestalten Jahresfeste wie Johanni, Michaeli und Erntedank mit einer feierlichen Ernteeinbringung und mit der Herstellung des Hornmistpräparates. Die Pflege der Grünanlagen rund um die verschiedenen Gebäude der Lebensgemeinschaft wird von Gerrit Jansen mit einer Gruppe von Betreuten übernommen. Eine weitere Gruppe mit Stefan Donicke, seit Anfang 2008 dabei, kümmert sich schwerpunktmäßig um den Gemüseanbau für die Gemeinschaft und um Pflege- und Erntearbeiten in der Saatgutproduktion. Jens Müller ist als gelernter Gärtner der Fachrichtung Gemüsebau im Rahmen seiner Ausbildung zum Sozialtherapeuten zurzeit eine wichtige Unterstützung des Teams. Jens Schulz ist als Geselle mit vielen Aufgaben in Produktion und Anlagenpflege betraut. In Ausbildung sind zur Zeit Andrea Horni und Frauke Zahlow. In regelmäßigen Lehrlingsstunden ergänzen wir die praktische Ausbildung durch weitergehende Theorievermittlung. Ute Kirchgaesser ist verantwortlich für die Züchtungsarbeit in Bingenheim. Gemeinsam integrieren wir die 14 bis 18 behinderten Menschen in die tägliche Arbeit. Insbesondere im Winter helfen wir gerne in der Saatgutwerkstatt aus. Das Verlesen von Bohnen oder die Handabfüllung unter der Regie der Bingenheimer Saatgut AG sind willkommene Arbeiten für die Schlechtwetterphasen. Die Aufgaben im Kollegium Der Autor: Oliver Podszus verantwortlicher Gärtner in Bingenheim. Durch die langjährige Erfahrung ist er ein wertvoller Spezialist und Berater für Vermehrungsfragen der AG geworden. Aus der Arbeit von Kultursaat: Vom Impuls bis zur neuen Sorte Vorgehensweise bei der Entwicklung neuer Gemüsesorten von Kultursaat Von Anfang an stand bei der Kultursaat-Arbeit die sorgsame Pflege und Weiterentwicklung unserer Gemüsearten im Vordergrund. Bewährte Sorten werden erhalten und neue entwickelt alles unter dem Dach und im Auftrage des gemeinnützigen Vereins, damit die Sorten nicht wirtschaftlichen Interessen zum Opfer fallen sondern als Kulturgut erhalten bleiben. Für ein möglichst zielführendes Fortkommen bei der langwierigen züchterischen Arbeit wurden Formen der Zusammenarbeit entwickelt, die Ähnlichkeit mit der Qualitätssicherung in Unternehmen haben. Das Schaubild zeigt die verschiedenen Elemente, die an der Entwicklung einer neuen Kultursaat-Sorte beteiligt sind. Zehn Schritte zu einer neuen Kultursaat-Sorte Am Anfang steht der jeweilige Züchter, der sich mit einer oder mehreren Arten beschäftigt und ein konkretes Anliegen verfolgt. Das kann ein wohlschmeckender und prinzipiell anbautauglicher Salat sein, dessen Anfälligkeit gegenüber Pilzen verringert werden soll oder die Intensität der Durchfärbung einer Roten Bete bei gleichzeitiger Steigerung der Lagerfähigkeit. Die Aufgabenpalette ist nach wie vor sehr groß, und die individuell verschiedenen Ideen und Herangehensweisen entstehen aus dem Austausch mit Gärtnern, Händlern, Verbauchern, Qualitätsforschern etc. Diese Ansätze werden dann als konkrete Projektvorschläge gegenüber dem Vereinsvorstand formuliert, der wiederum Züchtungsaufträge erteilt. Alljährlich werden schriftliche Zwischenberichte verfasst, die den Stand der Züchtungsarbeiten dokumentieren. Gemeinsam mit den Arbeitsbesuchen durch sogenannte Züchtungs-Paten, das sind in der Regel zwei Vertreter des Vorstandes, und Gesprächen in der (für jede Kulturart spezifischen) Fachgruppe sind die Berichte Grundlage für die Entscheidung, wie die züchterische Arbeit im engeren Sinne weitergehen soll und kann. Kollegialer Austausch findet zudem auch bei den jährlich organisierten Züchtertreffen sowie bei dezentralen Kulturgruppentreffen statt. Die begleitenden Untersuchungen mit Bildschaffenden Methoden, nämlich Steigbild nach Wala und Kupferchloridkristallisation nach Pfeiffer, geben den Züchtern Orientierung bezüglich der inneren Qualität. Zuchtlinien, die der jeweilige Züchter als anmeldereif favorisiert, werden in mehreren Erwerbsgemüsebaubetrieben geprüft. Die mehrjährigen, detaillierten Rückmeldungen von diesen Probeanbauten bilden gemeinsam mit den oben genannten Dokumentationen die Beurteilungsgrundlage für den Vereinsvorstand, ob ein Sortenkandidat auf Empfehlung der Fachgruppe in die behördliche Anmeldung kommen kann oder ob noch weitere Bearbeitung nötig ist. Bei der Registerprüfung, behandelt das Bundessortenamt die Kultursaat-Sortenkandidaten genauso wie diejenigen von anderen Gemüsezüchtern und stellt die Kriterien Unterscheidbarkeit, Einheitlichkeit und Beständigkeit fest; Tomaten müssen darüber hinaus auch bzgl. bestimmter Pathogene als eindeutig resistent oder anfällig geprüft und eingeordnet werden diese Zusatzprüfungen haben schon manche Zulassung Erfolg versprechender Tomatenstämme verhindert. 67

Hintergrund Wenn das Bundessortenamt nach der in der Regel zweijährigen Prüfphase bescheinigt, dass die Sorte den Anforderungen nach dem UPOV 1 -Übereinkommen entspricht, dann ist das Entwicklungsprojekt erfolgreich abgeschlossen: eine neue Sorte ist gezüchtet - die Erhaltungszucht wird dann im Auftrage des Vereins durchgeführt. Die offizielle Zulassung dieser Sorte durch das Bundessortenamt ermöglicht, dass Saatgut von dieser Sorte verkehrsfähig wird und verkauft werden darf. Die Sortenrechte bleiben bei Kultursaat, das heißt, der gemeinnützige Verein ist Eigentümer der Sorte. Kultursaat e.v., Verein für Züchtungsforschung und Kulturpflanzenerhaltung auf biologischdynamischer Grundlage. Unter dem Dach von Kultursaat ist die biologisch-dynamische (on-farm) Gemüsezüchtung im deutschsprachigen Raum organisiert. Die Kultursaat-Züchter erhalten im ökologischen Erwerbsanbau bewährte samenfeste Sorten und entwickeln neue (samenfeste) Sorten, die sie auf den Namen des Vereins bei den Prüf- und Zulassungsbehörden (z.b. Bundessortenamt) registrieren lassen. Auf diesem Wege bleiben die Sorten Kulturgut! Sitz: Schlossstraße 22, 61209 Echzell-Bingenheim email: kontakt@kultursaat.org www.kultursaat.org Der Autor: Dipl.- Ing. agr. Michael Fleck ist seit Mai 2006 Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins Kultursaat e.v.; vor dieser Tätigkeit arbeitete er wissenschaftlich an Züchtungsfragen und der Qualität von Möhren. 1 Der Internationale Verband zum Schutz von Pflanzenzüchtungen, kurz UPOV, ist eine zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in Genf (Schweiz). Aus der Arbeit von Kultursaat: Tomatenzüchtung bei der Gärtnerei Piluweri Richard Specht ist einer der Verantwortlichen der Gärtnerei Piluweri und Mitglied im Verein Kultursaat. Eingebettet in den Tomatenanbau der Gärtnerei betreibt er ein Züchtungsprojekt zur Entwicklung neuer Tomatensorten. Im Rahmen der Züchtungsarbeit in der Gärtner von Piluweri sind bereits folgende Sorten entstanden: Milan (Möhre), Pantos (Paprika), Briweri (Kopfsalat in Kooperation mit anderen Züchtern), Avano (Porree) und für die Saison 2009: Tomate KS-RS-01. Für den Katalog stellten wir Herrn Specht einige Fragen. Was war der Beweggrund, sich ausgerechnet mit der Tomatenzüchtung zu beschäftigen? Will ein Erwerbsgärtner auf Hybridsorten verzichten, so ist das bei einigen Gemüsearten nur schwierig umzusetzen. Bei den Freilandgemüsearten Rosenkohl, Brokkoli und Blumenkohl werden fast ausnahmslos Hybriden für den Erwerbsgemüsebau empfohlen. Ähnlich prekär sieht die Situation bei den wichtigsten im Gewächshaus angebauten Gemüsearten aus: Bei Tomate, Paprika, Gurke und Aubergine stehen kaum noch samenfeste Sorten zur Verfügung. Beispielhaft hierfür die Entwicklung der Tomatensorten. Richard Specht vor dem Tomatenbestand der Gärtnerei Piluweri Zwar ist die Gesamtanzahl der registrierten Sorten im EU-Sortenkatalog in den letzten 20 Jahren gestiegen, dies ist jedoch ausschließlich auf eine rasante Zunahme bei den Hybridsorten zurückzuführen. Mittlerweile ist nur noch etwa jede fünfte in der EU zugelassene Tomatensorte samenfest. Und die samenfesten Sorten sind meist nur noch im Hobbyanbau zu finden. Das Gros der Gemüsebaubetriebe, die Tomaten für den Markt oder Handel anbauen, greift mittlerweile zu Hybriden. Auch in Ökobetrieben! Bei Sortenempfehlungen für den ökologischen Gemüsebau ist neben 30 Hybridsorten nur noch eine samenfeste Sorte aufgeführt. Wir möchten mit unserer Tomatenzüchtung, wie auch mit unseren anderen zum Teil bereits vom Bundessortenamt anerkannten Züchtungen einen Beitrag dazu leisten, dass für den ökologischen Gemüsebau wieder geeignete Sorten zur Verfügung stehen, bei denen schon während der Züchtung für den Öko-Landbau relevante Aspekte im Vordergrund stehen. Da bei den großen Saatgutfirmen in der Züchtung Techniken angewandt werden, die immer mehr in Richtung Gentechnik tendieren (zur Zeit noch beschönigend als Biotechnologie umschrieben), ist diese Aufgabe von absoluter Dringlichkeit. Seit wann beschäftigen Sie sich mit der Tomatenzüchtung und was waren die Zuchtziele? Bei den Tomaten haben wir uns 1997 auf den Weg gemacht Ziel der Züchtung in unserer Gärtnerei war immer, mittels Ausleseverfahren (= Selektion) zu samenfesten Sorten zu kommen, die auch für den Erwerbsgemüsebau geeignet sind. Das bedeutet auch, eine angemessene Ertragsleistung zu erreichen, die mit denen der gängigen Hybriden konkurrieren kann. Wie verläuft die Züchtung einer neuen samenfesten Tomatensorte? Jedes Jahr werden einzelne Pflanzen aus dem Tomatenbestand ausgewählt. Die Früchte werden extra geerntet und daraus das Saatgut gewonnen. Auf dieser Grundlage ergeben sich im Folgejahr verschiedene Stämme, die teils schon beträchtliche Unterschiede aufweisen; jeder Zuchtstamm geht also ursprünglich auf eine Tomatenpflanze zurück. Generation für Generation, Jahr für Jahr wird dann auf dieser Basis weiter gezüchtet. Folgende Kriterien sind dabei wichtig: ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ähnlicher Pflanzen innerhalb einer Nachkommenschaft), ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ rischen Prüfungen bewähren, 68

ÿdie Pflanzen müssen unempfindlich gegenüber Krankheiten sein, ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ zu schnell weich werden. Nach langen Jahren des Versuchens und Verwerfens hatten sich nun einige (Favoriten-)Stämme herauskristallisiert, auf die wir große Hoffnung setzten. Schon 2004 und 2005 haben wir auf der Hälfte unserer Tomatenanbaufläche (insgesamt ca. 1.000 m²) eigene Zuchtstämme gepflanzt. Seit 2006 verzichten wir beim Tomatenanbau komplett auf zugekaufte Hybridsorten und bauen ausschließlich unsere eigenen Züchtungen an. Ein in dieser Größe wohl einmaliges Experiment. Die Zuchtstämme befriedigten in der Fruchtqualität wie auch beim Ertrag mit guten bis sehr guten Ergebnisse. Der zum zweiten Mal auf einer Größe von 1.000 m² durchgeführte Versuchsanbau im eigenen Betrieb und zusätzlich durchgeführte Standortversuche in anderen Erwerbsgärtnereien verschiedener Lagen haben gezeigt, dass die Zuchtstämme eine Alternative zu herkömmlichen Hybriden darstellen können. Drei weitere große ökologisch wirtschaftende Erwerbsgärtnereien waren mit den Favoriten sehr zufrieden und führten in diesem Jahr den Versuchsanbau im gleichen bzw. größeren Ausmaß fort. Wie verläuft die Anmeldung der neuen Sorten? Die Anmeldungskriterien nach europäischem Saatgutrecht stellen im Moment die größte Hürde da. Die Harmonisierung der EU-Gesetzgebung hat im Laufe der Zeit zu einem recht komplizierten Anmeldeverfahren geführt. Insbesondere Kriterien wie die Einheitlichkeit der Resistenz (die Sorten müssen entweder einheitlich resistent oder komplett anfällig gegenüber den zu prüfenden Pathogenen sein) führen dann zu Problemen, wenn der entsprechende Schaderreger auf dem Züchtungsstandort nicht vorkommt und somit auch nicht im Hinblick darauf selektiert werden kann. Die dann notwendigen Untersuchungen sind extrem kosten- und zeitintensiv. Neben der Sorte KS RS 01, die die Klippen der Anmeldung überwunden hat, stehen in den nächsten Jahren noch zwei weitere Linien vor der Anmeldung (die zunächst ausschließlich wegen der Resistenz-Einheitlichkeits-Hürde zurückgestellt werden mussten). Was sind die nächsten größeren Herausforderungen? Neben dem Anmeldeverfahren beschäftigt uns die Frage der passenden Unterlagen für die Tomatenveredelung. Veredelte Tomatenpflanzen haben im Erwerbsanbau immer mehr an Bedeutung gewonnen. Entwickelt wurde das Veredlungsverfahren bei Tomaten zur Reduktion bodenbürtiger Krankheiten wie der Korkwurzelkrankheit, Verticilium, Fusarium oder auch Nematodenbefall. Auf solch resistenten Veredlungsunterlagen konnten dann auch krankheitsanfällige jedoch ertragsstarke Kultursorten kultiviert werden. Außerdem steigert die Unterlage auch die Wasser- und Nährstoffaufnahme, wodurch sich in der Regel die Wüchsigkeit und damit auch der Ertrag erhöhen. Sorten mit geringem Wurzelwachstum können so deutlichen Mehrertrag erzielen. Im Erwerbsanbau ist heutzutage eine wirtschaftliche Tomatenerzeugung ohne Veredlung praktisch nicht mehr möglich. Unterlagen sind von verschiedenen Züchtern auf dem Markt - das Spektrum konzentriert sich auf wenige Sorten mit umfassenden Resistenzen. Die Vermehrung der Unterlagen erfolgt ausschließlich unter konventionellen Bedingungen, d.h. meines Wissens gibt es keine Unterlagen aus ökologischer Saatguterzeugung. Hier zeigen sich wieder die zunehmenden Konzentrationsprozesse auf dem Saatgutmarkt und die Abhängigkeit von den großen, den Weltmarkt beherrschenden Konzernen. Wir wollen daher künftig auch eine ökologische Unterlagensorte für die Veredlung zur Verfügung stellen. Vielen Dank, Herr Specht. Die Fragen stellte Carsten Stadtlander, Bingenheimer Saatgut AG In der Registerprüfung: KS-RS-01 FAIR-BREEDING Naturata-Geschäfte unterstützen den Verein Kultursaat e.v. Der Verein Naturata International - Gemeinsam Handeln e.v. hat zusammen mit dem Verein Kultursaat ein Partnerschaftskonzept entwickelt. Mit dem Projekt FAIR-BREEDING wollen Naturata-Geschäfte Kultursaat bei der Entwicklung neuer, geschmackvoller und qualitativ hochwertiger Gemüsesorten unterstützen. Sie geben zehn Jahre lang 0,3 % ihres Obst- und Gemüseumsatzes für die biologisch-dynamische Gemüsezüchtung an den Verein. Auf der BioFach 2008 überreichte Heinz Knauss, einer der Vorstände von Naturata International - Gemeinsam Handeln e.v., den ersten Scheck in Höhe von 12.000 Euro, an Kultursaat- Geschäftsführer Michael Fleck. Bei der Scheckübergabe am Messestand von Kultursaat waren unter anderem Kultursaat- Botschafterin Elke Röder (Geschäftsführerin BNN Herstellung und Handel), Stephan Illi (Vorstand Demeter e.v.), Änder Schanck (Gründer und verantwortlich tätig in den Vermarktungsinitiativen BIOG, Biogros und Naturata) und Roland Majerus von Naturata Luxemburg und einige Naturata-Einzelhändler, sowie Kultursaat-Züchter Julian Jacobs anwesend. Derzeit nehmen deutsche, schweizer, polnische und luxemburgische Naturata- Fachgeschäfte an der Aktion FAIR-BREEDING (gerechte Züchtung) teil. Scheckübergabe während der BioFach 2008 69

Hintergrund Pflanzenzüchtung als Teil der Wertschöpfungskette Beweggrund der Kooperation ist unter anderem die Sorge um die Qualität: Wenn wir in Zukunft weiterhin und zunehmend qualitativ hochwertiges Gemüse verkaufen wollen, müssen wir uns jetzt um eine entsprechende Pflanzenzüchtung bemühen, erklärte Naturata-Vorstand Knauss. Diese Tatsache veranlasst uns, diese einzigartige Kooperation mit den biologischdynamischen Gemüsezüchtern einzugehen. Die Kooperation sei Teil einer fairen Partnerschaft zwischen Konsumenten, Handel, Anbauern und Pflanzenzüchtern. Änder Schanck, Gründer und Geschäftsführer des Naturata-Großhändlers BioGros in Luxemburg, betonte ebenfalls die Wichtigkeit der FAIR-BREEDING Initiative. Sie sei aus der Erkenntnis entstanden, dass auch die Pflanzenzüchtung Teil der Wertschöpfungskette ist. Diese wird in der Regel jedoch vernachlässigt, weil sie zu weit aus dem Bewusstsein des Handels und der Kunden gerückt ist. Bislang wird die biologisch-dynamische Pflanzenzüchtung fast ausschließlich aus Spenden und aus Zuwendungen von Stiftungen finanziert. Mit dem FAIR-BREEDING Konzept soll deutlich werden, dass der Kunde bei jedem Kauf von Obst und Gemüse einen Beitrag für diese Entwicklungsarbeit leisten kann. Auf diesen Ansatz werden Plakate und Faltblätter die Kunden in den teilnehmenden Naturata-Läden aufmerksam machen. Mit dem Geld werden zunächst die Bemühungen um samenfeste Blumenkohlsorten verstärkt. Besonders beim Blumenkohl stehen konventionelle Neuzüchtungen, die größtenteils mit fragwürdigen Verfahren wie etwa der Protoplastenfusion entwickelt werden, unserem Ideal von Pflanzenzüchtung diametral gegenüber, betonte Kultursaat-Geschäftsführer Michael Fleck. Ganz im Gegensatz zum Trend der Patentierung seien die Kultursaat-Züchtungen open-source-sorten, die nachgebaut werden können und somit allen Menschen im ursprünglichen Sinne des Kulturgutes Saatgut zur Verfügung stehen. Der dramatische Verlust an genetischen Ressourcen und die Bedrohung durch die Gentechnik sind weitgehend bekannt, erklärt Knauss. Hier tun sich enorme Probleme für den Öko-Landbau auf. Dieser braucht Sorten, die mit seinen Prinzipien im Einklang stehen und für seine spezifischen Bedingungen förderlich sind. Dazu gehören unter anderem Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge, hohe Ernährungsqualität sowie die Nachbaufähigkeit. Nach der Scheckübergabe konnten sich alle Anwesenden von der geschmacklichen Qualität der Kultursaat-Möhrensorte Rodelika und der Roten Bete Robuschka in Form eines frisch gepressten Saftcocktails überzeugen. Die Autorin: Karin Heinze ist Fachjournalistin für die Bio-Branche und den internationalen Bio-Markt. Sie schreibt unter anderem für das Online-Magazin Bio-Markt.Info, für BioHandel und die Nürnberg Global Fairs. Sie betreut außerdem seit 1994 den Verein Kultursaat und ist für die Vereinsnachrichten verantwortlich Sortenvermarktung - Gemüse mit Charakter 70 Gerade in Zeiten zunehmender Qualitätsdifferenzierungen im Bio-Bereich bieten biologisch-dynamisch gezüchtete Gemüsesorten ein neues Potential für den professionellen Anbau. Wichtig dabei ist, dass sowohl der Bio-Handel als auch die VerbraucherInnen für das anspruchsvolle Thema weiter sensibilisiert werden Die Sortenvermarktung ist ein guter Weg, die Züchtungsthematik auf allen Handelsebenen zu kommunizieren. Denn ein Gärtner oder Landwirt, der auf hochwertige Qualität setzt, kann dies dauerhaft nur tun, wenn er diese Qualität beim Verkauf seiner Produkte auch bezahlt bekommt. So ist es auch mit der besonderen Qualität, die durch die Sortenwahl und Saatgutherkunft entsteht. Dabei ist die Qualitätsfrage auf verschiedenen Ebenen zu betrachten: soziale Qualität im Wirtschaftsprozess, Sorten als Kulturgut und Nahrungsqualität sind die Stichworte. Aromatischer Geschmack und hohe Bekömmlichkeit sind wichtige Kriterien der biologisch-dynamischen Züchtung; davon kann sich der Verbraucher durch eigenes Erleben überzeugen. Ein weiterer Pluspunkt ist der regionale Bezug der Züchtungsarbeit. Durch die Deklaration von Sortennamen auf dem Markt und im Laden kann über die Frage woher stammen die Sorten? das Thema Züchtung und Kulturpflanzenentwicklung bekannt gemacht werden. Mittlerweile hat eine zunehmende Zahl von Akteuren der Naturkostbranche die Idee der Sortenvermarktung zur Differenzierung ihres Sortiments aufgenommen. Als Kommunikations- und Verkaufshilfen wurden Kistenschilder, Easy-Displays, Handzettel (für Ladner) und Sorteninformations-Blätter (für Endkunden) entworfen. Außerdem stehen eine FAQ-Mappe mit Aspekten zu den häufigsten Fragen sowie die Broschüre Biologisch-dynamische Gemüsezüchtung zur Verfügung. Inzwischen ist unsere Sortenvermarktung auf 11 Sorten ausgeweitet. Auf diese Weise kann der Marktauftritt Gemüse mit Charakter rund ums Jahr im Laden präsent sein. Bei Fragen, Anregungen und Kritik wenden Sie sich bitte an den Projektkoordinator David Egelmeers Email: info@oekoseeds.de Übersicht der Sorten mit Kommunikationskonzept

Die Bingenheimer Saatgut AG - ein Teil eines Netzwerkes Viele LeserInnen und SaatgutkundInnen kennen uns bereits seit Jahren. Einige haben uns in Bingenheim besucht, andere verfolgen unsere Entwicklung mit Hilfe von Katalog oder persönlichem Gespräch. Jedes Jahr kommen aber auch neue KundenInnen dazu. Der Katalog ist für die Selbstdarstellung somit eine kleine Herausforderung: wir wollen Ihnen die seit über 20 Jahren gewachsenen Strukturen und die Grundlagen unserer Arbeit erläutern und Sie gleichzeitig über Neuigkeiten informieren. Wir hoffen, uns ist für das Katalogjahr 2009 wieder eine interessante Mischung dieser Aspekte gelungen. Wie alles begann: der Initiativkreis für Gemüsesaatgut aus biologischdynamischem Anbau Eine Gruppe aufgeschlossener und engagierter Demeter- Gärtner und Gärtnerinnen hatte schon in den 80er Jahren erkannt, dass die Saatgutfrage zu einer Schlüsselfrage des Ökolandbaus werden würde. Das rapide Verschwinden samenfester Sorten sowie der Einsatz ungewollter Züchtungstechniken stellten nach Ansicht der ersten Mitglieder des Initiativkreises für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischem Anbau die Grundlagen der biologischen Gemüseerzeugung in Frage. Ihr Hauptanliegen war zunächst, samenfeste Sorten aus eigener biologischer und biologisch-dynamischer Vermehrung zu erzeugen. Eine große Aufgabe, denn das Wissen über Saatgutvermehrung im Gemüsebau und speziell unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus war kaum vorhanden. Der Erfahrungsaustausch im Rahmen der Initiativkreistreffen war und ist bis heute daher ein wichtiger Bestandteil des Netzwerkes. Ab 1990 übernahm die Allerleirauh GmbH (Vertrieb der Bingenheimer Werkstätten) den Saatgutvertrieb. Die Mitglieder des Initiativkreises treffen sich bis heute zweimal im Jahr. Neben den praktischen Fragen der Saatgutvermehrung werden strategische Zukunftsfragen diskutiert. Heute sind ca. 80 gärtnerische und landwirtschaftliche Betriebe Mitglied im Initiativkreis. Auf den Seiten 61-65 des Kataloges finden Sie Kurzporträts der Mitglieder sowie ihre Kontaktadresse. Zusammen initiativ sein Die ersten Probeläufe der Saatgutreinigung und Warmwasserbehandlung waren gerade erfolgt, als das neue Gebäude (siehe Aus der aktuellen Arbeit ) während des Sommertreffens des Initiativkreises benötigt wurde. Diese erste Nutzung durch die Saatgutvermehrer war ein gelungener Start für unsere Erweiterung. Denn die Pflege einer besonders intensiven Beziehung zwischen der Vertriebsfirma Bingenheimer Saatgut AG und den Saatgutvermehrern, zusammengeschlossen im Initiativkreis, ist ein Grundstein für das Gelingen unserer Arbeit. Sich als Wirtschaftspartner füreinander Zeit nehmen, Assoziation der Sache und nicht des finanziellen Gewinn willens schließen, erfordert von den Beteiligten immer aufs Neue einen besonderen Einsatz. Dies gelingt nur auf der Basis von Transparenz und Vertrauen. Bei den zweimal im Jahr stattfindenden Initiativkreistreffen wird die Basis für dieses Vertrauen geschaffen. Wenn Sie als Gärtner, Händler oder Verarbeiter unsere Arbeit genauer kennen lernen wollen, dann besuchen Sie ein Treffen des Initiativkreises. Das Wintertreffen 2008 findet vom 7. bis 9. November auf dem Bauckhof statt, das Sommertreffen 2009 vom 10. bis 11. Juli 2009. Eine Anmeldung ist zwingend erforderlich. Bitte wenden Sie sich an uns! 2 Biopatente bezeichnen Patentierung von lebenden Organismen oder Teilen. Die Gen-Patentrichtlinie der EU (rechtlicher Schutz biotechnologischer Erfindungen) ist sehr umstritten und widersprüchlich. Mehr Information unter www.no-patents-on-seeds.org Sommertreffen im neuen Gebäude Sorten sind Kulturgut ein gemeinnütziger Verein ist der Schlüssel für eine zeitgemäße Alternative in der Pflanzenzüchtung: Kultursaat e.v. Neben der grundlegenden Arbeit der Saatgutvermehrung wurde bald klar, dass die Züchtung neuer Sorten speziell für den Öko- Landbau der nächste Schritt sein musste. So wurde 1994 aus der Mitte des Initiativkreises der Verein Kultursaat e.v. gegründet. Viele Mitglieder des Initiativkreises sind Vereinsmitglieder geworden einige züchten im Rahmen ihres gärtnerischen Betriebes aktiv, andere haben sich ganz auf die Saatgutvermehrung konzentriert und unterstützen den Verein als passives Mitglied. Die Arbeit von Kultursaat e.v. ist inzwischen sehr vielfältig: Sortenentwicklung, Sortenerhaltung, Züchtungsforschung und Öffentlichkeitsarbeit erfordern viel Aufmerksamkeit. Ganz im Gegensatz zur heute von weltweit agierenden Unternehmen angestrebten Biopatentierung 2 legt der Verein Wert auf eine Betrachtung und Behandlung der Sorten als schützenswertes Gut der Völkergemeinschaft. Einen privat-wirtschaftlichen Besitz an Sorten und/oder DNA-Sequenzen lehnt er konsequent ab. Meilensteine der Entwicklung: ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ Interessierten und der Zusammenschluss des Initiativkreises für Gemüsesaatgut aus biologisch dynamischem Anbau ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ Allerleirauh GmbH den Saatgutvertrieb sowie die Saatgutvermehrung ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ die anfänglichen Züchtungsaktivitäten zu bündeln und zu stärken ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ und Kommissionierung 71

Hintergrund Die Gründung der Aktiengesellschaft: dynamische Weiterentwicklung Als die Bingenheimer Saatgut AG im Jahre 2001 als Aktiengesellschaft gegründet wurde, stellten die Gründer die neue Aktiengesellschaft ganz in die Tradition der bereits begonnenen Arbeit. Aus diesem Selbstverständnis heraus ergeben sich bis heute die wesentlichen Grundsätze der Firma. So handelt die Bingenheimer Saatgut AG ausschließlich mit ökologischem Saat- und Pflanzgut. Wir handeln nur samenfeste Sorten und bieten bewusst kein Hybridsaatgut.... sich für die Weiterentwicklung der sozialen Wirtschaftsformen einsetzen,.. Die Mitarbeiter/innen der AG pflegen einen intensiven persönlichen Kontakt zu den SaatgutvermehrerInnen und ZüchterInnen. Die gegenseitige Wahrnehmung und Transparenz in den geschäftlichen Beziehungen sind eine Voraussetzung für soziale Wirtschaftsformen. Aspekte sind zum Beispiel partnerschaftliche Bezahlungsformen und die Pflege langfristiger Zusammenarbeit. Unseren Kunden gegenüber wollen wir fair informieren und sie nicht zum Kauf überreden. Eine weitere Aufgabe der Bingenheimer Saatgut AG ist es, zwischen den Möglichkeiten und Grenzen der Züchtung, der Saatguterzeugung und den Bedürfnissen der Saatgutverwender zu vermitteln. Die Besitzverhältnisse der Aktiengesellschaft zeugen ebenfalls von anderen Wegen : es werden nur vinkulierte Namensaktien herausgegeben, d.h. die Aktien lauten auf den Namen des Käufers. Somit ist jeder Aktionär der Gesellschaft bekannt. Die Geschäftsführung und die Aktionäre legen Wert darauf, dass sich neue Aktionäre mit der ökologischen Saatgutarbeit inhaltlich verbinden. Eine möglichst hohe Dividende zu erhalten ist nicht das Ziel eines Engagements bei der Bingenheimer Saatgut AG. Die erzielten Erträge der Aktiengesellschaft werden in der Regel wieder reinvestiert; so soll die Geschäftstätigkeit stetig weiter wachsen. Bei der Gründung der Aktiengesellschaft wurden ihre Ziele in der Präambel formuliert: ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ entwickelten Sorten ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ Landwirtschaft und Gartenbau ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ Kulturaufgabe in der Gesellschaft ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ zwischen allen am Produktions- und Verbrauchsprozess beteiligten Gruppen. ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ bedürftige Menschen bereitstellen. Die Aktionäre Neben der Software AG Stiftung sind die Lebensgemeinschaft Bingenheim, Saatgutlieferanten und Kunden sowie befreundete Institutionen im Kreis der Aktionäre. Ziel ist es, alle am Produktions- und Verbrauchsprozess beteiligten Gruppen einzubinden. So soll sichergestellt werden, dass die Firma langfristig an den Bedürfnissen der Saatguterzeuger und Nutzer des Saatgutes ausgerichtet werden kann. Die Beteiligung aller Gruppen hat einen weiteren Vorteil: die Diskussion mit Aktionären ist wie eine kleine Marktforschung, denn ein Aktionär, der auch Kunde oder Lieferant ist, kann Gesichtspunkte aus den Bedürfnissen der Marktpartner einbringen. So können sehr frühzeitig Aspekte der Kunden oder Lieferanten in die Unternehmensführung einfließen. (P. Boie) Aus der aktuellen Arbeit Sortimentsentwicklung Die Erweiterung unseres Sortiments ist eine kontinuierliche und anspruchsvolle Aufgabe. Bevor eine Sorte ins Sortiment aufgenommen wird, muss sie an verschiedenen Standorten in Deutschland getestet worden sein. In den Fällen, in denen die Sorten regional unterschiedliche Ergebnisse zeigen, ist dies in der Sortenbeschreibung angegeben. Der Praxistest ist für uns das wichtigste Kriterium für die Sortenaufnahme. Genauso wichtig sind die Erfahrungen der Kunden: bitte teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit, damit wir diese an andere Kunden weitergeben und so jeweils die richtige Sorte für den entsprechenden Standort und Nutzungsbereich empfehlen können. ist in einem solchen Fall die Prüfung der Sortenrechte und Kontakt zur Züchterfirma. Wenn keine rechtlichen Bedenken sind, wird die Sorte in unserem Vergleichsanbau und auf Betrieben des Initiativkreises getestet. Wenn sich dabei die Empfehlung bestätigt, bauen wir mit einem Betrieb des Initiativkreises eine eigene Erhaltungszucht und Vermehrung auf. In diesem Jahr mussten wir einzelne Sorten aus dem Sortiment streichen, z.b. ist die Sortenzulassung der Sorte Trero (Kohlrabi) erloschen. Die Neuanmeldung einer Weiterentwicklung dieser Sorte ist geplant. Neben den Neuzüchtungen, die aus der Arbeit der Züchter- Innen bei Kultursaat e.v. entstehen, bieten wir Ihnen auch gute samenfeste Sorten von Züchtungsfirmen an. Leider dreht sich das Sorten-Karussell bei diesen Firmen so schnell, dass der Zukauf immer das Risiko birgt, eine Sorte auch wieder aus dem Programm streichen zu müssen. Immer wieder fragen uns Kunden, ob wir nicht die eine oder andere Sorte, die eine andere Saatgutfirma aus dem Programm gestrichen hat, aufnehmen können. Der erste Schritt Neu für die Saison 2009 ist zum Beispiel: Salat Cerbiatta (G 602) Für geschützte Sorten, die Mitglieder des Initiativkreises im Auftrag der Bingenheimer Saatgut AG vermehren, zahlt die Bingenheimer Saatgut AG an die Züchterfirma eine Lizenz. Die Lizenzzahlung leistet einen Beitrag zum Erhalt der Sorte und zur Refinanzierung der Züchtung. Auch für Sorten des 72

Vereins Kultursaat e.v. zahlt die AG Lizenzen. Diese Zahlungen berücksichtigen wir bei der Kalkulation des Saatgutpreises. Die SaatgutverwenderInnen beteiligen sich so durch den Kauf der Sorten an deren Erhalt und an der Entwicklung neuer biologischdynamischer Sorten. Saatgutvermehrung Aufgrund der langen Kulturzeit der Saatgutvermehrungskulturen ist die Kulturführung besonders anspruchsvoll. Widrige Witterungsverhältnisse und die Beikrautregulierung erfordern immer wieder besondere Anstrengungen. Jedes Jahr freuen wir uns über Betriebe, die mit der Saatgutvermehrung beginnen wollen. Gerade zu Beginn der Arbeit ist der Erfahrungsaustausch besonders wichtig. Seit zwei Jahren intensivieren wir unsere Aktivitäten im Bereich der Blumenkohlvermehrung. Durch eine internationale Zusammenarbeit verbessern wir unsere Vermehrungstechnik. Wie in fast jedem Projekt mussten wir auch hier mal einen Rückschlag hinnehmen, doch wir sind überzeugt, in den nächsten Jahren ein gutes Sortiment mit ausreichend Saatgut zur Verfügung stellen zu können. Besonders freut uns in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit Ver mehrern, die den Schritt in den Betriebszweig Saatgutvermehrung begonnen haben. dass die finanziellen Möglichkeiten und die Anforderungen an eine ökologische Bauweise enormen Einsatz aller Beteiligten erforderten. Dies gelang mit engagierten Handwerkern aus der Region und der Zusammenarbeit einer dänischen Spezialfirma für Saatgutreinigungsmaschinen. Die Halle für die Reinigung mit einer Firsthöhe von 8,95 m ermöglicht nun das Aufstellen der Maschinen auf einer Arbeitsbühne (ausführlich zur neuen Halle im Artikel Aus den Abteilungen ). Die Halle für Kommissionierung und Versand ist 4 m hoch und hat zur optimalen Klimaführung ein Gründach. Mit Unterstützung durch die Heiz- bzw. Kühlanlage kann so für eine optimale Klimaführung in Sommer und Winter gesorgt werden. In Holzständerbauweise erbaut, mit Isoflock gedämmt, erreicht der Bau sehr gute Isolationswerte, sodass die Heizanlage derjenigen eines Einfamilienhauses entspricht. Blumenkohlvermehrung auf dem Biolandhof Christiansen Vom Spatenstich über Grundsteinlegung zur Einweihung Im Katalog 2008 berichteten wir unter der Überschrift Große Herausforderung bereits über den ersten Spatenstich für unser neues Gebäude Die Fertigstellung der neuen Gebäude für Reinigung des Rohsaatgutes und Kommissionierung des verkaufsfertigen Saatgutes ist ein wichtiger Schritt in der kontinuierlichen Entwicklung der Saatgutarbeit des Initiativkreises für Gemüsesaatgut aus biologisch- dynamischem Anbau und der Bingenheimer Saatgut AG. Damals wie heute erfordert der Bau neuer Funktionsgebäude eine Menge Zeit und natürlich Geld. In der Planungsphase wurde schnell deutlich, Aufstellen der Wände im Dezember 2007 Blick auf die neue Halle Das Holz stammt aus heimischem Waldbau, die Ständer und Wände wurden im ca. 20 km entfernten Nidda zusammengebaut. Das Aufstellen der Wände und des Daches dauerte nur ca. 6 Wochen jeden Tag konnten wir enorme Fortschritte beobachten. Die neuen Gebäude stehen direkt neben der bisherigen Saatgutwerkstatt. Nach der vollständigen Neustrukturierung der Arbeitsabläufe zwischen den beiden Gebäuden wird in der bisherigen Saatgutwerkstatt mehr Platz für die Saatgutdiagnostik, die Abfüllung und die Büroarbeitsplätze sein. Die ehemalige Scheune der Reinigung wird zukünftig von der Gärtnerei der Lebensgemeinschaft genutzt werden können. Die Bochumer Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS-Bank) ermöglicht durch einen Kredit unseren Erweiterungsbau. Aktiv gegen Agrogentechnik Der zunehmende Einsatz von gentechnischen Verfahren in der Pflanzen- (und Tier-) züchtung sowie der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen stellt für alle Beteiligten in der Biobranche eine große Herausforderung dar. Die Bingenheimer Saatgut AG ist Mitbegründerin der Interessensgemeinschaft für gen-technikfreie Saatgutarbeit (IG-Saatgut). Die Interessensgemeinschaft bündelt das politische Engagement ökologischer Saatguterzeuger, Züchter und Erhaltungsinitiativen, initiiert Projekte und ist eine Plattform zum Wissenstransfer für ihre Mitglieder. Gemeinsam mit der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und dem Projektbüro Save our Seeds hat die Interessensgemeinschaft erneut die Aktion Bantam Mais durchgeführt. Diese samenfeste Zuckermaissorte ermöglicht HausgärtnerInnen einen Einstieg in die Themen Saatgutvermehrung, Gemüse-produktion und Gefährdung durch gentechnisch veränderte Sorten. Die IG-Saatgut, die von Dipl. Ing. agr. Siegrid Herbst geleitet wird, war auf zahlreichen Veranstaltungen mit Infostand oder Vortrag vertreten. So zum Beispiel bei dem von Save our Seeds durchgeführten Planet Diversity im Mai 2008. Es zeigt sich, dass der Einsatz gegen die Einführung der 73

Hintergrund Agrogentechnik umso effektiver ist, je mehr wir international mit den Gruppen und Initiativen zusammenarbeiten, die mit uns die gleichen Ziele verfolgen. Saatgutfragen national und international vertreten Aufgrund der gesellschaftlichen Diskussion zum Thema Gentechnik wird die Frage nach einer echten Alternative konsequentes Ökosaatgut von der Neuzüchtung über die Erhaltungszucht bis zur Saatgutvermehrung - immer stärker wahrgenommen. So sind wir auch immer häufiger auf Veranstaltungen als Redner/in oder mit einem Informationsstand gefragt. Herausragende Ereignisse im Bereich der Erwerbskunden sind dabei die Sortentage der Gärtnerei Sannmann (Hamburg), am Obergrashof (Dachau bei München) und bei Piluweri (Nähe Freiburg). Wenn Sie selber einen Sortentag in Zusammenarbeit mit uns durchführen wollen, rufen Sie uns bitte an. International Beim IFOAM-Weltkongress (International Federation Of Organic Agriculture Movements) in Modena, Italien waren Kultursaat e.v. und Bingenheimer Saatgut AG auch bei einer internationalen Veranstaltung vertreten. Auf dem Foto sieht man Vandana Shiva, die im Anschluss an Michael Fleck, Kultursaat e.v. einen Workshop zum Thema Züchtung gestaltete. Vandana Shiva vor dem Kultursaat-Plakat bei der IFOAM Tagung in Modena 2008 Während des Sortentages Gärtnerei Sannmann (P. Boie) 74 Das Team in Bingenheim, von links nach rechts: Paula Walka (Administration, Wiederverkäufer), David Egelmeers (Projekte, Marketing), Christian Pochodzala (Beratung, Verkauf), Petra Boie (Geschäftsführung, Vertrieb); Johannes Plantener (Versand, Haustechnik), Bettina Belter (Auftragsabwicklung, Buchhaltung), Harald Nomins (Abfüllung, Lagerwirtschaft), Klaus Kopp (Beratung, Außendienst), Andreas Wisbar (Einkauf, Vermehrungsbetreuung), Gabriele Plantener (Abfüllung, Betreuung), Mechthild Humpert (Qualitätsmanagement, Abfüllung, Beratung), Dirk Gärtner (Reinigung), Gebhard Rossmanith (Geschäftsführung, Einkauf), Ragna Hinke (Leitung Saatgutdiagnostik), (vorne) Birgit Groll (Saatgutdiagnostik), Kersten Pipp (Saatgutdiagnostik); Sabine Mogk (Kommissionierung und Saatgutdiagnostik). Es fehlen: Carsten Stadtlander (Sorteninformationssystem), Maike Jäger (Buchhaltung, Versand), Franz Gauder (Reinigung), Dieter Frels (maschinelle Abfüllung).

Aus den Abteilungen: Der Bereich Saatgutaufbereitung und -behandlung MitarbeiterInnen der Bingenheimer Saatgut AG stellen Ihnen an dieser Stelle die verschiedenen Bereiche des Unternehmens vor. Nachdem wir im letzten Jahr die Abteilung Verkauf vorgestellt haben, folgt in diesem Jahr der Bereich Saatgutaufbereitung. Die Saatgutaufbereitung und -behandlung bildet zusammen mit dem Saatguteinkauf und der Saatgutdiagnostik den Bereich Produktion der Bingenheimer Saatgut AG. Durch unsere regelmäßigen Schnittstellengespräche gewährleisten wir einen optimalen Zusammenklang der verschiedenen Arbeitsschritte vom Rohsaatgut bis zum geprüften Verkaufssaatgut. Nach einer intensiven Planungsphase haben wir in der zurückliegenden Aufbereitungssaison unser Bauvorhaben zur Errichtung eines ökologischen Niedrigenergie- Hallenneubaus umgesetzt. Die Fertigstellung erfolgte im Sommer 2008, und die anstehende Aufbereitungssaison, die ab September begonnen hat, werden wir nun erstmals im neuen Gebäudekomplex durchführen. Die Technik wurde aus dem Altgebäude übernommen, allerdings mit Modifikationen an fast allen Maschinengestellen. Komplett neu sind die Arbeitsbühnen der Maschinenstraßen mit zwei Strängen. Modernisiert haben wir die Saatguttrocknung, die uns eine verbesserte Arbeitseffizienz und eine schonendere Trocknung ermöglicht. Eine neue Kalibriermaschine, eine Absack- sowie Bigbag Umfüllstation und weitere technische Neuerungen bringen Arbeitserleichterung und Zeiteinsparung bei den Arbeitsabläufen sowie Entzerrung der Arbeitsspitzen in der Reinigungssaison. Unsere Arbeitsfläche hat sich mehr als verdreifacht und die neue Aspirations-Filteranlage trägt zu einem gesunden Raumklima bei. Das geschlossene System der Filteranlage führt die von Stäuben und Kleinteilen befreite Luft wieder gereinigt in die Halle zurück, sauberer als die Außenluft! In der Warenannahme werden die Warenbegleitpapiere kontrolliert und die erste sinnliche Qualitätsprüfung (z.b. Feuchtigkeit und Verunreinigungsgrad) durchgeführt. Nach erfolgter Kennzeichnungsprüfung nach der EG-Bio- Verordnung und Einbuchung in unser EDV-System kann das Saatgut die verschiedenen Aufbereitungsstufen durchlaufen. Für Großpartien stehen entsprechend dimensionierte Maschinen bereit, wie z.b. Dreschmaschine, Bürstenmaschine, Grundreinigungsmaschine, Bandausleser, Trieur, Tischausleser, Kalibriermaschine, Fotozellenausleser sowie die Umfüll- und Absackstation für Großgebinde. Für kleinere Partien steht eine zweite Aufbereitungsstraße mit entsprechend dimensionierten Maschinen zur Verfügung. Zudem ist auch Platz für Handarbeit mit diversen Sieben und weiteren Hilfsmitteln. In der Aufbereitungshalle arbeiten wir bei Großpartien mit einem Container-System für Saatgut, das von der Warenannahme bis zur Saatgutabsackung benutzt werden kann. Es ist eine große Arbeitserleichterung da wir die Container, Trocknungskisten sowie Euro-Paletten mit gereinigtem/ungereinigtem Saatgut bzw. Sackware komplett mit einem Elektro-Gabelstapler beschicken und bewegen können und zwar in allen Bereichen der Aufbereitung und Behandlung. Franz Gauder und Dirk Gärtner in der neuen Reinigungshalle Dirk Gärtner beim Aufbau der Aspirationsanlage Der Gebäudekomplex ist aufgeteilt in den Vorraum, die Aufbereitungshalle sowie den Kommissionier- und Versandbereich. Zum Vorraum gehören Arbeitsräume für Warmwasserbehandlung sowie Saatguttrocknung. Angegliedert ist ein Kühlraum mit einem Hochlagerregalsystem. In diesem Kühlraum werden die aufbereiteten Saatgutpartien gelagert und bei einer Temperatur von < 15 C sowie einer Luftfeuchte von < 45/50 % geführt, um Qualitätsverluste sowie Schädlingsbefall bei der Lagerhaltung auszuschließen. Da wir bereits mit einem Qualitätsmanagementsystem arbeiten, haben wir den Neubau natürlich in dieses System integriert. Wir setzen im Gesamtbetrieb die Arbeitsanweisungen aus unserem Qualitätshandbuch um. Die bestmögliche Saatgutqualität zu erreichen ist unser Ziel und der Bereich Saatgutaufbereitung hat dabei eine Schlüsselfunktion. Je nach Art, Sorte und Saatgutbeschaffenheit der einzelnen Partien wird gedroschen, gerieben, gereinigt, gesiebt, warmwasserbehandelt und kalibriert. Die Rückstellprobe wird in der Saatgutdiagnostik untersucht. Werden bei den Untersuchungen signifikante Befallszahlen von samenübertragbaren Krankheiten festgestellt, so werden in der Saatgutdiagnostik verschiedene Probebehandlungen durchgeführt. Hiernach richtet sich dann die Warmwasserbehandlung welche im Anschluss an der gesamten Partie durchgeführt wird. Danach wird schonend (< 30 C) in der Saatguttrocknung zurückgetrocknet und erneut untersucht. In der Saatgutaufbereitung arbeiten von September-Februar in Teilzeit Franz Gauder sowie in Vollzeit Dirk Gärtner. Weiterhin würden wir uns in der Zeit von September bis Februar über einen PraktikantenIn freuen. Anfragen oder Bewerbungen an dirk.gaertner@oekoseeds.de oder weitere Informationen in der Stellenausschreibung unter www.oekoseeds.de Für den Bereich Saatgutaufbereitung: Dirk Gärtner 75

Nützliches Pikierstäbchen aus Eichenholz: Zum Vereinzeln und Verpflanzen von Sämlingen. Durch die abgerundete Spitze werden zarte Pflänzchen geschont. Die unterschiedlich dicken Enden sind für verschieden große Sämlinge geeignet. Preis netto: 3,75 (zzgl. 19%MwSt. und Versandkostenpauschale) Art. Nr. Z002 Blumentopf Handgetöpfert Der wunderschöne Topf hat einen Durchmesser von 10 cm. Die Töpfe und Untersetzer werden hergestellt von Menschen mit Behinderung in der Töpferei der Lebensgemeinschaft in Bingenheim. Ideal in Kombination mit den Kräutersaatscheiben Dill, Basilikum und Rucula. Farblich sortiert, mit Untersetzer Preis netto: 5,85 (zzgl. 19%MwSt. und Versandkostenpauschale) Art. Nr. Z004 NEU! Kräuterschilder Diese Kräuterschilder (ca. 9 cm) verschönern jedes Kräuterbeet. Mitgeliefert wird ein 68 cm langer Kupferstab. Hergestellt werden die Schilder auch in der Lebensgemeinschaft Bingenheim. Bei Abnahme größere Stückzahl setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Längere Lieferzeiten sind möglich. Postkarten: Urformen des Lebens - Durchlichtet Das Wundervolle im Gewöhnlichen, eine Auswahl aus Bildern einer Ausstellung von Stefan Pötzsch (Fotograf und Heilpädagoge in Bingenheim). Postkarten mit atemberaubenden Bildern durchleuchteter Pflanzenquerschnitte. 8 Karten in einer wunderschönen Verpackung zum Verschenken oder Versenden. Preis netto: 5,30 (zzgl. 19%MwSt. und Versandkostenpauschale) Art. Nr. Z003 Saat-Gutschein Ein ideales Geschenk für leidenschaftliche Gärtner/innen. Gutschein in Höhe von 25 oder 50 inklusive Katalog und Infobroschüre Biologisch-dynamische Gemüsezüchtung. Auch schön in Kombination mit Saatgut-Geschenkbox, Pikierstäbchen oder Postkarten Urformen des Lebens Art. Nr. ZG 25 Art. Nr. ZG 50 Preis Kräuterschild mit Kupferstab: netto 3,90 (zzgl. 19% MwSt. und Versandkostenpauschale) Art. Z008 Koriander (Art.Nr. Samen K31) Art. Z009 Zitronenmelisse (Art.Nr. Samen K90) Art. Z010 Majoran (Art.Nr. Samen K45) Art. Z011 Thymian (Art.Nr. Samen K70) Buch Gemüse aus dem Garten NEU! Immer wieder fragen uns Kunden nach einem guten Gartenbuch. Die Auswahl fällt schwer, denn es gibt viele gute Bücher, eines davon können Sie jetzt auch bei uns bestellen. Christel Rupp Landwirtschaft studiert und bewirtschaftet seit vielen Jahren einen eigenen Bio-Gemüsegarten. Sie arbeitet als freie Autorin regelmäßig für verschiedene Gartenzeitschriften und Fachmagazine. Sie hat viele Jahre die Demeter-Gartennachrichten verfasst. Aus dem Inhalt: Erfolg beruht auf einer geschickten Planung des Nutzgartens mit Mischkultur und Fruchtwechsel. ÿ ÿ ÿ spezielle Anbautechniken für lohnende Gemüse-Arten. ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ ÿ Ernte zu beachten gibt, steht in den Kulturanleitungen. ÿ ÿ ÿ ÿ lige Sorten versprechen guten Anbauerfolg. 13,92 netto zzgl. 7%MwSt. (zzgl. Versandkostenpauschale) Art.Nr. Z007 Buch Blütenorgien NEU! Diese limitierte Sonderedition von Andrea Heistinger, Gebhard Kofler & Markus Zuber ist nicht im Buchhandel erhältlich. Das wunderschöne, 80seitige Buch enthält zahlreiche Farbaufnahmen. In unserer rationalen Welt haben wir unsere Gemüse auf ihre Nützlichkeit und nach Blütenpflanzen auf ihre Zierde reduziert. Die Autoren stellen diese Ordnung in Frage und werfen im Buch Blütenorgien neue Blicke auf zwölf bekannte Gartenpflanzen, deren Blüten essbar sind: Glockenblumen und Dahlien, Begonien und Taglilien und einige andere Köstlichkeiten. Art.Nr. Z006 26 netto zzgl. 7% MwSt. (zzgl. Versandkostenpauschale) dazu passend: unsere Zusammenstellung Essbare Blüten B570 N 76