2.5 Prozessmodellierung Die Prozessmodellierung ist eines der zentralen Basiselemente des Business Process Managements sowie der Ausgangspunkt des Prozesslebenszyklus. Zudem stellt sie im Hinblick auf die Implementierung und Umsetzung von Prozessmodellen in SAP NetWeaver den Schwerpunkt dieser Arbeit dar. Nach Haux 1 definiert sich die Geschäftsprozessmodellierung als eine Methode zur Modellierung von Abläufen unter Berücksichtigung der zur Durchführung notwendigen Parameter und Funktionen. Stub 2 versteht unter Geschäftsprozessmodellierung eine methodisch geleitete Tätigkeit, die den Anwendungsbereich gleichartiger Geschäftsprozesse mit Hilfe einer Modellierungssprache in ein Modell überführt. Die Modellierung von Geschäftsprozessen wird mit Hilfe sogenannter Modellierungsnotationen erstellt. Eine gute Prozessmodellierungsnotaion zeichnet sich nach Weber durch folgende Eigenschaften aus 3 Ausdrucksfähigkeit: Ist es aus fachlicher Sicht möglich alle Prozesse und die darin enthaltenen Elemente abzubilden? Durchgängigkeit: Besteht die Gefahr, dass bei der Überführung des fachlichen Modells in das technisch ausführbare Modell Inkonsistenzen entstehen? Kompilierbarkeit: Unterstützt die Modellierungsnotation überhaupt die Transformation in eine ausführbare Modellsprache? Automatisierung und Round-Tripping: Ist es möglich die Transformation der grafischen Modellierung in auszuführenden Code zu automatisieren, ohne dass manuelle Nachbearbeitung notwendig ist? Unterstützung durch BPM-Systeme: Wird die gewünschte Notation von gängigen BPM-Tools unterstützt? Die Geschäftsprozessmodellierung stellt nicht nur den Ausgangspunkt des Prozesslebenszyklus dar, sondern repräsentiert auch die wichtige Schnittstelle zwischen Fachund IT-Abteilung. 4 Die Überführung des fachlichen in ein ausführbares Modell ist zudem in 1 Vgl. Haux 2 Vgl. Stub S. 23 3 Vgl. Internetquelle1, S. 25 ff 4 Vgl. Internetquelle 7, Teil 1
der Wissenschaft und Praxis ein viel diskutiertes sowie umstrittenes Thema. 5 Nicht zuletzt aus dem Grund, dass die Ausdrucksfähigkeit, Durchgängigkeit, Synchronisationsfähigkeit und Kompilierbarkeit einer Notation Auswirkungen auf den gesamten Prozesslebenszyklus, die effektive und wertsteigernde Nutzung eines BPM-Systems und somit einer SOA-Landschaft im Ganzen hat. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Notationsarten herausgebildet. Im Zusammenhang mit dem SAP NetWeaver sind jedoch die ereignisgesteuerte Prozesskette sowie die Business Process Modeling Notation von zentralem Interesse und werden im folgenden Abschnitt näher erläutert. 2.5.1 Ereignisgesteuerte Prozesskette-EPK Die ereignisgesteuerte Prozesskette wurde 1992 in Kooperation zwischen dem Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Saarbrücken 6 und der SAP AG entwickelt und verbreitet. Vor allem in Deutschland hat sich seither die EPK in der Praxis als Modellierungsstandard etabliert. 7 Der Grundgedanke einer ereignisgesteuerten Prozesskette stützt sich auf der Idee, dass Ereignisse Funktionen, oder beendete Funktionen Ereignisse auslösen. Funktionen bilden Tätigkeiten ab, die durchgeführt werden müssen. Ereignisse wiederum stellen Zustände dar, die entweder aus der ausgeführten Tätigkeit resultieren, oder den Ausgangszustand eines noch nicht durchgeführten Prozesses beschreiben. 8 Weiterhin werden durch verschiedene Verbindungselemente beziehungsweise Operatoren logische Abläufe eines Geschäftsprozesses modelliert. Neben der ursprünglichen EPK, die auf eine geringe Anzahl von Symbolen zurückgreift, sind verschiedene Abwandlungen wie die erweiterte EPK (eepk) entstanden, bei der beispielsweise eine detailliertere Funktionsbeschreibung möglich ist. Überdies wurde die EPK vorrangig für die fachliche Prozessdokumentation entworfen. Dieser Grundsatz wird nicht zuletzt durch die intuitive Modellierungsart sowie durch die Eindeutigkeit und Interpretierbarkeit der Notation deutlich. 9 5 Vgl. ebd 6 Vgl. Internetquelle 6 7 Vgl. Internetquelle 8 8 Vgl. Internetquelle 9 9 Vgl. Internetquelle 10, S. 13
2.5.2 Business Process Modeling Notation BPMN Die Business Process Modeling Notation ist im Gegensatz zur EPK eine relativ junge Modellierungsnotation. Sie wurde von dem IBM-Mitarbeiter Stephen A. White im Jahr 2002 entworfen, später von der Business Process Management Initiative veröffentlicht und schließlich im Jahr 2005 an die Object Management Group übergeben (OMG) die BPMN 2006 zu einem Modellierungsstandard erklärte. 10 Desweiteren liegt BPMN in der aktuellen Ausführung 1.2 vor, jedoch ist für Mitte 2010 die überarbeitete Version 2.0 geplant. Die Intuition für die Entwicklung einer alternativen Modellierungsnotation wurde in der Einleitung dieser Arbeit bereits angedeutet. Dieselben Argumente finden sich auch in der BPMN-1.0-Spezifikation der BPMI wieder: The primary goal of BPMN is to provide a notation that is readily understandable by all business users, from the business analysts,,to the technical developers,,and finally, to the business people who will manage and monitor those processes. Thus, BPMN creates a standardized bridge for the gap between the business process design and process implementation. 11 Das primäre Ziel ist demnach einen Notationsstandard bereitzustellen, der nicht nur den fachlichen- oder den IT-Bereich separat anspricht, sondern in seiner Konzeption beiden Abteilungen verständlich und nützlich ist. Auf diese Weise sollen Missverständnisse und Verständigungsbarrieren zwischen Modellierungs- und Implementierungsebene beseitigt werden. Zudem wird eine direkte Ausführung der Prozessbeschreibung in einer Prozesslaufzeitumgebung angestrebt, um Schnittstellen und somit weitere Fehlerquellen sowie Zeitverzögerungen zu eliminieren. Dies ist auch ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf die effektive Umsetzung einer SOA-Umgebung. Wird eine Implementierung neu komponierter Prozesse durch die Überwindung vieler Schnittstellen ausgebremst, ist das Ziel des Echtzeitunternehmens nur schwerlich umzusetzen. Im nächsten Abschnitt werden die Sprachelemente und Konventionen der beiden Notationen EPK und BPMN vorgestellt. Anschließend soll dann am Beispiel des SAP-NetWeavers untersucht werden, inwiefern mit Hilfe von BPMN die oben genannten Ziele umsetzbar sind und die Notation mit der EPK, vorwiegend im deutschen Raum, um die Position des gängigen Standards konkurriert. 10 Vgl. ebd 11 Vgl. Internetquelle 11 S. 1
2.5.3 Sprachelemente und Konventionen von EPK und BPMN Wie bereits in Abschnitt 2.5.1 erwähnt, beschreibt eine EPK die Ablauforganisation eines Unternehmens. Dabei wird die logische Abfolge sowie das Zusammenwirken von, Prozesselementen, Daten, Informationssystemen, Organisation sowie Erzeugnissen dargestellt. Die Ausgangs- und Endpunkte werden durchgehend von Ereignissen repräsentiert. Diese bestimmen auch welche Zustände beziehungsweise welche Bedingungen einen Prozess auslösen und welche Zustände die Beendigung eines Prozesses definieren. 12 Des Weiteren kann ein Ereignis verschiedene Funktionen zur selben Zeit auslösen und genauso sind mehrere Ereignisse als Ergebnis von Funktionen möglich. Für die Darstellung von Verzweigungen kommen sogenannte Konnektoren zum Einsatz. Diese dienen jedoch nicht nur der Verbindung zweier Elemente, sondern beinhalten auch logische Operatoren wie beispielsweise And Or oder X-OR. 13 Die BPMN greift auf sehr ähnliche Notationselemente zurück wie die EPK. Jedoch fordert das ambitionierte Ziel der BPMN nicht nur als eine fachliche Prozessdokumentation wie die EKP zu fungieren 14, sondern auch informationstechnologische Konventionen zu berücksichtigen, eine spezifischere und detailliertere Dokumentation. Die grafischen Symbole der Business Process Modeling Notation unterteilen sich zunächst in die Kategorien: Flow Objects Connecting Objects Pools und Lanes sowie Artefacts. 15 Die Flow Objects umfassen weiterhin sogenannte Gateways (Konnektoren), Activities (Aufgabe), und Events (Ereignisse). Das Gateway ist als ein Entscheidungspunkt beziehungsweise als Konnektor zu definieren, welchem logische Operatoren wie AND OR, X-OR oder auch Events zugeordnet werden können. Es wird durch eine Raute dargestellt. Eine Activity repräsentiert eine Aufgabe innerhalb eines Geschäftsprozesses, die abgearbeitet werden muss und wird durch ein an den Ecken abgerundetes Rechteck symbolisiert. Des 12 Vgl. Internetquelle 8 13 Vgl. Internetquelle 8 14 Vgl. ebd 15 Vgl. Internetquelle 11 S. 2ff
Weiteren lassen sich Activities in einfache Tasks sowie in komplexere Subprocesses untergliedern. 16 Schließlich stellen Events Ereignisse dar, welche während eines Geschäftsprozesses auftreten können. Jedes Event entsteht durch einen Auslöser (Trigger) und endet mit einem Ergebnis (Result). Ferner wird zwischen der Position wie Start, Intermediate und End-Events, der Wirkung im Geschäftsprozess also ein Catching- oder Throwing-Event und nach der Art wie Timer- oder Nachrichtenevent unterschieden. 17 Die Connecting Objects unterteilen sich in sogenannte Sequence-, Message und Association- Flows. Sequence Flows sind Verbindungskanten zwischen Flow-Objects in Form von durchgehenden Pfeilen und bestimmen in welcher Abfolge Activities durchlaufen werden. Message Flows hingegen verbinden Pools (Benutzerrollen) oder Flow Objects miteinander und weisen darauf hin, dass zwei Objekte des Diagramms Nachrichten austauschen. Associations dienen zur Verdeutlichung des Inputs sowie Outputs von Activities und werden durch einen gepunkteten Pfeil symbolisiert. 18 Ferner stellen Pools Benutzerrollen des Prozessablaufs dar, welche durch Lanes nochmals unterteilt werden können. Schließlich dienen Artefacts in ihrer Ausprägung als Annotations oder Data Objects zur Repräsentation von Dingen denen eine bestimmte Bedeutung beigemessen wird. Data Objects sind zum Beispiel benötigte Inputs oder generierte Outputs von Activities. 19 In der folgenden Abbildung werden die gängigen grafischen Elemente der EPK und der BPMN nochmals dargestellt. 16 Vgl. ebd 17 Vgl. Internetquelle 12 18 Vgl. Internetquelle 11 S. 2ff 19 Vgl. ebd
EPK BPMN Ereignis/Event Ereignis Start Inter med End Funktion Funktion Activity Konnektor /Gateway Organisationsaspekte Λ Λ XOR Organisation V Pool + X O Lane Stelle Datenfluss Kontrollfluss Message Flow Flow Quelle: Selbsterstellte Abbildung nach: Internetquelle 10 S. 32 20 20 Die vorgestellten Elemente stellen lediglich einen Ausschnitt und nicht den vollständigen Umfang der _jeweiligen Notation dar. Bei der EPK: Auszug aus 140 Symbolen (ARIS Toolset V.7), BPMN Auszug aus 37 _Symbolen (Introduction to BPMN 2006,OMG)