VÜD Verband der VÜD Übersetzer und Dolmetscher e.v. Membre de la Fédération Internationale des Traducteurs (F.I.T.) Paris

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1 VÜD Verband der VÜD Übersetzer und Dolmetscher e.v. Membre de la Fédération Internationale des Traducteurs (F.I.T.) Paris Informationsbrief 4/2010 Die zwei Hälften des Dolmetschers *) 1. Ein paar gute Wünsche auf den Weg Auf die immer wieder gestellte Frage, wie man denn am ehesten ein guter und erfolgreicher Dolmetscher wird, gibt es ebenso viele, verschiedenartige Antworten wie Fragesteller in oft unterschiedlichen Berufs- und Lebenssituationen. Was es aber nicht gibt, ist ein Patentrezept. Weder fürs Dolmetschen insgesamt und noch erst recht nicht für das besonders intensiv hinterfragte simultane Dolmetschen, also das Konferenzdolmetschen. Nach medizinischen und psychologischen Untersuchungen zur Funktionsweise des menschlichen Hirns, durchgeführt an mehreren Universitäten in Deutschland, Frankreich und Italien, ist Simultandolmetschen physiologisch gar nicht möglich. Und doch findet es statt - seit seiner Weltpremiere in den Wochen und Monaten des Nürnberger Prozesses noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bedaure es, dass ich an dieser Stelle Ihre Lektüre des Artikels von Wolfgang Ganthus unterbreche, aber ich muss mich wie auch in den zurückliegenden Jahren - wieder an die Mitglieder unseres Verbandes wenden, die immer noch nicht ihren Mitgliedsbeitrag für 2010 überwiesen haben. Ich bitte Sie inständig, das möglichst sofort zu tun. Wir sind ein Verband, der sich im Wesentlichen durch sehr viel ehrenamtliche Arbeit auszeichnet, aber wir benötigen eben auch Geld, die Beiträge, um die Arbeit des Verbandes abzusichern, um in Ihrem Sinne zum Wohle unseres Berufsstandes aktiv zu werden. Es ist ernst. Wir werden auch jeden der über 60 Säumigen noch einmal mit einer benachrichtigen. Ich denke, dass jeder weiß, ob er betroffen ist oder nicht, ich denke dabei auch an die 6 Säumigen, die noch nicht ihren Beitrag für 2009 überwiesen haben, obwohl sie mir das telefonisch mehrfach zugesagt hatten. Bitte werden Sie aktiv. Bernd Schofeld Schatzmeister Da die Fragerei nicht nachlässt, soll hier eine Antwort versucht werden, auch wenn sie sicher nur Bruchstücke des großen bunten Bildes aufzeigt. Diesem Versuch liegt nicht Selbstüberhebung zugrunde, sondern ganz einfach nur ein langes Dolmetscherleben, das vor nunmehr fast sechs Jahrzehnten in einer nach heutigen Maßstäben mittelalterlich anmutenden Kabine in der Ostberliner Luisenstraße begann und immer noch aktiv anhält.

2 2 Informationsbrief des VÜD Nr. 4/2010 Gutes Dolmetschen ist teuer. Schlechtes Dolmetschen kann den Auftraggeber (und den Dolmetscher) noch teurer zu stehen kommen. Das A und O ist Qualität in Inhalt und Form der Darbietung. Es kann für die berufliche Karriere tödlich sein, sich darauf zu verlassen, dass irgendwo am anderen Ende der Leitung ein Heinzelmännchen sitzt und nachbessert. Eine Konferenz ist nicht nur für den Dolmetscher vorm Mikrophon anstrengend, sondern auch für den Kunden unterm Kopfhörer. Nicht zuletzt deshalb sind wir zeitlebens darum bemüht, das Gedolmetschte in schönst möglicher Sprache auf dem Silbertablett zu servieren. Zuhören in stundenlang strapazierter Aufmerksamkeit soll nicht nur Informationen rüberbringen, sondern auch Spaß machen. Am besten, man merkt gar nicht, dass da ein Dolmetscher dazwischen hängt - oder man merkt es ein wenig und empfindet es als angenehm. Es soll ja schon vorgekommen sein, dass sich ein Dolmetscher präziser, gepflegter, humorvoller, unterhaltender ausdrückt als mitunter ein wenig geübter Redner. In jedem guten Dolmetscher steckt ein kleines Stück Entertainer, wie man auf Neudeutsch sagt. Aha, Räuspern, Lachen, Stöhnen haben beim Dolmetschen (nicht nur simultan) nichts zu suchen. Wenn es denn schon sein muss, Räuspertaste drücken. Scheint selbstverständlich und wird in der Hitze des Gefechts doch so oft vergessen. Wir alle in der Dolmetscherzunft haben unsere helle Freude an schnellen Rednern. Jedoch als Dolmetscher über Schnellredner zu lamentieren, kommt einem Armutszeugnis gleich. Was ist das für ein Steinmetz, der über die Härte des Steins jammert? Ein im Feuer jahrelanger Dolmetschsituationen gereifter Sprachmittler kann allemal mindestens ebenso schnell sprechen wie ein schneller Redner. Das muss notfalls immer wieder geübt werden, hängt aber auch von den fürs Dolmetschen erforderlichen Persönlichkeitsmerkmalen ab, von denen noch die Rede sein wird. Hier nur so viel: Um im Wettlauf mit dem Redner Zeit zu gewinnen, gehört die Kunst, in Sekundenbruchteilen Redundanz zu erkennen und wegzulassen. Wenn die örtlichen Verhältnisse es zulassen, soll man Blickkontakt zum Publikum suchen und kontinuierlich die Reaktionen der Zuhörer beobachten, so wie dies auch jeder gute Redner tun sollte. (Wörtlich vorbereitete Redemanuskripte gehören in die Vorbereitungsphase, nicht aber aufs Rednerpult.) Konferenzdolmetschen besteht aus drei Hauptarbeitsgängen: erstens Aufnahme, zweitens Transformationen, drittens Wiedergabe. Mit diesen drei Operationen sind wir vollauf ausgelastet (wobei zur zweiten noch einiges anzumerken sein wird). Wir sollten uns deshalb ohne Not nicht freiwillig einen vierten Arbeitsgang aufbürden, das Lesen. Vom Blatt simultan zu dolmetschen ist nicht unbedingt optimal. Wohl aber brauchen wir das Blatt zur gründlichen Vorbereitung vor Einsatzbeginn. Wir sind gut beraten, Dolmetschaufträge selektiv anzunehmen, aber meist anzunehmen. Also kein Hasardspiel auf total unbekanntem thematischen Glatteis, aber auch keine übertriebene Ängstlichkeit. Die allseits bekannten erfolgreichen und viel beschäftigten Kollegen sind nicht zuletzt deshalb erfolgreich, weil sie sich nicht scheuen, täglich Neuland zu betreten. Dabei auch mal auszurutschen, dagegen ist niemand gefeit, und davon geht die Welt nicht unter. Aber Ausrut-

3 3 Informationsbrief des VÜD Nr. 4/2010 scher lassen sich auf ein Mindestmaß reduzieren, wenn wir es schaffen, uns auf hohem Niveau ein breit gefächertes Halbwissen anzueignen. Das geht nur mit lebenslanger Weiterbildung, und zwar nicht vorrangig auf organisierten Lehrveranstaltungen, sondern durch radikale Einstellung unserer täglichen Lebensführung auf den Beruf. Das heißt zum Beispiel für einen Englischdolmetscher täglich eine halbe Stunde BBC am Frühstückstisch oder beim Zähneputzen, ehe der Arbeitstag beginnt, den Economist abonnieren und regelmäßig lesen und fremdsprachige Kontakte suchen und pflegen und stets mit gespitzten Ohren zuhören und Literatur in der Arbeitssprache lesen und vieles andere mehr. Täglich auch nur eine einzige neue Erkenntnis, das macht 365 jedes Jahr und das multipliziert mal XYZ. Ich muss selbst beim größten Redetempo mitdenken, sonst kann ich nicht dolmetschen. Für mich gibt es beim Dolmetschen keinen Automatismus, kein mechanisches Übertragen von Wörtern und Sätzen. Keine Müdigkeit vorschützen, keine Nervosität, auch nicht bei häufigem Umschalten von einem Kanal auf den anderen. Immer die Ruhe bewahren. Dass dies alles leichter gesagt ist als getan, davon kann der Autor selbst ein jahrzehntelanges Lied singen. An dieser Stelle nur soviel zum Arbeitsgang der Transformation, der für sich allein ein ganzes Kapitel füllen könnte. Die Prozesse, die, wie eingangs erwähnt, andere Autoren als physiologisch unmöglich bewerten und die dennoch stattfinden, spielen sich im Dolmetscherhirn in Bruchteilen von Sekunden ab. Dabei werden eben nicht nur Worte und Sätze transformiert, sondern kulturelle Zusammenhänge, national geprägte Versionen der Logik, der Ausdrucksweise, des Humors, ganze Mentalitäten. Deshalb ist die gute Beherrschung der meist nur einen Arbeitsfremdsprache (der Anspruch von drei oder mehr erregt berechtigten Argwohn) und natürlich der eigenen Muttersprache eine entscheidende Voraussetzung für unseren Beruf, macht aber nur den halben Dolmetscher aus. Die andere Hälfte soll uns in einem weiteren Beitrag beschäftigen. Wolfgang Ghantus *) Nachdruck aus dem Informationsbrief des Verbandes der Übersetzer und Dolmetscher Berlin, Nr. 3 und 4/1998 Pressemitteilung: München, im Juli 2010 Ausschreibung für den C.H.Beck- Übersetzerpreis 2011 Der C.H.Beck-Übersetzerpreis, gestiftet von der C.H.Beck-Stiftung, wird alle zwei Jahre für die Übersetzung eines Werkes aus dem Bereich der wissenschaftlichen Literatur, des anspruchsvollen Sachbuchs oder der Essayistik ins Deutsche verliehen. Der Preis ist mit ,- dotiert. Die Übersetzung muss erstmals in den Jahren 2007 bis 2010 in einem deutschsprachigen Verlag erschienen und lieferbar sein. Der Jury gehören sechs Persönlichkeiten an, die sich als Kenner auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Literatur, des Sachbuchs und der Essayistik ausgewiesen haben oder erfahrene Übersetzer solcher Literatur sind. Mitglieder sind Hendrik Birus, Norbert Frei, Erika Greber, Paul Ingendaay, Ulrich Raulff und Ute Stempel.

4 4 Informationsbrief des VÜD Nr. 4/2010 Der schriftliche Antrag, den jeder stellen kann, ist zusammen mit dem Werk (einem Exemplar des Originals und zwei Exemplaren der Verlagsausgabe in deutscher Sprache) bis zum 15. Oktober 2010 einzureichen beim Verlag C.H.Beck, z.hd. von Frau Janna Rösch / Übersetzerpreis, Wilhelmstr. 9, München. Die Bewerbung soll eine Begründung enthalten, die den Rang des Originals, seine Anforderungen an den Übersetzer und deren Bewältigung darlegt. Die Preisverleihung findet im Frühjahr 2011 statt. Sollten Sie Fragen haben oder weitere Informationen benötigen, freuen wir uns über Ihren Anruf unter der Telefonnummer Mit freundlichen Grüßen Ihre Presse- und Lizenzabteilung des Verlags C.H.Beck Sehr geehrte Damen und Herren, die BDÜ Service GmbH veranstaltet auch im Herbst 2010 wieder interessante Seminare für Dolmetscher und Übersetzer in Berlin: Interkulturelle Kommunikation Interkulturelle Kommunikation - spezifisch für Dolmetscher Ziel des Trainings ist, dass die Teilnehmer ein Bewusstsein für den Einfluss der Kultur auf das Verhalten entwickeln und lernen, welche Aspekte der Zusammenarbeit in internationalen Teams auf kulturellen Unterschieden basieren. Die Referentin, Frau Carina Turbon, ist Dipl.-Übersetzerin, zertifizierte Interkulturelle Trainerin und Interkultureller Coach Übersetzen als Texten (Deutsch-Englisch) Die Teilnehmer sollen in die Lage versetzt werden, leserfreundliche und maximal wirksame Zieltexte im Englischen zu verfassen. Der Referent, Herr Professor Dr. phil. Dirk Siepmann, lehrt an der Universität Osnabrück im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften Die gelungene Website Dieses Seminar gliedert sich in zwei Teile: 1) Inhaltliche und optische Gestaltung der Website Eine Website gehört zur Grundausstattung von freiberuflichen Dolmetschern und Übersetzern. Doch welche Inhalte sind sinnvoll? Wie sollte die Website optisch gestaltet sein? Die Referentin, Frau Birgit Golms, ist PR-Beraterin, Autorin und Trainerin aus Berlin. 2) Technische Umsetzung Es wird gezeigt, was bei der Wahl eines Anbieters zu beachten ist, wie man sich bei einem Provider anmeldet und wie man mit seiner Domain umzieht, wenn man mit seinem Anbieter einmal nicht mehr zufrieden sein sollte. Der Referent, Herr Steffen Miebach, ist seit 8 Jahren als Mediengestalter im Print- und Nonprint-Bereich tätig. Alle weiteren Informationen zu den Konditionen finden Sie auf Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme. Mit freundlichen Grüßen Christine Bode, BDÜ Service GmbH Kurfürstendamm 170, Berlin

5 5 Informationsbrief des VÜD Nr. 4/2010 Veranstaltungen Auf vielfältigen Wunsch unserer Mitglieder findet am 30. Oktober 2010 von 10:00 bis 13:00 Uhr ein Seminar zum Thema Verhandlungstechnik Argumente für Kunden bei der Preisgestaltung statt. Der Veranstaltungsraum wird auf unserer Homepage rechtzeitig bekannt gegeben. Referentin für den Teil Dolmetschen: Natália Rózsa Referentin für den Teil Übersetzungen: Doris Maidanjuk Mitglieder unserer Schwester-Verbände heißen wir ebenfalls herzlich willkommen! Wir bitten um Ihre Teilnahmemeldung per oder telefonisch in der Geschäftsstelle unter bis zum Als neues Mitglied in unserem Verband begrüßen wir: Name: Frau Annette Burkhardt Sprache(n): De, En Anschrift: Nansteinstraße Ludwigshafen Telefon: Teleafax: Mobil: Wir freuen uns über unser neues Mitglied und hoffen auf eine gute Zusammenarbeit! Dieser Informationsbrief wird im Auftrag des Vorstands des Verbandes der Übersetzer und Dolmetscher e.v. herausgegeben. Die in dem Informationsbrief veröffentlichten Artikel sind Meinungsäußerungen der genannten Autoren und nicht des Vorstands des Verbandes der Übersetzer und Dolmetscher e.v. Redaktion: Monika Schofeld Redaktionsschluss: 10. August 2010 Geschäftsstelle: Weydingerstraße 14-16, Berlin (Raum 316) (U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz) Telefon: , Telefon: , Fax: Website: Konto-Nr , BLZ (Postbank Berlin) Geschäftszeiten: Mo Do Uhr Nachdruck - auch auszugsweise - nur unter Angabe der Quelle gestattet. Er bedarf der vorherigen Anzeige beim Herausgeber.

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