Heidelberger Druckmaschinen

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1 Heidelberger Druckmaschinen Nachhaltigkeitsbericht 2011/2012

2 Heidelberger Druckmaschinen Die Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) ist der international führende Lösungsanbieter und Dienstleister für den Werbe- und Verpackungsdruck. Der Name Heidelberg steht weltweit für Spitzentechnologie, Topqualität und Kundennähe. Das Kerngeschäft des Unternehmens umfasst die vollständige Prozessund Wertschöpfungskette im Bogenoffsetdruck sowie Digitaldrucklösungen. Zusätzlich gewinnt die externe Auftragsfertigung vorwiegend für Kunden aus anderen Branchen des Maschinenbaus und der Energiebranche an Bedeutung. Das Thema Nachhaltigkeit und damit auch der Umweltschutz sind in der strategischen Agenda von Heidelberg fest verankert. Abfallvermeidung und -reduzierung, Ressourcenschonung sowie die Reduzierung von Emissionen stehen dabei im Vordergrund. Umweltschutz ist ein globales Thema, das in der gesamten Printmedien-Industrie zusammen mit nachhaltigem Denken und Handeln einen immer größeren Stellenwert erhält. Immer mehr Drucksacheneinkäufer setzen einen ökologischen Produktionsprozess für Drucksachen voraus, und die Nachfrage nach klimaneutralen Druckprodukten steigt kontinuierlich. Hier tragen moderne Maschinen und verbesserte Prozesse außerdem dazu bei, Kosten zu sparen. Ökologisch drucken heißt schließlich auch: ökonomisch denken. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Heidelberg, Deutschland, sowie Entwicklungsund Produktionsstandorten in sieben Ländern betreut mit rund 250 Vertriebsniederlassungen in 170 Ländern weltweit rund Kunden. Druckmaschinen, Vorstufengeräte und Weiterverarbeitungssysteme produziert Heidelberg unter strengen Qualitätsvorgaben überwiegend in Deutschland. Standardisierte Druckmaschinen für alle gängigen Formatklassen sowie Falzmaschinen vorwiegend für den chinesischen Markt fertigt Heidelberg in Qingpu bei Shanghai. Im Geschäftsjahr 2011/2012 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,596 Milliarden Euro. Am 31. März 2012 beschäftigte die Heidelberg-Gruppe weltweit Mitarbeiter, inklusive Auszubildende. kennzahlen Unternehmenskennzahlen der Bereiche Ökonomie, soziale Verantwortung und Ökologie finden Sie im Internet unter > Umweltmanagement > Nachhaltigkeitsberichte standorte Umweltdaten, Namen der Ansprechpartner und allgemeine Informationen über die Produktionsund Entwick lungsstandorte des Unternehmens finden Sie im Internet unter eco > Umweltmanagement > Standortdaten

3 > KENNZAHLEN ÖKONOMIE 2007/ / / / /2012 Auftragseingang in Mio Umsatzerlöse in Mio Auslandsumsatz in % 83,8 81,0 83,8 84,9 85,1 Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit in Mio 1) Ergebnis vor Steuern in Mio Jahresüberschuss/-fehlbetrag in Mio in % vom Umsatz 3,9 8,3 9,9 4,9 8,9 Forschungs- und Entwicklungskosten in Mio Anzahl der Patentanmeldungen Investitionen in Mio Bilanzsumme in Mio Eigenkapital in Mio Cashflow in % vom Umsatz 7,9 7,9 7,8 1,6 5,0 Ergebnis je Aktie in 1,81 3,20 2,94 0,83 0,98 Dividende in 0,95 1) Vor Restrukturierungsaufwendungen/Sondereinflüssen > KENNZAHLEN SOZIALES 2007/ / / / /2012 Anzahl der Arbeitnehmer zum Geschäftsjahresende davon Auszubildende Personalaufwand in Mio Anteil weiblicher Mitarbeiter in % 14,3 14,5 14,1 14,1 14,4 Schwerbehindertenquote der Heidelberger Druckmaschinen AG in % 7,0 7,0 7,5 8,0 8,0 Anteil Teilzeitarbeitnehmer in % (ohne Altersteilzeit) 2,7 2,8 2,7 3,9 3,7 Anzahl der Unfälle pro Tsd Mitarbeiter 1) deutsche Standorte 2) 22,0 20,1 9,7 15,4 22,0 weitere Standorte weltweit 3) 8,5 6,3 7,8 6,1 7,2 Anzahl der Verbesserungsvorschläge der Heidelberger Druckmaschinen AG Einsparungen durch Verbesserungsvorschläge der Heidelberger Druckmaschinen AG in Mio 3,48 4,15 4,52 3,83 3,82 1) An Entwicklungs- und Produktionsstandorten, bezogen auf Unfälle mit mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit. 2) Gesunkene Quote 2009/2010 aufgrund Kurzarbeit während des Geschäftsjahres. 3) Bis 2007/2008 beziehen sich die Zahlen auf weitere europäische, ab 2008/2009 auf weitere weltweite Entwicklungs- und Produktionsstandorte.

4 > KENNZAHLEN ÖKOLOGIE ) Anzahl der Produktions- und Entwicklungsstandorte 2) davon mit Input-/Output-Daten erfasst davon mit einem zertifizierten Umwelt- und Qualitätsmanagementsystem ISO und 9001 (teil- bzw. voll integriert) davon mit einem zertifizierten integrierten Umwelt-, Qualitätsund Arbeitssicherheits-Managementsystem (zusätzlich nach OHSAS 18001) Flächenverbrauch aller Produktionsund Entwicklungsstandorte in km 2 2,34 2,22 2,22 2,16 2,14 Bebaute und versiegelte Flächen in % 47,0 51, Input Energie in GWh/a 431,4 408,1 286,2 365,0 6) 346,9 6) davon Strom in GWh/a 265,0 241,9 150,3 190,0 195,6 davon Gas in GWh/a 142,2 133,0 71,8 130,0 112,3 davon Fernwärme in GWh/a 22,0 25,9 20,2 17,3 14,7 davon Heizöl in GWh/a 2,2 7,3 43,5 1,8 1,6 Energieverbrauch pro Tonne Output in MWh/a 3) 4,7 5,9 6,8 6,2 5,8 Input Wasser in m davon Verbrauch als Sanitärwasser in % 60,9 60,1 56,8 55,1 49,5 Output Produkte: Sheetfed in t Anzahl der Druckwerke Output Produkte: Prepress in t Output Produkte: Postpress in t Output Produkte der Gallus-Standorte in Druck- und Bearbeitungswerken Output Produkte Hi-Tech Coatings in t 2) Output Emissionen in Tsd t CO 2 4) 141,0 127,6 87,7 117,9 91,4 SO 2 4) 0,06 0,06 0,05 0,07 0,07 NO X 4) 0,12 0,12 0,08 0,16 0,16 Output Emissionen in t VOC 173,0 135,9 66,5 76,6 74,1 Output Emissionen in t Staub 5) 10,3 7,2 3,6 9,7 24,7 Output Abfall in t davon zur Verwertung in t davon zur Beseitigung in t Abfallverwertungsquote in % 94,0 94,3 94,2 93,2 94,5 Output Abwasser in m Kennzahlen der < Heidelberg-Gruppe 1) Die Umweltkennzahlen beziehen sich seit dem Nachhaltigkeitsbericht 2006/2007 auf das Kalenderjahr. 2) Seit 2009 sind die Daten des zur Heidelberg-Gruppe gehörenden Spezialdrucklack-Herstellers Hi-Tech Coatings mit den Standorten in Aylesbury (Großbritannien) und Zwaag (Niederlande) in den Nachhaltigkeitsbericht eingebunden. Im Jahr 2011 ist mit dem Kauf der CSAT GmbH, Hersteller von Digitaldruckmaschinen für den Verpackungsmarkt, ein weiterer Standort hinzugekommen. 3) Ohne Einbeziehung der Standorte St. Gallen, Langgöns, Weiden und CSAT, deren Output nicht in Tonnen erfasst wird, und ohne die Standorte von Hi-Tech Coatings. 4) Seit 2007 basieren die durch den Stromverbrauch bedingten CO 2-Emissionen auf Angaben der jeweiligen Energieversorgungsunternehmen der Standorte, die weiteren Emissionsdaten basieren seit 2010 auf GEMIS 4.6. Im Kalenderjahr 2011 bezog der Standort Amstetten ausschließlich Strom aus erneuerbarer Energie, davon die Hälfte aus Wasserkraft. Im Wesentlichen dadurch bedingt reduzierten sich die CO 2-Emissionen deutlich. 5) Angegeben sind die Staubemissionen der Gießerei in Amstetten (hier besonders relevant). 6) In dieser Summe sind ebenfalls Energieaufwände enthalten, die 2010 und 2011 durch die in Deutschland geleasten PKW verursacht wurden.

5 Inhalt klimaneutrale drupa Auch auf der Branchenleitmesse drupa präsentierte sich Heidelberg Anfang Mai in Düsseldorf als umweltorientiertes Unternehmen. Der gesamte Messeauftritt auf dem mehr als Quadratmeter großen Stand wurde CO 2 -neutral gestellt. editorial 2 Nachhaltig und konsequent Editorial von Stephan Plenz, Vorstand Heidelberg Equipment unternehmen 4 Den richtigen Weg eingeschlagen Dr. Michael Merz, Leiter Montage im Werk Wiesloch-Walldorf, zur Umweltpolitik des Unternehmens 7 Heidelbergs Umweltprogramm Ziele und Maßnahmen ökologie konsequent natürlich Holz aus benachbarten Sägewerken und Wasser aus dem vorbeifließenden Flüsschen Murg sind nur zwei Bausteine eines umfassenden Nachhaltigkeitskonzepts von colordruck Baiersbronn im Nordschwarzwald. Das Unternehmen ist ein Vorzeigebetrieb in Sachen ökologisches Drucken. 8 Effiziente Energieversorgung Neues Blockheizkraftwerk im Werk Wiesloch-Walldorf errichtet 9 Systematisches Energiemanagement Standort Amstetten führt Managementsystem zur Steuerung der Energieverbräuche ein 10 Verantwortung in Grün colordruck Baiersbronn deckt mit seinem Nachhaltigkeitskonzept die gesamte Wertschöpfungskette im Printprozess ab 14 Vorreiterrolle unterstrichen Heidelberg präsentiert auf der drupa 2012 mehr als 60 Innovationen, darunter viele aus dem Umweltsektor 18 Ökologie Nachrichten digitaler brückenschlag Offset- und Digitaldruck galten lange Zeit als Konkurrenten. In vielen Bereichen ergänzen sie sich jedoch ganz hervorragend. Mit mehreren Kooperationen und Übernahmen schlägt Heidelberg eine Brücke zwischen diesen beiden Welten. worldskills unterstützt Schon seit etlichen Jahren unterstützt Heidelberg den Druckwettbewerb bei den Olympischen Spielen der Handwerksberufe, den WorldSkills. Und trägt so dazu bei, den Beruf des Druckers bei jungen Menschen attraktiver zu machen. ökonomie 19 Sinnvolle Ergänzung Heidelberg baut sein Digitalgeschäft weiter aus 20 Kompetenz für Dritte Präzise Mechanik und komplexe Elektronik made by Heidelberg 21 Ökonomie Nachrichten soziales 22 Besser, schneller, nachhaltiger Heidelberg ist Partner beim Druckwettbewerb der WorldSkills 23 Soziales Nachrichten 1

6 EDITORIAL Ganzheitlich und konsequent Extra gefeiert wird deswegen nicht und dennoch gibt es bei Heidelberg in diesem Jahr ein kleines Jubiläum. 20 Jahre ist es her, seit das Unternehmen 1992 den Umweltschutz in seinen Zielen verbindlich festgeschrieben hat. Als erstes in seiner Branche und auch deutlich früher als zahlreiche andere in der Industrie. Vieles hat sich seither verändert, auch und gerade bei Heidelberg. Der Selbstverpflichtung zur Nachhaltigkeit ist man hier nicht nur treu geblieben. Das Unternehmen hat die Grundlagen hierfür in den beiden letzten Jahrzehnten immer stärker verankert, die Methoden zunehmend verfeinert, sein Wissen ausgeweitet. Damit nimmt Heidelberg in der Branche zweifellos die Vorreiterrolle ein. 2

7 EDITORIAL vor 20 jahren war umweltschutz für das unternehmen eher noch eine vision. Mit all dem, was wir in der Zwischenzeit an Know-how auf diesem Gebiet gewonnen und in Projekten umgesetzt haben, ist diese Vision heute Wirklichkeit geworden. Ihren Ausdruck findet sie in unserer neuen Umweltpolitik, die wir im vergangenen Geschäftsjahr nach intensiven Diskussionen formuliert und verabschiedet haben. Die Heidelberg-Gruppe ist in ihrer Industrie ein vorbildlich nachhaltiges Unternehmen, heißt es dort zu Beginn. Und Heidelberg meint es damit ernst. Die Umweltpolitik gibt nicht nur den Rahmen vor für Produkte und Dienstleistungen, Standorte, Transport und Logistik. Sondern auch für Kommunikation und Legal Compliance. Für seine ökologischen Grundsätze hat Heidelberg damit nicht nur eine neue, verbindliche Klammer geschaffen, sondern auch deren Inhalte deutlich erweitert und präzisiert. Der Ansatz von Heidelberg ist ein ganzheitlicher, entlang der gesamten Wertschöpfungskette unserer Produkte und Dienstleistungen. Das Credo dabei lautet: den Verbrauch von Ressourcen beziehungsweise den damit verbundenen Ausstoß von CO 2 im Idealfall zu vermeiden, ihn im zweitbesten Fall zu reduzieren oder wenn das nicht möglich ist zu kompensieren. Dieser Ansatz greift bereits in der Entwicklung, setzt sich in der Produktion fort und reicht bis zum Betrieb der Maschinen in den Druckereien. Er schließt auch die Verwendung umweltfreundlicher Verbrauchsmaterialien wie speziell ausgewählter Farben, Lacke oder Reinigungsmittel mit ein. Als einziges Unternehmen der Druckmaschinenindustrie verfügt Heidelberg über ein Instrumentarium, um den CO 2 -Abdruck seiner Produkte und Dienstleistungen exakt zu analysieren und entsprechend zu steuern. Viele unserer Kunden verfolgen diesen Prozess sehr aufmerksam und nehmen wahr, dass wir ihnen zahlreiche ökologische Lösungen anbieten und sie so auf dem Weg zu Green Printing maßgeblich unterstützen können. Seit der drupa im Mai bieten wir den Käufern an, sämtliche bei uns produzierten Maschinen klimaneutral zu stellen. Die CO 2 -Emissionen werden ausgeglichen durch den Ankauf von Emissionszertifikaten eines Nachhaltigkeitsprojekts mit dem Schwerpunkt Wiederaufforstung im westafrikanischen Togo. Unsere Speedmaster Anicolor-Maschinen, die mit ihrem Kurzfarbwerk ohnehin schon eine extrem niedrige Anlaufmakulatur brauchen und dadurch die Umwelt schonen, bieten wir neuerdings ausschließlich CO 2 -neutral an. Die Kosten dafür übernehmen wir. Auch den kompletten Heidelberg-Messeauftritt auf der zweiwöchigen drupa haben wir CO 2 -neutral gestellt. Über diese und zahlreiche andere ökologische Ansätze wie den Bau unseres neuen Blockheizkraftwerks am Standort Wiesloch-Walldorf oder das geprüfte Energiemanagementsystem in Amstetten gibt dieser Bericht Auskunft in journalistischer Form geschrieben, verständlich und nachvollziehbar. Nachhaltiges Handeln schließt aber auch die Bereiche Ökonomie und Soziales mit ein. Ökonomisch nachhaltig handeln wir unter anderem dadurch, dass wir in unserem Geschäftsfeld System Manufacturing unser Know-how auf den Gebieten Gießerei, Teilefertigung, Elektronikproduktion, Montageleistung sowie auch Dienstleistungen im Product-Lifecycle-Management-Umfeld auch Dritten anbieten. Eines der von uns hergestellten Produkte sind Komponenten für die Solarindustrie und damit für die Gewinnung grünen Stroms. In diesen und ähnlichen Bereichen sehen wir erhebliches Wachstumspotenzial. Und auch unserer sozialen Verantwortung, der dritten Säule der Nachhaltigkeit, werden wir gerecht. Noch immer leidet die Druckmaschinenbranche an Überkapazitäten. Derzeit sind wir zwar erneut gezwungen, die Zahl unserer Mitarbeiter noch einmal signifikant zu reduzieren. Durch eine ausgesprochen konstruktive und zielorientierte Zusammenarbeit mit den Vertretern der Arbeitnehmer ist es uns aber gelungen, diese Anpassungen sozialverträglich zu gestalten. eines ist ganz sicher: nachhaltigkeit zahlt sich aus, nicht nur für die umwelt. Ohne Ökologie und soziale Ausgewogenheit wird eine erfolgreiche Ökonomie auf Dauer nicht möglich sein. Den von uns eingeschlagenen Weg werden wir weiter konsequent fortsetzen. Ich wünsche Ihnen beim Lesen dieses Nachhaltigkeitsberichts kurzweilige, abwechslungsreiche Informationen und viele neue, nachhaltige Erkenntnisse. Herzlichst Ihr Stephan Plenz Vorstand Heidelberger Druckmaschinen AG, Sparte Equipment 3

8 UNTERNEHMEN Herr Dr. Merz, welche Ziele verfolgt Heidelberg mit seiner Umweltpolitik eigentlich genau? dr. michael merz Wir wollen, dass Heidelberg ein nachhaltiges Unternehmen ist. Unter Nachhaltigkeit verstehen wir den langfristigen Gleichklang zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung. Mit unserer Umweltpolitik wollen wir konkretisieren, was wir uns auf diesem Gebiet vornehmen. Sie steht für ein ganzes Bündel von weitreichenden Zielen, die sehr unterschiedliche Bereiche tangieren: unsere Produkte und Dienstleistungen natürlich, aber auch die einzelnen Standorte, die Kommunikation und das Bewusstsein der Mitarbeiter. An den Produktionsstandorten wollen wir beim Einsatz von Material und Energie immer effizienter werden. Damit reduzieren wir gleichzeitig klimaschädliche Emissionen, vor allem CO 2. Eines unserer größten Ziele ist es, unsere Produkte mittelfristig CO 2 -neutral herzustellen. Dazu müssen wir sehr verantwortungsbewusst mit allen unseren Ressourcen umgehen, auch den finanziellen. Den richtigen Weg eingeschlagen Wie wollen Sie das konkret erreichen? dr. michael merz Im ersten Schritt dadurch, dass wir uns einen klaren organisatorischen Rahmen für unsere Umweltaktivitäten gegeben haben. Oberstes Entscheidungsgremium ist das ECO Council mit unserem Equipment-Vorstand Stephan Plenz an der Spitze. Der ECO-Arbeitskreis als zentrale Koordinations- und Vorbereitungseinheit versorgt das ECO Council mit Informationen und Entscheidungsvorlagen, etwa der Umweltpolitik. Entscheidungen und Vorgaben gehen dann weiter in die Arbeitskreise der Bereiche und werden dort weiter konkretisiert. Die Themen für die Standorte und Produktionsbereiche sind Aufgabe des ECO Production- Arbeitskreises. Darüber hinaus können wir auf erfahrene Experten zurückgreifen, wenn es um die Umsetzung gesetzlicher Themen im Bereich Arbeits- und Umweltschutz geht. Des Weiteren gibt es viele Arbeitskreise in den einzelnen operativen Einheiten und an den unterschiedlichen Standorten, die dezentral an Umweltprojekten arbeiten und Investitionsvorhaben umsetzen. Das ist aber nur die Organisation, damit ist noch nichts verbessert und eingespart. dr. michael merz Das ist nur bedingt richtig. Im zweiten Schritt hat das ECO Council einer weiteren Konkretisierung der Umweltpolitik in einem klar definierten Umweltprogramm zugestimmt, das die aktuellen Aufgaben an die Organisation beschreibt. Die wesentlichen Überschriften im Umweltprogramm sind: Energie- und Materialeffizienz erhöhen, Energie und CO 2 einsparen, Heidelberg als nachhaltiges Unternehmen positionieren. Je weiter wir in der Pyramide vom ECO Council in die Bereiche gehen, hilft das Umweltprogramm dabei, konkrete Ziele und Projekte zu definieren. Am Ende wird nach ganz praktischen Verbesserungsmöglichkeiten Ausschau gehalten, es werden ganz konkrete Konzepte und Pläne diskutiert und bearbeitet. Die neue ECO-Organisation erleichtert die Koordination und ermöglicht schnelle Entscheidungen in den Bereichen, die keinen Widerspruch zum gemeinsamen Ziel darstellen. Nach potenziellen Verbesserungsmöglichkeiten suchen Sie im ganzen Unternehmen oder nur in den Werkshallen? dr. michael merz Grundsätzlich schauen wir alle Standorte an. Ein Schwerpunkt liegt in der Produktion, also bei der Teilefertigung und bei der Montage. Derzeit haben wir rund ein Dutzend (Groß-)Projekte aufgesetzt. Diese beziehen sich nicht nur auf unser größtes Werk hier in Wiesloch-Walldorf, sondern auch auf die Verbundstandorte Amstetten und Brandenburg. Darüber hinaus 4

9 UNTERNEHMEN Reiner Noe, Elektronikproduktion Logistik, erläutert Dr. Merz die Material- und Kosteneinsparungen, die durch Umstellen von Einmalverpackungen auf Pendelbehälter erreicht werden konnten. Allein im letzten Jahr wurden 350 Pendelbehälter neu eingeführt und so Euro und 110 m³ Verpackungsmüll gespart. (links) Helge Endres, Elektronikproduktion, und Dr. Merz freuen sich über die Erfolge des Projektes Bleifreies Löten. Damit werden heute schon ca. 300 kg Blei pro Jahr vermieden. (rechts) Mich hat von Anfang an die Kompetenz überzeugt, die es bei Heidelberg in Sachen Umwelt gibt. werden zahlreiche kleine Projekte von den Mitarbeitern in den Bereichen kontinuierlich vorangetrieben. Im Einzelnen ist das viel Arbeit im Kleinen. Hat Heidelberg für Umweltfragen denn überhaupt genügend Know-how? dr. michael merz Mich hat von Anfang an die Kompetenz überzeugt, die es bei Heidelberg in Sachen Umwelt gibt. Unsere Experten im ECO-Arbeitskreis sind ein Grundpfeiler unserer nachhaltigen Arbeit und stehen für Diskussionen und Sachinformationen zur Verfügung. Diese Kompetenz ist auch dringend nötig, wenn wir Verbesserungen aus Umweltgründen wie etwa der CO 2 -Emission bewerten wollen. Wie hat die Produktion das Umweltprogramm aufgenommen? dr. michael merz Im Arbeitskreis ECO Production sind alle Bereiche vertreten. Ich war sehr überrascht, welche positive Energie bei den ersten Sitzungen zu spüren war. Jeder hatte das Umweltprogramm verstanden und will jetzt seinen Teil zur Umsetzung beitragen. Wenn Sie Verbesserungs- oder Einsparpotenziale erkannt haben, was passiert dann? dr. michael merz Dann schauen wir uns genau an, ob sich es lohnt, sie umzusetzen. Wenn ein Projekt durch eine neue Investition zu einer besseren Energieoder Materialeffizienz führt, müssen wir neben den Umweltaspekten auch die Wirtschaftlichkeit bewerten. Bei allen Vorhaben mit ECO-Charakter konnten wir die Wirtschaftlichkeit der umweltfreundlichen Lösung aufzeigen. Diese Investitionen gehen den üblichen Gang, werden genehmigt und können dann umgesetzt werden. Welche Rolle spielt dabei der Mitarbeiter, der Mensch? dr. michael merz Eine große. Wenn wir die Energie- oder Materialeffizienz durch eine Veränderung im Verhalten unserer Mitarbeiter erhöhen wollen, ist dies nicht immer ganz einfach. Jahrelange Gewohnheiten ändert man schließlich nur ungern. Wir können aber eine deutliche Reduzierung beispielsweise dadurch erreichen, wenn viele bei einer scheinbar kleinen Aktion mitmachen. 5

10 UNTERNEHMEN zwei ganz große Vorteile. Erstens lässt sich alles, was mit Material und Energie zu tun hat, in ein CO 2 -Äquivalent umrechnen. Zweitens ist weniger CO 2 immer besser, null CO 2 also das Optimum. Im Grunde ist dann jede Verbesserung ganz einfach zu verstehen. Weniger Energie bedeutet weniger CO 2 und ist damit besser. Die Darstellung über CO 2 hat aber leider auch ihren Nachteil. Bestimmte Größen wie zum Beispiel die Qualität des Abwassers lassen sich nur schwer erfassen. Damit ist CO 2 zwar eine eindeutige Kenngröße, sie reicht aber nicht aus, um das ganze Umweltverhalten eines Unternehmens zu beschreiben. Und was in der täglichen Umsetzung noch erhebliche Probleme bereitet, ist die tatsächliche Umrechnung von Material und Energie in CO 2. Hier müssen wir noch einiges klären und unsere Organisation voranbringen. Wir haben das Ziel, CO 2 als Währung zu betrachten und uns regelmäßig zu bilanzieren. Hierzu sind wir gerade dabei, eine Art CO 2 -Controlling aufzubauen, um Rückschlüsse von Material- und Energieeinsparungen auf die CO 2 -Bilanz darzustellen. Verfolgt das Ziel, die Heidelberg-Produktion nachhaltig zu gestalten: Dr. Michael Merz. Und jetzt geben Sie Gas und treiben alle Projekte mit Nachdruck voran? dr. michael merz Alles gleichzeitig geht nicht, da mussten wir so manche Priorität setzen. Bei unseren größten und wichtigsten Projekten sind wir schon weit vorangekommen, etwa bei der Planung und dem Bau des neuen Blockheizkraftwerks hier in Wiesloch-Walldorf oder dem Energiemanagement in Amstetten. Neben diesen großen Projekten gibt es aber auch zahlreiche kleine, die ihren Beitrag für unser Umweltprogramm leisten. Die Green Fleet zum Beispiel: Alle Firmenwagen von Heidelberg dürfen eine bestimmte Grenze an CO 2 -Ausstoß pro Kilometer nicht überschreiten. Diese Grenze haben wir dieses Jahr weiter abgesenkt. Wir beschäftigen uns aber auch mit der Frage, ob wir unseren Mitarbeitern Ladestationen für E-Bikes anbieten sollen. Aber auch hier lautet die Frage: Was kostet das, wie stark wird es wohl genutzt, was bringt das. Dazu müssten Sie aber auch Ihre Lieferanten ins Boot holen, schließlich produzieren Sie ja nicht alles selbst. dr. michael merz Das ist richtig. Auch da sind wir dabei, aber der Aufwand hierfür ist sehr hoch. Hier stehen wir erst am Anfang und sind dabei stark auf die Unterstützung und Transparenz unserer Lieferanten angewiesen. Das gilt vor allem für die Zulieferer elektronischer Bauteile. Diese nämlich, und nicht etwa der Stahl, hinterlassen, bezogen auf das Materialgewicht, den größten CO 2 -Abdruck. Was wünschen Sie sich, was sich aus den verschiedenen Umweltgremien heraus langfristig entwickeln sollte? dr. michael merz Neben dem Erkennen, Diskutieren und Umsetzen möglichst vieler und guter Projekte wünsche ich mir vor allem, dass damit ein nachhaltiger, dauerhafter Prozess in Gang gekommen ist. Und dass sich aus den Projekten heraus Standards für die gesamte Heidelberg-Gruppe ergeben. Dazu ein auf den ersten Blick banal erscheinendes Beispiel: dass wir etwa mit unseren Bürodruckern immer beide Seiten des Papiers bedrucken. Mit minimalen technischen Änderungen und einer kleinen Umgewöhnung spart uns das auf einen Schlag die Hälfte des Papiers. Und aus unserer eigenen Branche wissen wir ja, dass die Papiererzeugung im gesamten Druckprozess den stärksten CO 2 -Abdruck hinterlässt. Die Reduzierung des CO 2 -Ausstoßes scheint ohnehin das Schlagwort schlechthin zu sein. dr. michael merz Die Vergleichsgröße CO 2 hat Ihre aktuelle Zwischenbilanz beim Heidelberg-Umweltmanagement fällt wie aus? dr. michael merz Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen und die ersten Schritte auf einer langen Reise absolviert, aber es gibt auch noch viele Ideen und unerfüllte Wünsche. Ich wünsche uns allen die notwendige Ausdauer, die für ein nachhaltiges Heidelberg erforderlich ist. Dafür will ich mich gerne engagieren. Dr. Michael Merz leitet am Standort Wiesloch-Walldorf den Bereich Montage 6

11 UNTERNEHMEN Teilnahme an Umwelt-Ratings Ausarbeitung und Verabschiedung einer neuen Umweltpolitik und eines Umweltprogramms Aufrechterhaltung und Ausbau der Maschinenzertifizierung Emission geprüft und UV-optimiert Information der Mitarbeiter, regelmäßige Kommunikationsmaßnahmen Zertifizierung der Standorte Nové Mesto und Qingpu nach ISO Heidelberg als nachhaltiges Unternehmen positionieren Das Umweltprogramm von Heidelberg: Ziele & Maßnahmen CO 2 einsparen Energie einsparen Energieeffizienz erhöhen Erstellung eines CO 2 -Flussplans für die Standorte Fortschreibung der Green Fleet Policy Erarbeitung von Energiekonzepten für die Standorte Einführung eines Energiemanagementsystems nach DIN EN ISO am Standort Amstetten, danach Ausdehnung auf weitere Standorte Einführung von CO 2 als Währung Critical Review der Berechnung des Carbon Footprint von Druckmaschinen durch das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT Optimierung Transportmitteleinsatz Weitere Energieeinsparmaßnahmen, z. B. bei der Drucklufterzeugung und beim Betrieb der Werkzeugmaschinen Erhöhung der Ressourceneffizienz von Druckmaschinen: Energiemessung in der Maschine Wärmerückgewinnung Entwicklungsprojekte Bau eines Blockheizkraftwerks am Standort Wiesloch mit Kraft-Wärme-Kopplung 7

12 ökologie Effiziente Energieversorgung Blockheizkraftwerke gelten als besonders effizient. Mit der Kraft-Wärme-Kopplung lassen sich bis zu 40 Prozent der eingesetzten Primärenergie sparen. Ab Herbst 2012 übernimmt ein solches Kraftwerk die Grundlast für Strom und Wärme am Standort Wiesloch-Walldorf. Eine bebaute Fläche von Quadratmetern, 36 Hallen und Bürogebäude, rund Mitarbeiter der Betrieb der weltweit größten Druckmaschinenfabrik in Wiesloch-Walldorf verschlingt sehr viel Energie. Pro Jahr fließen etwa 60 Gigawattstunden Strom durch die Leitungen, so viel wie in Einfamilienhäusern. Die 600 Meter lange Halle 6 mit ihren Leuchtmitteln hat eine Anschlussleistung alleine für Beleuchtung von 1 Megawatt. Die gesamten Energiekosten am Standort machen pro Jahr einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag aus. Jeder fünfte Euro, der zum Betrieb des Standorts aufgewendet werden muss, fließt in die Stromund Wärmeversorgung. Und: Energie wird immer teurer. Davon will sich Heidelberg ein Stück unabhängiger machen. Um den Standort Wiesloch-Walldorf mit der größtmöglichen Energie- und Ressourceneffizienz sicher zu versorgen, entwickelte das Unternehmen zusammen mit einem externen Sachverständigenbüro ein zukunftsweisendes Energiekonzept. In dessen Mittelpunkt steht der Bau und Betrieb eines Blockheizkraftwerks mit einer elektrischen Leistung von 2 Megawatt. Nach seiner Fertigstellung voraussichtlich im September 2012 können rund 20 Prozent des derzeitigen Strombedarfs in Eigenregie gedeckt werden mit Erdgas als Primärenergie, dem umweltfreundlichsten fossilen Brennstoff. Gemessen am deutschen Energiemix für die Stromerzeugung entlastet dies die Atmosphäre jährlich um Tonnen CO 2. wärmebedarf fast zur hälfte gedeckt Parallel zum elektrischen Strom entstehen in den beiden Aggregaten von Jenbacher Gasmotoren von GE jährlich 14 Gigawattstunden Wärme. Mit der Abwärme der kolossalen Motoren und Generatoren, die früher ungenutzt in die Atmosphäre entwichen wäre, können über einen Pufferspeicher künftig rund 40 Prozent des gesamten Nahwärmebedarfs am Standort gedeckt werden für die Heizung der Hallen, für Prozesswärme, aber auch für Warmwasser in den Sanitärbereichen. Wir hätten das Blockheizkraftwerk gerne noch größer ausgelegt, erklärt Facility Manager Christian Böttger, aber in den Sommermonaten hätten wir keinen Abnehmer für die Abwärme gehabt. Was mit der überschüssigen Elektrizität passiert, die an den arbeitsfreien Wochenenden im Sommer produziert wird, weiß Böttger dagegen genau: Eine Leistung bis zu 0,4 Megawatt wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Der Druckmaschinenbauer Heidelberg wird so zum Stromerzeuger und verdient damit auch Geld. Mit der Realisierung des neuen Energiekonzepts werden nach und nach auch die veralteten Dampfheizungen in zehn Hallen ersetzt. Diese Heizungen stammen noch aus der Gründungsphase des Standorts, sind veraltet und werden künftig in die energieeffiziente Wärmeversorgung durch das Blockheizkraftwerk eingebunden. Rund 2,4 Millionen Euro kostet die Anlage. Aufgrund ihres hohen Wirkungsgrads wird sich diese Investition bereits nach zwei Jahren amortisiert haben: Die Energiekosten am Standort werden künftig um rund zehn Prozent niedriger ausfallen. In Verbindung mit dem geringeren CO 2 -Ausstoß ist dies einmal mehr ein Beweis dafür, dass sich Ökonomie und Ökologie nicht ausschließen. Sondern bestens ergänzen. 8

13 ökologie Systematisches Energiemanagement Gießereien sind ausgesprochen energieintensiv. Deshalb lohnt es sich gerade hier, ständig nach Einsparmöglichkeiten zu suchen. Am Standort Amstetten läuft dieser Prozess schon seit Jahren. Seit März 2012 verfügt er sogar über ein zertifiziertes Energiemanagementsystem. Die Schwäbische Alb und vor allem ihre steilen Hänge nach Westen hin gelten als eine der schönsten Regionen Deutschlands. Gleich hinter dem Albaufstieg, mitten in einer Landschaft aus Wiesen, Wäldern und Weiden liegt der Heidelberg-Standort Amstetten mit seiner Gießerei. Rund 90 Gigawattstunden Strom und 16 Gigawattstunden Gas werden hier im Jahr verbraucht. Dass man hier beim Blick auf Wanderwege und grasende Schafe im Umgang mit Energie besonders sensibel ist, darf nicht überraschen. Zumal Strom und Gas heute auch noch etwa ein Viertel teurer sind als noch vor fünf Jahren. Tendenz: weiter ansteigend, möglicherweise sogar deutlich. Bereits heute machen jedoch die Energiekosten rund 15 Prozent der Gesamtkosten am Standort aus. Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz gab es seit dem Bau des Werks vor gut 25 Jahren immer wieder. Zuletzt wurde die Wärmerückgewinnung optimiert, der Wasserverbrauch durch den Einsatz neuer Kühlprozesse drastisch reduziert, die Abwärme der Schmelzöfen in die Kälte-Grundlast für die Gießerei umgewandelt. Seit vielen Jahren bereits ist Amstetten mit dem integrierten Managementsystem DIN ISO und zertifiziert. überwachen, messen, analysieren Jetzt gingen die Verantwortlichen noch einen Schritt weiter, setzten ein Managementsystem speziell für die Steuerung der Energieverbräuche auf und ließen dieses von der Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen (DQS) nach DIN EN ISO prüfen mit Er- folg. Die Pflicht zur kontinuierlichen Verbesserung ist deutlich genauer und schärfer als in anderen Managementsystemen, betont Jochen Dreher, in Amstetten Leiter Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Das Vorhandensein eines funktionierenden Umweltmanagementsystems, bei dem das Thema Energie eine wichtige Rolle spielt, habe bei der Zertifizierung aber sehr geholfen, fügt er hinzu. Das neue System ist für einen energieintensiven Standort wie Amstetten mit seinen Beschäftigten eine Mammutaufgabe. Beeinflusst wird die Energieeffizienz eines Standorts von zahllosen Einzelfaktoren. Eine sehr wesentliche Rolle spielt dabei eine detaillierte Energieplanung der einzelnen Verbraucher, ohne die sich dauerhaft keine Verbesserungen erzielen lässt. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Instandhaltung der Anlagen unter energetischen Gesichtspunkten. Es muss sichergestellt sein, dass energierelevante Tätigkeiten regelmäßig überwacht, gemessen und analysiert werden, erklärt Lothar Nothacker, Leiter Haus- und Betriebstechnik. Bei der Definition der Energieziele müsse es smart zugehen: sie müssten spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminierbar sein. Wichtig ist auch, so Dreher, dass vom Top-Management die Einführung und Umsetzung des Systems nicht nur gefordert, sondern vor allem auch unterstützt wird. Dessen kann er sich bei Standortleiter Thorsten Kirchmayer und auch beim Vorstand in Heidelberg sicher sein. Das von der DQS zertifizierte Energiemanagementsystem wird nun von Amstetten auf andere energieintensive Heidelberg- Standorte ausgeweitet. 9

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15 ökologie Verantwortung in Grün In kaum einer anderen Gemeinde Deutschlands gibt es dermaßen viel Wald wie in Baiersbronn. Schon allein wegen ihrer Nähe zur Natur geht die Firma colordruck mit der Umwelt ganz besonders sorgfältig um. Das Nachhaltigkeitskonzept umfasst die gesamte Wertschöpfungskette und schließt auch die komplette Infrastruktur mit ein. baiersbronn! Liebhabern der feinen Küche läuft schon beim bloßen Gedanken an diesen Ort das Wasser im Mund zusammen. Mit sieben Michelin-Sternen in drei Restaurants, zwei davon in der allerhöchsten Kategorie, gilt die weit verstreute Einwohner-Gemeinde im nördlichen Schwarzwald als Deutschlands Gourmet-Hochburg schlechthin. Aber nicht nur für Besser-Esser ist Baiersbronn ein sehr beliebtes Ziel. Der Ferienort im oberen Murgtal ist eingebettet in eine der schönsten Mittelgebirgslandschaften Deutschlands und ideal zum Wandern, Radfahren oder Skilanglaufen. Oder einfach nur zum Seele-baumeln-Lassen. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir mit dieser Natur besonders sorgfältig umgehen und sie schützen, betont Martin Bruttel, Geschäftsführer von colordruck, einem der größten Arbeitgeber am Ort. Die Druckerei ist ein traditionsreiches, tief mit dem Ort und der Region verwurzeltes Familienunternehmen. Seit der Gründung vor fast 60 Jahren durch Wilhelm Mack ist sie ein reiner Verpackungsdrucker, überwiegend für die Lebensmittelindustrie. Mit 180 Mitarbeitern, allesamt in Baiersbronn, zählt das Unternehmen in Europa zu den größten Herstellern hochwertiger Faltschachteln. Unter Branchenkennern gilt es seit Jahren als einer der Technologieführer für Kartonverpackungen auf dem Kontinent. Im vergangenen Jahr erzielte colordruck Baiersbronn einen Umsatz von rund 33 Millionen Euro. Die Kunden kommen aus ganz Deutschland, weitere wichtige Absatzmärkte sind die Nachbarländer Schweiz, Frankreich und Benelux. Aus Tonnen Karton der Stärken 170 Ziehen nachhaltig am gleichen Strang: die Töchter von Firmengründer Wilhelm Mack, Renate Bengel und Marlis Schwedes (von links), sowie die beiden Geschäftsführer Martin Bruttel und Thomas Pfefferle. Gedruckt wird in Baiersbronn ausschließlich auf Heidelberg-Maschinen. bis 750 g/m 2, das entspricht rund 85 Millionen Druckbogen, entstehen jährlich rund eine Milliarde Verpackungen statistisch gesehen zwölf für jeden Deutschen. Spezialanfertigungen haben manchmal nur eine Auflagenhöhe von wenigen Tausend Exemplaren, andere überspringen leicht die Millionengrenze. Gedruckt wird in der Regel im Dreischichtbetrieb. Der ökologische Ansatz der Schwarzwälder klingt verblüffend einfach: Wir wollen den gesamten Wertschöpfungsprozess einer Faltschachtel nachhaltig gestalten, formuliert es Martin Bruttel, innerhalb der zweiköpfigen Geschäftsführung verantwortlich für Technik, Produktion und Vertrieb. als teil der wertschöpfungskette definiert Bruttel nicht nur die Produktion selbst, sondern auch die gesamte dafür notwendige Infrastruktur. Die fängt schon bei der Energieversorgung des Quadratmeter großen Firmengebäudes an. Rund viereinhalb Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht der Betrieb pro Jahr. Seit Anfang 2011 bezieht colordruck Strom ausschließlich aus regenerativen Quellen. Dies entlastet die Umwelt um rund Tonnen klimaschädlichen Kohlendioxids. Beheizt wurde der Betrieb lange Zeit konventionell mit Öl und Gas stellte er dann auf eine neue Form der Wärmeversorgung um, auf eine ausgesprochen pfiffige dazu. Die Kartons, die sich später in bedruckte Faltschachteln verwandeln, werden auf Einwegpaletten aus Holz angeliefert. Pro Jahr sind dies rund Stück. Diese Paletten werden gehäckselt und in einer Biomasse-Heizanlage zusammen mit Holzabfällen aus einem der zahlreichen Sägewerke der Umgebung verbrannt. Auf diese Weise lassen sich rund 80 Prozent des Wärmebedarfs der Druckerei decken. Im relativ milden Winter 2011/2012 brauchte Bruttel sogar überhaupt keine Wärmeenergie zuzukaufen. Das Holzhackschnitzel- 11

16 ökologie werk spart colordruck nicht nur Liter Heizöl, sondern reduziert auch den Ausstoß an Kohlendioxid um 270 Tonnen pro Jahr. Gegenüber dem Einsatz konventioneller fossiler Brennstoffe liegen unsere CO 2 - Emissionen nur noch bei rund 15 Prozent, freut sich Martin Bruttel. Ähnlich clever lösten die Baiersbronner das Problem mit der Kühlung der Produktionshalle, in der es im Hochsommer auch schon mal um die 30 Grad warm werden kann. Im Rahmen eines Neubaus vor vier Jahren wurde das gesamte Unternehmen mit einer Sprinkleranlage ausgestattet. Das hierzu erforderliche Sprinklerbecken wird vom Schwarzwaldflüsschen Murg gespeist, das unmittelbar neben dem Betriebsgelände vorbeiplätschert. Das klare Gebirgswasser hat bereits kurz vor der Einleitung in das Liter fassende Reservoir bei colordruck im Auftrag der Gemeinde Baiersbronn in einem Wasserkraftwerk umweltfreundlichen Strom erzeugt. mit dem kalten wasser und mittels Wärmetauscher sinkt die Temperatur in der Halle auf umweltfreundliche Art an Hitzetagen um rund sechs Grad Celsius. Gegenüber einer konventionellen Kühlung spart dies 70 Tonnen CO 2 im Jahr. Gespart wird auch beim Licht: Die Beleuchtung des Produktionsgebäudes orientiert sich automatisch am vorhandenen Tageslicht. Weitere 20 Prozent wichtige Elemente des Umweltkonzepts von colordruck. Das kalte Holz und Wasser aus dem Nordschwarzwald sind für Martin Bruttel Wasser des Flüsschens Murg kühlt im Sommer das Betriebsgebäude Energie spart die im Jahr 2008 erfolgte Modernisierung über Wärmetauscher um bis zu sechs Grad herunter. des Druckluftnetzes. Pfiffig auch: Die bei der Luftverdichtung anfallende Wärme erhitzt das Wasser für Waschbecken und Duschen. gedruckt wird in baiersbronn ausschließlich auf Auch im eigentlichen Produktionsprozess schreibt modernsten Heidelberg-Maschinen, jeweils mit sechs colordruck den Begriff Nachhaltigkeit ganz groß. Etwa Farbwerken und ein bis zwei Inline-Lackwerken. Das zwei Drittel des verarbeiteten Kartons bestehen aus Recy- ist gewissermaßen das 3-Sterne-Restaurant unter den clingmaterial, das sechs- bis siebenmal wiederverwertet Druckmaschinenbauern, zieht Martin Bruttel einen werden kann. Der Rest entstammt Frischfasern, zum Teil Vergleich mit der Spitzengastronomie am Ort und lacht. aus nachhaltiger Holzwirtschaft. Dass der Betrieb Thomas Pfefferle dabei, Seit 2010 sind er und nach FSC und auch nach den Maschinenpark turnusgemäß zu erneuern.»gegenüber dem Einsatz konventioneller PEFC zertifiziert ist, gilt für fossiler Brennstoffe liegen unsere CO 2 -Emissionen Martin Bruttel und seinen Derzeit jüngste Neuerwerbung ist die weltweit erste nur noch bei rund 15 Prozent.«Geschäftsführungskollegen Thomas Pfefferle gewissermaßen als Ehren- sechs Farben und Doppel- Speedmaster XL 106 mit sache: Gerade für unseren Betrieb mitten in einem der lackwerk. Ab dem Spätsommer 2011 werden in Baiersbronn dann insgesamt drei Heidelberg Speedmaster XL größten Waldgebiete Deutschlands fühlen wir uns diesen Regelwerken besonders verpflichtet, betont Pfefferle. mit 22 Druck- beziehungsweise Lackwerken installiert sein. Genauso selbstverständlich war es für Pfefferle und Beim Kauf der Maschinen achten die beiden darauf, Bruttel, ein Umweltmanagementsystem nach der DIN dass sie klimaneutral gestellt wurden. Die 2010 installierte EN ISO aufzubauen und die Anforderungen aus Speedmaster XL 105 Sechsfarben plus Lack beispielsweise verursachte bei ihrer Produktion nach dieser Norm in die täglichen Prozesse zu implementieren. Berechnungen 12

17 ökologie gehäckselte Holzpaletten werden in einem Silo gelagert und dann in einer Biomasse-Heizanlage klimaneutral verbrannt. Stanzabfälle werden gesammelt, gepresst und vom Kartonhersteller wiederverwertet. Beim Druck von Verpackungen für die Lebensmittelindustrie gibt es besondere Hygienevorschriften, auch bei der Farbkontrolle. strenge hygienevorschriften Die Herstellung von Verpackungen für die Lebensmittelindustrie unterliegt besonderen hygienischen Vorschriften. Das gilt auch für den Druck und für die Weiterverarbeitung von Faltschachteln. colordruck Baiersbronn arbeitet nach dem sogenannten Global Standard Packaging, einer britischen Hygienerichtlinie, die europaweit die höchsten Standards für Lebensmittelverpackungen sicherstellen soll. Das Unternehmen war 2004 der erste Verpackungsdrucker in Baden-Württemberg, der diese Zertifizierung erhielt. Die Vorschriften darin erklären auch, warum es in der Produktion zugeht wie in der Lebensmittelindustrie selbst: Die Mitarbeiter dort tragen Kopfhaarbedeckungen und Betriebskleidung. Für externe Besucher gelten ebenfalls strenge Hygienevorschriften. An zahlreichen Stellen der Produktion finden sich sogenannte Hygienestationen zum Händewaschen und zur Desinfektion. Besonders hygienisch muss es auch beim zweiten Standbein des Unternehmens zugehen. Im hochmodernen Packaging Service Center übernimmt colordruck auch das Verpacken für renommierte Markenartikelunternehmen. von Heidelberg einen CO 2 -Ausstoß von 263 Tonnen. Kein anderer Hersteller außer dem Weltmarktführer kann eine solche Berechnung valide durchführen. Zum Ausgleich der Emissionen überwies colordruck der Organisation natureoffice den entsprechenden Eurobetrag, der in ein Wiederaufforstungsprojekt in Vietnam fließt. Bei der Anschaffung der beiden anderen großen Speedmaster wurde genauso verfahren. Auch die neuen Stanzmaschinen wurden klimaneutral gestellt. Bei colordruck Baiersbronn soll dies bei zukünftigen Investitionen Standard sein. mit der neuen generation der XL 105 und XL 106 spart die Druckerei zudem Ressourcen und Energie. Durch das integrierte Qualitätsmess- und Regelsystem Prinect Inpress Control lassen sich die Maschinen mit 40 Prozent weniger Makulatorbogen in den Gutdruck bringen. Die Trockner der Lackierwerke sind außerdem mit der DryStar-Technologie für jeden Auftrag passgenau zu steuern. Dies spart allein beim Trocknen bis zu 45 Prozent Energie. seit 2010 werden ausschließlich Druckfarben und -lacke auf der Basis von Pflanzenölen verwendet. Durch den 2011 installierten Suprasetter 105 MLC ist der Entwicklerverbrauch um rund 50 Prozent gesunken. Am Ende der Wertschöpfungskette gelangen die zwangsläufig anfallenden Kartonabfälle aus den Stanzen über Gurtbahnen in einen separaten Bereich. Eine Presse formt das nicht benötigte Material zu Ballen, die dann zum Recycling zurück an den Kartonhersteller gehen. Ist die Faltschachtel gedruckt, gestanzt, gefalzt und geklebt, ist colordruck mit dem Thema Nachhaltigkeit aber noch nicht am Ende. Auch die Logistikpartner sind nach der DIN EN ISO zertifiziert, ihre LKW-Flotte erfüllt die strengsten europäischen Abgasnormen. Ökostrom und Holzheizung, Flusswasserkühlung und FSC, Recyclingkartons und Farben auf Pflanzenölbasis, Umweltmanagementsystem, CO 2 -Kompensation, Klimarechner und noch einiges andere mehr wären dies die Zutaten zu einem grünen Gourmet-Menü, colordruck Baiersbronn würde dafür zweifellos drei Sterne bekommen. 13

18 ökologie Vorreiterrolle unterstrichen Sie findet alle vier Jahre statt und ist die weltweit größte Messe im Bereich Druck und Papier: die drupa in Düsseldorf. Heidelberg ist dort traditionell der größte Aussteller. In diesem Jahr stellte das Unternehmen, wie schon zur Ipex 2010, sämtliche Aktivitäten, die in Zusammenhang mit der Messe standen, CO 2 -neutral. 14

19 ökologie Das Ziel war höchst ambitioniert, die Umsetzung eine riesige Herausforderung. Mit Quadratmetern hatte der Messestand in der Halle 1 etwa die Größe eines Fußballfelds. Rund Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren in die Organisation der 14-tägigen Großveranstaltung mit rund Besuchern eingebunden die Bezeichnung Olympische Spiele der Druckindustrie für die drupa kommt nicht von ungefähr. Und wirklich alles, was Heidelberg rund um die Teilnahme an dieser Messe tat, sollte die Umwelt nicht zusätzlich mit dem Treibhausgas CO 2 belasten. Bereits in der Planungs- und Ausschreibungsphase hatte Heidelberg auf umweltfreundliche Prozesse sowie den Einsatz wiederverwendbarer beziehungsweise recyclingfähiger Materialien geachtet. Eine wesentliche Rolle im Designkonzept spielten gebrauchte Druckplatten, die nach der Messe ebenfalls dem Stoffkreislauf wieder zugeführt werden konnten. Externe Spezialisten hatten im Vorfeld das drupa-kernteam in Workshops zu ökologischen Themen geschult. Dabei sensibilisierten sie das Team vor allem dafür, CO 2 -Emissionen zu reduzieren beziehungsweise zu vermeiden. Lieferanten und Partner mussten sich ebenfalls dazu verpflichten, Umweltaspekte zu berücksichtigen und ihren CO 2 -Ausstoß zu messen. Genau erfasst wurde auch der CO 2 -Ausstoß, den Transportunternehmen beim Materialtransport nach Düsseldorf und zurück hinterließen Tonnen Material waren auf die Messe zu bringen, vieles davon aus den rund 300 Kilometer entfernten Standorten Wiesloch- Walldorf und Heidelberg. Die deutschen Mitarbeiter am Stand reisten nicht mit eigenen Fahrzeugen in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt, sondern mit Charterbussen oder der Bahn. Innerhalb der Stadt wurde der öffentliche Personennahverkehr genutzt. Ökologische Aspekte machten auch vor der Verpflegung nicht halt: Von den Caterern wurden lokale Produkte und regionale Bezugsquellen erwartet. Auf- und Abbau der Maschinen, ihre Herstellung selbst, der Betrieb auf der Messe auch diese Prozesse wurden im Hinblick auf ihren CO 2 -Ausstoß erfasst und bilanziert. Dies galt auch für die verbrauchten Materialien wie Papier, Farben, Lacke oder Reinigungsmittel. Alle auf der drupa 2012 gezeigten Heidelberg-Maschinen waren CO 2 -neutral gestellt. Genau Tonnen Kohlendioxid, so die Schlussrechnung, wurden durch den drupa-auftritt in die Atmosphäre abgeben. Kompensiert werden sie durch ein Klimaschutzprojekt der Organisation natureoffice in Togo. 15

20 warmluft trifft kaltluft Bei der Entwicklung von Lösungen für ökologisches Drucken setzt Heidelberg traditionell Maßstäbe in der Branche. Dies wurde auch auf der diesjährigen drupa wieder deutlich. Heidelberg stellte diese Lösungen auf der Branchenleitmesse unter der Überschrift HEI ECO vor. Bei der Trocknertechnologie arbeitet Heidelberg ständig an Verbesserungen. Auf der drupa 2012 war erstmals ein System für die Wärmerückgewinnung zu sehen. Das Besondere daran ist, dass diese über einen Kreuzwärmetauscher erfolgt. Die nach der Trocknung des bedruckten Bogens feuchtheiße Luft strömt dabei, nur durch dünne Metallplättchen getrennt, an trockenkühler Frischluft vorbei und heizt diese auf. Die Wärme der benutzten Trocknerluft, die ansonsten ungenutzt in die Atmosphäre entweichen würde, wird so dem Trocknungsprozess ein weiteres Mal zugeführt. Die Feuchtigkeit dagegen wird abgeführt. Dieser Vorgang lässt sich beliebig oft wiederholen. Modellrechnungen haben ergeben, dass dadurch der Energiebedarf bei einer Heidelberg Speedmaster XL 106 im Zweischichtbetrieb um rund 20 Kilowatt sinkt und dies den CO 2 -Ausstoß um bis zu 42 Tonnen pro Jahr reduziert. Bei der Produktion von Printerzeugnissen ist der Energieverbrauch beim Drucken nach der Papierherstellung der zweitgrößte CO 2 -Verursacher. Kein Wunder also, dass Heidelberg in diesem Bereich besonders genau hinschaut und nach Einsparmöglichkeiten sucht. Wie viel Strom eine Maschine gerade verbraucht, diese Frage können mittlerweile die meisten Hersteller recht einfach beantworten. Diese Zahl hat aber nur einen sehr eingeschränkten Aussagewert, weil sie in keiner Relation zum Output der Maschine steht, erklärt Heidelberg- Produktmanager Harald Woerner. Das Unternehmen ist der einzige Hersteller, der die Energieeffizienz messen kann also verlässlich angeben kann, wie viel Energie die Druckmaschine pro bedruckten Bogen benötigt. Das ist wie beim Auto die Angabe Benzinverbrauch pro 100 Kilometer, fügt Woerner einen einfachen Vergleich hinzu. Auf dem Wallscreen des Prinect Press Centers oder einem separaten PC wird dann, ähnlich wie beim Bordcomputer eines Autos, direkt unter der aktuellen Bogengeschwindigkeit der Wert kwh pro Bogen angezeigt. Mit dieser Information kann der Drucker den Energiebedarf der Maschine analysieren und entsprechende Maßnahmen einleiten, um den Stromverbrauch zu verringern. je schneller, desto umweltschonender Wie hoch ist jedoch unter ökologischen Gesichtspunkten die ideale Geschwindigkeit einer Druckmaschine? Im Gegensatz zum Auto hat eine Druckmaschine einen relativ hohen Bedarf an Grundenergie für Komponenten und Systeme also, die permanent bereitgehalten werden müssen, ohne dass auch nur ein einziger Bogen gedruckt wird. Die Folge: Je schneller die Maschine läuft, je mehr Bogen sie also pro Zeiteinheit produziert, desto besser verteilt sich die verbrauchte Energie auf jeden einzelnen Bogen und desto niedriger ist der Verbrauch je Einheit. Das Messgerät für die Energieeffizienz ist für alle Formatklassen und die meisten Baureihen erhältlich. Es ist in den Hauptschaltschrank der Druckmaschine eingebaut und misst nach einheitlichen Richtlinien des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Mit ihm lassen sich auch die exakten Energiewerte etwa pro Auftrag, pro Schicht, pro Maschine oder pro Monat erfassen und analysieren. Die Energiemessung dient auch als Baustein für die Zertifizierung der Druckereien nach ISO Das Gerät stößt bisher auf großes Interesse, hat Harald Woerner nicht nur auf der drupa festgestellt. Energie ist ein wichtiges Thema, und die Anschaffungskosten für das Gerät amortisieren sich bei entsprechender Nutzung recht schnell. 16

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