Nützliche Werkzeuge für das Coaching

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1 Nützliche Werkzeuge für das Coaching Fragen stellen, statt Anweisungen geben, was zu tun ist Eine Frage zu stellen, ist ein Befehl, der Teil der normalen gesellschaftlichen Konversation ist. Nach unseren üblichen Gepflogenheiten wird von einer Person, die eine Frage gestellt bekommt, eine Antwort erwartet gibt sie die nicht, bricht sie im allgemeinen unsere gesellschaftlichen Regeln. Eine Frage zu stellen, impliziert auch, dass die Person, die gefragt wird, die Information besitzt, die die Fragende haben möchte. In Beziehungen mit so riesigen Machtunterschieden, wie zum Beispiel zwischen LehrerIn und SchülerIn oder Coach und der Person, die gecoacht wird, ist das Fragen die aufmerksamste, respektvollste und liebevollste Geste, die ein Mensch in einer Machtposition der Person gegenüber, die sie (be-)fragt, zeigen kann. Neugier Abhängig vom Ton der Stimme, dem Tonfall, der Wortwahl und den non-verbalen Gesten kann die Frage den aufrichtigen Willen ausdrücken, von jemandem mit nicht ebenbürtigem Status etwas zu lernen, oder auch ein gewisses Maß an Expertise anzuerkennen in Hinblick auf die Information, nach der gefragt wurde. Wenn also eine LehrerIn einer SchülerIn eine Frage stellt oder ein Coach SchülerInnen oder LehrerIn etwas fragt, wird hiermit sehr deutlich die Haltung der LehrerIn oder des Coach der anderen Person gegenüber vermittelt. 33

2 W-Fragen Die meisten Fragen, die mit w beginnen, sind nützlich und vermitteln die aufrichtige Absicht des Coaches, eine Frage zu stellen, das heißt, informiert zu werden, sich zu bilden und etwas über die SchülerIn oder die LehrerIn zu lernen. Daher sind also die meisten Fragen, die mit einem w beginnen was, wann, wo, wer und wie nützliche Möglichkeiten, Information zu erhalten. Eine Ausnahme ist die warum -Frage. Wenn sie in Verbindung mit einem tadelnden Tonfall oder entsprechenden Gesten gestellt wird, kann die warum -Frage drohend oder beschuldigend klingen, als ob jemand für einen Fehler zur Rechenschaft gezogen wird. In solch einem Fall würde sie ganz sicher keine positive Beziehung zwischen einem Coach und einer Klasse voller Kinder und ihren LehrerInnen aufbauen. Für unser Ziel, Lösungen in der Klasse zu (er)schaffen, ist es daher normalerweise eine gute Idee, einen weniger herausfordernden Weg zu wählen, um herauszufinden, was zum Beispiel hinter dem aggressiven Verhalten eines Kindes stecken mag. Sicher gibt es Situationen, wo der Coach den Beweggrund für gewisse Handlungsweisen des Kindes herausfinden möchte. Es ist dann besser, die Formulierung Wie kommt es, dass? zu verwenden statt Warum hast du?, um zu erfahren, was hinter gewissen Verhaltensweisen des Kindes liegt. Im Verlaufe dieses Buches hoffen wir, Ihnen Vorschläge machen zu können, den richtigen Tonfall zu wählen und das Lösungsgespräch zu gestalten. Fragen formen die Antworten Viele Coaches vergessen, dass die Frage, die wir in einem Gespräch stellen, die Antwort formt, die wir erhalten. Betrachten Sie die fol- 34

3 genden Fragen und stellen Sie sich vor, welche Botschaften sie denen, die wir fragen, vermitteln: Hast du schon mal eine Arbeit gehabt? Wie viele Arbeitsstellen hast du bisher gehabt? Obwohl die erste Frage wohlwollend zu sein scheint, vermittelt sie doch ganz andere Botschaften als die zweite Frage. Fragen formen nicht nur die Antworten, die wir erhalten, sie vermitteln gleichzeitig auch, wie wir diese Person einschätzen. Die Person, die gefragt wird, entnimmt der zweiten Frage eine ganz andere Botschaft als der ersten. Wie Sie also sehen können, initiieren wir nicht nur die Antworten auf unsere Fragen, sondern geben über die Art der Fragestellung auch unsere Haltung und unsere Meinung zu dieser Person preis. Die Lehre, die wir aus dieser Übung ziehen müssen, besagt: Wenn Ihnen die Antworten, die Sie von den SchülerInnen oder LehrerInnen erhalten, nicht gefallen, formulieren Sie die Fragen um, bis Sie eine Antwort bekommen, die als hilfreich angesehen wird. Gute Ziele aushandeln Alle beruflichen Aktivitäten, für die es sich lohnt, hart zu arbeiten, werden vorangetrieben durch das angestrebte Endziel, das heißt, erfolgreiche Aktivitäten werden danach bemessen, ob sie ihren Zweck erfüllt haben. Beim Coaching wird derselbe Maßstab für berufliche Aktivitäten angelegt, und es wird mit LehrerInnen und 35

4 SchülerInnen ausgehandelt, wie das erfolgreiche Ergebnis aussehen soll. Die ganze Klasse hat daher einen eigenen, einzigartigen Satz von Verhaltensweisen, auf den die gesamte Klasse sich als zu erreichendes Ziel geeinigt hat. Eine Klasse könnte zum Beispiel beschließen, dass ihr wichtigstes Ziel, das sie erreichen möchten, darin besteht, höflich miteinander umzugehen, während eine andere Klasse sich vielleicht dafür entscheidet, dass die ganze Klasse sich darin einig sein soll, immer nur einzeln zu reden. Jede Klasse kann auch im Laufe der Zeit ihr Ziel ändern. Eine Schulklasse hat sich vielleicht für eine bestimmte Anzahl von Zielen entschieden, und wenn sie diese erreicht haben, können sie in einem weiteren Schritt einen neuen Satz von Zielen beschließen. Mit der Erlaubnis der LehrerIn können sie im Laufe des Schuljahres ihre Ziele neu aushandeln. Alle guten Ziele haben folgende Kennzeichen Ziele werden in konkreten, verhaltensbezogenen und messbaren Begriffen beschrieben Ganz sicher sind gute Ziele wie Meilensteine oder Wegweiser, die uns mitteilen, ob wir auf dem richtigen Wege sind und auch, wo das Ziel liegt. Wenn wir also auf der Autobahn sind, schauen wir immer wieder auf die Wegweiser, die uns sagen, du bist auf der richtigen Autobahn und fährst in die richtige Richtung. Und das ist 36

5 nicht das einzige, denn einige Hinweise zeigen uns auch an, wie viele Kilometer es noch bis zum Ziel sind, wo wir Benzin für das Auto bekommen und Essen für unseren Magen. Diese Wegweiser tauchen häufig genug auf, damit wir sehen, dass der Abstand zum Ziel geringer wird. Dieselben Regeln lassen sich auf WOWW anwenden. Wir müssen wissen, nach welchen Zeichen wir Ausschau halten sollen, wer was macht, wie und wann mit wem, damit wir erkennen, ob SchülerIn und LehrerIn sich in dieselbe Richtung bewegen und wir das Richtige machen, sodass wir damit fortfahren können. Wir überprüfen immer wieder, ob wir auf dem richtigen Weg sind und nicht aus Versehen in einen Seitenweg abgebogen sind. Ziele beschreiben die Anwesenheit von Lösungen, nicht die Abwesenheit von Problemen Bis zum Abschluss ihrer Ausbildung hört man immer wieder Leute sagen, wie sie Probleme aus der Welt schaffen wollen, statt zu sagen, wie sie ein neues Verhalten beginnen wollen. Unser Ziel hingegen wird in der Regel als das Vorhandensein von Lösungsverhalten beschrieben, das heißt als das, was SchülerInnen tun werden, wenn sie den Lösungszustand erreicht haben, und nicht als das, was sie nicht tun werden. Es bedarf einiger Mühe, sich das immer wieder vor Augen zu führen. Statt zu sagen: Tom, renn nicht den 37

6 Flur entlang!, wäre es hilfreicher für Tom, genau zu wissen, was er tun soll, wenn also die LehrerIn zu ihm sagt: Tom, geh bitte ruhig den Flur entlang. Ziele müssen einfach, klein und leicht zu erreichen sein Viele der Kinder, mit denen die Coaches arbeiten, müssen ihre Erfolge deutlich, offensichtlich und ganz unmittelbar erleben. Daher müssen alle Ziele, auf die wir uns einigen, einfach und leicht genug sein, so dass die Kinder ein unmittelbares Gefühl des Erfolges erleben. Wir wissen, dass Erfolge aus Erfolgen erwachsen, und viele der Kinder in den Programmen, die vorzeitiges Verlassen der Schule verhindern sollen, brauchen den unmittelbaren Erfolg. Auch wenn Sie schon eine Weile mit einer Gruppe von Kindern gearbeitet haben, müssen auch die nachfolgenden Kontakte kleine Erfolge zum Ziel haben. Statt zum Beispiel auf der Skala von 1 bis 10 gleich von der 3 zur 4 zu gehen, setzen Sie sich vielleicht zum Ziel, erst einmal zur 3,5 statt gleich zur 4 zu kommen; hierdurch lernen die Kinder, sich selbst kleine Ziele zu setzen, die sie sofort erreichen können. Eine leichte Aufgabe ist etwas, was sie früher schon als Ausnahme gezeigt haben. Das heißt, wenn das Ziel der Klasse ist, jeder soll 38

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