Es ist mir eine grosse Freude Sie auch im Namen des Bundesamtes für Statistik an den Statistiktagen 2013 in Basel zu begrüssen.

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1 Eidgenössisches Departement des Innern EDI Bundesamt für Statistik BFS Direktion Schweizer Statistiktage, 16. Oktober 2013, Basel Keynote BFS Direktor Dr. MBA Georges-Simon Ulrich (Es gilt das gesprochene Wort) Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hans-Rudolf Künsch (ETH Zürich), Herr Prof. Dr. Edward Waymire (Oregon State University), Herr Dr. Diego Kuonen, (Swiss Statistical Society), Herr Peter Laube, (KORSTAT) Eadem mutata resurgo oder übersetzt Though changed I shall rise the same. Diese Inschrift finden Sie im Basler Münster, nur wenige hundert Meter von hier entfernt auf der Grabplatte von Jacob Bernoulli, dem die vergangenen Tage gewidmet waren. Es ist mir eine grosse Freude Sie auch im Namen des Bundesamtes für Statistik an den Statistiktagen 2013 in Basel zu begrüssen. Diese Inschrift verdeutlicht den Gedanken der Weiterentwicklung der öffentlichen Statistik durch stetigen Wandel. Denn die öffentliche Statistik das heisst Sie und ich, also wir stehen vor grossen Herausforderungen. Ich denke dabei beispielsweise an das aufgrund neuer technologischerer Möglichkeiten Auftreten neuer Informationsanbieter (Stichwort big data ) oder an den konstanten Spardruck bei gleichzeitig zunehmenden Bedürfnissen nach immer komplexeren Informationen. Der sich daraus ableitende Auftrag zur Anpassung und zum Wandel entsteht jedoch nicht im luftleeren Raum. Das bedeutet, dass wir uns unseres Grundauftrags sowie der Erkenntnisse und Leistungen der Vergangenheit bewusst sein müssen. Wir müssen uns laufend verändern, anpassen. Dabei dürfen wir gleichzeitig unseren Auftrag und unsere Ansprüche betreffend Qualität, Relevanz und politischer Unabhängigkeit unserer Arbeit nicht aus den Augen verlieren. Ich möchte heute aber nicht über die Vergangenheit sprechen, das wird im Zentrum der Ausführungen meines Nachredners stehen. Ich will mich in den nächsten Minuten auf die Zukunft der öffentlichen Statistik konzentrieren. Dabei interessiert vor allem, wie wir Gutes bewahren und Neues aufnehmen, den Wandel im Sinne der kontinuierlichen Weiterentwicklung bewältigen können. Ich durchlebe aktuell ganz persönlich einen solchen Wandel. Wie Sie wissen, habe ich meine Funktion als Direktor des BFS erst vor 16 Tagen offiziell übernommen. Vorher war ich als Direktor von LUSTAT für ein anderes Segment der öffentlichen Statistik tätig. Aber auch in meiner neuen Rolle bleibe ich meinen Ansprüchen, Ansichten und Vorstellungen über die öffentliche Statistik treu. Vor allem möchte ich skizzieren, was die Bewältigung dieser Herausforderungen aus meiner Sicht für die öffentliche Statistik bedeuten kann, respektive welche Ansätze dazu notwendig sind.

2 1 Qualität und Effizienz als dauernde Herausforderung Ich plädiere nicht für den Wandel um des Wandels willen. Noch bin ich der Meinung, dass die Herausforderungen, denen wir uns heute stellen müssen einen radikalen Umbau der öffentlichen Statistik erfordern. Im Gegenteil: die Kunst des erfolgreichen Wandels besteht darin, sich den sich verändernden Rahmenbedingungen anzupassen, den überflüssig gewordenen Ballast abzuwerfen und das Gute mitzunehmen. So stellen wir die kontinuierliche Erfüllung unseres Grundauftrags mit der nötigen Qualität und Effizienz sicher. Das in der Vergangenheit erarbeitete Know-how dient dabei als solide Basis, die den Aufbau stützt und sichert. Der heute nötige Wandel ist also primär evolutiv im Sinne einer ständigen Verbesserung. Wie wir aus der Vergangenheit wissen, sind ab und an auch revolutionäre Neuerungen notwendig. Sie sollen aber die Ausnahme bilden, nur sehr gezielt eingesetzt und vor allem anschliessend integriert und weiterentwickelt werden. Zwei gute Beispiele für diesen Ansatz sind für mich die systematische Integration von Registerdaten und die Datenverknüpfungen. Die Nutzung der Register- und Administrativdaten war bei der ersten Durchführung der neuen Volkszählung eine Revolution, ein eigentlicher Quantensprung. Sowohl was die sich daraus ergebenden Möglichkeiten als auch die Entlastung der Befragten betrifft. Heute, nur wenige Jahre später, ist diese Nutzung zur Normalität geworden. Wir stehen jetzt vor der nicht minder anspruchsvollen, aber weniger glamourösen Aufgabe, diese Errungenschaft durch Massnahmen zur Qualitätssicherung zu pflegen und gleichzeitig die systematische Integration schrittweise auszubauen, z.b. im Bereich der Bildung oder der Steuerregister. Ein nächster Quantensprung steht bevor, die Datenverknüpfungen. Bis wir diese als Courant normal leben können sind noch grosse Anstrengungen nötig und diverse Klippen zu umschiffen. Aber auch diese Neuerung wird bald Normalität sein und der öffentlichen Statistik neue Möglichkeiten eröffnen, insbesondere für eine effiziente und ressourcenschonende Produktion von statistischen Informationen bei gleichzeitiger Entlastung der Befragten. 2 Der Grundauftrag als Fundament unseres Handelns Wie wir die Herausforderungen meistern können, möchte ich Ihnen in fünf Abschnitten darlegen: Als erstes widme ich mich unserer Hauptaufgabe, der kontinuierlichen Informationserarbeitung. Danach will ich Ihnen meine Gedanken zur Rolle der Statistik als Kommunikationsinstrument und Übersetzungshilfe darlegen. Zusammenarbeit ist für mich eine conditio sine qua non, deren Rahmenbedingungen ich gerne danach skizzieren will, um mich schliesslich den Herausforderungen in den Bereichen der Outcome-Orientierung und dem Umgang mit Komplexitäten zu widmen. 2.1 Die Notwendigkeit der Kontinuität in der Deskription Ich setze also auf einen Wandel durch Kontinuität, der nur auf einem starken Fundament erfolgen kann. Doch worin besteht dieses? Ihre primäre, ihre klassische Aufgabe hat die öffentliche Statistik im Bereich der Deskription, bei der Beschreibung und Erläuterung vergangener Entwicklungen, ohne Bewertung oder Ableitung von Handlungsempfehlungen. Hier wird die Statistik zum Gedächtnis der Nation. Diese Verantwortung bedeutet aber auch, dass ein 2/7

3 sehr grosser Teil der für die öffentliche Statistik zur Verfügung stehenden Ressourcen gebunden ist, ohne dass der Wert dieser Tätigkeiten im Normalfall in der Öffentlichkeit speziell wahrgenommen wird. In Zeiten beschränkter Ressourcen und mit dem heute deutlich spürbaren Bedürfnis nach immer neuen Statistiken müssen wir deshalb sicherstellen, dass wir dieses Gedächtnis erhalten können. Denn diese kontinuierlich erarbeiteten statistischen Informationen dienen nicht nur der Geschichtsschreibung. Sie sind die wesentliche Grundlage zur langfristig orientierten Entwicklung und Überprüfung politischer Massnahmen und Strategien und sie kommen auch immer wieder zum Einsatz, wenn sie neu kombiniert und analysiert auf neue Fragestellungen rasch Antworten liefern können. 2.2 Die Brückenfunktion der Statistik Der nächste, der normative Beitrag der öffentlichen Statistik ist naturgemäss kleiner, denn sie muss nicht nur wissenschaftlich basiert sondern auch frei von Politikeinflüssen aufgebaut sein. So kann sie allen Beteiligten unabhängig von den jeweiligen politischen Einstellungen und Zielsetzungen die notwendigen neutralen Fakten liefern. Hier steht auch und vor allem die Politik in der Verantwortung. Sie muss klar festlegen, welche Ziele sie erreichen will und wie der Erfolg der getroffenen Massnahmen gemessen werden soll, damit die Statistik die entsprechenden Informationen liefern kann. Gerade dieses Erfassbar machen von Zielen stellt eine immer wieder unterschätzte Herausforderung für uns dar, denn es verlangt nicht mehr und nicht weniger als eine Übersetzungsleistung. Dieses Übertragen politischer Vorstellungen in faktuelles Wissen bedeutet, dass die verantwortlichen Statistikerinnen und Statistiker über ein tiefgreifendes Verständnis des betreffenden Sachverhalts, der betreffenden politischen Massnahmen verfügen müssen. Wir sind gefordert, nicht nur unser statistische Know-how weiterzuentwickeln sondern uns auch dauernd und aktiv mit den Inhalten der Debatten in Politik und Öffentlichkeit auseinandersetzen, um deren Hintergründe zu verstehen. Gelingt uns diese Übersetzung, erhält die politische Ebene nicht nur die Grundlage für die Bewertung des Vergangenen sondern auch Informationen über mögliche Zusammenhänge und Abhängigkeiten. Sie bekommt die Möglichkeit, Massnahmen zukunftsorientiert und zielgerichtet zu definieren. Damit erfüllt die öffentliche Statistik einen weiteren Teil ihres Auftrags als nicht wegzudenkendes Instrument der politischen Führung. Denn die Politik ist gefordert, die Geschicke des Staatswesens sei es auf nationaler, kantonaler oder kommunaler Ebene in einer hochkomplexen, immer stärker vernetzten und somit durch Interdependenzen geprägten Welt zu lenken. Wir müssen uns aber auch bewusst sein, dass die öffentliche Statistik nicht alle Bedürfnisse befriedigen kann. So hat beispielsweise die Finanzkrise deutlich gemacht, dass die Statistik immer wieder mit Forderungen der Politik und der Öffentlichkeit nach Informationen konfrontiert wird, welche zumindest in der gewünschten Frist und Qualität nicht geliefert werden können. Es ist unmöglich und mit den bestehenden Ressourcen nicht finanzierbar, das System der öffentlichen Statistik so aufzustellen, dass wir in Zukunft alle solchen Bedürfnisse immer direkt befriedigen könnten. Es ist daher unsere Aufgabe, gemeinsam mit den Partnern der öffentlichen Statistik das statistische Portfolio zu bereinigen, damit die Ressourcen für neue Vorhaben zur Verfügung stehen. Beispielsweise bin ich der Überzeugung, dass wir gerade im Bereich der Querschnittanalysen noch weitere Fortschritte erzielen müssen. Damit können wir in Zukunft Aussagen zu Gesamtsystemen oder aber zu Interdependenzen zwischen den verschiedenen Systemen oder Systemelementen machen können. Es ist auch unsere Aufgabe Trends und Entwicklungen in den Themenfeldern der öffentlichen Debatten zu verfolgen und sich abzeichnende Fragestellungen zu erkennen. Ich denke, dass wir es vermehrt wagen sollen, aktuelle oder sich abzeichnende politische Diskussionsfelder im Sinne eines Themenradars aktiv zu verfolgen, um daraus statistische Handlungsfelder abzuleiten, deren Inhalte von den Verantwortlichen der Statistik pro-aktiv in die Dis- 3/7

4 kussion eingebracht werden können. 2.3 Effizienz durch Kooperation Eine der grössten Herausforderungen für das System der öffentlichen Statistik sehe ich denn auch in der Weiterentwicklung der Partnerschaften zwischen den verschiedenen Akteuren der öffentlichen Statistik sowie dem gezielten Ausbau der Kommunikation mit unseren Nutzern und Auftraggebern aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft. Um diesen Dialog auch wirklich gemeinsam und zielorientiert zu führen, müssen die oben skizzierten Aufgaben der öffentlichen Statistik klar definiert und die Spielregeln von allen Partnern akzeptiert sein. Dabei dürfen wir uns nicht zu schade sein, beispielsweise aktiv auf die Medien zuzugehen. Denn mehr und mehr befindet sich die öffentliche Statistik in einem Konkurrenzverhältnis zu anderen Informationsanbietern. Gerade deshalb sollten wir vermehrt unsere Stärken wie beispielsweise Qualität, Standardisierung und Vergleichbarkeit auf nationaler und internationaler Ebene auch aktiv kommunizieren und vermitteln und so für unsere Produkte werben. Dies ist für uns alle Aufgabe und Verpflichtung zugleich, denn meine Damen und Herrn Statistik ist kein Selbstzweck, sie steht als öffentliches Gut im Dienste der Gesellschaft. Doch wie erreichen wir, dass DIE öffentliche Statistik als Einheit auftritt, kohärent wahrgenommen und sich als natürlicher Partner im Informationsmarkt positioniert? Grundvoraussetzung dafür ist, dass wir das von uns allen vielzitierte und unterschiedlich interpretierte Statistiksystem Schweiz definieren, uns auf Rollen und Aufgaben einigen und es gemeinsam mit Leben füllen. Für die öffentliche Statistik ist die Entwicklung eines klar definierten (und auch klar abgegrenzten) Systems sowie seine Positionierung im nationalen und internationalen Kontext nicht nur Herausforderung sondern gleichzeitig auch Teil der Antwort auf die sich stellenden Herausforderungen. Auf der internationalen Ebene ist unser Handlungsspielraum naturgemäss nicht sehr gross. Wir haben aber im BFS erste Massnahmen für eine verbesserte Positionierung getroffen und werden diese konsequent weiterführen, damit die Schweiz im internationalen Dialog wieder vermehrt wahrgenommen wird. Auf der nationalen Ebene können wir viel mehr direkt gestalten. Als neuer Direktor des BFS will ich gemeinsam mit den Partnern in den Kantonen, der Bundesverwaltung und den weiteren Partner in der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Gesellschaft unsere Zusammenarbeit, unsere jeweiligen Rollen und Verantwortlichkeiten festlegen. Damit möchte ich auch die Position des BFS als Kompetenzzentrum für die öffentliche Statistik weiter festigen. Ich bin mir bewusst, dass dem BFS als volumenmässig grösstem Akteur in diesem Zusammenspiel eine grosse Verantwortung zukommt. Denn nur das BFS hat in der Schweiz die notwendige kritische Masse, welche es erlaubt die speziellen Anforderungen, seien sie inhaltlicher, technischer oder wie Sie in einem nachfolgenden Referat hören werden methodischer Natur, hinreichend abzudecken. Der Aufbau eines umfassenden Statistiksystems betrifft also nicht nur die Zusammenarbeit und die Kompetenzen auf Bundesebene sondern auch das Zusammenspiel zwischen den statistischen Organen des Bundes und der Kantone sowie auch mit Statistikstellen anderer Institutionen und vor allem auch mit der Wissenschaft. Wenn wir uns nun die Frage stellen ob wir hierfür zusammenarbeiten wollen, dann haben wir das Spiel bereits verloren. Denn im Zentrum steht nur die Frage WIE wir diese Zusammenarbeit ausgestalten. Nur gemeinsam gelingt es uns relevante und qualitativ hochwertige Statistiken auch mit effizienten und nachhaltigen Produktionsprozessen herzustellen. Ein wichti- 4/7

5 ges Element in diesem Entwicklungsprozess ist das Identifizieren der Stärken der einzelnen Akteure und der möglichst effiziente, zielgerichtete Einsatz der Kompetenzen und Ressourcen der einzelnen Partner. Um das zu tun, steht am Anfang der Debatte nicht das wer darf was sondern wer kann was wie effizient. Wir müssen die Diskussion von der organisatorisch orientierten Kompetenzverteilung weg, hin zur Definition einer funktional-inhaltlichen Kompetenzverteilung steuern. Also das Ineinandergreifen der Zuständigkeiten für verschiedene sich teilweise überlappende Aufgaben analysieren und unsere Überlegungen nicht bei der Ausgestaltung von Gremien beginnen. Am Anfang muss die Frage stehen wie wir die verschiedenen sich uns stellenden Aufgaben sinnvoll und effizient gemeinsam erledigen können. 2.4 Outcome-Orientierung Gemessen wird unsere Arbeit aber am Ende nicht daran, ob wir richtig organisiert sind, sondern ausschliesslich daran, ob der Outcome unserer Tätigkeit dem Nutzerbedarf entspricht. Wir müssen uns auf die bei den Nutzern erzielte Wirkung fokussieren. Beispielsweise auf die Unterstützung der politischen Entscheidungsträger der jeweiligen Staatsebenen durch statistische Informationen, die für sie nicht nur interessant sondern im eigentlichen Sinne steuerungsrelevant sein müssen. Bezogen auf die politische Ebene bedeutet das, dass wir uns nicht nur darauf konzentrieren den verschiedenen politischen Ebenen Informationen zur Verfügung zu stellen, die diese interessieren und von diesen genutzt werden. Wir müssen vielmehr prospektiv überlegen, wie wir es unseren Nutzern auch in Zukunft ermöglichen, angesichts neuer Problemstellungen rechtzeitig über faktenbasierte Entscheidgrundlagen zu verfügen. Dabei sollten wir die Steuerungsrelevanz aus der Aufgaben- und Themenoptik gemeinsam mit der jeweiligen politischen Ebene diskutieren um so die zielführenden Informationen bereitzustellen. Darin sehe ich auch eine grosse Chance für die kantonalen und regionalen Statistikämter, sich noch vermehrt horizontal auszurichten und so ihre Position in den Kantonen weiter zu festigen. Ich bin mir vollauf bewusst, dass dieser Ansatz auch Gefahren beinhaltet. Wenn wir zu direkt und aktiv auf der normativen Ebene tätig sind oder sein wollen, geraten wir in Gefahr, die Grenze zwischen der Übersetzung von politischen Zielen in statistische Informationen und der eigentlichen politischen Arbeit zu überschreiten. Die Herausforderung dieser Gratwanderung ist es, Statistik nicht politisch aber möglichst politikrelevant zu gestalten. Gelingt uns dies, kann sich die öffentliche Statistik auch dann behaupten, wenn ihre Resultate der allgemeinen politischen Meinung widersprechen sie eine andere Realität als die mehrheitlich angenommene aufzeigt. Idealerweise ist in einem demokratisch-pluralistischen Staat die unabhängige faktenbasierte Information ein wesentlicher Einflussfaktor in der endgültigen Ausgestaltung politischer Massnahmen und Programme. So können wir als Verantwortliche der öffentlichen Statistik selbstbewusst sagen, dass obwohl wir dies nicht quantifizieren können - der Einfluss der statistischen Informationen auf die jeweiligen Entscheidungsprozessen wesentlich ist. 2.5 Umgang mit Komplexitäten und Interdependenzen Wenn wir die Politikrelevanz als Leitmotiv für unsere Tätigkeit setzen, tun wir dies im Bewusstsein, dass die Entscheidungen der politischen Ebene zunehmend Fakten basiert sein sollen. Darüber hinaus finden diese Entscheidungen in einer immer komplexeren und interdependenteren Realität statt. Dies zeigt sich auch in der zunehmenden Nachfrage der politi- 5/7

6 schen Organe nach umfassenden Monitoringsystemen, deren Aufbau und Ausgestaltung eine der grossen Herausforderungen für die öffentliche Statistik ist. Dabei müssen wir uns weiter von den klassischen auf bestimmte Themenbereiche beschränkten Analysen entfernen und breitere Querschnittanalysen aufbauen. Und hier kommt auch wiederum die Wissenschaft ins Spiel. Nur durch die Zusammenarbeit zwischen Forschung und öffentlicher Statistik wird es möglich sein, diese komplexen, anspruchsvollen Informationssysteme mit dem notwendigen Fundament und in der geforderten Qualität weiterzuentwickeln. Zusammenarbeit muss heissen, dass wir uns nicht auf die Mandatserteilung beschränken, sondern dass wir vermehrt versuchen im aktiven Dialog unser Wissen auszuweiten, die daraus gewonnen Erkenntnisse in unsere Arbeit zu integrieren und so neue Produkte und Systeme zu entwickeln. Idealerweise geschieht dies nicht nur im gleichberechtigten Dialog zwischen den Hochschulen und der öffentlichen Statistik, vielmehr sind auch unsere Auftraggeber in den Fachämtern in diesen Austausch einzubeziehen. Nur so können zukünftige Nutzerbedürfnisse rechtzeitig Eingang finden in die häufig langwierigen Aufbauarbeiten neuer statistischer Informationssysteme. Ausserdem erlaubt ein solches Vorgehen auch der zunehmenden Interdisziplinarität der Fragestellungen Rechnung zu tragen. Beispielsweise braucht es zur Beantwortung der anstehenden Fragen im Bereich der Altersvorsorge nicht nur statistische Informationen aus dem sozialen und demografischen Bereich, vielmehr spielen auch Entwicklungen der Wirtschaft, des Arbeitsmarktes, der Finanzmärkte und öffentlichen Finanzen eine zunehmend wichtige Rolle. Es wird eine der Herausforderungen sein, die statistischen Informationen so zu bündeln, dass die Entwicklungen der verschiedenen Teilbereiche nicht nur abgebildet sondern auch ihr Zusammenspiel und ihre Wechselwirkung dargestellt werden können. 3 Und was sollen nun die nächsten Schritte sein? Wenn Sie mit mir einer Meinung sind, dass die von mir skizzierten Herausforderungen unsere zentrale Aufgabe der nächsten Jahre darstellen, dann fordere ich Sie auf, diese gemeinsam anzugehen. Dies indem jeder Partner sein Know-how und seine speziellen Fähigkeiten und Ressourcen einbringt. Gemeinsam voranzuschreiten bedeutet aber auch, und das möchte ich heute explizit festhalten, dass Sonderlösungen und der individuelle Handlungsspielraum zugunsten des gemeinsamen Ziels hinterfragt und allenfalls aufgegeben oder eingeschränkt werden. Wir kommen nicht darum herum, auf nationaler Ebene gemeinsam ein klar definiertes und auch klar abgegrenztes Statistiksystems Schweiz zu entwickeln, gemeinsam das Statistische Haus der Schweiz zu bauen. Wir sollten uns nicht darin verlieren, dieses System in jeder Feinheit und Verästelung definieren und ausgestalten zu wollen. Ich plädiere vielmehr für ein pragmatisches Vorgehen, das die notwendigen allgemeinen Eckpfeiler setzt, die grundlegenden Spielregeln definiert und die Rollen und Aufgaben so weit wie nötig klärt, aber dann meine Damen und Herren lassen Sie uns das Ganze in der Praxis leben. Als neuer Direktor des Bundesamts für Statistik möchte ich heute gemeinsam mit Ihnen, den Vertreterinnen und Vertretern aus den Kantonen, der Verwaltung, der Wissenschaft und vor allem unseren Kunden beginnen, das Statistische Haus der Schweiz zu bauen. Das Fundament steht, die Instrumente haben wir auch dank der in der jüngsten Vergangenheit gemachten Investitionen in moderne Produktionssysteme. So können wir auch der Verantwortung gerecht werden, sorgfältig mit den uns anvertrauten Steuermitteln umzugehen. Ich denke, wir sind so weit die erste Bauetappe zu wagen. Ich lade Sie dazu ein, dieses Werk zusammen mit mir, mit dem BFS und allen Statistikverantwortlichen der Schweiz anzugehen, damit wir uns unseren Herausforderungen gemein- 6/7

7 sam stellenkönnen. Erlauben Sie mir zum Schluss, mein eingangs zitiertes Motto leicht abzuändern in Though changed, WE shall rise the same um nochmals mein grösstes Anliegen heute, die Aufforderung zur aktiv gelebten Zusammenarbeit, zum Ausdruck zu bringen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit 7/7

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