Medienbildung und Alltagsästhetik

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1 Medienbildung und Alltagsästhetik Autor: Ben Bachmair 2007 FernUniversität in Hagen Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften S1

2 Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie die Übersetzung und des Nachdrucks, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung der FernUniversität reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

3 Inhaltsverzeichnis 3 Inhaltsverzeichnis Medienbildung und Alltagsästhetik Teil Alltagsästhetische Phänomene Das Sichtbare und was es an Lernen und Bildung dahinter zu entdecken gibt Handy Ein gewichtiger Entwicklungsschritt hin zur integrierten Individual- und Massenkommunikation und was es dabei zu lesen gibt Abgrenzungen und Integration: Aktuelle Formen der Vergesellschaftung Sich stilistisch abgrenzen: Die Mikromechanismen der Abgrenzung und Integration mittels Medien. Das Beispiel Wrestling Die öffentliche Abgrenzung und Integration Vergesellschaftung im Internet: Web Prekäre Kultur Zusammenfassung, Vorschläge für eine Erörterung, Lesehinweise Teil Bildung und Meiden Kinder entfalten sich in der Erlebniswelt und gestalten sie mit ihren Spuren Theoriegeschichtliche Quellen des Bildungsbegriffs: Kulturgüter (Manifestationen), gestaltende Aneignung und Spuren der Kinder Leitfragen, die helfen, Bildungsprozesse zu erschließen Einige Missverständnisse und Hoffnungen, die sich mit Bildung verbinden Die Kerngedanken Wilhelm VON HUMBOLDTs zu Bildung Denkanregungen für unsere Konsum- und Medien-Welt Skizze zur Diskussion von Medienkompetenz und Medienbildung Medienkompetenz Medienbildung Medienbildung fördern: Qualität, Orientierung, Um-Gestaltung und kulturelle Übersetzung Auf der Suche nach Qualitätsmaßstäben in einer Kultur der Lifestyles Orientierung Der Eigensinn der Kinder und der Eigensinn der Welt Diskurse ohne kulturelle Stabilität und in Herrschaftsräumen: kulturelle Übersetzung Zusammenfassung der Leitideen zu Medienbildung Texte zur Vertiefung und zum Weiterlesen...82

4 4 Medienbildung und Alltgsästhetik 3. TeilEine Theorie riskanter, individueller Erlebniswelten und ihrer semiotischen Organisation: Zeichenzirkulation und multimodale Repräsentation Detraditionalisierung: Handeln in riskanten, individuellen Lebenswelten Die symbolische Form der Alltagsästhetik Von der eigenständigen Sphäre der Kultur zur Durchdringung von Kultur, Medien, Konsum und Dienstleistungen Erlebnisrationalität in persönlichen Erlebniswelten Die Hegemonie der Zeichen (Repräsentation) in riskanten Erlebniswelten Diskurse und Medien: Zeichenzirkulationsmodell und Bedeutungskonstitution (Signifying Practices) Was bringt das Zeichenzirkulationsmodell in pädagogischen Feldern? Beispiele aus dem Bereich prekärer Kulturen Repräsentation und Multimodalität Zusammenfassung: Veränderungen der Erlebniswelten in unserer Kultur des Konsums in individuellen Erlebniswelten Texte zum vertiefenden Lesen, Erörterung und Vorschläge zum Durcharbeiten Teil Alltagsästhetisch motivierte Analyse von Medien, Ereignisarrangements und Lebenswelten Erste Analyseebene: Was ist in den Elementen von Medien- und Ereignisarrangements angelegt? Zur Erinnerung: Ein Beispiel zur Ideologiekritik Was ist den Programmelementen des Medien- und Ereignisarrangements Popstars angelegt? Sozialisationsimplikationen von Popstars Zweite Analyseebene: Verbindende Schemata und Muster. Analysebeispiele: Wrestling, Model-Casting-Show, Fernsehprogramm der Bild-Zeitung und Programmverweise im Fernsehen Ein kulturell gewachsenes Modell intertextueller Beziehung mit Orientierungsfunktion: Das Modell in der Bild-Zeitung Untersuchung von Trailern und Programmorientierungen im Fernsehen Dritte Analyseebene: Was ist in Programmen angelegt, damit Nutzer kompetent als Experten handeln können? Beispiele: Wrestling und Pokémon Vierte Analyseebene: Symbolische Sinnwelten Lebenswelten und Milieus. Beispiele: Kinderzimmer, Sinus-Milieus Ein analytischer Gang durch Marias Kinderzimmer Sinus-Milieus : Empirische Ergebnisse der Lebensstil- und Milieu- Forschung Texte zum vertiefenden Lesen, Erörterung und Vorschläge zum Durcharbeiten Literaturverzeichnis

5 Medienbildung und Alltagsästhetik 5 Medienbildung und Alltagsästhetik Mit welchen Feldern der Medienpädagogik und Medienwissenschaft beschäftigt sich ein Studientext zum Thema Bildung und Medien mit den Schwerpunkten Medienbildung, Alltagsästhetik und Erlebniswelten? Medienbildung verweist auf einen pädagogischen Zugang zu Medien. Klar ist: Zugang zu den technischen Medien und ihren Programmen. Es geht u.a. um Fernsehen, Internet, Handy. Dabei steht Fernsehen für ein seit gut zwei Generationen etabliertes Medium, Internet für ein neues Medium, Handy für ein brandneues Phänomen, dessen medialen Charakter wir gerade erst erahnen. Bildung weist auf einen pädagogischen Zugang, der mehr meint, als Kindern oder Jugendlichen Lernziele wie Medienkompetenz zu vermitteln. Eine Bildungsfragestellung will den Zusammenhang von Persönlichkeitsentwicklung, Sozialisation, Veränderung von Kultur und gesellschaftlichen Ansprüchen und Ähnliches mehr herausarbeiten, um damit Kinder und Jugendliche in ihren Möglichkeiten der Alltags- und Lebensbewältigung sowie Alltags- und Lebensgestaltung zu fördern. Dementsprechend erörtert eine Pädagogik, die sich auf Medienbildung ausrichtet, die Alltags- und Lebensbewältigung sowie die dazu gehörigen Gestaltungschancen in einer Kultur und Gesellschaft mit einflussreichen bis dominanten Medien. Ein wesentliches Merkmal der Kultur unserer Industrie- und Konsumgesellschaft ist, Medien mit dem Konsum einer Fülle von Produkten, Dienstleistungen und Unterhaltungssituationen zu verknüpfen. Was mit dem Buch zur Fernsehsendung begann, ist heute die verknüpfte Präsentation eines Programms wie Popstars im Fernsehen, zu dem Live-Events, z.b. eine riesige Party im Flugzeughangar, Bewertung von Stars mit SMS und der CD der letztendlich gekürten Popstar-Band gehören, die sich über itunes auf den MP3-Player von Apple downloaden lässt. Solch eine Entwicklung angemessen zu beschreiben, soll der Terminus Alltagsästhetik helfen, ein Terminus, den die Kultursoziologie in den 1990er Jahren propagiert hat. Wegweisend war hierzu sicherlich die Arbeit von Gerhard SCHULZE: Erlebnisgesellschaft (1992). Im Mittelpunkt steht dabei die Verschiebung der Gewichtung der Wirklichkeitspole Welt und Subjekt. Seit der Renaissance gehen wir letztlich davon aus, dass die Menschen sich die dominante Welt aneignen, indem die Menschen als Subjekte der Welt als Objekt gegenüber stehen. Dabei dominiert die Wirklichkeit der objektiven Welt. Heute, in einer vom Konsum und individueller Verfügbarkeit bestimmten Welt liegt, das Schwergewicht, wie Wirklichkeit entsteht, bei den Menschen und ihrer persönlichen Art die Welt in ihrem Sinne zu erleben. Das ist ein hoch riskanter Prozess, bei dem jeder einzelne sich eine Welt aufbauen kann, die voll daneben liegt. Die falsche Berufsausbildung, noch dazu zu spät abgeschlossen, das kulturelle Umfeld, das mega out ist, bis zu den Kleinigkeiten wie den falschen Klamotten, der überholten Szene oder dem peinlichen Handy. Worum geht es bei Alltagsästhetik? Beide Bestandteile des Terminus Alltags- Ästhetik sind uns vertraut, wobei das bekannte Verständnis von Ästhetik in Alltags-Ästhetik irreführend ist, da es nicht um eine Definition von Schönheit in einer alltäglichen Welt geht. Im Vordergrund steht die Frage, wie denn in einer Gesellschaft hoher Individualisierung die Menschen Ordnung z.b. in ihren Konsum bringen. Eine heute wichtige Möglichkeit ist, Konsumangebote wegen eines gemeinsamen oder unterschiedlichen Stils auszuwählen und eine Kaufentscheidung u.a. davon abhängig zu machen, ob die Anziehsachen, Bücher, Freizeitangebote, Medien-Technik, Medien-Programme mit dem eigenen Lebensstil zusam-

6 6 Medienbildung und Alltgsästhetik menpassen. Alltagsästhetik meint die stilistische Ordnung von auf gemeinsame Ästhetik im Sinne von Design ausgerichteten Konsumangeboten und Lebensweisen. Lebenspraktisch formuliert geht es darum, ob Jugendliche ihr verfügbares Geld für einen sündhaft teuren, jedoch perfekten ipod ausgeben wollen oder einen billigen No-Name MP3-Player anschaffen. Grundschulkinder akzeptieren das No-Name-Gerät, in der Pubertät gibt es die Auseinandersetzung um das Finanzbudget, um an den richtigen MP3-Player zu kommen. Richtig ist dann, was die Werbung und die Peer Group auf die Tagesordnung setzen. Das erworbene MP3-Produkt hat alltagsästhetisch zur bevorzugten Musik, zum eigenen Lebensstil inklusiv der favorisierten Bezugsgruppe zu passen. Ist man mit dem Klingelton des eigenen Handys in oder out, ist es cool oder prollig? Das ist keine Frage des Gebrauchswerts, da der oder die Handy-Besitzerin unabhängig vom Stil des Klingeltons bei einem Anruf immer alarmiert wird. Medien spielen bei diesem alltagsästhetischen Zugang nur eine Rolle im systemischen Zusammenspiel der Konsumobjekte und der Lebensweisen. Medienbildung bekommt deshalb auch eine breite Aufgabenpalette, die heutige Konsumwelt und die Lebenswesen von Kindern und Jugendlichen zu untersuchen und dabei danach zu fragen, ob und wie Kinder und Jugendliche damit zurecht kommen, welche Anregungen, Hilfen, kompensatorischen Anregungen, Gestaltungs- und Lernräume sie brauchen, um sich sinnvoll zu entwickeln. Das Kriterium sinnvoll lässt sich letztlich nur aus der Alltags- und Lebensbewältigung herausfiltern. Um dieses theoretische und praktische Feld durchschaubar zu machen, bietet der Studientext folgenden Argumentationsverlauf: Das erste Teil präsentiert eine Reihe von Phänomenen, die sich für die Frage nach ihrer Bildungsdimension vor allem in einer alltagstheoretischen Herangehensweise klären lassen. Erörtert werden Handy-Klingeltöne, die Diskussion um Mediennutzung der sogenannten neuen Unterschicht, die Streetparade in Zürich Es schließt sich im zweiten Teil eine Darlegung des Bildungsbegriffes an und wie Bildung als Medien- Bildung zu denken ist. Dabei steht der humanistische Bildungsbegriff Wilhelm VON HUMBOLDTs vom Endes des 18. und dem beginnenden 19. Jahrhundert im Mittelpunkt. Bildung entwickelt sich in einem reflexiven Verhältnis der Kinder zu ihrer sozialen, kulturellen und dinglichen Umwelt und zu ihrer emotionalen und kognitiven Innenwelt. Heute stehen dabei Ordnen und Orientierung in einer dramatisch neuen Form als Bildungsaufgabe an. In einer alltagsästhetisch aufgebauten Welt ist es für Kinder, eigentlich für alle Altersgruppen, eine tagtägliche Aufgabe, in die Unübersichtlichkeit der Angebote, Forderungen, sozialen Gruppierungen, Gewichtungen eine eigene wie eine sachbezogene Perspektive einzubringen. Der zweite Teil diskutiert auch, was über die Förderung von Medienkompetenz hinaus notwendig ist. Es folgt ein dritter Teil mit einer Einführung in die aktuelle Lebenswelt der Risikogesellschaft und ihrer semiotischen Organisation. Dabei geht es um Diskurse, Multimedialität und Multimodalität. Der vierte Teil stellt exemplarisch vor, wie man in einer alltagsästhetischen Herangehensweise Analysen durchführen kann. Die Beispiele reichen von der Analyse der Programmelemente von Popstars, über die Frage nach Mustern, wie Medien aufeinander verweisen, zu der Art und Weise wie Medien oder andere alltagsästhetische Produkte ihre Nutzer als Experten ansprechen und sie mit entsprechenden Materialien ausstatten. Die vierte und komplexeste Form der Analyse wird am Beispiel von Kinderzimmern und Milieus vorgestellt. Die Milieu-Analyse stellt die sogenannten Sinus-Milieus vor.

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