Entwicklung von Sucht

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1 Entwicklung von Sucht 1.Entwicklungsschritte zur Sucht 2.Suchtkriterien 1 1. Entwicklungsschritte zur Sucht Wichtige Fragen zur Beurteilung von Sucht: Wie oft/regelmäßig/intensiv wird das Verhalten gezeigt? Warum macht es derjenige? Was ist die Motivation für das Verhalten? Wird es z.b. eingesetzt, um Problemen aus dem Weg zu gehen? 2

2 1. Entwicklungsschritte zur Sucht Stadien der Sucht: Einleitungsphase Kritische Phase Gebrauch Genuss Missbrauch Ausweichendes Verhalten Chronische Phase Gewöhnung Abhängigkeit Sucht Gebrauch Sinnvolle und hilfreiche Verwendung Mittel nur eingesetzt, wo es wirklich notwendig ist Z.B. Nahrungsmittel, um Hunger zu stillen und den Körper mit notwendigen Nährstoffen zu versorgen 4

3 1.2 Genuss Alles, was uns in angenehme Gefühlszustände versetzt Ist nicht unbedingt nötig Man hat es aber gern, weil es aufgrund seiner angenehmen Wirkung eine kurzfristige Befriedigung gibt Z.B. Kaffee, Tee, Tabak, Alkohol, bestimmte Gewürze Missbrauch Eine schädliche Verwendungsweise von Dingen oder ein selbstschädigendes Verhalten - Körperlich, psychisch, sozial schädlich Schädlichkeit hängt von der Häufigkeit und Regelmäßigkeit ab Dahinter stehen meist Probleme/Schwierigkeiten, die durch das Verhalten gelöst/gedämpft/verdrängt werden sollen 6

4 1.4 Ausweichendes Verhalten Probleme können nicht direkt gelöst werden Durch Ausweichen kann man seine Lage kurzfristig stabilisieren, ohne die Schwierigkeiten lösen zu müssen (Im Einzelfall durchaus mal sinnvoll) Gefahr: Probleme verselbständigen sich (Teufelskreis) Abweichendes Verhalten Ausweichendes Verhalten, das nicht den gesellschaftlichen Normen oder Werten entspricht - Beispiel: Übermäßiges Essen, Rauchen, Alkohol trinken vs. Opium rauchen, Heroin spritzen Entscheidend immer die Gesellschaft, nicht die Ansichten des Betroffenen Gesellschaftliche Reaktion auch abhängig davon, ob der Betroffene in seinen gesellschaftlichen Rollen eingeschränkt ist 8

5 1.6 Gewöhnung Einschleifen ausweichender Verhaltensweisen durch ständige Wiederholung Gewöhnung eigentlich ein positiver Mechanismus Abhängig von der Art der Verhaltensweise oder des Mittels, an dass man sich gewöhnt hat, treten Gesundheitsstörungen und Leidensdruck auf Der Bindungsgrad zu dem Mittel ist hierbei bereits sehr hoch Abhängigkeit Folge eines steigenden Grades an physischer und psychischer Gewöhnung Zunehmende Bindung an die Substanz/Verhaltensweise schränkt die Handlungsfreiheit extrem ein Zustand einer krankhaften Interaktion zwischen Mensch und Substanz Zeigt sich in folgenden Aspekten: - Menge und Art des Missbrauchs - Einsatz zur dauernden Problembewältigung 10

6 1.8 Süchtiges Verhalten Übersteigerter Einsatz der Substanz/Verhaltensweise, wenn alternative (angemessenere!) Verhaltensweisen versagen Der Betreffende kann eine Situation nur durch Einsatz des Suchtmittels lösen Suchtmittel als Problemlösemechanismus Nr Süchtiges Verhalten (Fortsetzung) Eigendynamik der Sucht: Das gesamte Verhalten und Erleben des Süchtigen ist auf die Substanz bzw. die Verhaltensweise ausgerichtet - Verhindern von Entzugserscheinungen - Beschaffung des Suchtmittels - Lindern körperlicher Schädigungen - Vertuschen der Sucht

7 1.9 Sucht/Suchtkrankheit Der krankhafte Endzustand der Abhängigkeit von einer Substanz oder Verhaltensweise Innerer Zwang, sich das Suchtmittel in fast immer steigender Dosis zuführen zu müssen Auch durch großen Willensaufwand ist er nicht in der Lage, sich direkt von der Sucht zu befreien Ziel nur noch, Entzugserscheinungen zu verhindern Anerkennung als Suchterkrankung Voraussetzung für Kostenübernahme durch Krankenkasse Suchtkriterien 2.1 Toleranzentwicklung 2.2 Kontrollverlust 2.3 Entzugserscheinungen 2.4 Wiederholungszwang 2.5 Dosissteigerung 2.6 Interessenabsorption und Zentrierung 2.7 Gesellschaftlicher Abstieg 2.8 Psychischer und körperlicher Zerfall 2.9 Rückfall Rückfall 14

8 2.1 Toleranzentwicklung Der Körper gewöhnt sich an die Wirkung der Substanz Kennzeichen für Toleranzentwicklung: Dosissteigerung - D.h. es muss mehr konsumiert werden, bis die gleiche Wirkung erzielt wird Kontrollverlust Der Abhängige ist nicht mehr in der Lage, den Konsum des Suchtmittels zu kontrollieren Dieser Aspekt wird v.a. im Zusammenhang mit Alkoholismus kontrovers diskutiert - Vgl. kontrolliertes Trinken 16

9 2.3 Entzugserscheinungen Physische vs. Psychische Entzugserscheinungen Treten auf, wenn der Zufuhr des Suchtmittels ausbleibt Die Stärke und konkrete Ausprägung der Symptomatik hängen von der Art der Substanz und der Intensität des Gebrauchs ab Typisches Entzugssymptom: Craving Entzugserscheinungen (Fortsetzung) Behandlung: - Erst körperlicher Entzug ( Entgiftung ) - Dann Beginn der eigentlichen Therapie, d.h. Behandlung der zugrundeliegenden psychischen Problematik ( Entwöhnung ) 18

10 2.4 Wiederholungszwang Unfähigkeit, ohne das Suchtmittel auszukommen Auch: Abstinenzunfähigkeit Gründe dafür variieren in Abhängigkeit von der Substanz, z.b.: - Hauptantriebsfeder bei Opiaten: Entzugserscheinungen verhindern - Hauptantriebsfeder bei Kokain: Ein dauerndes Verlangen nach der Substanz (Craving) Dosissteigerung ( more effect ) Folge der Toleranzentwicklung Gewohnte Dosis zeigt keine (ausreichende) Wirkung mehr Charakteristisch: - Fortschreitende Verringerung der angenehmen Wirkungen - Entsprechende Steigerung unangenehmer Wirkungen 20

11 2.5 Dosissteigerung (Fortsetzung) Erhebliche Unterschiede bei den verschiedenen Substanzen - Cannabis: Dosissteigerung umstritten - Alkohol: Dosissteigerung um maximal 50% - Opiate: Dosissteigerung häufig auf das 10fache der Anfangsdosis Interessenabsorption & Zentrierung Das gesamte Leben des Süchtigen dreht sich um die Substanz/um das süchtige Verhalten Behandlung: - Oft wissen Ex-Süchtige nicht, was sie mit sich und der ganzen freien Zeit anfangen sollen - Muss erarbeitet und intensiv trainiert werden 22

12 2.7 Gesellschaftlicher Abstieg Teufelskreis: Drogenkonsum Süchtiges Verhalten Gesellschaftliche Isolation Psychischer und körperlicher Zerfall Nach jahrelangem Drogen-, Medikamenten- und Alkoholmissbrauch, nach endlosen durchgearbeiteten Nächten mit chronischem Stress ist ein Suchtkranker ein körperliches und seelisches Wrack. Beispiel: - Der Penner am Kiosk, der morgens zitternd seinen ersten Schluck aus der Pulle braucht, um den Tag überstehen zu können 24

13 2.9 Rückfall Was ist ein Rückfall? Muss man mit einem Rückfall rechnen oder ist dies eher die Ausnahme? Wie sollte man mit einem Rückfall umgehen? - Wie sollte der Therapeut den Rückfall bewerten? - Was sollte er mit dem Patienten besprechen? Rückfall Tritt früher oder später bei fast jedem Suchtkranken auf Gradwanderung: - Den Rückfall nicht als unvermeidbare Katastrophe zu betrachten, - sondern als Hinweis zu nehmen, wo es noch Schwierigkeiten gibt, was der Suchtkranke noch lernen muss etc. 26

14 2.9 Rückfall (Fortsetzung) Verschiedene Maßstäbe zur Beurteilung: Kriterialer Maßstab - Wenn der Süchtige wieder eine bestimmte festgelegte Dosis zu sich nimmt Sozialer Maßstab - Suchtmittelkonsum über der Norm seiner Bezugsgruppe Individueller Maßstab - Suchtkranker überschreitet die selbstgesetzte Menge 27

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