Beispiele von Inklusion in der Vernetzung von Seelsorge und sozialer Arbeit

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1 Beispiele von Inklusion in der Vernetzung von Seelsorge und sozialer Arbeit Jeder Mensch benötigt geeignete Reize und die Auseinandersetzung mit der Umwelt, an denen er wachsen kann, an denen er, wie der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber sagt, durch ein Du zum Ich werden kann. Probleme entstehen, wenn dieses - am besten ganzkörperliche Begreifen (Prof. Manfred Spitzer digitale Demenz) der widrigen Umwelt im Prozess des Sich- vertraut- Machens von innen heraus gestört ist oder von außen behindert wird. So können zum Beispiel die Bedürfnisse einer Person und ihre individuellen Möglichkeiten und Routinen sich anzupassen, nicht ausreichen, um der sie umgebenden Lebenswelt, die ganz anderes von ihr erwartet und Druck ausübt, zu entsprechen. Germain, Gitterman schreiben, wie ich finde heute auch noch gültig, dass es bei der Aufgabe der sozialen Arbeit um Dienstleistungen am Menschen geht, die in ihrem sozialen Austauschverhalten innerhalb ihrer Lebenswelt Probleme erleben. Es muss dann darum gehen das Anpassungspotential von Menschen so zu stärken und die Umwelt so zu beeinflussen, dass die Austauschprozesse zwischen ihnen zu einer verbesserten Anpassung führen. Professionelles Handeln zielt demnach darauf ab, den Menschen und ihrer Umwelt bei der Überwindung solcher Hindernisse zu helfen. Heilerziehungspfleger/Innen und Heilpädagoginnen versuchen die Erhaltungs- oder Veränderungswünsche von MmbH innerhalb ihres Sozialraums durch intensive Kommunikation und Beziehung zu erfassen und sie individuell zu fördern sowie die Barrieren in der sie umgebenden Umwelt abzubauen. Ein unverzichtbares Charakteristikum heilsamer Seelsorge ist in der wahren Gleichheit zwischen Ratsuchendem und Seelsorger/in gegeben. Der seelsorgliche Ansatz besteht darin, Menschen darin zu bestärken als Geschöpf und Idee Gottes zu werden, die sie sind. Dabei ist die Sicherheit des absoluten Gewollt seins von Gott zu vermitteln, indem Menschen bei ihren Lebensfragen, Fragen nach sich selbst und nach Gott, ihrer Subjektwerdung im Glauben begleitet werden, nicht zuletzt dadurch, dass am Beispiel Jesu von Nazareth versucht wird, in der offenen Begegnung mit ihnen, Glauben zu leben, und wenn gefragt, die eigene Geschichte mit Gott einzubringen und sich mit der zu begleitenden Person auf die gemeinsame Suche nach Wahrheit zu machen. Die befreiende Botschaft christlichen Glaubens kann sich dann im Alltag als Raum von Sicherheit angesichts einer zuweilen chaotischen Umwelt erweisen. Inklusion als Eingeschlossen sein von Personen in die menschliche Gemeinschaft ist soziales und christliches Grundelement (Personenwürde, Menschenrechte; jeder Mensch ist Idee Gottes). Sie wird aber in Bezug auf Menschen mit besonderem Hilfebedarf kaum wirklich gefühlt und gelebt. Ich vermute, dass das Erleben von Fremdheit und der fehlende alltägliche Umgang (im Sinne einer Normalität) Gründe dafür sind. Wege zu einer selbstverständlichen gelebten Gemeinschaft mit Menschen mit Behinderungserfahrung bestehen meines Erachtens darin, mit Ihnen zu kommunizieren und sie (besser) verstehen zu können; hinter der nach außen sichtbaren Fassade scheinbarer Defizite, Personen mit besonderen Fähigkeiten zu entdecken und sie als Bereicherung der Vielfalt menschlichen Daseins willkommen zu heißen, von der auch ich lernen kann. Buber übersetzt den Vers Mk 12,31, in dem es um die Frage nach dem wichtigsten Gebot geht, in der Einheitsübersetzung geschrieben als du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst mit den Worten Du sollst dein Nächsten lieben, denn er ist wie du. Im gemeinsamen Tun mit Menschen mit Behinderungserfahrung entstehen laut Aussagen von Betroffenen Momente absoluter Nähe und Zugewandtheit, die einen persönlich sehr stark berühren und ein Erstaunen darüber mit sich bringen: was passiert hier eigentlich im Moment? Solche Erlebnisse verweisen auf die transzendente Dimension des menschlichen Lebens, einer Spiritualität, die darin besteht Gott und Gottes Wirken auch und vor allem in den alltäglichen Dingen des Lebens zu sehen. Und auch dies kann, meine ich ein sinnvoller Weg sein, in dem ich neben meiner beruflichen Professionalität und manchmal auch Hilflosigkeit auch im Blick habe, dass es da auch Gott gibt, der im Hier und Jetzt heilsam tätig ist.

2 Gruppen / Themen: I. Heilerziehungspfleger/innen und Heilpädagogen treffen Sozialarbeiter/Innen a. Berichte aus dem Alltag mit MmbH b. Was macht mir die Arbeit mit MmbH leicht? c. Was macht es Bürgern/innen im Sozialraum schwer MmbH als Bereicherung zu sehen? d. Wo stoße ich in der Umwelt auf Barrieren; Tipps, Tricks. II. MmbH besser verstehen - MmbH nehmen Abschied und Trauern III. Elemente eines inklusiven Gottesdienstes IV. Elementarisieren eines biblischen Textes V. Austausch - Haltungen und Gedanken einer Seelsorgerin

3 Gruppe I Heilerziehungspfleger/innen und Heilpädagogen treffen Sozialarbeiter/Innen Tauschen Sie sich über Ihre Erfahrungen aus. Die folgenden Bereiche können dabei hilfreich sein. Ich bitte nach 30 Minuten um eine kurze Zusammenfassung Ihrer Erkenntnisse, Fragen etc.. Berichte aus dem Alltag mit MmbH Was macht mir die Arbeit mit MmbH leicht? Was macht es Bürgern/innen im Sozialraum schwer MmbH als Bereicherung zu sehen? Wo stoße ich in der Umwelt auf Barrieren; Tipps, Tricks.

4 Gruppe II: MmbH besser verstehen - MmbH nehmen Abschied und Trauern Lesen Sie den Informationszettel und tauschen Sie sich über Ihre Erfahrungen aus. Ich bitte nach 30 Minuten um eine kurze Zusammenfassung Ihrer Erkenntnisse, Fragen etc.. (Mitschrift aus einem Vortrag von Rianne Jongstra im Kurs Eröffnung spiritueller Räume mit Menschen mit Behinderung Katholische Akademie Schwerte 2010) Verlust / Abschied findet keinen Platz in unseren Pflegeplanungen. Wir arbeiten noch häufig aus dem causa sui-prinzip Wir haben alles im Griff MmB mit dem Entwicklungsalter von 0-1; 0-2 Jahren o Verstehen Leid nicht, aber spüren etwas o Brauchen Sicherheit und Ruhe über Körperkontakt MmB mit dem Entwicklungsalter 2-4 Jahre o Das Kind lebt noch in seiner Ich bin die Welt-Anschauung. o Weinen und lachen dann zwei Minuten später und wollen ihren Geburtstag feiern oder arbeiten gehen o Wichtig ist für diese Gruppe das erfahrene, vertraute Programm o Kinder mit Autismuserfahrung fragen dann sehr konstruktiv, wollen eine Antwort (wie auch immer die aussehen mag) und lösen die Trauer dann logisch auf. Z.B. Wie fährt man denn in den Himmel? (Bestattungswagen transportiert den Verstorbenen): Aha man kommt mit den Wagen in den Himmel. Wie sieht der Himmel aus? Er muss sein wie ein Wohnheim. MmB mit dem Entwicklungsalter von 4 8 Jahren o Ihnen ist bewusst, dass der Tod unumkehrbar ist. Sie fragen sehr viel: o Warum ist er totgegangen? Zu wenig gegessen.. Gehe ich auch tot? o Brauchen viel Zeit zur Verarbeitung. Manchmal merkt man ihnen am Anfang gar keine Trauerreaktion an und denkt, es sei alles gut, aber Monate später kann es zu Regressionen kommen: Erst wenn Weihnachten kommt oder der Geburtstag, wird es klar, dass der Vater tot ist und dann wird es ganz schlimm. o Wichtig ist, dass sie etwas machen können für Mama oder Papa. Aggression ist häufig verhüllte Angst oder und Trauer. Menschen mit leichter Behinderung o trauern wie wir, etwas impulsiver und länger danach. o Sie können mit anderen Menschen mitfühlen. o Hier helfen Rituale auf konkrete Weise Emotionen zu kanalisieren und von den MmB gedeutet werden zu können. Sie schaffen Ordnung und Sicherheit: Bilder des Verstorbenen auf dem Altar. Erst jetzt wird deutlich: aha, der ist jetzt tot. o In holländischen Heimen gibt es für alle eine obligatorische Sterbeversicherung; manchmal auch eine kollektive, die es ermöglicht individuelle Bestattungswünsche zu erfüllen und Abschiedsrituale anzubieten. Die Hintertür von der Liebe ist die Trauer.

5 Gruppe III: Elemente eines inklusiven Gottesdienstes Lesen Sie den Informationszettel und tauschen Sie sich über Ihre Erfahrungen aus. Ich bitte nach 30 Minuten um eine kurze Zusammenfassung Ihrer Erkenntnisse, Fragen... Checkliste für einen inklusiven Gottesdienst in: Christliche Spiritualität gemeinsam leben und feiern Praxisbuch zur inklusiven Arbeit in Diakonie und Gemeinde, Kreuz Verlag, Stuttgart 2007, S. 78f.

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7 Gruppe IV Elementarisieren eines Bibeltextes Elementarisieren Sie Die Geburt Jesu Lk. 2,1-20 indem Sie dem Text eine Überschrift geben und in kurzen Sätzen das Wesentliche herausstellen. Elementarisierte Bibeltexte wollen der unmittelbaren Auffassungsweise von Menschen mit geistiger Behinderung entsprechen und an ihre eigene Sprach, - Vorstellungs- und Glaubenswelt anknüpfen. Die elementare Sprache wird zur Faszination, wenn Großes in einfachen Worten ausgedrückt wird, ohne theologische Inhalte zu verzerren. Das Verweilen der behinderten Menschen im Augenblick wird zum Geschenk an Menschen ohne Behinderung. 1 In: Christliche Spiritualität gemeinsam leben und feiern Praxisbuch zur inklusiven Arbeit in Diakonie und Gemeinde, Kreuz Verlag, Stuttgart 2007, S In: Wie Licht in der Nacht Elementarisierung biblischer Texte für Menschen mit und ohne Behinderung, Butzon & Bercker, Kevelaer, 2003, S.10

8 Beispiel: Vor Kummer erschöpft - Das Gebet am Ölberg Lk. 22,39-46 Neue Kraft Jesus geht in einen Garten. Seine Freunde bleiben ein wenig zurück. Jesus will allein sein. Jesus hat Angst. Jesus ist müde. Jesus kann nicht mehr. Jesus wendet sich an Gott. Er ruft ihn um Hilfe an. Gott lässt ihn nicht allein. Er schenkt ihm neue Kraft. Lk 2,1-20 (Herder Einheitsübersetzung Stuttgart 1980) In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum erstenmal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll. Heute ist euch in der Stad Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kinde finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höher, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin Und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

9 Gruppe V Austausch: Haltungen und Gedanken einer Seelsorgerin von MmbH Rianne Joongstra ist ein Theologin und Hauptamtliche Seelsorgerin in einer großen Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Holland. Sie betet jeden Morgen einen mit Freunden abgesprochenen Psalm damit sie am Tag Gott nicht im Weg steht. Ihr Hauptanliegen in Bezug auf eine spirituelle Sicht ist: In dem Menschen mit Behinderungserfahrung Gott freigucken. Rianne bringt ihre Erfahrung mit Spiritualität in folgende Worte: Mich in einer spirituellen Rolle (der Verkündigung) zu erleben, macht etwas mit mir. Spiritualität bedeutet auch: Etwas erzählen lassen, das ein Echo in mir auslöst Oft sind wir gefangen in unseren eigenen Systemen (Für)Sorge wird nicht mehr bestimmt durch das Angebot, sondern durch die Frage: Was willst du? Für MmB ist Seelsorge genauso wichtig wie für Menschen ohne Behinderung. Man muss sehen, fühlen und sich selbst entwickeln. (Man braucht keine Angst zu haben). Spiritualität bedeutet, dass mein Bild von der Wirklichkeit nicht die Wirklichkeit ist. Wenn es Niemand gibt, der dich anschaut wie du selber bist, dann kann ich nicht in der Welt sein und auch nicht in mir. Es ist gut wie du bist! Es geht um das Schöne in jedem Menschen, das ich in ihnen erkennen kann. Spiritualität ist dann immer Beziehung. Wie schaue ich auf die Leute hin? Ich, ich, ich, oder öffne ich mich, weil es jemand gibt, der mich als Seelsorgerin anerkennt? Dass du da bist reicht schon. Du bist geboren wie du bist. Die gegenseitige Begegnung ist das Herzstück der Sorge. Jeder Mensch ist in seinem Tiefsten Bild Gottes. Wenn ich selbst in Balance bin zwischen Innen und Außen, dann bin ich empfänglich für die offene Begegnung. Meister Eckhardt: Im Werden von mir kommt Gott ans Licht.

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