30 Jahre. Kontinuität im CAD/CAM-Business. Das Wirtschaftsfachmagazin für Ingenieure

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1 Das Wirtschaftsfachmagazin für Ingenieure Februar März Jahre Kontinuität im CAD/CAM-Business CLOUD COMPUTING Fertigungsindustrie steht neuen IT-Services skeptisch gegenüber DIGITAL PROTOTYPING Entwickeln und Absichern von Fahrerassistenz-Systemen Hans-Joachim Schott digitalplant: Informationsmanagement im Großanlagenbau / Marktübersicht zu Online-Konfiguratoren für die Automatisierung

2 Bild: Schott Systeme

3 S TA N D F E S T I G K E I T von Schott Systeme steht für 30 Jahre Technologie-Stabilität. Während viele CAD/CAM- Systemanbieter in den vergangenen Jahrzehnten ihr Heil in Mergers & Acquisitions suchten, hielt der Münchner Software-Hersteller an seiner Strategie der Unabhängigkeit unbeirrbar fest sehr zum Wohle der Anwender. Von BERNHARD D. VALNION Fels in der Brandung Bild: privat Hans-Joachim Schott auf der Hannover Messe 2012 (li.) Anzeigenmotiv aus ferner Vergangenheit: 1984 wurde 1.7 über den Markt+Technik Verlag vertrieben sehr erfolgreich übrigens Die Gründe für den beachtlichen Markterfolg von sind schnell aufgezählt: Unterstützung von Massen-Hardware Offenheit Spitzenfunktionalität. Diese Argumente aus technologischer Sicht erklären freilich noch lange nicht die 30 Jahre Produktkontinuität, die die Schott Systeme GmbH mit Sitz in München mit diesem CAD/CAM-Systems bietet. Bekanntermaßen ist in der IT-Industrie nichts beständiger als der Wandel und damit unweigerlich verbunden: Systembrüche. Allzu oft haben wir in der Vergangenheit CA-Tools kommen und gehen sehen können. (Erinnern Sie sich noch an Thinkdesign? Oder wie wär s mit Logocad Triga?) Selbst CAD-Systeme, die ihren Namen behalten durften, haben eine technologische Metamorphose durchlaufen, so dass sich ihre Väter gezwungen sahen, das Wort Abwärtskompatibilität aus ihrem Vokabular zu streichen. Schnell fühlte sich der Konstrukteur wie ein Don Quijote, wollte er sein Werk, das in der einen CAD-Version erzeugt wurde, in die Vorgängerversion einlesen. Sein blaues Wunder konnte unser Mann freilich auch erleben, wenn er es umgekehrt versuchte. Mit der Aufwärtskompatibilität stand es ebenfalls nicht zum Besten. Tiefere Einblicke in den Systemanbieter, das Unternehmerdenken von Hans-Joachim Schott selbst und ein Studieren der Annalen der Engineering-IT sind notwendig, will man eine plausible Erklärung für die Standfestigkeit von Schott Systeme erhalten. Kein Zweifel, das zugrunde liegende Geschäftsmodell von Schott Systeme erscheint wenig spektakulär: Eine dezidierte Akquisitionsstrategie sucht man vergebens. Die Erlöse werden zum überwiegenden Teil, ganz old-fashioned, über Neulizenzen generiert kein Hintertürchen, über das unverblümt in die Taschen des Anwenders gegriffen wird, um zusätzliches Geld in die eigenen Kassen zu spülen. Bei dem Geschäftsgebaren kommt einem eher ein solider mittelständischer Werkzeug- und Formenbauer in den Sinn. Doch ist keine Maschine, sondern ein Stück Software. Und schon sind sie wieder da, die Fragen, warum das alles bei der Softwareschmiede so gut funktioniert... Ortstermin beim geschäftsführenden Gesellschafter in München, unweit des USamerikanischen Konsulats. Die Sitten und Gebräuche der IT-Industrie aus Silicon Valley scheinen dem deutschen Softwareunternehmen nichts anhaben zu können. Denn in der Tat, das personifizierte Unternehmertum gibt es wirklich, wie bei einem gestandenen schwäbischen Mittelständler: Wir haben uns bei der Unternehmensgründung ganz bewusst für eine Hardware-Plattform für das Massengeschäft entschieden. Der PC war von Anfang an auf Stückzahlen ausgelegt, erinnert sich Hans-Joachim Schott. So ganz klar war die Entscheidung damals, Mitte der 1980er Jahre, freilich dann doch nicht, wie der Geschäftsführer einräumt, denn der PC wurde von vielen Seiten belächelt, als eine Technologie, die vielleicht für das Home Entertainment oder zur Ausbildung geisteswissenschaftlicher Studenten taugen würde, nicht jedoch für den Arbeitsplatz des Ingenieurs. Und in der Tat, das Betriebssystem war zu Anfang alles andere als vertrauenserweckend für den Profi: Das Disk Operation System (DOS) von Microsoft war zwar prozessstabil, aber in Bezug auf den addressierbaren Speicherplatz nur äußerst eingeschränkt nutzbar. Effektiv weckte so ein 4,7-MHz-getakteter Intel-8088er-Prozessor nur 320 x 200 Bildpunkte zum Leben, wobei noch ein 8087er- Prozessor zugesteckt werden musste. Das RAM betrug gerade einmal 640 kbyte. Verständlich, dass sich mit diesen Voraussetzungen nur 2D-Grafiken darstellen ließen. Bei Schott Systeme gab man sich denn auch bescheiden und nannte die eigene Offerte : vektororientierte Grafik, erzeugt durch einen Personal Computer. Schott ahnte aber, dass die Rechnung auf- ECONOMIC ENGINEERING 2/

4 Kunststoffspritzgussform (Konstruktion von Induform, Norwegen) Bildschirmdarstellung des Modellierers für Polymaschen (etwa STL-Daten) Mechanische Konstruktion eines Kolbens Magazinförderanlage mit Teilen von Kirchgässener Elektrotechnik Stahlkonstruktion einer Fertigungshalle Perspektivische Ansicht eines Messestands Verlinktes PDF-Dokument (mit 3D-PDF) der Entwicklungsstufen eines Bügeleisens vom Entwurf bis zur Fertigung als Business Grafik Explosionszeichnung eines Formaufbaus von Induform, Norwegen Bilder: Schott Systeme 22 ECONOMIC ENGINEERING 2/2015

5 STANDFESTIGKEIT gehen würde. Schließlich hatte er sich bereits in der Halbleiter- respektive IT-Industrie seine Meriten verdient, wusste also, dass Moore s Law so etwas wie ein Naturgesetz ist, das über viele Jahre Bestand haben und den PC rasch erstarken lassen würde. Große und kleine Fische Die erste Verkaufsversion 1.7 von auf einen IBM XT PC von 1984 (links), daneben die Version 3.2 auf einem Laptop von Toshiba. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2007 In der Zeit um 1985 gaben andere Systemanbieter mit ganz anderen Preisen den Ton an: Zum Beispiel lief das CAD-System Cadds von Computervision auf einer eigenen, (sehr teuren) Hardware-Plattform, und eine Terminalausrüstung für einen Arbeitsplatz des damals weit verbreiteten Systems Medusa einschließlich 19-Zoll-Farbgrafikbildschirm und Arbeitsplatz-Lizenzen lag bei stattlichen D-Mark (1). Realistische Kalkulationen sahen zudem einen gleich hohen anteiligen Betrag für die Ausrüstung eines Zentralrechners vor. Bei derartigen Investitionen wurde in vielen Unternehmen, die CAD einsetzten, wieder Schichtarbeit eingeführt, um die CAD-Geräte gut auszulasten: die erste Schicht von morgens sechs Uhr an, die zweite Schicht von 14 Uhr bis in die Nacht hinein eben so wie bei Investitionsgütern, die ja auch immer produzieren müssen. Schott indes war sich sicher, dass dies nichts für kreative Ingenieure sein könne. Der Unternehmer zielte damals mit Lizenzpreisen von rund 2000 D-Mark für das CAD-Modul auf viel höhere Stückzahlen als die anderen CAD-Systemanbieter, die im Jahr nur einige hundert, maximal vielleicht tausend Lizenzen verkaufen konnten. Bei Schott gingen pro Tag, übrigens indirekt vertrieben durch den Verlag Markt+Technik, bis zu 25 über den Ladentisch! Ein weiterer Grund für den enormen Zuspruch von war: Man hatte endlich ein Arbeitsgerät, das direkt im Büro stand und mit dem Plots unmittelbar ausgedruckt werden konnten. Denn bei den sonst üblichen CAD-Installationen im Rechenzentrumsbetrieb war man nicht selten gezwungen, zwei Tage auf seinen Plot zu warten, weil die Konstruktionsabteilung in der Hierarchie weit unten angesiedelt war und Ausdrucke anderer Abteilungen Vorrang hatten. Es liegt auf der Hand, dass sich IBM mit dem XT-PC zunächst auf ein Versuchsfeld begeben hatte (2), doch mit dem anschließend auf den Markt gekommenen AT ( Advanced Technology ) und der Version 1.8 von Pictures by PC konnte man 1987 dann schon richtig 2D-CAD betreiben, wie Schott meint. Apropos Logik der Versionierung von : Diese orientierte sich lange Zeit an den Prozessortechnologien. Die Version 1.0 war eine 8-Bit-Version (8088er-Prozessor), die zweite Generation eine 16- Bit- Version (80286er), die bereits umfangreiche CAM-Funktionalität bot, und 3.0 konnte sogar 32-Bit-breites RAM adressieren. Demzufolge hätte die 64-Bit-Version 4.0 geheißen; jedoch haben wir uns entschieden, diese Bezeichnungsweise nicht weiter fortzusetzen, als die Multi-Core-Prozessoren auf den Markt kamen. Die Lesart der Versionen 3.x lautet folglich: 3.2: 32-Bit 3.4: 64-Bit und Multi-Core-Unterstützung, die sich insbesondere bei der CAM-Berechnung auszahlt Windows XP machte es möglich. 3.6: Feature-Erkennung und kontinuierliche Verbesserung der Modellierungstechniken. In dieser Version war die Multi- Core-Unterstützung ausgereift. Vier CPU-Kerne bringen eine Reduktion der CAM-Berechnungszeit von 40 Prozent, verspricht Schott, wobei er einschränkend hinzufügt, dass dies von der Installation des Betriebssystems abhängt. Der Acis-Modeller für die 3D-Modellierung stellt dabei eine gewisse Performance-Beschränkung dar der Geometrie-Kernel stammt eben nicht aus eigenem Hause. Die Fräsalgorithmen indes performen erheblich besser, schließlich sind sie auch selbstprogrammiert. Apropos Betriebssysteme: Schott Systeme sah sich gezwungen, den Leidensweg zu gehen, der von Microsoft vorgegeben wurde: von MS-DOS über die 16-Bit-Versionen (Windows 3.x wurde aus Stabilitätsgründen ausgelassen), Windows 95/98, die NT-Systeme 2000, XP und Vista ( dafür haben wir relativ viel Aufwand betrieben, was aber wenig Sinn machte ), 7 und jetzt 8. Flächenmodellierung Die Version 2.0 von aus dem Jahr 1989 verfügte bereits über einen Flächenmodellierer, außerdem war eine Render- Engine, oder genauer gesagt: ein Shader, integriert. Der besondere Clou war, dass bereits in dieser Version die 3D-Flächenmodelle sehr kompakt abgespeichert werden konnten. Der Grund: Man bediente sich der Methode der Bézier-Maschen, die es erlaubt, mit 16 Kontrollpunkten, die in der Datenbank abgespeichert werden, Flächen mit unendlicher hoher Genauigkeit darzustellen. Zeitreise in die 1950er Jahre Damals hatte der Ingenieur und Mathematiker Pierre Étienne Bézier eine mathematische Formel entdeckt, mit der sich beliebig geschwungene Kurven beschreiben lassen (3). Die Kurve wird dabei durch wenige Kontrollpunkte definiert, die jedoch nicht, wie bei Splines (stückweise zusammengesetzte Polygonzüge) üblich, auf der Kurve liegen, sondern daneben, aber die wichtigen Tangentialbeziehungen enthalten. Bézier-Kurven sind (als Polynom dritten Grades) in ihrer Krümmung beschränkt, so dass komplexere Kurvenzüge aus mehreren Bézier-Kurven zusammengesetzt werden müssen. Beispielsweise kann ein Kreis mit vier Bézier-Kurven beschrieben werden. In den 1980er Jahren wurden schließlich Algorithmen entwickelt, bei denen die einzelnen Kontrollpunkte unterschiedlich stark ( non uniform ) auf den Kurvenverlauf einwirken können. Sie wurden unter dem Namen Nurbs ( Non-uniform rational Bilder: Schott Systeme B-Splines ) in der Industrie bekannt und sind seit der Version 3.0 in implementiert. Nurbs können Kurven und Flächen durch verschieden glatte Übergänge ( Stetigkeiten ) zusammensetzen. So weiß der Formenbauer, dass Flächen über mindestens tangentiale Stetigkeit (sogenannte C1-Stetigkeit) verfügen müssen, damit es nicht zu unschönen scharfen Kanten oder Ecken kommt, die zu Störungen bei Lichteffekten führen. Ein beleuchteter, krümmungsstetiger Übergang (C2-Stetigkeit) zeigt zum Beispiel keine Veränderung, so dass zwei aneinandergrenzende Flächen als eine einzige erscheinen, was als optisch perfekt glatt wahrgenommen wird. Eine wichtige Klientel von Schott Systeme ist der Werkzeug- und Formenbau, in dem es ja gerade derart anspruchsvolle Flächen zu erzeugen gilt. Deshalb verfügt über diese umfangreiche Vektorgrafik-Funktionalität. Zum Beispiel lassen sich mit dem CAD-Tool auch alle Postskript-Schriften typografisch manipulieren und darstellen, weil diese auf der Bézier-Mathematik basieren. Schott bringt es auf den Punkt: Es geht darum, eine Kurve so präzise wie möglich zu beschreiben, mit der minimalen Anzahl von Parametern. Dies gelang mit der frühzeitigen Einführung der Bézier-Mathematik und hat ECONOMIC ENGINEERING 2/

6 Der Funktionsumfang des CAM-Moduls von spiegelt damals wie heute den Stand der Technik wider: links 2.0 (unter DOS) und rechts 3.6 (Windows 7) bereits bei 2.0 dazu geführt, dass 3D-Grafiken sehr wenig Speicherplatz benötigen. Volumen-Modellierung Die Flächenmodellerierung stößt schnell an ihre Grenzen, wenn es gilt, komplexe Gebilde wie das Durchdringen verschiedener Körper nachzubilden, etwa Verzweigungen von Rohren oder Blöcke mit vielen Bohrungen, denn der Aufwand dafür steigt enorm an. Mit der Version 3.0 wurde daher 1998 zusätzlich zum eigenen Bézier- der Volumen-Modellierer Acis von Spatial Technology in implementiert. Acis erlaubt einerseits, 3D-Körper aus sogenannten Boole schen Operationen zu Zur Beschreibung einer Bézier-Fläche benötigt man 16 Kontrollpunkte (siehe auch Text). Um C0- Stetigkeit zwischen zwei Flächen zu erreichen, müssen sie vier Kontrollpunkte gemeinsam haben (also eine Kante). G1- Stetigkeit erhält man, wenn die jeweils vier Punkte neben den Kantenpunkten auf einer Geraden liegen erzeugen. Dies sind Mengenmanipulationen, bei denen Grundkörper geschickt miteinander kombiniert werden (zum Beispiel ein Quader, von dem ein Zylinder abgezogen wird, um ein Blech mit Bohrung zu erzeugen). Bekannt ist dieser Modellierungstyp in der Literatur unter dem Begriff Constructive Solid Geometry, wobei Acis allerdings darüber hinaus durch die sogenannte Boundary-Representation-(B- Rep-)Methode zusätzliche Operationen möglich macht. Hierzu gehören Extrusion (Erhebung einer 2D-Kontur in 3D), Flächen aus Kurvenscharen (auch Skinning genannt), Extrusion über gekrümmte Kurven ( Sweeping ), Ausrundungen und Fasen ( Blending ), Flächen-Offset, Verdickung, Aushöhlung ( Shelling ) und Kombinationen davon. B-Rep ist eine Darstellungsform eines Flächen- oder Volumenmodells, in der Objekte durch ihre kurvenbegrenzten Flächen beschrieben werden. Die grundlegenden Arbeiten hierzu stammen unter anderem von Ian Braid aus den frühen 1970er Jahren, die später mit als Grundlage für die Entwicklung des Acis-Kernels dienten. Schott spricht über die ersten Gehversuche mit Acis: Im Bereich der Freiformflächen- Modellierung konnte der 3D-Kernel beileibe nicht das bieten, was uns mit den Bézier- Flächen gelang. Uns war aber bewusst, welches Potenzial in der Volumenmodellierung steckte, und wir brauchten ein Standard-3D-Format. Die Softwareschmiede hätte freilich am liebsten alles selbst entwickelt auch in der Volumenmodellierung, allerdings reichten damals die Ressourcen dafür nicht aus. Außerdem musste der Vertrieb neu strukturiert werden, da Markt+Technik den kompletten Softwarevertrieb einstellte. Darüber hinaus musste eine Lösung zügig her, da der Markt zunehmend Volumenmodelle für den Datenaustausch nachfragte. Auf Spatial Technology fiel die Wahl, weil es zum damaligen Zeitpunkt unabhängig war. Heute indes agiert es unter der Regie von Dassault Systèmes übrigens wiederum ein Beispiel für das mäßige Durchhaltevermögen in der IT-Industrie. Besonders hervorgehoben werden sollten bei folgende CAD-Funktionen im aktuellen Release 3.6: multifunktionales mechanisches 2D- und 3D-CAD Skizzieren von Konzepten (auch Konversion von importierten Bitmap-Daten in CAD-Geometrie) Technische Dokumentation Illustration Quelle: Brausewetter / Mascolous / TU Dresden und Desktop Publishig für die Erzeugung vollständiger Produktdokumentationen einschließlich Explosionsdarstellungen Grafik Design (auch Import von Vorlagen aus Illustrationsprogrammen wie Adobe Illustrator, Corel Draw oder anderen Applikationen, die Bézier-Kurven unterstützen) konzeptionelles Design durch 3D-Gestaltungsfunktionen für kreative Darstellungen und sehr anspruchsvolle Formen professionelle Typographie durch Import, Bearbeitung und Verwendung von auf Bézier-Kurven basierenden Postscript- Schriftsätzen 3D-Volumenmodellierung mittels Acis 3D-Flächenmodellierung mit Nurbs-, Acis-, Bézier-Flächen und 3D-Maschen weitreichende Unterstützung der Konstruktion für den Werkzeug- und Formenbau mit Formtrennungs- und Ausrichtfunktionen fotorealistisches Rendering für plastische Illustrationen Erstellung attraktiver 3D-Präsentationen mittels Animation oder Business-Graphics- Funktion Bearbeitung von Netzflächen (Maschennetzen wie STL) zur Geometrieaufbereitung für Additive Fertigungsverfahren. Hinzu kommt die komplette Unterstützung der Fertigung mit den CAM-Technologien: Gravieren, Bohren, Fräsen (bis zu fünf simultane Achsen), Drehen, Drehfräsen und Drahtschneiden (Erodieren). Entrepreneurship Kein Zweifel also, spiegelt den aktuellen Stand der (CAD/CAM-)Technik wider. Wir machen dennoch einen zweiten Versuch, die Kontinuität von Pictures by PC zu erklären diesmal aus unternehmerischer Perspektive: gesundes unternehmerisches Selbstbewusstsein das Team stimmt die Kunden ziehen mit. 24 ECONOMIC ENGINEERING 2/2015

7 STANDFESTIGKEIT Bilder: Schott Systeme Was hält der Unternehmensgründer von unseren Thesen? Für den Geschäftsführer ist der Begriff Systemhaus ein Unwort, und es täte ihm schon sehr weh, sein Unternehmen als solches zu bezeichnen. Man versteht sich eben als Software-Hersteller. Nichts ist schlimmer als eine Software, die zehn Ingenieure benötigt, um sie zum Laufen zu bringen, sagt er kopfschüttelnd. Man will möglichst unabhängig von anderen Software- Anbietern sein, daher werden auch nur wenige Werkzeuge von Microsoft genutzt ( Die Technologielieferanten von Softwarekomponenten kamen in unserem Fall mit ihren Lösungen meistens zu spät auf den Markt, so mussten wir vieles selbst entwickeln ). Es liegt auf der Hand: Je mehr Technologie aus dem eigenen Hause kommt, desto freier ist man in der Wahl, wie man sich dem Kunden gegenüber präsentiert. In dieses Bild passt auch die Verpflichtung zur Offenheit und Geometrie-Transparenz. So werden die Geometriedaten im ASCII-Vektorformat verwaltet und lassen sich sogar direkt in der Datenstruktur editieren. Eine der herausragendsten Eigenschaften und ein Alleinstellungsmerkmal von Pictures by PC war von Anfang an die Integration einer systemeigenen, interpretierenden Programmiersprache, die es jedem Anwender ermöglicht, neue oder modifizierte Funktionen zu implementieren, ohne den Compiler nutzen zu müssen. ist also neben allen CAD/CAM-Funktionalitäten auch ein eigenständiges grafisches Entwicklungssystem. Diese freie Programmierung führte im Lauf der vergangenen drei Dekaden zu einer Vielzahl von speziellen, teilweise durchaus auch bizarren Branchenanwendungen für. So reichte das Spektrum von der Elektrotechnik über die Architektur, die Baustatik und die Unfallauswertung bis hin zur Orthopädie- oder Dentaltechnik. Gerade Letztere ist ein gutes Beispiel für die Systemoffenheit von. Ein langjähriger Maschinenbaupartner von uns wünschte eine Lösung für das Dentalfräsen. Da wir als Schott Systeme weder die Branchenkenntnisse noch die Entwicklungskapazitäten hatten, fand der Maschinenbauer in unserem Anwenderumfeld einen Partner, der dann eine der meistverkauften Dentallösungen entwickelte, obwohl er kein eigentlicher Softwareentwickler, sondern ursprünglich Tiefzieh-Konstrukteur war, sagt Schott. Diese freie Programmierbarkeit wurde früher von den Anwendern begeisterter als heute angenommen, weil man heutzutage eher auf eine fertige Lösung per Knopfdruck hofft. Dies bedauert Schott, weil er der Ansicht ist, dass CAD immer individuellen Wünschen gerecht werden muss und vertiefte Kenntnisse von CAD-Basistechnologien für jeden Fertigungsbetrieb notwendig sind. ERP- Systeme oder MS Excel werden ja auch angepasst, um Kennzahlen für die eigene Unternehmensführung zu extrahieren. Mobile Computing Ein Blick in die einschlägigen Foren zeigt, dass eine lebhafte Diskussion um Tablet-PCs oder Touch-Screen-Laptops in Verbindung mit CAD entbrannt ist. Zwar wird der Nutzen dieses Tête-à-Têtes noch kontrovers diskutiert, doch scheint sich auch hier ein Massenmarkt aufzutun. Grund genug für Schott Systeme, sich mit diesem Front-End zu beschäftigen auch in Verbindung mit dem weiteren Hoffnungsträger Cloud Computing. Allerdings ist es um die Verbreitung der entsprechenden Standards für Browser, etwa das auf HTML5 basierende WebGL, noch nicht sonderlich gut bestellt. Die auf OpenGL basierende Grafikbibliothek WebGL erlaubt zum Beispiel das Client-seitige Rendering von CAD-Modellen, wobei keine 3D-Geometrien auf das Endgerät heruntergeladen werden müssen. Dies bedeutet einen weitreichenden Know-how-Schutz der Konstruktionsdaten und die Möglichkeit, CADnahe Dienstleistungen anzubieten. Bisherige CAD-Lösungen sind reine Client-Server-Anwendungen mit schwergewichtigem Datenaustausch, der hohe Anforderungen an die Netzwerkinfrastruktur stellt. Wie Schott Mehrseitenbearbeitung eines Gussteils (links) und 5-Achsen-Simultan-Fräsen eines Impellers (rechts) betont, haben sich die Erwartungen an 3D- PDF in Hinsicht auf die Verbreitung nicht wirklich erfüllt, zumal Adobe das SDK von 3D-PDF zwar an Tech Soft 3D verkauft hatte, es dann aber um diese vielversprechende Visualisierungstechnologie in Sachen Marktpräsenz sehr ruhig geworden ist. Es wird sich zeigen, ob sich neben Bézier- Maschen auch ganze Baugruppen auf den Tablet-PCs werden visualisieren lassen was den Transfer von Meta-Informationen mittels XML erfordert. Zumindest baut Schott Systeme derzeit schon eine Private Cloud auf; diese ist im Grunde genommen ein FTP- Server mit erweiterten Funktionen zur Unterstützung von Collaboration Engineering. Fazit 30 Jahre sprechen für eine Langzeitstrategie, wie sie meist nur noch in mittelständisch geprägten Firmen anzutreffen ist. Das verlangt nach Unternehmertypen von echtem Schrot und Korn. Hans-Joachim Schott ist so einer. Einer, der sich etwas zugetraut hat und auch Entscheidungen trifft. Auch unter den Anwendern von Pictures by PC finden sich solche Unternehmertypen. Und der Erfolg von Schott Systeme macht insbesondere eines deutlich: Man muss die eigenen Visionen konsequent verfolgen und die Engineering-IT-Strategie danach ausrichten. Schott Systeme und seine Kunden sind eben von gleicher Natur. INFOCORNER (1) de.wikipedia.org/wiki/medusa (2) de.wikipedia.org/wiki/ IBM_Personal_Computer_XT (3) de.wikipedia.org/wiki/bézierkurve Weitere Informationen über die vielfältigen Möglichkeiten von über ECONOMIC ENGINEERING 2/

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