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1 13 Beiträge für die Wirtschaftspraxis Wissenschaft & Praxis Aktuelle Probleme im deutschen Bankensektor eine kritische Analyse und mögliche Lösungsansätze Eric Frère / Svend Reuse / Martin Svoboda Akademie Verlag

2 Frère, Eric / Reuse, Svend / Svoboda, Martin Aktuelle Probleme im deutschen Bankensektor eine kritische Analyse und mögliche Lösungsansätze FOM-Schriftenreihe: Beiträge für die Wirtschaftspraxis, Nr. 13 Essen 2008 ISBN C 2008 by Akademie Verlag MA Akademie Verlagsund Druck-Gesellschaft mbh Leimkugelstraße 6,45141 Essen Tel Fax Kein Teil des Manuskriptes darf ohne schriftliche Genehmigung in irgendeiner Form durch Fotokopie, Mikrofilm oder andere Verfahren reproduziert werden. Auch die Rechte der Wiedergabe durch Vortrag oder ähnliche Wege bleiben vorbehalten. ISBN

3 Vorwort Der deutsche Bankensektor ist in Folge der internationalen Finanzkrise seit Mitte 2007 in die Notwendigkeit dramatischer Sicherungsmaßnahmen geraten. Die abflauende Konjunktur führte zu verstärkter Zahlungsunfähigkeit unzähliger privater und gewerblicher Schuldner und in Verbindung mit minderwertig abgesicherten Krediten zu gravierenden Verlusten der Kreditunternehmen. Die IKB (Industriekreditbank), die SachsenLB (-Landesbank) und die WestLB wurden von Abschreibungsaufwand in Milliardenhöhe auf verbriefte Forderungen getroffen. Um Insolvenzen im sensiblen Bankensektor zu vermeiden, wurden damit die Konsolidierung des Wirtschaftsbereichs und staatliche Sicherungsmaßnahmen, die wiederum letztlich vom Steuerzahler getragen werden müssen, notwendig. Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank sowie die staatliche Stützung der USA für die beiden Institute Fannie Mae und Freddie Mac sind dafür aktuelle Beispiele. Vor diesem Hintergrund arbeitet die vorliegende Arbeit die sog. Subprime-Krise anhand struktureller Merkmale sowie aktueller Beispiele auf. Dabei betreiben die Autoren weit unter die Oberfläche der aktuellen Diskussion gehende Ursachenforschung und leiten daraus differenzierte Kritik an der Entwicklung des Bankensektors in der Vergangenheit ab. Auf dieser Grundlage werden dann konkrete Handlungsempfehlungen für Kreditinstitute ausgesprochen, um ein erneutes Verfangen deutscher Banken in vergleichbaren Krisensituationen abmildern bzw. vermeiden helfen zu können. Prof. Dr. Sabine Fichtner-Rosada FOM Fachhochschule für Oekonomie & Management Wissenschaftliche Schriftenleitung Essen, Oktober 2008

4 Inhalt Inhalt... II Abbildungsverzeichnis... IV Tabellenverzeichnis... IV Abkürzungsverzeichnis... V 1 Einleitende Worte und Problemstellung Aufbau und Rahmenbedingungen im Deutschen Bankensystem Aufbau des Deutschen Bankensystems: das Drei-Säulen-Modell Umsetzungsstand von Basel II in Deutschland Status Quo der Ertragslage im Deutschen Bankensystem Internationaler Vergleich Nationale Entwicklung Strukturierung und Analyse der aktuellen Probleme Ertrags- und Kostendruck Sinkendes Ergebnis aus Fristentransformation Ertragsdruck durch Änderung des Kundenverhaltens Verschärfte Konkurrenzsituation durch Direktbanken Kostendruck durch EDV Subprime Krise und deren Folgewirkungen Analyse der Fehler am ABS Markt Liquiditätskrise die Konsequenz aus mangelndem Vertrauen Fehler bei externen Ratingagenturen Risikomanagementprozess und Risikoüberwachung Versagen des Risikomanagements Fehler in der Bankenaufsicht Strategische Ausrichtung II

5 3.4.1 Zukunftsfähigkeit des Drei-Säulen-Modells Inkonsistenzen zwischen Strategie und Steuerungskonzepten Lösungsansätze für Deutsche Banken Optimierung Risikomanagement: Konsequentes Umsetzen der MaRisk Strategische Ausrichtung Spezialisierung und Outsourcing Multikanalvertrieb und professionelle Kundensegmentierung Methodisch korrekte Asset Allocation Optimierung der Strukturen und Prozesse der Aufsicht Reduzierung der Wichtigkeit externer Ratings Fazit und kritische Würdigung Zusammenfassung der Ergebnisse Ausblick für die Zukunft Literaturverzeichnis III

6 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Umsetzung von Basel II in deutsches Recht... 5 Abbildung 2: Deutsche Banken im internationalen Vergleich... 8 Abbildung 3: Entwicklung des Ergebnisses aus Fristentransformation Abbildung 4: Entwicklung der Anzahl kostenloser Girokonten Abbildung 5: Bankdienstleistungen Preis vs. Qualität Abbildung 6: Operative Kostenpositionen der deutschen Banken (in %) Abbildung 7: Ablauf einer ABS Transaktion mit Forderungsverkauf Abbildung 8: Wertentwicklung der Indices für RMBS Abbildung 9: Vergleich von besichertem und unbesichertem Geldmarkt Abbildung 10: Nutzung und Wertung verschiedener Kennzahlen, n = Abbildung 11: Mögliche neue Bankstrukturen Abbildung 12: Kundenstrukturen und Multikanalvertrieb Abbildung 13: Zusammenfassung der Probleme im deutschen Bankensektor Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Entwicklung der Anzahl deutscher Institute... 2 Tabelle 2: Entwicklung des deutschen Bankensektors IV

7 Abkürzungsverzeichnis ABS AT BaFin BIZ BSC BT BTR bzw. CIR DAX DB DIBA DSGV EDV EKR EU = Asset Backed Securities = Allgemeiner Teil = Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen = Bank für internationalen Zahlungsausgleich = Balanced Scorecard = Besonderer Teil = Besonderer Teil Risiko = beziehungsweise = Cost Income Ratio = Deutscher Aktienindex = Deckungsbeitrag = Direktanlagebank = Deutscher Sparkassen- und Giroverband = Elektronische Datenverarbeitung = Eigenkapitalrentabilität = Europäische Union f. = folgende FED ff. FG FTD ggf. GroMiKV ICAAP IKB IRB IT KfW KSA KWG LB MaH MaIR = Federal Reserve System = fortfolgende = Fachgremium = Financial Times Deutschland = gegebenenfalls = Groß- und Millionenkreditverordnung = Internal Capital Adequacy Assessment Process (Interner Prozess zur angemessenen Eigenkapitalausstattung) = Industriekreditbank = Auf internen Ratings basierender Ansatz = Informationstechnologie = Kreditanstalt für Wiederaufbau = Kreditrisikostandardansatz = Kreditwesengesetz = Landesbank = Mindestanforderungen an das Betreiben von Handelsgeschäften der Kreditinstitute = Mindestanforderungen an die Ausgestaltung der internen Revision = Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute MaK MaRisk = Mindestanforderungen an das Risikomanagement der Kreditinstitute V

8 MiFID Mio. NRW NSpG RMBS SEPA SolvV SPV SREP SRP u.a. USA vgl. VÖB WiWo z.b. ZKA = Markets in Financial Instruments Directive = Millionen = Nordrhein-Westfalen = Niedersächsisches Sparkassengesetz = (Residential Mortgage Backes Securities) = Single Euro Payments Area = Solvabilitätsverordnung = Special Purpose Vehicle = Supervisory Review and Evaluation Process (Aufsichtlicher Überprüfungsprozess) = Supervisory Review Process (Aufsichtliches Überprüfungsverfahren) = unter anderem = United States of America = Vergleiche = Verband Öffentlicher Banken = Wirtschaftswoche = Zum Beispiel = Zentraler Kreditausschuss VI

9 1 Einleitende Worte und Problemstellung Seit Mitte 2007 ist der Bankenmarkt in Aufruhr. Die so genannte Subprime Krise hat vor allem die IKB (Industriekreditbank), die SachsenLB (-Landesbank) und die WestLB mit Abschreibungen in Milliardenhöhe in Mitleidenschaft gezogen 1. Aber auch die anderen Banken hatten diesbezüglich hohe Abschreibungen im Jahresabschluss 2007 zu verzeichnen 2. Doch diese Krise ist nur das vordergründige Problem, dem sich der deutsche Bankensektor stellen muss. Eine nähere Analyse offenbart viele andere, schon länger inhärent vorhandene Probleme, die nun simultan schlagend werden. Die vorliegende Ausarbeitung setzt sich zum Ziel, diese Problemfelder zu analysieren und zu strukturieren. Es wird auf bereits länger vorhandene Probleme genauso eingegangen wie auf aktuelle Spannungsfelder. Hierbei wird aufgezeigt, welche der Probleme sich gegenseitig bedingen. Ziel ist es letztlich, die Ursache-Wirkungszusammenhänge aufzuzeigen und mögliche Lösungsansätze zu entwickeln, um die aktuellen Probleme im deutschen Bankensektor zu lösen. Hierzu wird wie folgt vorgegangen: Nach dem einleitenden Kapitel 1 erläutert Kapitel 2 den Status quo im deutschen Bankensektor aus struktureller, ertragsorientierter und aufsichtsrechtlicher Sicht. Gerade auf den letzten Aspekt wird hier besonderen Wert gelegt, da trotz Einführung von Basel II mit all seinen Bestandteilen eine solche Krise möglich geworden ist. Kapitel 2 stellt letztlich die Basis für die daraus resultierenden Probleme in Kapitel 3. Diese werden strukturiert und detailliert erläutert, um einen Überblick über die Spannungsfelder im deutschen Bankensektor aufzuzeigen. Kapitel 4 offeriert mögliche Lösungsansätze zu den in Kapitel 3 dargestellten Problemfeldern. Ziel ist es, die aus Sicht der aktuellen Fachliteratur richtigen Lösungsimpulse aufzuzeigen. Kapitel 5 letztlich fasst im ersten Teil die Ergebnisse zusammen, wobei hier die Mehrschichtigkeit und Kausalität der Probleme im Vordergrund stehen. Im zweiten Teil wird ein aggregierter Ausblick für die Zukunft gegeben. 1 2 Vgl. u.a. Weinstock (2008), S. 7 und Steinbrück (2008), S. 4. Vgl. u.a. Steinbrück (2008), S. 4. Seite 1

10 2 Aufbau und Rahmenbedingungen im Deutschen Bankensystem Im ersten Schritt gilt es, den Status Quo im deutschen Bankensektor zu identifizieren. Hierzu werden im Folgenden die Struktur, die Ertragslage und die Umsetzung von Basel II in deutsches Recht erläutert. Es handelt sich dabei um die drei wesentlichen Aspekte, die es letztlich im Rahmen der Problemstellung zu analysieren gilt. 2.1 Aufbau des Deutschen Bankensystems: das Drei-Säulen-Modell Generell ist das deutsche Bankensystem in ein Drei-Säulen-Modell eingeteilt, wobei hier zwischen privatwirtschaftlichen, öffentlich/rechtlichen und genossenschaftlichen Kreditinstituten unterschieden wird 3. Während bei privatwirtschaftlichen Unternehmen die Gewinnerzielungsabsicht im Vordergrund steht, liegt der Fokus bei den anderen beiden Säulen auf der Erfüllung bestimmter Aufgaben 4. Diese Strukturierung existiert seit dem Bestehen der Bundesrepublik Deutschland und wird nachfolgend näher analysiert. Tabelle 1 stellt die Entwicklung der Anzahl der Institute je Säule/Bereich gegenüber. Neben den klassischen drei Säulen sind hier die Landesbanken separat aufgeführt. Art der Banken Delta in % Privatbanken ,76% Landesbanken ,00% Sparkassen ,57% Genossenschaften ,75% Summe ,99% Quelle: Deutscher Bankenverband (2008). Tabelle 1: Entwicklung der Anzahl deutscher Institute Es ist zu erkennen, dass sich die Anzahl der deutschen Kreditinstitute seit 1990 stark vermindert hat. Vor allem Sparkassen und Genossenschaften sind hiervon betroffen, da sie tendenziell relativ klein sind. Die Gruppe der Genossenschaftsbanken hat sich auf fast Vgl. u.a. Grill/Perczynksi (1998), S. 40; Süchting/Paul (1998), S. 32 und Voigtländer (2004), S. 3 ff. Vgl. Grill/Perczynksi (1998), S. 41. Zu einer Differenzierung zwischen Sparkassen und Volksbanken vgl. u.a. DSGV (2006), S. 1 ff. Vgl. auch DSGV (2007a) und DSGV (2007b) zur Strukturierung des Sparkassensektors. Ohne ca. 55 Investmentbanken, die ab 2002 dieser Gruppe zugeordnet wurden. Vgl. Deutscher Bankenverband (2008), S. 1. Seite 2

11 ein Drittel reduziert. Dies lässt auf bereits erfolgte Fusionen und einen weiterhin vorhandenen Fusionsdruck innerhalb der jeweiligen Säule schließen 6. Aber auch Zusammenschlüsse zwischen den Säulen sind zurzeit in der Diskussion 7. Während die Privatbanken solch eine Fusion durchsetzen wollen 8, versuchen Genossenschaften und Sparkassen, dies zu verhindern 9. So beurteilt der Bankenverband NRW (Nordrhein-Westfalen) das Drei-Säulen-Modell wie folgt: Vor dem Hintergrund des nicht mehr gegebenen öffentlichen Auftrags erscheinen die Nachteile des etablierten Drei-Säulen-Modells um so gravierender. [ ] vielmehr zeigt sich im internationalen Vergleich deutlich, dass das bestehende Drei-Säulen-System die Herausbildung einer im europäischen und globalen Wettbewerb leistungsfähigen Struktur verhindert. 10 Diese Konsolidierung lässt bereits den Schluss zu, dass die Geschäftsmodelle der deutschen Banken diskussionswürdig sind. Dieser Faktor ist eine der zentralen Rahmenbedingungen, die zu einer Vielzahl der aktuell vorhandenen Probleme geführt haben. Dies wird auch an späterer Stelle deutlich und entsprechend diskutiert Umsetzungsstand von Basel II in Deutschland Das Thema Basel II ist seit Jahren ein viel diskutiertes Thema. Es wird oftmals (auch fälschlicherweise) als Grund für diverse Entwicklungen im deutschen Bankensektor angeführt. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle das Thema Basel II und seine Umsetzung in deutsches Recht kurz vorgestellt 12. An späterer Stelle kann dann gezeigt werden, ob bzw. was Basel II mit den aktuellen Problemen im deutschen Bankensektor zu tun hat. Der gesamte Komplex Basel II besteht aus drei Säulen 13 : Ein Zusammenschluss zwischen Instituten verschiedener Säulen, vor allem der Verkauf von Sparkassen ist zumindest aktuell gesetzlich nicht erlaubt. Dies ist Landesrecht, vgl. u.a. 1 NSpG: Die Träger dürfen ihre Sparkassen nicht veräußern. Aktuell u.a. diskutiert in Bankvereinigung NRW (2006), S. 2. Vgl. u.a. Jennen (2006). Einen strukturierten Überblick bieten Simmert/Benölken (2006), S. 238 ff. Vgl. WiWo (2006). Vgl. u.a. Hoppenstedt (2005), S. 3. Bankvereinigung NRW (2006), S. 2 f. Vgl. Kapitel 3. Diskutiert in Reuse ( ), S Vgl. u.a. DSGV (2007c), S. 16; Paul (2004), S. 9 und Deutsche Bundesbank (2007a). Seite 3

12 Säule 1: Quantitative Mindestanforderungen: Wie haben Banken ihre Kreditrisiken mit Eigenkapital zu unterlegen? Säule 2: Qualitative Mindestanforderungen: Sind Banken in der Lage, ihren Risikomanagementprozess adäquat umzusetzen? Diese Betrachtung ist unabhängig von Säule I zu sehen. Säule 3: Marktdisziplin: Erweiterte Transparenzvorschriften für Banken: diese müssen im Rahmen der Jahresabschlusserstellung einen Offenlegungsbericht erstellen. Dieser muss zusätzlich zu den Angaben im Lagebericht beispielsweise detaillierte Aussagen zur Portfoliozusammensetzung gemäß Säule 1, den Wertberichtigungen und dem qualitativen Risikomanagement umfassen 14. Dieser grundlegende Aufbau von Basel II ist sehr weitgehend, umfasst er doch nahezu alle quantitativen und qualitativen Anforderungen, die eine Bank erfüllen muss. Der Ansatz geht somit weit über die reine Eigenkapitalunterlegung von Basel I hinaus. Es dauerte jedoch recht lange, bis Basel II wirklich in deutsches Recht transformiert werden konnte. Basel II wurde zum ersten Mal im Juni 1999 zur Konsultation auf internationaler Ebene vorgestellt 15. Erst im Juni 2004, also fünf Jahre später, wurde es letztlich als finales Empfehlungspapier verabschiedet. Doch damit Basel II in deutsches Recht transformiert werden konnte, musste es erst in europäisches Recht überführt werden. Dies geschah nach mehreren Konsultationsläufen im Juni 2006 durch die Veröffentlichung der Bankenrichtlinie (2006/48/EG) 16 und der Kapitaladäquanzrichtlinie (2006/49/EG) 17. Die letztliche Umsetzung in deutsches Recht erfolgte jedoch erst Ende 2006 über das KWG (Kreditwesengesetz) 18 und der darauf basierenden SolvV (Solvabilitätsverordnung) 19. Abbildung 1 verdeutlicht die Umsetzung von Basel II in deutsches Recht. Das Basisgesetz der Umsetzung ist das KWG. Dieses nur aus Metadaten bestehende Gesetz wird durch die SolvV 20 und die GroMiKV (Groß- und Millionenkreditverordnung) Zum detaillierten Umfang vgl SolvV. Vgl. Deutsche Bundesbank (2007a). Vgl. Europäische Union (2006a). Vgl. Europäische Union (2006b). Vgl. 10 KWG. Vgl. SolvV (2006). Vgl. SolvV (2006). Seite 4

13 manifestiert. Sie ersetzen den alten Grundsatz I. Dieser basierte auf Basel I von und regelte pauschal, dass 100 Kredit mit 8 Eigenkapital unterlegt werden mussten. Basel II Gesetzliche Umsetzungsaktivitäten in Deutschland bezüglich Basel II (via EU-Richtlinien) Säule I Säule II Säule III Schaffung der rechtlichen Rahmenbedingungen für SolvV und GroMikV Ersetzt Grundsatz I Konkretisiert den ICAAP (Internal Capital Adequacy Assessment Process) und schafft den Rahmen für SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) KWG FG (Fachgremium) MaRisk ersetzt: MaK-FG SRP (Supervisory Review Process)-FG SolvV/GroMiKV Mindestanforderungen an das Risikomanagement ( MaRisk ) Quelle: DSGV (2007c), S. 16. Abbildung 1: Umsetzung von Basel II in deutsches Recht Basel II sieht nun differenzierte Ansätze vor, wobei zwischen dem KSA (Kreditrisikostandardansatz) und dem IRB (Auf internen Ratings basierender Ansatz) unterschieden wird 22. Im ersten Ansatz werden Forderungen ratingunabhängig in verschiedene Forderungsklassen eingeteilt und auf Basis dieser Forderungsklassen mit Eigenkapital unterlegt 23. Nur in einem einzigen Fall finden Ratings hier Anwendung: wenn sie von einer externen Ratingagentur ausgestellt wurden 24, die Bank diese externen Ratings intern verwenden möchte und dies der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen) anzeigt 25. Interne Ratings haben hier keine Auswirkung. Diese werden erst im IRB-Ansatz relevant, denn hier findet wirklich eine Eigenkapitalunterlegung auf Basis von Ratings statt Vgl. Deutsche Bundesbank (2007). Vgl. u.a. Deutsche Bundesbank (2006), S. 80 ff. Vgl SolvV. Vgl SolvV. Vgl. 41, 52 SolvV und BaFin ( ). Seite 5

14 Den Banken stand ein Wahlrecht bei der Umsetzung von Basel II zu. Frühestens zum und spätestens zum musste die neue Regelung umgesetzt sein 26. Allerdings haben die meisten Banken eine Umsetzung erst per Ende 2007 angestrebt, da auch die Veröffentlichung des endgültigen Gesetzeswerkes erst um Weihnachten 2006 erfolgte 27. Die Säule II in Form der MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement der Kreditinstitute) wurde hingegen bereits wesentlich früher, nämlich schon im Dezember 2005 in Kraft gesetzt. Der Gesetzgeber regelte damit einen Gleichklang mit der Säule I: Spätestens mit Inkrafttreten der Säule I musste auch Säule II umgesetzt sein. Die MaRisk fassten die ehemaligen MaH (Mindestanforderungen an das Betreiben von Handelsgeschäften der Kreditinstitute), MaK (Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute) und MaIR (Mindestanforderungen an die Ausgestaltung der internen Revision) zusammen und erweiterten diese um andere zentrale Aspekte, wobei der Schwerpunkt auf der Gesamtbankrisikosteuerung lag 28. Säule III in Form der erweiterten Offenlegungsanforderungen wird erst in 2009 für die meisten Kreditinstitute relevant werden. Der erste Jahresabschluss, der den neuen Offenlegungsanforderungen unterliegt, wird der sein, sofern die entsprechende Bank Basel II erst in 2008 umgesetzt hat. Allerdings muss erwähnt werden, dass der IRB-Ansatz nur von sehr wenigen Banken primär von Großbanken in Deutschland umgesetzt werden wird. So formulierte Meister schon in 2006: Gegenwärtig haben ungefähr 40 Kreditinstitute bzw. Institutsgruppen darunter alle Groß- und fast alle Landesbanken gegenüber der Aufsicht erklärt, dass sie den internen Ratingansatz von Beginn an nutzen werden; zehn weitere Institute werden kurzfristig erwartet. Im Einzelnen wollen ca. 25 Institute mit dem einfachen IRB-Ansatz am 1. Januar 2007 starten sowie weitere 15 ab 1. Januar 2008 den fortgeschrittenen IRB- Ansatz anwenden. 29 Somit starteten 40 Institute mit dem IRB-Ansatz, während der Rest mit dem normalen KSA-Ansatz begann. Aus Sicht der Autoren wird dies auch vorerst so bleiben, da die Implementierung des IRB-Ansatzes mit hohen Kosten verbunden ist Vgl. 340 SolvV und Deutsche Bundesbank (2006), S. 89. Vgl. Potthoff (2007). Vgl. Reuse ( ), S. 20. Meister (2006), S. 4. Seite 6

15 Doch was hat dies nun mit den Problemen im deutschen Bankensektor zu tun? Zum ersten bindet die Einführung eines solch komplexen Ansatzes Ressourcen sowohl in monetärer als auch in personeller Hinsicht. Hierdurch sind Banken oftmals rein personell überlastet, da gerade in kleineren Banken nur einige wenige Mitarbeiter über die nötigen Schlüsselqualifikationen zur Implementierung verfügen. Zum zweiten sollte Basel II die Probleme der letzten zwei Jahre verhindern: Erhöhte Anforderungen an das Risikomanagement der Kreditinstitute sollten die Qualität des Managements erhöhen und die Gefahr einer Krise verhindern. Dies ist nicht geschehen, trotz der Einführung von Basel II kam es zur Krise. Die Gründe hierfür werden in Kapitel 3 erarbeitet. 2.3 Status Quo der Ertragslage im Deutschen Bankensystem Internationaler Vergleich Die Analyse des Status Quo umfasst auch einen Einblick in die aktuelle Ertragslage deutscher Banken. Der Schwerpunkt wird hier auf die CIR (Cost Income Ratio), die EKR (Eigenkapitalrentabilität) und die Zinsspanne gelegt, da diese oftmals als Maßstab angelegt werden 30. Im Vergleich zur internationalen Konkurrenz ist der deutsche Bankensektor seit jeher schlecht aufgestellt 31, wie Abbildung 2 zeigt. Hiernach sind die drei zentralen Kennzahlen generell schlechter als bei der internationalen Konkurrenz. Auch wenn die hier dargestellte Zeitreihe nur bis 2003/2004 reicht, so kann doch festgehalten werden, dass sich der Trend fortsetzt. Auch Banken außerhalb Deutschlands haben durch die Subprime Krise Probleme gehabt, allerdings ist der Effekt im deutschen Bankensektor aufgrund der Vielfalt an zusätzlichen Problemen wesentlich problematischer Vgl. KfW (2005), S. 1. Vgl. u.a. Hagen/Rocholl (2007), S. 5. Seite 7

16 Kennzahl Darstellung EKR nach Steuern CIR Zinsspanne Quelle: KfW (2005), S Abbildung 2: Deutsche Banken im internationalen Vergleich Seite 8

17 2.3.2 Nationale Entwicklung Deutsche Banken stehen somit unter großem Erfolgsdruck. Alle Ertragsfaktoren entwickeln sich simultan in eine negative Richtung. Dies kann auch durch eine nähere Analyse auf dem deutschen Bankenmarkt dargestellt werden, bei der auch weitere Kennzahlen im Zeitablauf dargestellt werden. Größe Ø Zinsspanne in % DBS (Durchschnittsbilanzsumme) 1,28 1,12 1,16 1,18 1,17 1,15 1,18 Zinsüberschuss in % des Gesamtergebnisses 73,20 69,81 70,24 73,47 68,23 68,22 70,53 Verwaltungsaufwand in % DBS 1,16 1,14 1,10 1,05 1,05 1,06 1,09 BE vor Bewertung in % der Bilanzsumme 0,60 0,46 0,55 0,56 0,67 0,64 0,58 CIR in % 66,02 71,41 66,45 65,50 60,95 62,35 65,45 Jahresüberschuss vor Steuern in % DBS 0,35 0,20 0,03 0,14 0,44 0,36 0,25 Eigenkapitalrentabilität 11,22 6,19 0,72 4,18 13,00 9,34 7,44 Quelle: Deutsche Bundesbank ( ), S. 16 ff. und Deutscher Bankenverband (2008). Aggregierte Zahlen 2007 waren Stand noch nicht verfügbar. Tabelle 2: Entwicklung des deutschen Bankensektors Die klassische Ertragsquelle der deutschen Banken, die Zinsspanne ist seit 2004 rückläufig und auch die CIR welche die erwarteten Risikokosten noch nicht beinhaltet ist mit einem Mittelwert von 65 Prozent über dem internationalen Niveau. Besonders signifikant ist die Eigenkapitalrentabilität. Mit 7,44 Prozent ist diese nur knapp über der langfristigen 10-Jahres-Rendite von 5 6 Prozent. Dies ist im internationalen Vergleich kein lohnendes Investment für einen Finanzinvestor. Deutsche Banken haben somit einen Rentabilitätsdruck an vielen Stellen. Hinzu kommen die Anforderungen des Aufsichtsrechtes und das sich stark ändernde Kundenverhalten. Letzten Endes sind diese Zahlen jedoch zu einem Großteil selbst verschuldet, stellen sie doch die Unterlassungssünden der Vergangenheit dar. Sie verstärken somit die nun folgenden Probleme, sind aber eher Ergebnis der Probleme und nicht als deren Verursacher zu sehen. Seite 9

18 3 Strukturierung und Analyse der aktuellen Probleme Es existieren verschiedene Probleme im deutschen Bankensektor. Eine klare Abgrenzung voneinander ist nur bedingt möglich, da sich diese teilweise überschneiden oder gegenseitig bedingen. Trotzdem soll eine strukturelle Trennung in den folgenden Kategorien vorgenommen werden: Ertrags- und Kostenprobleme Subprime Krise und deren Folgewirkungen Fehler im Risikomanagementprozess und der Risikoüberwachung Strategischer Ausrichtung Diese werden analysiert und kritisch gewürdigt. 3.1 Ertrags- und Kostendruck Sinkendes Ergebnis aus Fristentransformation Als erstes Ertragsproblem ist das Ergebnis aus Fristentransformation 32 zu nennen. Die Banken betreiben seit jeher Zinsgeschäft und Fristentransformation. Trotz des immer stärker werdenden Provisionsgeschäfts macht das Zinsergebnis mit 68,2 Prozent nach wie vor einen Großteil der ordentlichen Erträge aus 33 und stellt somit die grundlegende Ertragsquelle für deutsche Banken dar. Allerdings macht das Zinsergebnis auch einen großen Teil des Risikos in deutschen Banken aus 34. Die Entwicklung ist in letzter Zeit negativ. So geraten klassische Kredite und Spareinlagen immer weiter unter Druck 35 und die Bestände an klassischen Sichteinlagen schmelzen bei Universalbanken dahin 36. Nicht zuletzt wird das Zinsergebnis durch die nun schon seit langer Zeit flache Kurve gedrückt. So formuliert Weber, dass das allgemeine Zinsumfeld [...] die Erträge aus der Fristentransformation sinken lässt. 37 Die sukzessiv sinkenden Bruttozinsspannen im Genossenschafts- und Sparkassenbereich sind die traurige Folge dessen Diskutiert in Reuse ( a), S. 3 ff. Vgl. Deutsche Bundesbank ( ), S. 16. Am Beispiel der Stresstests erkennbar in Deutsche Bundesbank ( ), S. 83. Vgl. Deutsche Bundesbank ( ), S. 16. Vgl. Rolfes/Schneider (2007), S. 30. Weber (2006). Vgl. Rolfes/Schneider (2007), S. 30; Deutsche Bundesbank ( ), S. 16. Seite 10

19 Es ist zu erwarten, dass sich die eingangs beschriebene Entwicklung weiter verschärfen wird. Eine einfache Hochrechnung für die nächsten Jahre zeigt, dass neben dem jetzt schon bestehenden Margendruck 39 auch die Erträge aus Fristentransformation weiter abnehmen werden. Hierbei wird eine im Bankenbereich typische passive Strategie simuliert 40, welche auf die Hebelung der Fristentransformation abstellt. Als Ziel- Benchmark wird ein gleitender 10J-Satz gewählt 41, der mit einem gleitenden 1J-Satz gehebelt ist. Basis der Datenreihe ist der Ohne auf die rechnerische Herleitung gleitender Sätze näher einzugehen 42, werden die Ergebnisse der Analyse kurz dargestellt. Auf Basis des Zinsniveaus per werden drei Zinsentwicklungen simuliert: gleich bleibendes Zinsniveau Parallelverschiebung der Zinsstruktur um 1 Prozent Ausweitung des Spreads 1J 10J um 0,1 Prozent pro Monat Die Ergebnisse in Prozent lassen sich über Abbildung 3 visualisieren. Schon seit längerer Zeit sinken die Ergebnisse aus Fristentransformation. Seit 2003 sind diese konsequent rückläufig ein Ergebnis der flachen Zinsstruktur. Selbst bei einer Ausweitung des Spreads um 0,1% pro Monat wird aufgrund des Nachwirkens der flachen Zinsstruktur das Ergebnis erst im Laufe der Zeit besser. Die Anforderungen an ein effizientes Zinsrisikomanagement, auch in solchen Phasen stabile Erträge zu generieren, steigen somit signifikant. An dieser Stelle ist das erste strukturelle Ertragsproblem signifikant: Noch nie war die Zinsstruktur in Deutschland so lange so flach. Auch wenn die deutschen Banken oft über ein professionelles Zinsrisikomanagement verfügen 43, hat doch niemand mit einer so nachhaltig flachen Zinsstruktur gerechnet. Die Folge ist ein erhöhter Ertragsdruck, der die Banken dazu zwingt, ihre überschüssige Liquidität in anderen Assets anzulegen auch wenn die Rendite dort ex post betrachtet nicht ansatzweise den eingegangenen Risiken entsprochen hat Vgl. Weber (2006). Zur Frage der aktiven und passiven Steuerung vgl. Fröhlich/Steinwachs (2008), S. 77 ff. Zur kritischen Diskussion dieser Benchmarks vgl. Frère/Reuse/Svoboda (2008), S Vgl. hierzu im Detail Fröhlich/Steinwachs (2008), S. 77 ff. Vgl. zur Analyse des theoretischen und praktischen Status Quo Reuse ( b), S Vgl. u.a. Deutsche Bundesbank ( ), S Seite 11

20 12,00 10,00 8,00 6,00 4,00 2,00 0, Ergebnis der Strategie 2x10J - 1x1J in % Zeit Historische Entwicklung Szenario 1: konstant Szenario 2: +1% Szenario 3: Steilheit +0,1%/M Quelle: Reuse ( ), S. 4. Datenbasis: WZ9808 und WZ9826 aus Deutsche Bundesbank (2008). Abbildung 3: Entwicklung des Ergebnisses aus Fristentransformation Ertragsdruck durch Änderung des Kundenverhaltens Aber auch das Bild des typischen Bankkunden hat sich gewandelt. Während dieser vor 20 Jahren noch loyal zu seiner Hausbank stand, kaum preissensitiv war und somit den Banken hohe Margen bescherte 45, ist die Situation heute eine andere. Kunden fordern immer mehr an Technik und Beratung 46, wollen aber auf der anderen Seite immer weniger dafür bezahlen 47. Auch die aktuelle Gesetzgebung zum Schutz der Verbraucher MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) 48 und die Globalisierung des Zahlungsverkehrs (SEPA, Single Euro Payments Area) 49 führen dazu, dass Kunden immer häufiger auf Ertragspositionen der Banken stoßen und sich damit kritisch auseinandersetzen Vgl. u.a. Hofbauer (2001), S. 10. Vgl. Hofbauer (2001), S. 9. Vgl. Wiedemann (2007), S. 3. Vgl. Europäische Union (2004) und BaFin (2007, MiFID). Vgl. Europäische Zentralbank (2006). Seite 12

21 Das Resultat ist, dass die meisten Kunden mittlerweile zwei bis vier statt früher nur eine Bankverbindung besitzen 50. Der Anteil der rein preisfokussierten Kunden lag in 2007 bei um 20% 51, es findet derzeit ein richtiges Preisdumping am deutschen Markt statt. Ein aktuelles Beispiel ist das kostenlose Girokonto. Der Druck auf die Banken dieses anzubieten, wird immer stärker auch wenn es sich nur für wenige Banken wirklich rechnet 52. Die Kunden sind jedoch gerade hierbei sehr preissensibel, wie Abbildung 4 zeigt. Die Anzahl der kostenlosen Girokonten wird somit zwangsweise weiter steigen. 25,0 20,6 20,0 18,8 Anteil in % des Gesamtbestandes 15,0 10,0 5,0 4,0 5,0 5,8 10,6 0,0 2,0 0,7 0,0 0, ** kostenlos bediente Konten* kostenlose Online-Konten* * ohne kostenfreie Konten für besondere Gruppen ** Prognose; Quelle: Investors Marketing Quelle: Bergermann (2008), S. 99. Abbildung 4: Entwicklung der Anzahl kostenloser Girokonten Dieses Verhalten lässt sich auch auf andere Produkte übertragen. Allerdings ist die reine Fokussierung auf den Preis nicht mehr grundsätzlich festzustellen. So stellt Pohle fest, dass Qualität und Leistung wieder an Bedeutung gewinnen 53. Dies zeigt Abbildung 5. Kunden legen somit wieder mehr Wert auf Qualität. Deutsche Banken sind hier nun in einer brisanten Lage. Die klassischen Banken können keinen Preiskampf gewinnen, sind also kein Preisführer. Oftmals verlieren sie aber auch ihren Qualitätsführeranspruch Vgl. Wiedemann (2007), S. 3. Vgl. Pohle (2007),S. 47. Vgl. Bergermann (2008), S. 99. Vgl. Pohle (2007), S. 46. Seite 13

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